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GRO_Taschenbuch_MUSTER

überhaupt eine

überhaupt eine Verbindung zwischen ihnen existierte. Nina schwieg hartnäckig. Und dann schwante mir, dass sie auf einem völlig anderen Planeten war. Ein Planet, der weder mit Maurice noch mit Lara irgendetwas zu tun hatte. Meine Naivität begann zu bröckeln. „Wovon redest du eigentlich?“, fragte ich. „Irgendjemand muss es dir schließlich erzählt haben“, meinte sie. „Oder wie sonst bist du drauf gekommen?“ „Wie, verdammt, bin ich auf was gekommen?“ Immer klarer rückte die Wahrheit in mein Bewusstsein. Ninas Lippen öffneten sich, aber es kam kein Wort heraus. Verdattert sah sie mich an. „Du hast also nicht …“, stammelte sie endlich. „Du weißt nicht …?“ „Was weiß ich nicht? Könntest du vielleicht so freundlich sein und dich etwas deutlicher ausdrücken?“ In diesem Moment begriff sie, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Sie war dabei, mir etwas zu gestehen, von dem sie geglaubt hatte, dass ich es längst wüsste. Im dumpfen Schein der Küchenlampe konnte ich es nicht erkennen, aber ich war sicher, dass sie vor Schreck blass geworden war. Durch den Rum war mein Tee so weit abgekühlt, dass ich ihn in drei großen Schlucken problemlos trinken konnte. Der Alkohol stieg mir sofort zu Kopf, ich war nicht knauserig gewesen. „Wer?“, fragte ich als der Becher leer war. Nina ging zum Fenster und schaute hinaus, als könne sie da draußen die Antwort finden. Das Licht der Küche spiegelte sich in der regennassen Scheibe. „Frank“, sagte Nina leise und ohne sich umzudrehen. Unter ihrem Morgenmantel zeichnete sich deutlich die Form ihres Hinterns ab. Für Sekunden befiel mich ein absurdes Verlangen, das aber schneller verflog als es gekommen war. Schon seit Ewigkeiten hatten wir nicht mehr miteinander geschlafen. Und jetzt war sicher nicht der richtige Zeitpunkt, das zu ändern. 114

Frank Schulte war ihr Chef. „Nicht besonders phantasievoll“, sagte ich und kippte einen doppelten Rum in meinen Becher. Dieses Mal ließ ich den Tee weg, bevor ich ihn in einem Schluck hinunterspülte. „Sollte es auch nicht sein“, meinte Nina. „Eigentlich sollte es überhaupt nicht sein. Es ist einfach passiert. Ich hab nie die Absicht gehabt, dich zu betrügen.“ In einer schnellen Bewegung drehte sie sich zu mir um und sah mich an. Eine Strähne ihres nur notdürftig gebürsteten Haares fiel ihr ins Gesicht. Ihre Augen waren sehr lebendig. Sie gefiel mir wie lange nicht mehr. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, etwas Seltsames ging in mir vor. „Glaubst du mir das?“, fragte sie. „Ist das noch wichtig?“, wollte ich wissen. Nina nickte. „Ja“, sagte sie, „das ist es. Wichtig.“ „Ich glaube es dir“, antwortete ich. Ich beugte mich vor, stützte meine Ellenbogen auf den Beinen ab und sah sie von unten an. Ihre Brüste fielen mir ins Auge. Für ein paar Sekunden schaffte ich es nicht, woanders hinzuschauen. „Ich glaube es dir wirklich“, bekräftigte ich schließlich und versuchte, auf andere Gedanken zu kommen. „Wie ernst ist es?“ Nina sagte nichts. Aber sie wirkte plötzlich so verloren, dass dies eine deutliche Antwort war. Ich stand auf, ging zu ihr und legte meinen Arm um sie. „Was haben wir falsch gemacht?“, fragte ich. „Ich weiß es nicht“, sagte Nina. Als sie sprach, spürte ich ihren Atem an meinem Hals. Und wieder war da die absurde Lust, mit ihr zu schlafen. Wieder kam die Lust und sie verging, wie die Wellen am Strand. „Vielleicht haben wir gar nichts falsch gemacht“, meinte Nina schließlich. „Vielleicht ist es ganz einfach der Lauf der Zeit. Dinge im Leben beginnen und sie hören wieder auf. So ist das nun mal.“ „Ich wollte mich heute Nacht von dir trennen“, sagte ich, denn ich lehnte es ab, meine Hände in Unschuld zu waschen. 115