Grimselwelt-Magazin-2018

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DAS MAGAZIN 2018

Eindrücke von Ausflüglern

Unterwegs am Pass

Schwingfest Engstlenalp

Auf Tuchfühlung mit

den «Bösen»

Bundesrätin Doris Leuthard

Wasserkraft als

wichtiger Pfeiler


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grimselwelt

Bei meinem Amtsantritt als Energiedirektorin

vor bald 16 Jahren

träumte ich von einem Kanton Bern,

der aus eigener Kraft atomkraftfrei wird.

Heute, als scheidende Energiedirektorin

darf ich sagen: Die Zeit des Träumens ist

vorbei. Wir sind auf einem sehr

realen und gangbaren Weg in

eine nachhaltige Energiezukunft.

Zu verdanken haben wir das

vor allem der Wasserkraft aus

unseren Berner Bergen. Sie liefert

uns 60 Prozent unseres

Strombedarfs – auslandunabhängig

und umweltverträglich.

Sie gibt uns Versorgungssicherheit,

stabilisiert die Stromnetze, schafft sichere

einheimische Arbeitsplätze und hilft

ganz stark dabei, dass wir nächstes Jahr

das Atomkraftwerk Mühleberg mit gutem

Gewissen vom Netz nehmen können.

Die Wasserkraft lag mir immer am Herzen.

So empfindet glücklicherweise auch eine

Mehrheit der Bernerinnen und Berner.

Während meiner Amtszeit haben wir gemeinsam

und auf pionierhafte Weise wichtige

Weichen gestellt:

Willkommen

• Der Kanton Bern hat eine Energiestrategie,

die auf inländische und erneuerbare

Stromproduktion setzt.

• Wir haben eine Wassernutzungsstrategie,

die die bernische Wasserkraft bis ins Jahr

2035 um rund 10 Prozent ausbauen will.

Das sind 300 Gigawattstunden pro Jahr,

ein Zehntel der Produktion des AKW

Mühleberg.

• Wir bauen dazu die Wasserkraft aus. Seit

2015 sind im Kanton Bern vier neue mittelgrosse

Wasserkraft-Anlagen in Betrieb

gegangen – Laubegg, Spiggenbach, Färmeltal

und Grund. Der wesentlichste

Ausbau konnte aber durch die Inbetriebnahme

des neuen grossen Kraftwerks

Hagneck und dem Projekt Tandem erreicht

werden. Natürlich brauchen wir

mehr davon und ich danke der KWO

von Herzen für das auch national vorbildliche

Projekt Trift.

• Gerade dieses Projekt zeigt, dass mit Gesprächen

und guten Kompromissen auch

Umweltverbände für neue Wasserkraftprojekte

zu gewinnen sind. Der Kanton

Bern hat es vorgemacht: Man kann

Strom produzieren und gleichzeitig die

Natur schützen.

• Nicht zuletzt helfen wir der Wasserkraft

mit tieferen Wasserzinsen und Investitionshilfen

über die vorübergehend schwierige

Marktlage hinweg. Auch hier ist der

Kanton Bern national vorangegangen.

Ich bin sehr stolz, in einem solchen Kanton

Energiedirektorin gewesen zu sein.

Barbara Egger–Jenzer

Regierungsrätin

Sie geniessen die Aussicht aus ihrem Morgan: Heidi und Roger Bieri aus dem

Kanton Aargau.

Titelgeschichte Seite 4–7

Die Pässe geben den Takt an

Die beiden Täler mit dem Susten- und Grimselpass pendeln zwischen

zwei Extremen: Im Sommer pulsiert das Leben an den

Strassen, im Winter hingegen, wenn die Pässe gesperrt sind, kehrt

unvergleichliche Ruhe ein.


grimselwelt 3

in der Grimselwelt

Unterwegs Seite 8–9

Schwingen vor perfekter Kulisse

Schwingen gehört seit Jahrhunderten zum Berner Oberland – so

auch ins Haslital. Am kleinen, aber feinen Schwingfest auf der

Engstlenalp treten jedes Jahr nationale und regionale Schwinger-

Grössen in atemberaubender Kulisse gegeneinander an.

bei den erneuerbaren Energien unmöglich sei, aus der Kernenergie

auszusteigen. Zentral sei auch die Speichermöglichkeit der Wasserkraft,

da der Stromverbrauch saisonalen Schwankungen unterliegt.

Tourismus Seite 20–21

Hoteldirektorin auf Achse

Fokus Seite 10–13

Der Energiesturm und die Wasserkraft

Der Umbau der Energiebranche weg von der Atomkraft hin zu

erneuerbaren Energien ist auch für die KWO eine grosse Herausforderung.

Daniel Fischlin, CEO der KWO, erklärt, wohin er das

Unternehmen in diesen unruhigen Zeiten steuern will.

Persönlich Seite 14–15

Frische Ideen aus den Tälern

In Bergdörfern etwas Neues aufzubauen, braucht viel Mut und

Initiative. Dimitri Stalder, Christian Krump, Isabelle Oggier Feuz

und Daniel Kaufmann glauben an die Zukunft weitab der Städte.

Im Gespräch Seite 18–19

Doris Leuthard, Bundesrätin

Bundesrätin Doris Leuthard setzt die Wasserkraft in einen internationalen

Zusammenhang und erklärt, weshalb es ohne Zubau

Was braucht es alles, um vier Gastrobetriebe wie das Grimsel Hospiz,

das Hotel Handeck, das Berghaus Oberaar und die Bäregghütte

zu führen? Ganz schön viel… Ursula Monhart, Leiterin

Grimselhotels, gibt Einblick in ihren Arbeitsalltag.

Die Wasserkraftwerk-Wissenschaftler Seite 22–23

Grimsel Hydro – Technologiezentrum Wasserkraft

Die Montagegruppe von Grimsel Hydro arbeitet in verschiedenen

Wasserkraftwerken der Schweiz. Die Mechaniker beheben Störungen

vor Ort oder reparieren defekte Teile in der Werkstatt.

Grimselgeschichten Seite 24–25

Drei Schulhäuser suchen eine neue Identität

Weil in den kleinen Dörfern wie Guttannen und Gadmen die

Schülerzahlen schrumpfen, braucht es neue Ideen für die Nutzung

der leerstehenden Schulräume. Die Dörfer stehen vor dem gleichen

Problem, gehen aber unterschiedliche Wege.

Perspektiven by Fischlin Seite 26–27

Aus dem Notizbuch des CEO’s

Womit beschäftigt sich der CEO der KWO über die täglichen Herausforderungen

der Energiebranche hinaus? Wie können tägliche

Arbeiten effizienter gestaltet werden? Daniel Fischlin gibt Einblick

in seine Überlegungen.

Impressum

Herausgeber KWO Kommunikation, Innertkirchen

Gestaltung und Realisation Laufwerk, Bern

Projektleitung Thomas Huber

Bilder David Birri, Chris Burkhard, KWO

Texte Annette Marti, Heidi Schwaiger, KWO

Druck Jordi AG, Belp

Auflag 20’000 Exemplare

Die Grimselwelt ist ein Engagement der

KWO, Kraftwerke Oberhasli AG

Mix

Produktgruppe aus vorbildlicher

Waldwirtschaft und

anderen kontrollierten Herkünften

Cert no. SQS-COC-023903, www.fsc.org

SQS-COC-100061

© 1996 Forest Stewardship Council


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grimselwelt · fokus

Text: Annette Marti, Fotos: David Birri

d i e P ä s s e g e b e n

d e n T a k t a n

Die Passstrassen an Grimsel und Susten verleihen der Region einen ganz eigenen

Charakter – sind sie offen, pulsiert das Leben, sind sie hingegen gesperrt,

wird alles still und ruhig.

Wenige Gebiete in der Schweiz sind so stark geprägt von

einer einzigen Hauptstrasse wie die beiden Täler am

Susten- und Grimselpass. Im Sommer herrscht buntes

Treiben. Zahlreiche Besucher vergnügen sich an den Pässen, es

wird ausgefahren und trainiert, gepicknickt und gewandert. Im

Winter hingegen kehrt Ruhe ein. Sobald die Pässe wegen des

Schnees gesperrt werden, ist das Leben in Guttannen oder Gadmen

wie verwandelt. Angebote werden «eingewintert», Verkaufsbuden

geschlossen und Restaurants wintersicher gemacht. Meterhohe

Schneewände oder manchmal gar Lawinen versperren

den Durchgang, wo im Sommer Autos durchbrausen und Motorräder

brummen. Nur wenige Gäste geniessen ganz bewusst die

winterliche Abgeschiedenheit. Extremer könnten die Gegensätze

kaum sein.

Die Pässe sind Lebensnerv und Wirtschaftsmotor, Perspektive

und Einschränkung zugleich. Kein Wunder setzen die betroffenen

Gebiete alles daran, die Strassen im Frühling so schnell wie möglich

vom Schnee zu befreien. Allerdings ist die Räumung aufwändig

und teuer, wie auch risikoreich. Die Interessengemeinschaft

Alpenpässe (IAP), die vor mehr als 20 Jahren von Hoteliers an den

Pässen Susten, Grimsel, Furka und Gotthard gegründet worden

ist, wehrt sich gegen Einschränkungen. So wollte der Kanton Bern

etwa bei der Schneeräumung Geld sparen und die Öffnung der


grimselwelt · fokus 5


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grimselwelt · fokus

Pässe Susten und Grimsel um einen Monat

nach hinten verschieben. Vor Jahren hatte

Postauto Schweiz die Absicht, Passfahrten

mit dem Postauto abzuschaffen. Beide Vorhaben

konnte die IAP erfolgreich verhindern.

