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„Ich weiß wirklich

„Ich weiß wirklich nicht, wie ich Ihnen danken soll. Ich …“ „Keine Ursache“, versicherte sie noch mal. „Ich konnte gar nicht anders reagieren.“ Dann ging sie los und ich sah, dass ihre Schmerzen stärker waren als sie gesagt hatte. Sie konnte kaum auftreten. „Warten Sie!“, rief ich. „Ich bring Sie zum Arzt.“ Sie drehte sich um. „Nein danke“, sagte sie. „Ein Arzt ist wirklich nicht nötig. Es ist halb so wild.“ „Ich bestehe darauf. Sie können doch nicht so …“ „Ich will nicht zum Arzt“, beharrte sie. „Auf Wiedersehen!“ Plötzlich war ihr Tonfall fast schroff. „Dann lassen Sie mich wenigstens den Fuß anschauen“, schlug ich vor. „Ich könnte Ihnen einen Verband anlegen. Mein letzter Erste-Hilfe-Kurs liegt noch gar nicht so lange zurück.“ Sie überlegte kurz und kam dann zurückgehumpelt. Ich wollte sie stützen, aber das lehnte sie ab. „Na gut“, sagte sie. „Wenn Sie sich ein bisschen auskennen mit so was, kann anschauen ja nicht schaden.“ Es klang etwas kleinlaut. Kapitel 7 Maurice hat uns nicht geholfen, Joshua zu vergessen, denn das war unmöglich und wir wollten es auch gar nicht. Für immer würde er einen großen und festen Platz sowohl in Ninas als auch in meinem Herzen einnehmen. Aber Maurice half uns, aus dem Tief um Joshuas Tod herauszufinden. Der schwarze Tunnel, in dem wir seit Monaten gelebt hatten, hatte plötzlich am Ende ein Licht, auf das wir uns mit großen Schritten zu bewegten. Für uns beide stand sehr schnell fest, dass er bei uns leben sollte, falls 44

Anzeige die Mutter nicht gefunden werden konnte. Und schon nach wenigen Tagen fingen wir an zu hoffen, dass sie unentdeckt blieb. Die ersten Tage verbrachte Maurice im Krankenhaus, wo festgestellt wurde, dass er gesundheitlich okay war. Trotz der Kälte hatte er sich nicht mal einen Schnupfen eingehandelt. Seine Widerstandskraft musste enorm sein. Zunächst wurde das Jugendamt zum Vormund bestimmt, von dort die rechtlichen Belange des Kindes geregelt. Dazu gehörte unter anderem die Frage, wo Maurice leben sollte. Nach vielem Hin und Her wurden wir als seine Adoptionspflegeeltern zugelassen. Auch seinen Namen bekam er von uns. Polizeiapparat und Staatsanwaltschaft liefen auf Hochtouren. Die Öffentlichkeit wurde eingeschaltet. Zeitungen, Radio und Fernsehen waren voll mit Appellen an die Eltern, sich doch endlich zu melden. Man wendete sich an die Bevölkerung auf der Suche nach eventuellen Zeugen, und es gingen hunderte Hinweise ein, von denen aber kein einziger etwas erbrachte. Während der ersten drei Monate lebten Nina und ich noch in ständiger Unruhe, dass die Eltern gefunden würden. Auch danach ging die 45