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vor 1 Woche

von fliegen ANTONIO PALIDO

Kommen wir also zuhause

Kommen wir also zuhause an. Mutter nicht da. Beim Nachbarn. Vielleicht gut so gewesen? Sie wollte sich den Anblick meines Gehens ersparen. Ja. Das ließ ich ihr dann auch. Ich hatte verstanden. Zwei Taschen mit den nötigsten Klamotten gepackt, Nadine ihre zwei Ratten genommen; diese Mistviecher hatten inzwischen meine Büchersammlung komplett angefressen und alles angepisst und angekackt. Ei, ich konnte meine Mutter verstehen. Hab ich jedoch nicht zugeben wollen; jedenfalls nicht laut vor Nadine. Und Muttern ist es eh nicht da gewesen. Die ganze Aktion mag eine halbe Stunde gedauert haben, dann raus. Noch einmal umgeschaut, dann in den nächsten Bus und wieder in die Stadt. Da hab ich mir dann so richtig die Kante gegeben. Abends samt Krempel mit Nadine in die Bergstraße. Ab ins Subway. Dort so lange geblieben, bis wir rausgeschmissen wurden, weil dicht gemacht wurde. Den Rest der Nach im Parkhaus der Berger verbracht. Hatten Schwein, das es einigermaßen warm in der Nacht gewesen ist. Geregnet hat es aber, das erinnre ich noch. Egal, wir sind ja nicht gestorben, alles halb so wild. Am nächsten Tag Nadine und ich überlegt: was machen wir? Jeden Tag auf der Straße zusammen schlafen hatten wir beide keine Lust. Für mich allein wär es ok gewesen, zusammen nicht. Irgendwann hat sie was vom ‚Kinderhaus‘ erzählt. Eine Einrichtung für jugendliche Ausreißer, die auch Wohnungen stellen. Sie kannte da wohl sogar einen Erzieher. Sie dann dort hingegangen. Einen Tag später hat sie eine WG zugewiesen bekommen – in Holtenau. Ingo, ihr persönlicher Betreuer, erlaubte zwar nicht wirklich, dass ich mich dort auch aufhalten durfte, aber verhindern konnte er es auch nicht. Ein schmieriger Typ. Ich glaub, der war scharf auf jede seiner zu betreuenden Mädchen. Jahre später wurde das ‚Kinderhaus‘ geschlossen, aufgelöst. Wegen Missbrauch von Geldern. Haben dort alle schön in die eigene Tasche gewirtschaftet. Die Gelder, die für die Betreuten da waren, kamen nur zu einem Bruchteil auch bei diesen an. Sie hielt es dort nicht lange aus, konnte Ingo dazu bringen, dass sie eine eigene Wohnung bekam. Im Sandkrug. Der Scheiß nahm seinen Lauf. 37 Tage waren wir zusammen. Die ersten Tage begannen ja schon nicht wirklich genial. Und nun das. Eine Nadine mit dem Mundwerk eine eigene Wohnung. Ich hatte wenig zu melden. Aber hatte auch was Gutes. Wir fickten uns durch die Räume. Ob Wohnzimmer, Bad oder Küche. Scheiß drauf, ob uns jemand sah durchs riesen Wohnzimmerfenster. War eine Parterre-Wohnung in einem Stadtbekannten Säuferhaus. Ehemals irgendeine Residenz für alte Menschen. Die, die noch lebten, wohnten, besser hausten, noch immer dort; tranken aber alle. Jedenfalls, die die wir kennenlernten. Ansonsten noch Schläger, Kleinkriminelle. Guter Umgang für eine, die grad auf der Suche war. Für mich war es schon Gewohnheit. Und: die Fenster waren immer offen. Hereinkamen unsere ganzen Leute. Stulle, Harry, Melli, Lila. Gab bald keine Sekunde mehr, wo wir mal allein waren. 33

Was war mit mir? Wollte ich mit mal einen auf Familie machen mit einem 16-jährigen Mädchen? Schien so. Ich hatte mich verschaut, verliebt, verguckt. Was auch immer. Ich bin Krebs. Durch und durch. Sehe ich, dass mir ein Mensch gefällt, es sich lohnt absolutes Vertrauen zu haben, mache ich es. Anfangs. Ohne zu Hinterfragen. Doch sollte ich enttäuscht werden und es nicht so laufen, wie ich es mir vorstelle, geht es also nicht mehr nach meinen Regeln, sammle ich das Negative und irgendwann knallt es. Scheiße. Ja. So ist es. Gewesen und heute, zwar dessen bewusst, aber immer noch passierend. Besitzergreifend bin ich. Habe ich einen Menschen in meiner Umgebung, will ich ihn so schnell nicht mehr loslassen. Führe ich nun nicht weiter aus; wird im Buch immer wieder auftauchen. Nachmittags nachdem wir aus der Stadt kamen, braungebrannt und bespült, war dann für viele der Leute abends Anlaufpunkt Nadine. Nachts ging es mir dann irgendwann auf den Sack. Wir kamen nicht zum schlafen, immer und immer weiter haben wir gesoffen. Und es blieb natürlich nicht aus, dass sich andere Typen für Nadine interessierten. So auch Robert. Gitarrenspieler aus der Stadt. Immer barfuß. Und genial konnte er spielen. ‚Runaway train.‘ Immer und immer wieder. Lange Haare, fast bis zum Arsch. Ruhiger Mensch. Ich mochte ihn. Mag ihn heute wieder. Nadine mochte ihn auch. Irgendwann sind sie auf einen Trip nach Berlin gegangen fürs Wochenende. Ich hab derweil in ihrer Wohnung schlafen können. Dann, wirklich, ohne zu suchen, viel mir ein Brief von ihm an sie in die Hände. Liebesschwüre. Eieiei. Was war ich geladen. Der 37. Tag, das Ende unserer kurzen Beziehung. Sie hatte, was sie wollte. Eintritt und Anerkennung in der Szene. Und hatte einen in ihrem Alter. Wer soll ihr das verübeln. Über die Art und Weise war ich jedoch angepisst. Es war damals schon so, heute ist es immer noch so: wer mir nicht die Wahrheit erzählt und ich es auf Umwegen erfahren, hat erst einmal bei mir verschissen. Damals war ich zwar genauso, aber das hab ich erst viel später erkannt. Habe natürlich auch beschissen, betrogen und gelogen. 37 Tage haben sich verdoppelt. Ungefähr so lange hatten wir derben Stress miteinander. Auf einem Sonntag saßen Harry, Petersen und ich an der Tankstelle. Schnorren, und das bereits in Bier eingetauschte, trinken. Vom rechts waren mehrere Stimmen zu hören. War ein Häuserblock im Weg, konnten wir nicht erkennen; aber ohne Zweifel: Nadine war auch mit dabei. So war es auch. Wollten auf ein Punkkonzert im Jugendzentrum in Rendsburg. „Auf einen Sonntag wird da nicht gespielt. Das wird gestern gewesen sein. Das gab’s noch nie!“ „Scheiss drauf“, meinte Harry, „Eule, komm schon. Das wird witzig.“ „Nein, hab keine Lust, wenn die Schlampe dabei ist. Gibt nur Ärger. Keine Lust darauf.“ 34

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