Winterruhe - Bildband

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Oh du wunderschöner Winter! Funkelnde Eiskristalle, zugefrorene Seen und mit Schnee bedeckte Landschaften - So sah der Winter 17/18 in Schweden und Deutschland aus. Dieser Bildband hält nicht nur schöne Aufnahmen bereit sondern begibt sich auf der Suche nach dem Glück, denn »Wir sind für unser Glück selbst verantwortlich«, so behauptet Juliette Schlösser in diesem Bildband.

JULIETTE SCHLÖSSER

WINTERRUHE

Mit Achtsamkeit zum Glück

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JULIETTE SCHLÖSSER

WINTERRUHE

Mit Achtsamkeit zum Glück

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INHALT

INHALT 5

VORWORT 7

MANCHMAL GLÜCKLICH 9

KAUSALKETTE 15

Der Physische Moment 19

Interpretation 24

Emotionen 33

Verhalten 34

ACHTSAMKEIT 37

EINE IDYLLE 44

MAKING OF 60

LITERATUR 83

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VORWORT

Vor Ihnen liegt das Fotobuch

Winterruhe – mit Achtsamkeit zum

Glück“. Es beinhaltet Fotostrecken

aus dem deutschen und schwedischen

Winter, die durch Zitate und

Gedichte angereichert werden.

Text und Bild rücken die kalte und

ruhige Jahreszeit in ein ganz anderes,

bedeutsames Licht.

Das Thema Glück wird mit den

dunklen Wintertagen verknüpft.

Denn diese Tage können auch viel

Schönes haben. In Momenten der

Stille und Dunkelheit findet sich jede

Menge Zeit, Zeit für sich, Zeit Ruhe zu

genießen und Zeit im Sinne von Entschleunigung

des Alltags. In diesen

Momenten ist es als sei man konzentrierter

und fokussierter. Der Winter

bietet einem auf seine ganz eigene

Art und Weise die Möglichkeit, die

schönen Dinge im Leben zu erkennen

und daraus Kraft zu schöpfen.

Die Wintergedichte aus den

Literaturepochen Empfindsamkeit,

Romantik, Realismus und Expressionismus

helfen den Wandel in ein

achtsames und glückliches Leben zu

verstehen.

In diesem Sinne möchte ich mich

bei meiner Freundin und Germanistikstudentin,

Larissa Weg, für ihre

vielen Literaturhinweise bedanken.

Sie wusste zu jedem meiner Punkte

ein geeignetes Buch zu finden. Außerdem

möchte ich den Damen aus der

lokalen Buchhandlung Baumann für

ihre guten Ratschläge, Einblicke in

andere Bildbände und Unterstützung

bei der Buchauswahl danken.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim

Lesen und Betrachten.

Juliette Schlösser

Driedorf, 12. März 2018

Schnee wurde

durch Kraftfahrzeuge

fest zusammengepresst.

Besonders glatt

wurde diese Fläche

durch leichtes Antauen

und wieder Gefrieren.

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MANCHMAL

GLÜCKLICH

Mystische Gewässer

Es wurde Abend, die Sonne war schon hinter den

Bäumen und der Nebel hängt wie ein dichter Teppich über

dem zugefrorenen See, sodass nur noch ein Paar Inseln aus

den Schwaden hervorstechen.

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Mascha Kaléko

Betrifft: Erster Schnee

Eines Morgens leuchtet es ins Zimmer,

und du merkst: ‘s ist wieder mal soweit.

Schnee und Barometer sind gefallen.

Und nun kommt die liebe Halswehzeit.

Kalte Blumen blühn auf Fensterscheiben.

...

Blüten kann man noch mit Schnee vergleichen,

...

Denn im Sommer ist man manchmal glücklich,

doch im Winter nur sentimental.

Und man muß an Grimmsche Märchen denken

und an einen winterweißen Wald

und an eine Bergtour um Silvester.

Und dabei an sein Tarifgehalt.

...

Und man müßte keinen Schnupfen haben,

sondern irgendwo ein kleines Haus.

...

Ein paar Tage lang soll nichts passieren!

Ein paar Stunden, da man nichts erfährt.

Denn was hat wohl einer zu verlieren,

dem ja doch so gut wie nichts gehört.

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Deutlich zu spüren ist die Sehnsucht des

Individuums an sommerliche Zeiten, als

man manchmal glücklich war.

Es wünscht sich, dass „nichts“ passiert.

Was ist dieses „nichts“? Es sind jedenfalls

keine quälenden Gedanken an Bergtouren,

Tarifgehalt und Pflichten. Auch ist es nicht

der Schnupfen oder Halsweh, welche wohl

unmittelbar vor der Tür zu stehen scheinen.

Wenn ein Wunsch oder gar eine tiefe

Sehnsucht nach etwas besteht, ist es sehr

wahrscheinlich etwas positiv Belegtes.

Es könnte nach dem Motto „Offline is the

new luxury“ den Abstand zu technischen

Kommunikationsmitteln, die uns mit der

ganzen Welt verbinden, bedeuten. Damit

zusammen hängt das Verlangen nach Ruhe,

Entspannung und Entschleunigung des Alltags.

In Momenten der Stille kann der Mensch

zu sich selbst finden und erfahren, was es

heißt frei zu sein; frei von Pflichten und störenden

Gedanken.

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KAUSALKETTE

Mattila, Östmark in Schweden

Direkt an der Norwegischen Grenze erstreckt sich ein

riesiges Netzwerk an Langlauf-Loipen. Die Spuren werden

stets mit einer Pistenmaschine gepflegt. Diese Gegend hat im

Winter immer besonders viel Schnee.

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Die unablässigen negativen

Gedanken und Gefühle lassen

keinen Platz mehr für glückliche

Momente und münden in

schwerer Winter-Sentimentalität.

Was beeinflusst uns so

negativ?

