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DMG-informiert 2/2018

Spannende und bewegende Missionsberichte aus aller Welt. Unsere Mitarbeiter sind rund um den Globus im Einsatz, damit Menschen Gott begegnen. Thema dieser Ausgabe: Hoffnung für Europa?

EUROPA ALBANIEN Edons

EUROPA ALBANIEN Edons Zuversicht heute ist Jesus Ich lernte Edon noch in Deutschland kennen. Damals, vor unserer Ausreise, konnte ich mich mit meinen paar Brocken Albanisch nicht wirklich mit ihm unterhalten. Ein dreiviertel Jahr später trafen wir Edon hier in Albanien wieder. Sein Asylantrag war abgelehnt worden und er hatte mit seiner Familie zurückkehren müssen. Christen in Deutschland, die sich um ihn gekümmert hatten, baten uns, nach ihm zu schauen. In einem Café in der Innenstadt erzählte er mir seine Geschichte: Edon stammt aus einem muslimischen Dorf im Gebirge. Seine Mutter hatte den Vater verlassen, als Edon noch ein Kind war. Er wuchs bei seinem alkoholsüchtigen Vater, dessen neuer Frau und einigen Halbgeschwistern auf. Oft hat sein Vater ihn verprügelt. Als Erwachsener heiratete er und bekam ein Kind. Die soziale Lage in Albanien war nicht einfach, er sah für sich und seine Familie keine Perspektive. Also verließ er seine Heimat und versuchte sein Glück im vermeintlichen „Paradies“ Deutschland. Ohne Ausbildung war seine einzige Chance ein Asylverfahren. Edon kam mit seiner Familie in ein Flüchtlingsheim in Süddeutschland. Christen, die regelmäßig in die Unterkunft gingen, um zu helfen, erzählten ihnen von Jesus. Was er hörte begeisterte ihn. Eines Abends vertraute Edon Jesus sein Leben an. Ab diesem Moment setzte er seine Hoffnung nicht mehr auf Deutschland, sondern in Jesus. Er besuchte regelmäßig Gottesdienste und wollte alles über Jesus wissen. Bei so einer Gelegenheit habe ich ihn kennengelernt. Nun war er in seinem Heimatdorf zurück. Ich half ihm, eine Gemeinde in der Umgebung zu finden, in die er regelmäßig ging. Die Dorfbewohner warfen ihm vor, ihre Tradition gebrochen zu haben, weil er Jesus folgte. Sie schlossen ihn aus. Edon fühlte sich einsam, doch Gott ermutigte ihn immer wieder. Einmal erschien ihm sogar ein Engel. Irgendwann töteten Nachbarn seine Kuh, ein schwerer Schlag. Mit dem Tier verlor er seine Lebensgrundlage. Am Ende setzte der Vermieter ihn und seine Familie vor die Tür. Mit Hilfe eines Angehörigen fand er eine neue Wohnung in unserer Nähe. Wieder half ich ihm, eine Gemeinde zu finden. Trotz der Umwege in seinem Leben lässt Edon sich nicht hängen. Es ist nicht leicht, ein Leben, das man bereits hinter sich glaubte, wieder neu aufzubauen. Das Scheitern des Asylantrages lastet schwer. Leute lachen über einen. Die meisten, denen das passiert, schämen sich. Bei Edon ist das anders. Er sagt, dass er eine neue Hoffnung hat, die sein Leben besser trägt: Jesus. Er arbeitet in einer Edons Asylantrag in Flaschenfabrik für Deutschland scheiterte, 200 Euro im Monat, er kehrte nach Albanien 7 Tage die Woche, zwölf Stunden am zurück. Die meisten, denen Tag. Einem Kollegen erzählte er von das passiert, schämen sich. Bei Edon ist das anders. Jesus und nimmt ihn seither regelmäßig mit in die Gemeinde. Edons Frau ist noch nicht gläubig, doch zu besonderen Anlässen wie Weihnachten lässt auch sie sich einladen. Kürzlich traf er das erste Mal nach 30 Jahren seine Mutter, die ihn als Kind im Stich gelassen hatte. Er trug über die Jahre viel Groll mit sich herum, doch seine Begegnung mit Jesus änderte alles. Er konnte der Mutter vergeben und hält jetzt Kontakt zu ihr. „Als Christ ist das doch normal“, erklärte er mir. Edon hat es nicht leicht, doch seine Hoffnung, sein Glaube und seine Liebe sind groß. 20 David und Anne Kretschmer P10348 DMG-informiert | 2 | 2018

