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Zur Frage der Oberflächenentwicklung von Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen - Vareschi 1951

Vareschi, Volkmar. 1951. Zur Frage der Oberflächenentwicklung von Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen. Planta 40(1): 1-35. [On the question of the surface development of plant communities of the Alps and the Subtropics] (Shared for non-commercial educational purposes only - All rights belong to authors, publishers and respective owners - http://www.jstor.org/stable/23360422?seq=1#page_scan_tab_contents)

2 Volkmar

2 Volkmar Vareschi: abhängig von der Oberflächenausdehnung der Stoffwechselorgane a ihrer Glieder. Dabei ist die wirksame Oberfläche der stoffkonsumierenden Tiere vor allem im Inneren ihres Körpers, die der stoffproduzierenden grünen Pflanzen und stoffreduzierenden Bakterien dagegen vorwiegend nach außen zu, gegen die Umgebung hin, entfaltet. Die Gesamtheit der assimilierenden, grünen Oberflächen einer Lebensgemeinschaft gibt — zahlenmäßig erfaßt — einen Schlüsselwert, der die betreffende Lebens gemeinschaft nicht bloß beschreiben hilft, sondern darüber hinaus auch noch Rückschlüsse auf ihre Leistung zuläßt. Die Assimilationsforschung hat zwar erwiesen, daß die Stoffproduktion der autotrophen Pflanzen außer von ihrer grünen Oberfläche auch noch von zahlreichen inneren und äußeren Bedingungen abhängt. Solche innere Faktoren sind u. a. : Spaltöffnungsdichte, -bau und -zustand, Chlorophyllkonzentration, Bau und Zustand der Leitgewebe zum Abtransport der Assimilate und der Ernährungszustand des Blattes. Äußere Faktoren sind die Klima und Bodeneigenheiten. Alle diese Einflüsse vermögen aber, wie die Arbeiten von Bornemann (1923), Boysen-Jensen (1932), Heath (1938), LundegIedh (1924) und Müllek (1932) gezeigt haben, die ausschlag gebende Wirkung der Oberflächengröße nicht zu verdecken. Die assimila torische Leistung —- ausgedrückt in der „Mittleren Nettoassimilations menge" für 1 m2 grüner Oberfläche und Woche — ist für Angehörige von 7 Familien aus 5 verschiedenen Klimagebieten trotz der damit gegebenen weit voneinander abweichenden inneren und äußeren Bedingungen nahezu gleich, nämlich 56 g mit einer Schwankung von nur ± 15 g1. Die von Species zu Species schwankenden Einflüsse wirken also eher ausgleichend als störend, so daß die assimilatorische Leistung grüner Pflanzenorgane innerhalb einer gewissen Fehlergrenze als weitgehend konstant angesehen werden muß. Damit aber ist der Oberflächenentwicklung von Pflanzengemein schaften nicht nur ein beschreibender, sondern auch ein essentieller Wert zur Kennzeichnung ihrer Leistungsfähigkeit zuzubilligen, ein Wert, der sich außer durch die erwähnten Ergebnisse der physiologischen For schung vor allem in den praktischen Meßergebnissen der Vegetations 1 Im einzelnen werden folgende Angaben der mittleren Nettoassimilations menge gemacht: Hordeum sativum Rotharnsted 54,6 g/m2 Woche Gossypium Südafrika 56,7 g/m2 Woche Gossypium Sudan 68,5 g/m2 Woche Sinapis alba Bonn 50,6 g/m2 Woche Beta vulg. Cicla Rothamsted 60,1 g/m2 Woche Beta vulg. Rapa Rothamsted 64,3 g/m2 Woche Cucurbita Pepo Cheshunt 41,3 g/m2 Woche Solanum Lycopersicum Cheshunt 50,0 g/m2 Woche Scilla nutans Cheshunt 61,5 g/m2 Woche

Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen. 3 forschung und im Vergleich der „Oberflächenenergie" verschiedener Assoziationen bewährt. Die im folgenden mitgeteilten Vegetationsbearbeitungen bedienen sich daher neben den üblichen Merkmalen der Darstellung auch noch des Merkmales der Oberflächenentwicklung von Pflanzengemeinschaften und jeder diese Gemeinschaften zusammensetzenden Art. Die Beispiele entstammen zwei weit auseinander liegenden Florengebieten: Dem alpin-mitteleuropäischen und dem der südamerikanischen Küsten kordillere ; ersteres vertreten durch das Habachtal in den Hohen Tauern, letzteres durch die weiten Südhänge der durch Humboldts Besteigung berühmten Silla de Caracas im Norden von Venezuela. Aus beiden Gebieten wurden Belege aus verschiedenen Höhenstufen zum Vergleich herangezogen. Die Arbeiten in den Alpen erfolgten im Rahmen des Sven-Hedin-Institutes, dessen Leiter, Dozent Dr. Ernst Schäfer, ich für freundschaftliche Förderung dankbar bin. Meiner Assistentin, Frl. L. Mathieu, möchte ich für die unermüd liche Hilfeleistung bei der Durchführung der zeitraubenden Messungen und Wä gungen bestens danken. Herrn Dr. Tobias Lasser, dem Leiter des Nationalher bariums in Caracas bin ich für wohlwollendes Verständnis und Förderung meiner Tropenarbeit sehr zu Dank verpflichtet, ebenso meinem Begleiter und Helfer auf den oft sehr mühevollen Exkursionen, Herrn Fritz Pannier. I. Teil: Untersuchungen im Habachtal. Erd- und vegetationskundliches Gepräge. Das Habachtal ist ein zentralalpines Hochtal im Bereich der Hohen Tauern. Der Tauernkamm und das Salzachtal liegen — vergleichbar den Holmen einer Leiter — völlig parallel. Wie die Sprossen zwischen den Holmen verlaufen 12 einander sehr formähnliche Quertäler vom Hauptkamm zum Salzachtal herab. Eines der durch den Menschen am wenigsten veränderten davon ist das Habachtal. Sein unterer, nördlichster Abschnitt (1000—1200 m) zeigt ein V-förmiges Quer schnittsbild (Erosionstal), der Hauptteil dagegen ist durch eine geradezu klassisch klar ausgebildete Trogform (Gletscherwirkung) ausgezeichnet (1200—1900 m der Talsohle). Es folgt ein zum Teil vergletschertes Halbrund als Talschluß, überragt von einer Reihe von Gipfeln, welche, alle um 3000 m hoch, das Gebiet nach Süden zu abschließen. Die Hoch pässe zwischen ihnen sind nur rund 100 m niedriger als die Gipfel. Die oberste menschliche Dauersiedlung liegt an der Einmündung ins Salzach tal; hier, in der „Klause" richtete ich für mehrere Jahre eine Station für alpine Vegetationsforschung ein, von welcher unter anderem auch die vorliegende Arbeit ausging. Im Bereich der „Klause" liegt auch der einzige intensiv genutzte Pflanzenbestand des Tales, eine kleine regelmäßig gedüngte und gemähte Fettwiese. Sonst kommt es nur zu 1*