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GRO_Taschenbuch_MUSTER

war mir das nicht

war mir das nicht aufgefallen. Ihr Gesicht war klug und freundlich, ihre Schminke nicht unbedingt dezent. „Ich weiß nicht“, sagte ich, vielleicht ein wenig zu schroff. „Solche Dinge haben mich noch nie wirklich interessiert.“ „Ich war sogar schon ein paar Mal bei einem Hypnotiseur“, sagte sie, fast ein wenig trotzig. „Ein faszinierender Mann übrigens. Und ich glaube, die Sache klappt wirklich, ich …“ „Interessiert Lara sich auch für diese Sachen?“, unterbrach ich sie und trank einen großen Schluck Wasser. „Weniger“, meinte Katja. „Lara ist eher skeptisch. Bei mir gehört, ehrlich gesagt, nicht so viel dazu, mich für etwas zu begeistern, wenn es nur spannend klingt.“ Ihre Selbsteinsicht gefiel mir. Ich war bereit, das Thema damit abzuhaken. Für ein paar Sekunden schwiegen wir beide. „Sie suchen nicht nach Lara“, sagte Katja endlich, „um ihr Geld zu geben. Stimmt’s?“ „Das ist richtig“, antwortete ich. „Ich suche nach ihr, weil ich etwas sehr Wichtiges mit ihr zu besprechen habe.“ Mir war klar geworden, dass ich nur mit Ehrlichkeit weiterkam. Obwohl sie sich selbst anders darstellte, glaubte ich nicht, dass man Katja Baumeister so leicht etwas vormachen konnte. Ihre Augen fixierten mich ohne jede Unsicherheit. Sie fragte sich, mit was für einem Menschen sie es zu tun hatte. Nachdenklich zog sie an ihrer Zigarette, den Rauch inhalierte sie nur oberflächlich. Ihre Augen waren von einem ungewöhnlich klaren Blau. Im gleichen Moment tranken wir aus unseren Gläsern. „So?“, fragte sie. „Und was ist so wahnsinnig wichtig, dass sie deshalb extra nach Hamburg kommen?“ Unser Gespräch war an einem schwierigen Punkt angelangt. Ich wusste nicht, was sie wusste. Und wahrscheinlich ging es ihr mit mir nicht viel anders. Ich entschied mich, meine ehrliche Linie möglichst lange beizubehalten. „Ich liebe Lara“, sagte ich. Noch war es mir selbst fremd, das zu sagen, 134

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