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sagen. Lara hatte ihr, vielleicht unausgesprochen, eine Aufgabe übertragen, die sie sehr ernst nahm. „Nun“, sagte sie endlich. „Eigentlich weiß ich nicht genau, wie weit ich gehen darf. Würde Lara wollen, dass Sie über alles Bescheid wissen, hätte sie es Ihnen auch gleich selbst sagen können. Das hat sie aber ganz offensichtlich nicht getan.“ Sie machte eine kleine Pause. „Andererseits“, fuhr sie dann in ihrem Monolog fort, „war ihr ziemlich klar, dass Sie bei mir aufkreuzen würden. Sie war sehr offen mir gegenüber. Und sie hat mich nicht verpflichtet, Ihnen gegenüber Stillschweigen zu wahren.“ Nachdenklich sah sie mich an. „Lara glaubt“, sagte sie schließlich, „dass sie einen Menschen getötet hat.“ Nachdem Katja Baumeister mit Laras Geschichte am Ende war, konnte ich keine Sekunde länger sitzen bleiben. Auch wenn ich nicht wirklich wusste, was zu tun einen Sinn ergab. Ich schüttete Adrenalin in Mengen aus, aber es lief ins Leere. Lara ging davon aus, dass sie Bruno Kirchhoff getötet hatte, ohne sich jedoch sicher zu sein. Marlies Schwalm hatte von einem Unfall gesprochen. Nach ihrer Aussage war Kirchhoff ausgerutscht, mit dem Kopf unglücklich aufgeschlagen und noch am Unfallort gestorben. „Lara kann sich an die Vorfälle nicht erinnern“, sagte Katja Baumeister. „Sie ist in dieser Nacht nach einem heftigen Streit aus dem Ferienhaus an den Strand geflohen und ihr Mann ist ihr gefolgt. Sie weiß noch, dass sie später beide wieder in dem Ferienhaus waren.“ Mir wurde klar, dass Lara alles ausgelassen hatte, was direkt mit Maurice zusammenhing. Ohne darauf einzugehen, hörte ich einfach weiter zu. „Irgendwo hier aber reißt ihr Erinnerungsfaden“, sagte Katja. „Die ganzen Jahre hat sie gehofft, dass die Bilder in ihrem Kopf sich von allein wieder einstellen würden. Manchmal geschieht das wohl in sol- 205