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Timotheus Magazin #14 - Zorn

Inhalt Editorial Zorn und Sühnung (Waldemar Dirksen) – Das einzige »Mittel« gegen den Zorn Gottes. Der »deutsche« Puritaner (Hans-Werner Deppe) – Eine biographische Skizze über Gottfried Daniel Krummacher. Das Wesen seines Zorns (Kurt Vetterli) – Von der Wichtigkeit den Zorn Gottes richtig einzuordnen. Der Kelch des Zorns (Nils Freerksema) – Von der Grausamkeit des Kelches und von dem, der es ausgetrunken hat. Zorn vs. Zorn (Jörn Krebs) – Warum menschlicher und göttlicher Zorn grundlegend verschieden sind. Der Zorn Gottes im Alten Testament (Andreas Münch) – War der Zorn Gottes im Alten Testament real? Wahre Reformation … bekämpft Falsches! (Jochen Klautke) – Teil Zwei zur Reihe über den König Josia. Sünder in den Händen eines zornigen Gottes (Benedikt Peters) – Von der berühmtesten Predigt über den Zorn Gottes. Buchvorstellungen

Inhalt
Editorial
Zorn und Sühnung (Waldemar Dirksen) – Das einzige »Mittel« gegen den Zorn Gottes.
Der »deutsche« Puritaner (Hans-Werner Deppe) – Eine biographische Skizze über Gottfried Daniel Krummacher.
Das Wesen seines Zorns (Kurt Vetterli) – Von der Wichtigkeit den Zorn Gottes richtig einzuordnen.
Der Kelch des Zorns (Nils Freerksema) – Von der Grausamkeit des Kelches und von dem, der es ausgetrunken hat.
Zorn vs. Zorn (Jörn Krebs) – Warum menschlicher und göttlicher Zorn grundlegend verschieden sind.
Der Zorn Gottes im Alten Testament (Andreas Münch) – War der Zorn Gottes im Alten Testament real?
Wahre Reformation … bekämpft Falsches! (Jochen Klautke) – Teil Zwei zur Reihe über den König Josia.
Sünder in den Händen eines zornigen Gottes (Benedikt Peters) – Von der berühmtesten Predigt über den Zorn Gottes.
Buchvorstellungen

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BIBELTREUES MAGAZIN FÜR JUNGE CHRISTEN · #14 · 1/2014

+

G.D.

Krummacher

Der deutsche

„Puritaner“

S. 7

+

Jonathan

Edwards

Sünder in der Hand eines

zornigen Gottes

S. 28

Der Zorn Gottes

Warum ein Gott der Liebe

auch zornig sein muss


Editorial

#14 Der Zorn Gottes - 01/2014

Auf dem Cover

„Lot flieht aus Sodom“

Ben R. Davis (*1985) arbeitete

fast zehn Jahre als

Illustrator und Grafikdesigner.

Er hat einen Bachelor

in Theolgie am Presbyterian

Theological Centre

in Sydney gemacht.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gottes Zorn ist

genauso individuell

und persönlich gegen

Menschen gerichtet wie

seine Liebe.

wir glauben, dass unser Gott ein Gott der Liebe ist (Römer

5,8). Voller Dankbarkeit stehen wir vor dem Kreuz

Christi, Gottes größtem Liebesbeweis (Hebräer 12,2).

Doch dieses Bild ist auch ein schreckliches und furchtbares

(Jesaja 53,3). Es zeigt den einzigen unschuldigen

Menschen, der einen grausamen Tod stirbt. Das Kreuz

zeigt uns die absolute Intoleranz Gottes gegenüber der

Sünde. Sünde kann Gott nicht ungesühnt lassen. Der

Gott der Bibel ist niemand, der ein Auge zudrückt (1.

Mose 3,7-23). Wer A sagt, muss auch B sagen. Wer von

der Liebe Gottes spricht, darf seinen Zorn nicht verschweigen.

Es gibt keinen Anlass zu glauben, der Zorn

Gottes sei unpersönlich, die Liebe jedoch sei es. Gottes

Zorn ist genauso individuell und persönlich gegen Menschen

gerichtet wie seine Liebe. Auf den ersten Blick

scheint diese Sicht mittelalterlich und veraltet. In ein

„modernes“ Christentum scheint es nicht zu passen. Es

ist eindeutig, dass Gott gleichermaßen Zorn und Liebe

für Menschen empfindet. Obwohl der Zorn Gottes ein

Bestandteil des Evangeliums ist, wird er oft verschwiegen.

Die Bibel spricht hier eine deutliche Sprache. Denken

wir nur an die Geschichte von Jakob und Esau, in

der es heißt: „Ich liebe Jakob, Esau aber hasse ich“ (Römer

9,19). Noch drastischer wird es in den Psalmen ausgedrückt:

„Ja, der Herr prüft den, der nach seinem Willen

lebt. Doch wer sich von Gott abwendet und Gewalt

liebt, den hasst er aus tiefster Seele“ (Psalm 11,5). Das

Alte Testament kennt zwanzig verschiedene Wörter,

um den Zorn Gottes an ca. 600 verschiedenen Stellen

zu beschreiben. In der heiligen Schrift ist viel öfter von

Gottes Zorn als von seiner Liebe die Rede. Höchste Zeit

also, einen genaueren Blick auf das Thema zu werfen.

Es ist nicht unsere Absicht, ein Gottesbild der Angst zu

vermitteln, ganz im Gegenteil! Unsere Absicht ist, ein

ganz und gar biblisches Gottesbild aufzuzeigen. Keines,

das dem Zeitgeist folgt und keines das politisch korrekt

sein möchte. Gegen was oder wen genau richtet sich

nun sein Zorn? Wie groß ist das Ausmaß seines Zornes?

Wie unterscheidet er sich vom menschlichen Zorn? Wie

wird sein Zorn gestillt? Welche Rolle spielt Jesus Christus

dabei? Und was hat das alles mit mir zu tun? Fragen

über Fragen, die wir in diesem Heft beantworten wollen.

Diese Ausgabe soll (im besten Fall) dazu beitragen,

in der Gnade und vor allem in der Erkenntnis unseres

Herrn und Erlösers Jesus Christus zu wachsen (2. Petrus

3,18). Je mehr wir erkennen, wie Gott wirklich ist, desto

mehr können wir auch ganz konkret in unserem Leben

Gott ähnlicher werden. Wir wollen die Dinge hassen,

die Gott hasst und wir wollen die Dinge lieben, die Gott

liebt. Außerdem wird uns durch ein genaueres Studium

des Zornes Gottes bewusst, wie schwer unsere eigene

Sündhaftigkeit wiegt und was sie letztlich auslöst. Ja, ein

liebender Gott muss auch zornig sein. Davon spricht die

heilige Schrift – die Bibel – klar, deutlich und ausführlich.

Viel Freude beim Lesen und herzliche Grüße,

Peter Voth

PS.: Ab sofort ist auf jedem Cover eine exklusiv für uns

angefertigte Illustration zu sehen. Damit wollen wir christlichen

Illustratoren eine Plattform bieten und die gestalterische

Qualität von Timotheus weiter verbessern.

Peter Voth (*1986) ist bei Timotheus für die Gestaltung und

Kommunikation verantwortlich. Er arbeitet als Grafikdesigner.

Peter auf Twitter: @petervoth

2


Zorn

vs.

Zorn

S. 16

Inhalt

Inhalt

S. 4

S. 8

S. 24

4

Zorn und Sühnung

WALDEMAR DIRKSEN

Ein Ereignis aus dem Alten Testament

verdeutlicht die Verbindung

von Zorn und Sühnung.

7

Der deutsche „Puritaner“

HANS-WERNER DEPPE

Eine biografische Skizze über

einen fast vergessenen, deutschen

Prediger.

8

Das Wesen Seines Zorns

KURT VETTERLI

Wie passt der „Zorn“ zu einem

durch und durch heiligen und

gerechten Gott?

12

Der Kelch des Zorns

NILS FREERKSEMA

Was genau war in dem Kelch des

Zorns, den Jesus Christus trinken

musste?

16

Zorn vs. Zorn

JÖRN KREBS

Der Zorn des heiligen Gottes

und des sündigen Menschen im

Vergleich.

IMPRESSUM

Redaktion Waldemar Dirksen,

Viktor Sudermann, Andreas Kuhlmann,

Peter Voth, Hans-Werner Deppe

Art Direktor Peter Voth ∙ vothpeter@yahoo.de

Lektorat Tanja Mirau

Abo-Service Michael Töws ∙ mtoews@betanien.de

Verlag Betanien Verlag e.K. ∙ Imkerweg 38

D-32832 Augustdorf ∙ info@betanien.de

Online www.timotheusmagazin.de

Shop www.cbuch.de/timotheus

Erscheinungsweise Erscheint als

Quartalsmagazin seit Oktober 2010

alle drei Monate: Januar (Winter) · April

(Frühling) · Juli (Sommer) · Oktober (Herbst).

Preise Einzelausgabe ∙ €2,90 (zzgl.Versand)

Jahresabo ∙ €11,60 (D) (zzgl. Versand)

20

Der Zorn Gottes im Alten

Testament

ANDREAS MÜNCH

Ist der Zorn Gottes im Alten Testament

Realität oder Mythos?

24

Wahre Reformation ...

bekämpft Falsches!

JOCHEN KLAUTKE

Teil 2 der Serie um den jungen

König Josia!

28

Sünder in den Händen eines

zornigen Gottes

BENEDIKT PETERS

Eine Reflektion über die bekannteste

Predigt über den Zorn!

3


FOTO: © LOREM JAN BIJL IPSUM – STOCKSY.COM/JANBIJL


Zorn und

Sühnung

Text: Waldemar Dirksen – Foto: Jan Bijl

Gottes Zorn wird nicht durch seine Barmherzigkeit gemindert. Es

bedurfte eines einmaligen Sühneopfers, um den Zorn eines heiligen

und barmherzigen Gottes gegen Sünder ein für allemal abzuwenden.

Am folgenden Morgen aber murrte die ganze

Gemeinde der Kinder Israels gegen Mose

und gegen Aaron und sprach: Ihr habt

das Volk des HERRN getötet! Und es geschah,

als sich die Gemeinde gegen Mose

und gegen Aaron versammelt hatte, wandten sie sich

der Stiftshütte zu, und siehe, da bedeckte sie die Wolke

und die Herrlichkeit des HERRN erschien. Und Mose

und Aaron gingen vor die Stiftshütte. Und der HERR

redete zu Mose und sprach: Entfernt euch aus der Mitte

dieser Gemeinde, so will ich sie in einem Augenblick

vertilgen! Sie aber fielen auf ihr Angesicht. Und Mose

sprach zu Aaron: Nimm die Räucherpfanne und tue

Feuer vom Altar hinein und lege Räucherwerk darauf;

und geh schnell zu der Gemeinde und erwirke Sühnung

für sie! Denn der Zorn ist vom HERRN ausgegangen;

die Plage hat begonnen! Da nahm Aaron [die Räucherpfanne],

wie Mose gesagt hatte, und lief mitten unter die

Gemeinde. Und siehe, die Plage hatte unter dem Volk

angefangen; und er legte das Räucherwerk darauf und

erwirkte Sühnung für das Volk; und er stand zwischen

den Toten und den Lebendigen: da wurde der Plage

gewehrt. Und die Zahl der an der Plage Gestorbenen

belief sich auf 14700, außer denen, die wegen der Sache

Korachs umgekommen waren. Und Aaron kam wieder

zu Mose vor den Eingang der Stiftshütte, nachdem der

Plage gewehrt worden war. – 4. Mose 17,6-15

In einer dramatischen Aktion sorgten Mose und Aaron

dafür, dass der entbrannte Zorn Gottes gegen das halsstarrige

Volk Israel gesühnt wurde. Dadurch wurde das

Volk vor einer totalen Vernichtung gerettet. Der göttliche

Zorn und dessen Sühnung sind keinesfalls abstrakte

Konstruktionen, die nur dem theologischen Diskurs

vorbehalten sind. Die Lehre der Sühnung vermittelt

ein vertieftes Verständnis für einen Teil dessen, was das

Kreuz Christi bewirkt. Denn Jesus Christus ist das wirksame

Sühnopfer für unsere Sünden. Er hat den Zorn

Gottes von den Auserwählten abgewendet, sodass sie als

begnadigte Sünder vor den dreimal heiligen Gott treten

können, ohne Strafe fürchten zu müssen. Dieses alttestamentliche

Ereignis veranschaulicht das Heil im Kreuz.

Sünde erregt den heiligen Zorn

Gottes

In der alttestamentlichen Geschichte erregte die Rebellion

der Israeliten den Zorn Gottes. Der Anlass für ihren

Protest war die Vernichtung der Rotte Korachs am Tag

davor. Die Israeliten murrten gegen Mose und Aaron

und unterstellten ihnen, des Herrn Volk getötet zu haben.

Gott reagierte darauf mit einer Plage, die 14700

Israeliten das Leben kostete. Diese Plage war nicht die

Folge eines unkontrollierten Wutausbruchs, sondern ein

Ausdruck des Zorns eines heiligen und barmherzigen

Gottes. Mose und Aaron führten das Volk Israel im Auftrag

Gottes, daher war die Rebellion der Israeliten im

Grunde gegen Gott gerichtet.

Gottes Feindschaft gegen das Böse ist im Neuen

Testament unverändert geblieben. Als Hananias und

Saphira vorgaben, den gesamten Erlös aus dem Verkauf

ihres Ackers den Aposteln gebracht zu haben, obwohl sie

einen Teil des Geldes für sich behielten, wurden beide

mit dem Tod bestraft (Apostelgeschichte 5,1-11). Der

Gemeinde in Laodizea drohte der Herr, sie wegen ihrer

Lauheit aus seinem Mund auszuspeien (Offenbarung

3,16). Diese bildlich ausgedrückte Drohung veranschaulicht

in drastischer Form den Zorn Gottes. Unser

mangelndes Bewusstsein für den Zorn Gottes ist doch

darauf zurückzuführen, dass unsere Lauheit und unsere

persönlichen Sünden nicht unseren eigenen Zorn erregen.

Anstatt Selbstmitleid sollte heiliger Zorn gegenüber

unserem eigenen Versagen die Regel sein.

5


Wir haben möglicherweise den

Eindruck, dass Gott heute als passiver

Beobachter das Unrecht sowohl

in unserem persönlichen Leben als

auch in der Welt geduldig erträgt

und dagegen nicht in seinem heiligen

Zorn vorgeht. Nur besonders

leidvolle Ereignisse mögen wir als

Gottes Strafe deuten, obwohl wir

nicht über das Wissen verfügen, ob

diese auf den Zorn Gottes zurückzuführen

sind. John Stott bemerkt

ausgehend von Römer 1,18-32

und 13,1-7, „dass Gottes Zorn sich

in der Gegenwart sowohl durch

den moralischen Verfall der heidnischen

Gesellschaft als auch durch

die staatliche Justiz offenbart“. 1

Gottes Zorn ist also auch heute

zweifellos real.

Gottes Barmherzigkeit

mindert nicht seinen

heiligen Zorn

Obwohl Gott vor seinem Volk Israel

während ihrer vierzigjährigen

Wüstenwanderung Ekel wegen

ihres hartnäckigen Ungehorsams

empfand, trug er es, „wie ein Mann

seinen Sohn trägt“ (Psalm 95,10; 5.

Mose 1,31). Sein heiliger Zorn gegen

das Böse widersprach nicht seiner

Liebe zu den Übeltätern. Seine

Feindschaft gegen die Sünden

seines Volkes war uneingeschränkt

und tief, aber aufgrund seiner

Barmherzigkeit und Treue verließ

er sein Volk nicht und vergaß nicht

den Bund, den er den Vätern geschworen

hatte (5. Mose 4,31). Er

demütigte sein Volk sehr wohl, ließ

sie hungern, aber er speiste sie auch

mit Manna, damit sie erkannten,

„dass der Mensch nicht lebt vom

Brot allein, sondern von allem, was

aus dem Mund des Herrn geht“.

