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vor 6 Monaten

von fliegen ANTONIO PALIDO

Therapien (2000) Die

Therapien (2000) Die Erste. 26. Januar 2000. Auflage vom Gericht bekommen, eine zu machen, ansonsten acht Monate Haft. Oder sechs? Spielt keine Rolle. Zu dem Zeitpunkt jedenfalls noch nicht. Vorher in Ricklingen entgiftet. Zwei Tage vor meinem offiziellen Aufnahmetermin musste ich dort gehen, weil ich mich mit der Sozialarbeiterin Sabine gestritten hatte. Fragt sie mich in der ‚guten-morgen-Runde‘, wie es mir geht. Habe ich geantwortet: „Was eine blöde Frage. Wie soll es mir schon gehen? Ich bin gegen meinen Willen hier und bin entgiftet.“ „Na, dann können sie ja gehen.“ Sabine sollte in meinem Leben noch eine Rolle spielen. Dazu später mehr. Meine Drogenberaterin aus Kiel holte mich ab und fuhr mich nach Berlin. Ab in den Tannenhof. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Hatte keine wirkliche Vorstellung. Auf der Fahrt dorthin erzählte mir Tanja, die Drogenberaterin, einiges. Doch war ich nicht wirklich aufnahmefähig. Raus aus meiner geliebten Heimatstadt Kiel, in eine neue große: nach Berlin. Berlin hatte ich mir ausgesucht, um nicht sofort wieder abhauen zu können. Ich wusste, Tanja würde mich nicht wieder mit zurück nehmen. Wir kamen also an. Ein riesen Gebäude. Ein riesen Gelände. Erst einmal aber auf Hans warten. Dem Leiter der ‚Anstalt‘. Und, wie sich rausstellen sollte, einer meiner beiden Bezugstherapeuten. Bedeutet, ich kam in seine und die von der Frau, dessen Namen ich nicht mehr weiß, Gruppe. Erst die ganzen Formalitäten im Büro von Hans, dann Verabschiedung von Tanja, dann kurzer Vortrag von Hans, was mich erwarten wird und dann bekam ich meinen zugewiesenen Mitklienten vorgestellt, der mich die nächsten Tage begleiten sollte und an den ich mich immer wenden konnte, wenn etwas ist. Also Fragen und und und. Es war Falk. Ein jüngerer Fußball- Skin aus Leipzig. Ich dachte nur, na das passt ja gut. Skin und Punk. Sie werden sich etwas dabei gedacht haben. Und Falk dachte genauso wie ich. Was soll ich schreiben? Wir wurden gute Freunde in der Zeit, die wir miteinander verbrachten. Und das ist immerhin ein halbes Jahr gewesen. Jeden Tag zusammen. Nun habe ich schon etwas vorweg genommen. Die Therapie sollte zehn Monate dauern. Ich war nur sechs Monate dort. 49

Die ersten Tage waren grausig für mich. In Kiel immer unter Menschen, kein bisschen kontaktscheu. Im Tannenhof ja. Es waren nicht die Menschen mit denen ich sonst etwas zu tun hatte. Sie waren alle nüchtern. Aufgedreht. Laut. Es gab keinen Fluchtweg für mich. Ich musste den ersten Monat im Haus oder auf dem Gelände verbringen. Durfte nicht nach draußen. Durfte nicht telefonieren. Kontaktsperre nannte es sich. Völlig abgeschnitten von meiner alten Welt. Im Aufenthaltsraum habe ich mich dorthin gesetzt, wo keiner saß. Ich wollte allein sein. Ist die ersten beiden Tage gut gegangen, dann kamen die ersten Menschen zu mir. Maja & Maria. Und eine aus Kiel, die ich aber nie zuvor gesehen hatte. Maja & die Kielerin waren mit ihren Kindern dort. Für Jeromy, Maja’s Baby wurde ich wenig später der Pate. Sie fragte mich, ich sagte ja. Pate für ein Kind auf Therapie bedeutet, dass du da bist für das Kind, wenn die Mutter mal raus darf, alleine ohne das Kind. Auf Heimurlaub ist und das Kind nicht mitnimmt. Verantwortung übernehmen. Somit wurden die Überlegungen abzuhauen, die natürlich waren, geringer. Ich hatte nun nicht nur die Verantwortung für mich, sondern auch für den kleinen. Maria, ein wunderbares Mädchen. Wir wurden dort ganz enge Freunde. Sie war die jüngste. Aufgedreht und durchgeknallt. 18 Jahre zu dem Zeitpunkt. Kam aus Berlin, ging mit 13 auf den Strich und konsumierte seit der Zeit auch Heroin. Auf der Therapie lernte sie Mark kennen, ein wenig älter wie sie, mit dem sie dann irgendwann abhaute. Die Geschichte kommt noch. Alles der Reihe nach, so gut es geht. Die ersten Gruppen waren für mich, wie ich es mir vorstellte. Alle im Kreis, eine Einführungsrunde, wie der Stand und das Befinden bei jedem einzelnen ist, daraufhin pickten sich Hans und die Frau, deren Namen mir immer noch nicht einfällt, einzelne raus und es wurde geredet. Ich wurde die ersten Sitzungen in Ruhe gelassen. Ich sollte erst einmal ankommen. Gut so, dachte ich mir. Es ging hart zur Sache und ich hatte in manchen Momenten den Gedanken, den Therapeuten an den Hals zu springen, weil sie in meinen damaligen Augen unfair waren. Es verging keine Gruppe in der nicht mindestens ein Mensch weinte. Das war zu viel Gefühl für mich. Maja war in meiner Gruppe. Grad wenn sie an der Reihe war und sie weinen musste, ging mir die Hutschnur hoch. Doch blieb ich ruhig und lernte. Was ich in dem Moment aber noch nicht wahrnahm. Erst Jahre später wurde mir das bewusst. Bei mir drehte sich in den Gruppen erst einmal alles um organisatorisches. Seit meinem dritten Lebensjahr trug ich eine Brille. Die letzten acht Jahre vor der Therapie nicht mehr. Ging auch so. Nüchtern hatte ich nun aber plötzlich Probleme zu lesen. Also brauchte ich eine Brille. Bedeutete gleichzeitig: 50

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