Timotheus Magazin #13 - Gnade

betanienverlag

Inhalt Editorial Warum Calvinismus? (James M. Boice & Philip Ryken) – Warum die Lehren der Gnaden nicht egal sind! Souveräne Gnade (Waldemar Dirksen) – Warum die Gnade Gottes nicht beliebig ist. Martin Luther (Daniel Facius) – Die Rechtfertigungslehre des großen Reformators. George Whitefield (Benedikt Peters) – Warum die Gnadenlehren und Evangelisation sich nicht ausschließen. Gnade im Alten Testament (Andreas Münch) – Das Evangelium der Gnade im Alten Testament. Wahre Reformation … beginnt bei mir! (Jochen Klautke) – Auftakt zur Josua-Rubrik über den jungen König Josia. Buchvorstellungen

BIBELTREUES MAGAZIN FÜR JUNGE CHRISTEN · N°13 / HERBST 2013

+

Martin

Luther

Der Reformator und

die Gnadenlehre

(S. 12)

+

George

Whitefield

Sein „Geheimnis“ war

die Gande Gottes

(S. 18)

Gnade

Die unterschätzte Lehre

von der Gnade Gottes


S.4 S.8 S.12 S.18 S.20 S.26

Editorial

Gnade. Ein Wort. Eine Lehre. Unfassbar groß. Absolut

unverdient. Sie durchtränkt das ganze Evangelium. Sie

ist die Grundlage der frohen Botschaft. Dort, wo das

Gesetz gebrochen wird. Dort, wo Sünde herrscht. Dort,

wo jedes Entscheiden, Handeln und Mühen völlig

vergeblich ist. Da wird sie gebraucht. Die Gnade.

Doch es muss sie dort nicht geben. Denn dort, wo

Gesetze gebrochen, Recht und Urteil gesprochen und

Strafe getragen wird, ist der Gerechtigkeit Genüge

getan. Darin besteht nicht nur das Wesen, sondern auch

die Brutalität der Gnade: Weil Gott heilig ist, weil er

gerecht und unfehlbar ist, müssen sein Gesetz, sein

Maßstab erfüllt werden. Ein Gott ohne Gnade wäre

immer noch vollkommen heilig und vollkommen

gerecht. Die Gnade Gottes hat einen hohen Preis. Den

höchsten Preis. Diesen Preis konnte und kann keiner

bezahlen. Wie viele reiche Menschen hätten ihr gesamtes

Vermögen auf dem Sterbebett gegeben für ein

bisschen Leben, ein wenig Licht? Jedes Vermögen wäre

einfach nur lachhaft und käme nicht mal annähernd an

den „Preis“ heran. Ja, die Gnade, die Gott einfach und

unverdient schenkt, hat den höchsten Preis.

„Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen

Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose

gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus

Christus geworden.“ Dies war das Zeugnis von Johannes

dem Täufer, das die ganze Sache auf den Punkt bringt:

Gnade ist ALLEIN durch Jesus Christus „geworden“

und möglich gemacht. Allein Christus. Allein Gnade.

Solo Christo. Sola Gratia.

Hätte Gott jemals einen Menschen begnadigen

können ohne Christus? Die ganze Brutalität und volle

Wucht der Gerechtigkeit Gottes trafen Jesus Christus.

Der gefoltert wurde. Blut schwitzte. Voller Verzweiflung

im Garten Gethsemane im Gebet einen Ausweg suchte.

Fand Jesus in seiner Verzweiflung Gnade? Seine letzten

Worte – gebrochen am Kreuz – waren: „Eli, Eli, lama

sabachthani. Mein Gott, mein Gott, warum hast du

mich verlassen?“ Dabei war Er der einzige – ich wiederhole

– der Einzige, der diese Strafe nicht verdient hat.

Wenn wir von der Gnade Gottes reden, dürfen wir vom

Kreuz nicht schweigen. Das ist, was jeder Mensch

verdient hat: Strafe, unendliche Pein, ewige Dunkelheit.

Selbst wenn du dein ganzes Leben nur Gutes tun

würdest und nur eine Sünde getan hättest, wäre diese

Strafe gerecht.

Deshalb darf die Gnade keine wohlwollende Beigabe

und fromm klingende Floskel in unserer Theologie sein.

Voller Inbrunst rufen wir: „Allein deine Gnade hat mich

gerettet, Vater! Allein deine Gnade!“

Der Tod und die Auferstehung Jesu sind der Quell

der Gnade. Jede „Begnadigung“ trägt die blutgetränkte

Unterschrift Christi. Basierend auf dem Werk Christi

begnadigt Gott, wen er will. Wäre nur ein Mensch von

Gott begnadigt worden, wäre Gott immer noch der

Inbegriff der Gnade. Lauter unverdiente Gnade. Wie

arrogant unsere sündigen Mäuler rufen: „Gnade hat

jeder gleichviel verdient!“ Welche Torheit. Nichts haben

wir verdient. Hinweg mit den schändlichen Gedanken,

dass wir etwas zu unserer Errettung beigetragen hätten.

Hinweg mit dem sündigen Aufruf: „Deine Entscheidung

ist entscheidend.“ Hinweg mit unserer hochmütigen

Theologie, die den verdorbenen Menschen huldigt

und das Teuerste hinausfegt. Alles geschieht aus Gnade.

Alles. Das Glauben und das Leben. Warum ich begnadigt

wurde? Gott allein weiß es. In meiner Torheit weiß

ich nur eins: Ich bin der Letzte, der sie verdient hat.

„Wenn du erleuchtet werden möchtest, dass dein

Herz entbrenne, so werde stille und lass dir das Bild der

Gnade tief ins Herz gehen. Dann wirst du Wunder über

Wunder finden.“ Mögen diese Worte von Martin Luther

während der Lektüre dein Begleiter sein.

Peter Voth

Auf dem Cover

Foto von Eduard Bonnin

eduardbonnin.com

02 – ausgabe 13


Inhaltsverzeichnis

Autoren

der Ausgabe

WARUM CALVINISMUS? – 4


Sind die „Lehren der Gnade“ nur theologisches Beiwerk,

auf das man verzichten kann, oder steckt mehr dahinter?

J.M. BOICE† & P.G. RYKEN

Ein hilfreicher Auszug aus dem Buch „Die Lehren der

Gnade“ von Boice und Ryken. Boice starb während er

das Buch schrieb, sein Freund Ryken vollendete es.

SOUVERÄNE GNADE – 8


Warum hat die Gnade einen so wichtigen Stellenwert im

Evangelium? Am Leben von Paulus wird es deutlich.

WALDEMAR DIRKSEN

(*1982) ist derzeit Referendar in Bonn. Als Mitgründer,

Mitherausgeber und Redakteur gehört er zu den

regelmäßigen Autoren von Timotheus.

MARTIN LUTHER – 12


Es gibt wohl kein anderes Leben, das für die einfachen

zwei Worte – Gnade allein – ein größeres Zeugnis war.

dR. daniel facius

(*1981) ist Ehemann, Vater von zwei Kindern. Jurist. Er

setzt sich im Ständigen Ausschuss des Bibelbundes für

die Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift ein.

georgE WHITEFIELD – 18


Evangelisation und bedinungslose Erwählung!? Ein

Widerspruch? Whitefield beweist das Gegenteil!

BENEDIKT PETERS

(*1950) ist Ehemann und Vater von vier Kindern. Der

in der Schweiz wohnende Schwede ist als Autor und

übergemeindlicher Bibellehrer bekannt und aktiv.

Serie: Schriftgelehrt

GNADE IM ALTEN TESTAMENT? – 20


Dass Gnade vor allem auch ein Thema des Alten

Testamentes ist, zeigt das Buch Deuteronomium.

ANDREAS MÜNCH

(*1984) ist Ehemann und Pastor der MEB-Lage.

Zudem schrieb er das vielbeachtete Buch „Der wahre

Gott der Bibel“. Andreas auf Twitter: @AndreasMuench

Serie: Josia

wAHRE REFORMATION ... – 26


Im Auftakt zur neuen Serie für junge Leute, wird das

Prinzip von echter Reformation an König Josia deutlich.

JOCHEN KLAUTKE

(*1988) ist ab November Referendar in Gießen.

Nebenbei Theologiestudent an der ART in Hannover.

Regelmäßiger Blogger auf www.josiablog.de.

ausgabe 13 – 03


Schwerpunkt

LEHREN DER GNADE

»Dieser Artikel ist ein Auszug aus

dem Buch „Die Lehren der Gnade

von J.M. Boice und Philip G. Ryken.

Auf deutsch erschienen beim

Betanien Verlag (2009).«

Warum Calvinismus?

»Die Welt sollte mit zunehmender Deutlichkeit erkennen,

dass der Evangelikalismus mit dem Calvinismus steht oder

fällt.« Diese Worte schrieb der bedeutende Theologe

Benjamin Breckinridge Warfield vor über einem Jahrhundert.

Zu dieser Zeit hatte der Calvinismus noch einen

großen Einfluss auf den Evangelikalismus, ...

Text

James Montgomery Boice & Philip Graham Ryken


„Wenn das wahr ist,

dann steht oder fällt das

Evangelium mit den

Lehren der Gnade.“

... definierte seine Theologie, prägte sein geistliches

Leben und verdeutlichte seinen Auftrag. Dies ist nicht

mehr so wie früher. Man ist zunehmend der Ansicht,

dass sich der Calvinismus klar vom Evangelikalismus

unterscheidet, und während viele Calvinisten sich

weiterhin als evangelikal betrachten, stehen die meisten

Evangelikalen dem Calvinismus skeptisch gegenüber.

Auf dem ersten Blick scheint Warfields Behauptung

daher übertrieben und offenbar falsch. Dass sie in der

heutigen Gemeinde eine breite Akzeptanz finden würde,

ist zweifelhaft. Was hat Calvinismus mit Evangelikalismus

zu tun? Und warum sollte das Leben der evangelikalen

Gemeinde in irgendeiner Weise von calvinistischer

Theologie abhängen?

Auch wenn es überraschen mag: Was Warfield

behauptet, liefert die These dieses Buches: Der Evangelikalismus

steht oder fällt mit dem Calvinismus. Oder

weniger provokativ ausgedrückt: Der Evangelikalismus

braucht den Calvinismus. Das wird deutlicher, wenn

man die Etiketten entfernt. Mit „Evangelikalismus“

meinte Warfield im Wesentlichen, was die deutschen

Lutheraner mit dem Begriff „evangelisch“ ausdrückten,

als sie diese Bezeichnung während der Reformation zu

verwenden begannen: eine Gemeinde, die auf dem

Evangelium gegründet ist, auf der frohen Botschaft des

Heils durch Christi Tod und Auferstehung.

Und wenn Warfield von „Calvinismus“ sprach,

meinte er damit die protestantische Reformation und

ihren Nachdruck auf Rechtfertigung allein aus Gnade,

allein durch Glauben und allein durch Christus. Noch

einfacher ausgedrückt: Evangelikalismus steht für das

Evangelium und Calvinismus für Gnade. Somit sagte

Warfield etwas, das jeder Christ glauben sollte und

glauben muss: Das Evangelium steht oder fällt mit der

Gnade. Wie Warfield erkannte, ist das Evangelium nicht

wirklich das Evangelium, wenn es nicht ein Evangelium

der Gnade ist. Mit anderen Worten: Das Evangelium ist

nur die frohe Botschaft, wenn es verkündet, was Gott

zur Errettung von Sündern getan hat. Und wenn das

wahr ist, dann steht oder fällt das Evangelium mit den

Lehren der Gnade.

Die Gnadenlehren. Der Begriff „Gnadenlehren“ steht

für fünf verschiedene biblische Lehren, die man als

Antwort auf jene Theologie formulierte, die sich im

späten 16. Jahrhundert in Holland entwickelte. Diese

Theologie ist mit dem Namen Jakobus Arminius

(1560–1609) verbunden. Arminius und seine Anhänger

betonten den freien und somit selbstbestimmenden

Willen des Menschen, was sie anhand eines logischen

Denkprozesses dazu führte, Johannes Calvins (1509

–1564) strikte Prädestinationslehre abzustreiten, und

insbesondere seine Lehre, dass Jesus nur für die von Gott

Erwählten starb. Um auf die theologischen Abweichungen

der Arminianer zu reagieren, wurde die Synode von

Dordrecht (1618–1619) einberufen. So entstand die

Lehrregel von Dordrecht, die klassische Zusammenfassung

der fünf Gnadenlehren. Sie ist heute bekannt unter

dem Akronym „Tulip“ (engl. „Tulpe“), das aus den

Anfangsbuchstaben der „fünf Punkte des Calvinismus“

gebildet ist.

Die einzelnen Buchstaben von TULIP stehen für die

Anfangsbuchstaben der Gnadenlehren: Total depravity,

Unconditional election, Limited atonement, Irresistible

grace und Perseverance of the saints – völlige Verdorbenheit,

bedingungslose Erwählung, begrenzte Sühne,

unwiderstehliche Gnade und das Ausharren der Heiligen.