Während den vierzig Jahren in

der Wüste waren die Kleider der

Israeliten nicht zerrissen und ihre

Füße nicht geschwollen. Dadurch

sollte ihnen bewusst werden, dass

der Herr sie erzogen hat, „wie

ein Mann seinen Sohn erzieht“

(5. Mose 8,2-5). In seiner großen

Barmherzigkeit sorgte Gott für das

leibliche und geistliche Wohl seines

auserwählten Volkes. Aber Gottes

1 John Stott, Das Kreuz – Zentrum des

christlichen Glaubens, Francke Verlag,

2009, S. 132 f.

Zorn wurde durch seine Barmherzigkeit

weder besänftigt noch

gemindert. Mit voller Wucht entfaltete

sich der Zorn Gottes gegen

sein eigenes Volk, als es gegen Mose

und Aaron murrte. Es bedurfte eines

besonderen Ereignisses, um

den Zorn Gottes abzuwenden.

Der moderne Mensch neigt

dazu, Gottes Heiligkeit und seine

Barmherzigkeit gegeneinander

auszuspielen. Die alttestamentliche

Begebenheit legt uns jedoch nahe,

dass sein heiliger Zorn gegen das

Böse nicht durch seine Barmherzigkeit

beeinträchtigt wird. Beide

sind miteinander vereinbar. Paulus

schreibt: „Weißt du nicht, dass

dich Gottes Güte zur Buße leitet?

Du aber mit deinem verstockten

und unbußfertigen Herzen häufst

dir selbst Zorn an auf den Tag des

Zorns und der Offenbarung des

gerechten Gerichtes Gottes“ (Römer

2,4-5). Gottes Zorn wird nicht

durch seine Langmut aufgehoben,

sondern bestenfalls aufgeschoben.

Durch Sühnung wird

Gottes Zorn besänftigt

Als Mose die Dramatik der Situation

erkannte, gab er seinem Bruder

Aaron klare Anweisungen: „Nimm

die Räucherpfanne und tue Feuer

vom Altar hinein und lege Räucherwerk

darauf; und geh schnell

zu der Gemeinde und erwirke

Sühnung für sie! Denn der Zorn

ist vom HERRN ausgegangen; die

Plage hat begonnen!“ (Vers 11).

Gott kann aufgrund seiner Heiligkeit

Sünde nicht hinnehmen. Unser

„Gott ist ein verzehrendes Feuer“

(Hebräer 12,29). „Schrecklich

ist’s, in die Hände des lebendigen

Gottes zu fallen“ (Hebräer 10,31).

Sein heiliger Zorn, der nicht launenhaft,

sondern prinzipientreu

und frei von sündigen Elementen

ist, wird durch Sühneopfer besänftigt.

Aaron lief mit dem Räucherwerk

mitten in die Versammlung

der Israeliten und schaffte dadurch

Sühne für das Volk.

Die Sühnung, die Aaron erwirkte,

ist lediglich ein Schattenbild

des wahren Sühnewerks am

Kreuz, welches notwendig war,

um den heiligen Zorn Gottes von

den Auserwählten abzuwenden.

Gott selbst ist es, der in heiligem

Zorn versühnt wurde. Gott selbst

ist es, der in heiliger Liebe Sühnung

bewirkte. Und Gott selbst ist

es, der in der Person seines Sohnes

als Sühneopfer für unsere Sünden

starb. Sühnung gemäß dem Evangelium

ist Gottes Werk, zu dem

der Mensch nicht den geringsten

Beitrag leisten konnte. Welch unermessliches

Erbarmen erweist Gott

durch das einmalige Sühneopfer

seinen Auserwählten. Sein heiliger

Zorn gegen uns Sünder wurde

durch den Tod seines eigenen Sohnes

besänftigt. Im Kreuz Christi

findet die Liebe ihren Höhepunkt,

ohne dabei die Heiligkeit Gottes zu

verletzen. Aber auch die Heiligkeit

Gottes, die sich in seinem schrecklichen

Zorn gegen unseren Stellvertreter

äußerte, zeigt ihr wahres

Ausmaß, ohne die Liebe zu beeinträchtigen.

Beide harmonieren im

Kreuz Christi.

Waldemar Dirksen (*1982) ist Lehrer

an einem Berufskolleg in Bonn. Als Mitgründer,

Mitherausgeber und Redakteur

gehört er zu den regelmäßigen Autoren

von Timotheus.

6


Der deutsche

„Puritaner“

Text: Hans-Werner Deppe – Illustration: Anita Muntean

Gottfried Daniel Krummachers Biografie ist nicht direkt mit

dem „Zorn Gottes“ in Verbindung zu bringen. Sein Leben und Werk

zeichnete sich jedoch insbesondere dadurch aus, dass er auch „unangenehme“

Wahrheiten der heiligen Schrift nicht verschwieg. Wie vor

ihm schon die Puritaner. Eine biografische Skizze.

Der Erweckungsprediger Gottfried Daniel

Krummacher 1 wurde am 1. April 1774

als Sohn des Juristen und Bürgermeisters

Friedrich Jakob Krummacher in Tecklenburg

bei Osnabrück in eine reformiert

geprägte Familie geboren. Er studierte in Duisburg

Theologie, wobei er sich bewusst dem aufstrebenden

Gedankengut der Aufklärung, des Rationalismus und

der Bibelkritik widersetzte. Stattdessen suchte er den

1 Quellen sind neben den genannten das Biographisch-Bibliographische

Kirchenlexikon, eine Lebensskizze durch Krummachers

Neffen Friedrich Wilhelm Krummacher unter

Glaubensstimme.de, ferner Wikipedia.org und das Vorwort der Ausgabe

des Buches „Tägliches Manna“ von Herbert Becker 2001.

Kontakt zur Erweckungsbewegung und las Schriften

wie John Bunyans „Pilgerreise“. 1798 nahm Krummacher

eine Predigerstelle in einer pietistisch geprägten

Gemeinde in Baerl bei Moers am Niederrhein an. Erst

durch die dortige Teilnahme an einer Katechismusstunde

erlangte er Erkenntnis seiner Sünden und Verdorbenheit

und fand nach mehrtägigem Buß- und Gebetskampf

im Glauben an das stellvertretende Sühnopfer

Christi Frieden mit Gott. Fortan rang er um Heiligung

und unterschied in seinen erwecklichen Predigten klar

zwischen den Kindern Gottes und den Kindern dieser

Welt. Ab 1801 wirkte er 15 Jahre lang in einer Gemeinde

in Wülfrath und entschied sich in dieser Zeit

– wohl veranlasst durch das romantisch-pietistische

Fortsetzung auf Seite 11

7


Das Wesen

Seines Zorns

Text: Kurt Vetterli – Foto: Peter Wey

Zorn ist eine Eigenschaft Gottes, die mit viel Zurückhaltung behandelt,

oft sogar ignoriert wird. Es darf aber nicht sein, dass wir

ein Thema, dem die Bibel soviel Raum gibt, ausklammern. Um den

Segen der Gemeinschaft mit unserem Gott zu erfahren, müssen wir

Gott völlig erkennen. Auch in seiner Eigenschaft als zorniger Gott.

FOTO: © PETER WEY – STOCKSY.COM/PETERWEY


Wenn man sich einmal die Mühe

macht, eine Abhandlung über die

Eigenschaften Gottes zu lesen,

wird man mitunter einer gewissen

Schwierigkeit gegenüber stehen.

Nämlich der Schwierigkeit, alle die Eigenschaften miteinander

in Einklang zu bringen. Manche der Eigenschaften

Gottes, die er alle in ihrer Fülle verkörpert,

scheinen sich zu widersprechen, zumindest in unserem

Verständnis. So können wir in Versuchung kommen,

sie gegeneinander abzuwägen oder auszuspielen, um am

Ende einen Gott zu haben, der mit unserem Verstand

erfassbar ist.

Gottes Zorn – nicht attraktiv

In anderen Fällen geschieht es auch, dass gewisse Eigenschaften

Gottes zunehmend verschwiegen oder

ausgeklammert werden, wenn über Gott geredet oder

gepredigt wird. Vielleicht, weil eine bestimmte Eigenschaft

oder Handlungsweise Gottes ihn weniger attraktiv

sein lässt in den Augen der Menschen, denen wir ihn

nahebringen möchten. Der Zorn Gottes passt in diese

Kategorie. Wir könnten folgenden Fragen begegnen

(oder uns davor fürchten): „Du willst mich dazu bringen,

einen Gott zu lieben, der zornig ist?“ oder „Wie

passt das Bild von einem Gott der Liebe mit einem zornigen

Gott zusammen?“ Solche Fragen kommen wohl

aus dem gleichen Hintergrund wie diese so oft gestellte:

„Wenn dieser Gott ein Gott der Liebe ist, warum gibt es

dann all das Leid?“ Der Grund für diese und ähnliche

Fragen ist natürlich ein einseitiges und damit falsches

Bild von Gott. Und dieses stammt unter anderem von

einer mangelhaften Verkündigung und Lehre über Gott.

Wir müssen, wann immer wir von Gott reden, ihn so

darstellen, wie er uns in der Bibel gezeigt wird. Demjenigen,

der uns die schon genannte Frage stellt: „Willst

du mich dazu bringen, einen Gott zu lieben, der zornig

ist?“, sollten wir mit einem herzhaften „Ja!“ antworten.

Ja, wir sollen Gott lieben und anbeten, wie er wirklich

ist. Eben auch mit seinem Zorn.

Gottes Zorn verstehen

Damit wir das in der richtigen Weise tun können, ist

es nötig, den göttlichen Zorn zu verstehen, bzw. nachvollziehen

zu können. Das heißt, wir müssen bejahen

und annehmen, dass Gott gleichzeitig liebt und zornig

ist. Wenn wir die Bibel diesbezüglich etwas genauer

anschauen, werden wir finden, dass Gottes Liebe und

sein Zorn sogar in einem engen Zusammenhang stehen.

Gott liebt zuerst seine eigene Ehre und sein Zorn richtet

sich gegen alles, was seine Ehre nicht sucht oder ablehnt.

Gott liebt das Heilige und das Gute, darum hasst er, was

unheilig und böse ist; dagegen ist sein Zorn gerichtet.

Den Gedanken von Gottes Zorn lehnen wir vielleicht

deshalb ab, weil wir zu oft eine menschliche Karikatur

davon sehen. Wir denken an zornige Menschen, die sich

nicht im Griff haben und unkontrolliert ihre Wut rauslassen,

unrechte Gewalt gegen andere ausüben. Gottes

Zorn ist nicht so. Gottes Zorn ist eine strafende Abneigung

gegen alles Böse. Gegen alles, was sich gegen die

Erkenntnis, Anbetung und Liebe Gottes erhebt. Eine

Kernstelle im Neuen Testament, die uns Gottes Zorn

erläutert, finden wir in dem Brief des Apostels Paulus an

die Römer. Paulus schreibt an die Christen in Rom, um

ihnen seine Missionspläne mitzuteilen. Er erhofft sich

ihre Unterstützung dabei und erklärt ihnen in dem Zusammenhang

das Evangelium, für dessen Verkündigung

er unterwegs ist. Er nennt es das Evangelium, in dem

Gottes Gerechtigkeit für den Glaubenden geoffenbart

wird (Römer 1,17). Und – vielleicht zur Überraschung

vieler heutiger Christen – beginnt er seine so berühmte

Abhandlung über die Gnade Gottes im Evangelium

mit der Beschreibung von Gottes Zorn. Zuerst erklärt

er, worüber Gott zornig ist, danach wie sich der Zorn

Gottes auswirkt. Diese Beschreibung wollen wir etwas

näher betrachten:

Worüber Gott zornig ist

„Es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über

alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen,

welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten“

(Römer 1,18). Gott ist zornig über Menschen, die

die Wahrheit von Gott nicht anerkennen wollen und sie

deshalb „niederhalten“. Die Menschen können erkennen,

dass Gott der Schöpfer von allem ist und deshalb

angebetet werden will und muss (Römer 1,19 f). Sie

wollen aber ihr eigener Gott sein und selber bestimmen,

was richtig und falsch ist, und nicht so leben, wie der

Schöpfer es ihnen vorschreibt. Diese Haltung der Auflehnung

gegen Gottes Herrschaft und Ehre ist die Ungerechtigkeit

und Bosheit in der Urform. Aus ihr entspringen

alle anderen Ungerechtigkeiten und bösen Dinge.

Gott ist zornig über das Böse. Er ist nie zornig über unschuldige

Menschen. Gott ist zornig über die Menschen,

die durch ihre rebellische Haltung all sein Geschaffenes

zerstören. Obwohl wir alle diese rebellische Haltung von

Adam geerbt haben, können wir als solche, die in Gottes

Bild geschaffen sind, doch die Richtigkeit seines Zorns

nachvollziehen und nachempfinden. Wir entrüsten uns,

wenn Ungerechtigkeit geschieht. Wir wollen, dass offensichtlich

böse Menschen für ihre Taten bestraft werden.

Wer könnte diese Strafe besser ausführen als der, der

vollkommen gerecht ist, Gott selber?

Wie sich Gottes Zorn auswirkt

Die Auswirkungen von Gottes Zorn sind verschiedener

Art. Ich möchte sie unterteilen in Zorn als Gericht und

Zorn in Form von väterlichem Missfallen. Den Zorn

Gottes, der als Gericht erscheint, müssen wir noch aufteilen

in gegenwärtigen und zukünftigen Zorn. Paulus

erwähnt in seiner Abhandlung in Römer 1 zuerst den

gegenwärtigen Zorn. Dieser zeigt sich darin, dass Gott

die Menschen dazu bringt, dass sie sich selber für ihre

Gottlosigkeit bestrafen. „Darum hat Gott sie dahingegeben

in den Begierden ihrer Herzen in Unreinheit...“

(Römer 1,24). Gottes Zorn wirkt sich so aus, dass Gott

die aufständischen Sünder sich selbst und ihren Begierden

überlässt, so dass sie schließlich von der Sünde

gefangen, ihr ausgeliefert sind. Was sie ursprünglich als

Freiheit verstanden, frei sein wollten, es zu tun, das müssen

sie nun ausüben und kommen nicht mehr davon los.

Es zerstört sie schließlich. Diese Erklärungen des Apos-

9


tels sind eigentlich die Antwort auf

die Frage, warum ein guter Gott all

das Leid in der Welt zulässt. Das

Leid kommt durch Gottes Zorn als

Folge der Auflehnung gegen Gott

und der Unterdrückung seiner

Wahrheit. Es gibt auch eine Form

von Gottes Zorn, die als aktiver

Zorn bezeichnet werden könnte.

Gott bestraft bestimmte Menschen

entweder direkt selbst, indem er

sie krank werden oder sterben

lässt, weil sie sich ihm widersetzt

haben. Das berühmteste Beispiel

im Neuen Testament sind Ananias

und Saphira (Apostelgeschichte 5).

Dann übt Gott seinen Zorn über

das Böse auch so aus, dass er Gesetze

aufstellte und Beamte einsetzte,

die die von ihm bestimmten Strafen

ausführen, was bis zur Todesstrafe

gehen kann. So lesen wir in

Römer 13,2-6, dass die Obrigkeit

das Schwert trägt, um Böse zu bestrafen.

Paulus nennt die Obrigkeit

„die Rächerin zur Strafe für den,

der Böses tut“.

Diese Formen des gegenwärtigen

Zornes Gottes sind aber nicht

seine abschließende Form, sondern

sie sind nur der Schatten, den der

zukünftige Zorn Gottes vorauswirft.

Alle, die Gottes Ruf zur Umkehr

von ihrer Auflehnung nicht

gehorchen, werden den künftigen

Zorn Gottes für die Ewigkeit zu

spüren bekommen. Jesus und die

Apostel sprechen sehr häufig und

sehr deutlich davon. Es ist die

Rede von der äußeren Finsternis

(Matthäus 22,13; 25,30), von der

Feuer-Hölle (Matthäus 5,23) oder

dem See, der mit Feuer und Schwefel

brennt (Offenbarung 21,8), um

nur ein Paar zu nennen.

Dem Zorn Gottes

entfliehen

Der künftige Zorn Gottes ist ewig

und unwiderruflich. Niemand

wird ihm entfliehen. Der gegenwärtige

Zorn Gottes dagegen ist in

vielen Fällen nicht unabwendbar.

Jemand kann für eine begrenzte

Zeit unter Gottes Zorn stehen.