Emotionen beherrschen

schnell unser Bewusstsein

und schlagen sich im Verhalten

nieder. Doch auch unser

Bewusstsein verändert und

manipuliert durch Interpretationen,

die oft auf Erfahrungen

und Einstellungen beruhen,

unsere Emotionen.

Verdeutlichen kann man

dies an einer Kausalkette:

Physischer Moment Interpretation Emotionen Verhalten

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DER PHYSISCHE MOMENT

Es ist die Realität, das was unmittelbar geschieht, nicht mehr

und nicht weniger.

Hermann Hesse

Es ist ein grauer Wintertag,

Still und fast ohne Licht,

Ein mürrischer Alter, der nicht mag,

Daß man noch mit ihm spricht.

Er hört den Fluß, den jungen, ziehn

Voll Drang und Leidenschaft;

Vorlaut und unnütz dünkt sie ihn,

Die ungeduldige Kraft.

Er kneift die Augen spöttisch ein

Und spart noch mehr am Licht,

Ganz sachte fängt es an zu schnei’n,

Zieht Schleier vors Gesicht.

Ihn stört in seinem Greisentraum

Der Möwen grell Geschrei,

Im kahlen Ebereschenbaum

Der Amseln Zänkerei.

All das Getue lächert ihn

Mit seiner Wichtigkeit;

Er bummelt so vor sich hin

Bis in die Dunkelheit.

Mattila, Östmark in Schweden -

Schwer mit Schnee beladen lassen die Bäume

ihre Äste und Köpfe hängen. Düster sieht es

aus und man kann gar nicht glauben, dass

hier irgendwann noch Leben einkehren wird.

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Breitscheid in Hessen, Deutschland

Hier hat man einen wunderschönen Ausblick in das

Lahntal. Die Lahn ist der Fluss welcher zusammen mit einem

anderen Flussnamen die Benennung des Kreises begründet -

Lahn-Dill-Kreis

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INTERPRETATION

Nach dem mit den Sinnen wahrgenommenen Physischen

Moment folgt unmittelbar die Interpretation der Eindrücke.

Meist kommt hier das Element der Projektion und Übertreibung

ins Spiel.

Interpretationen beruhen auf Erwartungen und Vernunft

auf die wir uns legitimer Weise etwas einbilden.

So wird es den meisten beim Betrachten des Hintergrundbildes

oder dem der vorherigen Doppelseite so gehen, dass

er die Ferne als angenehm und entspannend ansieht.

Dass die Realität aber weniger positiv sein könnte, als

wir sie empfinden, glaubt keiner. Durch die Trübung der

Atmosphäre wie etwa in Form von Feuchtigkeit, Luftverschmutzung,

emittierte Stickoxidhaltige oder toxische

Substanzen die mit dem Regen zurückkommen werden

Kontraste, Schärfe und die Sättigung der Farben mit zunehmender

Distanz kontinuierlich reduziert.

Mit diesem Vorwissen und den Erfahrungen ändert sich

die Interpretation. Sie manipulieren unsere Interpretation

und damit verbundenen Emotionen, die als nächstes Glied

der Kausalkette folgen.

Viel wichtiger ist es bewusst das, was tatsächlich ist wahrzunehmen.

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... der Schimmerflächen wechselndes Opal...

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... in den zugefrornen Bächen.

- PAUL ZECH, Heilige Winternacht

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EMOTIONEN

Unweigerlich folgt basierend auf der

Interpretation die emotionale Reaktion.

Ein Gefühl von Wut, Sehnsucht, Einsamkeit

oder auch Heiterkeit kann herantreten und

das Bewusstsein beherrschen.

Ob die Emotionen mehr negativer oder

positiver Natur sind, hängt von unserer

inneren Einstellung und Interpretation der

Dinge ab.

Joseph von Eichendorff

Verschneit liegt rings die ganze Welt,

Ich hab’ nichts, was mich freuet,

Verlassen steht der Baum im Feld,

Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht

Und rüttelt an dem Baume,

Da rührt er seinen Wipfel sacht

Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft‘ger Frühlingszeit,

Von Grün und Quellenrauschen,

Wo er im neuen Blütenkleid

Zu Gottes Lob wird rauschen.

Flusslauf in Schweden

(Ängen, Värmland).

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VERHALTEN

Das letzte Element der hier verdeutlichten

Kausalkette beinhaltet die

Verhaltensreaktion. Das Verhalten ist

also das Ergebnis der vorangegangenen

Stadien. Es ist das Ventil der

Emotionen und Gefühle und Spiegel

unserer persönlichen Weltansicht.

Somit bedingt positives Denken

und Fühlen auch positives Handeln.

Genauso bedingen schlechte Weltansichten,

schlechtes Handeln. Will

der Mensch also verantwortungsvoll

handeln, muss zuvor schon etwas

geschehen, was unser Bewusstsein

weckt und automatisches, von den

Gefühlen geleitetes und von fremden

Einflüssen, Erwartungen und Erfahrungen

bestimmtes Handeln, stoppt.

Faszinierende Strukturen -

Die Basaltsäulen im Westerwald -

Die kantigen, dunklen und harten Felsen

können verschiedene Interpretationen und

Emotionen auslösen. Auch zu nah sollte

man nicht an sie herantreten, da gelegentlich

Brocken abbrechen.

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ACHTSAMKEIT

Formen im Eis

Besonders in fließenden Gewässern nimmt das gefrorene Nass

die schönsten und faszinierendsten Formen an.

Durch die ständige Bewegung der Wassermoleküle dauert es

länger bis ein Fluss oder Bach zufriert. Dazu muss es schon über

mehrere Tage deutlich unter null Grad sein.

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Achtsamkeit wird als ein klarer Zustand des

menschlichen Bewusstseins beschrieben.

