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GRO_Taschenbuch_MUSTER

ich mich dann in dich

ich mich dann in dich verliebt habe, wurde mir klar, dass ich das niemals durchhalten würde. Es war genauso unmöglich wie alles, was ich vorher gedacht und geplant hatte. Und genau deshalb verschwinde ich jetzt wieder aus deinem Leben und aus dem von Maurice. Vielleicht magst du ihm später, wenn er groß und verständig geworden ist, von mir erzählen. Sag ihm, dass ich ihn sehr lieb habe und dass das immer so bleiben wird. Sag ihm, dass ich ihn damals am Strand nicht sterben lassen wollte. Ganz im Gegenteil, ich wollte ihn retten. Ich war auf der Flucht. Und als plötzlich du, Paul, in meinem Versteck aufgetaucht bist, warst du die einzige Möglichkeit zur Rettung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich sogar daran gedacht, uns beide zu töten, um uns vor Schlimmerem zu bewahren. Du warst ein Zeichen des Himmels. Es war Weihnachten. Ich wusste, dass du mein Kind nicht erfrieren lassen würdest. Ich könnte und müsste dir noch so viel mehr schreiben, Paul, aber die Zeit drängt mich aufzuhören. Draußen ist es schon hell geworden und gleich werden die ersten Mütter vor Charlottes Haus stehen, um ihre Kinder abzugeben. Und dann wird es nicht mehr lange dauern, bis du hier auftauchen wirst. Etwas, das ich auf keinen Fall mehr erleben darf. Wir dürfen uns nicht mehr sehen, sonst schaffe ich es nicht, meinen Entschluss durchzuführen. Es ist schon so schwer genug. Leb wohl! Ich brauche dir nicht zu sagen, dass du gut auf Maurice aufpassen sollst … Ich umarme dich, Lara PS: Mein Handy habe ich gewechselt. Du brauchst also nicht versuchen, mich über die alte Nummer zu erreichen. Sorry! 124

Kapitel 18 Nina verließ unser gemeinsames Haus. Sie mietete sich eine Wohnung, zog also nicht sofort zu Frank Schulte. Immer wieder las ich Laras Brief, als würde ich ihn zum ersten Mal lesen. Ich suchte darin nach Hinweisen auf ihren Verbleib, fand aber keine, auch nicht zwischen den Zeilen. Ihr Brief warf vor allem die Frage auf, vor wem sie Maurice damals retten wollte. Der einzige Mensch, der darauf eine Antwort geben konnte, war Lara selbst. Daneben wunderte ich mich, wo ihr Mann in dieser Geschichte steckte. Er schien überhaupt nicht stattzufinden. Lara meldete sich nicht. Obwohl ich damit nach ihrem Abschiedsbrief auch nicht rechnen konnte, tat ich es. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute rechnete ich damit, dass mich irgendeine Nachricht von ihr erreichte. Von woher und auf welchem Weg auch immer. Als nach einer Woche Susanne Kern bei mir anfragte, ob sie Maurice ab und zu morgens zu sich holen könne, damit Stephan Gesellschaft hatte, stimmte ich zu. Ich musste mich wieder mehr auf meine Arbeit konzentrieren. Irgendwie musste alles weitergehen. Ich saß am Laptop und versuchte zu schreiben. In der Küche klingelte das Telefon. Erst im letzten Moment entschied ich mich ranzugehen. Vielleicht war etwas mit Maurice passiert. Ich meldete mich gereizt. Am anderen Ende blieb es still, nach zehn Sekunden wurde aufgelegt. Ich wusste sofort, dass es Lara gewesen war. Mein Herz hämmerte. Ich setzte mich, behielt das Telefon in der Hand, starrte es an. Die Nummer des Anrufers war unterdrückt worden. Mich befiel ein Gefühl extremer Hilflosigkeit. Meine Arme sanken herab, das Telefon glitt mir aus der Hand, fiel zu Boden. Meine Hände verkrampften sich zu Fäusten, die sich in mein Gesicht pressten. Ich 125