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vor 7 Monaten

von fliegen ANTONIO PALIDO

sich um eine Strafe

sich um eine Strafe von zwei Monaten zur Bewährung. Mit dem Monat Haft, also gesamt drei Monate Haft. Auszuhalten. Mache ich. Ist halt die Strafe dafür, für andere Sachen nicht erwischt worden zu sein. So habe ich es mir gut geredet. Nun war Tegel aber nicht der Ort für jemanden wie mich, der sich gerade aus allem kriminellen und Drogengewichse raushalten wollte. Auch da setzte Herr Schulze alle Hebel in Bewegung. Er machte dem Berliner Gericht klar, dass sie eine falsche Entscheidung getroffen haben, mich nach Tegel schicken zu wollen. Ich sei clean, das auch nachweislich, also dann doch bitte in den offenen Vollzug mit Herrn Bleich. Nach Prüfung und etlichen weiteren Telefonaten willigten sie dann ein. JVA Hakenfelde, Außenstelle Kisselnallee sollte ich hin. Nicht nur, dass das Kieler Gericht geschlampt hat, nein, auch das Berliner. Aber was soll sich ein Ex-Junkie und Kleinkrimineller wie ich mich beschweren. Die Mehrheit der Gesellschaft denkt sich, na der hat es doch verdient. Sie sehen nicht, dass ich meine Auflagen der Bewährung alle erfüllt hatte, bis zu diesem Zeitpunkt. Ich war clean, ich machte Therapie – sogar mehr wie nötig. Haft war nun eine doppelte Strafe für mich. Egal. Ich hatte den Willen, das dort in der Kisselnallee auch so beizubehalten. Geradeaus und weiter. Ohne Umwege. Doch einen Umweg wollte ich machen: Haftbeschwerde werde ich einlegen. Abgesprochen mit Herrn Schulze. Alle Fakten zusammen tragen und in Schriftform an das Berliner Landgericht schicken. Jawohl. Die letzten Tage in wirklicher Freiheit brachen also an. Ich verbrachte viel Zeit bei Nadine und den Kids. Traf mich mit Sonja. Mit Hanna traf ich mich im Internet, um zu sappeln. Sonja sollte mir während meiner Knastzeit eine riesen Hilfe werden, aber dazu dann später auch noch mehr. Die letzte Nacht, die von Donnerstag auf Freitag, schlief ich bei Nadine. Ihr damaliger Freund Heiko wollte mich zusammen mit Nadine mit dem Auto nach Spandau fahren. Fernseher transportieren und das übliche, was jeder Mensch sonst mitnimmt, wenn er verreist. Ich war still die Fahrt über. Gedanken, Gedanken, Gedanken. Ich wusste nicht wirklich, was auf mich zukommt. Ich kannte Knackis zu Genüge aus meiner Kieler-Szene-Zeit; mir grauste davor mit ähnlichen Menschen eine längere Zeit zusammenleben zu müssen. Nicht, dass ich etwas gegen die Menschen von früher habe, nein, im Gegenteil, fast jeden einzelnen von ihnen mag ich heute noch; doch passen sie nicht mehr in mein Leben. Genauso wenig wie ich in ihres. Und obligatorisch natürlich auch die Szene vor Augen, was ist, wenn du duschen gehst? Ich weiß nicht, woher dieser Gedanke kommt. War es ein schlechter Film, der diese Situation jedem Menschen suggeriert, wenn vom Knast geredet wird? Auf jeden Fall hatte ich ihn auch. Keine 45

Angst, aber: Thorsten, du wirst dich zum Teil so verhalten müssen, wie früher auf der Straße. Das dachte ich, dessen war ich mir bewusst. Zum Teil sollte es dann auch so kommen. Inzwischen waren wir angekommen. Gegen Zehn. Schlimm sah es nicht aus von außen. Gittertor, um das Gelände ein Zaun, über den Mann leicht rüberkommen konnte, wenn Mann wollte. Doch wozu? Offener Vollzug, Thorsten. Ich verabschiedete mich von den beiden. Darlene, Nadines Caddie, sagte ich, ich würde eine längere Zeit verreisen. Ein Quatsch. Aber Nadine wollte es so. Ich wäre für die Wahrheit gewesen. „Was gibt es?“ Durch die Sprechanlange meldete sich ein Wärter. „Bleich, ich soll mich bis heute zum Haftantritt hier melden.“ „Na, dann. Herzlich Willkommen. Herein mit Ihnen.“ Puh. Scheiße. Ich hatte keine Lust. Nicht wirklich. Tor zu. Nun war ich drin. Paar Meter bis zum Gebäude. Davor drei Telefonzellen. Insassen davor. Was sagst du, wenn du an ihnen vorbei gehst mit deinem Krempel? Sie grinsten. Außer zwei. Die guckten durch mich durch. Fing ja gut an. Glatzen. Vollster Weise rasiert und aufgepumpte Arme. Ein ‚Moin‘ kam über meine Lippen für die grinsenden. Dann rein ins Haus. Wie im schlechten Hotel sah es aus. Tresen, dahinter das Personal. Allerdings kein gutaussehenden junge Damen mit kleinen Brüsten. Nein. Zwei alte Beamte mit Vollzugsuniform. Ein jüngerer kam hinzu. Ein Lichtblick. Er schaute nicht so grimmig und interessenlos wie die beiden anderen. Er begrüßte mich freundlich, war jedoch nicht für die Aufnahme zuständig. Das machte einer der beiden Arschis. „Sie wissen, dass hier keine Drogen, kein Alkohol erlaubt sind?“ „Ja.“ „Ich sag Ihnen das noch einmal ausdrücklich, weil sie eine Vorgeschichte haben und scheinbar es gerade noch geschafft haben nicht nach Tegel zu gehen. Sie werden oft überprüft werden. Bedeutet: Urinprobe. Auch, wenn Sie noch keinen Freigang haben.“ Nette Begrüßung. Ich wusste Bescheid. Und die wussten nicht, dass ich so was von keine Lust hatte auch nur den kleinsten Scheiß an Drogen anzufassen. Während meine Sachen durchsucht und überprüft wurden, kam ich in die 46

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