Dies sind leider nicht die klügsten oder präzisesten

Bezeichnungen für diese Lehren, aber sie sind am

weitesten verbreitet, und TULIP ist eine praktische

Erinnerungshilfe. Diese Lehren sind so wichtig, weil sie

jegliches Vertrauen auf etwaiges geistlich Gutes im

Menschen korrigieren und stattdessen das Vertrauen

allein auf Gottes Willen und Macht richten.

Obwohl diese Lehren den reinsten Calvinismus

repräsentieren, stammen sie weder von Calvin selbst,

noch charakterisieren sie ein spezielles Gedankengut

Calvins aus der Reformationszeit. Diese Wahrheiten

finden wir in den alttestamentlichen Psalmen. Jesus

selbst lehrte sie, sogar gegenüber seinen Feinden, wie in

Johannes 6 und 10 und an anderer Stelle ersichtlich ist.

Der Apostel Paulus bestätigte sie unter anderem in

seinen Briefen an die Römer und Epheser.

ausgabe 13 – 05


Daraus folgt,

dass die Gemeinde

erneut

bessere Tage

erleben wird,

wenn diese

Wahrheiten

weithin freimütig

verkündet

werden.

Augustinus trat für dieselben

Wahrheiten gegenüber Pelagius

ein, der sie ablehnte. Martin

Luther war in vielerlei Hinsicht ein

Calvinist (ebenso wie Calvin in

wichtigen Aspekten ein Lutheraner

war). Dasselbe galt auch für Ulrich

Zwingli und William Tyndale. Aus

diesem Grund ist es möglicherweise

präziser, von einer „reformatorischen“

statt einer „calvinistischen“

Theologie zu sprechen. Auch die

Puritaner waren reformierte Theologen,

und durch ihre Lehren

erlebten England und Schottland

einige der größten und weitreichendsten

landesweiten Erweckungen,

die die Welt je gesehen hat. Zu

diesen Puritanern zählten die

Erben des schottischen Reformators

John Knox: Thomas

Cartwright, Richard Sibbes, John

Owen, John Bunyan, Matthew

Henry, Thomas Boston und viele

andere. In Amerika wurden viele

Tausend von Jonathan Edwards,

Cotton Mather und George

Whitefield beeinflusst – sie alle

waren Calvinisten.

In der Neuzeit empfing die

Missionsbewegung ihre Prägung

und anfänglichen Impulse von

Gläubigen, die in der reformatorischen

Tradition standen. Die Liste

dieser Pioniere enthält solch bedeutende

Missionare wie William

Carey, John Ryland, Henry

Martyn, Robert Moffat, David

Livingstone, John G. Paton und

John R. Mott. Für all diese Männer

waren die Gnadenlehren mehr als

ein Anhängsel des christlichen

Gedankenguts; vielmehr waren sie

die zentralen Lehren, die ihre

evangelistischen Aktivitäten

anfachten und ihre Evangeliumspredigt

prägten.

Kurz gesagt, die als Calvinismus

bekannten Lehren entstanden

nicht zu einem späten Zeitpunkt in

der Kirchengeschichte, sondern

hatten ihren Ursprung bereits in

den Lehren Jesu, die in der

Gemeinde über viele Jahrhunderte

bewahrt wurden und die in großen

Glaubens- und Erweckungszeiten

charakteristisch waren. Daraus

folgt, dass die Gemeinde erneut

bessere Tage erleben wird, wenn

diese Wahrheiten weithin freimütig

verkündet werden. Wenn das wahr

ist, wird heute nichts dringender

benötigt als eine Wiederentdeckung

genau dieser fünf Lehren:

Völlige Verdorbenheit, bedingungslose

Erwählung, begrenzte

Sühne, unwiderstehliche Gnade

und das Ausharren der Heiligen

(oder wie sie in diesem Buch

exakter bezeichnet werden: radikale

Verdorbenheit, bedingungslose

Erwählung, persönliche Sühne,

wirksame Gnade und heilsbewahrende

Gnade.)

In bedeutenden glorreichen

Zeiten der Gemeinde standen diese

Gnadenlehren im Zentrum des

Denkens der Gläubigen.

06 – ausgabe 13


„So liegt es nun nicht an jemandes

Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“

Römer 9,16

Bedinungslose

Erwählung

Unconditional election

„Denn viele sind berufen,

aber wenige sind auserwählt.“

Matthäus 22,14

Wirksame

Gnade

Irresistible grace

Die „fünf Punkte“

werden aufgrund

der jeweiligen

Anfangsbuchstaben

im englischen auch

„TULIP“ genannt.

Daher die Tulpe als

Symbol für die

Lehren der Gnade.

„Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine

Mutter hat mich in Sünden empfangen.“

Psalm 51,7

Radikale

Verdorbenheit

Total depravity

„Denn mit einem Opfer hat er für immer die vollendet,

die geheiligt werden.“

Hebräer 10,14

Persönliche

Sühne

Limited atonement

„Ich habe keinen von denen verloren,

die du mir gegeben hast. “

Johannes 18,9

Bewahrende

Gnade

© Grafik: Peter Voth

Perseverance of the saints


Schwerpunkt

1. KORINTHER 15,10

»Aber durch Gottes Gnade bin ich,

was ich bin. Und seine Gnade an mir

ist nicht vergeblich gewesen,

sondern ich habe viel mehr gearbeitet

als sie alle; nicht aber ich,

sondern Gottes Gnade, die mit mir

ist.«

Souveräne Gnade

„Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“ – angesichts

seiner unrühmlichen Vergangenheit betrachtet

Paulus sein Leben als ein Werk der Gnade Gottes. Aus

einem Verfolger der Gemeinde wurde ein vollmächtiger

Apostel, dessen Leben und Dienst ein Beweis der souveränen

Gnade Gottes sind.

Text

Waldemar Dirksen


„Gott hat ihn erwählt,

ohne dass er dafür

irgendwelche Bedingungen

erfüllt hat.“

Paulus ist ein großes Vorbild, dem es nachzufolgen gilt.

Mit großem Eifer und Ernst hat er einen maßgeblichen

Beitrag zum geistlichen Aufbau der weltweiten Gemeinde

geleistet. Er selbst betont, dass er „viel mehr gearbeitet

[habe] als sie alle“. Diese Feststellung erweckt den

Eindruck, als ob Paulus sich auf ein Podest stellt und mit

stolzen Augen auf andere herabschaut. Dies war

allerdings nicht seine Absicht, da er seinem Vergleich

mit anderen eine entscheidende Bemerkung hinzufügt:

„nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.“

Paulus hat die anderen Diener weit übertroffen, aber

letztlich war sein unermüdlicher Einsatz das Resultat der

wirksamen Gnade Gottes. In einem weiteren Brief an

die Gemeinde in Korinth betont er diesen Gedanken

nochmals: „Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber,

uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern dass

wir tüchtig sind, ist von Gott“ (2. Kor. 3,5). Das Leben

von Paulus veranschaulicht in eindrücklicher Weise das

Ausmaß und die Wirksamkeit der souveränen Gnade

Gottes. Es lohnt sich, diese Gnade anhand seines Lebens

zu ergründen.

Völlige Verdorbenheit. Trotz seines vorbildlichen

Lebens bekennt Paulus seine Verdorbenheit: „Denn ich

weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts

Gutes wohnt“ (Röm. 7,18). Er sieht in seinem Inneren

alles andere als einen guten Kern, der zur Entfaltung

gebracht werden muss. Seine erschütternde Selbsterkenntnis

steht im Einklang mit dem Urteil Gottes über

das menschliche Herz, dessen „Dichten und Trachten

[...] böse von Jugend auf“ ist (1. Mose 8,21).

Unsere Herzen sind von Natur aus böse und somit

gegen den heiligen Gott gerichtet. Manche Vorgänge in

unserem Herzen treiben uns zur Verzweiflung und

rauben uns jegliche Hoffnung auf Veränderung. Die

tyrannische Herrschaft der Begierden nimmt uns die

Fähigkeit zur Selbstbestimmung, sodass wir nicht Herr

unser selbst sind und Dinge tun, die wir nicht tun

wollen. Unser innerer Zustand ist oft erbärmlich, sodass

wir mit Paulus in unserer Verzagtheit ausrufen müssen:

„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem

todverfallenen Leibe?“ (Röm. 7,24). Der Erlöser ist

allein Jesus Christus – die fleischgewordene Gnade

Gottes (vgl. Tit. 2,11). Gegen unsere Verderbtheit hilft

allein diese heilsame Gnade Gottes. Sie befähigt uns, die

verdorbene Sündennatur zu überwinden. Nach ihr

dürfen wir uns ausstrecken und sie am Thron der Gnade

erbeten. Da wir nichts Gutes aus uns selbst hervorbringen

können, soll diese Gnade Gegenstand unseres

Begehrens sein wie beim Zöllner, der im Tempel betete:

„O Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Bedingungslose Erwählung. Paulus hatte Gott

nichts anzubieten. Als Apostel erachtete er seine religiösen

Errungenschaften vor seiner Bekehrung um Christi

willen für Dreck. Zudem stellte er fest, dass in seinem

Fleisch nichts Gutes wohnt. Als religiöser Fanatiker, der

die Gemeinde verfolgte, wäre er aus menschlicher Sicht

der Letzte gewesen, Kandidat für die göttliche Erwählung

zu sein. Dennoch sagte Gott über ihn nach der

Damaskus-Stunde: „Dieser ist mein auserwähltes Werkzeug,

dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor

Könige und vor das Volk Israel“ (Apg. 9,15). Paulus hat

sich selbst nicht für den Dienst als Apostel nominiert.

Gott hat ihn erwählt, ohne dass er dafür irgendwelche

Bedingungen erfüllt hat. Ein Akt der Gnade war diese

Auserwählung, die unabhängig von vorausgesehenen

Reaktionen des Menschen ‚Paulus‘ stattfand. Denn was

hätte Gott wohl bei einem geistlich toten Eiferer wie

Paulus vorausgesehen? Ablehnung für das Evangelium!

Gottes Erwählung war auch schon im Fall des Volkes

Israel bedingungslos (vgl. 5. Mose 7,7-8). Gott erwählt,

wen er will. Diese Wahrheit hat Gott auch schon Mose

offenbart, als er zu ihm sprach: „Wem ich gnädig bin,

dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme,

dessen erbarme ich mich“ (2. Mose 33,19). Die Erwählung

lässt die souveräne Gnade Gottes im höchsten

Glanz erstrahlen. Es ist unfassbare Gnade, vom himmlischen

Vater zum ewigen Leben auserwählt zu sein. C.H.

Spurgeon beschreibt die Wirkung der Lehre von der

Erwählung: „Ich kenne nichts, absolut nichts, was

demütigender für uns ist als die Lehre der Erwählung.

ausgabe 13 – 09


Völlige

Verdorbenheit

Wirksame

Gnade

Bedinungslose

Erwählung

Bewahrende

Gnade

Bei meinen Versuchen, sie zu

begreifen, falle ich manchmal der

Länge nach vor ihr nieder. Ich habe

meine Flügel ausgestreckt und

mich wie ein Adler der Sonne

entgegen emporgeschwungen. Eine

Zeitlang blieben meine Augen fest

fixiert und meine Flügel emsig,

doch als ich mich ihr näherte und

mich dieser eine Gedanke ergriff,

„dass Gott uns von Anfang an

erwählt hat zur Rettung“, war ich

in ihrem Glanz verloren. Dieser

gewaltige Gedanke erschütterte

mich und meine Seele stürzte aus

der schwindelerregenden Höhe

herab, warf sich zerbrochen nieder

und sprach: ‚Herr, ich bin nichts,

ich bin weniger als nichts. Warum

ich? Warum gerade ich?‘“

Wirksame Gnade. Allein durch

die wirksame Gnade wurde aus

dem Verfolger der Gemeinde ein

treuer Apostel. Auf der Straße nach

Damaskus erschien ihm Jesus und

berief ihn: „Saul, Saul, was

verfolgst du mich? (...) Steh auf

und geh in die Stadt; da wird man

dir sagen, was du tun sollst“ (Apg.

9,4-6). Es war ein wirksamer Ruf,

da Paulus nach einigen Tagen in

Damaskus nicht die Gläubigen

verfolgte, sondern in den Synagogen

mit zunehmender Kraft von

Jesus predigte. Diese radikale

Richtungsänderung ist ein Beweis

der unwiderstehlichen und unbesiegbaren

Gnade Gottes. Gott

verwirklicht stets souverän seine

Heilsabsichten.

„Allein durch

die wirksame

Gnade wurde

aus dem

Verfolger der

Gemeinde ein

treuer Apostel.“

Die Rettung einer Seele ist nicht

ein von Mensch und Gott durchgeführtes

Kooperationsprojekt,

dessen Erfolg von der menschlichen

Entscheidung abhängt. Wir

müssen uns hüten, den Willen des

Menschen hochzupreisen, indem

wir behaupten: „Die Entscheidung

des Menschen ist entscheidend“.

