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Ich hatte mich

Ich hatte mich entschlossen, auf eigenes Handeln zu verzichten und nur darauf zu warten, was als Nächstes von Lara kommen würde. Ich sah mich als ihren Begleiter, nichts sonst. Ich wollte nur bei ihr sein, sie im Auge behalten, ihre Schritte begleiten und notfalls da sein, wenn sie meine Hilfe brauchte. Und ihr nächster Schritt musste immer genau der sein, den sie selbst für richtig hielt. Sie und kein anderer Mensch auf der Welt wusste, wo ihr Weg entlangführte. Sie öffnete die Augen und stand auf. Sie suchte meine Hand und wir gingen weiter am Wasser entlang. Ungefähr in dieser Höhe hatte ich sie damals aus den Augen verloren. Davon, wo das Ferienhaus sich befand, hatte ich nur eine sehr ungenaue Vorstellung. Leider schien das bei Lara kaum anders. Zwar richtete sie ihre Blicke immer häufiger landeinwärts, schien sich aber nicht schlüssig zu sein, an welcher Stelle wir den Deich überqueren mussten. Sie wirkte ratlos. Da sie aber nichts sagte, blieb ich auch still. Je weiter wir uns vom Hauptstrand entfernten, umso menschenleerer wurde es. Dann plötzlich steuerte Lara unvermittelt nach rechts vom Wasser fort. Der Weg führte uns querfeldein durch ein paar halbhohe Dünen. Der Sand hier war weicher und tiefer als der am Wasser. Unsere Schritte wurden schwerer, aber nach ein paar Minuten hatten wir den Deich erreicht. Wortlos streifte Lara ihre Schuhe über, ich tat es ihr gleich. Auf dem Deich graste eine große Schafherde, die uns genervt anblökte. Sie war von einem Elektrozaun umgeben und die Tiere glotzten uns an, als hätten sie noch nie Menschen gesehen. Wir gingen so weit nach links, bis wir am Zaun vorbeikamen. Die Schafe fraßen ununterbrochen. Das hundertfache Abreißen und Kauen des Grases war ein lautes, gleichmäßiges Mahlen wie von einer Maschine. Der Deich war mit riesigen Maulwurfshaufen übersät, wir gingen ihn hoch. Oben angekommen, schaute Lara suchend nach links und rechts. Häuser, die aus meiner Sicht in Frage gekommen wären, gab es meh- 244

ere, aber Lara schien unschlüssig. Weiterhin sprachen wir beide nicht, ich ließ mich von ihr führen. Bevor wir den Deich hinuntergingen, zog Lara ihre Schuhe erneut aus und unten auf der schmalen Teerstraße wieder an. Dann ging sie, nun auf der Landseite, zurück in die Richtung, aus der wir zuvor gekommen waren. Kurz machte es den Eindruck, als wüsste sie nun Bescheid, aber schon nach zweihundert Metern, während der ihre Zweifel erneut zunahmen, machte sie in Höhe eines Hauses, dem sie ein paar argwöhnische Blicke zuwarf, abrupt kehrt. Wortlos führte sie mich zurück. Mit jedem weiteren Schritt wurde ich skeptischer. Selbst wenn wir das Haus finden sollten, schien mir der Ausgang unserer Aktion inzwischen mehr als ungewiss. Aber Lara ging weiter. Einen halben Kilometer, einen, dann sichere zwei. Manchmal wurde sie zielstrebiger und schneller. Dann wieder zögerte sie so sehr, dass ich dachte, sie würde gleich aufgeben. Aber das tat sie nicht. Unsere wortlose Kommunikation intensivierte und verdichtete sich. Mittlerweile spürte ich jeden Zweifel, jede aufkeimende Hoffnung und jede ihrer Ängste so deutlich, als wären es meine eigenen. Ab und zu schaute ich zu ihr hinüber. Sie erwiderte meine Blicke nicht. Die Gegend wurde einsamer. Schon seit geraumer Zeit waren wir an keinem Haus mehr vorbeigekommen. Ich kannte die Strecke zu wenig, um zu wissen, ob hier überhaupt noch ein Haus kommen würde, aber inzwischen glaubte ich es kaum noch. Dass plötzlich Laras Entschlossenheit noch einmal zunahm, wertete ich eher als Mut der Verzweiflung. Dann aber tauchte, direkt hinter einer Kurve und versteckt in einer kleinen Baumgruppe, tatsächlich ein weiteres Haus auf. Lara hielt an und betrachtete es näher. Es war klar, dass wir am Ziel waren. Zögernd betrat sie die Auffahrt. Erstmals gab sie meine Hand frei. Ich blieb stehen, behielt sie aber im Auge. Vor der Tür stand ein Auto mit Berliner Kennzeichen. „Touristen“, sagte ich zu mir selbst. „Daran hab ich überhaupt nicht 245

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    Ole Hansen Das gefundene Kind Roman

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    „Nett!“, rief ich und sprang au

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    nommen hatte, dachten wir uns anfan

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    ihr lag. „Dr. Bode meint“, sagt

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    Kapitel 4 „Was macht Ihre Frau?

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    Lara noch ich hätten es in irgende

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