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AJOURE´ Magazin Mai 2018

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AJOURE MEN / LIEBE /

AJOURE MEN / LIEBE / TECHNIK & BEZIEHUNG Reizvolles Kopfkino: Die 10 besten Erotikbuch-Klassiker Es darf beim Lesen gerne prickeln - aber ein bisschen anspruchsvoller als „50 Shades of Grey“ wäre auch ganz schön? Kein Problem: Wir präsentieren dir die zehn besten Erotikbücher für alle, die es bei der schönsten Nebensache der Welt niveauvoll mögen. 1) Hakuri Murakami: Naokos Lächeln Worum geht's? In Rückblicken lernen wir das komplizierte Liebesleben des heute fast 40-Jährigen Tōru Watanabe kennen. In den 1960er Jahren kann er sich nicht zwischen Naoko und Midori entscheiden. Er beginnt eine Dreiecksbeziehung mit den sehr unterschiedlichen Mädchen, hat aber auch Sex mit anderen - nur um schließlich zu erkennen, wen er wirklich liebt. Ist das sexy? Selbstbefriedigung und Sex sind zwar ein wichtiges Thema, es geht in "Naokos Lächeln" aber vor allem ums Erwachsenwerden und um Verlust. Hakuri Murakami verarbeitet diese Themen in einer bittersüßen Liebesgeschichte, garniert mit jeder Menge Sex. Warum soll ich das lesen? Weil es von Hakuri Murakami ist. Den mehrfach ausgezeichneten japanischen Autor sollte man allein darum schon lesen, damit man mitreden kann. Und außerdem schreibt er fabelhaft. 2) Benoite Groult: Salz auf unserer Haut Worum geht‘s? Gebildete liebt Fischer: George und Gauvain sind ein ungewöhnliches Paar. Zu mehr als Leidenschaft reicht es bei George allerdings nicht, denn sie will Gauvain nicht heiraten - die gesellschaftlichen Unterschiede sind zu groß. Doch im Laufe ihrer beider Leben treffen sich die zwei immer wieder und pflegen ihre Liebe heimlich. Ist das sexy? Sehr. „Salz auf unserer Haut“ wurde zeitweise als „Frauen-Porno“ verschrien. Das lag vor allem daran, dass Benoite Groult es gewagt hatte, ihre Protagonistin als starke Frau darzustellen, die ihre Sexualität frei auslebt. Aus heutiger Sicht wirken die Schilderungen vergleichsweise züchtig. Aber sinnlich ist der Roman auf jeden Fall. Warum soll ich das lesen? Der Roman brachte 1988 feministische Züge in deutsche Schlafzimmer. Eine solch freizügige, weibliche Hauptfigur war man nicht gewohnt. Die Liebesgeschichte ist zeitlos, die Erotik einfühlsam. AJOURE MAGAZIN SEITE: 100 | MAI 2018

AJOURE AJOURE / LIEBE MEN & BEZIEHUNG / TECHNIK 3) Jonathan Franzen: Freiheit Worum geht's? Walter und Patty sind ein amerikanisches Durchschnittspaar in den 1980er Jahren. Patty entdeckt ihre persönliche sexuelle Freiheit beim Fremdgehen. Versuchungen sehen sich auch Walter und der gemeinsame Sohn Joey gegenüber. Verschiedene, komplexe Beziehungen scheinen das Familienleben zu zerstören. Ist das sexy? Es gibt jede Menge Sex, und der ist gut ge- und beschrieben. „Freiheit“ ist durchaus anregend. Für die Protagonisten geht es dabei auch um die Erfüllung heimlicher Wünsche - damit dürften sich viele Leserinnen identifizieren können. Warum soll ich das lesen? Weil es natürlich nicht nur um Sex geht, sondern um eine Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft, um Moralvorstellungen und natürlich um die Familie. Der Roman ist eine Art soziologischer Betrachtung, dabei unterhaltsam zu lesen. 4) Anaïs Nin: Das Delta der Venus Worum geht‘s? In 15 erotischen Kurzgeschichten geht es mal nicht um romantische Lovestorys, sondern ausnahmslos um Lust und Leidenschaft. „Das Delta der Venus“ beschreibt die sexuellen Erlebnisse von Frauen aus der Sicht von Frauen. Sechs Jahre nach seinem Erscheinen 1977 galt der Band in Deutschland als jugendgefährdend und wurde beschlagnahmt. Ist das sexy? Anaïs Nin hat diese Geschichten mit einem sehr direkten, aber dennoch sinnlichem Stil geschrieben. Der Akt an sich wird häufig sehr genau beschrieben, „Schwanz“ und „Fotze“ sind keine seltenen Wörter. Warum soll ich das lesen? Gerade weil „Das Delta der Venus“ so direkt ist - in den 1970er Jahren, noch dazu von einer Frau, war das ziemlich skandalös. Außerdem sind die Geschichten auch sehr poetisch und sprachlich ausgefeilt. Fotos: NYS444 / Getty Images; PR/ Amazon 5) Henry Miller: Wendekreis des Krebses Worum geht's? In Tagebuchform und deutlich autobiografisch gefärbt erzählt „Wendekreis des Krebses“ die Geschichte eines Mannes, der zügellos in den Tag hinein lebt. Es geht um Lebensfreude, um das Abstreifen eines gesellschaftlichen Korsetts in jeglicher Hinsicht, auch sexuell gesehen. Ist das sexy? Weniger sexy als vulgär. Der Sex in „Wendekreis des Krebses“ ist roh und animalisch. Der Protagonist hat Sex (nicht nur) mit Prostituierten, beiläufigen und schmuddeligen Sex, den Henry Miller ziemlich präzise beschreibt. Warum soll ich das lesen? Zugegeben: Heute sind die expliziten Passagen des Romans gar nicht mehr so aufregend. Aber in den 1930er Jahren war das Buch ein Manifest gegen die Prüderie seiner Zeit - und so sollte es auch gelesen werden. Auch in Deutschland stand der Roman auf dem Index. AJOURE MAGAZIN SEITE: 101 | MAI 2018