ASIEN NAHER OSTEN Das hätte vor 30 Jahren keiner geglaubt Die Menschen hier im Nahen Osten denken, das benachbarte Europa sei ein „christlicher Kontinent“, so wie sie ihre eigenen Länder als fest mit dem Islam verbunden verstehen. Beide Vorstellungen muss ich in Gesprächen immer wieder korrigieren. Gibt es doch viele Länder in Europa, wo die meisten Menschen keine bewussten Christen sind; und umgekehrt hat auch der Nahe Osten eine reiche christliche Tradition und viele lebendige Gemeinden. Ein europäisches Land, das bis zum politischen Umsturz 1990 als vollständig kommunistisch und von aller Religion „befreit“ galt, ist Albanien. Staunend beobachten wir die wachsende Zahl christlicher Mitarbeiter gerade aus diesem Land, die zu uns kommen. In Albanien war noch vor 30 Jahren das Christentum ausdrücklich verboten! Damals war das Land offiziell atheistisch. Eine Stadt in Albanien Einer meiner neuen Mitarbeiter von dort ist ein großartiger Straßenevangelist. Freundlich, klar, mit tiefem Glauben begeistert er Menschen für Jesus. Er war einer der ersten, den Gott hierher berufen hat. Vor zehn Jahren ist er gekommen – ohne Team, ohne Vorbereitung, einfach von mehreren Gemeinden in Albanien ausgesandt. Die ersten Jahre waren unglaublich schwer für ihn. Wir haben uns bemüht, ihm zur Seite zu stehen. Inzwischen hat Jesus weitere Christen aus Albanien hierhergeschickt, ich kenne mindestens fünf. Kann ich auf ein aus kultureller Sicht nachchristliches Europa mit Hoffnung blicken? Aber ja! Albanien ist das extremste Beispiel, dass niemand Gottes Gemeinde aufhalten kann. Jesus triumphiert über Unglaube und Verfolgung! Was ein Araber an der deutschen Kultur ändern würde Unser Freund Fadi ist ab und zu geschäftlich in Deutschland. Einmal war er zu Fuß in Berlin unterwegs. In der Hauptstadt liegen Rad- und Fußwege oft nur durch eine weiße Linie getrennt direkt nebeneinander. Es war für Fadi nicht einfach: auf welcher Seite der weißen Linie war jetzt eigentlich der Fußweg? Bald hatte er kapiert: „Wenn ein Radfahrer klingelt, besser schnell zur Seite springen!“ An diesem Tag war auch eine ältere Dame zu Fuß unterwegs, die genauso unsicher wie er war. Besonders brenzlig wird es bei zwei entgegenkommenden Radfahrern, da wird der Platz echt knapp. Es kam, wie es kommen musste: Die Dame wurde von einem der beiden Radler umgefahren. Fadi beobachtete den kleinen Unfall aus etwas Distanz. Was dann geschah, schockierte ihn zutiefst: Die Frau lag am Boden. Ein Radfahrer fuhr einfach weiter. Der andere war gestürzt, stand aber sofort wieder auf. Er ging zu der Frau hin, fragte nicht, ob sie sich verletzt habe und Hilfe benötige. Ja, er reichte ihr nicht einmal die Hand zum Aufstehen. Stattdessen beschimpfte er sie laut, was ihr denn einfalle, auf dem Radweg zu gehen. Fadi meinte, wenn das bei uns im Nahen Osten geschehen wäre, hätten Passanten dem Radfahrer mächtig die Meinung gesagt, weil dieser der Seniorin nicht geholfen hat … Von Mitarbeitern aus dem Nahen Osten Von Mitarbeitern aus dem Nahen Osten 21