Jede innere und äußere Erfahrung wird vorurteilsfrei

registriert und zugelassen. Dazu sollte

man sich die fünf Prinzipien der inneren Wandlung

zur Achtsamkeit vergegenwärtigen.

Erkennen: Was ist gerade?

Akzeptieren: Das Was akzeptieren

Erforschen: Tiefblicken; Dinge mit Geist und

Körper erforschen

Nicht identifizieren: Auf sich selbst beziehen. Bin

ich das wirklich?

Gerade der vierte Punkt ist sehr wichtig, da alle

unsere Gedanken vom jeweiligen Hintergrund

und eigenen Wahrnehmungsfilter abhängig

sind. Hierzu eine kleine Kurzgeschichte:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel

hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar

hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen

und ihn auszuborgen. Doch da kommt

ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den

Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte

er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in

Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt,

und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe

ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein.

Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte,

ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie

kann man einem Mitmenschen einen so einfachen

Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften

einem das Leben. Und dann bildet er sich noch

ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen

Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so

stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch

bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser

Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer“.

(aus P. Watzlawick: Anleitung zum unglücklich sein.)

Momente höchster Konzentration reduzieren

gewohnheitsmäßige, automatische und

unbewusste Reaktionen. Dadurch kann der

Achtsame situationsadäquat, authentisch, selbstbewusst

und verantwortlich handeln. Denn achtsam

zu sein heißt auch auf das eigene Verhalten zu

achten, nichts zu tun, was man später bereut, sich

pflichtbewusst und dem Gewissen entsprechend zu

handeln.

Ziel ist es den physischen Moment noch vor

jeglicher Interpretation zu erkennen und zu begreifen.

Auf diese Eindrücke basierend soll erst die

Interpretation folgen, die letztendlich mit Emotionen

belegte verantwortungsvolle Handlungen

auslösen.

Knapp über Häuserdächer und

Baumkronen scheint die Sonne für

wenige Stunden und erzeugt ein

funkelndes Bild im Spiel mit den

Schnee- und Eiskristallen.

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Wenn der Mensch lebendig und glücklich

sein will, muss er den gegenwärtigen

Augenblick erkennen und hoch konzentriert

wahrnehmen. Man kann so durchaus

konzentriert einen glücklichen Schritt im

Schnee machen, bestimmt mit dem Fuß

einsinken und im Moment des Zusehens,

wie der Schnee in kleinen Teilen den Hang

herunterrollt, glücklicher als ein Lottogewinner

auf der anderen Seite der Weltkugel

sein.

Je konzentrierter der Mensch ist, desto

glücklicher wird er sein.

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Achtsamkeitsübungen

1. Denkmuster und Glaubenssätze erkennen und bewusst ersetzen

2. Weg von der Routine: Sind bestimmte Handlungs muster zur

Routine geworden, sind sie sehr vertraut und die Achtsamkeit

schwindet (z.B. jeden Tag zur Arbeit fahren)

3. Sinne trainieren: Bewusst mit allen fünf Sinnen erleben

4. Details wahrnehmen: Jede Struktur, Muster, Farben,

Geschwindigkeiten, Haptik und Formen zu betrachten.

5. Änderung der Informationsgewohnheit:

1. Meinung nicht von Sender XY vorschreiben lassen, nicht den

ganzen Tag berieseln lassen (TV aus)

2. Lesen in Büchern und Zeitschriften (keine oberflächlichen

Klatschblätter)

3. Medienkonsum begrenzen, anderen kreativen Hobbies

nachgehen

Nimm dir Zeit...

4. In die Natur gehen und die Ruhe mit allen Sinnen genießen

6. Dinge mit Entwicklungsprozess schaffen. Längere Zeit darüber

nachdenken und entstehen lassen. Kaum ein Projekt kann nach

nur einem Tag Arbeit gut sein. Dieses Fotobuch brauchte auch

eine lange Zeit, die ich aber genoss.

Heike Thormann, kreativesdenken.com, 16.03.18

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EINE IDYLLE

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Junfermann 2015

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Der Gärtner an den Garten im Winter

Eine Idylle

In Silberhüllen eingeschleiert

Steht jetzt der Baum,

Und strecket seine nackten Äste

Dem Himmel zu.

Wo jüngst das reife Gold des Fruchtbaums

Geblinket, hängt

Jetzt Eis herab, das keine Sonne

Zerschmelzen kann.

Nur du, mein kleiner Buchsbaum, pflanzest

Dein grünes Haupt

Dem Frost entgegen, und verhöhnest

Des Winters Macht.

Ruh sanft mein Garten, bis der Frühling

Zur Erde sinkt,

Und Silberkränze auf die Wipfel

Der Bäume streut.

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Rhododendren - Die Gattung gehört zur Familie der

Heidekrautgewächsen. Auch härtere Winter überleben

diese Pflanzen gut und sorgen mit ihrem meist immergrünen

Blättern für etwas Farbe im winterlichen Garten.

Steinbruchsee - Der Steinbruchsee oder auch Silbersee

genannt in Schönbach bei Herborn, Hessen ist gerade im

Sommer ein beliebter Treffpunkt beispielsweise auch für

Tauchgruppen.

So ging der Gärtner durch seinen Garten. Die

Augen lernten ruhig alles zu betrachten, der

Geist das was war zu umarmen und nicht davor

zu flüchten oder es gar zu leugnen.

„Mit den Wochen und Monaten wurde das

Nachdenken weniger.“ Er „lernte, einfach nur da

zu sein, in einem Zustand aufmerksamer Gleichgültigkeit.“

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„Schnee fällt von einem Ast, es ist das Gegenteil

eines Geräusches, dieses Herunterfallen

ohne Beschleunigung und dann eine Veränderung

der Stille, des Raumes. Durch die Entlastung

schwingt der Ast nach oben wie in Zeitlupe, und

Schneekristalle rieseln zu Boden.” 2

Der Gärtner erkundet weiter, lässt Mond und

Bäume aufleuchten.