«Der Tourismus ist stark von den

Pässen abhängig», erklärt Geschäftsführer

Richard Elsener. «Ist der Susten- oder

Grimselpass im Sommer auch nur einen

Tag geschlossen, leiden darunter nicht nur

die Täler, sondern man merkt das bis hinunter

nach Interlaken.» Elsener ist für die

Internetplattform www.alpen-paesse.ch

verantwortlich, auf der Informationen zu

allen Pässen der Schweiz rund um die Uhr

aktualisiert werden. Das Interesse ist

enorm. Verzeichnete die Webseite im Jahr

2005 5’867 Besucher, waren es im Jahr

2017 888’000 Besucher. «Vor allem im

Frühling ist das Interesse gewaltig», sagt

Elsener. «Die Leute wollen einfach über

die Pässe.»

Das Leben in den Tälern hatte sich immer

schon nach den Pässen zu richten. Die ersten

Wege ermöglichten wichtige Handelsverbindungen.

Aus dem Oberhasli brachte

man Käse, Vieh und Pferde auf die Märkte

in der Lombardei und im Piemont, umgekehrt

kamen über Susten- und Grimselpass

Wein, Reis und Glas aus Murano

nach Norden. Historisch belegt ist eine

Säumerordnung vom August 1397, in der

verschiedene Parteien diesseits und jenseits

des Passes regelten, wer welchen Anteil

zum Unterhalt von Wegen und Brücken

leisten muss, wie die Zollordnung funktioniert,

der Betrieb der «Susten», der Gasthöfe,

Stallungen und Warenlager waren

ebenfalls ein wichtiges Thema. Die Sbrinzroute

von der Innerschweiz über die Grimsel

nach Ulrichen und weiter über den

Griespass ins Val Formazza erlebt heute

eine Renaissance als Weitwanderroute

(www.sbrinzroute.ch).

der Weg ist das

In politisch unsicheren Zeiten erhielten die

Pässe militärische Bedeutung. 1798/99

diente der Sustenpass den Franzosen mehrmals

als Zugang, um den Österreichern

und später den Russen im Reusstal in den

Rücken zu fallen. Aus dieser Zeit erzählt

auch der «Totensee» auf der Grimsel Passhöhe.

Im August 1799 fand eine Schlacht

zwischen den Franzosen und den Österreichern

statt, zahlreiche Soldaten starben.

Gewisse Berühmtheit erlangte in diesen

weltpolitischen Auseinandersetzungen der

damalige Wirt im Gasthaus Bären in Guttannen.

Niklaus Fahner führte vier Kompanien

der französischen Armee über das

Nägelisgrätli zur Passhöhe und überraschte

die Österreicher von hinten. Zum Gedenken

an diese Ereignisse findet jedes

Jahr ein historischer Schiesswettkampf

statt. Unabhängig von der strategischen

Bedeutung interessierten sich vereinzelte

Reisende im frühen 19. Jahrhundert für die

hochalpine Landschaft. Sie widmeten sich

der naturwissenschaftlichen Forschung,

etwa Horace Bénédict de Saussure oder

auch Franz Josef Hugi, nach dem sogar ein

Berg benannt ist. Diese Forscher waren in

vielen alpinen Regionen die Türöffner für

eine grössere Zahl von reiselustigen Personen,

unter denen es bald als schick galt,

sich in den «wilden» Alpen zu bewegen.

www.alpen-paesse.ch

1945 ist die Sustenpassstrasse fertig gestellt

worden. Lokalhistoriker Fred Jaggi erinnert

sich an die vielen Soldaten, internierte

Russen und Polen, die man während der

Kriegsjahre für den Bau der Strasse ins Tal

gebracht hatte. Im August 1946, am Tag

der Eröffnung der neuen Strasse, erlitt die

neue Verbindung den ersten Kollaps:

15’000 Autos sollen an diesem Tag über

den Pass gefahren sein. Das sind ein Achtel

aller damals in der Schweiz gemeldeten

Fahrzeuge. Obwohl der Strassenbau an der

Grimsel mit dem Bau der verschiedenen

Kraftwerke und Stauseen Schritt für

Schritt vorangetrieben worden war, erfolgte

der Abschluss der Arbeiten auf Berner Seite

erst 1972. Erst dann begannen auch die

Walliser, die Strasse auf ihrer Seite zu modernisieren.

Steht man an einem sonnigen

Sommersonntag auf der Passhöhe, ist es

schwer vorstellbar, dass es je anders war.


grimselwelt · fokus 7

Samuel Blättler und Martin Duss aus der Zentralschweiz erklären: «Für

Fahrrad-Fahrer ist die Grimsel einfach ein Traum. Wenn es viel Verkehr hat,

weichen wir mit dem Mountainbike gerne auf Nebenwege und Alpstrassen

aus – es gibt fantastische Touren. Aber auch mit dem Rennrad ist es

toll, nicht umsonst gilt der Grimselpass als absoluter Rennrad-Klassiker.»

Die BMW-Crew mit Patrik Bürgi, Ruedi Wiederkehr, Marc und Christian

Rölli sowie dem Motorrad-Neuling Christoph Blaser ist immer gemeinsam

unterwegs. Die grossen BMW-Motorräder eignen sich auch für

Ferienreisen, was den Männern noch besser gefällt als ein Wochenende

an den Pässen.

Arnold Eggerschwiler, Urs Kneubühler, Stefanie Kriegel, Jasmin

Kneubühler aus Nidwalden. «Normalerweise wäre ich mit dem Fahrrad

hier.» Für einen Ferrari-Fahrer ist die Aussage von Arnold Eggerschwiler

doch überraschend. Er jedoch liebt die sportliche Betätigung so sehr wie

die Fahrt im Sportwagen. «Für beides ist die Grimsel einfach eine grossartige

Landschaft», schwärmt er. Der Ausflug im Ferrari ist ein Geschenk von

Eggerschwiler und seiner Frau Stefanie Kriegel an das Ehepaar Kneubühler.

Alle vier rühmen das immense Fahrgefühl und die Bodenhaftung des

Ferraris, den tollen Sound und die gigantisch schöne Landschaft.

Manohar Kumar stammt aus Indien und lebt seit acht Jahren in Zürich.

Mit Freunden – zu ihnen gehört auch der kleine Zidane – macht er gerne

Ausflüge in die Berge. «Die frische Luft und die schöne Aussicht hier oben

sind einfach fantastisch», sagt er. «Und ich liebe es, die Kurven am Pass

zu fahren.»

Ziel

Luca, Tobias, Valentino und Robin aus den Kantonen Luzern und Aargau.

«Der Weg ist das Ziel», erklärt Tobias. «An einem Wochenende sowieso.

Die grossartige Landschaft, die gute, breite Strasse und das Fahrgefühl

machen es aus. Uns Motorradfahrern geht es darum, unterwegs

zu sein und da und dort einen Kaffee zu trinken.»

Das Gefährt von Roger und Heidi Bieri aus dem Kanton Aargau fällt an

der Passstrasse besonders auf: Es ist ein Morgan Threewheeler, ein dreirädriges

Motorrad, das sich wie ein Auto fährt. «Seit die Kinder aus dem

Haus sind», sagt Heidi Bieri, «machen wir wieder öfter Dinge, die uns einfach

Spass machen.» Eine Ausfahrt in der herbstlichen Landschaft gehört

zu diesen besonderen Ereignissen. «Wir geniessen die Passfahrten sehr.

Im Morgan nimmt man die Landschaft richtig intensiv wahr, man riecht

sogar die Kühe auf den Wiesen».


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grimselwelt · unterwegs

Text: Heidi Schwaiger, Fotos: David Birri

Alpromantik pur geniesst, wer das Schwing-&

Älplerfest auf der Engstlenalp besucht. Hier erleben

Zuschauer hochkarätige Schwinger-Grössen in

familiärer Atmosphäre und mit Sitzplatzgarantie.

Plötzlich hüllt das Dröhnen der Kuhglocken den Schwingplatz

auf der Engstlenalp ein wie eine Decke. Während der

Alpaufzug der Familie Huber im Hintergrund über die

Bühne geht, packen sich junge, kräftige Männer an den Zwilchhosen

und ringen lautlos miteinander, ihre Spuren durchs Sägemehl

ziehend. Die Zuschauer erleben die fesselnde Atmosphäre

hautnah, auf Bänken rund um die beiden Schwingplätze und in

den Alpenrosen sitzend, die das Festgelände als natürliches Amphitheater

umgeben. Eine Reservation der Sitzplätze ist weder

möglich noch nötig; damit stellt das Engstlenalpschwingfest eine

Ausnahme dar. Die Tickets sind im Gegensatz zu vielen anderen

Schwingfesten nicht limitiert, denn der Andrang ist überschaubar

und es gibt genug Platz für alle.

