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Anzeige Kapitel 9 Ich

Anzeige Kapitel 9 Ich hatte es damals versäumt, mir ihre Adresse oder wenigstens ihre Handynummer geben zu lassen. Aber schließlich war ich verheiratet und hatte einen zweijährigen Sohn. Was sollte ich da mit der Handynummer einer anderen Frau? Auch wenn ausgerechnet Nina sich an jenem Abend darüber wunderte. „Wir müssen uns doch wenigstens bei ihr erkundigen“, sagte sie, „wie es ihrem Fuß geht. Nachdem sie das für uns getan hat. Sie hat Maurice vielleicht das Leben gerettet.“ „Ihrem Fuß geht es gut“, gab ich genervt zurück. „Ich hab dir doch gesagt, dass ich ihr diesen Verband gemacht habe. Oder vielmehr sie selbst.“ 56

„Du hättest sie zum Arzt fahren müssen oder ins Krankenhaus“, sagte sie. „Unbedingt. Vielleicht ist etwas gebrochen.“ „Sie wollte nicht ins Krankenhaus“, erklärte ich zum wiederholten Mal. „Und zu einem Arzt wollte sie auch nicht. Um keinen Preis. Hätte ich sie vielleicht zwingen sollen?“ Wir saßen zusammen bei einem Glas vom besseren Sekt aus unserem Keller. Maurice lag im Bett und schlief tief und fest. Es war bereits nach zehn Uhr. Nina war gerade erst nach Hause gekommen. In letzter Zeit war es nicht selten, dass sie erst sehr spät Feierabend machte. Für ihre Arbeit ließ sie alles und jeden sitzen und mich schon lange. An diesem Abend hatten wir etwas zu feiern. Das Telefonat mit Hübner, meinem Verleger, war mehr als gut verlaufen, wir würden unsere Zusammenarbeit fortsetzen. Der Vorfall vom Nachmittag auf dem Parkplatz des Supermarktes war mir die ganze Zeit nicht aus dem Kopf gegangen und gerade hatte ich Nina davon erzählt. Statt, wie geplant, ein bisschen zu feiern, steckten wir jetzt fast schon wieder in einem Streit. „Und du kennst nicht mal ihren Namen?“ Nina schien es nicht fassen zu können. „Was soll ich denn mit ihrem Namen?“ Ich stürzte ein halbes Glas Sekt auf einmal hinunter. Ich war schon nicht mehr ganz nüchtern, da ich vor Ninas Rückkehr bereits allein gefeiert hatte. Laut stellte ich das Glas auf den Tisch und schenkte nach. Der Sekt perlte über den Rand. „Es ist doch egal, wie sie heißt“, sagte ich viel zu laut. „Und es ist auch egal, wo sie wohnt oder wie ihre Telefonnummer ist. Sie hat Maurice gerettet und sich dabei den Fuß verknackst. Für das eine habe ich mich bedankt, mehrmals, wie du dir vorstellen kannst. Und um ihren Fuß hat sie sich meinen Verband gewickelt und ich habe ihr angeboten, sie zum Arzt zu fahren, was sie abgelehnt hat. Das sind die Fakten. Und damit ist die Geschichte auch schon zu Ende. Sie hat weiter keinen Spannungsbogen, was auch gut ist so.“ Als ich fertig war gönnte ich mir erstmal einen Schluck. 57