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fn84

52 schieben und

52 schieben und loszufahren kostet wirklich Überwindung, und die ersten ein, zwei Stunden will keine rechte Urlaubsstimmung aufkommen. Aber als die Honda nach dem Grenzübertritt nach Frankreich endlich die Route National in Richtung Westen unter die Contis nimmt, siegt der Drang weiter zu fahren über den Wunsch umzukehren. Wieder spult die kleine FOUR vier Wochen lang anstandslos unzählige Kilometer auf französischen und irischen Straßen ab. Als ich auf der Rückreise in Cherbourgh am frühen Abend die Fähre verlasse, würde ich am liebsten direkt nach Backnang durchfahren. Aber eine Nachtfahrt verkneife ich mir dann doch. Stattdessen spule ich am anderen Tag 1000 km abzüglich Tank- und Pinkel- Stops und ein paar schnell verschlungene Pommes Frites überwiegend auf Route Nationale in 10 Stunden ab! Die kleine FOUR steckt auch das weg, quittiert es mit leichtem Ölnebel an der Kopfdichtung. Und schon im September geht es wieder auf Reisen: Meine Freundin will in den Süden. Diesmal geht’s über den Brenner nach Ancona. Von dort bringt uns die Fähre per Deckspassage nach Patras. Die lange Überfahrt verbringen wir mit einem jungen Winzerpärchen von der Mosel, das mit einer Yamaha XS 650 unterwegs ist, am Pool auf dem Oberdeck. Von Patras geht es weiter nach Piräus, wo wir die Nachtfähre nach Kreta nehmen, die sich als furchtbarer Schüttelkahn erweist. Die Maschine versetzt das ganze Schiff in solche Vibrationen, dass an echten Schlaf kaum

zu denken ist. Aber das Ganze erinnert uns sehr an ‚Alexis Sorbas‘, was uns milde stimmt. Gerade als wir Kreta erreichen entschädigt uns ein traumhafter Sonnenaufgang bei völliger Windstille für die schlaflose Nacht. Als wir an Land gehen, ist es noch so früh, dass nirgendwo ein Kaffee zu bekommen ist. Vier Wochen bereisen wir die Insel. Die Straßenverhältnisse sind unbeschreiblich. In den Bergen lauern hinter Kurven immer wieder kleine, sandige Wanderdünen, außerdem liegen auf den kleinen Bergstraßen oft überfahrene Schlangen. Trotz der mörderischen Hitze lassen wir die Lederkombis an. Vorsicht, die sich bezahlt macht. Wir treffen zahlreiche deutsche und österreichische Motorradfahrer, jeder zweite ist bereits gestürzt. Und alle haben sie sich mangels Schutzkleidung entsprechende Verletzungen zugezogen. Also doch lieber schwitzen. In den Bergdörfern machen wir gelegentlich in einer der kleinen Dorftavernen Pause, um etwas zu trinken. Und wieder fühlen wir uns an Alexis Sorbas erinnert: Meist ältere Herren in traditioneller Tracht sitzen dort und beobachten uns schweigend. Die zurückhaltende, aber freundlich-aufmerksame Gastfreundschaft ist toll, aber meine Freundin bekommt von mancher der alten Frauen auch einen missbilligenden Blick, was wohl der eng anliegenden Lederkombi zuzuschreiben ist. Die Straße in den Ostteil der Insel ist laut ADAC-Karte vierspurig ausgebaut. Wir treffen allerdings nur eine aufgeschüttete Schotterpiste mit teilweise sehr tiefen Löchern an. Immer wieder kommen uns Baustellen-LKW mit sehr hohem Tempo entgegen, die uns in eine Staubwolke einhüllen und uns die Steine um die Ohren fliegen lassen. Viele Kilometer kann ich die Honda bei extremen Temperaturen auf dieser Piste nur im ersten und zweiten Gang bewegen. Unter diesen Bedingungen wird der Motor bedenklich heiß. Nicht nur die mangelnde Fahrtwindkühlung setzt ihm zu, er ist aus Kostengründen auf 27 PS gedrosselt. Und die Drosselmethode ist ziemlich brachial und sorgt für einen zusätzlichen Hitzestau. Es wurde nämlich einfach im Sammeltopf der 4in1-Anlage ein Reduzierstück eingeschweißt. Das verringert den Durchmesser so erheblich, dass ich nicht mal meinen kleinen Finger durchstecken kann. Im kochenden Öl rutscht und rappelt die Kupplung, aber das Motörchen hält durch. Nur die Gabel schlägt in den tiefen Löchern immer wieder durch, ist halt keine XT. Wir treffen ein paar Motorradfahrer aus Schorndorf und ziehen mit ihnen weiter über die Insel. Auch eine Lebensmittelvergiftung, wohl durch die sehr mangelhaften hygienischen Bedingungen bei der Fleischzubereitung im Campingplatz-Restaurant verursacht, überstehen wir. Auf der Fähre nach Ancona treffen wir ein Pärchen aus Bremen, das mit der neuen Zweizylinder- 400er von Honda seine erste Urlaubstour macht. Von Ancona nach Backnang fahren wir gemeinsam mit ihnen, abgesehen von 53