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AJOURE´ Magazin Mai 2018

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AJOURE / PEOPLE

AJOURE / PEOPLE Interview Ajouré: Was löst singen in dir aus? Ich bin immer dann ganz da, wenn ich singe. Es holt mich runter, denn ich bin oft verpeilt und vergesslich, und dann ist diese Stadt Berlin auch echt anstrengend, finde ich. Wenn ich dann singe, dann schaltet sich das alles ab. Dazu kommt, immer wenn ich singe, bin ich am wenigsten ängstlich, denn das bin ich ab und zu. Ängstlich vor diesem ganzen Wust und wenn ich auf der Bühne bin, merke ich, dass ich irgendwie runterkomme. Ajouré: Singen denn deine Fans auch schon mal deine Lieder mit? Das ist uns auf der letzten Tour in Hamburg einmal passiert. Da haben sich die Leute „Wann immer“ als Zugabe gewünscht, was wir aber an dem Abend schon gesungen haben. Aber da wir schon alle Songs gesungen haben, hatten wir keinen neuen parat. So haben wir dann nochmal „Wann immer“ gesungen und die Leute haben das Lied von Anfang bis Ende mitgesungen. So laut, dass ich teilweise gar nicht singen musste. Da war ich überwältigt und den Tränen nahe, denn das habe ich nicht erwartet. Das ist schon ein sehr spezielles Gefühl von Dankbarkeit. Das war niemals meine Intention, als ich diesen Song geschrieben habe, aber dass es dann so war, hat mich überwältigt. Ajouré: Wir leben in einer hochmodernen Welt. Um so faszinierender ist es für uns, dass du stets mit deinem Notizbuch herumläufst, um dir alles aufschreiben zu können, was dir den Tag über auffällt. Aus all deinen Notizen entstehen dann am Ende deine einzigartigen Lyrics, die nicht selten zum Nachdenken einladen. Unter welchen Gegebenheiten schreibst du denn am liebsten? Ich wache morgens auf, mache mir einen Kaffee, setze mich an den Tisch und schnapp mir meine Notizen. Zwischendurch spaziere ich mal eine halbe Stunde draußen rum und dann geht’s weiter. Ich kann praktisch immer und überall schreiben, weil ich es auch so ein bisschen als meine Arbeit ansehe. Ich muss nicht von der Muse geküsst werden, aber ich merke natürlich auch, wenn das passiert. Selbst wenn ich Tage habe, an denen ich merke, dass es heute vielleicht nicht so flüssig läuft, versuche ich trotzdem dranzubleiben. Auch das mache ich erst einmal handschriftlich und später bringe ich es auf meinen Rechner. Ajouré: Wie viel Wahrheit steckt in deinen Songs über dich selbst? Sind es alles Geschichten, die dir selbst passiert sind, oder handelt es sich einfach um Menschliches, was jedem einmal passieren könnte und du versetzt dich einfach in die Situation hinein? AJOURE MAGAZIN SEITE: 56 | MAI 2018

Fotos: Sophie Krische AJOURE / PEOPLE Teils teils. Es gibt schon viele Sachen, die ich erlebt habe, aber die sind im Song nicht 1:1. Die Emotionen, die da drinstecken, habe ich schon meistens selber erlebt. Aber ich würde schon behaupten, dass ich sie mir ein Stück weit zurechtbaue. Mir fällt es manchmal schwer, wenn Leute immer nur ihren eigenen Schmerz präsentieren, dass ich hin und wieder nicht mehr zuhören kann. Mich überlädt das dann teilweise. Wenn man lange in diesem Geschäft ist, könnte ich mir schon vorstellen, dass man irgendwann mal seine persönlichste Platte rausbringen möchte, aber gerade jetzt mag ich es, mir die Dinge auszudenken. Ajouré: In deinem Song „Berlin Berlin“ auf deinem Album „Lametta“ singst du über die Hauptstadt, dass das Wort „Bittersüß“ die passende Beschreibung hierfür wäre. Warum? (lacht) Ich weiß nicht. Ich finde, Berlin ist sehr ambivalent. Du gehst auf den Ku´damm und irgendwo liegt einer in seinem Erbrochenem rum. Das ist so krass irgendwie. Ich kam damals in Berlin an und habe jedem, der gebettelt hat, etwas gegeben und dachte, irgendwann bin ich einer von euch, wenn das so weiter geht. Da fiel mir dann auf, wie sehr man hier abstumpft. Das gehört halt zum Stadtbild mittlerweile. Das ist aber auch etwas, was mich ein bisschen fertigmacht. Vor kurzem ist eine durch die U-Bahn gelaufen, die geheult hat. Da denkst du dir erst einmal: Ist das jetzt echt? Ist sie ne gute Schauspielerin? Allein der Gedanke ist hart, denn es ist ja immer noch ein Mensch, der vor dir steht. Da komme ich emotional noch nicht so drauf klar. Da muss man emotional einfach zumachen und ein Stück weit abstumpfen. Dann ist Berlin für mich all die vielen verschiedenen bunten Leute. All die Stadtteile und alle Menschen. In der Hipster-Szene sind zwar alle so krass individuell, aber trotzdem sehen alle irgendwie gleich aus. Manchmal ist es mir dann zuviel und ich denke mir so: „Ich würde Berlin total genießen, wenn´s einfach mal die Klappe halten und ich einfach nur so durchgehen könnte.“ Aber all die Inspiration, die man hier bekommen kann, wenn man einfach nur spazieren geht, finde ich sagenhaft. AJOURE MAGAZIN SEITE: 57 | MAI 2018