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fn84

Nach dem Eisangeln

Nach dem Eisangeln (Red.HB) zwischen über 130 000 km anzeigt, lautet der Auftrag: alle Dichtungen, Simmeringe, Motor- und Getriebelager austauschen. Damit nimmt das Schicksal dann seinen Lauf. Als ich zwei Tage später den fertigen Motor abhole, ist der Rechnungsbetrag so niedrig, dass ich stutze. Auf Nachfrage erklärt mir der Mechaniker, dass mir da einer einen Bären aufgebunden habe, dieser Motor habe niemals so viele Kilometer auf dem Buckel. Er habe alles vermessen, es sei alles noch gut innerhalb der zulässigen Toleranzen. Deshalb habe er 60 nur dieses eine defekte Lager und die Dichtungen erneuert. Soweit ich mich erinnere, war ich ziemlich aufgebracht… Also gute Miene zum bösen Spiel gemacht, und den Motor eingebaut, schließlich wollen wir in zwei Tagen starten, die Fähre ist gebucht. Auf dem Weg nach Norden zuckt die Honda auf der Autobahn einmal ganz kurz, ich tippe auf einen Zündungsaussetzer. Den kann ich mir zwar nicht erklären, aber danach läuft sie zunächst wieder wie gewohnt. Wir durchqueren das südliche Norwegen und fahren bei strahlendem Sonnenschein und null Grad den ganzen Tag entlang herrlicher Bergstrecken über Hardangervidda. Die neuen Thermokombis über dem Leder lassen uns zwar wie Michelin-Männchen aussehen, halten aber mollig warm. Ich wünschte, sowas hätte ich schon früher gehabt. Dann geht’s auf zum Teil winzigen Straßen und mit unzähligen kleinen Fähren an traumhaften Fjorden entlang. Ein Stück nördlich von Bergen haben wir ein Ferienhaus gebucht, und verbringen einige entspannte Tage mit kleinen Touren ins Umland. Auf einer Tagestour Richtung Norden passiert es dann. Das Hinterrad blockiert kurz, dann rappelt’s im Getriebe. Wie sich später herausstellt, hatte ein Getriebe- Nadellager offenbar durch einen abgebrochenen Teil des Lagerkäfigs aus dem defekten Getriebe-

Ausgangslager Schaden genommen, was aber nicht erkennbar war. Der vermeintliche Zündaussetzer war ein kurzes Blockieren dieses Lagers, das dann immer mehr Spiel bekam, bis schließlich auch die zugehörige Welle anfing zu fressen. Es sollte das einzige Mal in bislang 37 Jahren sein, dass die kleine FOUR nicht auf eigener Achse nach Hause kam. 6 Wochen später wird sie per LKW angeliefert. Ein gebrauchtes Getriebe, ein Lager- und Dichtungssatz, eine überschliffene und neu gehärtete Nockenwelle und ein Kolbensatz mit dem ersten Übermaß kurieren sie. Der Honda- Händler zeigt sich kulant und übernimmt die Hälfte der Kosten. Köln, Sommer 1999: Es sollte die 61