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ung hat sie ja schon

ung hat sie ja schon einmal gemacht.“ Nicht nur ich konnte stur sein, Katja Baumeister ebenfalls. „Und damit ihre Gegenwart vergiftet.“ „Aber seine Vergangenheit kann doch keiner einfach so ausknipsen“, sagte ich. „Wie einen Lichtschalter. Jeder trägt immer alles mit sich herum. Ob er sich an Details erinnert oder nicht.“ „Genau das ist es“, meinte sie. „Es ist wichtig für Lara, sich zu erinnern. Lebenswichtig. Sie will und sie muss die dunklen Ecken ausleuchten. Erst dann kann es weitergehen.“ Katja stand auf. Offenbar wollte sie das Gespräch beenden. „Aber warum lässt sie sich dabei nicht von mir helfen?“, fragte ich. „Sie liebt Sie“, wiederholte Katja schließlich mit fester Stimme. „Und deshalb will sie Sie da nicht mit reinziehen. Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen. – Jetzt muss ich Sie leider rauswerfen. In einer halben Stunde habe ich eine Verabredung und muss los.“ Wir gingen zusammen die Treppe hinunter. Vor der Tür blieben wir stehen. „Wie soll es denn jetzt weitergehen?“, fragte ich hilflos. „Hat Sie Ihnen noch irgendetwas gesagt?“ „Nein“, behauptete Katja. „Aber ich gehe davon aus, dass sie sich bei Ihnen melden wird, sobald es ihr gelungen ist, Licht in ihr Dunkel zu bringen.“ Das klang wie ein Orakel. Sie ging zu ihrem Auto, das direkt vorm Haus geparkt war. Es war klein und leuchtete gelb. Katja öffnete die Tür, stieg ein, ließ das Fenster sinken. „Hat Lara gesagt“, ich beugte mich ein Stück zu ihr herunter, „dass sie sich melden wird?“ „Nein“, meinte sie. „Aber ich bin sicher, dass sie es tun wird.“ Unschlüssig blieb ich stehen. „Mehr weiß ich selbst nicht“, meinte sie schließlich. „Noch nicht. – Machen Sie es gut, Paul. Es war sehr schön, Sie kennen gelernt zu haben.“ Dann legte sie ihre Nachdenklichkeit ab und zwinkerte mir zu. „Unter anderen Umständen hätte aus uns glatt was werden können. Meinen Sie nicht?“ 208

Ich lächelte verkrampft. Mit heruntergelassener Scheibe fuhr sie los. Einer spontanen Eingebung folgend rannte ich auf die andere Straßenseite, wo mein Auto stand. Mein Entschluss stand sofort fest. Kapitel 28 Anzeige Ich würde Katja Baumeister verfolgen, wo auch immer sie hinfuhr. Das heißt, ich würde es versuchen. Dummerweise war ihr Vorsprung aber schon jetzt beträchtlich. Zu allem Übel musste ich wenden und auf die andere Straßenseite wechseln, bei der hohen Verkehrsdichte ein echter Zeitfresser. Ich konnte mir Rücksicht nicht leisten und drängte mich entsprechend zwischen die fahrenden Autos, deren Fahrer seltsamerweise nicht mal hupten. Trotzdem war ich mir zunächst sicher, Katja bereits verloren zu ha- 209