Timotheus Magazin #21 - Helden

betanienverlag

Inhalt
Editorial
Was der tote Abel uns sagt (Jon Bloom) – Der erste Mord der Menschheitsgeschichte.
Asaf und das ehrliche Gebet (Gunnar Schröder) – Das beispielhafte Gebet eines zweifelnden Mannes im Ringen mit Gott.
Wie Nehemia kämpfte und gewann (Daniel Facius) – Was ein Mundschenk uns über das Kämpfen lehrt!
Obadja: frisches Wasser in der Dürre (Nils Freerksema) – Wie man Gott treu bleibt in einer gottlosen Welt!
Hugh Latimer (Sergej Pauli) – Leben und Sterben für die Heilige Schrift in Zeiten der Reformation.
Loyal bis in den Tod – Uria, der Hetiter (Andreas Münch) – Lektionen von einem Helden, der Gott und König bis zum letzten Atemzug diente.
Jesaja, der erste Evangelist! (Jochen Klautke) – Als Mensch stand er ganz hinter seiner Botschaft zurück. Aber diese Botschaft hatte es in sich.
Interview mit Thomas Reiner (Peter Voth) – Reformierte Kirche in der Schweiz!
Interview mit Matthias Lohmann (Peter Voth) – Für das Evangelium in Deutschland!
Buchvorstellungen

BIBELTREUES MAGAZIN FÜR JUNGE CHRISTEN · #21 · 04/2015

+

Thomas

Reiner

Reformierte Kirche

in der Schweiz

S. 32

+

Hugh

Latimer

Leben und Sterben

für das Wort Gottes

S. 20

Ungewöhnliche Helden

Was »Außenseiter« des Alten

Testaments uns heute sagen


Editorial

#21 Ungewöhnliche Helden - 04/2015

Auf dem Cover

»Leuchtturm«

Joshua Hibbert

ist ein australischer

Webdesigner, der

nebenbei auch schöne

Fotos macht. Mehr über

Joshua auf Twitter unter

@_joshnh

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

die Bibel ist voller Biographien. Ungewöhnliche, unbekannte

und leider oft auch übersehene Biographien.

Nicht selten handeln sie von Außenseitern. Manche

waren mutig, manche feige und manche trugen ihre absolute

Verdorbenheit besonders offensichtlich zu tage.

Kurz gesagt: Die meisten Personen der Bibel sind genau

wie wir. Und das ist ein unglaublich wunderbarer Fakt.

Zu oft schieben wir diese Lebensbilder in das Reich

der „Kindergeschichten“. Dabei sind es unglaubliche,

wahre, wahrhaftige und oft auch sehr brutale Geschichten

und Ereignisse. Wenn wir alle Verniedlichung und

Beschönigung weglassen, offenbaren sich Lebensbilder,

die nur von der Hand des souveränen Gottes geschrieben

worden sein können. Und sehr oft sind diese

Geschichten mit Blut geschrieben. Daher lasst uns auch

die scheinbar kleinste Biographie nicht gering schätzen,

sondern aufmerksam begutachten. Unser Augenmerk

haben wir auf das Alte Testament gelegt. Das ist es

letztlich, was diese Menschen von uns unterscheidet:

Zeit und Raum. Die Umstände, in die Gott diese Menschen

gesetzt hat. Wie handelten Menschen, als der

Messias noch nicht da war? Als das Evangelium noch

nicht in voller Gänze offenbart war, als Gott anders zu

den Menschen sprach? Unsere Autoren haben in ihren

Texten aufgezeigt, wie das Evangelium in diesen Leben

doch eine Rolle spielte und was diese Lebensbilder

heute über das Evangelium aussagen. In dieser Ausgabe

beleuchten wir bekanntere Namen wie Kain, Abel,

Jesaja oder Nehemia. Aber auch weniger bekannte wie

Uria, Obadja und Asaf nehmen wir unter die Lupe.

Letztendlich hat dir jedes dieser Leben etwas zu sagen.

Sie sprechen zu dir, sie sagen etwas über dich und über

das Evangelium Jesu Christi aus.

Letztendlich hat dir jedes

dieser Leben etwas zu

sagen. Sie sprechen zu

dir, sie sagen etwas

über dich und über das

Evangelium Jesu Christi

aus.

Peter Voth

2


Inhalt

Inhalt

4

Was der tote

Abel uns sagt

JON BLOOM

Der erste Mord der

Menschheitsgeschichte.

8

Asaf und das ehrliche Gebet

GUNNAR SCHRÖDER

Das beispielhafte Gebet eines

zweifelnden Mannes im Ringen

mit Gott.

12

Wie Nehemia kämpfte

und gewann

D A N I E L F A C I U S

Was ein Mundschenk uns über

das Kämpfen lehrt!

16

Obadja: frisches Wasser

in der Dürre

NILS FREERKSEMA

Wie man Gott treu bleibt in einer

gottlosen Welt!

20

Hugh Latimer

SERGEJ PAULI

Leben und Sterben für die

Heilige Schrift in Zeiten der

Reformation.

24

Loyal bis in den Tod —

Uria, der Hetiter

ANDREAS MÜNCH

Lektionen von einem Helden, der

Gott und König bis zum letzten

Atemzug diente.

28

Jesaja, der erste Evangelist!

JOCHEN KLAUTKE

Als Mensch stand er ganz hinter

seiner Botschaft zurück. Aber

diese Botschaft hatte es in sich.

32

Interview mit

Thomas Reiner

PETER VOTH

Reformierte Kirche in der

Schweiz!

38

Interview mit

Matthias Lohmann

PETER VOTH

Für das Evangelium in

Deutschland!

IMPRESSUM

Redaktion Waldemar Dirksen,

Viktor Sudermann, Andreas Kuhlmann,

Peter Voth

Art Direktor Peter Voth ∙ vothpeter@yahoo.de

Lektorat Tanja Mirau

Abodienst Katharina Wiebe ∙ kwiebe@betanien.de

Verlag Betanien Verlag e.K. ∙ Imkerweg 38

D-32832 Augustdorf ∙ info@betanien.de

Online www.timotheusmagazin.de

Shop www.cbuch.de/timotheus

Erscheinungsweise Erscheint als

Quartalsmagazin seit Oktober 2010

alle drei Monate: Januar (Winter) · April

(Frühling) · Juli (Sommer) · Oktober (Herbst).

Preise Einzelausgabe ∙ €2,90 (zzgl.Versand)

Jahresabo (D) ∙ €13,55 (inkl. Versand)

Jahresabo (EU) ∙ €21,50 (inkl. Versand)

Rubriken im Heft

Nach Christus

Schriftgelehrt

Josia

Kirche in Deutschland

Im Studierzimmer

3


Was der tote

Abel uns sagt

Text von Jon Bloom

Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach:

Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach:

Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu

mir von der Erde. —1. Mose 4,9-10


Durch den Glauben hat Abel Gott ein besseres Opfer dargebracht als

Kain; deshalb wurde ihm bezeugt, dass er gerecht sei, da Gott selbst

es über seine Gaben bezeugte; und durch den Glauben redet er noch,

obwohl er gestorben ist. —Hebräer 11,4


Was Kain nicht

wusste, war, dass

sein zum Schweigen

gebrachter Bruder

nicht ruhig

geblieben war.

Die Geschichte von Kain und Abel in 1.

Mose 4 erzählt uns viel mehr über Kain

als über Abel. Tatsächlich ist kein einziges

Wort aus dem Mund des lebenden Abel

aufgezeichnet. Aber der Schreiber des

Hebräerbriefs sagt, dass er „durch Glauben noch redet,

obwohl er gestorben ist“ (Hebräer 11,4). Was also

spricht Abel zu uns?

Der Abend dämmerte. Kain arbeitete heute länger.