Dies widerspricht dem Evangelium

der Gnade. Gottes Gnade allein ist

entscheidend. Seit dem Sündenfall

ist der Mensch geistlich tot in

Sünden und somit unfähig, sich

freiwillig zu Gott zu bekehren. Der

sündige Mensch ist lediglich frei

darin, seinen Neigungen zu folgen,

aber er besitzt nicht die Freiheit,

insbesondere seinen sündigen

Neigungen entgegenzutreten. Er ist

ein Sklave der Sünde, der nur

aufgrund der wirksamen Gnade

Gottes von der Herrschaft der

Sünde befreit werden kann. Ein

geistlich toter Sünder kann durchaus

das rechte Verständnis vom

Evangelium haben, aber er glaubt

ihm nicht, denn „es ist ihm eine

Torheit“ (1. Kor. 2,14). Allein aus

Gnade wird ein geistlich toter

Sünder zum ewigen Leben

erweckt, indem ihm Buße und

Glaube von oben geschenkt

werden.

Bewahrende Gnade. Paulus war

vielen physischen und geistlichen

Gefahren ausgesetzt, aber er hatte

die feste Zuversicht, dass nichts

und niemand ihn von Christus

scheiden kann: „Wer will uns

10 – ausgabe 13


Souveräne

Gnade

scheiden von der Liebe Christi?

Trübsal oder Angst oder Verfolgung

oder Hunger oder Blöße oder

Gefahr oder Schwert? (...) Aber in

dem allen überwinden wir weit

durch den, der uns geliebt hat.

Denn ich bin gewiss, dass weder

Tod noch Leben, weder Engel noch

Mächte noch Gewalten, weder

Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

weder Hohes noch Tiefes noch eine

andere Kreatur uns scheiden kann

von der Liebe Gottes, die in Christus

Jesus ist, unserem Herrn“

(Röm. 8,35-39). Paulus konnte in

den vielen Bedrängnissen ausharren,

weil Gottes bewahrende

Gnade mit ihm war.

Die wahren Gläubigen bleiben

nicht verschont von geistlichen

Gefahren. Sie „müssen durch viele

Bedrängnisse in das Reich Gottes

eingehen“ (Apg. 14,22). Aber in

dem allen überwinden sie aufgrund

der bewahrenden Gnade Gottes.

Möge es unsere Sehnsucht sein,

dass Gottes Gnadenwerk in

unserem Leben umfassend und

tiefgreifend ist. Denn es kommt

nicht darauf an, was wir für Gott

tun, sondern dass seine souveräne

Gnade in uns und durch uns zum

Lob seiner Herrlichkeit wirkt.

„Aber in

dem allen

überwinden sie

aufgrund der

bewahrenden

Gnade Gottes.“

ausgabe 13 – 11


Schwerpunkt

BIOGRAFIE

»Martin Luther (1483—1546) war der

Urheber der Reformation. Seine

Entdeckung der „Gnadenzusage“ in

der Bibel hat bedeutende Kirchenund

Weltgeschichtliche Veränderungen

mit sich gebracht.«

Martin Luther

Die Rechtfertigungslehre

Martin Luthers gilt als das

zentrale Konzept der Reformation.

Ein ganz entscheidender Baustein

dieser Lehre ist die Betonung

der Gnade Gottes.

Text

Daniel Facius


Die Lutherrose (hier in den Originalfarben) war das Siegel Martin Luthers, das er seit 1530 für

seinen Briefverkehr verwendete. Für Luther war es ein Ausdruck seiner Theologie. Nicht nur

die einzelnen Elemente, sondern auch die Farben spielten eine wichtige Rolle. So schrieb er

einmal u.a. über das Siegel: „Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rosen stehen, anzuzeigen,

dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein.“

„Wie bekomme ich einen

gnädigen Gott?“

Jeder Entdeckung, jedem Fortschritt, jeder kleinen wie

großen Reformation geht letztlich das Stellen der richtigen

Frage voraus. Der junge Martin Luther, nach seinen

Studien in Erfurt eigentlich auf eine juristische Karriere

festgelegt, war mit Anfang zwanzig eher unverhofft als

geplant im Kloster gelandet. 1 Luther wählte dabei das

Erfurter Kloster des erst Mitte des 13. Jahrhunderts von

Papst Alexander IV. ins Leben gerufenen Ordens der

Augustiner-Eremiten, ein Kloster, das innerhalb der

Gemeinschaft als „observantes“ (d.h. strenges) Kloster

galt, weil es die Ordensregeln besonders streng befolgte.

Schon diese Wahl Luthers zeigte: Er meinte es ernst. Es

ging ihm nicht primär darum, sein Aus- und Weiterkommen,

seine Karriere sicherzustellen, sondern um

etwas viel Grundlegenderes. Es ging ihm um die Frage:

Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?

Die Sackgasse religiöser Leistungen. Als Antwort

auf diese Frage bot die Kirche des Mittelalters eine

Menge religiöser Leistungen an. Insbesondere im

Kloster konnte man viel tun, um vor Gott gerecht zu

werden. So gab es zahlreiche Stundengebete, die den

ganzen Tagesablauf bestimmten (beginnend mit der

Matutin mitten in der Nacht, gefolgt von Prim, Terz,

Konventsmesse und Sext, Ruhestunde, Non, Vesper und

Complet), und das strenge Befolgen dieser Messen, das

Beten der vorgeschriebenen Gebete 2 galt als Weg, um

Sünden zu büßen, Gott gnädig zu stimmen und das

Heil zu erlangen. Doch obwohl sich Luther größte

Mühe gab, alle diese Pflichten gewissenhaft zu erledigen

(bei seinen Mitmönchen hatte er den Ruf, „er wolle

zwölf Kegel treffen, wo doch nur neun dastünden“), 3

ließ sich seine Seele einfach nicht beruhigen. Ihm fehlte

bei diesen „Flattergebeten“ die Gewissheit des Herzens,

die Fähigkeit, das Amen auch getrost zu sprechen. 4 Da

er aber zunächst keine Alternativen sah, wurde er immer

strenger gegen sich selbst, und je strenger er wurde,

umso mehr Fehler entdeckte er an sich. Fehler wiederum

mussten alle gebeichtet werden, und von dieser

Möglichkeit machte Luther reichlich Gebrauch, zum

Teil sechs Stunden lang: „Da war solch ein Laufen, daß

man sich nimmer konnt satt beichten“. 5 Was blieb, war

Verunsicherung: Wann hatte man genug getan? Würde

Gott tatsächlich vergeben? „Wenn je ein Mönch mit

seinen Anstrengungen ans Ziel gekommen ist, dann

hätte das auch bei mir der Fall sein müssen“, sagt

Luther 6 und erinnert damit an die Selbsteinschätzung

des Pharisäers Paulus (Philipper 3,4ff.). Da klingt die

Erkenntnis durch: Dieser Weg der Werkgerechtigkeit ist

eine Sackgasse. Es sollte aber noch einige Zeit dauern,

bis Luther einen Ausweg aus dieser Misere fand. Gerade

die biblischen Vorlesungen Luthers, die er nach seinem

Theologiestudium an der Universität Wittenberg hielt,

führten nach und nach zu seiner reformatorischen

Entdeckung. 7

Die „zuvorkommende“ Gnade. Schon in seiner ersten

Psalmenvorlesung (1513–1515) wird erkennbar, dass

Luther von dem Gnadenverständnis seiner Zeit

abzuweichen beginnt. Ein Grundsatz der herrschenden

scholastischen Theologie 8 lautete nämlich: „Facienti

quod in se est, Deus non denegat gratiam“: „Wer tut,

was an ihm ist, dem versagt Gott die Gnade nicht“.

Gnade ist hier eine Reaktion Gottes auf das, was der

Mensch leistet. 9 Luther dagegen beginnt vorsichtig,

diesen Zusammenhang zwischen Werken und Gnade

aufzubrechen. So formuliert er in seiner Psalmenvorlesung:

„Wer sich selbst ungerecht vorkommt und so

demütig vor Gott ist, dem schenkt Gott seine Gnade.“ 10

Hier ist es nicht mehr die Anstrengung des Menschen,

sondern dessen Einsicht in seine eigene Ungerechtigkeit,

die auf Gottes Gnade rechnen kann, ein Gedanke, der

auch dem Apostel Petrus nicht fremd ist (1. Petrus 5,5).

In der anschließenden Römerbriefvorlesung (1515/16)

folgt dann eine für Luther typische, sehr deutliche Kritik

an der herrschenden Gnadenlehre: „Daher ist es reiner

Wahnsinn, wenn man behauptet, der Mensch könne aus

eigenen Kräften Gott über alle Dinge lieben und die

gebotenen Werke tun (…). O ihr Toren, o

Sautheologen!“ 11

Nunmehr wendet sich Luther mehr und mehr dem

Kirchenvater Augustinus zu, der die Rolle der Gnade in

ausgabe 13 – 13


„Nur die Gnade scheidet ja die

Erlösten von den Verdammten ...“

seinen Schriften gegen Pelagius 12

herausgestellt hat. Dort vertrat

Augustinus die Auffassung, dass ein

Mensch die Gebote Gottes unabhängig

von der Gnade nicht halten

könne und sich ihnen auch nicht

aus freiem Willen zuwenden

könne. In ähnlicher Weise formuliert

Luther in seiner Anmerkung

zu Römer 9,21: „Nur die Gnade

scheidet ja die Erlösten von den

Verdammten, die ein gemeinsamer,

auf die (menschliche) Abstammung

zurückgehender Anlass (d.h.

der Sündenfall) beide zu einer

einzigen, der Verdammung verfallenen

Masse verschmolzen hat.

(…) Hier aber lernt er, dass es die

Gnade ist, die ihn wieder aufrichtet,

früher als sein ganzer Wille und

über sein eigenes Wollen hinaus“. 13

Ebenso äußert sich Luther in seiner

Hebräerbriefvorlesung (1517/18):

„Das Wollen und Bitten, das

Suchen oder Anklopfen ist ein

Geschenk der zuvorkommenden

Gnade, nicht das Ergebnis unseres

Willens.“ 14 Hier wird die Gnade

als eine „zuvorkommende“ Gnade

geschildert, die dem Willen des

Menschen vorausgeht 15 und den

Menschen befähigt, sich Gott

zuzuwenden. 16

Gnade und Gerechtigkeit

Gottes. Während seiner Vorlesungen

formuliert Luther auch ein

neues Verständnis des Begriffs der

„Gerechtigkeit Gottes“. Wo die

„Gerechtigkeit Gottes“ für Luther

zunächst in der Vergeltung, in dem

Gericht über das Böse bestand

(und ihn so zur Verzweiflung

trieb), entfaltete er die Bedeutung

des Begriffes parallel zu seinem

Gnadenverständnis weiter. In der

ersten Psalmen- und dann auch in

der Römerbriefvorlesung beschreibt

er die Gerechtigkeit Gottes

als Akt, mit dem der Mensch sich

selbst richtet und so das Urteil

Gottes vorwegnimmt (ein demütiges

Verhalten, dem dann die Gnade

folgt). Nach diesem Verständnis

dient das Evangelium dazu, die

Sünde des Menschen aufzudecken

– und Jesus ist wenig mehr als ein

besonderes Vorbild in gelebter

Demut. In der Hebräerbriefvorlesung

dagegen entwickelt er dieses

Konzept noch einmal weiter. Jetzt

bedeutet Gerechtigkeit Gottes

keine richtende Tätigkeit Gottes

oder des Menschen, sondern ein

gnädiges Anrechnen der Gerechtigkeit

Gottes im Glauben an Jesus.

Dabei geht er in einer zuspitzenden

Anmerkung zu Hebräer 7,1 so

weit, die Begriffe „Gerechtigkeit

Gottes“ und „Gnade“ gleichzusetzen:

„Hier ist anzumerken, dass die

Begriffe „Gerechtigkeit“ und

„Friede“ in der Heiligen Schrift

immer im Sinne von Gerechtigkeit

Gottes und Frieden Gottes verstanden

werden, und zwar so, dass

„Gerechtigkeit“ gerade die Gnade

meint, durch die der Mensch

gerechtfertigt wird.“ 17

Gottes Gerechtigkeit ist Gnade, der

gerechte Gott ist der gnädige Gott

– es ist nicht schwer zu sehen, dass

das eine wahrhaft gute Nachricht,

tatsächliches „Evangelium“ für

Luther sein musste. Klar und

vollendet zum Ausdruck kommt

dieses neue Verständnis der

Gerechtigkeit Gottes in einer

Predigt, die Luther am 28. März

1518 in der Wittenberger Stadtkirche

hielt. 18 Hier beschreibt er die

Gerechtigkeit Gottes als Christusgerechtigkeit,

die dem Menschen

durch den Glauben an Christus

zuteil wird. Dieses Verständnis hält

Luther schon kurze Zeit später für

„kanonisch“, 19 also für einen

verbindlichen Lehrsatz, und im

Rückblick beschreibt er es als den

zentralen reformatorischen Durchbruch:

„Damals hatte ich die Heilige

Schrift schon sieben Jahre lang

aufs fleißigste privatim und öffentlich

gelesen und gelehrt, so dass ich

fast alles auswendig konnte; dann

hatte ich auch die Anfänge der

Erkenntnis und des Glaubens an

Christus gewonnen, nämlich: dass

wir nicht durch Werke, sondern

durch den Glauben an Christus

gerecht und selig werden.“ 20

Gnade allein durch den Glauben.