Ein Hochplateau auf 1800 Metern, mit knorrigen Arven, einem

idyllischen Bergsee, eingerahmt von Bergspitzen: Die Engstlenalp

wird zu recht oft als Kraftort bezeichnet. Hier oben herrscht eine

besondere Stimmung, die Zeit scheint stehen zu bleiben. Das finden

auch die Schwinger, die Jahr für Jahr zahlreich kommen, obwohl

es auf der Engstlenalp keine Kränze zu gewinnen gibt. Besonders

die einheimischen Schwinger schwärmen: Matthias Glarner

aus Meiringen, Schwingerkönig 2016, spricht vom «schönsten

Schwingfest der Welt». Leider konnte er 2017 aufgrund seines Unfalls

nicht teilnehmen, liess sich aber den Besuch an Krücken nicht nehmen.

Auch der Diemtigtaler Kilian Wenger, der 2010 als 20-jähriges

Nachwuchstalent Schwingerkönig wurde, schätzt die Atmosphäre:

«Hier kann ich ohne Druck schwingen.» Auch das ist eine

Besonderheit des Engstlenalp-Schwingfestes: Bekannte Kranzschwin-

ger messen sich mit dem einheimischen

Nachwuchs. Ein bunter Mix, für Zuschauer

und Schwinger gleichermassen spannend.

Ohne ihn gäbe es das Schwingfest auf

Engstlen nicht: Hanspeter Wenger, leidenschaftlicher

Unternehmer aus Innertkirchen

hat den Anlass 2004 ins Leben gerufen. Er

ist auch heute noch Dreh- und Angelpunkt

des Festes, schüttelt Hände, kümmert sich

um Gäste, Helfer und Schwinger. Und gerät

ins Schwärmen, wenn er über das

Schwingfest spricht: «Die Engstlenalp ist

der schönste Flecken auf der Erde, die perfekte

Kulisse für einen fairen, bodenständigen

Natursport wie das Schwingen.»

Der Schwingsport fasziniert Wenger seit

seiner Kindheit, als er selber im Sägemehl

stand. Heute kommen über 100 Schwinger

und bis zu 2’500 Zuschauer auf die Engstlenalp,

freut sich Wenger. Trotzdem

herrscht eine familiäre Stimmung, viele

kennen sich. Es sind vor allem Einheimische

und Schwingerfreunde, die auf die

malerische Alp kommen.

Rund 120 Helferinnen und Helfer sorgen

Jahr für Jahr dafür, dass die Engstlenalp

zum Sport- und Festgelände wird.

Die meisten sind schon seit Jahren dabei.

«Für mich ist es der schönste Anlass

des Jahres», sagt Bruno Huber, der am

Schwingfest für den Gabentempel

zuständig ist. Als ehemaliger aktiver

Schwinger möchte der Hasliberger

dem Sport nun etwas zurückgeben.

Auch seine beiden Töchter helfen

mit, sie verkaufen Ranglisten. Die Urtümlichkeit

des Anlasses schätzt auch Josef Camenzind,

der seit dem ersten Engstlenalpschwingfest

als Helfer dabei ist und den Cheli-

Stand betreut. Bereits morgens herrscht hier reger

Betrieb. «Ich schätze die Gemütlichkeit, alle

sind hier Duzis», erklärt Camenzind sein Engagement.

Während das Glockengeläut der Alpkühe leiser wird

und dezent im Hintergrund erklingt, geht das Schwingfest

weiter: Gang um Gang messen sich die muskelbepackten

Athleten miteinander, der Sieger klopft dem Unterlegenen

das Sägemehl vom Rücken. Gegen Abend, als

sich die Sonne bereits den Bergspitzen nähert, wird Kilian

Wenger nach einem gestellten Schlussgang gegen Bernhard

Kämpf zum Festsieger 2017 gekürt und darf Siegermuni Yankari

entgegennehmen. Allmählich kehrt wieder Ruhe ein auf

der Engstlenalp – wahrhaftig ein Kraftort, auch ohne Schwinger.


grimselwelt · unterwegs 9

Tickets sind vor Ort erhältlich.

www.schwingklub-meiringen.ch


10 grimselwelt · vogelfrei


grimselwelt · energiewende

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Der

Energiesturm

und die

Wasser

kraft

Die Energiebranche befindet sich im Umbau,

weg von der Kernenergie hin zu erneuerbaren

Quellen. Was dies für ein Wasserkraftunternehmen

wie die KWO bedeutet, erklärt CEO

Daniel Fischlin.

Die Kraftwerke am Grimsel- und Sustenpass bilden ein komplexes

Anlagesystem von Stauseen, Druckleitungen und

Turbinen. Es ist kein einfaches Unterfangen, die vielen Anlagen

richtig und effizient zu steuern. Mit dem Umbruch in der

Energiebranche sind die Zusammenhänge noch viel komplexer

geworden. Ein Kraftwerk wie die KWO steht nicht für sich alleine

in einem Marktumfeld, sondern es hängt im wörtlichen Sinne

mitten in einem Netz, in dem keiner der Beteiligten etwas machen

kann, ohne dass nicht ein anderer Akteur betroffen wäre.

Vor ein paar Jahren noch waren die Produktionskurven ziemlich

voraussehbar, man fuhr die Maschinen nach Verbrauch. Das

heisst, am Mittag und am Abend musste viel Strom produziert

werden, weil dann der Bedarf höher war. «Heute ist das alles viel

weniger durchschaubar», erklärt KWO CEO Daniel Fischlin. «Je

nach Wetter und Börse können die Produktionspläne unzählige

Male am Tag ändern.»


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grimselwelt · energiewende

PROGNOSE STROMPRODUKTION

SPEICHERWASSER

AUSBAUVORHABEN ERWEITERUNG SPEICHERMÖGLICHKEITEN

Das Einzugsgebiet der KWO umfasst 420 km 2 , was einem Prozent

der Fläche der Schweiz entspricht. Das jährlich anfallende Wasser

beträgt 700 Millionen Kubikmeter und übersteigt die Speichermöglichkeiten

um ein Vielfaches. Mit dem Ersatz der Staumauer Spitallamm,

einem neuen Speicher Trift und einer Vergrösserung des

Grimselsees will die KWO das Speicherpotenzial für den Winter erweitern

und einen wirkungsvollen Beitrag zur

Energiestrategie 2050 leisten, wie auch zum Hochwasserschutz

bis zum Brienzersee.

WEITERE INFORMATIONEN ZU DEN PROJEKTEN

www.grimselstrom.ch/ausbauvorhaben/die-ideen

STROMPRODUKTION

UND -VERBRAUCH

SZENARIO 2035 OHNE AKWs

QUELLE: BFE ENERGIESTRATEGIE

LAUFWASSER

PHOTOVOLTAIK

WIND

BIOMASSE

THERMISCHE KRAFTWERKE

PROGNOSE STROMNACHFRAGE

STROMVERBRAUCH

UNTERDECKUNG

6000

5000

4000

3000

2000

1000

0

STROMVERBRAUCH

GWH

JANUAR FEBRUAR MÄRZ APRIL MAI JUNI

Gründe für diese bewegte Situation sind

der Umbau des Strommarktes aufgrund

der Liberalisierung und dem vermehrten

Einspeisen erneuerbarer Energien. Die

Stromproduktion aus Sonnen- oder Windenergie

lässt sich zwar aufgrund der Wetterprognosen

abschätzen, aber bei den

Vorhersagen treten auch Fehler auf. Dementsprechend

treten kurzfristige Änderungen

im Strommarkt auf. Wenn die Schweizer

Atomkraftwerke dereinst ganz vom

Netz gehen, dürfte sich die Lage vor allem

im Winter verschärfen. Scheint die Sonne

nicht oder fehlt der Wind, geht die Produktion

zurück. Ist jedoch weniger elektrische

Energie im Netz als verbraucht wird, sind

andere Kraftwerke angehalten zusätzli-

chen Strom zu produzieren, weil sonst die

Frequenz sinkt. Spannung und Netzfrequenz

müssen stabil sein, damit elektronische

Geräte funktionieren. Da auch die

Schweiz im europäischen Strommarkt eingebunden

ist, sind die inländischen Kraftwerke

ebenfalls betroffen, wenn beispielsweise

die grossen Windkraft-Parks in

Norddeutschland auf geringem Niveau

produzieren. «Wir hatten in den letzten

Wintern einige Male kritische Situationen,

in denen es beträchtliche Lücken gab zwischen

Angebot und Nachfrage», sagt

Fischlin. Weil die Regelleistungen ausgeschöpft

und die Lage prekär war, wurden

auch internationale Warnungen ausgelöst.

Störfälle können auch dann auftreten,

wenn irgendwo eine Leitung des ohnehin

stark strapazierten Netzes ausfällt. Bei solchen

Warnungen verfügt die Schweizer

Netzbetreiberin Swissgrid sogenannte

«Redispatchs». Damit weist sie bestimmte

Kraftwerke an, sofort zusätzlichen Strom

zu produzieren. Die Fahrpläne der Aktionäre

werden in solchen Fällen ausser Kraft

gesetzt. «Für uns», erklärt der CEO, «kann

das bedeuten, dass wir innert kurzer Zeit

einen grossen Teil des gespeicherten Wassers

in einem See verarbeiten müssen, um

das Netz zu stützen. Damit reduziert sich

natürlich dann die Reserve.» Zu heiklen

Situation kann es nicht nur dann kommen,

wenn das Gleichgewicht wegen zu wenig

Strom ins Wanken gerät, sondern auch,

wenn überschüssiger Strom kompensiert

werden muss. Das bedeutet für die KWO,

dass sie ihre Stromerzeugung drosseln

muss oder allenfalls sogar angewiesen

wird, Strom zu verbrauchen, indem in den

Pumpspeicherwerken gepumpt wird.