Das betrifft auf der einen Seite

jeden, der so lebt, wie er geboren

ist; in der Sünde Adams. Paulus

beschreibt dies so: „... die ihr tot

wart in euren Vergehungen und

Sünden, in denen ihr einst wandeltet

gemäß dem Zeitlauf dieser

Welt, gemäß dem Fürsten der

Macht der Luft, des Geistes, der

jetzt in den Söhnen des Ungehorsams

wirkt. Unter diesen hatten

auch wir einst alle unseren Verkehr

in den Begierden unseres Fleisches,

indem wir den Willen des Fleisches

und der Gedanken taten und von

Natur Kinder des Zorns waren…“

(Epheser 2,1-3). Er schreibt diese

Zeilen an Christen, die dieses „Totsein“

und „Kinder des Zorns-sein“

früher betraf, heute jedoch nicht

mehr. Sie sind also dem gegenwärtigen

Zorn Gottes entflohen.

Dies war möglich, indem Gott

sie durch Christus rettete. Dem

Zorn Gottes zu entfliehen und

vor dem Zorn bewahrt zu werden

ist nur möglich, indem jemand ‚in

Christus‘ ist. Wer außerhalb von

Christus steht, der steht unter dem

Zorn Gottes in irgendeiner Form.

Gottes Zorn kann auch in Form

von Züchtigung erfahren werden.

Zum Beispiel wenn jemand sich

durch anhaltenden Ungehorsam

aus dem Schutzraum von Christus

entfernt und unter Kirchenzucht

gestellt werden muss. Paulus nennt

dies „dem Satan übergeben zum

Verderben des Fleisches, damit

der Geist gerettet wird am Tag des

Herrn“ (1. Korinther 5,5; vgl. 1.

Timotheus 1,20). Der gegenwärtige

Zorn Gottes soll den Betreffenden

zur Umkehr führen, damit er

vor dem ewigen, künftigen Zorn

gerettet wird. Wenn jemand ein

wiedergeborener Christ ist, dann

ist der gegenwärtige Zorn für ihn

das väterliche Missfallen Gottes,

das ihn mit Strenge erzieht. Der

Zorn Gottes ist schrecklich. Es ist

darum auch nachvollziehbar, dass

wir dieses Thema nicht mit Wonne

betrachten. Es ist auch nicht Gottes

ursprüngliche Absicht, zornig

zu sein und zu zerstören. Sein Zorn

ist seine Antwort auf das Böse, die

Sünde. Wir müssen das Thema

aber bedenken und behandeln, vor

allem deshalb, weil wir möglichst

viele vor dem Göttlichen Zorn

bewahren wollen. Wir folgen dem

Beispiel Jesu und der Apostel, wie

insbesondere der Apostel Paulus

seine Mission beschreibt: „Da wir

nun den Schrecken des Herrn kennen,

so überreden wir Menschen“

(2. Korinther 5,11).

Kurt Vetterli (*1962) ist Ehemann und

Vater drei erwachsener Kinder. Pfarrer

der Evangelisch-reformierten Kirche

Westminster Bekenntnisses (ERKWB) in

Basel.

10


Fortsetzung des Artikels „Der deutsche »Puritaner«“ von Seite 7

Gedankengut Gerhard Tersteegens (1697 – 1769) – zur

Ehelosigkeit. Im Februar 1816 wurde er Prediger der

reformierten Gemeinde in Elberfeld. Zu dieser Zeit

breitete sich in Elberfeld die bergisch-niederrheinische

Erweckungsbewegung aus, die so beschrieben wird: In

Deutschland finden wir besonders nach den Nöten der

Napoleonischen Fremdherrschaft und den Freiheitskriegen

eine Erweckungsbewegung, die aber weniger an

die Öffentlichkeit trat als in Holland. Im Allgemeinen

herrschte aber in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

der Rationalismus, der an die Stelle der Offenbarung

die menschliche Vernunft setzte, und der kirchliche Liberalismus,

hier und da von pietistischen Strömungen

oder von den Einflüssen Schleiermachers durchbrochen,

der die Frömmigkeit des Menschen pries, aber von der

reformatorischen Wahrheit weit abgewichen war. Die

Städte des Wuppertals waren wie eine Oase inmitten der

Verödung. Der Rationalismus hatte dort nur wenig Eingang

gefunden. 1

Ein anderer beschrieb Elberfeld in einem Brief 1825:

Kurz, wir haben jetzt ein Land Gosen, ein rechtes Canaan

hier und in hiesiger Gegend … Denken Sie sich

zwanzig erleuchtete, wiedergeborene Prediger … Krummacher

… Johannes Wichelhaus [und weitere 18 damals

bekannte Prediger]. 2

Die Erweckung war zunächst eine Jugendbewegung

– die sogenannte Elberfelder Kindererweckung von

1816 –, ergriff dann aber auch die Erwachsenen. Krummacher

wurde schließlich zur bedeutendsten Person

dieser Schar erwecklicher Prediger. Während der lutherische

Pfarrer Karl August Döring (1783 – 1844) durch

evangelistisches Wirken die Jugend zu gewinnen suchte,

stellte Krummacher in guter Ergänzung dazu mehr die

persönliche Heiligung des Gläubigen in den Vordergrund

seiner Verkündigung, betonte aber auch immer

wieder die Rechtfertigung allein aus Glauben, um die

Gläubigen durch den Nachdruck auf dieses Grundelement

des Evangeliums zu festigen und zu stärken.

Die Zusammenkünfte der Erweckungsbewegung

wurden so beschrieben: Das Äußere hatte allerdings

nicht viel Anziehendes. Ein ziemlich enges Stübchen im

Hinterhause war der Versammlungsort. Zunächst vorn

hatte der Selige seinen Platz an einem kleinen Tischlein,

auf welchem ein Lämpchen oder Talglicht brannte – das

einzige in der ganzen Stube – um ihn ältere Freunde,

rings umher dann in allen Räumen und Winkeln, wo

nur ein Platz zu finden war, die Erbauung suchenden

Zuhörer. 3

Krummachers Predigten wurden als „in rhetorischer

Hinsicht gewollt kunstlos“, aber eindringlich beschrieben.

Viel lag ihm an der Betonung der Souveränität

Gottes, der sich nicht des Frommen, sondern des Sünders

erbarmt. Seine Gegner brandmarkten ihn deshalb

bisweilen abschätzig als „Prädestinatianer“. In seinen

Predigten und Predigtreihen betrachtete er oft das Alte

Testament; berühmt sind z. B. seine Auslegungen über

1 Aus einem Nachruf auf Hermann Friedrich Kohlbrügge, der als

Nachfolger Krummachers gilt, unter lichtundrecht.de.

2 M. Gallmann und U. Gäble in: Der Pietismus im 19. und 20. Jahrhundert.

3 Ebd.

„Jakobs Kampf und Sieg“ oder die „Wanderungen Israels“.

In diesen Predigten vergleicht er den Auszug Israels

aus Ägypten mit dem Christen, der Welt und Gottlosigkeit

hinter sich lässt auf dem Weg zum ewigen Erbe.

Theologisch orientierte sich Krummacher dabei an

Calvin und dem Heidelberger Katechismus, auch die

inneren Kämpfe Luthers waren ihm ein persönliches

Vorbild. So führte er das pietistische Erbe seines Wirkungskreises

entgegen der eher lehrfeindlichen Haltung

des Pietismus auf eine vertiefte lehrmäßige, biblisch-reformatorische

Grundlage zurück.

Seine Zeit in Elberfeld war von Kämpfen an drei

Fronten geprägt: gegen die Schwärmerei, die in Elberfeld-Wüstenhof

4 grassierte, gegen den Liberalismus und

Säkularismus und für eine freie, vom Staat unabhängige

Kirche (Agendenstreit).

Am 24. Oktober 1819 musste sich Krummacher in

Köln vor der Kirchenbehörde rechtfertigen, weil ihm

vorgeworfen wurde, seine Gnadenlehre fördere den Antinomismus

(die Lehre der Gesetzlosigkeit) der schwärmerischen

Wüstenhöfer. Krummacher gründete seine

Rechtfertigungspredigt auf Römer 6,1 – „Sollen wir

denn in der Sünde beharren, auf dass die Gnade desto

mächtiger werde? Das sei ferne!“ – und zeigte, dass seine

Lehre nichts mit Schwärmerei zu tun hat, sondern

vielmehr auf Paulus beruht. In der Veröffentlichung

dieser Predigt schrieb er in einem Vorwort: „Feind alles

Fanatismus, der außerordentliche unmittelbare Offenbarungen

Gottes an die Menschen wähnt, während er

die geschriebenen gering achtet, hänge ich mit ganzer

Seele an der Heiligen Schrift.“ 5

Zwischen 1834 und 1837 erlitt Krummacher drei

Schlaganfälle; er starb am 30. Januar 1837 in Elberfeld.

Seine Nachwirkungen sind vielfältig. Er gilt als Hauptperson

der bergisch-niederrheinischen Erweckungsbewegung

und war somit Wegbereiter für viele weitreichende

geistliche Impulse, die im 19. Jahrhundert von

Elberfeld ausgingen: Hier entstand der deutsche Zweig

der Brüderbewegung und die Elberfelder Bibelübersetzung,

1848 wurde hier die Evangelische Gesellschaft für

Deutschland begründet (die Werkzeuge Gottes wie den

Jugendpfarrer Wilhelm Busch hervorbrachte), und auch

Hermann Heinrich Grafe, der Gründervater der Freien

evangelischen Gemeinden, wirkte auf dem in Elberfeld

und Umgebung zubereiteten Boden. Ebenfalls einen

Anteil hat Krummacher an der Erweckungsbewegung

im Siegerland und hatte dort den späteren Verbandspräses

Tillmann Siebel zum geistlichen Ziehsohn. Auch

Hermann Friedrich Kohlbrügge und über ihn weite

Kreise im Wuppertal und in den Niederlanden waren

nachhaltig von Krummacher beeinflusst. Seine Predigten

wurden in zahlreichen Bänden 6 gedruckt.

4 Die Bezeichnung »Wüstenhöfer« war damals Inbegriff für sektiererische

Schwärmerei.

5 Quelle: glaubensstimme.de.

6 Das Andachtsbuch „Tägliches Manna“ von G.D. Krummacher

ist nun neu im Betanien Verlag erschienen (Paperback, 380 Seiten,

€9,90). Zu bestellen unter www.cbuch.de.

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Der Kelch

des Zorns

Text: Nils Freerksema

Was war in dem Kelch, der Jesus im Garten Gethsemane so

wahnsinnige Angst gemacht hat?

Was hat Jesus tatsächlich für uns erduldet?

© ILLUSTRATION AUS DER “ENCYCLOPEDIC DICTIONARY” (1882)


Es ist spät in Jerusalem und Dunkelheit

hat sich über die Stadt gelegt. Die meisten

sind in ihren Häusern und werden

schon bald schlafen. Nur wenige Menschen

sind noch unterwegs. Einige von

ihnen haben sich bei den obersten Priestern zusammen

gefunden, denn sie wollen die Dunkelheit

nutzen. Sie wollen gerne jemanden los werden,

der ihnen schon lange ein Dorn im Auge

ist: Jesus, diesen angeblichen Gottessohn. Diesen

Jesus, der sich für den Messias hält und damit das

ganze Volk verwirrt. Auch der ist noch unterwegs.

Mit seinen Jüngern ist er an den Ölberg gegangen

und dort, vor den Toren Jerusalems, im Garten,

der Ölpresse genannt wird, legt sich eine Art Dunkelheit

über sein Gemüt. Tiefe Trübsal, schweres

Grauen erfüllt ihn. Seinen engsten Freunden, die

er mitgenommen hat, beschreibt er, wie er sich

fühlt: „Meine Seele ist tief betrübt, bis zum Tod.“ Er

bittet sie darum, mit ihm wach zu bleiben und fällt

dann ein Stück entfernt auf sein Angesicht und betet.

Er spricht mit seinem Vater, dem lebendigen Gott, er

fleht wie in einem quälenden Kampf und seine Frage ist:

„Kannst du diesen Kelch an mir vorüber gehen lassen?“

Im Leben Jesu gab es keine Situation, die ihn so betrübt

und gepeinigt hat wie diese. Selbst nach 40 Fasten-Tagen

in der Wüste konnte er den schwersten Versuchungen

Satans mutig und entschlossen entgegenstehen

ohne Zaudern oder Klagen. Aber dieser Kelch bringt

Jesus in einen Zustand äußerster Drangsal. Lukas, der

dies als Arzt einordnen kann, berichtet, dass Jesus Blut

aus der Haut dringt, ein Phänomen, das nur bei äußerst

extremer Angst (Todesangst) vorkommt. Was also kann

so schrecklich sein, dass es Jesus an seine physische und

psychische Grenze bringt? Den Jesus, der immer so souverän

aufgetreten ist, den, der seinen Jüngern schon oft

von seinem baldigen und grausamen Tod erzählt hatte.

Was lässt ihn in diesem Garten so leiden?

Was ist das für ein Kelch?

Die Bibel schreibt an vielen Stellen von einem besonderen

Kelch, einem Kelch, der in der rechten Hand

Gottes ist (Habakkuk 2,16). Er selbst nennt ihn den

„Becher seines Zorns“, den „Kelch seines Grimms“, den

„Taumelbecher“ oder den „Becher des Glutweines seines

Zorns“. Dieser Kelch wird an einigen Stellen im Alten

und Neuen Testament erwähnt und beschrieben. Oft

werden Menschen, Städte oder Völker davor gewarnt,

dass sie ihn eines Tages gereicht bekommen und trinken

müssen. Dieser Kelch ist ein Bild für Gottes gerechten

und heiligen Zorn über Sünde und das Gericht, das damit

einhergeht.

Der Inhalt dieses Bechers wird an vielen Stellen genauer

beschrieben und macht deutlich, wie sich Gottes

Zorn über die Sünde auswirkt. Ein Aspekt dieses Zorns

ist Zerstörung. Jesaja und Jeremia sprechen davon, dass

Städte, die diesen Kelch trinken mussten, zerstört und zu

einem Trümmerhaufen gemacht wurden (Jesaja 51,17-

19; Jeremia 25,18). Es wird alles zunichte gemacht, wessen

man sich zuvor gerühmt hat. Worauf man einmal

Stolz war, kann nun bloß noch beschämen. Ein anderer

Im Leben Jesu gab es keine

Situation, die ihn so betrübt und

gepeinigt hat wie diese.

Bestandteil des Kelchs sind Hohn und Spott (Hesekiel

23,32). Das Leid über die Zerstörung wird nicht gelindert,

sondern verschärft. Anstatt Mitleid gibt es Verachtung,

anstatt Trost Häme von denen, die sehen wie alles

in Trümmern liegt.

Wer diesen Kelch trinkt, wird „Jammer, Schaudern

und Entsetzen“ erleben (Hesekiel 23,33). Da ist kein

Raum mehr für Auflehnung, Rebellion oder Hoffnung.

Verzweiflung und Resignation bestimmen das Empfinden.

Gott hat den Becher des Zorns in vollkommener

Gerechtigkeit gefüllt und niemand wird dieses Maß in

Frage stellen oder ablehnen. Ein reicher Mann, der stirbt

und anschließend im Totenreich schreckliche Qualen erfährt,

kritisiert mit keinem Wort das Maß seiner Leiden.

Psalm 11,6 schreibt: „Feuer, Schwefel und Glutwein

sind das Teil ihres Bechers“ (s. auch Offenbarung 14,10)

und verwendet damit Bilder, mit denen auch die Hölle

beschrieben wird (z.B. Jesus in Markus 9,43). Dort

werden Menschen sein, um ihren Becher des Zorns zu

trinken. Alles, was in diesem Becher zusammen geschüttet

ist, wird in Offenbarung 18,7 mit „Qual und Leid“

zusammengefasst. Dieses Getränk besteht also aus einer

grauenhaften und kaum vorstellbaren Drangsal. Jesus

selbst beschreibt sie vielleicht am greifbarsten mit andauerndem

„Heulen und Zähneknirschen“ (Matthäus

8,12; 13,42; 22,13; 24,51; 25,30).