Wind kommt auf und „die Baumkronen werden

jede einzeln unsichtbar vom Wind erfasst

und wie in Eile wieder losgelassen, Hunderte

kleiner Bewegungen, die in ihrer Gesamtheit zu

etwas Gewaltigem werden, einem Wogen und

Rauschen.“ 3

An einem See angekommen liegt dieser „bis

zu einem oder eineinhalb Fuß tief starr und

nahm doch einmal jeden Hauch auf, spiegelte

jedes Licht und jeden Schatten. Jetzt trägt sie

die schwersten Gespanne, und vielleicht liegt

der Schnee einmal so dicht auf ihr, dass man sie

nicht von einem Feld unterscheiden kann.“ 4

Er konzentriert sich auf jeden Schritt, den er

tätigt, bis sie irgendwann nicht mehr selbstverständlich

sind. Die Empfindsamkeit lässt ihn

schließlich jede Unebenheit unter seinen Sohlen

verspüren. 5

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Der Gärtner kehrt ein und

legt sich am Abend in seine

Schlafgelegenheit.

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Nach einer stillen Winternacht erwachte er

mit dem Gefühl, es sei ihm eine Frage gestellt

worden, die er im Schlaf vergeblich zu beantworten

versuchte. Eine Frage nach dem Was

und wie, dem Wann und Wo.

Da sah die Natur, in der alle Geschöpfe leben,

mit heiterem, zufriedenem Gesicht zu seinem

Fenster herein, und auf ihren Lippen lag keine

Frage.

Er erwachte zur Natur und zum Tageslicht,

und die Frage war beantwortet.

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Tief lag der Schnee auf der Erde

und den jungen Tannen … Die

Natur stellt keine solchen Fragen

wie sie Sterblichen. 6

Mit dieser Erkenntnis war er

der glücklichste Mensch.

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Finale - gefrorene Seifenblasen

Die Fotografie ist ein ständiges Experimentieren mit Objekten,

Komposition, Licht und Ideen. Dies war ein besonderes Experiment.

Die Zutaten: Spülmittel, Wasser , Zucker und Geduld. Bei den kalten

Temperaturen in Schweden funktionierte das Experiment direkt.

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MAKING OF

Das Projekt Winterruhe und

meine Erfahrungen

About me

Ich heiße Juliette Schlösser (22) und studiere

an der Diploma Hochschule Grafik-Design B.A.

Dieses Projekt habe ich im 5. Semester im Modul

Foto-Design erstellt.

Ich bin ein sehr kreativer Mensch, der es liebt

zu experimentieren und Neues kennen zu lernen.

Die Kamera und ich waren uns zwar schon

flüchtig bekannt doch durch das Projekt haben

wir eine enge Beziehung aufgebaut. Meine Liebe

zur Natur, der Bewegung und einem kreativen

Leben verschmelzen wunderbar mit dem tollen

Hobby der Fotografie.

Entstehung der Idee

Die Idee kam, als ich im Winterurlaub in Schweden

war. Dort hängen die Bäume voll behangen

mit Schnee, wie man es hier nur selten sieht.

Der Winter dort ist trotz der Kälte und erstarrter

Landschaften eindrucksvoll. Eine kristallklare

Luft, zugefrorene Seen und verlassene Örtchen

prägen die kalte Jahreszeit weit oben im Norden.

Für dieses Fotoprojekt wollte ich etwas Besonderes

entwerfen. In dieser Erholungszeit nutzte

ich nur sehr wenig mein Handy, vor allen Dingen,

wenn ich draußen unterwegs war nicht. Grund

dafür war auch, dass mir dann womöglich die

Finger abgefroren wären. Außerdem, wer runter

auf den Bildschirm schaut nimmt die Umwelt

nicht mehr wahr und verpasst die Schönsten

Momente und Fotomotive.

Ich war immer leise zu Fuß oder mit Langlaufskiern

unterwegs, stets auf der Suche nach den

perfekten Makromotiven, Landschaften, Lichverhältnissen

und kleinen Naturwundern.

Ich lernte, dass ein hoher Grad an Achtsamkeit

und Aufmerksamkeit erforderlich ist, um die

richtigen Motive zu finden. Es war

wie eine Art Training für die Augen.

Ganz besonders ist der Moment,

wenn die Sonne auf oder unter geht.

Der Zeitraum in dem die Sonne

knapp über den Bäumen strahlt ist

nicht von langer Dauer. Doch wenn sie es tut

erstrahlt alles im gelben Glanz und Schneekristalle

funkeln auf zugedeckten Wiesen, Seen und

Bäumen. Wenn sie wieder untergeht ist es vorbei

mit der Wärme, kurzweilig wird alles in rosiges

Licht getaucht, bis es dann wieder dunkel ist und

es Zeit wird sich auf den Heimweg zu begeben.

Es war wie eine Art

Training für die Augen.

Die Idee wuchs mit den Bildern. Es sollte zentral

das Thema Licht thematisiert werden. Licht

spielt nämlich sowohl in der Fotografie als auch

in der Natur eine ganz wichtige Rolle. Ohne Licht

kein Foto und nichts zum Fotografieren. Das

Oberthema „Der Moment des Augenblicks“ war

ein Thema welches viel Interpretationsspielraum

bereit hielt und fügte sich wunderbar in meine

Gedanken ein.

Die Kombination aus der Stille,

dem Licht, der Natur, Achtsamkeit

und dem späteren Betrachten toller

Aufnahmen machte mich sehr

glücklich.

Und schon stand das Thema. Winterruhe als

Synonym für die Zeit der Selbstfindung im Winter

und dem Untertitel „Mit Achtsamkeit zum Glück“

als kleiner Wegweiser oder Denkanstoß selbst

für das eigene Glück verantwortlich zu sein.