Für solche Massnahmen, also eine Art Versicherung

gegen ungeplante Ereignisse im

Stromnetz, werden die Kraftwerke entschädigt,

allerdings nicht zu gleich guten

Preisen wie im freien Markt. Die Verfügungen

von Swissgrid in Notlagen setzen

den normalen Produktionsplan ausser

Kraft. Für die Mitarbeiter der Zentralen

Leitstelle, dem eigentlichen «Hirn» des gesamten

KWO-Organismus, sind solche


grimselwelt · energiewende

13

20 %

15 %

PRODUKTIONSZYKLEN

ERNEUERBARE QUELLEN

ANTEIL AN JAHRESSUMME IN PROZENT

QUELLE: BFE UND METEOTEST, 2008 - 2011

10 %

5 %

0 %

JAN FEB MAR APR MAI JUN JUL AUG SEP OKT NOV DEZ

ZUFLUSS STAUSEEN

FLUSSKRAFTWERKE

PHOTOVOLTAIK

MITTELLAND

PHOTOVOLTAIK

ALPIN

6000

5000

4000

3000

2000

1000

0

JULI AUGUST SEPTEMBER OKTOBER NOVEMBER DEZEMBER

STROMVERBRAUCH

GWH

Änderungen eine grosse Herausforderung.

Es müssen viele Faktoren berücksichtigt

werden. Beispielsweise muss der Maschineneinsatz

so gewählt werden, dass die

Anforderungen für das Netz erbracht und

die Fahrpläne der Aktionäre eingehalten

werden. Und dies immer exakt abgestimmt

mit den Zuflüssen und dem Wasserhaushalt

der Kraftwerke. Da die Kraftwerke

der KWO in Stufen angelegt sind, hat das

Ansteuern von Maschinen auch immer

Auswirkungen auf das unterhalb beziehungsweise

oberhalb gelegene Kraftwerk.

Weiter muss der Wasserhaushalt über das

ganze Jahr hinweg im Auge behalten werden.

Im Sommerhalbjahr, mit den starken

Zuflüssen aus Schnee- und Gletscherschmelze,

gilt es mit einer geschickten Bewirtschaftung

zu vermeiden, dass die Stauseen

überlaufen. Ziel ist, dass die Füllstände

der Seen im September möglichst

hoch sind. Den Winter über begleitet die

Kraftwerksbetreiber dann stets der Gedanke,

ob das Wasser bis zum Frühling hin

reicht.

In diesem komplexen Umfeld trägt die

Wasserkraft sehr viel zur Netzstabilität bei.

Doch dies allein ist im heutigen Energiemarkt

kein Garant für die Wirtschaftlichkeit.

Daniel Fischlin rechnet mit höheren

Preisen für die im Winter produzierte

Energie. «Wir müssen mehr Wasser speichern

können, damit es möglich wird, vermehrt

im Winter Energie zu produzieren»,

ist er überzeugt. Gleichzeitig wird damit

auch der «Tank» des Notstromdiesels vergrössert,

um auf die in Notlagen verfügten

«Massnahmen» reagieren zu können. Im

Sommer, so ist Fischlin überzeugt, bestehe

eine viel geringere Nachfrage an Energie

aus den Speicherkraftwerken, da dann viel

Solarstrom produziert wird. Die geplanten

Projekte der KWO (siehe Kasten) ermöglichen,

dank zusätzlicher Speicherkapazität,

160 Millionen Kubikmeter Wasser vom

Sommer in den Winter umzulagern. Derzeit

kann die KWO nur etwa 25 Prozent

der jährlich anfallenden Wassermenge

(April bis Oktober) speichern. Vorhaben

wie der neue Stausee im Triftgebiet würden

die Speicherfunktion der KWO deutlich

erhöhen. Dies, so ist sich Fischlin sicher, sei

für das Gelingen der Energiewende entscheidend,

zumal in der Erforschung anderer

Speichermöglichkeiten von Energie

noch wichtige Meilensteine ausstehen. Die

Herausforderung für die KWO und ihre

Aktionäre ist, diese Projekte jetzt voranzutreiben,

obschon das aktuelle Umfeld der

Wasserkraft für grosse Investitionen kaum

günstig erscheint und keiner mit Gewissheit

sagen kann, wie der Markt in ein paar

Jahren aussieht. «Wir setzen alles daran»,

bekräftigt Daniel Fischlin, «jetzt alle Vorleistungen

zu tätigen, damit wir bereit sind,

zum richtigen Zeitpunkt die Projekte auszulösen.»


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grimselwelt · persönlich

Isabelle Oggier Feuz

Sie holt die Welt nach

Gadmen

men könne man nicht wohnen.» Dabei sei sein Heimatdorf viel

besser erschlossen. «Man kann sich auch selber einreden», kam

er zum Schluss, «dass man keinen Stich hat.» So trat er an, das

Gegenteil zu beweisen. Seit eineinhalb Jahren arbeitet Krump in

vierter Generation in der Schreinerei. Vorerst teilt er sich die Geschäftsführung

mit Vater und Onkel, doch die Übergabe ist geplant.

In dieser Phase ist Christian Krump froh, denn oft seien sie es, die

entscheidende Details erkennen. Das Unternehmen ist auf den Innenausbau

und Fenster spezialisiert. «Wir konkurrieren mit grossen

Betrieben», sagt Krump. Da sei es wichtig, gute Qualität zu bieten

und weiterzudenken. Der junge Unternehmer setzt auf «versteckte

Qualitäten», neben handwerklichem Knowhow und der

sorgfältigen Ausführung meint er damit die Wertschätzung gegenüber

den Kunden. Der Erfolg stellt sich nicht von alleine ein, aber

Krump ist sich sicher: «Hier kann ich einen Unterschied machen,

ich kann Dinge anreissen, das geht mit dieser Bude, und das ist toll.»

www.krump.ch

Für Isabelle Oggier Feuz kann in ihrem Haus in Gadmen nicht

genug Betrieb herrschen. Die Primarlehrerin und Mutter dreier

Kinder liebt es, Leute um sich zu haben. Viele Jahre lang betrieb

sie mit ihrem Mann Christian eine Art Mini-Heim. In den Alltag

der Familie integriert waren mehrere Personen in psychisch

schwierigen Lebenslagen sowie Betreuer. «Mir ist es egal, wenn

alles drunter und drüber geht – im Gegenteil, das gefällt mir sogar»,

erzählt sie. Und doch entschied die Familie, es sei Zeit, einen

Schritt vorwärts zu machen und beendete die Betreuungsverhältnisse.

Seit einem Jahr stehen die vier kunterbunten Bauwagen

sowie eine Jurte privaten Gästen offen. Am besten geeignet ist die

Anlage für Gruppen, die ein Fest feiern wollen, ein Theater oder

Musikstück einstudieren oder einen Teamevent durchführen. Zur

Verfügung stehen neben der Wohnküche im Haus auch eine Werkstatt

inklusive Bar, ein Hotpot, eine Feuerstelle sowie viel Umschwung,

beziehungsweise ein ganzes Tal mit einmaliger Natur.

Trotz regem Betrieb in ihrem Wagenpark heckt Isabelle Oggier

bereits Pläne aus, was sie sonst noch machen möchte und wie sie

sich weiterbilden könnte. «Ich liebe die Menschen – Routine mag

ich gar nicht», fasst sie zusammen. Zwischen diesen zwei Polen

findet sie stets von neuem Tätigkeiten, die sie faszinieren.

www.bauwagenferien.ch

Daniel Kaufmann

Bergbauer und

Künstler in einem

Wegen seiner Tiere, den Ziegen und Pferden, ist Daniel Kaufmann

nach Guttannen gekommen. Vor einigen Jahren bot sich dem ursprünglich

aus dem Vorarlberg stammenden jungen Mann und

seiner Frau die Möglichkeit, einen kleinen Hof zu übernehmen.

«So etwas ist ja sonst kaum zu finden», sagt Kaufmann. Das Paar

mit den drei Kindern ist glücklich über diese Wahl. Unterdessen

hat sich Kaufmann auch in seinem ursprünglichen Beruf ein weiteres

Standbein aufgebaut. Vor zwei Jahren eröffnete der gelernte

Glasapparatebauer eine kleine Glasbläserei an der Strasse beim

Dorfeingang. Dort erledigt er vor allem im Winter Aufträge im

Christian Krump

Handwerker in vierter

Generation

Christian Krump hat das gemacht, was er nie wollte: in den Betrieb

des Vaters einsteigen. Der junge Mann aus Gadmen liess sich

zwar zum Drechsler und Schreiner ausbilden, es zog ihn aber weg.

Er arbeitete auswärts und ging auf Reisen. Rückblickend sagt

Krump: «Ich habe immer etwas gesucht und fand es doch nicht.»