Nun war dieses Verständnis

von Gerechtigkeit und Gnade

schon an und für sich sehr

zugespitzt formuliert. Luther ging

aber noch weiter, da er sich nicht

mit der Behauptung begnügen

wollte, dass die Gnade zur Rettung

des Menschen führt. Er bestand

vielmehr darauf, dass es allein die

Gnade sei, die das Heil bewirkt.

14 – ausgabe 13


„Diese Buchstaben sehen die

Eselsköpfe an ...“

Damit verbunden war eine Absage

an die gängigen Konzepte, die zwar

die Gnade betonten, aber von einer

Mitwirkung des Menschen ausgingen.

Insbesondere katholische

Vorstellungen von der verdienstvollen

Wirkung frommer Werke,

der Taten der Heiligen und der

Rolle der Kirche wurden durch

dieses Konzept attackiert. So

wundert es nicht, dass Luthers

Übersetzung von Römer 3,28 für

Aufregung sorgte: „So halten wir

nun dafür, dass der Mensch gerecht

wird ohne des Gesetzes Werke,

allein durch den Glauben“. Luthers

Gegner warfen ihm vor, das Wort

„allein“ ergänzt zu haben, das im

Grundtext tatsächlich fehlt. Seine

Verteidigung bestand darin, auf

den Sinn des Textes zu verweisen:

„Ebenso habe ich hier, Römer 3, 28

sehr wohl gewusst, dass im lateinischen

und griechischen Text das

Wort „solum“ nicht stehet und

hätten mich solches die Katholiken

nicht zu lehren brauchen. Wahr

ist's: Diese vier Buchstaben s-o-l-a

stehen nicht drinnen. Diese Buchstaben

sehen die Eselsköpfe an, wie

die Kühe ein neues Tor, sehen aber

nicht, dass die Absicht des Textes

gleichwohl das „sola“ in sich hat,

und wo mans klar und deutlich

verdeutschen will, so gehöret es

hinein.“ 21

Paulus schreibt doch, so

Luthers Argumentation, ganz klar

in den vorangehenden Versen, dass

der Mensch „ohne Verdienst“

einfach nur aus Gottes Gnade

gerecht werde (Römer 3,24) durch

die Erlösung, die Christus bewirkt

hat.

Und in Vers 27 fragt Paulus

rhetorisch, wo angesichts dessen

das Rühmen bleibe. Die Antwort

ist klar: „Es ist ausgeschlossen“

durch das Gesetz des Glaubens.

Paulus stellt „Glaube“ und Werke“

als Gegensätze dar und verwirft die

Werke. Was also kann außer dem

Glauben noch übrig bleiben?

„Denn daran ist Paulus ganz und

gar gelegen, dass er allen Menschen

die Gnade notwendig erscheinen

lässt. Wenn sie aber von sich aus

etwas anfangen könnten, wäre die

Gnade nicht nötig. Nun aber, weil

sie es nicht können, ist ihnen die

Gnade nötig.“ 22

Gnade und der unfreie Wille.

Luther wendet sich aber nicht nur

gegen die Rolle der Werke bei der

Errettung, sondern auch gegen die

Fähigkeiten des menschlichen

Willens. Auch hier folgt er im

Wesentlichen der Lehre von

Augustinus. In diesem Zusammenhang

kam es zu einer sehr emotional

geführten Diskussion mit dem

Humanisten Erasmus von Rotterdam,

der 1524 sein Werk „Über

den freien Willen“ veröffentlichte

und damit Luthers Gnadentheologie

angriff. So verteidigte Erasmus

den freien Willen des Menschen als

„die Kraft, durch die sich der

Mensch dem zuwenden oder

davon abwenden kann, was zum

ewigen Seelenheil führt.“ 23

Er zitiert zahlreiche alttestamentliche

Stellen, die von einer Wahlmöglichkeit

des Menschen in

Bezug auf das Heil sprechen und

argumentiert, dass ein Ruf zur

Umkehr unsinnig würde, wenn

dem Menschen eine solche gar

nicht möglich wäre. Auch sprächen

die Evangelien davon, dass ein

Mensch sich Lohn bei Gott

erarbeiten könne, und Belohnung

wie auch Bestrafung sei nur dann

gerecht, wenn der Mensch für sein

Handeln verantwortlich sei. Auch

wenn also nach Erasmus’ Auffassung

die Gnade den Anstoß zum

Heil gibt, müsse der menschliche

Wille mit ihr zusammenwirken.

Luther tritt dieser Auffassung klar

entgegen: „Ich beschwöre dich: was

kann klar und deutlich zu Gunsten

der Gnade und gegen den freien

Willen gesagt werden, wenn das

Wort des Paulus (Römer 3,28;

11,6) nicht klar und deutlich ist?

Er bedient sich eines Vergleichs

und rühmt die Gnade gegenüber

den Werken; dann sagt er mit den

klarsten und schlichtesten Worten,

dass wir ohne Verdienst gerechtfertigt

werden und dass Gnade nicht

Gnade ist, wenn man sie durch

Werke erwerben kann.“ 24 In

Luthers Theologie werden „Werke“

und „Willen“ also gleichgesetzt.

Alles, was Paulus gegen die Rolle

der Werke schreibt, ist für Luther

auch gegen die Rolle des Willens

geschrieben. Der Mensch kann

sich daher seine Rettung nicht nur

nicht verdienen, er kann nicht

einmal gerettet werden wollen.

Damit ist der Widerspruch des

Reformators gegen die römische

Theologie der menschlichen

Verdienste auf die Spitze getrieben,

wobei sich Luthers Nachfolger der

Radikalität dieser Auffassung nicht

vollständig anschlossen und sich

Erasmus mehr annäherten, als es

der Reformator gebilligt hätte. 25

Gnade und Gesetz. Es überrascht

nicht, dass das Gesetz für Luther

nunmehr nur noch den Sinn haben

konnte, den er am eigenen Leib

erfahren hatte: in die Verzweiflung

zu führen, um auf die Notwendigkeit

der Gnade hinzuweisen. Die

strenge Unterscheidung zwischen

dem Gesetz auf der einen und dem

ausgabe 13 – 15


„Die Gnade

sagt: „Glaube

an den“, und

schon ist es

getan.“

MARTIN LUTHER

Evangelium auf der anderen Seite

ist für ihn geradezu der Schlüssel zu

jedem richtigen Verständnis der

Bibel: „Denn Christus ist des

Gesetzes Ende; wer an den glaubt,

der ist gerecht“, schreibt Paulus in

Römer 10,4 und bezeichnet das

Gesetz in Galater 3,24 als „Zuchtmeister

auf Christus hin.“ In

Luthers Worten: „Das Gesetz will,

dass es gehalten werde. Gehalten

werden aber kann es nicht ohne die

Gnade und so zwingt es uns dazu,

die Gnade zu suchen.“ 26

Luthers Frage, wie man einen

gnädigen Gott bekommt, hatte

damit eine Antwort erhalten, mit

der die Fragestellung selbst als

falsch entlarvt wurde. Denn hier

wurde nach etwas gefragt, was der

Mensch tun kann, wie auch die

Volksmenge Jesus fragte, was sie

tun solle, um Gottes Werke zu

wirken (Johannes 6,28). Die

Antwort Jesu lautete: „Das ist

Gottes Werk, dass ihr an den

glaubt, den er gesandt hat.“ So

wird die Frage nach dem Tun des

Menschen mit einer Antwort

beschieden, die von dem Tun

Gottes spricht. Und so fasst Luther

auch prägnant seine Auffassung zur

Bedeutung der Gnade zusammen:

„Das Gesetz sagt: „Tue das“, und es

geschieht doch niemals. Die Gnade

sagt: „Glaube an den“, und schon

ist es getan.“ 27

16 – ausgabe 13


Nachempfundenes Gemälde von

Karl Aspelin (1857-1922), das Martin

Luther beim Verbrennen der

päpstlichen Bulle (Urkunde des

Papstes mit Bannandrohung) in

Wittenberg zeigt (am 10. Dezember

1520). Daraufhin verhängt der Papst

den Bannfluch über Martin Luther.

ausgabe 13 – 17


Schwerpunkt

BIOGRAFIE

»George Whitefield (1714—1770) war

englischer Geistlicher. Sein

Vermächtnis als Evangelist und

Theologe während der „Großen

Erweckung“ ist bis heute prägend

und beispielhaft.«

George Whitefield

Es gibt wohl kaum einen eifrigeren Evangelisten in der

Kirchengeschichte als George Whitefield. Für manche

verwunderlich, war im Zentrum seiner Theologie und

Verkündigung die Gnadenlehre. Whitefield ist ein leuchtendes

Beispiel dafür, dass sich Evangelisation und „Erwählungslehre“

nicht widersprechen. Ganz im Gegenteil.

Text

Benedikt Peters


„Denn von ihm und durch ihn und

für ihn sind alle Dinge; ihm sei die

Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“

Römer 11,36

Auf den Grundtatsachen der

Gnade und der Rechtfertigung

allein aus dem Glauben baute

Whitefield seine Glaubenslehre

auf, die er bis an sein Lebensende

festhielt und zum Segen unzählbarer

Menschen predigte. Es waren

dies die Lehren, welche der

reformatorischen Botschaft die

ungeheure Kraft gegeben hatten,

und es waren dies die Lehren,

welche hundert Jahre später

Scharen von Gottesmännern der

englischsprachigen Welt wie John

Bunyan mit heiliger Leidenschaft

erfüllt und zu Zeugen des Evangeliums

gemacht hatten im Angesicht

von Verfolgungen, Gefängnissen

und Vertreibungen. Was ist denn

das Geheimnis der Kraft dieser

Wahrheiten? Dies: Sie machen den

Menschen klein und Gott groß. Sie

erklären den Menschen für so

verderbt, dass er das Gute weder

will noch vermag, sein Herz für so

verfinstert und seinen Willen für so

versklavt, dass er die Finsternis, die

Sünde und die Hölle hundertmal

dem Licht, dem Leben, der Heiligkeit

und dem Himmel vorzieht.

Wie die Reformatoren und die

Puritaner war Whitefield von der

radikalen und totalen Verderbtheit

des Menschen überzeugt und daher

auch von der Tatsache, daß der

Mensch selbstgewählt in der

Gottesferne bleibt und hoffnungslos

in die Hölle fährt, wenn ihn

Gottes freie Gnade nicht heimsucht

und rettet. Beides, das

Wissen um unsere totale Verderbtheit

und um die durch nichts

verdiente und allein in Gott

begründete Gnade, erzeugte in ihm

eine unermessliche Dankbarkeit,

eine Dankbarkeit, die nicht anders

befriedigt werden konnte, als in

hemmungsloser Hingabe an diesen

großen Gott und Retter. Die

»doctrines of grace«, die Lehren der

Gnade, oder genauer gesagt: Der

Gott aller Gnade, den diese Lehre

verkündigt, hatte Whitefield

überwältigt. Von dessen Gnadenwillen

bezwungen, konnte und

wollte Whitefield für den Rest

seines Lebens nichts anderes, als

dem Gott leben, der ihn erwählt,

gesucht, gerufen, gerechtfertigt

und verherrlicht hatte (Röm 8,30).

Er schrieb wenige Jahre nach seiner

Bekehrung in sein Tagebuch: „I

have thrown myself blindfold into

His Almighty Hands – ich habe

mich blind in seine allmächtigen

Hände geworfen.“ Er schrieb

einem Freund, als er an Bord des

Küstenschiffes Mary and Ann war,

das ihn zum zweiten Mal nach

Schottland brachte: „Ich bin ganz

aufgelöst, wenn ich daran denke,

dass ein solch erbärmlicher Wicht

wie ich berufen sein sollte, das

Ewige Evangelium zu predigen. Ich

falle oft unter dem Eindruck von

Gottes unterscheidender Barmherzigkeit

nieder und rufe, von Ihm

überwältigt: „Warum mich, Herr,

warum mich?“ O mein Bruder, hilf

mir, das Lamm zu preisen, welches

die Sünde der Welt wegnimmt!“ Es

war das Erscheinen der Gnade

Gottes, die ihn erzog, alle Weltlichkeit

zu verleugnen und in radikaler

Gottseligkeit zu leben (Tit 2,11); es

war die Gnade, die ihn stark

machte (2Tim 2,1), sein Leben im

Kampf und in der Arbeit im

Evangelium restlos aufzubrauchen.

Wenn es außer Paulus noch ein

zweites Monument von der alles

bezwingenden Macht der Gnade

Gottes gibt, dann ist es George

Whitefield. Wie der Apostel in 1.

Korinther 15,10 hätte auch er

sagen können: „Durch Gottes

Gnade bin ich, was ich bin. Und

Seine Gnade ist nicht wirkungslos

gewesen, sondern ich habe viel

mehr gearbeitet als sie alle – das

war aber nicht ich, sondern die

Gnade Gottes, die mit mir war.