Um seinen Eltern nicht gegenüberzutreten, versuchte

er seine schuldgetränkte Furcht mit einer übermäßigen

Sorge um seine Ernte zu verbergen. Plötzlich sendet die

unmissverständliche Stimme des Herrn einen Schrecken

durch Kains Innerstes: „Wo ist dein Bruder Abel?“

(1. Mose 4,9).

Mit der Zeit lernte Kain Abel zu verachten. Egal,

um was es sich handelte, Abel schien die Situation

immer zu seinen Gunsten zu wenden. Ist ein Konflikt

entstanden? Abel, „der Demütige“, liebte es, der erste

zu sein, um sich zu versöhnen. Brauchte jemand Hilfe?

Abel, „der Diener“, liebte es, der erste zu sein, um sie

anzubieten. Gab es eine Verletzung? Abel „der Mitfühlende“

liebte es, der erste zu sein, um zu trösten. Selbst

wenn Kain größere Ausdauer und Kreativität in seiner

Tätigkeit zeigte, Abel, „der Tugendhafte“, konnte ihn

immer seiner Freude berauben mit seiner tugendhaften

Ausübung von Zurückhaltung.

Am unerträglichsten für Kain war jedoch Abel, „der

Fromme“, der kühn sein empfindliches Gewissen und

seine kostbare Ergebenheit für Gott offenlegte, so dass

jedermann es sah. Kain konnte es kaum ertragen, wie

sein Vater und seine Mutter davon schwärmten.

Mit jeder weiteren Demütigung hegte Kain den

verborgenen Gedanken, dass Abel seine Gutherzigkeit

nutzte, um sich Uüberlegener als er zu zeigen.

Aber an jenem Morgen erlitt Kain einen vernichtenden

Schlag. Der Herr forderte von beiden

Brüdern eine Opfergabe, die Erstlingsfrucht ihrer Arbeit,

und Kain sah darin eine Gelegenheit. Dieses Mal

würde Abel ihn nicht vorführen. Kain wollte beweisen,

dass er sich wie Abel ebenfalls mit Hingabe auszeichnen

konnte. So stellte er sicher, dass seine Gabe auf

verschwenderische Weise die geforderte Erstlingsfrucht

seiner Arbeit übertraf.

Aber als der Herr Kains extravagante Gabe sah,

lehnte er sie ab. Kain war fassungslos. Dann, um noch

Salz in die Wunden zu streuen, akzeptierte der Herr

Abels vergleichsweise einfaches Lammopfer. Wieder

von Abel gedemütigt! Aber dieses Mal vor Gott!

Kains Hass wandelte sich in Schrecken. Abel hat

ihn zum letzten Mal in den Schatten gestellt. Am

späten Nachmittag lag Abels lebloser Körper auf einem

abgeschiedenen Feld, zurückgelassen in der Hoffnung,

dass der Hunger eines wilden Tieres den Brudermord

verschleiert.

Doch die Frage des Herrn ließ Kain „bloß und aufgedeckt“

(Hebräer 4,13) zurück. Mit dem Zorn seiner

einengenden Schuld log er: „Ich weiß nicht; soll ich

meines Bruders Hüter sein?“ Was Kain aber tatsächlich

nicht wusste, war, dass sein zum Schweigen gebrachter

Bruder nicht ruhig geblieben war. Der Herr antwortete:

„Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines

Bruders schreit zu mir von der Erde“ (V. 10).

Das Blut des toten Abels schrie hoch zu Gott nach

Gerechtigkeit (1. Mose 4,10; Hebräer 12,24). Doch der

Glaube des toten Abels „redet noch“ (Hebräer 11,4).

Was also spricht Abel zu uns durch seinen Glauben?

OHNE GLAUBEN IST ES UNMÖGLICH,

GOTT ZU GEFALLEN

Fakt ist: Gott akzeptiert nur glaubensangefachte Opfergaben!

Es ist wichtig, dass Gott uns keine weiteren Details

gewährt, weder über Kains noch über Abels Opfer

– die ersten, die in der Bibel aufgezeichnet wurden. In

dieser Geschichte stelle ich mir vor, dass Kain versuchte

Gottes Zustimmung zu gewinnen, mithilfe eines beeindruckend

aussehenden Opfers. Aber es könnte ebenso

einfach auch ein geiziges Opfer oder auch ein überaus

genaues Opfer sein. Der Punkt ist, dass Gott unmittelbar

zu Beginn unsere Aufmerksamkeit abwendet

6


In dieser

Geschichte sind

wir alle Kain –

auch wenn wir

uns lieber als Abel

sehen würden.

von den Dingen, die gefallene Menschen für wichtig

halten (wie unsere Werke uns beeindruckend erscheinen

lassen) und hinwendet zu den Dingen, die Gott für

wichtig hält (wie unsere Werke offenbaren, wem wir

vertrauen).

Die Schrift lehrt, dass „der Gerechte durch seinen

Glauben leben wird“ (Habakuk 2,4), weil „es ohne

Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen“ (Hebräer

11,6). Abel wurde von Gott „als gerecht bezeugt“, weil

er sein Opfer durch Glauben dargebracht hat (Hebräer

11,4). Kains Opfer war „böse“ (1. Johannes 3,12), weil

unsere Opfergaben (hier: jedes für Gott vollbrachte

Werk) ohne demütiges Vertrauen auf Gott selbst böse

vor Gott sind – selbst wenn sie für alle anderen als gut

und beeindruckend erscheinen.

DU WIRST VON ALLEN GEHASST WERDEN

UM MEINES NAMENS WILLEN

Eine weitere Sache, die wir von Abel hören, ist, dass

die Welt dich hassen wird, wenn du durch Glauben an

Jesus lebst (den das Neue Testament als Jahweh offenbart,

der Herr [Philipper 2,11]). Der Apostel Johannes

macht uns diesen Hass klar: „Seid nicht wie Kain, der

von dem Bösen stammte und seinen Bruder umbrachte.

Und warum brachte er ihn um? Weil seine Werke

böse waren und die seines Bruders gerecht. Wundert

euch nicht, meine Brüder, wenn euch die Welt hasst“

(1. Johannes 3,12-13). Abel war der erste, der erfuhr,

dass „alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus,

Verfolgung leiden müssen“ (2. Timotheus 3,12).

Unser „Licht leuchten zu lassen vor den Leuten,

damit sie unsere guten Werke sehen“ (Matthäus 5,16)

wird bei Zeiten auch die Boshaftigkeit anderer aufdecken

und ihren Hass erregen (Johannes 3,20). Jesus

selbst sagte, „ihr werdet gehasst sein von jedermann

um meines Namens willen“ und „man wird einige von

euch töten“ – einige sogar durch die Hand von „Eltern,

Brüdern, Verwandten und Freunden“ (Lukas 21,16-

17). Rechtschaffener Glaube erregt bösen Hass.

EIN BESSERES WORT ALS ABELS BLUT

In dieser Geschichte sind wir alle Kain – auch wenn

wir uns lieber als Abel sehen würden. Wir waren alle

zu einer Zeit verflucht, „verfeindet mit Gott“ und

entfremdet von ihm (Römer 8,7; Epheser 4,18). Abel,

der erste Märtyrer des Glaubens, ist ein Vorschatten

auf unseren Herrn Jesus, dessen „Blut ... besser redet

als Abels Blut“ (Hebräer 12,24). Denn obwohl Abels

unschuldiges Blut emporschrie für Gerechtigkeit gegen

Sünde, so schreit Jesu unschuldiges Blut empor um

Gnade für Sünder. Abels Blut offenbart Kain in seinem

Elend. Jesu Blut bedeckt unser Elend und reinigt uns

von unseren Sünden (Römer 7,24; 1. Johannes 1,9).

