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GRO_Taschenbuch_MUSTER

„Wie hoch?“ Ich saß

„Wie hoch?“ Ich saß schon wieder im Auto und startete den Motor. „Nicht sehr hoch, wirklich …“ „Wie hoch?“, beharrte ich. Der Wagen rollte los. „39,1“, sagte sie. „Das haben sie in dem Alter leicht mal. Es hat nichts zu bedeuten.“ „Warst du beim Arzt mit ihm?“ Ich fädelte mich ein und zog gleich rüber nach links. „Nein. Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Es würde ihn ja auch nur quälen …“ „Dann lass einen Arzt kommen“, forderte ich und gab Gas. „Ich weiß wirklich nicht …“ „Bitte tu es!“ „Na schön“, willigte sie schließlich ein. „Wenn es dich beruhigt, werde ich es tun.“ Als ich ankam, lächelte Maurice mich vom Sofa aus an. Ich eilte zu ihm und nahm ihn auf den Arm. Ich fühlte, dass er nicht mehr heiß war und spürte die Angst von mir abfallen. „Es ist alles in Ordnung“, beruhigte mich Ninas Mutter zusätzlich. „Der Arzt hat ihm ein leichtes Mittel verordnet. Das Fieber ist fast schon verschwunden. Du hast dir unnötige Sorgen gemacht.“ Ich sagte irgendwas darüber, dass Sorgen nie unnötig wären, aber natürlich hatte sie Recht. Bei allen Dingen, die Maurice betrafen, war ich überempfindlich. Das war mir nicht neu. Nach der Erleichterung kehrte überfallartig meine Müdigkeit zurück. „Wie wär’s“, sagte Ninas Mutter und lächelte, „wenn du erst mal nach Hause fährst und dich ordentlich ausschläfst?“ „Auf keinen Fall“, meinte ich. „Ich kann Maurice doch nicht schon wieder alleine lassen. Ich …“ „Unsinn!“, sagte sie, plötzlich resolut. „Er ist nicht alleine, sondern bei mir. Und du fährst jetzt und schläfst. Ich wüsste nicht, was du dem Jungen in diesem Zustand nutzen solltest.“ Mit diesen Worten schob sie mich zur Tür. 144

Anzeige „Und melde dich hier ja nicht wieder“, meinte sie energisch, „bevor du nicht restlos ausgeschlafen hast. Ich frage ja lieber nicht, was dich in Hamburg nicht hat schlafen lassen.“ Immerhin begleitete sie den letzten Satz erneut mit einem Lächeln, das diesmal neckisch war. Bevor ich mich hinlegte, wollte ich noch E-Mails checken und stellte den Laptop an. Während er hochfuhr, hörte ich den Anrufbeantworter ab, der nichts Besonderes hergab. Ich duschte, putzte meine Zähne und ging dann zurück ins Arbeitszimmer. Der Bildschirmschoner des Laptops hatte sich eingeschaltet. Ich ließ ihn verschwinden und öffnete das E-Mail-Programm. Durchs Fenster sah ich, dass die Sonne auf einem guten Weg war, sich nun doch gegen die Wolken durchzusetzen. Das Mailprogramm brauchte wie immer lange, da musste ich mal etwas ändern, aber endlich war es soweit. Neun neue Mails wurden angezeigt. Auf den ersten Blick nichts Wichtiges. Nichts, das nicht hätte 145