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Blick ins Heft - Ausgabe 4

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BUNTE SEITEN Was sagte Hitlers Vater, als er ihn zu Hause rauswarf? Eil: Oberst Krauti zum Appell angetreten! Wir stellen unser neues Maskottchen vor: Oberst Krauti klopfte eines Morgens an unsere Bürotür und wollte mitmachen. Warum er nicht weiterhin eine Schar militant-militärischer Buchstaben führte, erklärte er uns nicht. Wir vermuteten Streit mit dem Generalstab, der zu einer Gewissensentscheidung geführt haben muss, seine Kampfkraft anderweitig einzusetzen. Also setzte sich der rüstige Krauti ab und lebt seitdem bei uns. Als alten Militaristen müssen wir Krauti allzu häufig bremsen – oft will er mit der Pickelhaube durch die Wand oder zumindest mit dem Karabiner testen, ob man Löcher reinschießen kann. Den Karabiner haben wir ihm nach einiger Zeit abgenommen, schließlich wollen wir eine Durch suchung der Redaktionsräume durch den Verfassungsschutz vermeiden. Wie wir Weicheier es geschafft haben, den tapferen Oberst niederzuringen? Trotz seines schnieken Auftretens ist Krauti ziemlich alt. Er erzählt sogar manchmal vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Sein altes Reichsbanner trägt er immer mit sich herum und hütet es wie seinen Augapfel. Krautis Leben war bewegt: Mittelalter, Reformation, Bauernkriege – Napoleon, noch mehr Kriege, Moderne. Über den letzten großen Krieg spricht der Gute gar nicht gern – wir vermuten, er wurde wegen seines altertümlichen Aussehens vom Feind verspottet. Ganz ohne seinen geliebten Karabiner fühlte sich Krauti ziemlich nackt, also einigten wir uns nach lang andauernder Redaktionssitzung darauf, ihm ein Schwert zu besorgen. Damit kann er, trotz gelegentlicher Hexenschüsse, noch immer ziemlich gut umgehen – angeb lich hat ihn Götz von Berlichingen im Schwert kampf unterrichtet. Das ordnen wir aber eher in die Reihe der Sagen und Legenden ein. Bei so vielen Erlebnissen wirft man einiges durcheinander. Munter steht Krauti jeden Morgen um 4:30 Uhr auf, wartet im Büro auf uns Langschläfer und fragt, wie er uns heute weiterhelfen kann. Neben seines hervorragenden Aussehens, das fortan die „Krautzone“ zieren wird, hat er vor allem einen unschätzbaren Erfahrungsschatz und ein riesiges Wissen über die deutsche Geschichte. Als wir ihm erzählten, was der deutsche Staat heutzutage alles für Ideen hat, fiel ihm fast die Pickelhaube vom Kopf. Einen solchen Grad an niederträchtiger Repression hatte er noch nie erlebt. Er fluchte drei Tage und drei Nächte, dass selbst Praktikantin Pauline, die mit ihrem losen Schandmaul ganz vorne mit dabei ist, Blatt und Stift zückte, um sich die besten Beleidigungen zu notieren. Die restliche Redaktion war mit Schamesröte im Gesicht bereits geflohen. Ein solches Ausmaß an Staatshass hätten wir von einem alten deutschen Oberst nicht erwartet. Als er uns aber schilderte, dass man früher niemals auf die Idee gekommen wäre, die Bevölkerung derartig zu tyrannisieren, wurde uns klar, dass es in der deutschen Geschichte mehr Freiheit vor dem Staate gab, als man sich heute überhaupt vorstellen kann. Nach der Schimpftirade besuchte uns sein alter Freund und Arzt Gascogne, ein elsässischer Feldscher, aus den deutsch-französischen Kriegen. Nach eingehender Untersuchung und Diagnose – zu hoher Blutdruck – stellte er uns vor die Wahl: Karabiner zurück – oder ein Haustier, um die Nerven zu beruhigen. Wir ließen uns nicht erweichen: Keine Schusswaffen im Büro! Also sprang Krauti auf, marschierte los und kam schließlich mit einer gelben Schlange zurück, die ihm seitdem bei seiner Arbeit für die „Krautzone“-Redaktion unterstützt. Woher er dieses ziemlich bissige Vieh aufgetrieben hat, wissen wir nicht. Wir wollen es auch gar nicht wissen.• „Sieh zu, dass du Land gewinnst!“

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