Und jetzt, während wir danach trachten unsere

Leiber als lebendige Opfer Gott darzubringen, lasst uns

daran denken, dass der einzige Weg, um unsere Opfer

akzeptabel vor Gott zu machen, der einzige Weg, um

unsere Opfer zu einem geistlichen Dienst der Anbetung

zu machen, unser kindlicher Glaube an Jesus ist (Römer

3,26; 12,1). Und lasst uns nüchtern daran denken,

dass die einzige Belohnung, die wir von der Welt erwarten

können, ihr Hass ist. 1

1 Dieser Artikel ist eine Übersetzung (Andreas Kuhlmann) des Kapitels

„What Dead Abel Speaks To Us – Abel, Cain and Faith“ aus

Jon Blooms Buch „Things Not Seen“ (Crossway 2015). Übersetzt

und veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verlags und

des Autoren (Taken from Things Not Seen by Jon Bloom, © 2015,

pp. (143-148). Used by permission of Crossway, a publishing ministry

of Good News Publishers, Wheaton, IL 60187, www.crossway.org).

Jon Bloom dient Desiring God als Mitgründer, Vorstand und

Autor. Er ist Autor mehrerer Bücher. Er lebt mit seiner Ehefrau

Pam und fünf Kindern in Minneapolis. Twitter: @Bloom_Jon

© Foto: Thomas Lefebvre 7


Asaf und das

ehrliche Gebet

Text von Gunnar Schröder

Die Bibel berichtet uns von großen Gestalten. Von Königen und

Priestern. Von Propheten und Aposteln. Sie sind uns Vorbilder

im Glauben, im Leben und im Sterben. Aber daneben gibt es die

Menschen, über die man wenig hört und noch weniger weiß.

Die großen und kleinen Unbekannten. In

gewisser Weise sind es Menschen in unserer

Position. Sie sind Teil der Geschichte

Gottes, Teil seines Plans. Und doch tauchen

sie nicht in den großen Erzählungen

auf. Sie sind Glaubende, halten Gott die Treue. Und

doch sind sie nicht in aller Munde.

Einer dieser Männer war Asaf. Fakten haben wir

nur wenige zu seinem Leben. Er war ein Sohn des

Berechjas (1. Chronik 15,17), hatte Brüder (1. Chronik

16,37) und lebte zur Zeit Davids (Nehemia 12,46).

Seine Söhne waren an der Reinigung des Tempels von

falschen Götzen unter Hiskia beteiligt (2. Chronik

29,13), beim großen Passamahl Josias (2. Chronik

35,15) und befanden sich unter den Rückkehrern aus

der babylonischen Gefangenschaft (Esra 2,41; Nehemia

7,44).

So viel zu den harten Fakten. Aber wie bei jedem

menschlichen Leben reichen Fakten alleine nicht aus,

um es zu beschreiben und zu verstehen. Ein genauerer

Blick in 1. Chronik 16 verdeutlicht uns das Bild dieses

Mannes.

4 Und er bestellte einige Leviten zu Dienern vor der

Lade des Herrn, dass sie priesen, dankten und lobten den

Herrn, den Gott Israels,

5 nämlich Asaf als Vorsteher, Secharja als Zweiten,

Jaasiël, Schemiramot, Jehiël, Mattitja, Eliab, Benaja,

Obed-Edom und Jëiël mit Psaltern und Harfen, Asaf aber

mit hellen Zimbeln,

Aus den Versen erfahren wir ein wenig mehr über

den Mann namens Asaf. Er war kein Krieger, kein

König, kein Priester, kein berühmter Mann. Er war

Musiker und Dichter.

Asaf war ein Levit, ein Angehöriger des Stammes

Levi, dessen Aufgabe es war, am Heiligtum der

Bundeslade und später am Tempel zu dienen (Nehemia

12,35).

Von dieser Gruppe nahm David eine Handvoll

Menschen und gab ihnen eine besondere Aufgabe: Er

machte sie zu prophetischen Musikern. Asaf war der

Kopf dieser Gruppe. 1. Chronik 25 fährt fort:

1 Und David und die Feldhauptleute sonderten aus

zum Dienst die Söhne Asafs, Hemans und Jedutuns, prophetische

Männer, die auf Harfen, Psaltern und Zimbeln

8

© Foto: Joshua Earle


Er war kein

Krieger, kein

König, kein

Priester, kein

berühmter

Mann. Er war

Musiker und

Dichter!


Asaf wird deutlich, dass

sein Bild der Realität

und Gottes Realität nicht

überein stimmen.

spielen sollten. Und es war die Zahl derer, die Dienst taten

in ihrem Amt: 2 von den Söhnen Asafs: Sakkur, Josef,

Netanja, Asarela, Söhne Asafs, unter der Leitung Asafs,

der als prophetischer Mann nach Anweisung des Königs

spielte.

Schon wird das Bild deutlicher: Asaf war kein bloßer

Musiker. Die Gruppe um ihn herum hat – ebenso

wie er selbst als ihr Kopf – unter der Autorität des

Königs Prophezeiungen von sich gegeben. Er war ein

Sprachrohr Gottes.

Eine spätere Stelle (2. Chronik 29,30) bestätigt

dies:

30 Und der König Hiskia samt den Oberen gebot den

Leviten, den Herrn zu loben mit den Liedern Davids und

des Sehers Asaf. Und sie lobten mit Freuden und neigten

sich und beteten an.

Asaf, hier Seher genannt, dichtet also nicht bloß

Lieder. Er verkündet als Prophet durch die Musik

Gottes Willen. Zwölf dieser Psalmen (Psalm 50; 73-

80) sind uns im dritten Teil des Psalters erhalten 1 und

zeigen das Bild eines Mannes, der vor seinem Gott um

Ehrlichkeit und Gerechtigkeit ringt und damit prophetische

Weisung erhält.

Eindrücklich wird dies in Psalm 73 erfahrbar.

AUF WEN SOLLEN WIR HÖREN?

„Asafs Gebete sind von einer tiefen Offenheit

und radikalen Menschlichkeit geprägt. Dabei

kommen sie von einem dunklen Ort. Am Anfang

steht ein wunderbares Bekenntnis: ‚Gott ist gut

zu Israel‘“ (Psalm 73,1)

Asaf weiß, dass Gott gut ist, nur leider passt dieser

Gedanke nicht mit seiner Erfahrung zusammen. Was

folgt, sind deshalb dreizehn Verse voller Beschwerden

über seine Empfindungen, wenn er die Welt um sich

herum betrachtet. Schließlich beichtet er, dass er beinahe

seinen Glauben verloren hätte, als er das Wohlergehen

der Gottlosen sah (Psalm 73,2-3). Er zweifelt an

Gottes Anwesenheit (Psalm 73,4-12). Er ist kurz davor,

den Boden unter den Füßen zu verlieren, kurz davor,

den Glauben zu verlieren (Psalm 73,13-14).

Asaf kämpft mit einem Problem, das aus den

Tiefen seines eigenen Verstandes zu ihm vordringt:

1 Insgesamt ist lediglich einer der siebzehn Psalmen in diesem Teil

des Psalters von David verfasst. Es ist beinahe, als wären an dieser

Stelle absichtlich Gedanken und Gebete „einfacher“ Menschen gesammelt

worden.

Das menschliche Gehirn ist einer der interessantesten

Aspekte der Schöpfung. Unendlich kompliziert, unendlich

unerforscht, ständig im Gespräch mit sich selbst.

Denn: Jeder Mensch führt einen inneren Monolog.

Dies geschieht auf zwei unterschiedliche Arten. Positive

Sätze nennen wir Bestärkung. Negative Aussagen

bemerken wir als Unsicherheit, Zweifel oder Angst.

Damit hat der innere Monolog einen großen Einfluss

auf unser Denken, unser Fühlen, die Einstellung

zu bestimmten Themen, Erlebnissen und auf unser

Handeln.

Asaf kennt den Satz: Gott ist gut. Er weiß auch:

Gott ist gerecht. Er hat gelernt: Gott ist allmächtig.

Aber Asaf hört: Gott ist nicht hier. Gott liebt dich

nicht. Gott ist nicht gut zu Israel.