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Die Aufzählung neben bedeutet natürlich

nicht, dass ich all dies auf meine Fototouren mitgenommen

habe, denn dann hätte ich mich wohl

durch das viele Gewicht zu sehr eingeschränkt.

Vor jedem Ausflug entschied ich neu, was ich

dabei haben möchte und was zuhause bleibt.

Außerdem gehöre ich definitiv nicht zu der Art

Hobbyfotografen, die ständig ihr Objektiv wechseln

und dem Zuge jedes erdenkliche Objektiv

dabei hat. Oft bin ich auch nur mit Kamera und

einem Objektiv losgezogen und habe tolle Aufnahmen

machen können. Es spart auch eine

Menge Zeit, wenn man nicht stets die Objektive

wechseln muss.

Das Equipment

Checkliste

• Stativ

• Kamera

• Objektive

• Thermoskanne mit Tee

• Handschuhe

• Outdoorhose und Jacke

• Akkus

• Kameratasche

• (Drohne)

Kamera

Meine Kamera gehört mittlerweile schon zu

den Dinosauriern der Spiegelreflexkameras. Ich

fotografier nämlich tatsächlich noch mit einer

Canon EOS 300D (war ab Herbst 2003 erhältlich)

und bin total zufrieden damit. Die Bedienung

der Kamera ist gerade für Fotografie-Neulinge,

wie mich, sehr einfach und praktisch. Anstatt

mir eine neuere Kamera zu kaufen entschied ich

mich mit den Objektiven zu experimentieren und

erreichte wirklich tolle Ergebnisse.

Auf dem Bild ist eine Canon 70D abgebildet,

welche lediglich als Platzhalter für meine Kamera

diente.

Objektive

Da meine Kamera von Canon und die Qualität

einfach hervorragend ist, verwende ich auch nur

Objektive, die Original aus dem Hause Canon

kommen.

Mein Immerdrauf-Objektiv ist das Zoomobjektiv

18-55mm. Es ist ein gutes Objektiv für fast alle

Gelegenheiten.

Im Laufe des Projektes habe ich mich aber

auch zunehmend in die 50mm-Festbrennweite

mit einer Lichtstärke von f/1.8 verliebt. Das Fotografieren

mit einer Festbrennweite zwingt einen

sich mehr vor und zurück zu bewegen, außerdem

lernt man Bildausschnitte mit Bedacht

zu wählen. Gerade zu meinem Thema passt

diese Art von Fotografieren besonders gut. Erst

sehen, dann sinnlich wahrnehmen, konzentriert

betrachten und schließlich entscheiden anstelle

von unüberlegtem Handeln. Außerdem ist das

Objektiv auch sehr lichtstark, was mir besonders

bei schlechteren Lichtverhältnissen, wie sie im

Winter öfter vorkommen, sehr half.

Des Weiteren gehört zu meinen Favoriten auch

ein Makroobjektiv 100mm mit einer Lichtstärke

von f/2.8. Die Detailaufnahmen sind einfach

atemberaubend.

Stativ

Ein Stativ ist für viele Aufnahmen unumgänglich,

doch ganz zufrieden bin ich mit meinem

bisher nicht. Hier muss mal eine praktischere

Ausführung herbei. Die Füße lassen sich nur

sehr umständlich ausfahren, was besonders mit

kalten Fingern wirklich kein Spaß macht, wenn

man so viel Kraft ausüben muss, um die Laschen

zu öffnen. Auch war das Stativ im Ganzen nicht

besonders stabil und schwierig bei der Ausrichtung.

Einziger Vorteil: Es ist schön leicht.

Deswegen kann ich nur empfehlen auf diese

drei Punkte beim Kauf eines Statives zu achten

(praktisch gutes Handling, Stabilität und

Gewicht). So kommen wir auch schon gleich zu

meinem nächsten Punkt:

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Neue Anschaffungen

Wie bei jedem Projekt stößt man in gewissen

Situationen an Grenzen, wo einem eine Neuanschaffung

abhelfen könnte.

Auch das Beschäftigen mit einem neuen Thema

erzeugt so ab und an eine nicht zu bändigende

Kauflust.

Huawei P20 PRO: Dieses Smartphone ist mit

der weltweit ersten Leica-triple-Kamera mit extra

großem Bildsensor, Light-Fusion-Technologie

und Hybrid-Zoom ausgestattet.

Die Handyfotografie ist eine echte Bereicherung

vor allen Dingen für das Reisen ohne

zusätzlichen Ballast. Mittlerweile sind die neuesten

Handykameras eine wirklich gute Alternative

zur Kamera.

Lediglich die manuellen Einstellungen sind an

einer Kamera angenehmer. Mit meinem derzeitigen

Handy (Samsung S3) bin ich was die Fotos

betrifft alles andere als zufrieden. Aber Linsen

aus dem Hause Leica kombiniert mit einem

Smartphone hat meine vollste Aufmerksamkeit

geweckt! Das neue Huawei bietet sogar die Möglichkeit

Aufnahmen in RAW abzuspeichern. Dann

ist das Weiterverarbeiten in Lightroom super

easy.

Wenn schon neues Fotohandy, dann muss

natürlich auch noch ein Handystativ und eine

Powerbank her.

Kamerataschen

Ich nutze eine kleine Umhängetasche in der ich

Kamera inklusive Objektiv und einen Ersatz Akku

transportieren kann. Sie ist nicht besonders

schick, aber sehr praktisch. Ich nutze sie wenn

ich gezielt ohne Wechselobjektive on tour gehe.

Als gute Aufbewahrung für die Objektive und

Kamera zuhause oder falls ich mal mehr einpacken

möchte, habe ich noch eine etwas größere

Tasche.

Und sollte ich wirklich gar nicht viel Platz haben

und möchte die Kamera in meinen Rucksack

oder in die Handtasche packen habe ich noch

ein sogenanntes XWrap, ein Einschlagtuch für

die Kamera, super Lösung.