Gott gebe, dass ich nicht vergesse,

dass ich erst vor kurzer Zeit ein

gemeiner Zapfgeselle war in einem

Wirtshaus, und dass ich, wäre ich

nicht durch Gottes Gnade mit

unwiderstehlicher Gewalt von da

herausgezogen worden, jetzt unter

allen Lebenden der haltloseste

Schuft wäre.“ „… der haltloseste

Schuft …“ Das ist die Sprache des

echten Kindes der englischen

Reformatoren und der Puritaner.

Sie erinnert an John Bradford,

einen der Märtyrer unter Maria der

Blutigen, der Katholischen, den

man rufen hörte, wenn er einen

„Aber nun weiß

ich, daß Er die,

die Er liebt, bis

ans Ende liebt.“

Verbrecher sah, der zur Richtstätte

geführt wurde: „But for the grace

of God, there goeth John Bradford!

– Dort geht John Bradford – wäre

Gottes Gnade nicht.“

Und wenn Whitefield sagt,

Gottes Gnade habe ihn unwiderstehlich

vom Wirtshaus zur Kanzel

gezogen, dann ist das auch ein

Widerhall des Glaubens und des

Bekenntnisses John Bunyans, des

armen Kesselflickers und christlichen

Dulders von Bedford, der

zum meistgelesenen und meistübersetzten

Schriftsteller englischer

Zunge wurde. Er nannte seine

kurze autobiographische Schrift

nicht umsonst „Grace Abounding

for the Chief of Sinners – überströmende

Gnade für den vornehmsten

der Sünder.“ Whitefield

schreibt an einen Pastor in Bath:

„Wäre die Liebe meines Meisters

nicht wie Er selbst unendlich, wäre

ich längst von Ihm verworfen

worden. Aber nun weiß ich, daß Er

die, die Er liebt, bis ans Ende

liebt.“ So hatte Whitefield

geglaubt, so hatte er gelebt, so hatte

er gepredigt, und so waren die

Auswirkungen gewesen. Der

Apostel Paulus sagte einmal in

einer Abschiedsrede vor den

Ältesten einer Gemeinde, die

durch ihn entstanden war: „Ich

nehme keine Rücksicht auf mein

Leben, als teuer für mich selbst, auf

dass ich meinen Lauf vollende und

den Dienst, den ich von dem

Herrn Jesus empfangen habe, zu

bezeugen das Evangelium der

Gnade Gottes (Apg 20,24).“

Ich wüsste nicht, wie man das

Leben und den Dienst George

Whitefields, des Verkündigers des

Evangeliums der Gnade Gottes,

treffender umschreiben könnte.

(Aus „George Whitefield - Der

Erwecker Englands und Amerikas“

von Benedikt Peters, erschienen bei

CLV)

ausgabe 13 – 19


GNADE IM

ALTEN TESTAMENT?

Gnade? Im Alten Testament? Wirklich? Für viele scheint

es widersprüchlich zu sein. Gesetz ja, aber doch keine

Gnade. Die meisten Menschen wären überrascht, wenn sie

wüssten, was uns das Alte Testament über die Gnade

Gottes zeigt. Besonders das 5. Buch Mose wirft ein Licht

auf die befreiende Gnadenlehre, die jeden von uns betrifft.

Text

Andreas Münch


SCHRIFTGELEHRT

— ¬ —

DIE RUBRIK ZUM

ALTEN TESTAMENT


„Die Theologie der

Apostel, die wir in den

Briefen des Neuen

Testamentes finden, hat

ihre tiefsten Wurzeln in

diesem Buch.“

Deuteronomium, auch bekannt als das 5. Buch Mose,

kann als das wichtigste Buch im Alten Testament

angesehen werden! Mit Sicherheit zählt es zu den

einflussreichsten Büchern der Bibel und der theologischen

Literatur überhaupt. Jesus zitierte mehr aus

Deuteronomium als aus den anderen Büchern des Alten

Testamentes. Nach den Psalmen und Jesaja ist es das am

meisten zitierte Buch der Bibel (über 50-mal).

Was macht dieses Buch so besonders? Nun, es

vermittelt uns in einzigartiger Weise die Grundlage einer

wahren Gottesbeziehung. Jede echte Beziehung mit dem

lebendigen Gott beruht auf den Prinzipien von Deuteronomium

zugrunde! Und diese Prinzipien haben die

Gnade Gottes als Grundlage.

Warum hören wir dann so wenig aus diesem Buch

von unseren Kanzeln? Nun, auch ich muss zugeben, dass

ich dieses Bibelbuch in der Vergangenheit vernachlässigt

habe. Oftmals war Deuteronomium für mich nichts

weiter als der notwendige Abschluss der Thora und die

Verbindung zu den nachfolgenden Geschichtsbüchern.

Wahrscheinlich bin ich damit nicht der Einzige. Mit

dieser Feststellung lag ich auch nicht daneben. Ich hatte

lediglich nicht die volle Tragweite dessen verstanden.

Ohne die Botschaft des Buches Deuteronomium

haben die Glaubensbekenntnisse der Psalmen und die

Predigten der Propheten keinerlei Grundlage. Schauen

wir uns das einmal genauer an.

Die besondere Stellung von Deuteronomium im

Alten Testament. In Genesis (1. Buch Mose) lesen wir

von der Schöpfung, dem Sündenfall und den Taten

Gottes, beginnend mit Abraham, sich ein Volk zu

erschaffen – Israel. In Exodus (2. Buch Mose) lesen wir

insbesondere vom Charakter Gottes und wie dieser sich

ausdrückte durch die 10 Plagen, dem Auszug aus Ägypten

und der Gesetzgebung am Sinai. Levitikus (3. Buch

Mose) ist eine Lehrstunde über die Heiligkeit Gottes

und ergänzt Exodus. In Numeri (4. Buch Mose) sehen

wir die Abhängigkeit des Gottesvolkes von der Gnade

Gottes. Israel blieb trotz all der Gottesoffenbarungen

zum Großteil ungläubig und widerspenstig, so dass Gott

sie durch viele Strafen und Prüfungen läuterte. Dennoch

gab Er sie nicht völlig auf. Nach 40 Jahren Wüstenwanderung

war es an der Zeit, mit der nächsten Generation

einen Neuanfang zu machen. Kurz vor der Landeinnahme

erneuerte und bestätigte Gott die Bundesbeziehung

mit Seinem Volk. Er lehrte sie und uns, was die wahre

Bedeutung davon ist, wenn Er spricht: „Ich bin der

HERR, dein Gott!“ Davon handelt, kurz gesagt, Deuteronomium.

In den nachfolgenden Geschichtsbüchern lesen wir

von den praktischen Auswirkungen dieser Bundesbeziehung

am Beispiel Israels, sowohl von der angenehmen

als auch von der unangenehmen Seite (Segen und

Fluch). Wenn die Psalm-Schreiber ihre Freude, ihr Leid,

ihre Bitten und Flehen Gott gegenüber zum Ausdruck

brachten, dann deshalb, weil Jahwe, der HERR, ihr

persönlicher Gott war, der mit ihnen einen Bund

geschlossen hatte. Die Kernaussage der hebräischen

Weisheitsliteratur besagt: „Die Furcht des HERRN ist

der Weisheit Anfang; und Erkenntnis des allein Heiligen

ist Einsicht“ (Sprüche 9,10).

Es ist die Liebe zu seinem Bundesgott, die den

Gläubigen dazu motiviert, ein Ihm wohlgefälliges und

dementsprechend weises Leben zu führen. Sofern die

Propheten das Volk zur Buße aufriefen, dann nur

deshalb, weil sie den Bund aus Deuteronomium gebrochen

hatten. Der Segen, den die Propheten vorhersagten,

gründete sich auf die einmal gegebenen Verheißungen

in diesem Buch.

Die Evangelisten des Neuen Testamentes beschrieben

mit ihren Darstellungen des Lebens Jesu und der

Gründung der Gemeinde die Erfüllungen und Auswirkungen

der Verheißungen, die Gott bereits in Deuteronomium

gab. Die Theologie der Apostel, die wir in den

Briefen des Neuen Testamentes finden, hat ihre tiefsten

Wurzeln in diesem Buch. In der Offenbarung lesen wir

schließlich, wie das grandiose Ziel erreicht wird: das

ewige Leben in der herrlichen Gegenwart unseres

Gottes. Von Ihm wird gesagt: „Denn ein barmherziger

Gott ist der HERR, dein Gott. Er wird dich nicht aufgeben

und dich nicht vernichten und wird den Bund

22 – ausgabe 13


deiner Väter nicht vergessen, den er ihnen geschworen

hat“ (Deuteronomium 4,31). Am Ende der Zeiten,

wenn die Gläubigen der Jahrtausende im Himmel

versammelt sein werden, wird die in Deuteronomium

versprochene Gnade vollständig sichtbar werden.

Deuteronomium ist das Dokument, in welchem der

Gott des Himmels und der Erde jedem wahren Gläubigen

schriftlich Seine ewige Treue und Gnade zusichert.

Das 5. Buch Mose ist kein altes jüdisches Schriftstück

ohne Bedeutung für uns im 21. Jahrhundert. Die

Botschaft ist für uns unverzichtbar, was ich dir nun im

Folgenden zeigen möchte.

Die Gnade als Grundlage der Gottesbeziehung.

Wir finden in Deuteronomium 3 wichtige Prinzipien,

die jede Gottesbeziehung kennzeichnen und ihre

Grundlage in der Gnade Gottes haben.

1. Es ist Gnade, dass Gott eine Beziehung mit uns

Menschen will. Die meisten Menschen würden mich

wohl komisch anschauen, wenn ich ihnen sagen würde,

dass ich eine persönliche Beziehung zu Gott habe.

Insbesondere, wenn ich das weiter ausführen würde und

mich zu Jesus Christus als meinem Gott bekennen

würde, wären belächelnde Blicke die Antwort. An einen

Gott glauben, ja, das tun viele. Aber eine persönliche

Beziehung zu seinem Gott zu haben wie zu einem

Freund? Für muslimische Gläubige ist das undenkbar

und viele andere Vorstellungen von Gott schließen nicht

einmal einen persönlichen Gott ein. Gott ist für viele

eine Idee, eine Kraft. Aber keine Person.

Das Gottesbild der Bibel sieht ganz anders aus. Die

Gläubigen des Alten und Neuen Testamentes hatten

eine persönliche Beziehung zu ihrem Gott. Dabei

betont die Bibel, dass es Gott war, der diese Beziehung

suchte. Mose zeigte Israel die Anfänge ihrer einzigartigen

Gottesbeziehung auf: „So bewahrt und tut sie

[Gottes Gebote]! Denn das ist eure Weisheit und eure

Einsicht in den Augen der Völker, die all diese Ordnungen

hören. Und sie werden sagen: Ein wahrhaft weises

und verständiges Volk ist diese große Nation! Denn wo

gibt es eine große Nation, die Götter hätte, die ihr so

nahe wären wie der HERR, unser Gott, in allem, worin

wir zu ihm rufen?“ (Deuteronomium 4,6.7).

Gott hatte Israel aus Ägypten befreit, um es zu

Seinem Volk zu machen, exklusiv für Ihn. Er hatte

Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um eine Beziehung

zu Israel zu haben. Mose fragte das Volk: „Oder

hat je ein Gott versucht hinzugehen, um sich eine

Nation mitten aus einer anderen Nation zu holen durch

Prüfungen, durch Zeichen und durch Wunder und

durch Krieg und mit starker Hand und mit ausgestrecktem

Arm und durch große Schreckenstaten nach allem,

was der HERR, euer Gott, in Ägypten vor deinen Augen

für euch getan hat?“ (Deuteronomium 4,34).

Dabei betonte Gott, dass die Grundlage dieser

Beziehung einzig und allein auf Seiner gnädigen Erwählung

ruhte – und nicht auf der Attraktivität Israels:

„Denn du bist dem HERRN, deinem Gott, ein heiliges

Volk. Dich hat der HERR erwählt, dass du ihm zum

Volk seines Eigentums wirst aus allen Völkern, die auf

dem Erdboden sind. Nicht weil ihr mehr wäret als alle

Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt und euch

erwählt – ihr seid ja das geringste unter allen Völkern –,

sondern wegen der Liebe des HERRN zu euch, und weil

er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen, hat

der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und

dich erlöst aus dem Sklavenhaus, aus der Hand des

Pharao, des Königs von Ägypten“ (Deuteronomium

7,7.8).

Es ist reine Gnade, dass wir Menschen überhaupt

eine Beziehung zu Gott haben können. Die Gottesbeziehung

ist nichts Selbstverständliches, worauf der Mensch

ein Anrecht hat. Nein, es war ein Akt der Gnade, dass

Gott sich Israel als Volk erwählte.

