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Anzeige 250 in ihr Hirn

Anzeige 250 in ihr Hirn einzubrennen. Dabei benahm sie sich, als bedeute es eine große Gefahr, das Zimmer zu betreten. Als sei der Boden hier gespickt mit Tretminen. Schließlich ging sie zurück ins Wohnzimmer. Ich folgte ihr. Sie zog die schweren, langen Gardinen vor die kleinen Sprossenfenster und sperrte so das letzte Tageslicht aus. „Damals war es dunkel“, sagte sie. Es klang mehr, als erkläre sie es sich selbst. Dann setzte sie sich auf das klobige, mit dunkelgrünem Stoff bezogene Sofa. Ich nahm auf einem ebensolchen Sessel Platz, der dem Sofa direkt gegenüberstand. Ich wunderte mich, dass hier nicht die geringste Kleinigkeit an die Berliner Touristenfamilie erinnerte. Kein Spielzeug der übergewichtigen Kinder, keine angelesene Zeitung des Mannes, kein benutzter Aschenbecher, kein dreckiges Glas, gar nichts. Später erzählte Lara mir, dass dies zu der Vereinbarung gehörte, die sie mit der Familie getroffen hatte. Lara legte den Kopf zurück auf

die Lehne des Sofas, zog ihre Schuhe aus und streckte die Beine auf die Kante meines Sessels. Ich betrachtete ihre Füße, die schmal waren und sanft in sich geschwungen. Lara schloss die Augen. „Hier habe ich damals auch gesessen“, sagte sie, „als ich telefonieren wollte. Es war der gleiche muffige Geruch nach alten Möbeln wie heute.“ Einen Moment lang schien es, dass sie nicht mehr weiterreden würde, aber dieser Augenblick verging. „Sie geben mir das Telefon nicht“, fuhr sie schließlich fort. „Obwohl ich telefonieren will, geben Sie mir das Telefon nicht. Ich muss die Polizei anrufen. Sofort. Mein Kind ist weg. Ich selbst habe es einem mir fremden Mann am Strand überlassen. Ich muss es wiederhaben. Ich muss Jonathan wiederhaben.“ Lara weinte überraschend und vollkommen lautlos. „Aber sie lassen mich nicht“, sagte sie und man hörte ihrer Stimme an, dass sie weinte, man sah es auch in ihrem Gesicht. „Obwohl sie miteinander streiten, hindern sie mich doch gleichzeitig beide daran, zu telefonieren. Da sind sie sich einig. Auch wenn ich nicht genau verstehe, warum das so ist. Aber dann bringt Marlies Schwalm es auf den Punkt: ‚Keine Polizei!’, kreischt sie hysterisch. ‚Auf keinen Fall rufst du die Polizei an. Es gibt immer irgendeine andere Lösung als die Polizei. Die schnüffeln in zu vielen Sachen herum. Das kann keiner von uns hier gebrauchen.’ Dann streiten sie weiter. Bruno sitzt nun halb neben, halb hinter mir, hält mich umklammert. Ich wehre mich aus Leibeskräften, aber seine Hände und Arme sind wie Schraubstöcke, die jemand an mir festgeschraubt hat. Ich habe keine Chance gegen ihn. Sein Mund ist so nah an mir dran in diesem Gerangel, dass mir sein Speichel ins Gesicht fliegt, als er mich anschreit: ‚Jetzt halt still, verdammte Hure! Sonst bring ich dich um!’ Mir wird schlecht. Ich werde mich gleich übergeben. Der Speichel, der Geruch aus seinem Mund, seine Worte. Mein aussichtsloser Kampf 251

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    Ole Hansen Das gefundene Kind Roman

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