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vor 2 Monaten

von fliegen ANTONIO PALIDO

sogenannte Nasszelle.

sogenannte Nasszelle. Eingangszelle im Amtsdeutsch, wenn ich mich nicht täusche. Von oben bis unten gekachelt. Im hinteren Bereich Gitter mit Bett drin. Der andere Bereich nur mit Schiebetür. An der Wand ein einfaches Klo. In der Wand ein Knopf; wie sich herausstellte, war es der Wasserhahn. Ich bekam eine Plastikflasche, netterweise. Ich sollte natürlich gleich eine Urinprobe abgeben. Gut, dass ich vor der Fahrt in den Knast noch auf Toilette war. Scheiße. Zwei Stunden habe ich getrunken und getrunken, dann ging es endlich. Das sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich mehrere Stunden in der Nasszelle verbrachte. Beklemmendes Gefühl da drin. Halt nur Kacheln. Kalte Atmosphäre. Nichts Persönliches. Eng. Und der Gitterraum im hinteren Bereich. Abschreckend. Die Schiebetür war einen Spalt weit auf. Mit einem Mal wurde sie Stück weit aufgeschoben, hineinschaute ein Lockenkopf. „Wir bekommen dich auch klein.“ Und schon war er wieder weg. Konnte nicht mal antworten. Was auch, wenn. Was sollte das? Eine Drohung gleich in den ersten Stunden? Nun stieg dann doch das mulmige Gefühl in mir auf. Ich saß dort und alles rotierte in meinem Schädel. Dann konnte ich endlich pinkeln. Urin abgegeben und weiter ging es. Obligatorisches Knastfoto schießen. Dann Matratzen und Klamottenausgabe. Und mit einem Schließer durch die Gänge zu meiner Zelle. Auf dem Weg dorthin begegneten wir auch dem Lockenkopf wieder. War ein Insasse. Versuchte grimmig zu schauen, doch hatte er auch viele Lachfalten um die Augen. Er sollte einer werden, mit dem ich dort drin viel Spaß hatte. 8 Quadratmeter. Geradeaus ein Fenster ohne Gitter. Normale Größe. Links davon ein Bett, rechts das andere. Am Eingang links 2 Schrankeinheiten. Rechts Tisch und zwei Stühle und ein kleiner Schrank. Rechts das Bett war leer. Folglich meines. Mein Zellengenosse war nicht da. Mendim heißt er. War draußen im Tegeler Forst arbeiten. Sollte um 17 Uhr wieder drin sein. Ich hatte erst einmal meine Ruhe. 4 Stunden Zeit für mich. Zeit, um klarzukommen. Zu realisieren, wo ich bin. Zwischendurch kam eine Gestalt rein, die Uwe hieß. Auch er sollte zu einem guten Menschen dort werden. Auch für mich. Er wusste nicht wirklich, was er war. Er wusste nicht wirklich, warum er war. Der Mensch, wie ich später in Gesprächen mit ihm erfuhr, hat soviel Scheiße erlebt, dagegen ist mein Leben das Paradies. Er wurde mal wieder bei einer Alkkontrolle nach einem Ausgang erwischt, deswegen war er um die Zeit in der Anstalt. Er brabbelte wie ein Wasserfall, aber das machte ihn sympathisch. Ja. Erzählte mir was über meinen Zellengenossen, vor dem ich mich nun nicht mehr fürchtete. 47

Mendim, ich stellte mir ihn so vor, bevor Uwe mir etwas erzählte: groß, türkischer Abstammung, Berliner Gosse, kein Gehirn, nur Phrasen. Es sollte ganz anders sein. Mendim kam kurz nach 5. Kleiner, schmächtiger Mensch. Ganz liebe, ehrliche Begrüßung. Eingangsfloskeln von beiden Seiten. Klares deutsch. Gewählte Gedanken aus seinem Mund. Klasse. Mendim vermisse ich noch heute. Ja. Ein halbes Jahr haben wir zusammen auf engstem Raum gelebt. Viel geredet. Viel reflektiert. Viel gelernt voneinander. Um es vorweg zu nehmen. Mendim kam nach seinem genehmigten Urlaub Sylvester 2004/2005 nicht mehr zurück. Er ging auf Flucht. Hatte eine noch längere Strafe in Aussicht. Wir gingen gleichzeitig auf Urlaub. Er verabschiedete sich von mir, so dass ich wusste, er würde nicht wiederkommen. So war es dann auch. Aber: dazwischen passierte natürlich noch eine Menge mehr. Erst einmal bin ich froh gewesen, nicht auf eine Zelle mit einer Glatze gekommen zu sein. Und: ich hatte Glück auf eine Zweimann-Zelle zu kommen. 4er-Zellen gibt es dort auch. Das wäre anstrengend geworden. Ich konnte mich also erst einmal nicht beklagen. Mendim ist Kosovo-Albaner, lebte schon eine ganze Weile in Deutschland, gut zehn Jahre jünger. Er machte Einbrüche. Wurde dann irgendwann erwischt. Logisch. Wollte seiner deutschen Frau und seiner kleinen Tochter einen Lebensstandard bieten. Er hatte kein dauerhaftes Bleiberecht, hatte es schwer reguläre Arbeit zu finden. Ein ganz kluger Kopf ist er. Wie geschrieben: akzentfreies deutsch. Und Gedanken im Kopf, die sich mit meinen deckten. Wir fingen ein Thema an, und redeten und redeten. Stellten uns Fragen. Überlegten. Unsere Köpfe blieben klar dadurch. Noch nicht einmal draußen habe ich so einen Menschen kennenlernen dürfen. Das war und ist also Mendim. (Das Kapitel ist noch nicht beendet. Kommt noch etwas irgendwann.) 48

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