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Anzeige „Außerdem

Anzeige „Außerdem muss ich mich viel mehr bei Ihnen entschuldigen“, sagte sie schließlich und lächelte unsicher. „Mein Verhalten gestern Abend war wirklich unmöglich. Ich glaube, ich bin noch immer etwas überreizt wegen der Sache mit meinem Mann.“ Immerhin der Beweis, dass der gestrige Abend nicht nur in meiner Phantasie existierte. „Wirklich keine Ursache“, sagte ich eilig. „Trennungen sind Dramen. Es braucht eine Weile, bis die Wunden geheilt sind. Da kann es schon mal passieren, dass man … nun, dass man durch irgendetwas unangenehm erinnert wird.“ Da saßen wir nun, zwischen uns Charlottes gläserner Schreibtisch, sagten beide nichts mehr, beendeten aber auch die Situation nicht. Es war einer der Augenblicke, in denen plötzlich alles um einen herum stillsteht und man sich nur wünscht, dass es immer so bleibt. In genau diesem Moment drang ein gellender Schrei ins Büro. Er kam aus Richtung Spielzimmer. Es war Sandra, die neue Praktikantin. Es klang panisch. Lara und ich rannten gleichzeitig aus dem Büro. Als wir im Flur waren, schrie Sandra erneut. Diesmal Maurices Namen. Es klang verzweifelt. Ich riss die Tür zum Spielzimmer auf und erschrak so sehr wie selten zuvor. Sandra kniete auf dem Boden. Vor ihr 80

lag ein kleiner, lebloser Körper. Ich brauchte nicht zweimal hinzuschauen, um zu erkennen, wer es war. „Maurice!“; schrie sie voller Hysterie. „Was ist denn los, Maurice? Verdammt noch mal, jetzt sag was!“ In meine panische Sorge mischte sich plötzliche Wut auf dieses Mädchen. Was, zum Kuckuck, machte sie da mit meinem Sohn? Offenbar hatte er sich verletzt und sie schrie ihn an! Unsanft wollte ich sie zur Seite schieben, als sie mir praktisch entgegen flog. Lara war an mir vorbeigeschossen und hatte die Praktikantin mit solcher Wucht von Maurice fortgeschleudert, dass sie jetzt vor mir auf der Erde lag. Alles war sehr schnell gegangen. Seit Sandras erstem Schrei waren kaum zehn Sekunden vergangen. Lara kniete vor Maurice und bettete sanft seinen Kopf auf ihre Beine. Er lächelte sie an. Grenzenlose Erleichterung durchströmte mich. Ich kniete mich neben Lara und streichelte sein Gesicht. Derweil rappelte sich die Praktikantin hinter uns auf die Knie und setzte sofort ihr schrilles Gejammer fort. Es klang grauenvoll. „Ich kann wirklich nichts dafür!“, schrie sie. „Ich hab ihm immer wieder gesagt, …“ „Jetzt halt, verdammt noch mal, die Klappe!“, zischte Lara unvermittelt. 81 Anzeige