Der Kelch wird gefüllt

Ein Becher oder ein ähnliches Gefäß ist üblicherweise

für ein bestimmtes Maß gemacht. So ein Maß wäre heute

für ein Glas Cola 0,33 oder 0,5 l. Auch die biblischen

Erwähnungen vom Kelch des Zorns weisen zum Teil

auf ein Maß, das jeweils unterschiedlich, aber genau bestimmt

ist. Das Südreich Juda soll nach Hesekiel 23,32

aus dem Becher des Nordreiches trinken, „der tief und

weit ist“, und soll „zu Hohn und Spott werden; denn er

fasst viel!“ Von Babel wird in Offenbarung 18,6 gesagt,

dass ihr, „in den Becher, den sie euch eingeschenkt hat“,

doppelt eingeschenkt werden soll.

Wonach wird nun dieses Maß bestimmt? Warum

bekommt der eine einen tiefen und weiten Becher und

jemand anderes gar doppelt eingeschenkt? Der Zusammenhang

dieser Verse macht die Antwort glasklar. Das

13


Tag für Tag gehen aus diesem

Herzen sündige Werke hervor und

durch diese Werke wird göttlicher

Zorn angehäuft.

Maß des Zorns wird bestimmt

durch das vorhergehende Maß der

Sünde. Offenbarung 18,5 schreibt

von Babel: „Denn ihre Sünden reichen

bis zum Himmel, und Gott

hat ihrer Ungerechtigkeit gedacht.“

Beim anderen Beispiel werden in

Hesekiel 23 das ganze Kapitel hindurch

die entsetzlichen Sünden

von Nordreich und Südreich ausführlich

beschrieben.

Das greift zusammen mit anderen

Bibelstellen. Ein Beispiel ist

1. Thessalonicher 2,16, wo Paulus

schreibt: „Dadurch machen sie allezeit

das Maß ihrer Sünden voll; es

ist aber der Zorn über sie gekommen

bis zum Ende!“ Auch in 1.

Mose 15,16 und Römer 5,20 wird

von einem Maß der Sünde gesprochen,

das jemand selbst füllt. Dieses

Maß der Sünde wird dann als

Maß für den entsprechenden Zorneskelch

verwendet. Am deutlichsten

wird dies in Römer Kapitel 2

ab Vers 5, wo sehr persönlich steht:

„Aber aufgrund der Verstocktheit

und deines unbußfertigen Herzens

häufst du dir selbst Zorn auf

für den Tag des Zorns und der Offenbarung

des gerechten Gerichtes

Gottes, der jedem vergelten wird

nach seinen Werken.“ Das eigentliche

Problem des Menschen ist

ein hartes Herz, das Gott ablehnt

und keine Anstalten macht, von

seiner Rebellion umzukehren. Tag

für Tag gehen aus diesem Herzen

sündige Werke hervor und durch

diese Werke wird göttlicher Zorn

angehäuft. Das geschieht bis zu einem

bestimmten Tag, an dem dieser

Mensch in das gerechte Gericht

Gottes kommt. Dort wird Gott

entsprechend der sündigen Werke

Vergeltung üben. Die Tage des

Sündigens sind dann vorbei und

der Tag des Zorns hat begonnen.

Somit ist jeder selbst verantwortlich

für den Inhalt seines Bechers.

Man füllt ihn mit seinen Sünden

und bekommt ihn schließlich gefüllt

mit Gottes Zorn. Ein bekannter

Pastor 1 drückt es in einer Predigt

so aus: „Jeder Tag, an dem du

und ich sündigen, ist wie ein Tropfen

in einen Becher und sie werden

gesammelt. Wir gießen unsere

Sünde hinein und dann gießt Gott

am Ende dieses Lebens entsprechenden

Zorn aus. Entsprechend

der Sünde, die wir hinein gegossen

haben.“ Er führt weiter aus, dass

auch die Tatsache, dass Gott uns

diesen Becher immer weiter füllen

lässt, ein Teil seines Zornes ist,

nämlich sein passiver Zorn (Römer

1,24). Gottes aktiver Zorn ist dann

im Gegensatz dazu, wenn Gott den

Kelch des Zorns ausgießt und die

Menschen ihn trinken müssen.

Der Kelch wird geleert

Hiob schreibt über den Gottlosen:

„Den Zorn des Allmächtigen soll er

selbst trinken!“ (Hiob 21,20) Den

Kelch, den jeder mit seiner Sünde

füllt, bekommt er wieder gereicht,

nun entsprechend gefüllt mit dem

Zorn Gottes, um ihn selbst zu trinken.

Teile davon muss jeder Gottlose

sicherlich schon in seinem Leben

auf dieser Erde ertragen, aber

erst nach diesem Leben bekommt

er diesen Zornesbecher ganz und

gar in die Hand gedrückt. Dann

wird jeder sein eigenes Maß trinken

müssen. „Sogar seine Hefen

müssen schlürfen und trinken

alle Gottlosen auf Erden.“ (Psalm

75,9) Zu denjenigen, die sich weigern

zu trinken, „spricht der Herr

der Heerscharen: Ihr müsst dennoch

trinken!“ (Jeremia 25,28). Zu

1 Predigten von Mark Driscoll und Paul

Washer haben diesen Artikel beeinflusst.

Anm. d. Red.: Der Betanien Verlag distanziert

sich als Herausgeber von Mark

Driscoll und sieht ihn deutlich kritischer

als der Autor.

Juda sagt Gott in Hesekiel 23,34:

„Und du musst ihn austrinken und

ausschlürfen und auch noch seine

Scherben ablecken.“ Es ist Gottes

perfekte Gerechtigkeit, die keinem

ein ungleiches Maß einschütten

wird, aber auch niemandem einen

Teil des heiligen Zorns erlassen

wird. Jeder, der den Kelch von

Gott gereicht bekommt, wird ihn

austrinken müssen. Jeder wird die

gerechte Strafe für seine Sünden

bekommen. Gleichzeitig macht die

Bibel auch deutlich, dass jenes Austrinken

des Bechers ewig andauern

wird. In Offenbarung 14,11 steht

von denen, die „vom Glutwein

Gottes trinken“, dass „der Rauch

ihrer Qual aufsteigt, von Ewigkeit

zu Ewigkeit“

Warum Jesus?

Wenn dieser Kelch also Gottes

gerechter Zorn ist und jeder ihn

nach dem Maß seiner eigenen Sünde

bekommt, warum sollte Jesus

solch einen Kelch von seinem Vater

gereicht bekommen? Er ist der

tatsächliche Gottessohn, der von

keiner Sünde wusste (2. Korinther

5,21). Er ist es, der in allem

versucht wurde wie wir, doch ohne

Sünde (Hebräer 4,15). Wieso bekam

ein Sündloser den Kelch des

Zorns? Die Antwort ist so einfach

wie skandalös: Es war nicht sein

Kelch, den er bekommen hat. Es

war dein und mein Kelch. Den

Kelch, den wir mit unseren Sünden

gefüllt haben, bekam Jesus - gefüllt

mit dem Zorn seines Vaters. Das

war es, wovor Jesus in Gethsemane

Angst hatte. Es waren nicht die

Peitschenhiebe auf seinen Rücken,

die Nägel durch seine Hände, die

Schläge in sein Gesicht oder der

Spott und Hohn in seinen Ohren.

Nichts davon brachte ihn dazu,

Blut zu schwitzen. Es ist lächerlich

zu meinen, dass ein römisches

Kreuz Jesus so in Angst versetzen

könnte, wenn man liest, wie viele

seiner Nachfolger mit Freude und

mit Liedern auf den Lippen für ihn

gestorben sind. Nur einige Jahre

später wurden Christen nicht nur

an römische Kreuze gehängt, sondern

bei lebendigem Leib noch

mit Pech übergossen und angezündet,

um Neros Gartenpartys zu

beleuchten. Wir lesen von vielen

14


Märtyrern, dass sie Gott gepriesen

haben, als sie auf dem Weg zum

Scheiterhaufen waren. Sollte etwa

der, dem sie nachfolgten, davor

verzweifelt sein? Nein, das, was Jesus

in dieser Nacht so bedrängte,

war etwas, das nie ein Mensch auch

nur annähernd erlebt hat oder ertragen

könnte: Der glühende Zorn

seines Vaters über unsere Sünde.

Es ist eine Lüge zu glauben, dass

Jesus uns allein durch das Leiden

erlösen könnte, dass er durch die

römischen Soldaten und seine jüdischen

Volksgenossen erlitten hat.

Viele haben schon Ähnliches und

sogar Schlimmeres ertragen müssen.

Man kann sich Mel Gibsons

Passion Christi komplett ansehen

und bekommt dadurch nicht einmal

eine Ahnung davon, was tatsächlich

das Kreuz war, das Jesus

getragen hat. Es

war der Zorn Gottes

über die Sünde

der ganzen Welt.

In einem Moment

wurde er in seiner

ganzen, brutalen

Wucht ausgegossen

auf seinen

Sohn. Das ist es,

was uns erlösen

kann. Natürlich sind die körperlichen

Schmerzen wie das hölzerne,

römische Kreuz, die Peitschenhiebe

und andere ein Teil des Kelches,

den Jesus trank. Jesus selbst sagt

einmal zu zweien seiner Jünger:

„Ihr werdet zwar meinen Kelch

trinken und getauft werden mit der

Taufe, womit ich getauft werde“

(Matthäus 20,23). An dieser Stelle

bezieht er den Kelch natürlich

nicht auf Gottes Zorngericht, sondern

auf das körperliche Leiden,

dass sie als Martyrium auch erleben

würden. Auch soll das Leid, das Jesus

von Menschen zugefügt wurde,

nicht klein geredet werden. Jesus

hat schrecklich durch die Hände

der Menschen gelitten, aber sein

Leiden war eben noch viel größer

als nur das und es brauchte mehr,

um uns zu erlösen. In 1. Johannes

2,2 lesen wir: „und er ist das Sühnopfer

für unsere Sünden, aber nicht

nur für die unseren, sondern auch

für die der ganzen Welt.“ Sühne

bedeutet, dass der Zorn über

ein begangenes Unrecht gestillt

wird. Hier wird Gottes Zorn gestillt

durch ein Opfer, das er selbst

bringt, seinen Sohn. Jesus hat diesen

Zorn getragen, er hat den Kelch

ausgetrunken bis auf den letzten

Tropfen. Bis er rufen konnte: „Es

ist vollbracht!“ (Johannes 19,30).

Damit kann er uns retten, so wie

Paul Washer es einmal sagt: „Gott

hat dich vor sich selbst, durch sich

selbst und für sich selbst gerettet!“ 2

Dieses Opfer hat Jesus freiwillig

gebracht. Nachdem er in der

Dunkelheit des Gartens gebetet

hatte, wusste er, dass es keine andere

Möglichkeit gab, als zu erfüllen,

was er mit seinem Vater schon lange

beschlossen hatte. Von da an ging

er voller Überzeugung den schweren

Passions-Weg, der vor ihm lag.

Er weist Petrus sogar streng zurecht

und sagt zu ihm: „Stecke dein

Er sollte und wollte diesen Kelch

trinken für Petrus, für dich und

für mich. Er hat es getan.

Schwert in die Scheide! Soll ich

den Kelch nicht trinken, den mir

der Vater gegeben hat?“ (Johannes

18,11). Er sollte und wollte diesen

Kelch trinken für Petrus, für dich

und für mich. Er hat es getan. Er

hat den Kelch komplett geleert, so

dass jeder der an ihn glaubt „nicht

ins Gericht kommt“ (Johannes

5,24). Kein Tropfen von Gottes

Zorn ist für die noch übrig, die Jesus

ihren Kelch der Sünde gegeben

haben. „So gibt es jetzt keine Verdammnis

mehr für die, welche in

Christus Jesus sind“ (Römer 8,1).

Nachdem Jesus nun unseren Kelch

genommen und ausgetrunken hat,

gibt er uns einen anderen. Seinen

Kelch, den Kelch des Heils. „Den

Kelch des Heils will ich nehmen

und den Namen des Herrn anrufen“

(Psalm 116,13). Anstatt, dass

Gott seinen Zorn in Ewigkeit über

uns ausschüttet, wird er nun den

Reichtum seiner Gnade über uns

ausgießen (Epheser 2,7).

2 youtube.com/watch?v=Y7yJROREgbY.

Nils Freerksema (*1986) ist Jugendprediger

im evangelischen Gemeinschaftsverband

Siegerland-Wittgenstein. Nils

auf Twitter: @nfreerksema

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Zorn vs. Zorn

Text: Jörn Krebs – Foto: Tõnu Tunnel

Die Bibel spricht vom Zorn des Menschen und vom Zorn Gottes. Sie

bezeichnet beides als „Zorn“. Doch sind die beiden wirklich ähnlich?

Oder worin unterscheiden sich die beiden Formen? Dieser Beitrag

will beleuchten, welche Eigenschaften Gottes bzw. des Menschen

hinter ihrem jeweiligen Zorn stehen.

Der Zorn der Menschen ist im Allgemeinen

im Affekt, unversöhnlich und unverhältnismäßig

(Sprüche 12,16; 14,17, 29;

15,18). Wenn wir annehmen, dass Gottes

Zorn von dieser Art ist, entstehen Schwierigkeiten,

diesen mit Gottes allgemeinem Wesen zu vereinbaren,

welches gerecht und liebevoll ist. Andererseits

lesen wir in der Bibel, dass Gott zornig ist und dies an

manchen Stellen ausgiebig und in intensiver Sprache

ausdrückt (Jesaja 13,13; 30,27-33; Psalm 2,5). Es wird

davon berichtet, dass auch Jesus aufgrund von bestimmten

Zuständen bestimmten Personen gegenüber zornig

war und dies vehement zum Ausdruck brachte (Matthäus

23,13-36; Markus 3,1-5; 11,15-17). Und die Bibel

bezeugt, dass Gott gut ist (1. Johannes 1,5). Können wir

Menschen daher auch einfach zornig sein, weil Gott ja

schließlich auch zornig ist? Können wir nicht auch einfach

auf unser Gerechtigkeitsempfinden und unseren

Eifer für gute Dinge setzen? Im Folgenden möchte ich

ausführen, wieso der Zorn des heiligen, gerechten und

liebevollen Gottes etwas völlig anderes ist als der Zorn

sündhafter Menschen.

Was ist Zorn?

Oft wird mit Zorn und Ärger ein Zustand von handlungsbeeinträchtigender

Intensität negativer Emotionen

beschrieben. Ein solcher Zustand beruht meist auf der

Wahrnehmung, dass der eigenen Person oder jemand

anderem etwas zu Unrecht getan wurde. Menschlicher

Zorn drückt sich daher oft in Form von übergreifender

Aggression, spontanen Wutausbrüchen oder zumindest

in dem Wunsch aus, dass demjenigen, der Unrecht getan

hat, ein ähnlicher Schmerz widerfährt, wie er ihn verur-

sacht hat. Nach J.I. Packer ist das menschliche Vermögen

zornig sowie freudig oder traurig zu sein jedoch ein

Ausdruck dafür, dass wir moralische und beziehungsmäßige

Wesen sind. Die Ursache dafür liegt darin, dass

Menschen im Ebenbild Gottes geschaffen sind und auch

im gefallenen Zustand einen gewissen Sinn für Recht

und Unrecht haben (1. Mose 1,27; Römer 2,15). 1

Gottes Zorn: Zwei kritische Fragen

Wenn also gesagt wird, dass Gott zornig ist, dann drängen

sich für viele Menschen zwei Fragen auf: 1. Wenn

Gott zornig ist, wie kann er dann heilig und gerecht

sein? 2. Wenn Gott zornig ist, wie kann er dann liebevoll

sein? Beide Fragen setzen unbenannt bestimmte Überzeugungen

oder Grundannahmen voraus. Sie sind Teil

der Frage, auch wenn sie nicht genannt werden, wie ein

blinder Passagier auf einem Schiff. Die erste Frage setzt

die folgende Grundannahme voraus: Gott ist ungerecht,

unkontrolliert und unerklärbar, wenn er zornig ist. Die

zweite Frage hingegen setzt eine Annahme wie die folgende

voraus: Wenn man es mit Räumen vergleichen

will, sind Liebe und Zorn stets in getrennten Räumen.