Und so ist es auch mit uns Christen. Denn die Lehre

von der göttlichen Erwählung der Gläubigen finden wir

an vielen Stellen im Neuen Testament. So schreibt der

Apostel Paulus den Christen in Thessalonich: „Wir aber

müssen Gott allezeit für euch danken, vom Herrn

geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an erwählt

hat zur Rettung in Heiligung des Geistes und im

ausgabe 13 – 23


„Nicht wir tragen Gott die

Freundschaft an, sondern Er trägt

sie uns an, indem Er uns Seine

Erkenntnis gestattet, uns Seine

Liebe offenbart.“

J.I. PACKER

Glauben an die Wahrheit, wozu er

euch auch berufen hat durch unser

Evangelium, zur Erlangung der

Herrlichkeit unseres Herrn Jesus

Christus“ (2.Thessalonicher

2,13.14). Wenn wir eine Beziehung

zu Gott haben, dann liegt

dies in erster Linie daran, dass Gott

uns diese Beziehung von sich aus

anbietet. Er hätte es nicht tun

müssen. Aber Er tat es und tut es

heute immer noch. Der Theologe

James I. Packer sagte einmal

treffend:

„Gotteserkenntnis ist eine

Frage der Gnade. Dies ist eine

Form der Beziehung, die nur von

Gott ausgehen kann – unbedingt –

denn Gott ist so überaus erhaben

über uns, und wir haben –

angesichts unserer Sünden – kaum

einen Anspruch auf Seine Güte.

Nicht wir tragen Gott die Freundschaft

an, sondern Er trägt sie uns

an, indem Er uns Seine Erkenntnis

gestattet, uns Seine Liebe

offenbart.“ 1

Interessant ist, wie sehr der

Fokus darauf gelegt wird, dass der

HERR dein Gott ist. Diese Formulierung

finden wir 125-mal in

Deuteronomium. Dieses Buch

möchte dir diese Wahrheit

förmlich einhämmern: Gott ist

DEIN Gott! Was für ein herrlicher

Gedanke, wenn wir uns einmal die

Zeit nehmen, über die Konsequenzen

nachzudenken. Deswegen

kommen wir zum nächsten

Prinzip.

2. Es ist Gnade, dass Gott uns

sagt, wie die Beziehung

aussehen soll. Einst wurde Jesus

gefragt, was das höchste Gebot im

Gesetz ist (vgl. Matthäus 22,37).

Anders formuliert: Was ist das

Wichtigste, was ein Mensch

befolgen muss? Worin liegt der

Sinn unseres Lebens? Jesus gab die

Antwort, indem er aus Deuteronomium

6,4.5 zitierte: „Höre Israel:

Der HERR ist unser Gott, der

HERR allein! Und du sollst den

HERRN, deinen Gott, lieben mit

deinem ganzen Herzen und mit

deiner ganzen Seele und mit deiner

ganzen Kraft.“

Das Wichtigste für uns

Menschen ist, Gott mit unserem

ganzen Sein zu lieben und zu

ehren. Klar, dass diese Liebe nicht

aus Angst oder krampfhafter

Anstrengung herrühren kann.

Jemanden richtig zu lieben ist

etwas Natürliches. Genauso ist es

auch mit der Beziehung zu Gott.

Für den Gläubigen ist es so natürlich

wie das Atmen. Doch wie sah

es in Deuteronomium aus?

Nun, Gott offenbarte dem Volk

Israel Seinen Willen durch das

Gesetz. Er gab ihnen Regeln und

Gebote, an denen sie sich orientieren

konnten: „Und nun Israel, was

fordert der HERR, dein Gott, von

dir, als nur, den HERRN, deinen

Gott, zu fürchten, auf allen seinen

Wegen zu gehen und ihn zu lieben

und dem HERRN, deinem Gott,

zu dienen mit deinem ganzen

Herzen und mit deiner ganzen

Seele, indem du die Gebote des

HERRN und seine Ordnungen,

die ich dir heute gebe, hältst, dir

zum Guten?“ (Deuteronomium

10,12.13).

Hier sehen wir wieder die

Gnade Gottes: Nicht nur macht Er

die Beziehung überhaupt möglich,

sondern Er zeigt uns auch auf, wie

diese Beziehung im Detail auszusehen

hat. Gott stellt sich uns vor,

wie Er ist und Er sagt uns auch, was

Ihm wohlgefällig ist, so dass wir

Seinen Willen tun können. Würde

Gott sich uns nicht so im Detail

offenbaren, könnten wir niemals

wissen, wie wir ein Leben zu Seiner

Ehre leben könnten. Doch Er hat

sich uns offenbart und sagt uns

genau, wie diese Beziehung auszusehen

hat.

In der Beziehung zu Gott liegt

unser größter Friede, denn der

Kirchenvater Augustinus hat

einmal zu Recht gesagt: „Unruhig

ist unser Herz, o Gott, bis es Ruhe

findet in dir.“

Gott sagt uns, was uns wirklichen

Frieden geben wird: die

Beziehung zu Ihm!

Aber was ist mit all den Gesetzen

im Alten Testament, von denen

es in Deuteronomium eine Menge

gibt? Wurden die Menschen im

Alten Testament nicht dadurch

gerettet, dass sie das Gesetz hielten?

Sind die Gnade des Neuen

Testamentes und das alttestamentliche

Gesetz nicht zwei völlig

verschiedene Dinge? Alles gute

Fragen und ich bin froh, dass

Deuteronomium diese klar beantwortet.

3. Es ist Gnade, dass Sünder in

Beziehung mit Gott leben

können. Es stimmt, dass Gott

dem Volk verschiedene Vorschriften

gab und sie ermahnte, diese zu

befolgen. Bei Befolgung versprach

Gott Segen, bei Nichteinhaltung

Strafe. Darin bestanden die

Regelungen des alten Bundes. Den

zentralen Gedanken dazu finden

wir in Deuteronomium 26,16-18:

„Am heutigen Tag befiehlt dir der

HERR, dein Gott, diese Ordnungen

und Rechtsbestimmungen zu

tun. So bewahre und tue sie mit

deinem ganzen Herzen und mit

deiner ganzen Seele! Du hast heute

24 – ausgabe 13


den HERRN sagen lassen, dass er

dein Gott sein will und dass du auf

seinen Wegen gehen und seine

Ordnungen und seine Gebote und

seine Rechtsbestimmungen bewahren

und seiner Stimme gehorchen

willst. Und der HERR hat dich

heute sagen lassen, dass du ihm

zum Volk seines Eigentums sein

willst, wie er zu dir geredet hat,

und dass du alle seine Gebote

bewahren willst.“

Israel versprach, das Gesetz zu

halten, aber Gott sagte ihnen

bereits hier, dass sie sich innerlich,

am Herzen, verändern müssten.

Die Israeliten waren äußerlich

beschnitten, ein Ritual, was sie zu

Mitgliedern des nationalen Israels

machte. Allerdings bewirkte die

Beschneidung, ein Ritus am

Körper vollzogen, keine Veränderung

des Herzens. Wie hätte sie das

auch tun können. Deshalb forderte

Gott die Israeliten auf, sich innerlich

zu verändern: „So beschneidet

denn die Vorhaut eures Herzens

und verhärtet euren Nacken nicht

mehr!“ (Deuteronomium 10,16).

Gott wusste allerdings auch, dass

sie dieser Aufforderung unmöglich

selber nachkommen konnten:

„Aber der HERR hat euch bis zum

heutigen Tag weder ein Herz

gegeben zu erkennen, noch Augen

zu sehen, noch Ohren zu hören.“

(Deuteronomium 29,3).

Aus diesem Grund versprach Er

ihnen, sich selber dieser Sache

anzunehmen: „Und der HERR,

dein Gott, wird dein Herz und das

Herz deiner Nachkommen

beschneiden, damit du den

HERRN, deinen Gott, liebst mit

deinem ganzen Herzen und mit

deiner ganzen Seele, dass du am

Leben bleibst. [...] Du aber, du

wirst umkehren und der Stimme

des HERRN gehorchen und wirst

all seine Gebote tun, die ich dir

heute befehle“ (Deuteronomium

30,6.8). Gott ließ Israel ein paar

Jahrhunderte Zeit, um sie erkennen

zu lassen, dass sie niemals

durch eigene Kraft Gottes Gesetze

erfüllen würden, sondern dass Er

sie grundlegend verändern müsste.

Israel konnte gar nicht anders, als

den Bund zu brechen. Doch zu

Seiner Zeit ließ Gott ihnen durch

den Propheten Jeremia sagen:

„Sondern das ist der Bund, den ich

mit dem Haus Israel nach jenen

Tagen schließen werde, spricht der

HERR: Ich werde mein Gesetz in

ihr Inneres legen und werde es auf

ihr Herz schreiben. Und ich werde

ihnen Gott sein, und sie werden

mein Volk sein“ (Jeremia 31,33).

Gott würde einen neuen Bund mit

ihnen schließen, wie Er es bereits in

Deuteronomium angekündigt

hatte.

Ungefähr 600 Jahre nach

Jeremia saß Jesus mit Seinen

Jüngern in einem kleinen Saal

zusammen, während sie das Passah

feierten und verkündigte ihnen den

neuen Bund Gottes: „Und er nahm

einen Kelch und dankte und gab

ihnen den und sprach: Trinkt alle

daraus! Denn dies ist mein Blut des

Bundes, das für viele vergossen

wird zur Vergebung der Sünden“

(Matthäus 26,27.28).

Einige Stunden später starb der

Sohn Gottes am Kreuz für Sünder

und besiegelte mit Seinem Tod den

neuen verheißenen Bund. Alles das

hatte Gott bereits in Deuteronomium

vorausgesagt. Jesus wurde klar

angekündigt. Er ist der Prophet aus

Deuteronomium 18,18. Er wurde

zum Fluch für die Sünde, als man

Ihn kreuzigte (vgl. Deuteronomium

21,23 mit Galater 3,13.14). In

einem Satz gesagt: Deuteronomium

lehrt Errettung aus Gnade und nicht

aus Werken!

Als König David sich des

Ehebruchs und Mordes schuldig

machte – Vergehen, die nach dem

mosaischen Gesetz die Todesstrafe

verlangten – flehte er Gott um

Gnade an, weil es nichts anderes

gab, was ihn noch retten konnte:

„Sei mir gnädig, Gott, nach deiner

Gnade; tilge meine Vergehen nach

der Größe deiner Barmherzigkeit!“

(Psalm 51,3). Und Gott vergab

ihm, denn David musste nicht für

seine Sünden sterben – Jesus tat es!

Denn Paulus lehrt im Römerbrief,

dass Gott über die Sünden des

Volkes zur Zeit des Alten

Testaments gnädig hinwegsah und

sie nicht sofort strafte, weil Er

wusste, dass Jesus später die gerechte

Strafe für die Sünden tragen

würde (vgl. Römer 3,21-26).

Wenn der alttestamentliche

Gläubige nach dem Gesetz ein

„Denn es gibt

keine echte

Gottesbeziehung

außer

dieser, die

durch Gnade

zustande

kommt.“

Tieropfer für seine Sünden brachte,

rettete ihn nicht dieser Akt der

religiösen Pflicht, sondern das

Vertrauen darauf, dass Gott eine

Lösung für das Problem der Sünde

schenken würde. Denn wie sollte

das Blut von Stieren und Böcken

Sünden vergeben (vgl. Hebräer

10,4)? Auch der Gläubige des Alten

Testamentes verließ sich völlig auf

die Gnade Gottes, um seine Beziehung

mit Gott zu leben. Denn es

gibt keine echte Gottesbeziehung

außer dieser, die durch Gnade

zustande kommt.

Ich möchte dich daher ermutigen,

dass du dir die Zeit nimmst

und dich noch mehr mit dem Buch

Deuteronomium auseinandersetzt.

Was bedeutet es nicht alles

praktisch, dass Gott DEIN Gott

ist? Ich bin davon überzeugt, dass

wir diese Wahrheit noch nicht

vollständig erfasst haben. Denn

ansonsten würde sich in unserem

Leben etwas radikal ändern. Wir

würden Gott mehr lieben, wir

würden viel mehr Glaubensmut

und Zuversicht im Alltag haben

und wir wären ein größerer Segen

für unsere Mitmenschen.

ausgabe 13 – 25


WAHRE REFORMATION …

BEGINNT BEI MIR!

Dieser Artikel ist der erste in der neuen Josia-Rubrik.

„Josia“ ist ein Netzwerk junger Christen, das es sich zum

Ziel gesetzt hat, junge Christen in ganz Deutschland zu

vernetzen und noch viele andere von der wunderbaren

Botschaft unseres Herrn und Königs, Jesus Christus, zu

begeistern.

Text

Jochen Klautke


JOSIA

— ¬ —

DIE RUBRIK FÜR

JUNGE LEUTE


Vielleicht fragst du dich, warum wir uns den Namen

„Josia“ gegeben haben. Der Grund dafür ist eigentlich

ziemlich einfach. Erstens war der alttestamentliche König

Josia ein junger Mann und zweitens hatte er ein ganz

großes Herz für Reformation, also für eine Neuausrichtung

auf Gott und sein Wort in allen Lebensbereichen.