Wie leicht geschieht es, dass wir uns so sehr auf

unsere Umstände konzentrieren, dass wir nichts

anderes mehr wahrnehmen können? Dass unser Blick

für das große Ganze versperrt bleibt? Asaf erlebt diesen

dunklen Ort am eigenen Leib. Das Leben verdrängt

seine Theologie. Er hört die eigene Stimme in seinem

Kopf lauter als Gottes Stimme. Er ist überwältigt von

einem aus Erfahrung, eigener Geschichte und Umwelt

geformten Bild. Ein Leben aus Schmerz und Leiden

führt ihn in den Zweifel. Aus diesem Zweifel heraus

öffnet Asaf sein Herz und tritt vor Gott. Er übergeht

diese Gefühle nicht. Er wischt sie nicht fort.

Er spricht ein ehrliches Gebet.

DAS EHRLICHE GEBET HÖRT AUF GOTT

„Deshalb versuchte ich zu begreifen, warum es

den Gottlosen so gut geht. Aber das war mir zu

schwer! Bis ich eines Tages in Gottes Heiligtum

kam…“ (Psalm 73,16)

Die erste Hälfte (V. 1-15) von Asafs Gebet ist wie ein

Workout für seine Seele. Er verausgabt sich, schreit

sich den Schmerz von der Seele. Die Ergebnisse seiner

Übungen erntet er in der zweiten Hälfte. Asaf berichtet

uns, wie er in den Tempel geht, um dort auf Gott zu

treffen. Er richtet seinen Blick nach oben. Weg von

den eigenen Gedanken und der eigenen Stimme. Dort

offenbart Gott ihm ein vollständigeres Bild seines

Wesens.

In einer großen Vision lässt Gott Asaf an seinem

Plan teilhaben. Asaf wird deutlich, dass sein Bild der

Realität und Gottes Realität nicht übereinstimmen

(Psalm 73,15-17). Was er sah, war nur ein flüchtiger

10


Wenn wir Gott im Gebet

offenbaren, wer wir

wirklich sind, offenbart

er uns, wer er ist.

Moment. Gott ist ein gerechter Gott, der richten wird

(Psalm 73,18-20) und Asaf ein Zweifler, der diese Tatsache

nicht bemerkt hat (Psalm 73,21-22). So bekennt

Asaf vor Gott seine Sünde und sein Zweifeln. Und

Gott nimmt ihn an.

Ganz ähnlich wie Hiob macht er die Entdeckung,

dass sich Gott immer wieder neu offenbart und den

Glauben stärkt, wenn man sich ihm ehrlich und offen

zuwendet.

DAS EHRLICHE GEBET VERÄNDERT

„Da erkannte ich, wie verbittert ich war und

welcher Zorn in mir aufstieg, als ich all dies

sah“ (Psalm73,21)

Asaf trägt seine Wut und seine Zweifel zu Gott. Er

bricht aus der Spirale der eigenen Gedanken aus. Aber

indem er dies tut, befasst er sich auch auf schmerzliche

Art mit sich selbst. Er betrachtet seine Fehler und

Zweifel wie von außen (Psalm 73,21-22) und lernt

über sich selbst. Die Selbsterkenntnis, so schmerzhaft

sie auch sein mag, ist ein wichtiger Schritt im Wachstum

eines Christen. Dabei geht es nicht um ein bloßes

Niedermachen oder um eine ewig zirkuläre Nabelschau.

Vielmehr geht es um Wachstum. Es geht um

eine genaue Diagnose der eigenen Person, der eigenen

Gedanken und Handlungen.

Das ehrliche Gebet führt zur Kenntnis des eigenen

Herzens. Wie könnten wir ehrlich beten, wenn wir

nicht aus tiefstem Herzen beten würden? Wie könnten

wir ehrlich vor Gott treten, wenn wir uns nicht zuerst

mit uns selbst auseinandersetzen würden?

konfrontiert. Natürlich, immerhin lebt er in einer gefallen

Welt! Aber er kennt den Gott, der für ihn einsteht.

Er kennt den Schöpfer, der alles neu machen wird. Er

kennt den Vater, der den Erlöser schicken wird.

Dieses Vertrauen, diese Gottesnähe stärkt und bewahrt

ihn. Er lernt, eine Wirklichkeit zu sehen, die den

Augen verborgen bleibt.

DAS GEBET UND DIE OFFENBARUNG

Asaf war ein Mann Gottes, der einen besonderen

Dienst versah, indem er Prophetie und Musik zur

Ehre Gottes vereinte. Als inspirierter Autor von zwölf

Psalmen bietet er uns eine einzigartige Perspektive auf

Gottes Wesen und auf eine uns nur allzu bekannte

Menschlichkeit.

Sein Leben und seine Theologie, wie sie uns in

seinen Psalmen begegnet, konfrontieren uns mit einer

Frage: Trauen wir uns, auf diese Art zu beten? Werden

wir so mutig beten, wie Asaf es tat oder fallen wir auf

die alte Lüge herein, dass Gott süße Plattitüden hören

möchte, die sich als Gebet tarnen?

Wenn du nicht bereit bist, dein Herz im Gebet

schonungslos zu prüfen und aufzudecken, musst du

dich nicht wundern, wenn sich dein Gebetsleben lau

und leblos anfühlt. Wenn wir uns wie Asaf prüfen, ganz

offen vor Gott treten und Buße über unsere sündige

Einstellung tun, wird Gott unser Herz mit seiner

Erkenntnis füllen, mit frischem Glauben und einem

frischen Verlangen ihm zu dienen.

DAS EHRLICHE GEBET STÄRKT VERTRAUEN

„Doch ich bekenne: Die Gottesnähe tut mir gut!

Ich fand meine Zuflucht bei Jahwe, dem Herrn“

(Psalm 73,28)

Asaf lernt, dass er Gott vertrauen kann. Er lernt, an

seinen Zweifeln zu zweifeln. Durch seine Tränen –

zuerst des Zorns, dann der Selbsterkenntnis – bleibt die

Heilung nicht aus. Asaf greift die gute Nachricht – das

Evangelium, dem wir Christen glauben und folgen,

und hält sich daran fest. Er hört, dass er mit Gott

versöhnt ist und dass Gott in seiner Vorhersehung den

Weg allen Lebens kennt.

Auf diesem Grund kann ein Leben stehen. Asaf

wird noch immer mit den Erfahrungen seiner Umwelt

Gunnar Schröder (*1987) ist zur Zeit Vikar in Norddeutschland.

Nebenbei schreibt er auf seinem Blog pastorgunnar.de und auf

Twitter unter @PastorGunnar.

11


Wie Nehemia

kämpfte & siegte!

Text von Daniel Facius

Mit der Eroberung Babylons durch Kyros II. begann der Aufstieg

des persischen Weltreichs. Auch die in Mesopotamien und Palästina

lebenden Juden wurden Teil dieses Reiches, unter ihnen: Nehemia.

Als Mundschenk des Königs Artaxerxes I. spielte er eine entscheidende

Rolle beim Wiederaufbau Jerusalems – und kann uns zeigen, wie

man siegreich im Glauben lebt.


Die Geschichte Nehemias ist eine Abfolge

von Konflikten und Widerständen. Von

dem Zeitpunkt an, da Nehemia durch

seinen König die Erlaubnis erhielt, nach

Jerusalem reisen und die königlichen

Materialien für den Bau der Stadtmauer verwenden zu

dürfen, gab es Widerstand. Sanballat, der Horoniter

und Statthalter von Samaria 1 , und Tobija, seinerseits

wahrscheinlich Statthalter der Region östlich

des Jordans 2 , waren mit den Plänen Nehemias nicht

einverstanden (Nehemia 2,10; im Folgenden abgekürzt

„Neh“), da sie befürchten mussten, ihren Einfluss in

der Region zu verlieren. Zusammen mit dem Araber

Geschem, einem Machthaber, der arabische Stämme

kontrollierte, die vom Nordosten Ägyptens bis in den

Süden Palästinas siedelten, begegneten sie Nehemia mit

Hohn und Spott (Neh 2,19; 3,33). Als sie die Fortschritte

des Baus bemerkten, „wurden sie sehr zornig

und verschworen sich alle miteinander hinzuziehen,

um gegen Jerusalem zu streiten“ (Neh 4,1f.). Nun

musste Nehemia nicht nur gegen eine echte Bedrohung

kämpfen, sondern auch gegen die Resignation und

Furcht seiner eigenen Leute (Neh 4,4.8). Er musste sich

mit den Beschwerden der Armen auseinandersetzen

(Neh 5,1-13), zahlreichen Fallen seiner Feinde entgehen

(Neh 6,1-9) und nicht zuletzt falschen Propheten

begegnen, die ihn abschrecken wollten (Neh 6,10-14).