Aus menschlicher Sicht scheinen sie sich gegenseitig

auszuschließen und unvereinbar zu sein. Aus unserem

persönlichen menschlichen Erleben ist es für uns oft

wie D.A. Carson beschreibt: „Liebe treibt Zorn aus,

und Zorn treibt die Liebe aus. Vielleicht bringen wir

sie gegenseitig am nächsten, wenn wir sehen, dass ein

Vater oder eine Mutter ihr ungehorsames Kind bestra-

1 J.I. Packer, ,Anger’ in: T.D. Alexander und B.S. Rosner (Hrsg.),

New Dictionary of Biblical Theology (Leicester u. Downers Grove:

Inter-Varsity Press, 2000) 381.

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FOTO: © Tõ NU TUNNEL – STOCKSY.COM/TUNNELVISION


fen. Aber normalerweise denken

wir nicht, dass eine zornige Person

liebevoll ist.“ 1

Der gerechte und

heilige Zorn Gottes

Der Einwand der ersten Frage relativiert

sich, wenn Gottes Zorn

als Funktion oder Ausdruck seiner

Heiligkeit und Gerechtigkeit verstanden

wird. Gott ist heilig und in

seiner Gegenwart löst Sünde eine

Gegenreaktion seinerseits aus (vgl.

Habbakuk 1,12-13; Jesaja 1,4-20).

Es entspricht dem Wesen seiner

Heiligkeit, die Unheiligkeit der

Sünde zu konfrontieren. Göttlicher

Zorn steht nicht im Gegensatz zu

seiner Heiligkeit, sondern er geht

aus seiner Heiligkeit hervor. Er ist

absolut perfekt, gerecht und weise.

So „beißt“ sich Gottes Wesen und

Wirken mit allem, was ihm letztlich

nicht entspricht. Daher schreibt

Wilfried Härle zur Vereinbarkeit

von Heiligkeit und Zorn in Gott:

„Das Gemeinsame von Heiligkeit

und Zorn ist dieser unversöhnliche

Gegensatz zwischen Gottes Wesen

und der Realität der Sünde, wobei

‚Heiligkeit‘ eher die Unvereinbarkeit

von beidem, ‚Zorn‘ eher die

Verneinung der Sünde durch Gottes

Wesen bezeichnet.“ 2 Somit legt

sich der scheinbare Widerspruch

zwischen Gottes Zorn und seiner

Heiligkeit.

Zorn als liebevolle

Neuausrichtung

Bei dem Versuch, Gottes Zorn im

Zusammenhang mit seiner Liebe

zu verstehen, kommt eine wichtige

Rolle der Tatsache zu, dass

Gott aufgrund von Bünden mit

Menschen und ganz besonders

mit seinem Volk handelt. Bünde

werden im Rahmen von festgelegten

Abmachungen zwischen den

Bundespartnern geschlossen. Wird

Sünde als Bundesübertretung gesehen

(5. Mose 28,45-69; 29,23-28;

Hosea 8,1-10; Römer 5,12-19), ist

sie sowohl ein objektives Vergehen

gegen eine Abmachung, als auch

ein persönliches Vergehen gegen

1 D.A. Carson, The Difficult Doctrine of

The Love of God (Leicester: Inter-Varsity

Press, 2000) 79.

2 W. Härle, Dogmatik (Berlin u. New

York: de Gruyter, 2 2000) 268.

denjenigen, mit dem der Bund

geschlossen wurde, in diesem Fall

mit Gott. Gottes Zorn ist somit

auch ein juristischer Ausdruck

seiner Heiligkeit. Diese Heiligkeit

zieht Unheiligkeit zur Rechenschaft,

um die beim Vertrag ausgemachten

Verhältnisse praktisch

wiederherzustellen (Hosea 6,1,-7;

13,2-13). In diesem Sinn ist Gottes

Zorn ebenfalls ein Ausdruck seiner

Treue, ja sogar von Bundesliebe,

die sich eifersüchtig nach der praktischen

Hingabe des Gegenübers

sehnt und versucht diese wiederherzustellen.

Gütige Perfektion als

Ursache

Menschliches Unvermögen, echte

Liebe und Zorn miteinander

zu vereinbaren, wie es die zweite

Frage ausdrückt, liegt auch darin

begründet, wie wir Liebe verstehen.

Anders als viele meinen

ist Gottes Liebe in seiner gütigen

Perfektion begründet und nicht

in der Lieblichkeit des Geliebten.

Dieser Wechsel in der Perspektive

ermöglicht den wahrgenommenen

Widerspruch zwischen Gottes Liebe

und Zorn aufzulösen. Carson

schreibt, dass im Blick auf Gottes

Zorn gelte: „Gott in seiner Perfektion

muss zornig gegenüber seinen

rebellischen Ebenbildern sein,

da sie sich gegen sein Gesetz und

ihn persönlich gewendet haben.“ 3

Und im Blick auf seine Liebe gelte:

„Gott in seiner Perfektion muss

auch liebend gegenüber seinen rebellischen

Ebenbildern sein, da er

solch ein Gott ist.“ 4

Die Ursache für Gottes Zorn

ist also in Gottes gütiger Perfektion

und Vollkommenheit begründet.

Sein Zorn steht nicht im Widerspruch

zu seiner Perfektion, sondern

ist gerade ein Ausdruck ihres

Wesens. So schreibt Carson: „In

der Schrift ist Gottes Zorn, wie

emotional er sein mag, die weise

und gerechte Antwort seiner Heiligkeit

und Perfektion auf Sünde.

Gottes Heiligkeit wie auch Gottes

Liebe sind Teil von Gottes Wesen,

Zorn ist es nicht. Um es anders zu

3 Carson, The Difficult Doctrine of The

Love of God, 80.

4 Ebd.

sagen: Gott war immer heilig, so

wie er auch immer Liebe war, er

war jedoch nicht immer zornig.

Aber da, wo seine Heiligkeit zu

Recht die Rebellion seiner Kreaturen

konfrontiert, dort muss er

zornig sein, und die ganze biblische

Geschichte bezeugt, dass er zornig

ist, sonst wäre sein Zorn nur

‚aufgesetzt‘. Doch in all dem ist er

nicht weniger der Gott der Liebe.“ 5

Zorn und Liebe in den

Taten Gottes

Somit ist Gott aus Liebe zornig und

aus Heiligkeit barmherzig (Römer

3,5-8; 9,19-24; Psalm 103,8-9).

Er trägt aus Liebe die „Gefäße des

Zorns“ mit Langmut (Römer 9,22)

und daher kann die Bibel vom

Zorn Jesu, der als Lamm starb, als

dem „Zorn des Lammes“ sprechen

(Offenbarung 6,16; 14,10). Hier

ist die Rede von Jesus, der Krieg

gegen das Böse führt in Gerechtigkeit

(Offenbarung 19,11). Auch

die zweite Frage stellt sich aus Sicht

der Bibel nun nicht mehr. Gott ist

zwar langsam zum Zorn, aber in

seinem Vorhaben, diesem auf treffende

und weise Art Ausdruck zu

verleihen, beständig und entschlossen

(2. Mose 34,6; Psalm 103,8).

Der Zorn ist öfters von einer gewissen

hoffnungsvollen Erwartung auf

die Umkehr von Sündern begleitet,

weshalb er wiederholt um sie wirbt

(Jesaja 54,8-11; Hosea 14,1-8).

Die Absicht und Frucht dieses

langmütigen und weisen Zornes

ist es, göttliche Gerechtigkeit auf

Erden herzustellen (2. Petrus 3,3-

12). Ultimativ traf der Zorn Gottes

Jesus am Kreuz auf Golgatha, so

dass es durch Umkehr und Buße

Rettung von Gottes Zorn gibt. So

ist jeder, der umkehrt, durch Jesu

Leiden von dem zukünftigen Gericht

Gottes gegenüber Sündern

gerettet (Römer 5,9; 1. Thessalonicher

1,10; 5,9; 2. Petrus 3,7.12).

Zorn und der Mensch

Der Versuch, Gottes Zorn als Ausdruck

seiner Heiligkeit, Gerechtigkeit

und Liebe zu verstehen,

5 D.A. Carson, ,Love’ in: T.D. Alexander

und B.S. Rosner (Hsg.), New Dictionary

of Biblical Theology (Leicester u. Downers

Grove: Inter-Varsity Press, 2000)

647.

18


die in seiner gütigen Perfektion im

Einklang miteinander sind, mag

sich anfühlen wie ein Knoten in

Kopf. Doch die Frage, ob wir als

Menschen nicht einfach „zornig“

sein können, weil Gott zornig sein

kann, stellt sich an dieser Stelle

definitiv nicht mehr. Der Grund

dafür: Gott und Menschen sind

zu unterschiedlich im Hinblick auf

die Reinheit ihres Wesens und ihrer

Einsicht (Jesaja 55, 7-9; Hiob

38-42)! Dies ist auch der Grund

für manchen „Knoten“ im Verständnis.

Unsere menschliche Sicht

ist uns zu selbstverständlich. Zwar

sind wir moralische Wesen im

Ebenbild Gottes, aber aufgrund

der Gefallenheit (Jeremia 17,9-

10) ist auch unser Sinn für Wahrheit

und Gerechtigkeit pervertiert.

Dies betrifft in besonderem Maße

den Sinn der Ungläubigen (Römer

1,28). Menschlicher Zorn kann gerecht

oder ungerecht, gerechtfertigt

oder ungerechtfertigt, tugendhaft

oder mangelhaft, konstruktiv oder

destruktiv sein. So liegen wir in unserem

Zorn auch nur dann richtig,

wenn wir in Übereinstimmung mit

Gottes Vollkommenheit sind und

diese in unserem Urteil nicht fehlt.

Dies ist aber aufgrund unserer

menschlich gefallenen Natur fast

nicht möglich. Daher beschreibt

die Bibel menschlichen Zorn so

oft als Sünde (Sprüche 12,16;

14, 17,29; 15,18; 19,19; 27,3-4;

29,22; 30,33), bzw. kurz vor der

Sünde (Epheser 4,26). Die Gerechtigkeit

Gottes wird einfach nicht

durch den Zorn von Menschen erwirkt

(Jakobus 1,20).

Zorn als menschliche

Sünde: Ursachen

Im Kern fehlt uns Menschen einfach

die Fähigkeit, Zorn und Liebe

miteinander zu vereinbaren,

so wie es nur Gott selbst in seiner

Vollkommenheit kann. Auf ganz

praktische Weise drückt sich dieser

Mangel an Vollkommenheit in

Bezug auf zorniges Handeln auf

folgende Eigenschaften aus: Menschen

sind, anders als Gott, in ihrer

Äußerung von Zorn unbeherrscht,

spontan und es fehlt ihnen an

Weisheit, zu wissen, was wirklich

aus Gottes Sicht gerecht ist. Sie

agieren in verletztem Stolz, anstatt

sich zu kontrollieren und weise zu

vergeben (1. Mose 4,3-8.23-24;

27,41-45; 37,4.8.11.18-28). Daher

ist es auch besonders schwierig,

in seinem Zorn nicht zu sündigen

(Epheser 4,26), da es eine unterschwellige

Versuchung gibt, den

eigenen Zorn unkritisch gegenüber

sich selbst als gerechte Entrüstung

zu betrachten und als Freibrief für

Lieblosigkeiten gegenüber anderen

Menschen zu verstehen. Als besondere

Ursachen, die mit sündhaftem

menschlichem Zorn in Verbindung

stehen, nennt die Bibel Bitterkeit,

anmaßende Selbstgerechtigkeit,

Neid, Selbstsucht, Unreinheit von

Motiven und Lüge im Kleid der

Halbwahrheit bis hin zum Ausdruck

völliger Verdrehung der

Wahrheit (Epheser 4,21-32; Jakobus

1,19-21). Diese Eigenschaften

und Haltungen des menschlichen

Herzens stehen in einem grellen

Kontrast zu dem, was die Bibel als

Merkmale echter Liebe beschreibt

(1. Korinther 13,5-7). Sie gehen

einher mit dem Wunsch der Wiederherstellung

des verletzten Stolzes

bzw. dem Wunsch, dass die

Position, die man durch eine Unrechtstat

verloren zu haben meint,

wieder erlangt wird.

Der rechte Umgang mit

Zorn

Die Bibel ermahnt uns aber vorwiegend,

dieses Bestreben um die

Rechtfertigung der eigenen Person

und Position letztlich Gott und

seinen Mitteln zu überlassen (Römer

12,4-5.17-21). Es ist nicht

immer eindeutig, was das in einer

konkreten Situation bedeutet.

Aber alles Ringen um diese Frage

geschieht im Vertrauen darauf, dass

Gott letztlich zu seiner Zeit alles

richtigstellt und somit Verhältnisse

(wieder-)herstellt, die seiner

Vollkommenheit und Gerechtigkeit

entsprechen (2. Petrus 3,2-13;

Offenbarung 21,3-22). Für ein solches

lebenspraktisches Vertrauen

sind Selbstkontrolle, Geduld (Jakobus

1,19-20), sich verschenkende

Langmut (Römer 12,19-20) und

Sanftmut (Jakobus 1,20-21) notwendig.

Diese werden als positive

Gegeneigenschaft zum sündigen

menschlichen Zorn genannt. Also

gütige Geduld anstatt Bitterkeit,

selbstlose Liebe anstelle von gekränktem

Stolz, im Vertrauen, dass

Gott das letzte Wort haben wird.

Und Paulus schreibt daher an die

Christen in Rom, die ebenfalls Unrecht

erlebten: „Vergeltet niemand

Böses mit Bösem; seid bedacht auf

das, was ehrbar ist vor allen Menschen!

Wenn möglich, soviel an

euch ist, lebt mit allen Menschen

in Frieden! Rächt euch nicht selbst,

Geliebte, sondern gebt Raum dem

Zorn Gottes! Denn es steht geschrieben:

‚Mein ist die Rache; ich

will vergelten, spricht der Herr.‘

‚Wenn nun deinen Feind hungert,

so speise ihn; wenn ihn dürstet, so

gib ihm zu trinken! Denn wenn du

das tust, wirst du feurige Kohlen

auf sein Haupt sammeln.‘ Lass dich

nicht vom Bösen überwinden, sondern

überwinde das Böse mit dem

Guten!“ (Römer 12,17-21).

Der Unterschied in

Vollkommenheit

Zusammenfassend kann gesagt

werden, Gott handelt aufgrund

seiner gütigen Perfektion von Liebe

bewegt in heiligem und gerechtem

Zorn. Der Mensch ist nicht vollkommen

und sündigt daher in seinem

Zorn allzu leicht. Daher ist für

den lebenspraktischen Umgang mit

menschlichem Zorn immer wieder

ernstliches Gebet um Weisheit und

Befähigung zur praktischen Liebe

nötig (Jakobus 4,2-12).

Jörn Krebs (*1983) arbeitet derzeit in

einem IT-Unternehmen in Winterthur

(Schweiz). Nach seinem Theologiestudium

in Teilzeit schreibt er an einer Forschungsarbeit

zu John Owen an der

Middlesex University, London. Er ist

zudem Prediger und Blogger auf

gottundleben.wordpress.com.

19


SCHRIFTGELEHRT

Rubrik zum

Alten Testament

Der Zorn Gottes im

Alten Testament

Text: Andreas Münch – Illustration: Ben R. Davis

Du bist Christ? Ja! Ist dein Gott ein Gott der Liebe? Ja! Wie kannst

du nur so etwas allen Ernstes behaupten, dass dein Gott in Seinem

Zorn die Ausrottung ganzer Völker anordnet...?


Viele Menschen verbinden das Alte Testament

mit einem zornigen Gott: Der Gott

des Alten Testamentes ist ein rachsüchtiger

Gott – einer, der Freude daran hat, ganze

Völker auszurotten. Vielleicht musstest du

zu solchen Vorwürfen bereits Stellung beziehen? Tatsache

ist, dass der Zorn Gottes in der ganzen Bibel gelehrt

wird. Bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. das Buch

Rut oder das Hohelied finden wir im Alten Testament

durchgängig das Bild von Gott als einem Richter, der

Menschen straft, sowohl einzelne Personen als auch ganze

Völker.

