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GRO_Taschenbuch_MUSTER

unglücklich mit dem

unglücklich mit dem Kopf auf einen Stein geschlagen. Wie ermittelt wurde, war er wohl sofort tot.“ Ich brauchte ein paar Sekunden, bis die Information wirklich bei mir gelandet war. „Wann genau ist das passiert?“, fragte ich schließlich. „In der Weihnachtsnacht?“ „Das wissen Sie schon?“ Sie klang unbeteiligter als je zuvor. „War nur eine Vermutung“, sagte ich. „Ich weiß überhaupt nichts.“ Eine Weile schwiegen wir beide. Sie hielt die Tür weiter in der Hand. „Und Sie“, fragte ich schließlich. „Was wissen Sie noch?“ „Nichts weiter“, meinte sie. „Alles was ich weiß in dieser Sache, wissen Sie nun auch. – Ich muss jetzt hineingehen. Ich lasse Menschen nur ungern warten. – Auf Wiedersehen.“ Die Tür ging zu. Ich hatte keine Ahnung, was ich von alldem halten sollte. Langsam ging ich zurück zu meinem Auto. Kapitel 26 Den Zettel an der Windschutzscheibe entdeckte ich erst nach ein paar Hundert Metern. Ich dachte an Werbung und schaltete den Scheibenwischer ein, damit er davonflog. Erst im allerletzten Moment sah ich, dass es eine handschriftliche Nachricht war. Meine Reaktion kam zu spät, der Zettel flatterte davon. Ich bremste abrupt, was beinahe zu einem Auffahrunfall führte. Der Fahrer hinter mir fluchte wie ein Droschkenkutscher. Ich fuhr an die Seite und stieg aus. Auf der anderen Fahrbahnseite sah ich den Zettel im Wind immer weiter davon flattern und rannte ihm hinterher. Es dauerte eine Weile, bis ich ihn eingeholt hatte. Ich hob ihn auf und sah, dass die Zeilen von Lara unterschrieben waren. Als ich las, pochte mein Herz im Hals. 188

Paul, hab dein Auto zufällig entdeckt. Habe einen Termin bei Marlies Schwalm. Es gibt noch Wichtiges zu klären. Wahrscheinlich bist du auch bei ihr. Ich möchte dich bei ihr nicht treffen. Aber später. Sagen wir um 15 Uhr? Sie schlug ein Café an der Außenalster vor. Mein Herz machte einen Luftsprung. Ich widerstand der Versuchung, sofort zum Haus von Marlies Schwalm zurückzufahren. Wenn ich Lara um 15 Uhr treffen würde, war alles gut. Als ich schließlich um halb drei an einem kleinen Tischchen vor diesem Café unter einem Sonnenschirm saß, war ich mir praktisch sicher, dass Lara nicht kommen würde. Ich wusste nicht, warum das so war, aber mittlerweile hätte ich auf ihr Erscheinen keinen Pfifferling mehr gegeben. In der Zwischenzeit hatte ich bei Nina angerufen. Maurice ging es gut, er kam ans Telefon. Ihn zu hören war wie Balsam für meine strapazierten Nerven. Ich erzählte Nina, dass ich in Hamburg war, sagte aber nichts über meine Motive. Ich versuchte, Zeitung zu lesen. Als ich mich dabei ertappte, dieselbe Zeile zum x-ten Male zu lesen, ohne ein Wort verstanden zu haben, faltete ich die Zeitung zusammen. Die Minuten krochen wie Schnecken auf Klebstoff. Es wehte ein leichter, warmer Wind. Die Menschen waren in Massen unterwegs. Das Café war bis auf den letzten Tisch besetzt. Es war nicht einfach, den zweiten Stuhl an meinem Tisch zu verteidigen, aber es vertrieb mir ein wenig die Zeit. Um viertel nach drei war Lara noch immer nicht da. Meine Enttäuschung schmeckte bitter. Mir war schlecht von zu viel Kaffee, mein Kreislauf flatterte wie Wäsche im Wind. Ich bestellte die nächste Tasse. Um vier Uhr zahlte ich und ging. Ein älteres Ehepaar, das lange gewartet hatte, stürmte den Tisch. Am Jungfernstieg ergatterte ich ein freies Plätzchen auf einer Bank. 189