In den nächsten Ausgaben des Timotheus Magazins

möchten wir unsere Rubrik dazu benutzen, uns mit dem

König Josia ein wenig näher zu beschäftigen und zu

erforschen, was dieser König, der 2600 Jahre vor unserer

Zeit lebte, uns heute noch zu sagen hat. Bevor ihr jedoch

direkt in unsere Gedanken zu Josia eintauchen könnt, wäre

es sehr sinnvoll, wenn ihr die Geschichte von Josia erst

einmal in der Bibel lest. Ihr findet sie im zweiten Buch

Könige, Kapitel 22-23 sowie im 2. Buch Chronik, Kapitel

34-35. Die ganze Serie steht unter dem Thema: Was macht

wahre Reformation aus?

„Immer dann, wenn

diese Form gefährdet ist,

muss man zu dieser Form

zurückkehren, dann ist

Re-form-ation nötig.“

Wahre Reformation … beginnt bei einem selbst!

Bevor wir uns jedoch dem König Josia zuwenden,

sollten wir erst einmal die Frage klären, was

Re-formation eigentlich ist. Wenn ihr diesen Begriff

hört, denkt ihr vielleicht an euren Geschichtsunterricht

und an Martin Luther. Aber hat dieser Begriff überhaupt

noch etwas mit unserer heutigen Zeit zu tun?

Dazu hilft uns der Blick auf einen anderen jungen

Mann, der zwar selbst nicht König war, dafür aber der

Namensgeber des Magazins ist, das ihr gerade in den

Händen haltet: Timotheus. Im neuen Testament finden

wir zwei Briefe, die sein Lehrer Paulus an ihn geschrieben

hat. In einem dieser Briefe ermahnt Paulus den

Timotheus: „Halte dich an das Muster (oder auch: die

Form) der gesunden Worte!“ (2. Timotheus 1,13). Mit

diesem Vers fordert Paulus den Timotheus auf, an dem

festzuhalten, was den Kern des christlichen Glaubens

ausmacht – den Glauben an die Kraft und den Inhalt

des irrtumslosen Wortes Gottes mit dem Evangelium

von Jesus Christus im Zentrum.

Paulus weiß ganz genau, wie gefährdet diese Form

der gesunden Worte in der Gemeinde ist. Deswegen

musste er auch einige Briefe schreiben, um die Gemeinden

wieder zurück zu dieser Form der gesunden Worte

zu führen (z.B. die Korintherbriefe). Immer dann, wenn

diese Form gefährdet ist, muss man zu dieser Form

zurückkehren, dann ist Re-form-ation nötig.

Dass das Volk Gottes von den gesunden Worten

wegläuft, ist ein zeitloses Problem. Es ist nicht nur ein

Problem zur Zeit von Paulus gewesen, sondern auch ein

Problem zur Zeit von Josia – und ein Problem heute.

Und deswegen wollen wir uns mit Josia beschäftigen,

weil er uns ein Beispiel dafür liefert, wie Reformation

praktisch aussehen kann.

Wer war Josia? Josia stammte aus dem Haus David –

also dem Königshaus von Juda. Geboren wurde er 640 v.

Chr. als Sohn des Amon, der selbst König von Juda war.

Sein Urgroßvater war Hiskia, einer der gottesfürchtigsten

Könige, die Juda je gehabt hatte. Aber sowohl Josias

Vater Amon als auch sein Großvater Manasse hatten in

den 57 Jahren ihrer Regierung Gott im öffentlichen

Leben abgeschafft. Im Tempel gab es keinen Gottesdienst

mehr, er verfiel langsam. An der Rückseite des

Tempels waren stattdessen Bordelle errichtet worden

und rund um Jerusalem gab es unglaublich viele

Götzenopferstellen – bis hin zu Heiligtümern, in denen

Kinder geopfert wurden. Anders als viele gottlose

Könige vor ihm regierte Josias Großvater Manasse 55

Jahre – er konnte also den Götzendienst nicht nur

einführen, sondern auch etablieren. In diese Familie und

diese Gesellschaft wurde Josia geboren und wuchs dort

auf.

28 – ausgabe 13


Als er acht Jahre alt war, wurde sein

Vater, König Amon, von seinen

Dienern erschlagen, aber die Landbevölkerung

wollte das nicht

dulden und tötete wiederum die

Verschwörer. Neben dem religiösen

Chaos, schien also auch die Gesellschaft

alles andere als stabil zu sein.

Und in all diesem Wirrwarr finden

wir plötzlich den achtjährigen Josia

auf dem Thron sitzen.

Eigentlich ist die Lage

aussichtslos. Was soll denn dabei

rauskommen, wenn ein achtjähriger

Knirps das Chaos regiert? Denn

nicht nur die innenpolitische Lage

war katastrophal. Das Königreich

Juda bestand aus den beiden Stämmen

Juda und Benjamin. Die

anderen zehn Stämme des Volkes

Gottes – Israel oder das Nordreich

– waren bereits 80 Jahre vorher von

den Assyrern gefangen und weggeführt

worden. Nur durch ein

Wunder war Jerusalem damals

nicht gefallen, aber das kleine

unbedeutende Juda war jetzt völlig

umringt vom assyrischen Riesenreich

– und eigentlich war es nur

eine Frage der Zeit, bis auch Juda

untergehen würde.

Warum also ein achtjähriger

Junge? Ich glaube, es ist Gottes

Weg, um uns zu zeigen, was Gnade

ist. Ständig sind die Helden der

Bibel irgendwie keine richtigen

Helden. Abraham und Sarah

sollten Eltern eines Riesenvolkes

werden, obwohl sie nicht mal ein

einziges Kind hatten und längst

viel zu alt waren; David war der

kleine unbedeutende Bruder, der

die Schafe hüten musste und nicht

zum Abendessen kommen durfte,

als seine ganze Familie mit dem

großen Propheten Samuel aß.

Maria war ein unbedeutendes

Mädchen und Saulus war zwar

reich und schlau, aber auf der

komplett falschen Seite. Aber das

sind die Leute, mit denen Gott

Geschichte schreibt, damit

Menschen keinen Grund haben,

sich auf ihre eigenen Leistungen

irgendetwas einzubilden.

Josia regierte acht Jahre lang als

Junge, wahrscheinlich unterstützt

von seinen Dienern und dem

Hofstaat, der nach all den Jahren

völlig gottlos gewesen sein dürfte.

Wie wir gelesen haben, war auch

kein Wissen über das Gesetz

Gottes vorhanden. Und trotzdem

fängt Josia mit 16 Jahren an, Gott

zu suchen (2. Chronik 34,3a). Es

ist so eine der Stellen in der Bibel,

wo Gottes Gnade, seine Souveränität

bei der Errettung von

Menschen unglaublich hell strahlt.

Der junge König fängt an, den

Gott seines Vaters David zu

suchen, ohne dass es irgendeinen

äußeren Grund zu geben scheint.

Noch interessanter ist, was er

danach macht. Er fängt nicht an,

auf alle anderen zu zeigen und zu

sagen. „Hey, ich sage euch jetzt

mal, was hier alles falsch läuft!“

Stattdessen suchte er ganze vier

Jahre lang Gott.

Bevor man woanders oder bei

anderen anfängt, sich für Reforma-

„Eigentlich

ist die Lage

aussichtslos.“

ausgabe 13 – 29


„Alles andere ist

selbstgerecht.“

tion, also Rückbesinnung auf Gott,

einzusetzen, muss man bei sich

selbst anfangen. Alles andere ist

selbstgerecht. Wenn man verstanden

hat, dass man selbst, auch als

Christ, tief in der Sünde verstrickt

ist und dass man ganz von Gottes

Gnade abhängig ist, dann wird

man erkennen, dass man bei sich

selbst eine ganze Menge Reformationsbedarf

hat. Wenn wir nicht in

Gefahr stehen würden, das aus dem

Blick zu verlieren, hätte Paulus ja

Timotheus nicht warnen müssen.

Aber er tut genau das: „Auch du,

Timotheus, halte dich an die Form

der gesunden Worte!“

Bei Josia führte seine Suche

nach Gott dazu, dass er das Gesetz

lieb gewann. Er wich nicht zur

Rechten und auch nicht zur

Linken davon ab (2. Chronik

34,2). Der Schreiber des zweiten

Königebuches fasst Josias Leben so

zusammen: „Und seinesgleichen ist

vor ihm kein König gewesen, der

sich so von ganzem Herzen und

von ganzer Seele und mit allen

seinen Kräften dem Herrn

zuwandte, ganz nach dem Gesetz

Moses; auch nach ihm ist keiner

seinesgleichen aufgestanden“ (1.

Könige 23,25). Wahre Reformation

muss bei uns selbst beginnen.

Josia verbrachte vier Jahre damit,

Gott zu suchen – und er hörte

nicht auf, sein ganzes Leben immer

wieder neu auf die Form der gesunden

Worte auszurichten. Hat

wahre Reformation auch schon bei

dir begonnen? Fortsetzung folgt

30 – ausgabe 13


Mehr Informationen und weitere

nützliche Ressourcen und Artikel

von und mit dem „Josia Netzwerk“

sind hier zu finden:

www.josiablog.de

Außerdem findet dieses Jahr die

erste Josia-Konferenz statt. Siehe

rechts.

KONFERENZEN

Josia-Konferenz 2013

Wann: 18.-20. Oktober 2013

Wo: August-Hermann-Francke

Schule Gießen

Thema: Ein Leben für Gott

Redner: Mike Clark, Declan

McMahon, Rudolf Tissen

Mehr Infos: www.josiablog.de

Re:Formation-Konferenz 2013

Wann: 1.-3. November 2013

Wo: Langgöns-Dornholzhausen

Thema: Heilig dem Herrn

Redner: Peter Schild, Nathanael

Armisen, Alexander Hiller, Robert

Kunstmann, Gerd Roth

Mehr Infos: www.erb-wetzlar.de


Impressum


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Die Redaktion

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Peter Voth

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ERSCHEINUNGSWEISE

Erscheint als Quartalsmagazin alle drei

Monate seit Oktober 2010 (€ 2,90 pro

Ausgabe; zzgl. Versandkosten):

· Januar (Winterausgabe)

· April (Frühlingsausgabe)

· Juli (Sommerausgabe)

· Oktober (Herbstausgabe)

BILDNACHWEIS

S. 1 © Foto von Eduard Bonnin

(www.stocksy.com/BONNINSTUDIO)

S. 4, 6, 7 © Illustration von Peter Voth unter

Verwendung von Bildern von

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S. 8, 10, 11 © Foto von Kevin Russ

(www.stocksy.com/kevinruss)

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unter Verwendung lizenzfreier Ressourcen.

S. 16, 17 © Gemälde von Karl Aspelin

(1857-1922). Luther verbrennt die päpstliche

Bulle auf dem Marktplatz von Wittenberg,

1520 (Lizenzfrei).

S. 1, 18 © Robert Green Hall, Harriet

Smither, and Clarence Ousley, A History of

The United States for the Grammar Grades

(Dallas: The Southern Publishing Company,

1920) über www.etc.usf.edu/clipart

S. 20, 21, 23 © Foto von Mlenny

(www.istockphoto.com/Mlenny)

S. 27, 30, 31 © Foto von Stalman &

Boniecka

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VERWENDETE

SCHRIFTARTEN

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Edmond Sans © by James T. Edmondson

Mission Gothic © by James T. Edmondson

QUELLEN

Gnade im Alten Testament (S. 20-25)

1 James I. Packer, Gott erkennen – Das Zeugnis vom

einzig wahren Gott, Verlag der Liebenzeller Mission,

1977, 5. Auflage 2005, S. 36.

Martin Luther (S. 12-17)

1 Die Biographen diskutieren, ob Luthers Bekehrungs-

ereignis bei Stotternheim ein abrupter Bruch oder, was

plausibler sein dürfte, logischer Endpunkt einer schon

länger andauernden Lebenskrise war. Dass Luther sich

bei diesem Bekehrungsereignis an die Heilige Anna

wendete, hat er 1539 in einer Tischrede übrigens auf

die Gnade Gottes bezogen: „Gott hat mein Gelübde

hebräisch verstanden: Anna, das heißt Gnade“, zitiert

nach Heinz Schilling, Martin Luther – Rebell in einer

Zeit des Umbruchs, München 2012, S. 80.

2 Etwa das Ave Maria oder das weniger bekannte,

ebenfalls an Maria gerichtete Salve Regina („Gegrüßet

seist du, Königin“).

3 Zitiert nach Schilling, Luther, aaO, S. 90.

4 Martin Brecht, Martin Luther – Band 1, Sein Weg zur

Reformation, Stuttgart 1981, S. 71; Luther kritisierte

später, dass die Gebete nur kühl dahingeleiert wurden

und bezeichnete sie als gedankenloses Geschwätz.

5 Zitiert nach Brecht, Luther, aaO, S. 75.

6 Zitiert nach Brecht, Luther, aaO, S. 76.

7 In der Lutherforschung ist umstritten, wann genau die

reformatorische Wende im Denken Luthers einsetzte.

Mit dem Turmerlebnis, das zwischen 1511 und 1518

datiert wird? Mit den 95 Thesen 1517? Mit der zweiten

Psalmenvorlesung 1520? Richtigerweise wird wohl ein

Prozess anzunehmen sein, der spätestens im Frühjahr

1518 zum Durchbruch führte.