Ersatz Akkus und Ladegerät

Gerade in der Kälte, der ich meine Kamera bei

den vielen Aufnahmen in diesem Buch des Öfteren

ausgesetzt habe, braucht man gerne mal

mehr als einen Akku. Wobei ich von der Leistung

meines Akkus sehr begeistert bin. Der zweite ist

leider kaputt gegangen. Also wieder ein Punkt

auf der Liste „Neue Anschaffungen“.

Drohne

Die Luftaufnahmen in diesem Fotobuch wurden

mit der dji Mavic Pro aufgenommen. Sie

ist leider nicht mein Eigentum, aber ich ergötze

mich gerne an den atemberaubenden Aufnahmen,

die man damit machen kann.

Speichermedien

Wenn man nicht möchte, dass der Speicher

am Laptop oder PC übervoll wird, sollte man sich

eine externe Festplatte zulegen. Außerdem ist es

ein sicherer Speicherort für die vielen tollen und

wertvollen Aufnahmen, die man so kein zweites

Mal machen kann.

Meine Speicherkarte ist noch eine sogenannte

Compact Flash Karte (heute SD Karte).

Wie gesagt, meine Kamera ist schon etwas in

die Jahre gekommen, aber mit einem Kartenlesegerät

kann ich auch so die Fotos bequem auf

meinen PC ziehen.

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vorher

Bildbearbeitung

Zur Bildbearbeitung nutze ich Lightroom CC.

Meine Bilder haben in dieser Serie einen leichten

Blaustich bekommen, sodass die Kälte noch

besser rüber kommt. Auch habe ich die Klarheit

etwas hochgeschraubt, um noch schärfere Kontraste

zu erzielen.

Meine meist vorgenommenen Einstellungen

finden Sie auf den nächsten Seiten.

Bei vielen ähnlichen Bildern habe ich auch des

Öfteren über die Option Entwicklungseinstellungen

kopieren die Bearbeitungsschritte kopiert

und auf ein neues Bild angewendet. Auf diese

Weise musste ich nicht bei jedem Bild neu alle

Regler entsprechend verschieben und die Bilder

passten auch nach der Bildbearbeitung noch als

Serie zusammen.

nachher

vorher

nachher

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Sättigung und Luminanz

Bei der Sättigung habe ich hauptsächlich an

den Blau- und Gelbreglern gearbeitet. Die Gelbwerte

wurden etwas zurück genommen und das

Blau bekam mehr Sättigung zugewiesen. Mit

dem Luminanzregler kann man bestimmte Farbbereiche

gezielt aufhellen oder abdunkeln (z.B.

Grünes Gras absoften, blauen Himmel verstärken).

vorher

nachher

Temperatur und Tönung

Die Temperatur stelle ich etwas kälter ein. Bei

einem leichten Grünstich im Bild addiere ich ein

paar Nuancen in der Tönung.

Belichtung und Kontrast

Die Belichtung habe ich in den meisten Bildern

etwas reduziert. Kontrast blieb meist auf null,

da ich an dieser Stelle lieber die Klarheit etwas

erhöhe.

Schärfe und Rauschreduzierung

Wirklich jedes Bild habe ich etwas nachgeschärft,

da es zu meinem Look gut passte. Meist

nahm ich einen Wert zwischen 30 und 50. Der

Radius liegt bei 1,0 und die Details bei 25. Im

gleichen Zuge bekamen die Bilder auch einen

leichten Weichzeichner von ungefähr 20 (Luminanz)

und 50 (Details).

Lichter, Tiefen, Weiß, Schwarz

Bei diesen Reglern variiere ich etwas von Bild

zu Bild. Lichter und Weiß kann bei hellen Flecken,

wie beispielsweise Schnee oder Himmel etwas

zurückgenommen werden.

Klarheit und Sättigung

Klarheit darf in meiner Bilderserie nicht fehlen.

Die Sättigung habe ich meist etwas zurückgenommen.

vorher

nachher

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Objektivkorrekturen

Wenn möglich und nötig aktivierte ich die Profilkorrekturen.

Danach konnte ich auch immer

noch auswählen, welches Objektiv ich genutzt

habe. Lightroom hat hier wirklich eine sehr

große Auswahl an Objektiven, sodass die meisten

immer vorhanden sind. Ich dachte, dass es

bestimmt nicht schaden könne Verzerrungen

automatisch ausgleichen zu lassen.

Effekte

Körnung habe ich leicht hinzugefügt (6) mit

einer Größe und einer Unregelmäßigkeit von 35.

Wenn das Bild zu matt oder neblig ist, habe

ich mit der entsprechenden Bearbeitung etwas

Dunst entfernt.

1)

2)

3)

Die Entstehung des Fotobuches

Fotos schießen

Knipsen was das Zeug hält! Natürlich

habe ich nicht einfach wahllos alles fotografiert,

was in meine Nähe kam, sondern

ich durchstöberte täglich das WWW und

Zeitschriften nach Ideen und Motiven.

Informieren und planen

Vor jeder Fotosession nahm ich mir

etwas Besonderes vor. Zum Beispiel wollte

ich einen Flusslauf fotografieren so, dass

das Wasser im Foto einen milchigen Effekt

hatte. Ich informierte mich worauf ich

dabei achten muss und welches Equipment

ich brauchte. Alles eingepackt und

aufgeschrieben, ging es auch schon los.

Auf diese Art und Weise erweitert man

seinen Horizont und lernt die Kamera zu

verstehen.

Themenfindung

Mit jeder Foto tour wurde die Bildersammlung

größer und größer. Als Eis und

Schnee anfingen zu schmelzen und eine

matschig, graue Landschaft offenbarte,

entschied ich das Fotografieren speziell für

dieses Projekt langsam einzustellen. Ich

hatte zu dem Zeitpunkt ohnehin Fotos en

masse.

