Aufrufe
vor 1 Monat

von fliegen ANTONIO PALIDO

Knast (2004) 2004 war es

Knast (2004) 2004 war es soweit. Am 25. Juni, wenn ich mich richtig erinnere. Eine Woche vorher hatte ich mein letztes Einzel bei meinem Therapeuten. Hatte eine einjährige ambulante Therapie an diesem Tag abgeschlossen. Er fragte mich noch, wie es mir nun gehen würde. Ich antwortete ihm, dass ich komisches Gefühl habe. Irgendetwas würde mich erwarten, wenn ich nach Hause komme. Ich spürte es. So war es dann auch. Ich wollte den Briefkasten gar nicht öffnen. Habe es getan, hätte auch nichts an der Tatsache geändert, dass dort Gerichtspost drin lag. Was konnte es sein? Ich hatte 2003 eine Verhandlung in Berlin, in der ein Diebstahl von 2001 verhandelt wurde. Es ging um 39 Euro. Parfum, welches ich irgendwann nach meiner ersten Therapie im Karstadt in Berlin-Spandau eingesteckt hatte. Da ich zu dem Zeitpunkt der Verhandlung, drei Bewährungsstrafen laufen hatte, musste mich die Richterin zu der Mindeststrafe von einem Monat Haft verurteilen. Eine vierte Bewährung wäre nicht gegangen. Bei dieser Verhandlung hab ich mir das erste Mal einen Anwalt genommen: Uli, mein Freund aus Kiel. Während der Pause habe ich ihm gesagt, er solle doch den Mund halten, wenn wir wieder reingehen. War mir zu viel drum rum Gerede, was er vortrug. Zu jedem meiner Fehler, Taten habe ich immer gestanden. Da brauche ich nicht vor Gericht rumjammern, was ich für eine beschissene Vorgeschichte hatte. Und Frau Richterin und Frau Staatsanwältin wussten ja auch nicht, dass die ganzen CDs, die noch im Rucksack waren, auch dort gezockt wurden von mir. Also, warum beschweren. Mein Stammrichter in Kiel, Dr. Mau, fragte mich einmal nach der Verhandlung: „Herr Bleich, sind sie mit dem Urteil zufrieden?“ „Herr Mau, aber klar. Sie können sich doch denken, dass sie mich gerade nur für die Taten verurteilt haben, bei denen ich erwischt wurde. Ich bin jeden Tag unterwegs.“ Er lächelte. Zugute kam mir an diesem Tag der Verhandlung in Berlin, dass ich zu dem Zeitpunkt bereits 8 Monate vollkommen clean gewesen bin. Bewährungsauflage unter anderem, was noch eine Rolle spielen sollte. Ich hatte meine dritte Therapie erfolgreich abgeschlossen. Erfolgreich im Sinne, dass ich bis zum letzten Tag geblieben bin. Von Erfolg kann erst an meinem Todestag gesprochen werden: dann wird Bilanz gezogen. Die Strafe von einem Monat Haft wurde ausgesprochen, jedoch erst einmal zurückgestellt. Ich befand mich noch in einer Nachsorgeeinrichtung und hatte grade meine ambulante zusätzliche Therapie begonnen. 43

Und: war immer noch clean. Keine harten, keine weichen Drogen. Kein Alkohol. Nichts. Es bestand also die Möglichkeit, dass dieser eine Monat Haft irgendwann in Arbeitsstunden umgewandelt werden könnte. Richterin und Staatsanwältin wollten abwarten, ob ich weiterhin clean bleibe. An meine Seite bekam ich einen Bewährungshelfer, Herrn Schulze. Einen klasse Mann. Bin gerne zu ihm gefahren. Haben immer lange geredet. Keine Vorwürfe von ihm. Er wollte und hat mir wirklich geholfen. In allen Lebenslagen. Hat mich auch immer unterstützt und ermutigt irgendwann den Schritt zu wagen, aus Deutschland wegzugehen. Hat es nie als Flucht angesehen. Nun gut. Soweit die Vorgeschichte. Ich öffnete also diesen blöden Brief. Strafantritt in der JVA Tegel. Eine Woche später. Spätestens. Musste ich mich erst einmal hinsetzen. Mein Herz raste. Ich wusste nicht, was es sollte. Alles eingehalten, alles gemacht, was von mir verlangt wurde. Nicht, weil sie es wollten, sondern ich es auch für richtig hielt. Und nun der Schuss vorn Bug. Aber volle Kanne. Was muss ich noch machen, um Vergangenheit endlich Vergangenheit sein zu lassen? Fragen über Fragen in meinem Hirn. Griff zum Handy und versuchte Herrn Schulze zu erreichen. War natürlich zu spät. Freitagnachmittag. Dann beim Gericht angerufen. Auch da, die zuständige Dame nicht mehr erreicht. Viele Stunden bis Montag. Was sollte ich in Tegel? Tegel ist für Junks und Schwerkriminelle. Kleinststrafen nur, wenn du noch drauf bist. Was ist schiefgelaufen? Es war mein beschissenstes Wochenende. Noch nicht einmal auf Droge kann ich mich an solch scheiß Stunden erinnern. Ich habe nichts getrunken, habe es irgendwie geschafft, es bis zum Montag auszuhalten. Sofort um 9 meinen Bewährungshelfer angerufen, ihm die Sachlage kurz geschildert und dann zu ihm gefahren. Etliche Telefonate war dann einiges klarer: Das Gericht in Kiel, sowie das Gericht in Berlin haben es die ganzen Monate nicht geschafft, sämtliche meiner mich betreffenden Akten an einem Ort zu verwalten. Dem Ort, an dem ich mich zu dem Zeitpunkt, seit über einem Jahr wieder aufgehalten habe, wo ich meinen Wohnsitz hatte. In Berlin. Irgendwelche Akten sind dann sogar noch auf dem Postwege verschwunden, wie ich später erfuhr. Also, so passierte es, dass mein bekloppter Staatsanwalt in Kiel, der immer eine Antipathie gegen mich hatte, irgendwann und irgendwie erfuhr: ein Strafverfahren gegen Herrn Bleich in Kiel. Aha. Einen Monat Haft. Aha. Na, dann widerrufe ich doch gleich einmal die eine Bewährung. Dies tat er. Er las nicht, dass die Strafe erst einmal ausgesetzt war. Nein. Er widerrief die Bewährung. Herr Schulze sprach mit ihm am Telefon: erklärte ihm die Situation. Meine Situation. Nein, er könne einen Bewährungswiderruf nicht widerrufen. Das geht nicht. Das sieht das Gesetz nicht vor. Ok. Habe ich mich mit abgefunden. Es handelte 44

Flieg , Vogel, flieg! - bei KIDDINX.de
Der Traum vom Fliegen
Unsere Fliegen - Der Fliegen-Shop
ANTONIO® Sorte - Saatbau Linz
Antonio Lazetera.indd - Zirkonzahn
António Inácio Andrioli - JPBerlin
lay_finish_28052010_1_taz_zur Ansicht.indd - Amadeu Antonio ...
MS Antonio Bellucci***** - Thurgau Travel
Ein Traum vom Fliegen.
Physik des Fliegens - change2V
der Hechtsaison - Der Fliegen-Shop
Pilot_und_flugzeug_2012_1 - QUAX-Flieger
McCready fliegen (PDF)
Riesenofen für den Hightech-Flieger
Olympia-Flieger - Flyer
Wörishofener Herbst - Jürgen Fliege
Folder von Antonio Rubén Gitarren
Nur Fliegen sind schöner - Kulturnews