Auf einer abgelegenen schottischen Insel kam er ins Grübeln. «Das

Leben dort war so einfach, gleichzeitig hatte ich geglaubt, in Gad-

eigentlichen Glasapparatebau und fertigt kunstvolle Kreationen

aus Glas. Zum Verkauf stehen verschiedene Dekorationen aus

Glas: zu Weihnachten hin sind es Christbaumkugeln oder filigrane

Vögelchen, aber auch eigenwillige Flaschen in vielen verschiedenen

Formen, allen voran eine spezielle Kristall-Glasflasche, die

Kaufmann mit dem Mineralien-Spezialist Joseph Häfliger entwickelt

hat. Ein besonderes Angebot schuf Kaufmann zusammen

mit dem Hotel Bären in Guttannen: Gäste können in der Werkstatt

ihr eigenes Weinglas fertigen und es anschliessend bei einem

Apéro oder Nachtessen im Hotel Bären gleich testen.

www.kaufmannglas.jimdo.com


grimselwelt · persönlich 15

Dimitri Stalder

Dorfbeiz, Berghütte

und Gourmettempel

Seit zwei Jahren wirtet der Koch und Bergführer Dimitri Stalder

im Berggasthaus Tälli. Die Hütte hoch über Gadmen ist ein

Glücksfall für ihn – er wiederum ist ein Glücksfall für die Gäste.

«Es ist der richtige Platz». Dimitri Stalder steht am offenen Küchenfenster

und schaut hinaus auf die hohen Gipfel und die Bergweiden,

alles glänzt und leuchtet wie frisch geputzt an diesem

strahlenden Tag im Spätsommer. Weit und breit ist kein Haus zu

sehen, weit unten nur, am Fusse der mächtigen Fluh, liegen die

Häuser und Höfe von Gadmen. Mitten drin, wie ein kleines Flagschiff,

die weisse Kirche. Er sei aus purem Zufall zur Hütte gekommen,

erzählt der gelernte Koch und Bergführer, der ursprünglich

aus dem Toggenburg stammt. Zwar wohnte Stalder bereits in

Gadmen, das Engagement als Tälli-Wirt sei ihm aber unverhofft

zugeflogen. Zuvor war er an verschiedenen Stationen tätig gewesen,

hatte in Top Gourmet-Restaurants gekocht und auch als

Bergführer viele Erfahrungen gesammelt. Im Berggasthaus Tälli

lebt Stalder die Verbindung von Bergen und Kulinarik und zwar

auf sehr pragmatische Art. Das alpine Umfeld inspiriert ihn für

seine Gerichte. In speziellen Angeboten wie zum Beispiel Abendessen

mit Mondscheinwanderungen knüpft er beide Welten zusammen.

Die Kombination beglückt ihn. «Ich liebe die Natur, ich

liebe die Menschen», sagt er. Diese Zufriedenheit ist in seiner Art

zu wirten deutlich spürbar.

Dimitri Stalder arbeitet gerne mit dem, was er hat. «Ich frage mich

nicht: Was will ich kochen? Sondern: Was haben wir für Produkte?»

Wenn ihm die Bauern Fleisch anbieten, kocht er damit, verwendet

Alpbutter, Käse, Gewürze oder Pilze aus dem nahen Wald.

Mit viel Liebe zum Detail reichert er die Angebote an. So begleitet

stets ein kleines Stück selbstgemachter Kuchen einen Kaffee oder

Tee, Wildblumen schmücken die Gerichte. «Entscheidend ist für

mich», sagt Stalder, «was wir in diesem Tal erwirtschaften können.»

Der sorgfältige und bewusste Umgang mit den Produkten

prägt seine Küche: einfach zu verstehen, himmlisch zu geniessen.

In der Region hat sich schnell herumgesprochen, wie gut man in

der Tällihütte isst, und so gewann Dimitri Stalder neue Gäste, die

gerne auch nur für ein feines Mittagessen von Innertkirchen oder

Meiringen anreisen. Mit der Tällibahn und dem unkomplizierten

Selbstfahrbetrieb ist die Hütte inmitten der gigantischen Gadmer

Dolomiten schnell erreicht. Die bergaffinen Gourmets ergänzen

die bisherige Kundschaft, einerseits Natur- und Bergfreunde, die

gerne wandern, den Klettersteig begehen oder klettern, andererseits

Gruppen, die Geburtstage oder andere Feste in der Hütte

feiern. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Das Gefühl, hoch oben in

den Bergen in guten Händen zu sein.

www.taelli.ch


16 grimselwelt · aussicht


grimselwelt · impressionen 17

Er sucht die wildesten Orte

dieser Welt auf, um magische

Augenblicke festzuhalten.

Chris Burkard, amerikanischer

Fotograf und Abenteurer,

kam übers Surfen zur

Fotografie. Noch heute gilt er

als einer der bekanntesten Fotografen

der Szene, doch Burkard hat sich auch

in den Bereichen Reisen, Landschaft, Portraits

und Extrem-Sportarten, die nichts mit dem Ozean

zu tun haben, einen Namen gemacht.

Als einflussreiche Stimme auf den Social Media

Kanälen hat ihn Swiss International Air Lines

und Schweiz Tourismus auf eine Reise durch die

Schweiz eingeladen, die ihn unter anderem

auch in die Jungfrau Region und das Grimselgebiet

führte. Besonders angetan hat es Burkard

die Aareschlucht. Die Fotos gingen um die Welt,

alleine auf Instagram hat Burkard 2,9 Millionen

Follower.

Burkard und seine Frau Breanne wohnen mit ihren

zwei Söhnen in Arroyo Grande an der Kalifornischen

Küste.

www.chrisburkard.com


14

grimselwelt · im gespräch

Ohne Zubau bei den erneuerbaren Energien,

könne man nicht aus der Kernenergie

aussteigen, sagt Energieministerin Doris

Leuthard. Die Bundesrätin erklärt, welche

Hoffnungen sie in die Wasserkraft setzt.

DIE WASSE


grimselwelt · im gespräch 19

Die Wasserkraft bewegt sich in einem

schwer durchschaubaren Umfeld. Wie

denken Sie, dass die Entwicklung

weitergehen wird?

Doris Leuthard: Die zunehmend dezentrale

Stromproduktion führt dazu, dass die

Rollen von Produzenten und Konsumenten

neu verteilt werden. Auch die Verantwortlichkeiten

und Schnittstellen ändern

sich. Zentrale Themen sind die Versorgungssicherheit

sowie die Frage, wie sich

der Markt gestaltet. Wir bereiten deshalb

bis Ende Jahr eine Revision des Stromversorgungsgesetzes

vor. Dabei setzen wir auf

unsere bewährte Infrastruktur: Die Stromnetze

und Wasserkraftwerke. Wir müssen

ihnen Sorge tragen.

Welche Rolle spielen in Ihren Augen die

Wasserkraftwerke in der Energiewende?

Mit dem Wegfall der AKWs könnte der

Strom im Winter zeitweise knapp werden.

Solar- und Windproduktion decken die

entstehenden Lücken gemäss Prognosen

im Winter nicht ganz. Wie ernst ist das

Problem? Und was ist zu tun?

In den nächsten 15 Jahren müssen wir keine

Versorgungsengpässe befürchten. Dies

haben Analysen des Bundesamts für Energie

gezeigt. Selbst in extremen Szenarien, in denen unsere bestehenden

Kernkraftwerke früher ausser Betrieb gehen als angenommen,

oder wenn in Deutschland und Frankreich Kohle- und

Kernkraftwerke in grösserem Umfang abgestellt würden, käme

es nur an wenigen Wintertagen für wenige Stunden zu einer

Knappheit. Dieser wollen wir mit einer strategischen Reserve beikommen.

Nebst der Batterie Wasserkraft hilft uns die Vernetzung:

Die Schweiz ist wie kaum ein anderes Land via Übertragungsleitungen

mit Europa verbunden. Daher lassen sich die

Kosten aufteilen. Überdies wollen wir die Versorgungssicherheit

auch politisch absichern – am besten mit einem Stromabkommen

mit der EU.

Im Winter 2016/2017 gab es mehrmals relativ drängende

Probleme bei der Netzstabilität. Aufgrund des Warnsystems

war die KWO angehalten, den Oberaarsee zu leeren, um das

Netz zu stützen. Können Sie sich vorstellen, dass man Wasserkraftwerke

zukünftig für solche Beiträge zur Netzstabilität

entschädigt?

Bereits heute werden die Stromunternehmen für Dienste entschädigt,

die sie leisten, um die Netzstabilität aufrechtzuerhalten. Wir

prüfen bei den Arbeiten zur Revision des Stromversorgungsgesetzes,

ob eine strategische Reserve für das Winterhalbjahr sinnvoll

ist. Die strategische Reserve würde sicherstellen, dass auch

in extremen Situationen genug Strom verfügbar ist.

In Deutschland haben die Netzbetreiber beantragt, Gaskraftwerke

mit einer Gesamtleistung von 1’200 Megawatt im Süden

Deutschlands zu bauen, alleine um Unsicherheit in der Netzstabilität

zu überbrücken. Wären Gaskraftwerke auch für die

Schweiz eine mögliche Option? Oder wie gedenkt man, das

Netz zu stützen, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind

nicht stark genug ist?

Gas hat in der Schweiz aus klimapolitischen Gründen einen

schweren Stand. Zudem wird sich kaum ein Unternehmen finden,

das in Gas investiert, zumindest solange die Strompreise derart

tief sind. Wenn, dann wäre ein Andocken an bestehende Gaskraftwerke

in Süddeutschland zu prüfen. Im Vordergrund steht

ZUR PERSON

Als Vorsteherin des Eidgenössischen

Departements für Umwelt, Verkehr,

Energie und Kommunikation (UVEK) ist Bundesrätin Doris Leuthard

eines der sieben Mitglieder des Bundesrates, der Exekutive

der Schweiz. 2017 amtete sie zum zweiten Mal nach 2010 als

Bundespräsidentin. Vor der Übernahme ihrer Position als Vorsteherin

des UVEK am 1. November 2010 war Doris Leuthard von

August 2006 bis Oktober 2010 Vorsteherin des Eidgenössischen

Volkswirtschaftsdepartements (EVD). In dieser Funktion war sie

für Arbeit, Berufsbildung, Technologie, Innovation, Landwirtschaft,

Wohnungswesen, Landesversorgung sowie die Handelspolitik verantwortlich.