Wenn ich im Explorer so durch die Fotos

scrollte war eine hauptsächliche Linie zu

erkennen. das Spiel zwischen nah und fern,

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das Element Wasser und der Winter. Meine Idee hatte ich in den Bildern schon gut

umgesetzt.

Bücher zur Inspiration suchen

Mit Winter, Achtsamkeit und Ruhe verbinde ich auch die Zeit zu Lesen. Mein Fotobuch

sollte nichts sein, was man in einer Minute durchgeblättert hat, sondern eines

für das man sich bewusst Zeit nehmen möchte.

Wenn ich auf der Such nach geeigneten Texten und Inspiration bin ist eine meiner

ersten Anlaufstellen die lokale Buchhandlung. Seit sage und schreibe 162 Jahren

gibt es dieses Geschäft und ist immer wieder

ein Besuch wert. Auch jetzt wurde

ich gleich zwei Mal fündig. Ein hübsches

Gedichtband zum Thema Winter

fand Einzug in meine kleine persönliche

Bibliothek. Das andere war ein wunderbar

großes und atemberaubendes

Bildband - „ALPENWELTEN“ von Stefan

Hefele (Fotograf) und Eugen E. Hüster

(Autor). Dieses Bildband sprengte leider

mein Budget, doch wozu hat man einen

wunderbaren Freund, der sich meine

Schwärmerei für dieses Buch angehört

und gemerkt hat? (Kurze Danksagung

zwischendrin an meinen Freund für dieses

tolle Geburtstagsgeschenk).

Zusammenfassend: Es ist absolut

wichtig die Augen offen zu halten! Bilder

und Texte müssen aufgesogen werden

und für ein noch so kleines Herzblutprojekt

verwendet werden.

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Aussortieren

Irgendwann kommt das große Aussortieren.

Die Sammlung, welche nach guten

drei Monaten große Ausmaße angenommen

hatte wurde durchforstet. Bilder, die

nicht ansprechend oder qualitativ nicht gut

waren wurden aussortiert. Bei ähnlichen

Motiven zwang ich mich mich für ein bis

drei Favoriten zu entscheiden. Der Ordner

Best Of war so zwar immer noch mit 120

Bildern reichlich befüllt, aber dies war eine

gute Grundlage zum Weiterarbeiten.

Ich bearbeitete die Bilder anschließend

so, dass alle einen ähnlichen Stil hatten

(siehe Abschnitt Bildbearbeitung).

Bilder ausdrucken

Die als am besten befundene Bilder wurden

alle im Drogeriemarkt ausgedruckt,

damit ich sie mir auf dem Boden ausbreiten

konnte und einen besseren Überblick

bekam.

In solchen Dingen bevorzuge ich dann

doch oft die analoge Art und Weise. Wenn

man das digital macht ist der Prozess nicht

so gut zu erkennen und es ist doch etwas

umständlicher als einfach die Bilder an Ort

und Stelle auszutauschen oder nebeneinander

zu legen. Außerdem spielt gerade

die Haptik im Grafik-Design eine große

Rolle.

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Schreiben

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Gestalten in InDesign

Dann ging der zweite große Teil der

Arbeit los. Ich fing an mich intensiv mit

dem Thema Achtsamkeit zu beschäftigen.

Dabei führten meine Forschungen auch

in die Glaubensrichtung des Buddhismus,

welche Achtsamkeit stark mit Glück verbinden.

Achtsamkeit wird hier als Schlüssel

zum Glück angesehen und auch die im

Buch beschriebene Kausalkette basiert auf

die buddhistische Sichtweise.

Als ich mich mit meiner besten Freundin

und Germanistikstudentin, Larissa Weg,

traf holte sie viele wertvolle Texte renommierter

Autoren, wie Peter Stamm hervor,

die natürlich Einzug in mein Fotobuch fanden.

Auch die literarischen Stilepochen spielen

eine große Rolle. So wurde ein Gedicht aus

der Epoche des Realismus zur nüchternen

und ungeschönten Beschreibung des

Physischen Moments (erstes Stadium

der Kausalkette) verwendet.

Der größte Tipp, den mir Larissa

gab war allerdings das handschriftliche

Verfassen der Texte. Hier gibt es

kein backspace und somit ist die Entstehung

des Textes erkennbar und

inhaltlich besser.

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Anschließend kam der dritte große

Arbeitsabschnitt an der Reihe, dem Gestalten

des Fotobuches.

Anhand der Dokumentvorgaben meiner

ausgewählten Druckerei erstellte ich mein

InDesign Dokument und entwarf das Werk,

welches Sie gerade in den Händen halten.

Farbpalette

Auch für die passenden Farben im Dokument

muss man sich entscheiden. Die

Farbpalette entstand mithilfe des Color-

Picker-Tools aus den Fotos heraus. Ich

entschied mich für kühle Blautöne, wie Sie

sie rechts sehen.

Letzte Checks

#101925

#536394

#254667

#101925

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Sinnabschnitte ordnen

Und wieder wurde analog gearbeitet. Die

Story stand. Alles musste abgetippt, ausgedruckt

und mit der Schere in einzelne

Sinnabschnitte zerteilt werden. Diese Sinnabschnitte

legte ich nun auf den Boden in

entsprechender Reihenfolge aus und versuchte

alle ausgedruckten Fotos sowohl

inhaltlich dem Text zuzuordnen als auch

optisch eine schöne Serie innerhalb der

Bilder zu entwerfen.

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Doch halt! Leider ist es immer noch nicht

druckbereit. Als das Dokument „fertig“ war

lud ich mir die PDF auf mein Tablet und

machte mir nun, aus ökologischen Gründen,

digitale Notizen dort, wo ich noch

etwas ändern wollte.

Ab in den Druck

Erst dann schickte ich es nach den letzten

Änderungen in den Druck.