Selbst nachdem der Mauerbau vollendet war, blieb eine

1 In der Bibel wird Sanballat als Horoniter bezeichnet, da er wahrscheinlich

aus Beth-Horon stammte, der Name zweier Schlüsselstädte

an der Hauptstraße nach Jerusalem. In einem Papyrus, der

auf der ägyptischen Nilinsel Elephantine gefunden wurde, wird

Sanballat als Gouverneur von Samaria identifiziert.

2 Die Bezeichnung „der ammonitische Knecht“ ist vermutlich ein

Ehrentitel.

Menge Arbeit übrig. Das Volk musste an das Gesetz

Gottes erinnert (Neh 8) und immer wieder ermahnt

werden, es auch zu halten (Neh 13). In all diesen Konflikten

blieb Nehemia letztlich siegreich. Was war das

Geheimnis seines Erfolges?

KÄMPFEN FÜR DAS RICHTIGE ZIEL

Nehemia besaß als Mundschenk des persischen Königs

Artaxerxes I. ein Amt mit hoher Verantwortung. Er

war nicht nur für die Getränkeauswahl des Königs

zuständig, sondern diente auch als dessen Vorkoster.

Dementsprechend wurden für ein solches Amt nur

besonders vertrauenswürdige Leute ausgesucht, die dem

Herrscher dann auch recht nahestanden. Wir können

dem biblischen Bericht entnehmen, dass es Nehemia

am persischen Hof sehr gut ging und sein Verhältnis zu

Artaxerxes jedenfalls so freundlich war, wie es zwischen

einem König und seinen Bediensteten möglich

ist. Nehemia hatte also wenig Veranlassung, sich zu

beklagen oder sich eine Veränderung seiner Situation

zu wünschen. Er hätte vielmehr seine Position ausnutzen

können, um seine eigene Karriere zu verfolgen (wer

wissen möchte, wie an Königshöfen intrigiert wurde,

der lese einmal die Berichte in den Büchern Daniel

oder Esther).

Doch Nehemia gab sich nicht damit zufrieden, dass

es ihm persönlich gut ging. Seine Gedanken drehten

sich vielmehr um das Schicksal des Volkes Gottes.

„Da kam Hanani, einer meiner Brüder, mit einigen

Männern aus Juda. Und ich fragte sie, wie es den Juden

ginge, den Entronnenen, die aus der Gefangenschaft

zurückgekehrt waren, und wie es Jerusalem ginge“

(Neh 1,2). Bezeichnend: Nehemia identifiziert sich voll

und ganz mit den verschleppten Juden. Hanani nennt

© Foto: Austin Ban 13


er seinen Bruder, und er bekennt die Sünden, „die wir

an dir getan haben“ (Neh 1,6). Dass das Volk Gottes

„in großem Unglück und in Schmach“ (Neh 1,3) lebt,

kann Nehemia nicht verkraften. „Als ich aber diese

Worte hörte, setzte ich mich nieder und weinte und

trug Leid tagelang“ (Neh 1,4).

Diese Identifizierung Nehemias mit dem Volk

Gottes ist vorbildhaft auch für Gläubige, die zum Leib

Christi, zur Gemeinde, gehören. Die Bibel betont

mehrfach die Einheit des Volkes Gottes (vgl. etwa 1.

Korinther 12 oder Epheser 4) und ruft uns auf, Anteil

an dem Schicksal unserer Geschwister zu nehmen.

„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den

Weinenden“, fordert Paulus in Römer 12,15 und stellt

fest: „Wenn ein Teil des Körpers leidet, leiden alle anderen

mit, und wenn ein Teil geehrt wird, ist das auch

für alle anderen ein Anlass zur Freude“ (1. Korinther

12,26, NGÜ). Diese Art der Verbundenheit mit dem

Schicksal des Volkes Gottes lebt uns Nehemia vor. Und

er leidet nicht nur mit, er gibt seine sehr komfortable

Lebenssituation auf, um den Kampf mit den Feinden

Gottes aufzunehmen. Nehemia war jemand, der „für

die Israeliten Gutes suchte“

(Neh 2,10). So sollten wir

auch zu Menschen werden, die

statt für uns selbst für das Volk

Gottes und Seine Gemeinde

Gutes suchen. Jesus verspricht

solchen Menschen, denen

es zuerst um Gottes Reich

und Gottes Gerechtigkeit

geht, dass ihnen alles Übrige

dazugegeben wird (Matthäus

6,33). Nehemia würde das

bestätigen.

KÄMPFEN AUS DER RICHTIGEN KRAFT

Petrus nennt in seinem erstem Brief (4,10f.) zwei

wichtige Kriterien für den Dienst eines Christen:

„Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen

hat (…) aus der Kraft, die Gott gewährt“. Es

gilt also zwei Gefahren zu vermeiden: an einer Stelle

zu arbeiten, für die man keine Begabung besitzt und

den im Grunde noch gefährlicheren, weil schwerer

erkenntlichen Fehler: ohne die Kraft Gottes vor sich

hin zu werkeln. Nehemia, das macht sein Bericht sehr

deutlich, konzentriert sich bei dem Projekt „Aufbau

Jerusalems“ auf seine Stärken. Er inspiziert die Problemstellen,

entwickelt einen Plan zu deren Beseitigung,

teilt Mitarbeiter ein, überwacht die Ausführung und

motiviert die Menschen, die mit ihm zusammenarbeiten.

Er arbeitet also „mit der Gabe, die er empfangen

hat“. Noch wichtiger aber ist die Feststellung, dass Nehemia

seine Kraft aus der richtigen Quelle schöpft. Was

tut Nehemia, als ihm die schlimme Lage Jerusalems

geschildert wird? Er weint nicht nur, sondern „fastete

und betete vor dem Gott des Himmels“ (Neh 1,4).

Nehemias Plan, nach Jerusalem gehen zu wollen, reift

im Gebet. Und das gilt nicht nur für den Plan, sondern

auch für dessen Umsetzung. Das Gespräch Nehemias

mit Artaxerxes enthält dabei ein besonders schönes

Nehemia hatte einen

großen Vorteil: er

war vertraut mit dem

Wort Gottes, der

Heiligen Schrift.

Beispiel eines „Stoßgebets“. Nehemia berichtet uns

zunächst von der großen Furcht, die er empfand, als

er von dem Beherrscher des persischen Großreichs auf

sein persönliches Befinden angesprochen wurde (Neh

2,2). Als der König die Erklärung Nehemias aufnimmt

und ihn nach seinem Wunsch fragt (Neh 2,4), notiert

Nehemia: „Da betete ich zu dem Gott des Himmels“,

bevor er seine Antwort formuliert. Und er weiß auch

genau, wem er den positiven Ausgang des Gespräches

zu verdanken hat, wird doch sein Wunsch nur erfüllt,

„weil die gnädige Hand meines Gottes über mir war“

(Neh 2,8).

