Aufrufe
vor 4 Monaten

GRO_Taschenbuch_MUSTER

Anzeige Lara übernahm

Anzeige Lara übernahm zunächst stundenweise die Vormittagsgruppe. Wenn Charlotte zur Therapie jeweils ein paar Tage im Krankenhaus war, würde sie dann ganz übernehmen. Sie machte ihre Sache in der Gruppe gut. Nur wenn alle Kinder da waren, war es nicht immer ganz einfach. Aber die Kinder mochten sie, was das Wichtigste war. Vor allem Maurice behandelte Lara wie eine gute Freundin. Ich war mir nicht sicher, aber vielleicht erkannte er sie als seine Retterin wieder. Lara hatte von Anfang an einen besonderen Draht zu Maurice, was ich mir mit der besonderen Art erklärte, in der sie ihn kennen gelernt hatte. Da Maurice der Bevorzugte war, erhob ich keine Einwände. Wie schon bei Charlotte, so blieb ich auch bei Lara immer noch eine Weile bei den „Seepferdchen“, nachdem ich Maurice gebracht hatte. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass meine Gegenwart sie eher verunsicherte, aber das änderte sich schnell. Schließlich versuchte sie sogar, mich in ihre Arbeit einzuspannen. „Wenn Sie schon hier sind“, sagte sie keck, „wie wär’s, wenn Sie ein bisschen mithelfen.“ „Ein anderes Mal vielleicht“, sagte ich und lachte. „Jetzt muss ich leider los. Meine eigene Arbeit wartet auf meinem Schreibtisch.“ Sie begleitete mich zur Haustür. „Dann kann man wohl nichts machen.“ 64

Anzeige Irrte ich mich oder klang das ein bisschen enttäuscht? „Nein“, sagte ich und ging langsam Richtung Tür. „Das kann man wohl nicht.“ Einen Moment hielt ich inne. „Na ja, dann werd ich also mal.“ „Okay. Holen Sie Maurice nachher wieder selbst ab?“ Ich hatte keine Ahnung, warum sie das fragte. Ich holte Maurice immer selbst ab. Wer sollte ihn auch sonst holen? Nina war die ganze Woche in Kiel. Aber auch, wenn sie in Wilhelmshaven war, hatte sie mittags nie Zeit. „Ja, natürlich“, sagte ich. „Also bis dann.“ „Schön. Dann sehen wir uns ja noch. Bis dann.“ Wir sahen uns ein paar Augenblicke länger an als nötig. Dann ging sie zurück zu den Kindern. Ich schaute ihr hinterher, bis sie im Zimmer verschwunden war. Vorher drehte sie sich noch einmal um und wir lächelten uns zu. Als ich schließlich vor dem Haus stand und die Sonne mir ins Gesicht schien, fragte ich mich, was um alles in der Welt eigentlich mit mir los war. Am nächsten Morgen stand ich schon um halb sechs statt um acht Uhr auf. Um sechs Uhr fand ich mich bereits mit einem großen Becher Kaffee an meinem Schreibtisch wieder, draußen war es noch dunkel. Ich 65