Dass Gott eben nicht nur ein Gott der Liebe ist, sondern

auch ein eifersüchtiger und zorniger Gott, kannst

du gut an Stellen wie Nahum 1,2-3 sehen: „Ein eifersüchtiger

und rächender Gott ist der HERR, ein Rächer

ist der HERR und voller Grimm. Rache übt er an seinen

Gegnern, und er grollt seinen Feinden. Der HERR ist

langsam zum Zorn und groß an Kraft. Doch keinesfalls

lässt der HERR ungestraft.“ Wie hast du solche Verse

einzuordnen? Solltest du diese Passagen besser in Gesprächen

verschweigen, da sie für unsere Zeitgenossen

zu anstößig sind? Denn wer möchte schon gerne eine

Beziehung zu einem grausamen Gott haben?

Insbesondere wenn du zur Landnahme Kanaans unter

Mose und Josua kommst, begegnen dir Anweisungen

Gottes an Israel, wie sie mit den Kanaanitern umgehen

sollen, die für dich so gar nicht nach christlicher Nächstenliebe

klingen: „Jedoch von den Städten dieser Völker,

die der HERR, dein Gott, dir als Erbteil gibt, sollst du

nichts leben lassen, was Odem hat. Sondern du sollst an

ihnen unbedingt den Bann vollstrecken: an den Hetitern

und an den Amoritern, den Kanaanitern und den

Perisitern, den Hewitern und den Jebusitern, wie der

HERR, dein Gott, dir befohlen hat“ (5. Mose 20,16-

17). Solche Anweisungen Gottes können uns Christen,

die wir an die ganze Bibel als Gottes Wort glauben, in

Erklärungsnot bringen, wenn Außenstehende uns fragen,

wie wir heute noch ein solch grausames Gottesbild

predigen können.

Ein Grundproblem

Dass Gott als Schöpfer und Weltenrichter handelt, wird

den meisten Menschen vielleicht noch einleuchten.

Um seinen Zorn auszuführen, bedient sich Gott verschiedener

Mittel wie etwa Krankheiten (vgl. 1. Samuel

5,6-12), Engel (2. Könige 19,35) und wilder Tiere (2.

Könige 17,25-26). Diese Dinge erregen noch nicht soviel

Anstoß. Problematisch wird es jedoch dann, wenn

Gott Menschen befiehlt, andere Menschen zu töten, vor

allem ganze Völker, wie eben bei der Landnahme Kanaans.

Denn dort entsteht für uns das Bild, dass Gott

wie ein Auftraggeber eines Auftragskillers daherkommt,

der seinem Auftragskiller eine Waffe und ein Bild des

Opfers in die Hand drückt und ihn mit dem Befehl

entlässt: Hier, nimm diese Waffe und töte alle, die ich

dir nenne! Solche Befehle sind für uns vor allem deshalb

schwer verdaulich, da wir heute religiös motivierte terroristische

Anschläge aus den Nachrichten kennen und sie

als neutestamentliche Gläubige ablehnen. Als Deutsche

brauchen wir nur einen Blick in unsere Vergangenheit

zu werfen, um an die grausigen Verbrechen der Nazis

an den Juden und anderen Völkern erinnert zu werden.

Als Christen, die wir daran glauben, dass Gottes Wort

die Wahrheit ist, müssen wir bekennen, dass Gott tatsächlich

Mose und Josua den Befehl gab, die Kanaaniter

auszurotten. Doch im Folgenden möchte ich sieben biblische

Einwände gegen den Vorwurf eines einseitigen

Gottesbildes aufzeigen, die dir helfen sollen, den Zorn

Gottes im Alten Testament im richtigen Licht zu sehen.

Der Zorn Gottes ist der Zorn

unseres Schöpfers

So befremdlich der Befehl an Mose und Josua uns auch

erscheinen mag, so müssen wir uns zuerst vor Augen

halten, dass sie ihren Befehl nicht von irgendeinem

menschlichen Herrscher erhielten oder ihnen die Idee

zu diesem Feldzug selber in den Sinn kam, sondern

dass Jahwe, der Schöpfer von Himmel und Erde, ihnen

diesen Auftrag erteilte. Verständlicherweise gefällt uns

dieses Gottesbild nicht, dass Gott souverän über unser

Leben verfügen kann. Doch die Bibel spricht eine eindeutige

Sprache. So lesen wir in Daniel 4,32: „Und alle

Bewohner der Erde sind wie nichts gerechnet, und nach

seinem Willen verfährt er mit dem Heer des Himmels

und den Bewohnern der Erde. Und da ist niemand, der

seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust

du?“ Alle Nationen sind für Gott wie ein Tropfen Wasser

an einem Eimer oder wie Staub auf einer Waage (Jesaja

40,15-17). So wie der Ton in der Hand des Töpfers

ist, so sind wir Menschen in der Hand Gottes (Jeremia

18,6). Gott kann mit uns verfahren, wie Er es für richtig

hält. Wenn Gott also in Seiner Souveränität, Allmacht

und Weisheit beschließt, dass Er Gericht über ein Volk

bringen möchte und als Instrument Seines Zornes ein

anderes Volk gebraucht, dann kann Ihm niemand daraus

einen Vorwurf machen. Dieses Recht hat Er als unser

Schöpfer. Mit diesem Gedanken können einige vielleicht

noch mitgehen. Schwierig wird es dort, wo Gott

– nach ihrer Auffassung – unschuldige Menschen straft.

Doch entspricht das der Realität?

Der Zorn Gottes richtet sich gegen

Sünder

Gottes Zorn richtet sich immer gegen Sünder und niemals

gegen unschuldige Menschen (vgl. Römer 1,18-

3,20). Wir scheinen zu denken, dass die Kanaaniter ruhig

und friedlich in ihrem Land lebten und keiner Fliege

was zuleide taten und dann ganz plötzlich Israel über sie

kam und ihnen den Prozess machte. Dabei hatten die

Kanaaniter den Israeliten überhaupt nichts getan. Was

für ein Recht hatten sie also, ihnen ihr Land gewaltsam

wegzunehmen? Lesen wir die Bibel oberflächlich,

könnte man zu solch einer falschen Schlussfolgerung

kommen. Doch die Bibel erklärt uns Gottes Gerichtshandeln

an den Kanaanitern. Gott sagte Abraham vierhundert

Jahre vor der Landeinnahme, dass es eines Tages

dazu kommen würde: „Und er sprach zu Abram: Ganz

gewiss sollst du wissen, dass deine Nachkommenschaft

Fremdling sein wird in einem Land, das ihnen nicht gehört;

und sie werden ihnen dienen, und man wird sie

unterdrücken vierhundert Jahre lang. Aber ich werde

21


die Nation auch richten, der sie

dienen; und danach werden sie ausziehen

mit großer Habe. [...] Und

in der vierten Generation werden

sie hierher zurückkehren; denn das

Maß der Schuld des Amoriters ist

bis jetzt noch nicht voll“ (1. Mose

15,13-16). Noch war die Geduld

Gottes groß mit der kanaanäischen

Bevölkerung und ihrer Schuld.

Doch irgendwann würde das Maß

voll sein und Gott würde Israel als

Instrument Seines Zornes über die

Sünde der Bewohner des Landes

bringen. Kurz vor der Landeinnahme

stellt Gott diesen Punkt

besonders klar heraus, damit es zu

keinen Missverständnissen kommt:

„Wenn der HERR, dein Gott, sie

vor dir hinausstößt, sprich nicht

in deinem Herzen: Wegen meiner

Gerechtigkeit hat der HERR mich

hierher gebracht, um dieses Land

in Besitz zu nehmen. Denn wegen

der Gottlosigkeit dieser Nationen

wird der HERR sie vor dir vertreiben“

(5. Mose 5,4). Dass es sich

bei dieser Gottlosigkeit um keine

Kleinigkeiten handelte, machte

Gott an anderer Stelle klar: „Macht

euch nicht unrein durch all dieses

[Inzest, Homosexualität, Sodomie,

Kinderopfer]! Denn durch

all dieses haben die Nationen sich

unrein gemacht, die ich vor euch

vertreibe. Und das Land wurde unrein

gemacht, und ich suchte seine

Schuld an ihm heim, und das Land

spie seine Bewohner aus“ (3. Mose

18,24-25). Gott spielte kein Russisch-Roulette

mit den Völkern,

wobei die Kanaaniter halt Pech

hatten. Nein, Gott strafte ganz gezielt

Völker, deren Sünden das Maß

für den Zorn Gottes vollgemacht

hatten.

Der Zorn Gottes

handelt nicht

willkürlich

Im biblischen Bericht lesen wir

sehr deutlich, dass Israel klare

Anweisungen in Bezug auf das

Gericht über die Kanaaniter erhielt.

Bereits vor der Landnahme

legte Gott klare Grenzen in Bezug

auf die Landnahme fest (2. Mose

23,31). So deutlich der Befehl zur

Vernichtung der Kanaaniter auch

war, so deutlich betonte Gott auch,

wie sich Israel gegenüber anderen

Völkern zu verhalten hatte. So verbot

Gott Israel unmissverständlich,

ihr Brudervolk Edom anzugreifen:

„Lasst euch nicht in Streit mit ihnen

ein, denn ich werde euch von

ihrem Land auch nicht die Breite

einer Fußsohle geben! Denn das

Gebirge Seïr habe ich dem Esau

zum Besitz gegeben“ (5. Mose

2,5). Ebenso durfte Israel nicht

gegen Moab und Ammon vorgehen,

denn Gott verbot es ihnen (5.

Mose 2,8-19). Sollte Israel in Zukunft

mit anderen Völkern Krieg

führen müssen, so sollten sie zuerst

ein Friedensangebot stellen und

erst wenn der Kampf unvermeidlich

wurde, zu den Waffen greifen

(5. Mose 20,10-15). Gottes Zorn

entlud sich also nicht willkürlich

nach allen Seiten hin, sondern war

ganz klar zielgerichtet.

Der Zorn Gottes kennt

ebenfalls Gnade

Eine bekannte Aussage über den

Zorn Gottes im Alten Testament

lautet, dass Gott barmherzig und

langsam zum Zorn ist. Wir finden

diese Aussage insgesamt neun Mal

im Alten Testament (Exodus 34,6;

Numeri 14,18; Nehemia 9,17;

Psalm 86,15; 103,8; 145,8; Joel

2,13; Jona 4,2; Nahum 1,3) und

sie ist wahr. Nirgendwo wird das

deutlicher als bei Rahab, einer Prostituierten

aus Jericho. Jericho war

eine der Städte, die unter den Bann

Gottes fiel. Wurde etwas mit einem

Bann belegt, dann war diese Sache

Gott geweiht – meist in einer negativen

Absicht, nämlich geweiht

oder abgesondert für das göttliche

Gericht. Als nun zwei Kundschafter,

ausgesandt von Josua, bei Rahab

Unterschlupf fanden, flehte

diese um Gnade für sich und ihre

Familie. Interessant dabei ist ihre

Erkenntnis der Situation: „Ich

habe erkannt, dass der HERR euch

das Land gegeben hat und dass der

Schrecken vor euch auf uns gefallen

ist, sodass alle Bewohner des

Landes vor euch mutlos geworden

sind. Denn wir haben gehört, dass

der HERR das Wasser des Schilfmeeres

vor euch ausgetrocknet hat,

als ihr aus Ägypten zogt, und was

ihr den beiden Königen der Amoriter,

dem Sihon und dem Og, an denen

ihr den Bann vollstreckt habt.

Als wir es hörten, da zerschmolz

unser Herz, und in keinem blieb

noch Mut euch gegenüber. Denn

der HERR, euer Gott, ist Gott

oben im Himmel und unten auf

der Erde“ (Josua 2,9-11). Diese

götzendienerische Prostituierte

erkannte, wer der wahre Gott ist,

wandte sich von ihrem Volk ab und

flehte um Gnade. Und sie wurde

ihr gewährt. Rahab dient im Neuen

Testament als ein Vorbild des

Glaubens (Matthäus 1,5; Hebräer

11,31; Jakobus 2,25). Wenn Gott

ihr bereitwillig Gnade schenkte,

dann können wir davon ausgehen,

dass jeder andere auch in den Genuss

dieser göttlichen Gnade gekommen

wäre, wenn er wirklich

ernst darum gebeten hätte.

Der Zorn Gottes

traf Israels Sünde

gleichermassen

Auch wenn Israel im Falle der

Landnahme ein Werkzeug in der

Hand des Allmächtigen war, so

galten doch für die Israeliten dieselben

Regeln wie für alle anderen

Menschen auch: „Die Seele,

die sündigt, sie allein soll sterben“

(Hesekiel 18,4). Kritische Bibelforscher

sehen das Alte Testament

oftmals als israelitische Propagandaschriften,

die erst lange Zeit

nach den eigentlichen Ereignissen

aufgeschrieben wurden und keine

verlässliche Geschichtsschreibung

liefern. Doch es ist erstaunlich, wie

schonungslos auch Israels Versagen

geschildert wird und die biblischen

Schreiber ihre Sünden aufzeichneten.

Ja, sogar während der Landnahme

versündigte sich Israel, da

ein einzelner Israelit sich nicht an

die göttlichen Gebote hielt und damit

Verderben über das ganze Volk

brachte: Die Söhne Israel werden

vor ihren Feinden nicht mehr bestehen

können. Den Rücken werden

sie ihren Feinden zuwenden

müssen, denn sie sind zum Bann

geworden. Ich werde nicht mehr

mit euch sein, wenn ihr nicht das

Gebannte aus eurer Mitte ausrottet

(Josua 7,12). Israel hatte keinen

Freifahrtschein ins gelobte Land!

Nein, sehr schnell zogen sie selber

den Zorn Gottes auf sich, wenn sie

auch nur im Kleinsten von Seinen

Anordnungen abwichen. Im Laufe

22


der Jahrhunderte häufte sich Israel

mehr und mehr Schuld an, bis

es selber fällig zum Gericht war.

Gott persönlich stellte dem Volk

ein trauriges Zeugnis aus: „Und

es war widerspenstig gegen meine

Rechtsbestimmungen, gottloser als

die Nationen, und gegen meine

Ordnungen, mehr als die Länder,

die rings um es her sind. Denn

meine Rechtsbestimmungen haben

sie verworfen, und in meinen

Ordnungen haben sie nicht gelebt.

Darum, so spricht der Herr,

HERR: Weil ihr getobt habt mehr

als die Nationen, die rings um euch

her sind, in meinen Ordnungen

nicht gelebt und meine Rechtsbestimmungen

nicht gehalten habt,

ja, selbst nach den Rechtsbestimmungen

der Nationen, die rings

um euch her sind, nicht gehandelt

habt, darum, so spricht der Herr,

HERR: Siehe, jetzt will auch ich

gegen dich sein und will Strafgerichte

in deiner Mitte üben vor den

Augen der Nationen“ (Hesekiel

5,6-8). Israel war schlimmer als

die Nachbarvölker geworden und

hätte sich noch an ihnen ein gutes

Beispiel nehmen können. Doch

sie taten es nicht und mussten die

Konsequenzen tragen.

Der Zorn Gottes ist

nicht die alleinige

Ursache für Leid in der

Welt

Es wäre ein Trugschluss, würde

man alleine Israel für sein Vorgehen

an den Kanaanitern tadeln.

Denn andere Völker aus der Umwelt

Israels handelten genauso und

das ohne direkten Auftrag Gottes.

Besonders deutlich wird das am

Beispiel von Assyrien. Die assyrische

Armee stand vor den Toren

von Jerusalem und forderte sie zur

Kapitulation auf. Um ihnen einen

„Anreiz“ dafür zu geben, ließen

sie dem Volk verkünden: „Wer ist

unter allen Göttern dieser Nationen,

an denen meine Väter den

Bann vollstreckt haben, der sein

Volk aus meiner Hand hat retten

können, so dass euer Gott euch

aus meiner Hand retten könnte?“

(2. Chronik 32,14). Auch die anderen

Völker kannten den Bann

und gingen militärisch gegen fremde

Völker vor und hinterließen

Zerstörung und Blutlachen. An

dieser Stelle ist es noch sinnvoll,

sich die damaligen Gepflogenheiten

bewusst zu machen. Alttestamentler

weisen darauf hin, dass

damals Übertreibungen in Bezug

auf Militäroperationen geläufig

waren. So schreibt Eva Dittmann:

„Wenn diese Berichte Formulierungen

verwenden, die andeuten,

dass neben den Männern der Stadt

auch Frauen und Kinder getötet

wurden (z. B. 5. Mose 2,34; 3,6),

geht es dem Schreiber weniger um

Alter und Geschlecht der Opfer, als

vielmehr um den Tatbestand, dass

die jeweilige Stadt vollkommen

eingenommen und alle Bewohner

getötet wurden, die nicht rechtzeitig

geflohen sind.“ Ein weiterer

Grund, warum wir heute Mühe

mit den Feldzügen Israels haben,

ist dieser, dass wir heute als neutestamentliche

Gläubige in einer völlig

anderen Situation als Israel zur

Zeit Josuas leben. Israel war damals

eine nationale Einheit, ein Volk

mit Gott als oberstem Herrscher.