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Nicht gezeigte Bilder

Manche Bilder waren wirklich gut gelungen

und herausragende Fotos. Allerdings musste

ich eine Wahl treffen, welche Bilder ins Fotobuch

kommen sollten und welche nicht. Bei den

hier abgebildeten Bildern handelt es sich meist

um Motive, welche ich mehrmals abgelichtet

habe, aber nur 1-2 Mal nehmen konnte und es

sich auch Bilder dabei, die von Charakter, Farben

oder Motiven nicht zur Story passen.

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Lehre aus dem Projekt

Ich habe durch dieses Projekt wirklich angefangen eine

Liebe zur Fotografie zu entwickeln. Zwar besaß ich schon

vorher eine Digital- und eine Spiegelreflexkamera, aber

nutzte sie nur, wenn ich mal dringend ein gutes Bild

brauchte, was mit Handy nicht möglich war.

Doch das draußen arbeiten, was den Körper und kreativen

Geist fordert ist absolut mein Ding. Ich bin ohnehin ein

Naturmensch, der viel draußen sportlich unterwegs ist und

für kreative Dinge brennt.

Gerade die Kombination aus Bild und Text, daraus eine

Einheit zu schaffen erfordert einen hohen Grad an Kreativität

und wird das alltägliche Business im Grafik-Design

Berufsleben sein.

In kreative Dinge kann ich aufgehen, mich rein steigern

und bringe sogar zur Abwechslung mal stundenlange

Geduld auf bis es perfekt ist. Gerade das Thema Geduld ist

eine zentrale Fähigkeit in der Fotografie, wie ich gemerkt

habe. Den Abend mit dem letzten Licht abzuwarten, welches

alles in eine ganz besondere, fast mystische Stimmung

taucht, lohnt sich.

Auch besonders spannen ist immer wieder die Kombination

zwischen analog und digital. Der Entwurfs- und

Entwicklungsprozess dieses Buches gestaltete sich bei mir

meist analog. Die digitale Komponente ist dann die Fotografie

und die Weiterverarbeitung am PC.

Das Buch aber schlussendlich in den Händen zu halten

schlägt natürlich jede digitale Darstellung am Bildschirm.

Nicht zuletzt habe ich in diesem Projekt auch viel neues

Wissen angeeignet. Ich lernte meine Kamera zu verstehen

und öffnete mir damit sämtliche Wege frei zu experimentieren.

Hinzu kommt ein besseres Gefühl und Auge für Bildkomposition

und -aufbau. Auch Lightroom ein mir bereits

bekanntes Bildbearbeitungsprogramm hat gute Funktionen,

die ich jetzt erst gelernt habe.

Zusammenfassend war dieses Projekt

eines meiner liebsten Projekte bisher im

Studium. Die Idee stand schnell, sodass

ich ausreichend Zeit für die kreative Auslebung

fand. Außerdem habe ich nun mit

Fotografie ein neues Hobby und Gestaltungswerkzeug

gefunden.

Juliette Schlösser

Driedorf, 09.04.18

Eidesstattliche Erklärung

Hiermit erkläre ich an Eides Statt, dass ich die vorliegende

Arbeit selbstständig und nur unter Zuhilfenahme der ausgewiesenen

Hilfsmittel angefertigt habe.

Sämtliche Stellen der Arbeit, die im Wortlaut oder dem

Sinn nach anderen gedruckten oder im Internet verfügbaren

Werken entnommen sind, habe ich durch genaue

Quellenangaben kenntlich gemacht.

Driedorf, 10.04.18

Juliette Schlösser

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LITERATUR

Schlösser, Juliette

Lochmühle 1

35759 Driedorf

Huppertz, Michael und Verena Schatanek

(Achtsamkeit in der Natur, 2015) Junfermann 2015.

Ausgewählt von Polt-Heinzl, Evelyne und Schmidjell, Christine

(Wintergedichte, 2007) Reclam, Ditzingen 2007.

Stamm, Peter

(Seerücken, 2016) 3. Aufl., Fischer Taschenbuch Verlag 2016.

Thoreau, Henry David

(Walden. Oder leben in den Wäldern., 2009) Anaconda Verlag

2009.

Stefan Hefele und Eugen E. Hüsler

(Alpenwelten, 2017) Bruckmann Verlag GmbH, München,

2017.

Email: 700607@stud.diploma.de

Matrikel-Nr.: 700607

Diploma Hochschule

Fachbereich Grafik-Design B.A.

5. Semester

Projektarbeit Foto-Design

Winterruhe -

Mit Achtsamkeit zum Glück

Dozentin: Yvonne Most

Druck und Einband: flyeralarm

Driedorf, 14.04.18

Lies mal...

Endnoten/Quellenangaben

1 Peter Stamm, Seerücken, 3. Auflage, Fischer Taschenbuch Verlag 2016, S. 62

2 Peter Stamm, a.a.O., S. 62.

3 Peter Stamm, a.a.O., S. 73.

4 Henry David Thoreau, Walden. Oder leben in den Wäldern, Anaconda Verlag 2009 S. 232

5 Vgl. Peter Stamm, a.a.O., S. 79.

6 Vgl. Henry David Thoreau, a.a.O. S. 232.

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WUNDERSCHÖNER

WINTER

Funkelnde Eiskristalle, zugefrorene Seen

und mit Schnee bedeckte Landschaften

- So sah der Winter 17/18 in Schweden

und Deutschland aus. Dieser Bildband

hält nicht nur schöne Aufnahmen bereit

sondern begibt sich auf der Suche

nach dem Glück, denn »Wir sind für

unser Glück selbst verantwortlich«, so

behauptet Juliette Schlösser in diesem

Bildband.

Nirgendwo ist Achtsamkeit leichter

als in der Natur, und auf nichts

ist die Natur mehr angewiesen als auf

die Achtsamkeit der Menschen.

- M. Huppertz und V. Schatanek

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