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Fotos und Text von Armin

Fotos und Text von Armin Maier (Red.HB) Backnang, Sommer 1977: Nach zwei Jahren auf einem alten Kreidler-Mokick hatte ich mir im Frühling endlich das erste Motorrad zugelegt. Die Honda Dax war für mich als Schüler drei Jahre zuvor nicht bezahlbar, sie war in unserer Gegend selten und wurde teuer gehandelt. Also wurde es ein 10 Jahre altes Kreidler-Mokick in mäßigem Zustand. Dieser veränderte sich aber dann zusehends: neue Lackierung, selbst gebastelte Lenkerverkleidung, Sitzbank neu 48 bezogen, Umbau von Hand- auf Fußschaltung und natürlich diverse illegale Tuning-Maßnahmen. Und alles auf mäßigem Bastler-Niveau, man erinnert sich… Jedenfalls war die Kreidler-Zeit mit viel unfreiwilliger Schrauberei verbunden. Davon hatte ich genug, und der Umstieg auf eine Honda sollte diesbezüglich Besserung bringen. Schließlich galten die Motorräder dieser Marke dank des legendären Rufs der 750-FOUR als unverwüstlich. Die Suche nach einer gebrauchten, bezahlbaren 125er Honda verlief recht unbefriedigend, führte mich aber letztendlich nach Baltmannsweiler zu einem kleinen Honda-Händler namens Raichle. Als ich ihn anrief um zu fragen, ob er vielleicht eine Gebrauchte in Zahlung genommen habe, die ich ihm abkaufen könnte, kam die Gegenfrage: “Warum willst Du denn keine Neue?“ Als ich ihm dann erklärte, dass mein schmales Schülerbudget das nicht hergebe, kontert er mit dem Satz: „ Über den Preis kann man ja reden…“ Schließlich wurden wir uns bei 2000 DM für ein Auslaufmodell, eine CB 125 Disc einig. So eine fabrikneue Honda war in den Siebziger Jahren schon etwas

ganz Feines. Die 125er lief ganz ordentlich, war sparsam und absolut zuverlässig. Mit meiner Freundin auf dem Sozius erkundete ich das Backnanger Umland. Nach und nach wurden die Touren größer, und im Sommer 1977 machten wir uns Steigungen bei etwa 82 Km/h von Sattelzügen mit etwa 84 Km/h bei heftigem Regen überholt wurde, ist bis heute lebendig. Baltmannsweiler, April 1978: Andreas und ich stehen in dem kleinen Büro und Ausstellungsraum mit den Abmessungen einer Garage bei Helmut Raichle. An der Wand viele Fotos, die u. a. ihn mit einer Norton Manx bei irgendwelchen Rennen zeigen. Als wir ihm gerade erklären, dass wir auf keinen Fall den Listenpreis für eine 400 FOUR bezahlen können, hält ein dicker Mercedes vor der Tür. Der Fahrer kommt herein und platzt mit der Feststellung in unser Gespräch, dass sein Sohn in zwei Wochen 18 werde, und er ihm ein Motorrad schenken wolle. Er wolle also jetzt mal sehen, was es da so gebe. Der alte, brummelige Raichle ist von der großspurigen Art des Herrn sichtlich wenig angetan, aber der Kunde ist halt König. Und dieser Kunde verfügt offensichtlich über ausreichend Finanzen und Kaufwillen, da müssen die zwei Schulbuben erst mal warten. Nachdem der potentielle Käufer sich zunächst mal über die 550er- mit Zelt und Schlafsack im Gepäck auf den Weg an den französischen Atlantik. Aber beim Zwischenstopp in Paris erwischte uns eine heftige Schlechtwetterfront, die uns schließlich zur Umkehr zwang. Nach einem 16-Stunden-Ritt in selbstgeschneiderten Kunstlederkombis und ohne Regenklamotten durch pausenlosen, strömenden Regen treffe ich zwei Entscheidungen: Erstens fahre ich nie wieder mehr als 350 Km Motorrad an einem Tag, und zweitens muss eine andere Maschine her. Die Erinnerung, wie ich mit Urlaubsgepäck und Sozia auf französischen Route Nationale an Honda hat informieren lassen, erklärt er, dass das Ding zu mickrig sei, es müsse schon die 750 FOUR sein. Die war auch mein Traum, aber damals schlicht unerreichbar. Schließlich fragt er nach dem Preis, und das auf eine Art aus der deutlich wird, dass er einen erheblichen Preisnachlass erwartet. Raichle dreht sich um, zieht eine Honda- Preisliste aus dem Regal und zeigt mit dem Kommentar „hier steht der Preis“ darauf. Kurz danach verlässt ein ziemlich erboster Fast-Kunde den Ausstellungsraum. Raichle wendet sich wieder uns beiden zu und fragt: „So, jetzt erzählt mal, 49