Sie vertrat die Schweiz u.a. bei der WTO, OECD, FAO

und der Weltbank und präsidierte die EFTA.

verhandelt, aber bedarf einer Lösung in einem Rahmenabkommen.

Gefordert sind auch die Stromunternehmer: Ich erwarte,

dass sie ihre Eigenverantwortung wahrnehmen. Allerdings stelle

ich fest, dass der beschauliche Strommarkt der Vergangenheit eine

gewisse Anspruchshaltung gefördert hat. Ich höre Rufe nach neuer

staatlicher Förderung oder einer Verlängerung der Marktprämien

für die Wasserkraft. Damit verstärken wir die bestehenden

Marktverzerrungen jedoch abermals. Das ist auf die Dauer keine

Lösung. Der Bundesrat möchte eigenständige Energieunternehmen,

die nicht auf wirtschaftliche Stützmassnahmen angewiesen

sind – nach dem Motto Innovation statt Subvention.

RKRAFT IST EIN

Die Wasserkraft bleibt auch in Zukunft die

wichtigste Quelle für inländischen Strom.

Sie ist zentral für die Versorgungssicherheit

und für den Klimaschutz. Die Wasserkraft

liefert derzeit zusammen mit Sonne,

Wind und Biomasse rund 60 Prozent unseres

Bedarfs – frei von CO 2

-Emissionen.

Das ist ausbaubar. Daneben bietet uns

Wasser hervorragende Speichermöglichkeiten.

Dies ist wichtig, um flexibel zu bleiben

und saisonale Schwankungen ausgleichen

zu können.

aber, dass die Forschung und die Unternehmen technische Lösungen

anstreben. Bei den Speichertechnologien ist zum Beispiel

einiges im Gang.

Die Aktionäre der KWO befinden sich jetzt in der Situation, dass

sie Entscheide für Investitionen in Ausbauprojekte fällen

müssten, obwohl die ökonomischen Rahmenbedingungen

schwierig sind. Was empfehlen Sie?

Mit dem neuen Energiegesetz gibt es seit Anfang Jahr Investitionsbeiträge

für neue grosse Wasserkraftanlagen und für erhebliche

Erneuerungen oder Erweiterungen von Wasserkraftanlagen.

Das kann zumindest bei einigen Investitionsentscheiden helfen.

Die Strompreise dürften tendenziell in der EU ansteigen, nicht

zuletzt wegen des Wirtschaftswachstums und höheren Preisen

für CO 2

-lastige Energie.

Was bleibt politisch zu tun, um solche Investitionsentscheide zu

ermöglichen?

Das erwähnte Stromabkommen mit der EU würde es uns erlauben,

die Wasserkraft besser in den europäischen Strommarkt einzubringen.

Das wäre gut für die Wirtschaft und für die Versorgungssicherheit.

Das Abkommen ist bis auf wenige Punkte fertig

Ein Wasserkraftwerk spielt in einer wirtschaftlich eher schwachen

Region wie dem Oberhasli eine sehr wichtige Rolle, da

Arbeitsplätze ausserhalb des Tourismus rar sind. Spielt dieses

Argument in Ihren Überlegungen auch eine Rolle?

Gerade die Wasserkraft hat in den Gebirgsregionen der Schweiz,

nicht nur im Oberhasli, viele Arbeitsplätze geschaffen. Die Was-

WICHTIGER PFEILER

serkraft soll und wird in der Schweiz auch künftig eine zentrale

Rolle spielen, das steht so im neuen Energiegesetz. Entsprechend

werden die Anlagen auch weiter unterhalten und betrieben. Dazu

braucht es nach wie vor Personal.

Welchen Ausweg sehen Sie aus dem ewigen Dilemma, dass

man zwar erneuerbare Energien fördern will, gleichzeitig aber

oft mit den Anliegen von Umweltschützern in Konflikt gerät

Nebst den Umweltschützern wehren sich oft auch Anwohner gegen

solche Anlagen. Dies ist zu respektieren. Umso wichtiger ist

es, die Projekte sorgfältig aufzugleisen, gut zu informieren und

auf Anliegen der Betroffenen einzugehen. Wir müssen nicht heute

oder morgen bauen, wir haben Zeit. Gleichzeitig muss unsere

Bevölkerung auch anerkennen, dass man ohne den Zubau von erneuerbarer

Energie nicht aus der Kernkraft aussteigen kann.

Haben Sie einen persönlichen Bezug zum Oberhasli?

Die Grimsel ist eine der eindrücklichsten Gebirgslandschaften unseres

Landes. Ich habe sie auch schon ausländischen Delegationen

vom Alpinhotel Grimsel Hospiz aus gezeigt. Zudem ist natürlich

die Passstrasse phantastisch und interessiert die Infrastruktur-

Ministerin!


20 grimselwelt · unterwegs

Text: Annette Marti, Fotos: David Birri

Seit einem Jahr steht Ursula

Monhart als Leiterin den Grimselhotels

der KWO vor. Die

quirlige Chefin gewährt einen

Blick hinter die Kulissen der

einzigartigen Gastro-Betriebe.

Wie kriegt man einen grossen Sessel

in ein kleines Auto? Ursula

Monhart räumt ihre Taschen

vom Rücksitz, wuchtet den Stuhl auf die

Kante des Kofferraums und murmelt: «Irgendwie

muss das doch gehen… ja so, genau.»

Monhart ist eine Chefin, die anpackt.

Sie ist mit den Gedanken überall, denkt sozusagen

vierspurig, denn als Leiterin der

Grimselhotels unterstehen ihr vier verschiedene

Betriebe (siehe Kasten). Das Hotel

Handeck im Wald oberhalb Guttannen,

das imposante Hotel Grimsel Hospiz, das

Berghaus Oberaar, aufgrund seiner spektakulären

Lage über dem Oberaarsee ohnehin

eine Besonderheit, sowie die Selbstversorgerhütte

Bäregg. Die Betriebe liegen

weit auseinander und erst noch ein Stück

entfernt vom Hauptsitz

der KWO in Innertkirchen.

«Ich bin viel on the

road und rund um die

Uhr telefonisch erreichbar»,

sagt Monhart und

lächelt. «Oft gilt es, irgendetwas

von einem

Ort an den anderen zu

bringen oder irgendwo

ein Problem zu lösen.

Dann bin ich halt einfach

unterwegs.»

Wie an diesem sonnigen

Tag im Spätherbst, an

dem unzählige Ausflügler

im Gebiet sind – alle wol-


grimselwelt · tourismus 21

len nochmals los, schon bald wird der Pass geschlossen. Ursula

Monhart ist in Gedanken bereits bei Weihnachten, dann nämlich

wird die Logistik in den Hotels noch viel komplizierter als im

Sommer. Im Winter ist das Grimsel Hospiz nicht mehr mit dem

Auto erreichbar, die Gäste reisen über KWO-interne Wege durch

Stollen und mit Seilbahnen an. Weit und breit ist das Hotel nämlich

dann das einzige bewohnte Gebäude. «Besser, wir bringen

die Sessel und Liegestühle, die für die Wintersaison ins Hospiz

müssen hinauf, solange die Strasse offen ist», erklärt Monhart. So

muss sie im Oktober bereits wissen, wie der Weihnachtsbaum ins

Haus gelangen wird und ob genügend Wein im Keller lagert. Rund

ums Jahr ist viel Improvisationsgeschick gefragt, denn auch im

Sommer kann das Wetter unvermittelt ändern, so lag an einem

Hochzeitsfest im September plötzlich Schnee vor dem Haus.

Schnell, schnell musste das im Freien geplante Apéro ins Haus

verlegt werden. Bei einer anderen Gelegenheit blieb eine Festgesellschaft

auf der Anfahrt stecken, da die Strasse länger wegen

eines Unfalls gesperrt blieb. Monhart schickte eine ihrer Mitarbeiterinnen

den Gästen mit einem Begrüssungs-Trunk entgegen.

Lukasz Szyszka, Hauswirtschaft

Wie viele andere junge Menschen aus Polen

will Lukasz Szyszka für einige Jahre in

Westeuropa arbeiten. Zuhause gibt es für

den ausgebildeten Architekten kaum Jobs.

Jetzt ist Szyszka bei den Grimselhotels in

Im Winter können Lawinengefahr oder Sturm den Fahrplan stören,

dann muss die An- oder Abreise der Gäste umorganisiert werden,

zum Beispiel via unterirdischem Lift und Treppen.

Wetter – Location – Distanzen: in diesem Dreieck tanzt die Chefin

und kommt manchmal ganz schön ausser Atem. Sie stellt hohe

Ansprüche an ihre Mitarbeitenden, aber auch an sich selbst. Beim

Rundgang durchs Haus zupft sie da eine Dekoration zurecht und

wechselt dort ein Wort mit einem Teammitglied. «Die Hotellerie

ist eine verrückte Branche», sagt sie, «sie fordert alles. Entweder

du liebst diese Welt oder gehst daran zugrunde.» Die erste Saison

in der neuen Funktion als Leiterin Grimselhotels fand die Ostschweizerin

streng, aber auch grossartig. Die 48-jährige ist eine

Gastro-Unternehmerin mit Herz und Seele. Am Beginn ihrer

Laufbahn stand die Tourismusfachschule in Sierre, dann arbeitete

sie an verschiedenen Stationen, vom Seminarhaus bis zum Seniorenzentrum,

für einige Jahre lebte sie gar auf einem Bauernhof.

