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Anzeige „Ich bin der

Anzeige „Ich bin der Eigentümer mehrerer Ferienwohnungen und Ferienhäuser bei Wilhelmshaven. Gerade gehe ich noch einmal die Abrechnungen der letzten drei Jahre durch.“ An dieser Stelle geriet ich ins Stocken und war dankbar, als Marlies Schwalm mir ins Wort fiel: „Ein sehr schöner Küstenstreifen dort unten, Herr Berg“, meinte sie. „Aber was habe ich damit zu tun?“ Obwohl sie sich ums Gegenteil bemühte, war eine gewisse Anspannung in ihrer Stimme kaum zu überhören. „Nach meinen Unterlagen waren Sie vor zwei Jahren in der Weihnachtszeit für ein paar Tage als Gast von Herrn Bruno …, der Nachname ist leider etwas unleserlich, jedenfalls in einem von ihm gemieteten Ferienhaus.“ „Bruno Kirchhoff“, sagte sie. „Ja?“ Sie schien kaum noch zu atmen. In meinem übermüdeten Schädel begann es zu rauschen. Ich konnte nichts anderes mehr hören und bekam Angst, das Bewusstsein zu verlieren: Ich war auf der richtigen Fährte! Ich konnte es kaum fassen. Dann endlich kehrte ich zurück. „… wollen Sie das wissen?“, hörte ich nun wieder die Stimme der Hebamme. „Worum geht es denn?“ Sie klang etwas ungehalten. Wahrscheinlich fragte sie nicht zum ersten Mal. Ich griff auf meinen alten Trick zurück: „Ich habe gerade festgestellt, dass Herr Kirchhoff damals erheblich 152

überzahlt hat. Er bekommt noch Geld zurück.“ Ein längeres verdutztes Schweigen war die erste Antwort. „Es ehrt Sie natürlich sehr“, sagte dann Marlies Schwalm, „dass Sie sich nach so langer Zeit deshalb noch melden…“. Ihre Ironie war nicht zu überhören und ich fühlte mich bereits durchschaut. „Ich bin für unbedingte Korrektheit“, versuchte ich zu retten, was zu retten war. „Immer und überall.“ „… aber in diesem Fall“, beendete sie ungerührt, aber ohne weitere Ironie den angefangenen Satz, „kommen Sie leider zu spät. Herr Kirchhoff ist meines Wissens noch während seines damaligen Nordseeaufenthaltes gestorben. Das müssten Sie doch eigentlich wissen, wenn …“ Erschrocken legte ich auf. Zum einen fiel mir so schnell nichts ein, zum anderen hatte ich für den Moment das Gefühl, genug gehört zu haben. Plötzlich befiel mich eine bleierne Müdigkeit. Im Schlafzimmer fiel ich wie ein Stein ins Bett. Kapitel 22 Lieber Paul, wie du gesehen hast, habe ich die Mail nicht gelöscht. Auch wenn Anzeige 153