Auch im weiteren Verlauf des Berichts wird immer

wieder deutlich, dass Nehemia „aus der Kraft, die Gott

gewährt“, arbeitet. Der Plan, die Mauern Jerusalem

aufzubauen, ist nämlich keine spontane Idee Nehemias,

sondern entspricht dem, „was mir mein Gott eingegeben

hatte“ (Neh 2,12). Seine Antwort auf den Spott

der Gegner lautet: „Der Gott des Himmels wird es uns

gelingen lassen“ (Neh 2,20). Nehemias Reaktion auf

Sanballats Drohen ist – ein Gebet: „Höre, unser Gott,

wie verachtet sind wir! Lass ihren Hohn auf ihren Kopf

kommen“ (Neh 3,36). Der

Verschwörung der Feinde begegnet

Nehemia – mit Gebet:

"Wir aber beteten zu unserm

Gott und stellten gegen sie

Tag und Nacht Wachen auf

zum Schutz vor ihnen“ (Neh

4,3). Als seine Mitstreiter von

Furcht erfüllt werden, lautet

sein Rat: „Fürchtet euch nicht

vor ihnen; gedenkt an den

Herrn, der groß und furchtbar

ist, und streitet“ (Neh 4,8) –

denn „unser Gott wird für uns

streiten“ (Neh 4,14). Nehemia ist im Gebet derart mit

Gott verbunden, dass er auf die List Schemajas nicht

hereinfällt, „denn ich merkte, dass nicht Gott ihn gesandt

hatte“ (Neh 6,12). Jesus beschreibt diesen Sachverhalt

so: „Meine Schafe hören meine Stimme, und

ich kenne sie, und sie folgen mir“ (Johannes 10,27).

Es ließen sich noch zahlreiche weitere Beispiele

anführen, die illustrieren, wie Nehemia aus der Kraft

Gottes kämpft. Stattdessen sei zusammenfassend auf

das wohl bekannteste Zitat Nehemias verwiesen (8,10):

„Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn

ist eure Stärke“ (Neh 8,10). Hier sprach Nehemia aus

Erfahrung.

KÄMPFEN NACH DEN RICHTIGEN REGELN

Der Apostel Paulus trifft im Römerbrief eine tragische

Aussage über das Volk Israel: „Ich bezeuge ihnen, dass

sie Eifer für Gott haben, aber ohne Einsicht“ (Römer

10,2). Es ist schon bitter, wenn man für das Richtige

einstehen will, aber nicht weiß, wie. Nehemia hatte da

einen großen Vorteil: er war vertraut mit dem Wort

Gottes, der Heiligen Schrift. Bereits in seinem ersten

Gebet (Neh 1,5-11) zeigt sich, wie gut Nehemia die

Geschichte des Volkes Gottes kennt und wie genau er

Gottes Verheißungen wahrgenommen hat. Deswegen

14


ist Nehemia klar, dass es mit dem Aufbau der Stadt

nicht getan ist, sondern dass das Kernproblem behoben

werden muss, wenn Gottes Volk eine Zukunft haben

soll: die gestörte Beziehung des Volkes zu seinem Gott.

Es ist kein Zufall, dass der Bericht Nehemias nicht mit

der Vollendung des Mauerbaus und der Sicherung der

Stadt endet, sondern vielmehr die geistliche Wiederherstellung

des Volkes zum Thema macht. Beachtenswert

ist auch, welche Schwerpunkte Nehemia bei dieser

geistlichen Wiederherstellung setzt.

Er betont nicht etwa die Wiedereinführung der

Opfer und anderer vorgeschriebener Zeremonien im

Tempel (wobei er sich auch um den Tempeldienst

kümmert, vgl. die Liste der Priester und Leviten in

Neh 12,1-26, die Regelungen für die Abgaben in Neh

12,44-47 und die Beseitigung der Missstände in Neh

13,4-14), sondern etwas, das heute zumeist keine Rolle

mehr spielt: die Beachtung des Gesetzes Gottes. Esra,

der Schriftgelehrte, las aus dem Gesetz des Mose „vom

lichten Morgen an bis zum Mittag vor Männern und

Frauen und wer es verstehen konnte“ (Neh 8,3). Weiter

heißt es: „Und die Leviten (…) unterwiesen das Volk

im Gesetz, und das Volk stand auf seinem Platz. Und

sie legten das Buch des Gesetzes klar und verständlich

aus, so dass man verstand, was gelesen worden war“

(Neh 8,7f.). Man stelle sich das vor: eine Gemeinde,

die den gesamten Vormittag auf ihrem Platz steht, um

das Gesetz Gottes zu hören! Heute gilt das Aufstehen

für eine Lesung schon als unzumutbar, wenn mehr als

wenige Verse gelesen werden – falls es dazu überhaupt

noch kommt.

Selbstverständlich bleibt es nicht beim Vorlesen des

Gesetzes. Nach einer wiederholten, diesmal dreistündigen

Lesung aus dem Gesetz, folgt nicht nur ein Bußgebet

(Neh 9), sondern die Verpflichtung des Volkes, sich

an dieses Gesetz zu halten: „Und (…) alle, die sich von

den Völkern der Länder abgesondert haben und sich

zum Gesetz Gottes halten, (…) sollen sich (…) mit

einem Eid verpflichten, zu wandeln im Gesetz Gottes“

(Neh 10,29f.). Und Nehemia meint das tatsächlich

ernst. Alles fremde Volk wird aus Israel ausgeschieden,

er setzt die Heiligung des Sabbats wieder durch und

verbietet die Ehe mit ausländischen Frauen (alles Neh

13). Kurz: er hält sich an Gottes Regeln. So und nur so

kann Gottes Volk erfolgreich sein. Leider gibt es heute

Gemeinden, die Gottes Wort nicht mehr ernst nehmen

und sich ihre eigenen Erfolgsregeln basteln. Da wird

plötzlich gesegnet, was Gott ein Gräuel ist, da werden

Leiter berufen, die Gottes Kriterien nicht entsprechen,

da werden Management-Methoden und Marketing-Tricks

eingesetzt, um „Wachstum“ zu erzielen.

Diese Gemeinden sind dann zwangsläufig nicht mehr

von ihrer Umgebung zu unterscheiden, weil sie ja auf

deren Applaus setzen statt auf die Anerkennung Gottes.

Sie sind eben nicht „von den Völkern der Länder abgesondert“,

sondern ihnen gleich. Dabei haben sie oft

wohlmeinende Motive und Eifer für Gott – aber ohne

Erkenntnis.

Wer nun das Vorgehen Nehemias ebenfalls für „alttestamentlich“

hält, der lese die Ermahnung des Paulus

an die Gemeinde in Korinth (2. Korinther 6,16-18):

„Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie

denn Gott spricht: ‚Ich will unter ihnen wohnen und

wandeln und will ihr Gott sein und sie sollen mein

Volk sein.‘ Darum ‚geht aus von ihnen und sondert

euch ab‘, spricht der Herr; ‚und rührt nichts Unreines

an, so will ich euch annehmen und euer Vater sein und

ihr sollt meine Söhne und Töchter sein‘, spricht der

allmächtige Herr“. Wer der Meinung ist, Gottes Regeln

seien überholt und könnten von der Gemeinde nach

Gutdünken übergangen werden, der sollte hören, was

Jesus sagt (Matthäus 5,19): „Wer nun eines von diesen

kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der

wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber

tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich“.

KÄMPFEN MIT FREUDIGEM HERZ

Kämpfen nach den richtigen Regeln, Ruf zur Absonderung,

solche Aufforderungen haben oft den Ruf, etwas

freudlos zu wirken. Um diesem Eindruck entgegen

zu wirken, sei auf eine letzte Kampfpraxis Nehemias

hingewiesen: das freudige Herz. Dass er in der Freude

am Herrn seine Stärke sah, ist bereits aufgezeigt

worden. Sein Bericht zeigt aber auch, wie ansteckend

diese Freude wirkte. In Neh 8,12 heißt es unmittelbar

im Anschluss an die Lesung des Gesetzes (!): „Und

alles Volk ging hin um zu essen, zu trinken und davon

auszuteilen und ein großes Freudenfest zu machen;

denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen

kundgetan hatte“. Kurz darauf wird das Laubhüttenfest

gefeiert, und Nehemia notiert: „Es war eine sehr

große Freude“ (Neh 8,17). Die Einweihung der Mauer

wurde „mit Freuden“ gehalten (Neh 12,27) und es

heißt, gleichsam zusammenfassend für das Ergebnis

des Dienstes für Gott: „Und sie waren fröhlich, denn

Gott hatte ihnen eine große Freude gemacht, so dass

sich auch Frauen und Kinder freuten, und man hörte

die Freude Jerusalems schon von Ferne“ (Neh 12,43).