Die Hotellerie ist ihr von all diesen Tätigkeitsfeldern das liebste.

Herzlichkeit und die Bereitschaft, alles für die Gäste zu machen,

stehen für sie an oberster Stelle. Dazu ist wie in jedem guten Gastrobetrieb

ein gutes Zusammenspiel von der Küche bis zur Hauswirtschaft

nötig. Diese Zusammenarbeit zu steuern fasziniert

Monhart, auch wenn es zuweilen herausfordernde Aufgaben zu

lösen gibt. Nach den langen Arbeitstagen geniesst sie es besonders,

einen Augenblick in der gewaltigen Szenerie zu verweilen und die

Ruhe in sich aufzunehmen. «In dieser Natur kann ich prima den

Kopf lüften. Angesichts der Berge wird einem bewusst, wie klein

wir Menschen eigentlich sind», sagt Monhart und lässt den Blick

über den Grimselsee schweifen. Genau wegen dieser Umgebung

fühlt sich die Unterländerin auch rundum wohl in ihrem neuen

Job in den Bergen.

Die Grimselhotels

Zu den Grimselhotels gehören vier Betriebe, alle im alpinen Gelände. Angefangen

bei der «tiefsten» Lage (1’400 m ü. M.) liegt oberhalb Guttannen

direkt gegenüber der berühmten Gelmerbahn das Hotel und Naturresort

Handeck, das während der Passsaison offen ist. Die 38 Zimmer verteilen

sich auf Haupthaus, Steinhaus und Chalet. Weiter passaufwärts thront das

Hotel Grimsel Hospiz auf einem Felsvorsprung am Grimselsee – es befi -

det sich bereits auf 2’000 m ü. M. und bietet 28 Zimmer. Das historische

Viersterne-Haus ist auch im Winter geöffnet. Nochmals eine Stufe höher

liegen das Berghaus Oberaar (2’300 m ü. M.) direkt am Oberaarsee und die

Selbstversorgerhütte Bäregg beim Trübtenseeli (2’450 m ü. M.). In den

Grimselhotels arbeiten den Sommer über rund 65 Personen (davon auch

einige Lernende), im Winter sind es 25.

der Hauswirtschaft tätig. «Das Team ist

wie eine grosse Familie aus verschiedenen

Ländern», sagt Szyszka. Er fühle sich sehr

wohl. «Die Arbeit ist das wichtigste», stellt

er klar. Es mache ihm nichts aus, an einem

abgelegenen Ort zu arbeiten. Szyszka liebt

die Natur: «Bei schönem Wetter gehe ich

gerne wandern, sonst geniesse ich die Umgebung

oder lerne Deutsch.» Besonders der

Alltag der Bergbauern erinnere ihn an das

kleine Dorf in Polen, wo er gross geworden

ist. Wenn er etwas Geld gespart hat, will

Szyszka in seine Heimat zurückkehren.

Enrico Weise, Koch

Sieben Tage die Woche und oft während

24 Stunden am gleichen Ort zu sein, liegt

nicht jedem. Für die Mitarbeitenden des

Grimsel Hospiz gehört dies jedoch zum

Alltag, vor allem im Winter ist es aufwändig,

den Arbeitsplatz in der verschneiten

Winterwelt zu verlassen. Für Enrico Weise

stellt dies kein Problem dar. Zu 95 Prozent

sei es völlig okay, dann gebe es mal Zoff,

aber man finde sich immer wieder. «Wir

haben ein gutes Team und verstehen uns,

sonst würde es nicht funktionieren.» Er selber

arbeitet bereits die fünfte Saison als

Koch im Hospiz. Die Abgeschiedenheit

empfindet er nicht als belastend. «Im Gegenteil»,

sagt er, «ich liebe die Ruhe.»

Grimsel Hospiz

Winter-

Ruheoase

Winter im Grimsel Hospiz bedeutet abschalten und entschleunigen.

Tief im Schnee versunken thront das historische Haus inmitten

einer unberührten Naturlandschaft. Bereits bei der aussergewöhnlichen

Anreise mit Luftseilbahnen und durch tiefe Stollen

lässt der Gast die Alltagswelt hinter sich. Die Atmosphäre im

Hotel ist persönlich, im Kamin prasselt ein Feuer und unter dem

Sternendach wartet ein dampfender Badebottich auf den Gast.

Öffnungszeiten 23. Dezember – Ende März

(jeweils Mittwoch bis Sonntag). Preise pro

Person im Doppelzimmer CHF 155.- bis 235.-.

Doppelzimmer zur Einzelbenutzung Aufpreis

von CHF 60.-. Erlebnisanreise p.P. CHF 69.-.

www.grimselwelt.ch/grimselhotels


22

Ungeplante Zwischenfälle machen einen

Teil der Arbeit von Grimsel Hydro aus. Der

grössere Teil der Arbeiten im Bereich Instandhaltung

erfolgt über Ausschreibungen

und kann dementsprechend geplant

werden. Wobei, so weiss Maurer aus Erfahrung

– es lässt sich kaum je alles bis ins

Detail planen. «Wir versuchen natürlich

abzuschätzen, ob wir die Maschinen vor

Ort zerlegen müssen oder ob man ein Stück

ganz abtransportieren kann», erklärt Maurer.

«Manchmal trifft man auf unerwartete Begebenheiten

und dann ist Improvisationsgeschick

gefragt.» Im Falle der Schützentafeln

im Engadin ermöglichten eigens

verlegte Geleise und ein Bahnwagen die

Demontage unter engsten Verhältnissen.

Die zwei je 6,5 Tonnen schweren Eckringschieber,

die Maurer unlängst im Bündner

Kraftwerk Zervreila ausgebaut hatte,

konnten ebenfalls am Stück abtransportiert

werden. Grimsel Hydro Mitarbeiter

zerlegten sie in der Werkstatt in Innertkirgrimselwelt

· technologiezentrum

chen in ihre Einzelteile. Bis Anfang der Sommersaison sollen die

Schieber frisch revidiert wieder im Kraftwerk montiert und in Betrieb

genommen werden.

Peter Maurer kennt unzählige Kugelschieber,

Drosselklappen und Turbinen

verschiedener Wasserkraftwerke der

Schweiz. Der Montageleiter von Grimsel

Hydro ist im Auftrag der KWO häufi

auch ausserhalb der Grimselwelt unterwegs,

um Kunden bei technischen Herausforderungen

zu unterstützen.

Peter Maurers Arbeit kann ganz schön

knifflig sein – dann etwa, wenn er in einem

Kraftwerk im Engadin riesige Schützentafeln

eines Grundablasses ausbauen sollte.

Tafeln, die so gross sind, dass es auf den

ersten Blick unmöglich erscheint, sie zur

Reparatur zu entfernen. Der Montageleiter

von Grimsel Hydro ist im Auftrag der

KWO oft bei Kraftwerksbetreibern in der

Der gelernte Maschinenschlosser mag das Tüfteln ganz besonders.

Am besten gelinge es ihm beim Frühstück oder auch abends spät,

weg von der eigentlichen Baustelle, besondere Probleme zu lösen

und Ideen zu entwickeln. So oder so seien alle Monteure gut beraten,

lieber dreimal hinzuschauen, nachzufragen und sehr gut zu

überlegen, bevor sie einen Arbeitsschritt

ausführen. Die Maschinenteile, mit denen

sie zu tun haben, stehen oftmals unter grossem

Wasserdruck oder sind unvorstellbar

schwer. Peter Maurer sieht es als grossen

Vorteil, dass Grimsel Hydro nicht nur aus

einer Werkstatt besteht, sondern in den Betrieb

der gesamten KWO eingegliedert ist.

«Wir haben unser Wissen intern aufgebaut

und diese Erfahrungen aus erster Hand

sind unglaublich wertvoll», sagt er. Manche

aus dem Team hätten selber in den

Kraftwerken gearbeitet, bevor sie in die Montagegruppe wechselten.

Das Leben auf Montage schätzt Maurer persönlich sehr.

Auch wenn es «nicht für jeden sei», wochenweise von Zuhause

weg zu arbeiten und im Hotel zu leben. Die Auftragsdauer ist oft

lang oder man ist wiederholt bei gleichen Kraftwerken im Einsatz.

So arbeitete er zum Beispiel über einen Zeitraum von fünf Jahren

stets wieder im St. Gallischen Taminatal im Kraftwerk Mapragg.

«Mit der Zeit kennt man die Leute dort und fühlt sich auch richtig

zuhause», sagt Maurer.