Israel brauchte, wie jedes andere

Volk, ein Land, das auf einer Landkarte

markiert werden konnte. Israel

brauchte, wie jedes Volk, ein

Militär. Die christliche Gemeinde

heute besteht eben nicht mehr nur

aus einem Volk, sondern setzt sich

aus allen wahren Gläubigen aus allen

Völkern zusammen.

Gottes Zorn schafft

Gerechtigkeit in dieser

Welt

Die meisten Schwierigkeiten mit

dem Zorn Gottes im Alten Testament

rühren wohl daher, dass wir

oftmals nicht das ganze Bild sehen

und schnell zum Urteil kommen,

dass Gott ungerecht sei, dass Er impulsiv

und nicht fair handle. Wie

wir gesehen haben, ist das nicht

der Fall. Gottes Zorn steht immer

im Einklang mit Seinen anderen

Eigenschaften wie Seiner Liebe,

Seiner Gerechtigkeit und Seiner

Gnade. Stellen wir uns einen Gott

vor, der nicht zornig wäre, einen

Gott, der ausschließlich Liebe ist.

Wollen wir wirklich so einen Gott?

Könnten wir einem solchen Gott

wirklich unser Leben anvertrauen?

Wenn wir den Zorn Gottes aus der

Bibel streichen wollten, dann hätte

das zur Folge, dass Sünde ungestraft

bleiben würde – und das will

niemand. Zumindest dann nicht,

wenn er selber Opfer von Sünde

geworden ist. Jeder von uns möchte

gerecht behandelt werden. Jeder

sehnt sich nach Gerechtigkeit und

der Gott der Bibel garantiert uns,

dass es eines Tages volle Gerechtigkeit

im Universum geben wird.

Er wird dafür sorgen. Wenn Gott

zornig ist, dann bedeutet das im

Umkehrschluss, dass er gegen Leid

und Zerstörung in dieser Welt aktiv

vorgeht. Denn das ist das Resultat

von Sünde. Wenn Gott seinem

Zorn freien Lauf ließ, dann nur

deshalb, weil er gewisse Dinge liebte,

die er mit aller Macht verteidigen

wollte.

Als Christen wissen wir, dass

wir ebenfalls Gottes Zorn verdient

haben, weil auch wir Sünder sind.

Keiner von uns kann mit ehrlichem

Gewissen von sich behaupten,

dass er eine reine Weste habe,

die ihn vor Gottes Zorn bewahrt.

Nein, sondern wir haben unseren

Frieden mit Gott, weil wir auf Jesus

Christus vertrauen, von dem

Paulus schreibt: „Den, der Sünde

nicht kannte, hat er für uns zur

Sünde gemacht, damit wir Gottes

Gerechtigkeit würden in ihm“ (2.

Korinther 5,21). Deswegen wollen

wir den Sohn Gottes erwarten – Jesus,

der uns rettet von dem kommenden

Zorn (1. Thessalonicher

1,10).

Andreas Münch (*1984) ist Ehemann

und Pastor der„MBG-Lage. Zudem Autor

des vielbeachteten Buches »Der wahre

Gott der Bibel«. Andreas auf Twitter:

@AndreasMuench

23


JOSIA

Rubrik für

junge Leute

Wahre Reformation ...

bekämpft Falsches!

Text: Jochen Klautke – Foto: Eric Bowley

FOTO: © ERIC BOWLEY – STOCKSY.COM/EKBOWLEY


Im ersten Teil über König Josia und wahre Reformation haben wir

gesehen, dass es wichtig ist, nicht zuerst bei anderen nach Fehlern zu

suchen, sondern bei sich selbst anzufangen. Josia zog nicht sofort los,

um eine Erneuerung in seinem Gebiet durchzusetzen, sondern nahm

sich stattdessen ganze vier Jahre lang Zeit, um Gott zu suchen.

Im zweiten Teil dieser Reihe werden wir sehen,

was Josia nach den vier Jahren tat. Grundlage

sind weiterhin die Berichte in 1. Könige 22-23

(diesmal besonders 23,4-20) und 2. Chronik

34-35 (diesmal besonders 34,3-7). Dabei ist

zu beachten, dass der Bericht im zweiten Königebuch

nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet ist.

Wenn ihr wissen wollt, welche Dinge Josia zu welchem

Zeitpunkt getan hat, solltet ihr euch an dem Bericht im

zweiten Chronikbuch orientieren.

Gott hasst die Sünde. Gott ist

unendlich zornig über die Sünde.

Das ist für dich wahrscheinlich nichts Neues – gerade

wenn du schon die anderen Artikel in diesem Heft gelesen

hast. Aber ich glaube, wir können uns manchmal

gar nicht vorstellen, wie zornig Gott über die Sünde ist.

Irgendwie haben wir Christen uns daran gewöhnt, dass

wir Sünder sind, dass Gott vergibt und dass das so ja

irgendwie alles in Ordnung ist. Und das stimmt auch.

Dadurch, dass Jesus den Zorn Gottes am Kreuz getragen

hat, ist alles gut. Wir dürfen frei sein. Wir dürfen wissen:

Mir ist ein für alle Mal vergeben!

Allerdings stehen wir jetzt in der Gefahr, den Zorn

Gottes über die Sünde zu vergessen. Wir vergessen, dass

Jesus unendlich leiden musste, weil Gott so zornig auf

uns war. Und je mehr wir das vergessen, desto mehr vergessen

wir auch, wie unglaublich wunderbar und unverdient

das war, was Jesus für uns am Kreuz getan hatte.

Von daher ist es gut, von Zeit zu Zeit das Leben von

Leuten zu betrachten, die Gott ausgesucht hat, um seinen

Zorn gegen Dinge zu richten, die ihm ganz und gar

nicht gefallen. Ein solches Beispiel liefert uns König Josia.

Nachdem der junge Regent vier Jahre Gott gesucht

und damit die Reformation bei sich selbst begonnen

hat, startet er im Alter von 20 Jahren, nun auch seine

Umgebung zu reformieren. Dabei benutzt ihn Gott, um

seinen Zorn über die Sünde und den Götzendienst des

Volkes deutlich zu machen. Aber selbst in dieser Situation

ist Gott immer noch gnädig. Er richtet sich nicht

gegen die sündigen Menschen persönlich, sondern vielmehr

gegen das, was diese Menschen in ihrer Sünde errichtet

haben. Wir wollen uns diese Zeit in Josias Leben

anschauen und anschließend die Frage stellen, was wir

daraus für unser Leben heute lernen können.

Die Ausgangslage: Unfassbare

Gottlosigkeit

Die Tatsache, dass das Volk Gottes in Josia einen König

hatte, der mit seinem ganzen Leben auf Gott ausgerichtet

war, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das

Volk selbst immer noch genauso tief im Götzendienst

steckte wie all die Jahrzehnte zuvor. Ausführlich berichtet

uns die Bibel, was die Israeliten so alles taten.

Was wir da lesen, raubt uns stellenweise den Atem.

Das war immerhin nicht irgendein Volk. Es war Gottes

Volk, zu dem Gott einmal gesagt hat, dass sie Ihm

ein heiliges Volk und ein Königreich von Priestern sein

sollen. Dennoch beteten sie den Baal und die Aschera

an – zwei Gottheiten, die die ungläubigen Völker um

sie herum verehrten. Das alleine ist ja fast schon ein gewohntes

Bild im Alten Testament. Aber die Tatsache,

dass die Götzentempel direkt vor und die Götzenstatuen

sogar im Tempelgebäude standen, ist selbst für die

Tiefpunkte des Alten Testaments erschreckend. Wir lesen

auch, dass die Menschen in ihren „Gottesdiensten“

ihre Kinder durchs Feuer gehen ließen und sie anschließend

dem Gott Moloch opferten (2. Könige 23,10).

Daneben bauten sie kultische Bordelle, die sie anderen

Göttern widmeten. Vor allem die Tatsache, dass sie diese

Einrichtungen nicht irgendwo, sondern ausgerechnet

an der Rückwand des Tempels errichteten, lässt uns den

Atem stocken. Wenn man es auf den Punkt bringen will,

kann man sagen, dass das Volk Gottes sich alle religiösen

Handlungen aus den Völkern in ihrem Umfeld ansah

und jeweils die schlimmsten für sich selbst übernahm.

25


Die Antwort: Josias

Götzenvernichtung

Wie reagierte Josia auf diese erschreckende

Situation? Die Bibel

sagt uns nicht im Einzelnen, was

Josia dachte. Aber sie beschreibt

uns, was er tat: „…und im zwölften

Jahr fing er an, Juda und Jerusalem

von den Höhen und Ascheren und

den geschnitzten und gegossenen

Bildern zu reinigen“ (2. Chronik

34,3b). Direkt vorher lesen wir

von den vier Jahren, in denen Josia

Gott suchte. Der König zeigt hier

etwas, was im Prinzip automatisch

passiert, wenn ein Mensch Gott

sucht. Seine Perspektive auf die

Dinge dieser Welt gleicht sich immer

mehr der Perspektive Gottes

an. Und so sieht Josia den schrecklichen

Götzendienst um sich herum

und er wird zornig – genau

wie Gott zornig auf diese Entwicklungen

ist. Aber nicht nur das. Er

beschließt auch etwas dagegen zu

tun und zieht los, um dem Götzendienst

ein Ende zu machen.

Dabei fallen verschiedene Dinge

auf, die Josias Götzenvernichtung

kennzeichneten:

Josia ging erstens unglaublich

gründlich vor. Er zerstörte nicht

nur die Götzenstandbilder, sondern

er zermalmte sie zu Staub. Er

zerstörte die Altäre nicht einfach,

nein er entweihte sie, indem er

Menschengebeine über sie ausbreitete.

Die Gründlichkeit, mit der

Josia vorging, zeigt, dass er verstanden

hatte, wie ernst es Gott mit der

Sünde war und ist.

Zweitens sehen wir, dass Josia

sehr umfassend vorging. Er beschränkte

sich nicht nur auf die

Hauptstadt Jerusalem, sondern zog

in seinem ganzen Herrschaftsgebiet

von der Stadt Geba bis zur Stadt

Beerscheba umher und vernichtete

auch dort alle Opferstellen (2. Könige

23,8). Aber selbst dabei blieb

er nicht stehen. Man muss wissen,

dass Josia nur noch über zwei der

ehemals zwölf Stämme des Volkes

Israel regierte. Die anderen zehn

Stämme waren bereits etwa 80

Jahre vorher von den Assyrern verschleppt

worden. Josia regierte also

über ein sehr kleines Gebiet, das

zudem noch von allen Seiten vom

assyrischen Riesenreich umgeben

war. Aber genau zu der Zeit, als

Josia loszog, um die Götzenaltäre

und Statuen zu vernichten, hatten

die Assyrer in ihrem Kernland Probleme

und fanden nicht die Zeit,

sich um Josia und die Israeliten zu

kümmern. Und genau das nutzte

Josia aus. Er machte an seinen eigenen

Grenzen nicht Halt, sondern

er zog durch das ganze Gebiet, das

Gott seinem Volk einst gegeben

hatte und zerstörte auch dort alles,

was dazu gedacht war, andere Götter

anzubeten (2. Chronik 34,6).

Außerdem war Josias Reform

drittens rückwirkend. Es ist schon

schlimm genug, den ganzen Götzendienst

vernichten zu müssen,

den Josias Vater und Großvater

eingeführt hatten. Aber er musste

nicht nur die Bilder seiner direkten

Vorfahren zerstören, sondern

auch die Götzentempel, die kein

geringerer als der eigentlich so weise

König Salomo über 300 Jahre

vorher hatte bauen lassen (2. Könige

23,13). Josia verschonte also

auch nicht die Dinge, an die sich

die Leute über Jahrhunderte schon

gewöhnt hatten, und die selbst so

ein gottesfürchtiger König wie Hiskia

nicht angerührt hatte. Denn er

wusste eine Sache: Auch wenn der

weise König Salomo diese Dinge

gebaut hatte, hasst Gott sie und

deswegen müssen sie zerstört werden.

Das Fazit, das der Erzähler

gibt, fasst die Gründlichkeit und

die Tiefe, mit der Josia vorging,

sehr gut zusammen. Erst als Josia

alles im ganzen Land zerstört hatte,

kehrte er wieder nach Jerusalem

zurück (2. Chronik 34,7).

Dein Auftrag: Kampf

gegen das Falsche

heute

Josia ließ nach seiner persönlichen

Reformation als zweites den Kampf

gegen das Falsche folgen. Aber was

heißt das für uns heute? Wir können

uns wahrscheinlich alle etwas

darunter vorstellen, was es heißt,

Gott zu suchen und so sein eigenes

Leben zu reformieren. Aber wie

sollen wir heute Josias Beispiel folgen,

wenn es darum geht, Falsches

zu bekämpfen?

Halten wir erst einmal fest:

Reformation hat immer etwas da-

mit zu tun, dass man entschieden

und radikal das Falsche bekämpft

und wenn möglich vernichtet.

Aber natürlich sind wir heute nicht

dazu aufgerufen, mit dem Schwert

loszuziehen. Wir sollen also nicht

zum buddhistischen Tempel in unserem

Wohnort gehen und dort die

Scheiben einschlagen. Es war der

große Irrglaube der Kreuzfahrer im

Mittelalter, zu denken, dass Christen

nachwievor das Reich Gottes

mit dem Schwert verteidigen sollen.

Aber Jesus und später auch

Paulus machen klar, dass im neuen

Bund – also in der Zeit, nachdem

Jesus auf der Erde war und am

Kreuz gestorben ist – die Dinge

ein bisschen anders sind. Wir sollen

zwar immer noch entschieden

gegen das Böse kämpfen, aber eben

nicht mehr mit materiellen Waffen,

sondern mit geistlichen. Paulus formuliert

es so: „Denn unser Kampf

richtet sich nicht gegen Fleisch und

Blut, sondern gegen die Herrschaften,

gegen die Gewalten, gegen die

Weltbeherrscher der Finsternis dieser

Weltzeit, gegen die geistlichen

Mächte der Bosheit in den himmlischen

Regionen“ (Epheser 5,12).

Es ist ziemlich gut nachvollziehbar,

dass materielle Waffen gegen solche

Feinde nichts bringen. Und

auch wenn wir diese Feinde nicht

sehen können, dürfen wir sie auf

keinen Fall unterschätzen. Sie sind

sehr gefährlich und wenn wir nicht

aufpassen, ziehen sie uns von Gott

weg, genau wie damals Salomos

anfängliche Sünde 300 Jahre später

ein ganzes Volk in ihren Sog gerissen

hatte.

Auch für uns gibt es Waffen

und Paulus zeigt sie uns ebenfalls

im Epheserbrief. Nur einen Vers

nachdem er festgestellt hatte, dass

wir einen Kampf gegen unsichtbare,

böse Mächte zu kämpfen haben,

gibt er uns eine ganze Waffenrüstung

an geistlichen Waffen (Epheser

5,13-17).

Immer wieder ist das Volk Gottes

bedroht durch diese unsichtbaren

Mächte. Aber diese Mächte

bleiben in unserer Erfahrung oftmals

nicht unsichtbar, sondern sie

wirken sehr oft durch andere Menschen,

durch Bücher oder durch

Medien. Egal, wie sie aussehen,

sie haben ein Ziel: Dich und deine

26


Bekämpfe das Falsche in dir selbst und sieh zu, dass

du wirklich weißt, was falsch ist! Nicht immer ist

automatisch das falsch, was einem nicht gefällt.

Falsch sind die Dinge, die Gott nicht gefallen, ganz

unabhängig davon, ob du das auch so siehst oder

nicht.

