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ein Blick in mein

ein Blick in mein Gesicht reichte ihr. Sie selbst dagegen war von einer Ausgeglichenheit, die ich bewunderte. Wenn ich dazu in der Stimmung war, lud sie mich auf einen Kaffee in ihr Wohnzimmer ein oder im Sommer auf ihre Gartenterrasse. Wir redeten miteinander wie zwei alte Vertraute, während Maurice spielte und wartete. „Schreiben Sie gerade etwas?“, fragte Charlotte mich einmal. Wir saßen in ihrem Garten. Es war einer der ersten wärmeren Spätfrühlingstage des Jahres. Statt Kaffee tranken wir eisgekühlten Apfelsaft, den sie in einem tönernen Krug servierte. An diesem Tag ging es mir nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Irgendetwas bedrückte mich, ohne dass ich selbst gewusst hätte, was es war. „Schreiben ist mein Beruf“, sagte ich ein wenig mürrisch. „Ich schreibe immer irgendetwas.“ Charlotte durchschaute mich problemlos: „Tatsächlich?“ Ich fühlte mich ertappt. „Wenigstens sollte es so sein“, korrigierte ich kleinlaut. „Und wie ist es gerade jetzt?“ Ihr Apfelsaft funkelte in einem Sonnenstrahl wie Bernstein. Sie drehte das Glas und betrachtete das Glitzern. „Ich hab vor ein paar Wochen einen neuen Roman begonnen“, sagte ich und trank ebenfalls einen Schluck. „Es läuft ganz gut.“ „Das ist schön“, sagte sie munter. „Von was handelt er?“ „Ich red nur ungern über ungelegte Eier.“ Meine Laune hatte sich nicht gebessert. Ich lehnte mich etwas auf meinem Stuhl zurück und kreuzte die Arme vor der Brust. Trotz meiner Worte, oder vielleicht gerade deshalb, schaute Charlotte mich erwartungsvoll an, als wolle sie sagen: Nun, von was? Sie spürte, dass ich nicht halb so abgeneigt war zu reden, wie ich mich aufführte. Es war nahezu unmöglich, ihr etwas vorzumachen. „Eine Liebe“, sagte ich obenhin, „die sich dem Ende zuneigt. Nichts Besonderes also.“ „Und?“, fragte sie. „Woran hakt es?“ 50

„Es hakt nicht“, behauptete ich. Ihr stummes Nun, woran ? Sie lächelte. „In einem Roman ist es immer gut“, sagte ich, „wenn es eine neue Liebe gibt.“ „Die nicht in Sicht ist?“ Sie trank einen Schluck und stellte das Glas auf den Tisch. Ich schüttelte den Kopf. „Die nicht in Sicht ist“, bestätigte ich. Es klang resigniert. Charlotte stand auf, half Maurice auf die Schaukel und gab ihm einen Schwung. „Vielleicht denken Sie beim Schreiben zu sehr an ihr eigenes Leben?“, fragte Charlotte vorsichtig. Ich überlegte nur kurz. „Das kann schon sein“, gab ich schließlich zu. „Was nicht gut ist, oder?“ Sie setzte sich wieder. „Mehr“, verlangte Maurice. „Was nicht gut ist“, bestätigte ich. Ich ging zu Maurice und gab ihm neuen Anschwung. „Soso“, sagte Charlotte und: „Aha“, wobei sie mich über den Rand ihres Glases hinweg nicht aus den Augen ließ. „Denn schließlich schreiben sie nicht autobiographisch, oder?“ „Nein“, sagte ich. „Das tue ich nicht.“ Plötzlich mussten wir beide lachen. Vielleicht über den Stil unseres Gesprächs, vielleicht aber auch über seinen Inhalt. Jedenfalls spürte ich, wie es mir langsam besser ging. „Dann sind Sie doch frei in ihrer Geschichte“, sagte Charlotte leichthin. „Das ist doch wunderbar. Sie haben alle Möglichkeiten der Welt.“ Wieder gab ich Maurice Anschwung. Ich stellte mir vor, dass es für ihn ein Gefühl sein müsse, als würde er fliegen. Ein kleines bisschen fühlte ich mich plötzlich auch so. Aber natürlich waren Charlottes Gedanken naiv. Sie verbrachte einfach zu viel Zeit mit Kindern, das färbte ab. „Schreiben ist eine komplizierte Arbeit“, sagte ich. „Das glaube ich schon“, meinte Charlotte ernst. „Aber liegt nicht auch 51

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