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wegs zufrieden vor die

wegs zufrieden vor die Presse traten. Wortlos – wirklich absolut wortlos – klaubten die Berliner ihre quengelnden Kinder ein, setzten sich ins Auto und rauschten grußlos ab. Im krassen Gegensatz zu den Kindern waren die Eltern eher dürr. Lara stand neben mir und winkte ihnen hinterher. Dann waren wir alleine. Die Stille, die die Berliner Kleinfamilie hinterlassen hatte, war perfekt. „Wir müssen ein paar Sachen umstellen“, sagte Lara. „Soweit ich mich erinnere, sind das alles noch die Möbel von damals, aber manche standen anders.“ Noch während des Redens nahm sie einen der Stühle im nachgeahmten Jugendstil, von denen es hier drei gab und stellte ihn von einer Ecke des Raumes in eine andere. Zusammen verrückten wir danach ein paar der größeren Möbelstücke nach Laras Anweisungen. Es dauerte eine Weile, bis sie zufrieden war. „So“, sagte sie endlich. „Perfekt.“ Das Zimmer selbst hatte nur kleine Fenster. Die dadurch entstehende Dunkelheit wurde negativ unterstrichen durch die dunkelbraunen und schwerfälligen Möbel. Ich fand, es war ein Zimmer zum Davonlaufen. Sicher konnte man hier besser Depressionen aufbauen als beschwingte Urlaubsgefühle. Die übergewichtigen Berliner Gören taten mir leid. Lara nahm mich wortlos bei der Hand und führte mich über den Flur, in dem es gar kein Tageslicht gab. Ich spürte Laras steigende Anspannung und ich wusste, wohin sie mich führte. Mit der freien Hand drückte sie eine Tür auf ¬– so vorsichtig, als befürchte sie, böse Geister könnten ihr entgegen springen ¬–, die knarrend nachgab. Das viel kleinere Zimmer dahinter war von Lichteinfall und Gestaltung her kaum freundlicher oder heller als das Wohnzimmer. Ein breites Bett stand darin mit zwei Nachtschränkchen, in einer Ecke ein nichtssagender Tisch mit zwei alten Holzstühlen, in einer anderen eine große, altmodische Stehlampe mit vergilbtem Schirm. Ein viel zu großer 248

Anzeige Kleiderschrank klagte von der Wand her den miserablen Geschmack der Menschen an, die dieses Haus eingerichtet hatten. Ich ging davon aus, dass Lara Maurice in diesem Zimmer zur Welt gebracht hatte. Auch wenn meine Vorstellungen davon, wie die vom gesamten Haus, vollständig andere gewesen waren. Der Gedanke drängte sich auf, dass Kirchhoff dieses Haus auch ausgesucht hatte, um gezielt aufs Gemüt seiner jungen Frau zu drücken. Man konnte es nur als Teil der Strafe ansehen, die er sich für sie ausgedacht hatte. „In diesem Zimmer hat sich überhaupt nichts verändert“, sagte Lara leise. „Alles sieht noch genauso aus wie damals.“ Mir fiel auf, dass sie die Schwelle des Zimmers nicht überquerte. Aber sie schaute lange hinein. Minutenlang. Es war, als leuchte sie jede verborgene Ecke, jeden noch so versteckten Winkel des Raumes mit ihren Augen aus. Jedes noch so winzige Detail schien sie zu registrieren, um es für den Rest ihres Lebens 249

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    Ole Hansen Das gefundene Kind Roman

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