Mehr Freude geht nicht. Gottes Reich an die erste

Stelle zu setzen, aus der Kraft Gottes zu kämpfen und

seinen Regeln zu folgen ist ein garantiertes Erfolgsrezept.

Wer wie Nehemia kämpft, dessen Freude sollte

man auch „von ferne“ hören können.

Daniel Facius (*1981) ist Ehemann, Vater von drei Kindern und

Jurist von Beruf. Er setzt sich im Ständigen Aussschuss des

Bibelbundes für die Zuverlässigkeit der Schrift ein.

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Obadja: frisches

Wasser in der Dürre

Text von Nils Freerksema

Als Verwalter am Hof des gottlosen Königs Ahab, lebt Obadja seinem

Gott treu. In großer Gefahr und einer schlimmen Umgebung sehen

wir einen Mann, der dafür kämpft seinem Gott zu vertrauen.


Die Sonne war vor etwa zwei Stunden aufgegangen

und der Morgen noch angenehm

kühl. Eine weite Ebene dehnt sich unter

dem Horizont aus. Im weichen Licht

dominieren bloß zwei Farben, die ganze

Szene. Das leichte, staubige Braun der Erde und ein

mildes, gleichmäßiges Blau, das den ganzen Himmel

umspannt. Am Boden ist keine Pflanze zu sehen, kein

Grashalm, kein Strauch. Am Himmel keine Wolke,

nicht der Hauch eines Nebels. So ist es seit Monaten.

Ja, seit bald drei Jahren hatte niemand mehr eine Wolke

gesehen, keinen Tropfen Regen, nicht einmal Tau.

Eine katastrophale Dürre bestimmte jedes Leben in

Israel und dem Umland. Und nun war er, Obadja, hier

unterwegs, um Wasser zu suchen. Irgend eine Quelle,

irgendeinen Bach, der noch Leben hervorbrachte.

Irgendeinen Ort, an dem noch irgendetwas wuchs,

wenigstens ein bisschen Gras.

Denn inzwischen gab es nicht

mehr genügend Vorräte, um

die Tiere des Königs am Leben

zu erhalten. Und so hatte der

König ihn geschickt und war

auch selber losgezogen, um

einen Platz zu finden, der die

Pferde und Maultiere ernähren

könnte.

Obadja war der Verwalter

des Königs, verantwortlich

für all seinen Besitz. Damit

hatte er eine sehr bedeutsame

Stellung am Hof. Ahab, der

König, brauchte in dieser

Position jemanden, der treu

und ehrlich war und er vertraute Obadja darin. Es ist

merkwürdig, dass Ahab gerade Obadja für diese Position

ausgewählt hatte. Ahab war ein gottloser und böser

König, schlimmer als alle Könige Israels vor ihm (1.

Könige 16,30), aber Obadja war ein Mann, der von seiner

Jugend auf Gott sehr fürchtete (1. Könige 18,3.12).

Er war ein guter und gerechter Mann und passte daher

eigentlich nicht an den Hof eines so schlechten Königs.

Doch scheinbar war sein guter Charakter selbst für

Ahab so beeindruckend, dass er ihm diese wichtige

Position anvertraute.

In der Bibel finden wir auch andere treue, gottesfürchtige

Männer, wie Joseph und Daniel, die höchst

bedeutsame Positionen am Hof gottloser Könige

hatten. Und wie diese war auch Obadja eifrig darin,

mitten in einer gottlosen Umgebung, seinem Gott treu

zu leben. Er war zwar ein Diener des Königs, lebte aber,

wie sein Name es sagt, als „Diener des Herrn“.

Obadja nutzte seine Möglichkeiten als Verwalter

des Königs, um Gutes zu tun und schreckte auch nicht

davor zurück, die Gesetze Gottes über die Gesetze

des Königs zu stellen. Ahab war zwar politisch und

militärisch geschickt und erfolgreich, ließ sich aber in

der Religionspolitik vollständig von seiner Frau Isebel

bestimmen. Sie war die Tochter eines gottlosen, heidnischen

Königs und ließ mit ihrem Einfluss dafür sorgen,

dass in Israel die Götzen Baal und Aschera angebetet

Obadja hatte

auch mit Angst

und Zweifeln zu

kämpfen.

wurden. Sie hatte hunderte Propheten ins Land holen

lassen, die, vom Staat versorgt, den Götzendienst im

Land leiten und ausbreiten sollten. Dazu kamen viele

Götzenbilder im ganzen Land und ein Tempel in der

Hauptstadt. Die Verehrung dieser Götzen geschah

durch Prostitution und Trinkgelage und sollte sie dazu

bringen, Fruchtbarkeit im Land auszubreiten. Und genau

an diesem Punkt hatte der Gott Israels gezeigt, wer

tatsächlich ein lebendiger Gott ist. Auf das Gebet des

Propheten Elia hin hatte es aufgehört zu regnen und

von Fruchtbarkeit war im ganzen Land nichts mehr zu

sehen.

Isebel ging schließlich so weit, dass sie die Propheten

dieses lebendigen Gottes ausrotten ließ. In dieser

Situation hatte Obadja 100 Propheten des Herrn in

Höhlen versteckt und mit dem versorgt, was sie zum

Leben brauchten. Das war in Zeiten großer Hungersnot

nicht nur eine schwierige

Aufgabe, sondern auch sehr

gefährlich für ihn selbst, denn

Isebels Hass auf diese Propheten

war groß und die Verfolgung

wurde mit aller Gewalt

durchgesetzt. Doch Obadja

war nicht bloß darauf bedacht,

selbst ein gottesfürchtiges

Leben am Hof des gottlosen

Königs zu führen, sondern er

sah es auch als seine Aufgabe,

diejenigen, die ebenfalls für

Gott lebten, zu unterstützen.

So gebrauchte Gott den Diener

am Hof des Feindes dazu,

seine verfolgten Propheten zu

versorgen.

Doch Obadja, der Gott so treu war und so mutige

Aufgaben übernahm, hatte auch mit Angst und Zweifel

zu kämpfen. Aus seinem Leben wird uns in der Bibel

nur eine Begebenheit genauer berichtet. Dort sehen

wir die Herausforderung, die ein Leben nach Gottes

Willen in einer gottlosen Umgebung mit sich bringt.

