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„Sie hat es Ihnen anvertraut“, sagte sie. „Finden Sie nicht?“ „Ich weiß nicht“, meinte ich, „ob man es so sehen kann.“ „Vielleicht“, sagte sie leise, „hatte sie vor irgendetwas Angst. Und vielleicht sah sie nur diese eine Chance, ihr Kind vor dem zu retten, was sie fürchtete.“ Ich sah sie an. Sie war plötzlich sehr blass geworden. Sie sah hilflos aus. Wie jemand, der mitten im Sommer auf einmal friert. Ich beugte mich ein Stück zu ihr und küsste sie. Es gab nichts anderes, was ich in diesem Augenblick hätte tun können. Kapitel 14 Der Tag, an dem Charlotte Kramer beerdigt wurde, war ein wunderschöner Spätfrühlingstag. Die Friedhofskapelle platzte aus allen Nähten. Ihre Beliebtheit wunderte mich nicht. Charlotte hatte ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. In ihrem Abschiedsbrief hatte sie erklärt, dass sie keine Hoffnung mehr habe. Nachdem sie eindringlich darum gebeten hatte, waren die Ärzte ehrlich zu ihr gewesen. Weitere Chemo- und Strahlentherapien hätten bestenfalls ihre Qualen, keinesfalls aber ein für sie lebenswertes Leben verlängert. Auf ihren Wunsch, aber mit absolutem Einverständnis Anzeige 93