DIE WASSERKRAFTWERK- WISS

Technologiezentrum Wasserkraft

Grimsel Hydro ist eine Marke der KWO, Kraftwerke Oberhasli AG,

unter der die Leistungen des Technologiezentrums Wasserkraft

angeboten werden. Grimsel Hydro ist Ansprechpartner für

Wasserkraftbetriebe im In- und Ausland. Das Angebot umfasst

Dienstleistungen in den Bereichen Service & Betrieb, Instandhaltung

& Reparaturen, Engineering & Entwicklung und ökologische

Beratung & Begleitung. www.grimselhydro.ch

«Powertage»

5. bis 7. Juni 2018 · Messe Zürich · Halle 6, Stand J04

Die Wasserkraftwerk-Wissenschaftler präsentieren sich an den

«Powertagen» und gewähren Einblick in ihre Arbeit. Die Fachleute

von Grimsel Hydro freuen sich auf Ihren Besuch.

Schweiz unterwegs. Maurer und sein Montagetrupp

von sechs bis sieben Personen

sind eine Art «fliegender Doktor» für die

Wasserkraftwerke. Wann immer ein Problem

auftaucht, notfalls auch an Wochenenden

oder Feiertagen, steht der Service von

Grimsel Hydro bei technischen Herausforderungen

zur Verfügung. Manchmal lässt

sich ein Problem bereits via Telefon lösen,

wenn nicht, rücken Mitarbeiter aus, um

sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Mechaniker

analysieren dann, ob sie die Störung

vor Ort beheben können oder ob allenfalls

ein Teil ausgebaut werden muss. Dann

wird es in die Werkstatt nach Innertkirchen

transportiert und dort revidiert.


ENSCHAFTLER

grimselwelt · tourismus 23


24

Die Gemeinde Guttannen wählt einen anderen Weg, um ihrer

Schule neues Leben einzuhauchen. Ab Sommer 2019 wird die Prigrimselwelt

· grimselgeschichten

Verlassene Schulhäuser geben ein tristes

Bild ab. Die Dörfer Gadmen, Guttannen

und Innertkirchen gehen verschiedene

Wege, wie sie den Gebäuden neues

Leben einhauchen.

Drei Schulhäuser suchen

eine neue Identität

Schulhaus Gadmen

Aus Schulzimmer werden Hotelzimmer: So soll die

Gadmer Lodge aussehen, die in Gadmen geplant ist.

Der linke Teil besteht aus einem Neubau mit Hotelzimmer

im Dreisterne-Segment, der rechte Gebäudeteil

beinhaltet die ehemaligen Klassenzimmer, die zu

Mehrbettzimmern umgebaut werden. Initialisiert hat

das Projekt die Gemeinde Innertkirchen (Visualisierung).

Was lässt sich mit einem Schulhaus anstellen, anstatt es für eine

eigentliche Schule zu nutzen? Diese Frage mussten sich die Dörfer

Gadmen und Guttannen in den letzten Jahren stellen. An beiden

Orten leben derzeit zu wenige Kinder, als dass eine eigene Schule

gerechtfertigt wäre. Die Schülerinnen und Schüler von Gadmen

gehen bereits jetzt in Innertkirchen zur Schule. In Guttannen wird

noch eine Klasse (1. bis 6. Klasse) unterrichtet, doch der Kanton

Bern hat entschieden, auch diese Klasse auf Ende des Schuljahres

2018/2019 zu schliessen. Das Schulhaus Wyler, einem Dorfteil

von Innertkirchen, ist zwar bereits länger nicht mehr als Schulhaus

in Betrieb, aber es zeugt von einer Zeit, da in den Berggemeinden

mehr Kinder aufwuchsen als heute.

Die sinkenden Schülerzahlen sind eine schmerzhafte Tatsache –

ihnen zu begegnen ist eine grosse Herausforderung für die Talschaften.

Sowohl Gadmen, das mit Innertkirchen eine Gemeinde

bildet, als auch Guttannen haben entschieden, das Schicksal in

die eigenen Hände zu nehmen und neue Ansätze zu verfolgen. Aus

dem leerstehenden Schulgebäude in Gadmen soll ein Hotel werden.

Eine neu gegründete Genossenschaft ist daran, das Projekt

auszufeilen und die Finanzierung zu sichern. Aus den ehemaligen

Klassenzimmern sollen einfache Doppel- und Mehrbettzimmer

für Sport- und Trainingsgruppen werden, Zimmer und Restaurant

im angrenzenden Neubau richten sich an Individualgäste. Die

Gadmer Lodge ist Teil der Absicht, den Tourismus im Gadmental

zu fördern. Die Gemeinde setzt auf Aktivitäten im Bereich Natur

und Sport. Die Möglichkeiten zum Wandern, Klettern, Radfahren,

Langlaufen und Skifahren sind einzigartig. Ebenso kommen

Ruhesuchende auf ihre Rechnung. Das Feriengefühl im Schulhaus

ist bereits jetzt in Wyler bei Innertkirchen zu haben. Das Gebäude

ist 2012 unter privater Trägerschaft zum Ferienhaus «Uf em

Egg» umgebaut worden und umfasst vier Wohnungen und vier

Doppelzimmer.


grimselwelt · abenteuer 25

Schulhaus Guttannen

Die nur noch von wenigen Kindern besuchte Schule

Guttannen wird zu einem alpinen Schulungszentrum

für Gruppen. Das alte Schulhaus mitten im Dorf (Bild)

soll dereinst Ess- und Schlafräume beherbergen.

marschule Guttannen ein Satellit der Privatschule NMS in Bern.

Dabei werden sich die einheimischen Schüler die bestehenden Gebäude

in Guttannen mit anderen Schulgruppen teilen. «Wir haben

so viele tolle Räume hier, ein Werkraum, ein Theaterraum, eine

Turnhalle, eine moderne Küche und vieles mehr», sagt Lehrer und

Gemeinderat Urs Zuberbühler, «diese Infrastruktur können wir

gerne teilen». Die NMS plant nicht nur, das jetzige Schulhaus zu

nutzen, sondern das alte Schulhaus, ein leerstehendes Gebäude im

Dorfkern, umzubauen und dort Schlafplätze und Essräume zu

schaffen. In Guttannen soll ein eigentliches alpines Schulungszentrum

entstehen, das sich auf MINT-Themen (Mathematik, Informatik,

Naturwissenschaft und Technik) konzentriert. Mit Partnern

wie dem Unesco Welterbe Jungfrau-Aletsch und der KWO

ist der praktische Bezug gegeben. Die umliegende Natur bildet

nicht nur einen idealen Ausgleich – so hat in Guttannen zum Beispiel

jedes Schulkind Langlaufskis und Schlittschuhe zur Verfügung,

die in Pausen und Turnstunden zum Einsatz kommen. Die

Bergwelt taugt auch für Anschauungsunterricht zu Themen wie

Natur und Klimawandel. «Mit diesem

Projekt können wir die Dorfschule halten»,

freut sich Zuberbühler, «und gleichzeitig

mit Schulungsgruppen eine neue Dynamik

im Dorf ankurbeln.»

Zusätzliche Informationen zu den

Projekten, Dienstleistungen oder

Unterstützungsmöglichkeiten

fi den Sie auf den Webseiten.

www.gadmerlodge.ch

www.schuleguttannen.ch

www.ufem-egg.ch

Schulhaus Wyler

Ferien anstatt Schule. Das Schulhaus in Wyler bei

Innertkirchen wird schon länger nicht mehr für den

Unterricht genutzt. Gäste können hier seit einigen

Jahren in Ferienwohnungen oder Doppelzimmern

ihren Urlaub verbringen.


26

grimselwelt · perspektiven

PERSPEKTIVEN

BY FISCHLIN

In der Rubrik «Perspektiven by Fischlin»

denkt der CEO der KWO, Daniel Fischlin,

laut über mögliche Projekte nach und

gewährt einen Einblick in das, was ihn

über das Hier und Heute hinaus beschäftigt.

Er hält sich dabei an sein Credo,

auch in unsicheren Zeiten auf neue Impulse

und Szenarien zu setzen.

Arbeit effizienter zu gestalten ist ein Anliegen,

das in vielen Unternehmungen

ganz oben auf der Pendenzenliste steht.

So auch bei der KWO. Einen grossen

Nutzen für den Wissenstransfer verspricht

sich Fischlin von digitalen Hilfsmitteln.

Die KWO ist ein komplexer Betrieb. Die

verschiedenen Kraftwerke und Anlagen

liegen weit auseinander und an schwer

zugänglichen Orten, sprich teilweise mitten

in einem Berg. Auf dem Weg dazu,

digitale Technologien besser einzusetzen,

ist schon nur die Ausstattung aller Anlagen

mit WLAN eine Herausforderung.

Ziel des CEO’s ist es längerfristig, alle

Mitarbeitenden mit Tablets und weiteren

digitalen Hilfsmitteln auszurüsten. Das

Fachwissen, das für den Umgang mit den

Anlagen und Maschinen nötig ist, muss

gepflegt werden und soll von Person zu

Person weitergegeben werden können.

Ein erster Schritt ist bereits getan. Seit

kurzem verfügen Mitarbeitende über ein

Smartphone mit einer eigenen KWO-App.

Die App enthält verschiedene Hilfsmittel

für den Arbeitsalltag, unter anderem

auch eine Funktion, um Mitarbeitende

im grossen Einzugsgebiet der KWO zu

orten, was die Sicherheit erhöht.

Hotel und Naturresort Handeck

Ein einzigartiges Erlebnisparadies

für Kinder.

www.grimselwelt.ch

Die Grimselwelt ist ein Engagement der KWO, Kraftwerke Oberhasli AG


grimselwelt · perspektiven 27

Tagen in den Grimselhotels

Weit weg vom Alltag.

Gut für Ihr Team.

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