8 Mit „Scholastik“ bezeichnet man eine ab dem

Hochmittelalter herrschende Methodik, die sich durch

eine Tendenz der Verwissenschaftlichung aller

relevanten Wissensfelder auszeichnet.

9 Dabei gab es im Wesentlichen zwei Erklärungsansätze:

Die menschlichen Werke gehen der Gnade voraus, oder

aber sie wirken mit der Gnade zusammen.

10 Martin Luther, Erste Psalmenvorlesung, Psalm 72, in:

Aland (Hrsg.), Luther Deutsch, Die Werke Luthers in

Auswahl, Band 1, Die Anfänge, 2.Aufl., Göttingen

1983, S. 89.

11 WA (=Weimarer Ausgabe) 56, 274, 11-14, hier zitiert

nach Bernhard Lohse, Luthers Theologie in ihrer

historischen Entwicklung und in ihrem systematischem

Zusammenhang, Göttingen 1995, S. 83.

12 Pelagius war ein britischer Mönch, der im 4./5.

Jahrhundert lebte und sich mit Augustinus über die

Rolle von Sünde und Gnade stritt.

13 Luther, Vorlesung über den Römerbrief, in: Aland

(Hrsg.), Luther Deutsch, Die Werke Luthers in

Auswahl, Band 1, Die Anfänge, 2.Aufl., Göttingen

1983, S. 221.

14 Luther, Vorlesung über den Hebräerbrief, in: Aland

(Hrsg.), Luther Deutsch, Band 1, aaO, S. 296.

15 Sog. „gratia praeveniens“.

16 Sog. „gratia operans“.

17 Luther, Vorlesung über den Hebräerbrief, aaO, S. 314.

18 Sogenannter „Sermon von der doppelten

Gerechtigkeit“, WA 2, 145-152.

19 Vgl. WA 5, 144, 1-23.

20 Luther, Vorrede zu Band I der lateinischen Schriften

1545, in: Aland (Hrsg.), Luther deutsch, Die Werke

Luthers in Auswahl, Band 2, Der Reformator, 2. Aufl.,

Göttingen 1981, S. 17.

21 Luther, Ein Sendbrief vom Dolmetschen, in: Aland

(Hrsg.), Luther Deutsch, Die Werke Luthers in

Auswahl, Band 5, Die Schriftauslegung, 4. Aufl.,

Göttingen 1990, S. 84.

22 Luther, Vom unfreien Willen, in: Aland (Hrsg.), Luther

Deutsch, Die Werke Luthers in Auswahl, Band 3, Der

neue Glaube, Göttingen 1991, S. 307.

23 Erasmus von Rotterdam, De libero arbitrio, lat.-dt.,

übersetzt von Winfried Lesowsky, in: Werner Welzig

(Hg.), Erasmus – Ausgewählte Schriften, Bd. 4,

Darmstadt 1969, 1-195.

24 Luther, Vom unfreien Willen, in: Aland (Hrsg.), Luther

Deutsch, Die Werke Luthers in Auswahl, Band 3, Der

neue Glaube, Göttingen 1991, S. 313; bereits

frühzeitig, nämlich 1518 hatte Luther im Rahmen der

Heidelberger Disputation die These aufgestellt, der freie

Wille bestehe nach dem Sündenfall „nur dem Namen

nach“.

25 Vgl. dazu Rune Söderlund, Ex praevisa fide. Zum

Verständnis der Prädestinationslehre in der lutherischen

Orthodoxie (Arbeiten zur Geschichte und Theologie

des Luthertums - Neue Folge 3), Hannover 1983.

26 Luther, Vorlesung über den Galaterbrief, in: Aland

(Hrsg.), Luther Deutsch, Band 1, aaO, S. 281.

27 Luther, Die Heidelberger Disputation, in: Aland

(Hrsg.), Luther Deutsch, Band 1, aaO, S. 392 (These

XXVI).

MISSION STATEMENT

Timotheus ist ein bibeltreues, reformatorisches

und überkonfessionelles Magazin,

herausgegeben von freikirchlichen

evangelischen Christen. Das Ziel ist die

verständliche, biblisch fundierte, interessante

und herausfordernde Vermittlung biblischer

Lehre.

„Bibeltreu“ bedeutet für die Herausgeber,

dass sie von der absoluten Zuverlässigkeit der

Bibel als inspiriertes und irrtumsloses Wort

Gottes überzeugt sind. Die theologische

Ausrichtung lässt sich daher am besten mit

den 5 Soli der Reformation beschreiben:

Allein Christus, allein die Gnade, allein der

Glaube, allein die Schrift, allein Gott die

Ehre.

32 – ausgabe 13


Wir sind ein bibeltreues Magazin für junge Christen.

Unser Fokus liegt auf dem Wort Gottes, reformatorischer Lehre

sowie kirchengeschichtlicher Aspekte und inspirierenden Biografien.

Jetzt ist die beste Zeit ein Abo zu verschenken! In unserem Onlineshop

findest du eigens dafür das Verschenk- und Präsentabo. Mehr Infos:

cbuch.de/timotheus


Endzeit?

Eigentlich ganz einfach!

Samuel E. Waldron

Verständliche biblische Lehre statt

komplizierter Systeme

Jesus

im Römerreich

Erich Schnepel

Der Weg der Gemeinde Jesu in den ersten

vier Jahrhunderten

Der letzte Held der Titanic

(1. Auflage)

Moody Adams

John Harper – die Geschichte des

Passagiers und Predigers

Ist die biblische Lehre über die Zukunft

(Eschatologie) schwierig? So viele

verschiedene Theorien und Modelle,

komplizierte Lehrsysteme – wie soll man

sich da zurechtfinden? Dieses Buch zeigt,

dass biblische Eschatologie im Grunde

ganz einfach aufgebaut – und für das

Evangelium wichtig ist. Der Autor

entfaltet die Zukunftslehre durch

sorgfältige Schriftauslegung mit den

Grundsätzen: Klare Bibelstellen bestimmen

die Auslegung schwieriger Stellen,

buchstäbliche die Auslegung bildhafter

Passagen und Schriftstellen über die

groben Züge der Zukunft helfen beim

Verstehen der Detailfragen. Aus dieser

Auslegungsweise ergeben sich ein

einfaches Modell von zwei Zeitaltern

(das jetzige und das zukünftige), zwei

Phasen des Kommens des Reiches

Gottes (eine vorläufige geistliche und

eine vollendete) sowie die Position des

Amillennialismus. Zur Veranschaulichung

helfen dabei viele leicht verständliche

Grafiken.

Ein sehr lehrreiches Buch über die frühe

Kirchengeschichte: über Märtyrertum

und Christenverfolgung, den Einfluss

griechischen Denkens und der Gnosis,

die Entwicklung zur Staatskirche und

das Aufkommen des Katholizismus. Der

Schwerpunkt liegt auf der geistlichen

Ermahnung, wie wichtig die persönliche

Glaubensbeziehung zu Jesus Christus ist,

damit die Gemeinde als Gottes Gemeinschaft

lebt und nicht zu einer weltlichen

Institution verkommt. Aus dem Vorwort

zur Neuausgabe: Erich Schnepel zeichnet

in seiner Ausarbeitung den Weg

nach, den die Gemeinde Jesu im Römischen

Reich während der ersten vier

Jahrhunderte nahm: einen Weg des

Leidens und des Triumphs zugleich. Die

Nachfolger Jesu erduldeten um des

Evangeliums willen die schlimmsten

Leiden bis in den Tod, und – so erstaunlich

es klingen mag – gerade dadurch

triumphierten sie.

Als im April 1912 die Titanic ihre

Jungfernfahrt nach New York bestritt,

reiste mit ihr auch ein Prediger, der

unterwegs zur Moody Church in Chicago

war. Doch dann geschah die Katastrophe.

Harper half bis zuletzt, die Passagiere

nicht allein vor dem leiblichen Tod zu

retten, sondern zeigte ihnen die Rettung

für ihre Seele. Dieses Buch schildert das

Leben und Wirken von John Harper

und das dramatische Geschehen auf dem

Ozeanriesen. Dabei beschreibt es auch

bewegende Schicksale einzelner Passagiere.

Mitarbeiter von John Harper und

Leute, die durch ihn zum Glauben

kamen, bestätigen seinen Dienst. Der

abschließende Teil rollt die Tragödie

noch einmal als die Illustration auf, die

auch der Regisseur James Cameron

nannte: „Wir fahren alle auf der

Titanic.“ Ihr Untergang ist nicht nur

eine der bekanntesten Katastrophen der

Welt, sondern auch ein Spiegelbild für

den Stolz und das Versagen des

Menschen und ein Ruf zur Umkehr.

Paperback, 288 Seiten

Betanien, 2013

Art.Nr.: 175943

€ 14,90

Paperback, 113 Seiten

Betanien, 2013

Art.Nr.: 175941

€ 6,90

Paperback, 126 Seiten

Betanien, 2011

Art.Nr.: 177999

statt vorher € 6,90

€ 3,90

AUSGEWÄHLTE NEUHEITEN UND SONDERANGEBOTE

AUS DEM BETANIEN-ONLINESHOP

WWW.CBUCH.DE


Im Schatten

des Kreuzes

Glenn Penner

Verfolgung und Christusnachfolge –

eine biblische Theologie

Tägliches

Manna

Gottfried Daniel Krummacher

Andachten zur Stärkung für die

Wüstenreise

Mein Leben

als Christ

Eddie Rasnake

Ein 12-Wochen-Kurs für Einzelne und

Gruppen

Glenn M. Penner widmet sich in seiner

umfassenden Studie einem oft verdrängten

Thema: dem Verhältnis von Verfolgung,

Leid und echter Christusnachfolge.

Hierfür untersucht er ausgewählte

Texte der gesamten Bibel – von den fünf

Büchern Mose bis zur Offenbarung des

Johannes. Außerdem zeigt er, dass es

bereits in der Bibel viele verfolgte

Menschen gab und dass Gott selbst ein

leidender Gott ist. Doch Leid und

Verfolgung haben nicht das letzte Wort,

sondern Christen dürfen auf ein besseres

Leben hoffen, auf die Ewigkeit.

Ron Kubsch schreibt auf seinem

Theoblog.de: „Zusammen mit ...

einigen Freunden habe ich vergangenes

Jahr an der deutschen Herausgabe des

Buches „In The Shadow Of The Cross“

von Glenn Penner gearbeitet. Es ist eine

ausgezeichnete theologische Abhandlung

über Christenverfolgung und das

Leiden der Christen. Glenn verstarb am

26. Januar 2010 nach einer schweren

Erkrankung.“

In den Tagesandachten Krummachers

werden die Hauptmerkmale der

Botschaft der Bibel, die völlige Verdorbenheit

des Menschen seit dem Sündenfall,

die ewige Gültigkeit von Gottes

Heiligkeit und moralischen Ansprüchen

und die frohe Botschaft von der

Erlösung in Jesus Christus immer wieder

eindrücklich vor Augen gestellt. Ein sehr

empfehlenswertes Andachtsbuch! Aus

dem Vorwort von Herbert Becker: „Ich

wünsche diesem Andachtsbuch eine weite

Verbreitung. Mir ist bewusst, dass unsere

Zeit sehr stark von Oberflächlichkeit

geprägt ist und dass so tiefgehende Gedanken

wie die eines Krummachers weithin

nicht bedacht werden. Dennoch möchte

ich ihn noch einmal zu Wort kommen

lassen: „Grabet tief, nehmet ’s nicht leicht

und oberflächlich! Weder, was den Blick in

euer Herz, noch was das Evangelium und

seine Gnade anbetrifft ... Misstrauet euch

selbst! Wer auf das vertrauet, was er in sich

selbst findet, verlässt sich auf Kreaturen.

Wir verlassen uns auf den Herrn.“

Ein 12-Wochen-Kurs für Einzelne und

Gruppen

Wie sieht eigentlich das ideale Leben als

Christ aus? Gibt es eine Gebrauchsanweisung

dafür? Kann man das lernen?

Wer jung im Glauben ist, stellt solche

Fragen – und auch als reifer Christ hat

man noch nicht alle Antworten gefunden.

In diesem 12-Wochen-Kurs beschreibt

der Autor lebendig und anschaulich

seine erste Zeit als Christ. Er gibt das

weiter, was er als unerlässliche Mittel für

ein gesundes Wachstum im Glauben

und für das tägliche Leben mit Jesus

Christus kennengelernt hat.

Dieser praktische Kurs ermutigt Sie

immer wieder, das Gelernte auch persönlich

anzuwenden. Sie entdecken: Hier

geht es um die Grundlagen für unser

Leben als Christ, aus denen wir niemals

herauswachsen.

Format: 20 x 27 cm

Paperback, 432 Seiten

Brockhaus, 2011

Art.Nr.: 226385

statt vorher € 16,95

€ 7,95

Paperback, 380 Seiten

Betanien, ca. ab November 2013

Art.Nr.: 175940

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Paperback, Großformat, 208 Seiten

Rigatio, 2013

Art.Nr.: 682009

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„Die göttliche Gnade ist wie ein

strömender Fluss, fruchtbar,

reich, nie versiegend.“

– Charles Haddon Spurgeon

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