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Leseprobe "Übergriffe auf Muslime in Deutschland" von Namika Gazza

Kaum ein Attentäter macht sich darüber Gedanken, was ein Anschlag für eine Auswirkung haben kann, sowohl für das Opfer als auch für die Angehörigen. Und derjenige, der hilft und versucht zu unterstützen, zieht sich in alles mit rein und bekommt auch Probleme. Ausländerfeindlichkeit und Islamhass wird durch die Medien geschürt. Menschlich ist so etwas nicht nachvollziehbar. Wir sollten einander kennenlernen und uns eine Chance geben von Mensch zu Mensch.

Meine

Meine erste Zeit als Muslima Was jetzt passierte in Deutschland, hätte ich mir nie vorstellen können. Na ja, meine Eltern konnten meine Entscheidung nicht fassen zuerst. Es dauerte einige Jahre bis meine Familie, sich mit meinem Entschluss abfand. Dadurch, dass ich anfing, Kopftuch zu tragen, verlor ich meine ganzen Freunde. Und damit hatte sich für mich auch geklärt, was richtige Freunde sind. Meine Freunde waren keine richtigen Freunde, sonst hätten sie wohl kaum einfach den Kontakt mit mir abgebrochen oder mich verstoßen. Aber mir war das alles völlig egal. Ich war froh, endlich das gefunden zu haben, was ich immer gesucht hatte. Ich fand Ruhe und Frieden, denn ich war angekommen. Etwas später merkte ich, dass ich von den Deutschen beobachtet wurde. Egal wo ich hinlief, ich zog die Blicke auf mich. Man sah mich schief an und sogar im Bus wollte niemand neben mir sitzen. Ich fühlte mich nicht wohl. In Afrika war es normal, Kopftuch zu tragen, aber in Deutschland war es anders. So richtig bewusst wurde mir das Problem aber erst, als ich anfing, das Kopftuch regelmäßig zu tragen. Dadurch, dass ich anderes war, wendeten sich viele Menschen von mir ab. Mir war das alles einerlei. Ich war eh nicht mehr

so wie vorher. Früher ging ich regelmäßig in die Disko, jetzt war ich oft in der Moschee. Meine Freunde wandten sich von mir ab. Ich wusste, richtige Freunde würden hinter mir stehen. Meine Freunde standen nicht hinter mir. Viele meiner Freunde waren Juden und Juden kamen sehr schlecht mit Muslimen zurecht. Ich war als Muslima ihnen gegenüber unvoreingenommen. Ich wusste, wir sind alle Menschen. Egal ob man Jude, Christ, Muslim oder Buddhist ist. Oder ob man schwarz oder weiß, dick oder dünn ist. Ob man klein oder groß ist. Wir sind alle Menschen und so gleich wie die Zähne eines Kamels. Meine Freunde dachten anders und fragten mich, wie ich auf die Idee kam, Muslima zu werden. Meine Freunde kannten mich nur als Partygirl. Die einzige Antwort, die ich auf ihre Fragen geben konnte, war, dass ich meinen Weg jetzt gefunden hatte und diesen Weg auch gehen wollte. Ich wusste, wo ich hingehörte. Ich hatte auch viele Buddhisten als Freunde. Genau diese Freunde rieten mir mehrmals ab, Muslima zu werden. Bis heute verstehe ich den Grund dafür nicht. Viele von meinen Freunden waren Christen. Meine christlichen Freunde hielten jedoch zu mir und sind heute noch meine Freunde.

Rezension "Übergriffe auf Muslime in Deutschland" von Namika Gazza