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vor 7 Monaten

von fliegen ANTONIO PALIDO

Dealer & Besorger (1993)

Dealer & Besorger (1993) „Ich weine über jede Überdosis meiner Freunde. Bewusst hat einer meinen Stoff gekauft. Torsten, der beste Freund meines Bruders.“ Vorgeschichte. Auf der Straße biste jeden Tag mit Drogen konfrontiert. Du kannst sie ablehnen. Du kannst sie nehmen & akzeptieren. Du wirst jeden Tag aufs Neue darauf angesprochen. Außer: du hast eine radikale Meinung. Die hatte ich. Irgendwann kannst du den Weg einschlagen, mit der Droge Geld machen zu wollen; und die Illusion zu haben, du regierst die Welt. Deine, kleine beschissene. Und auch diese Illusion hatte ich auch. Doch eins nach dem anderen. Eule war bekannt dafür, Hero-Päcken aus der Hand zu schlagen, zur Not mit dem Fuß, wenn irgendein Mensch es wagte in seiner Umgebung das Rohr zu zücken und eine Nase ziehen zu wollen. Das Zeug flog und es wagte keiner, was zu sagen. Nachher, ein Jahre später reichte mir Bianca, selbst heroingeschwängert zu Hause. Europaplatz war mein Wohnzimmer. Dort war mein Dach. Verteidigt, auch wenn später Wohnung in der Holtenauer. Die Straße war mein Zuhause. Was gab es bei uns auf dem Euro? Alkohol als Hauptdroge. Klar. Hasch. Und Pillen. Remedacen, DHC’s. Beides Ersatzmedikament für Heroin. Als nicht Heroinkonsument machten dich die Pillen ruhiger. Und: ich für meinen Teil belog mich selbst und akzeptierte die Pillen. Noch was: sie waren umsonst die Remis. Es gab zu der Zeit noch keinen Schwarzmarkt. Dr. Gorm Grimm, Drogenarzt aus Kiel, verschrieb die Pillen ohne Ende. Aus ganz Deutschland kamen sie daher: die Junks. Gorm der macht. Ungefragt. Mit Tüten biste aus der Apotheke wieder rausgelaufen. Warum also den Scheiß nicht nehmen, wenn umsonst. Irgendwann machten sich so um die drei, vier Libanesen auf dem Euro sesshaft. Verkauften Koks und Hasch. Mit einem von ihnen kam ich immer wieder ins Gespräch. War sympathisch der Typ. Nichts war bei ihm zu spüren von Vorurteilen gegen Punks. Ja, ansonsten war es an der Tagesordnung von Arabs oder Türken angepöbelt zu werden. Einmal stand ich ihm völlig überfüllten Bus an der hintersten Tür der 44. Da macht mich doch tatsächlich ein kleiner Türke an, so um die Zehn: „Geh mal arbeiten!“ Ei. Am liebsten hätte ich ihn in den nächsten Fascho-Bezirk entführt und 61

ausgesetzt. Ok. Abgeschwiffen. Weiter im Text. Ich hatte mit dem einen Libanesen immer wieder Kontakt. Für ihn war der Euro sein Arbeitsplatz. Keine Ahnung warum wir uns verstanden. Manches Mal saßen wir auf einer Bank und haben uns über Politik unterhalten. Ich habe ihn verstanden, warum er geflüchtet ist und hier nun versuchte seine Kohle zu machen. Und: ich glaube, auch er hat mich verstanden, warum ich auf der Straße leben wollte. Irgendwann machten wir einen Deal: ich schanzte ihm Kunden zu und er und seine Leute achten darauf, dass keine Leute aufs Dach gehen, wenn ich nicht da war oder schon schlief. Ich hatte nie wirklich Angst, aber manches Mal – gestehe ich – hatte ich schon ein ungutes Gefühl. Und die Libanesen waren in den warmen Monaten bis mindestens zehn Uhr abends vor Ort. Keine Ahnung mehr was ich von ihm an Geld bekam, oder ob es in Naturalien, sprich Hasch, gezahlt wurde. Er war zufrieden, ich auch. Dann kam er irgendwann auf die Idee, dass, wenn er und seine Menschen nicht da sind, ich ja für ihn verkaufen könne. Gesagt, getan. Auf dem Dach kamen die Bullen auch nicht vorbei. Ideal. Ich konnte das Hasch oben schneiden, portionieren und unten dann verkaufen. Lief gut. Die Grünen bekamen das natürlich mit. Sie saßen gegenüber von Fiedler in dem Haus und fotografierten regelmäßig. Sollte ich ihnen vielleicht an dieser Stelle mal sagen, dass sie tagsüber keinen Blitz brauchen. Wird überbelichtet das Foto. Sie wussten von mir und den Libanesen. Wir wussten, dass sie es wussten. War eine Frage der Zeit, wann sie bei mir auftauchen würden. Dass ich es auf dem Dach schnitt, konnten sie vermuten, sehen nie. Da war ihnen das Dach ihm Weg. Die Libanesen wurden immer mal wieder überprüft, waren aber gut organisiert. Nie fanden sie etwas bei ihnen. Und irgendwann war es bei mir dann auch soweit. Ich war an diesem Tag schon früh hoch, Petersen schlief noch. War unterwegs in der Stadt, kam zurück zum Euro und sah außergewöhnliches: rund um das Dach 6 Bullenwannen. Und dementsprechend viele Grüne. Ich ging zurück durch die Holstenstraße, hinten rum beim Asmus, um zum Flip zu gelangen. Ich setzte mich in das Café, bestellte wie immer ein Weizen und schaute mir das Schauspiel an. Ich hatte nichts oben. Kein Dope. Ich sah wie Petersen völlig genervt von den Bullen auf dem Dach rumturnte. Dann rückten sie ab. Ich bezahlte mein Bier und ging zum Dach. Petersen sah mich und beschimpfte mich wild. Er war zu der Zeit genauso drauf wie ich. Kein Bock auf Heroin, eigentlich auch keinen Bock auf Dealer; er war einfach sauer, dass ich nicht da war und er es in dem Moment ausbaden musste. Dann lachten wir wieder. Die Bullen hatten komplett unsere ganzen Klamotten untersucht. Dreckige, wie auch saubere. Bücher auseinandergenommen. Alles. Und wir hatten eine Menge dort oben. War halt unser zuhause. Das einzige, was sie fanden und 62

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