Geschwister im Glauben von Gott

wegzuziehen. Was ist dann konkret

deine Aufgabe – gerade wenn du

dich nach Reformation, nach einer

Rückbesinnung auf Gottes Wort

sehnst?

Dieses Thema würde Stoff für

ein ganzes Buch bieten, deswegen

werde ich nur kurz drei generelle

Ratschläge geben, wie das in der

Praxis aussehen kann. Aber bevor

wir einsteigen, möchte ich dich

ermutigen, diesen Kampf anzugehen.

Wir leben in einer Zeit, in der

es nicht mehr darum geht, nach

wahr und falsch zu fragen. „Wahr“

ist das, was für dich wahr ist. Im

Umkehrschluss gibt es auch nichts

„Falsches“ mehr. Aber das ist nicht

biblisch. Die Bibel macht unmissverständlich

klar, dass es einerseits

Dinge gibt, die gut sind, weil sie

Gott gefallen und andererseits Dinge,

die schlecht sind, weil Gott sie

hasst.

Wenn wir jetzt also konkret

nach dem Kampf gegen das Falsche

fragen, möchte ich dich als erstes

an das erinnern, was wir bereits im

ersten Teil dieser Reihe über Josia

angesprochen haben. Beginne bei

dir selbst! Oder um es mit dem

Thema dieses Artikels zu sagen:

Bekämpfe das Falsche in dir selbst

und sieh zu, dass du wirklich weißt,

was falsch ist! Nicht immer ist automatisch

das falsch, was einem nicht

gefällt. Falsch sind die Dinge, die

Gott nicht gefallen, ganz unabhängig

davon, ob du das auch so siehst

oder nicht. Die Waffe, die Paulus

dir in der Waffenrüstung dafür an

die Hand gibt, ist das Schwert des

Geistes, das Wort Gottes (Epheser

5,17). Wenn du dich mit der

Bibel beschäftigst, wirst du mehr

und mehr erkennen, was vor Gott

falsch und was richtig ist. Auch

hier gilt also: Fang bei dir selber an!

Nimm das Schwert des Geistes und

bekämpfe deine falschen Ansichten

und deine falschen Handlungsweisen!

Das Zweite, was wichtig ist:

Wenn du dich eine Weile intensiv

mit der Bibel beschäftigt hast,

werden dir natürlich Dinge in deiner

Umgebung auffallen, die nicht

so sind, wie sie sein sollten. Das

ist sehr gut. Aber die meisten von

euch werden weder Gemeindeleiter

noch Pastoren sein und deswegen

ist es ganz sicher nicht eure Aufgabe,

sich vorne hinzustellen und von

oben herab zahlreiche Änderungen

vorantreiben zu wollen. Aber vielleicht

seid ihr in der Gemeinde in

einem Arbeitsbereich engagiert und

ihr seht, dass da etwas nicht so läuft,

wie Gott es vorgesehen hat. Dann

sprecht diese Dinge an! Es ist viel

einfacher, über schlechte Entwicklungen

in Gemeinden hinwegzusehen.

Aber wohin es führen kann,

wenn keiner diese Dinge anspricht,

sehen wir an dem langsamen Niedergang

des Volkes Gottes in den

Jahrhunderten bevor Josia kam.

Der dritte Aspekt ist eine Ermahnung:

Kämpfe diesen Kampf, aber

kämpfe ihn in Liebe und für Gott!

Man kann entschlossen kämpfen

mit sehr vielen guten Vorsätzen,

aber ohne Rücksicht auf Verluste.

Ja, Gott ist sehr zornig über Dinge,

die in der Gemeinde nicht so laufen,

wie er sich das vorstellt. Und

da ist es gut und richtig und sogar

sehr wichtig, dass du dich daran

störst. Aber gerade dann, wenn du

nicht in der Gemeindeleitung bist,

musst du wissen, wo deine Grenzen

liegen und was in der Situation

weise ist. Sprich unter vier Augen

mit Verantwortlichen! Sei respektvoll

und vor allem handle in der

Liebe! Sei dir immer bewusst, dass

die erste Adresse für die Bekämpfung

falscher Dinge du selbst bist,

sonst wirst du ganz schnell selbstgerecht.

Und das Wichtigste ist: Sei

dir im Klaren darüber, dass es nicht

um dich geht, sondern um Gott

und seine Ehre! (Fortsetzung folgt)

Die Rubrik "Josia" ist ein Beitrag

in Zusammenarbeit mit dem "Josia

Netzwerk". Mehr Informationen

und weitere nützliche Ressourcen

und Artikel von und mit dem "Josia

Netzwerk" sind hier zu finden:

www.josiablog.de

Jochen Klautke (*1988) ist Referendar

in Gießen. Nebenbei Theologiestudent

and der ART in Hannover. Regelmäßiger

Blogger auf josiablog.de

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NACH CHRISTUS

Rubrik für Biografien

& Kirchengeschichte

Sünder in den Händen

eines zornigen Gottes

Text: Benedikt Peters

Am 8. Juli 1741 stand die so genannte Große Erweckung in Amerika

unter dem Prediger Jonathan Edwards auf ihrem Höhepunkt. An

diesem Tag hielt Edwards in Enfield, Connecticut, eine Predigt die

ihrer Folgen wegen zu seiner vielleicht bekanntesten geworden ist.

28

Er 1 sprach, von 5. Mose 32,35 ausgehend, über

„Sünder in den Händen eines zürnenden Gottes“.

Der Inhalt dieser Predigt hebt sich scharf

von allem ab, was wir heute gewohnt sind.

Der Hauptunterschied besteht hierin: Im Gegensatz

zu damals steht in der heutigen Verkündigung

nicht mehr Gott mit Seinen gerechten Forderungen und

Seiner souveränen Gnade im Mittelpunkt, sondern der

Mensch mit seinen Bedürfnissen und seinen Fähigkeiten.

Das gilt inzwischen für nahezu die gesamte evangelikale

Christenheit und in besonders hohem Maße für

charismatische Gruppierungen. Unter Charismatikern

werden ja all die Lehren geglaubt und praktiziert, die ein

Edwards und Whitefield und ihre Mitstreiter mit Entsetzen

von sich gewiesen hätten, wie z.B. die Auffassung,

dass es der Mensch in der Hand habe, den Heiligen

Geist und Seine Gaben zu vermitteln. Es folgen einige

1 Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Der Geist der Erweckung“

von Benedikt Peters (Betanien Verlag; 1. Auflg.; 2001).

Schwerpunkte aus der Predigt Edwards’, die er wie alle

seine Predigten im vollen Wortlaut niederschrieb und

dann in ruhigem Ton nahezu Wort für Wort wiedergab:

5. Mose 32,35: „Die Rache ist mein; ich will vergelten.

Zu seiner Zeit soll ihr Fuß ausgleiten; denn die Zeit

ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll,

eilt herzu.“ In diesem Vers wird die Rache Gottes über

ein gottloses Israel angedroht ... Der aus diesem Vers

entlehnte Ausdruck, den ich als Überschrift über meine

Predigt gesetzt habe, lautet: „Ihr Fuß wird zur bestimmten

Zeit ausgleiten.“ Das sagt Folgendes über die Strafe

und das Verderben dieser gottlosen Israeliten:

1. Dass sie allezeit dem Verderben ausgesetzt waren, so

wie jemand, der auf glitschigem Boden geht, jederzeit

in Gefahr steht, zu fallen ...

2. Es bedeutet, dass sie plötzlich und unverhofft verderben

werden, so wie jemand, der auf glitschigem

Bo- de geht, den Augenblick nicht absehen kann, in

dem er fallen wird ...

3. Es bedeutet ferner, dass sie von selbst fallen werden,

ILLUSTRATION: © ROBERT GREEN HALL (DALLAS: THE SOUTHERN PUBLISHING COMPANY, 1920)


ohne dass ein anderer sie umstößt, so wie jemand,

der auf glitschigem Boden geht, nichts außer seinem

Eigengewicht braucht, um zu stürzen ...

4. Es bedeutet schließlich, dass die einzige Ursache,

warum sie noch nicht gefallen sind und nicht jetzt

stürzen, der ist, dass der von Gott bestimmte Zeitpunkt

noch nicht gekommen ist; denn es heißt, dass

ihr Fuß zur bestimmten Zeit ausgleiten wird. Dann

sind sie sich selbst überlassen und fallen, indem sie

durch ihr eigenes Gewicht niedergerissen werden.

Gott wird sie nicht mehr halten; und sobald Er sie

nicht mehr hält, stürzen sie ins Verderben ...

Die Beobachtung, auf die ich nun mit Nachdruck hinweisen

will, ist die: Es gibt nichts, was gottlose Menschen

auch nur einen Augenblick von der Hölle fernhält,

als das bloße Wohlgefallen Gottes. Wenn ich sage:

das bloße Wohlgefallen Gottes, dann meine ich damit

Sein souveränes Wohlgefallen, Sein unumschränkter

Wille, der durch keine Verpflichtung zurückgehalten

und durch keine Schwierigkeit gehindert wird ... Die

Wahrheit dieser Beobachtung kommt in folgenden Betrachtungen

zum Ausdruck:

1. Es mangelt Gott nicht an Macht, die Gottlosen jeden

Augenblick in die Hölle zu werfen ...

2. Sie verdienen es, in die Hölle geworfen zu werden,

sodass Gottes Gerechtigkeit Ihn nicht daran hindert,

jeden Augenblick Seine Macht zu gebrauchen und

sie alsbald zu verderben ...

3. Sie stehen bereits unter dem Urteil der Verdammnis.

Sie verdienen es nicht allein, da hinabgestürzt zu

werden, sondern das Urteil des Gesetzes Gottes, jener

unwandelbaren Richtschnur göttlicher Gerechtigkeit,

steht schon gegen sie ...

4. Sie sind jetzt schon der Gegenstand des gleichen

Zornes und Grimmes Gottes, der seinen Ausdruck

in der ewigen Pein der Hölle findet. Die Ursache,

warum sie jetzt nicht in die Hölle stürzen, ist nicht

etwa der, dass Gott ihnen nicht zürnte ...

Gott ist nicht so, wie sie selbst sind und wie sie sich Ihn

denken. Der glühende Zorn Gottes ist über ihnen, und

ihr Verderben schlummert nicht. Die Grube ist gegraben,

das Feuer ist bereitet und der Ofen glüht, bereit

sie zu verschlingen; die Flammen rasen, das blitzende

Schwert ist geschärft und steht über ihren Häuptern,

und unter ihnen hat der Abgrund seinen Schlund aufgerissen

...

Der Bogen des göttlichen Zornes ...

ist gespannt und der Pfeil ist an die Sehne gelegt, und

die Gerechtigkeit richtet den Pfeil auf dein Herz, der

Bogen will schier zerspringen, und nichts hält den Pfeil

zurück als das bloße Wohlgefallen Gottes, eines zürnenden

Gottes, der in keiner Weise dem Sünder verpflichtet

ist ... Oh Sünder! Bedenke die große Gefahr, in der

du schwebst! Es ist ein großer Glutofen des Grimmes,

ein weiter und bodenloser Abgrund des flammenden

Zornes Gottes, und es ist Gottes Hand, die dich noch

über dem Abgrund hält, aber eines Gottes, den du selbst

zu diesem Zorn erregt hast; er zürnt dir nicht weniger

als allen, die er bereits ins Verderben versenkt hat. Du

hängst an einem dünnen Faden ... und du hast kein Teil

an einem Mittler ... So wird es dir ergehen, der du noch

nicht bekehrt bist. Unendliche Macht und Majestät und

der Schrecken des allmächtigen Gottes werden an dir

erhöht werden durch die unaussprechliche Stärke deiner

Qualen ... Und nun hast du eine außergewöhnliche

Gelegenheit; es ist ein Tag, an dem Christus die Tür

des Erbarmens weit aufgestoßen hat und mit gewaltiger

Stimme die Sünder ruft ... Darum wache ein jeder auf,

der außerhalb von Christus ist, er wache auf und fliehe

vor dem kommenden Zorn. Der Zorn des allmächtigen

Gottes steht zweifelsohne über einen großen Teil dieser

Versammlung. Es mache sich ein jeder auf und fliehe aus

Sodom: „Rette dich um deines Lebens willen, sieh nicht

hinter dich und bleibe nicht stehen; rette dich auf das

Gebirge, damit du nicht weggerafft werdest.“

Noch bevor Edwards seine Botschaft beendet hatte,

ging ein Stöhnen und ein Wimmern durch die Reihen

der Zuhörer. Ein Augenzeuge schrieb in sein Tagebuch:

„Ging nach Enfield hinüber, wo ich Mr. Edwards von

Northampton traf, der eine äußerst aufwühlende Botschaft

über 5. Mose 32,35 hielt. Noch vor Ende der Predigt

war ein großes Stöhnen und Schreien im ganzen

Haus: Was muss ich tun, um gerettet zu werden? Ich

fahre in die Hölle! Was soll ich tun, um Christi willen?

Daher musste der Prediger innehalten – die Schreie waren

durchdringend und erstaunlich. Nach einer Zeit des

Wartens war die Versammlung wieder stille, sodass Mr.

Edwards beten und dann von der Kanzel steigen und

sich mit den Menschen unterreden konnte. An mehreren

Seelen geschah in jener Nacht ein verheißungsvolles

Werk – und oh, wie froh und wie lieblich sahen die

Gesichter derer aus, die Trost empfangen hatten. Möge

Gott dieses Werk stärken und bestätigen!“

Joseph Tracy beschreibt den Abend in Enfield mit folgenden

Worten: „Edwards predigte. Seine schlichte und

bescheidene Art sowohl im sprachlichen Ausdruck als

auch in der Vortragsweise verbunden mit seinem Ruf zur

Heiligkeit und der Erkenntnis der Wahrheit ließen keinen

Verdacht zu, dass er irgendeinen rhetorischen Trick

versuchen würde, um die Hörer zu blenden. Er begann

in der klaren, sorgfältigen und demonstrativen Weise

eine Lehrers, dem viel am Ergebnis seiner Bemühungen

liegt und der darauf achtet, dass jeder Schritt innerhalb

des fortlaufenden Arguments klar verstanden wird. Sein

Text war 5. Mose 32,35. Indem er die Bedeutung dieses

Textes Schritt für Schritt entfaltete, brachte die allersorgfältigste

Logik ihn und seine Zuhörer zu Schlussfolgerungen,

welche die schreckenerregendsten bildlichen

Vergleiche nur mangelhaft ausdrücken konnten. Seine

furchtbarsten Beschreibungen des drohenden Gerichts

ließ sie noch klarer die Wahrheiten erfassen, die zu glauben

er sie genötigt hatte. Die Erkenntnis derselben war

nicht das Produkt der Vorstellung, sondern ein Teil des

logischen Arguments. Das Ergebnis war so, wie man es

sich hätte denken können. Trumbull sagt uns: ‚Bevor

die Predigt beendet war, schien die ganze Versammlung

tief bewegt und von einem furchtbaren Bewusstsein der

Sündenschuld und der Gefahr niedergebeugt. Es wurde

so laut nach Luft gerungen und geweint, dass der Prediger

sich an die Versammlung wenden und sie um Ruhe

bitten musste, damit man ihn hören könne.‘“

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Evangelikale

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fortlaufendes Lesen ist keineswegs ermüdend, sondern

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auf eine Burg in Böhmen, wo er daran arbeitete, die

Bibel zu übersetzen. Doch 1414 wurde er während des

Konstanzer Konzils gefangen genommen ...

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Angespornt durch die

Reiseberichte von James

Cook geht der Brite

William Carey 1793 trotz vieler Hindernisse als erster

Missionar nach Bengalen (Britisch Indien), um die

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für die Verbreitung des Evangeliums und die Übersetzung

der Bibel in verschiedene indische Sprachen

ein, und gründet die Baptistische Missionsgesellschaft.

Mit Gottes Hilfe kann er tief verwurzelte rechtliche,

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Schriftlesung

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„Der Bogen des göttlichen Zornes

ist gespannt und der Pfeil ist an

die Sehne gelegt, und die Gerechtigkeit

richtet den Pfeil auf

dein Herz, der Bogen will schier

zerspringen, und nichts hält den

Pfeil zurück als das bloße Wohlgefallen

Gottes, eines zürnenden

Gottes, der in keiner Weise dem

Sünder verpflichtet ist.“

Jonathan Edwards

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