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vor 5 Monaten

von fliegen ANTONIO PALIDO

meine ersten Ausgänge.

meine ersten Ausgänge. Natürlich nicht alleine. Falk kam mit. Dann war die Kontaktsperre auch fast vorüber und nun wurde durchleuchtet, welcher Kontakt mir gut tut, welche nicht. Meine Eltern sollten ein Thema werden, meinte Hans. Freunde erwähnte ich in der Gruppe nicht großartig. Ich wusste, ich durfte bald telefonieren. Wird schon keiner zuhören. So vergingen die ersten Wochen. In den Gruppen war ich hin und wieder Thema. Meist wegen irgendwelcher Regelverstöße. Viel zu meiner Vergangenheit habe ich nicht erzählt. Nicht in den Gruppen. In den Einzelsitzungen mit Hans schon einiges mehr. Doch das durfte er ohne mein Einverständnis in den Gruppen nicht verwenden. Ich wollte so schmerzlos wie möglich durch die Therapie kommen. Das sollte sich ändern, als ich Ansprechpartner für eine Frau werden sollte, die einen Tag später dann auch kam. Julie. Punkermädchen aus Berlin. Original aus Konstanz am Bodensee. Die Therapeuten rafften am ersten Tag, dass sie einen Fehler gemacht hatten. Konnten ihn jedoch nicht zugeben, sonst hätten sie sich in Frage gestellt. Es dauerte nicht lange und Julie und ich kamen uns näher. Wir kamen zusammen. Von da an, war die Therapie für mich der reinste Horror. Kurze Einwürfe, von Dingen die ich noch vergessen habe. Ein Regelverstoß war es zum Beispiel, auf Süßigkeiten zu verzichten. Hatten wir Ausgang, durften wir uns draußen auch nichts essen. Geschweige etwas reinbringen. Verzicht üben. Hatte ich damals nicht kapiert. Entdeckte eine Therapeutin also 6 Twix, damals – glaube ich – noch Raiders. Ei, was gab das Ärger. Daraufhin sollte ich mehr Verantwortung im Haus übernehmen. Wir hatten 31 Hühner und 3 Hähne. Für die war ich nun verantwortlich. Futter bringen, morgens und abends. Stall ausmisten. Eier reinholen. Und jeden Abend den Stall verschließen, wenn alle drin sind, damit der Fuchs keine holt. Die Hennen waren alle blöd. Zwei Hähne auch. Nur der eine Hahn, hatte es mir angetan. Der war zerrupft von den Streitigkeiten zwischen ihm und den 2 anderen. Immer wenn ich auf das Gelände kam, flüchtete er sich zu mir, zwischen meine Beine, um von den anderen nicht angegriffen zu werden. So sorgte ich irgendwann dafür, dass die zwei anderen alleine waren, und sich gegenseitig angriffen. Einer von beiden war tot am nächsten morgen. Mein Hahn, inzwischen wieder zu Kräften gekommen, machte den anderen dann platt. Hin und wieder vergaß ich das Tor zum Stall zu verschließen, so das am Ende meiner ‚Amtszeit‘ noch 17 Hühner und ein Hahn über waren. Kommentar von dem verantwortlichen Therapeuten: „Wir wollten die sowieso abgeben.“ Zu Julie und mir. Sie war die ersten Tage exakt so ruhig wie ich. Sprach wenig. Wollte allein sein. Hatte draußen einen Freund und einen Hund. Letzteren vermisste sie. Sie durfte nicht raus. Kontaktsperre. Ich ging nicht mehr raus. Übernahm freiwillig den gehassten Tagdienst. Heißt so, weil: 51

immer wenn keine Gruppen oder andere Dinge anstanden, mindestens einer von den Klienten im Haus sein musste, die raus durften, um die Ausgänge zu protokollieren. Maja, 14 Uhr raus. Maja, 18 Uhr rein. So wussten die Therapeuten auch immer, wer sich gerade im Haus befand und wer nicht. Platz für den Tagdienst war draußen auf der Terrasse, inzwischen warm, also angenehm. Und Julie gesellte sich oft zu mir. Redeten wenig, aber wenn, dann gute Worte. Mochten uns vom ersten Tag an. Aus heutiger Sicht: sie war Ersatz für mich. Ich für sie. Für altes draußen. Ich war ihr therapeutisch angesetzter Ansprechpartner, so auch der erste, der sie auf ihre Ausgänge in der Kontaktsperre begleiten durfte. Und sie hatte viele Arzttermine. Hämorriden. Immer nach Alt-Tempelhof und zurück nach Lichtenhagen. Viel Zeit sich kennenzulernen. Viel Zeit auch über Ärsche zu reden. Wir waren uns sympathisch. Und irgendwann kam sie dann immer mit zum Hühnerstall, wenn ich den abends dicht machen musste. In der Zeit sind wenige Hühner gestorben. Ich ging gerne mit ihr dorthin Dann der erste Kuss. Wir waren zusammen. Mussten wir erst einmal geheim halten, auch wenn es alle Klienten wussten. Eine Beziehung auf Therapie war für die Therapeuten ein gefundenes Fressen. Was eine Metapher. Und für Klienten ein guter Grund zu gehen. Will ja mal fair bleiben, auch wenn ich es damals natürlich so nicht gesehen habe. Von nun an waren wir beide immer und immer wieder Thema. Wir sondern uns von der Gruppe ab, wir würden nicht an unseren Themen arbeiten, ich würde in alte Muster verfallen und Frauen gebrauchen, Julie würde sich ältere Menschen suchen, bei denen sie Zuflucht findet. Es mag an allem ein wenig dran gewesen sein. Doch die Aussagen stimmen so heute immer noch nicht. Es wurde pauschaliert und Phrasen angewendet, die die Therapeuten bei jeder Paarbildung benutzt haben. Je nachdem wie sich dagegen gewehrt wurde, mal mit wenig, mal mit heftigeren Mitteln. Hier habe ich nun endlich Platz meine Sicht der Beziehung zu schildern. Während der Therapie wurde mir nicht zugehört. Einige Therapeuten, wie zum Beispiel, die stellvertretende Leiterin, Angelika, verweigert mir ganz das Gespräch. Noch nicht einmal ein ‚Guten Morgen‘ kam über ihre Lippen. Aber wisst ihr was? Wahrscheinlich hatten sie doch Recht! Und ich habe es bis heute nicht gerafft und es wird noch dauern? Ich stelle meine Gedanken dazu noch ein wenig zurück. Ist nicht der Platz dazu. Braucht einen eigenen Ort. Je mehr Kontra von den Therapeuten kam, umso enger rückten wir zusammen. Umso mehr Regelverstöße hatten wir. Für die Nacht suchten wir uns ein freies Zimmer, wo wir zusammen schlafen konnten. Unsere Mitbewohner wussten natürlich davon, weil wir nicht im Zimmer waren. Tagsüber war ich oft im Frauentrakt. Für Männer verboten. Sah mich einer der Mitklienten und sprach mich an, sagte ich: 52

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