Es passiert, als er das dürre Land nach Wasser und

Nahrung für die Tiere des Königs absucht. Obadja ist

allein unterwegs auf dem trockenen Boden, unter dem

wolkenlosen Himmel, als er einen Mann bemerkt, der

ihm entgegen kommt. Vielleicht hat der auf seiner

Reise irgendwo Wasser und Weiden gesehen und kann

Obadja helfen. Doch irgendwie kommt ihm der Mann

bekannt vor. Er hatte ihn schon einmal gesehen, vor

längerer Zeit. Aber konnte es tatsächlich dieser Mann

sein? Elia, der große Prophet Gottes? Der meist gehasste

Mann am Hof des Königs. Er, den Ahab für die katastrophale

Trockenheit verantwortlich machte und den

er überall hatte suchen lassen. Er war es tatsächlich. Als

Obadja ihn erkannte, warf er sich auf den Boden und

musste ihn selbst fragen: „Bist du es, mein Herr, Elia?“

Elia bestätigte: „Ja, ich bins!“ und gab ihm sogleich

einen Auftrag: „Geh hin zu deinem Herrn, dem König

und sag ihm: Elia ist hier!“ Obadja war schockiert von

diesem Auftrag und antwortete: „Welche Sünde habe

ich getan, dass du mich Ahab auslieferst, damit er mich

18

© Foto: Dominik Schröder


tötet? Er hat dich überall suchen lassen und ich soll

jetzt zu ihm sagen: ‚Elia ist da!‘ Wenn ich hier weggehe,

wird Gottes Geist dich vielleicht an einen ganz anderen

Ort bringen und wenn ich Ahab von dir berichte und

er dich nicht findet, wird er mich töten. Ich ehre Gott

seit meiner Jugend. Weißt du nicht, was ich für die

Propheten des Herrn getan habe? Dass ich sie versteckt

und versorgt habe? Wieso soll ich jetzt diese Nachricht

überbringen, dass Ahab mich töten wird?“ Voller

Furcht sprudelt es aus Obadja heraus. Er fürchtet sich

vor seinem Herrn, dem König und er empfindet Elias

Auftrag als ungerecht. Er hat es doch nicht verdient, so

dem König ausgeliefert zu werden. Obadja weiß, dass

Elia ein Mann ist, durch den Gott redet. Er weiß, dass

dieser Auftrag an ihn eigentlich ein Auftrag Gottes ist.

Es ist auch sein ehrlicher Wunsch, Gott zuerst zu dienen

und dann dem König. Aber in diesem Augenblick

ist die Furcht vor Ahab, die

Furcht vor dem Tod größer.

Sofort hat Obadja einen

schrecklichen Ausgang der

Situation vor Augen und der

ist wahrlich nicht unrealistisch.

Er hatte erlebt, wie

Elia während Ahabs Jagd auf

ihn entkommen ist. Warum

sollte das nicht wieder

geschehen? Er wusste auch

um den Zorn seines Königs

und dass er nicht davor

zurückschrecken würde, ihn

zu töten. Nur das kann er in

diesem Moment sehen und

so ist seine Reaktion Empörung

und Abwehr. Doch seine Haltung wendet sich

erstaunlich schnell, als Elia noch einmal spricht: „So

wahr, der Herr der Heerscharen lebt, vor dem ich stehe,

ich werde mich Ahab heute zeigen!“ Diese Worte, die

aus dem Mund Elias wie eine Verheißung Gottes sind,

bringen Obadja dazu seine Furcht und Zweifel zu

überwinden. Sogleich geht er los, um Ahab von Elia zu

berichten. Er brauchte ein Wort von Gott, ein Versprechen,

an dem er sich festhalten konnte. Damit war die

Furcht nicht erledigt, aber es gab ihm die Stärke, sie

zu überwinden. Nach dieser Begebenheit erfahren wir

nichts weiter über sein Leben. Gott zeigt uns an ihm,

wie ein Diener des Herrn mitten in einer bösen Welt

und in seiner Arbeit gottlosen Menschen unterstellt,

seinem Gott treu bleiben kann.

Wir alle leben mitten in einer solchen Welt und

sind auch von Gott dazu berufen. Er möchte, dass wir

Licht in einer dunklen Welt sind (Matthäus 5,14), dass

wir unter den Heiden ein gutes Leben führen und uns

den menschlichen Ordnungen unterordnen (1. Petrus

2,12-15). Ja, Jesus sagt sogar, dass er seine Nachfolger

wie Schafe mitten unter die Wölfe sendet (Matthäus

10,16). Jemand, der wie Obadja Gott fürchtet und

ihm treu sein will, muss nicht aus der Welt heraus

gehen, wie schlimm sie auch ist. Elias Berufung war,

das gottlose System zu konfrontieren und er musste

in der Konsequenz aus diesem System hinaus. Gott

Es war sein ehrlicher

Wunsch, Gott zuerst

zu dienen und dann

dem König.

gebrauchte ihn dadurch für mächtige Zeichen und

Beweise seiner Herrschaft. Obadja jedoch wurde von

Gott mitten in dieses System gebracht, um dort treu

zu sein und sogar die Versorgung für viele gottesfürchtige

Männer sicherzustellen. Obadja konnte seinen

König nicht von dem bösen Weg abbringen, auf dem

er war, aber umgekehrt konnte der König auch seinen

Diener nicht davon abbringen, Gott zu fürchten und

seine Position zum Guten zu nutzen. Dies stellte ihn

jedoch auch vor große Herausforderungen. Sicher hatte

Obadja an mehreren Stellen mit der Furcht vor Ahab

zu kämpfen. Ein Leben in dieser Welt bringt auch uns

immer wieder in die Spannung zwischen Menschenfurcht

und Gottvertrauen. Wenn ich nach dem Vorbild

Jesu und Gottes Wort treu handeln möchte, kann es

sein, dass die Konsequenzen unangenehm sind. Mindestens

werde ich mir unangenehme Konsequenzen

ausmalen können. Riskiere

ich meinen Job, wenn ich

bei den unehrlichen Tricks

nicht mitmache? Riskiere ich

diese Freundschaft, wenn ich

für die Wahrheit einstehe?

Riskiere ich meine Anerkennung,

wenn ich Sünde

bekenne? Wir dürfen von

Obadja lernen, dass diese

Spannungen real sind und

dass sie überwunden werden

können. Obadja vertraute

darauf, dass Gott der wahre

Herr über alle Herren dieser

Welt ist und er vertraute den

Verheißungen, die Gott gibt.

Auch uns gibt Gott in seinem Wort die Verheißungen,

die wir brauchen, um in einer bösen Welt ihm treu

zu leben. Im Vertrauen darauf können wir eine kleine

Quelle lebendigen Wassers mitten in der Dürre-Katastrophe

sein.

Nils Freerksema (*1986) ist ist derzeit als Pastor in der

FEG Christus-Gemeinde Bremen tätig und lässt sich dort in

Gemeindegründungsarbeit ausbilden.

19


NACH CHRISTUS

Die Rubrik für Biografien

& Kirchengeschichte.

Nicholas Ridley (links) und Hugh Latimer

(in der Mitte mit Bibel) auf ihrem Gang zum

Scheiterhaufen (Oxford 1555). Ridley war zu

diesem Zeitpunkt ca. 55 Jahre alt, Latimer

ca. 10 Jahre älter. Dieses Gemälde wurde im

19. Jahrhundet (ca. 1860–1866) von Hermann

Schweder angefertigt.


Hugh

Latimer

Text von Sergej Pauli

Im deutschsprachigen Raum hört man im Rahmen der Reformationsgeschichte

selten den Namen Hugh Latimer. Dabei spielt er im

England der Vorreformation eine entscheidende Rolle. Sein Tod auf

dem Scheiterhaufen verdeutlicht seine Liebe zum Wort Gottes und

seine Treue bis zum letzten Atemzug. Sein Ende macht ihn zu einem

beeindruckenden Märtyrer der wahren Gemeinde Jesu. Und so

begann seine Geschichte ...

DIE BEKEHRUNG

„Sie hatten aber allein gehört, dass, der uns weiland

verfolgte, der predigt jetzt den Glauben,

welchen er weiland verstörte“ (Galater 1,23)

Latimer wurde irgendwann um 1485 (genaues Datum

unbekannt) in Leicestershire als Sohn einer Bauernfamilie

geboren. Trotz der Armut war es ihm möglich, in

Cambridge Theologie zu studieren. Er zeichnete sich

durch ausgezeichnete Leistungen aus und war nach

seiner Priesterweihe ein eifriger Priester, der mit vollem

Einsatz gegen aufkeimende protestantische Lehren

kämpfte. Gerade Cambridge war eine Keimzelle der

englischen Reformation. Denn hier war Erasmus von

Rotterdam tätig, der bei den Gelehrten und Studenten

gleichermaßen ein Interesse an Griechisch, Hebräisch

und am ursprünglichen Inhalt biblischer Texte weckte.

Er hinterließ auch ein griechisches Neues Testament,

welches dazu führte, dass der eifrige Student Thomas

Bilney zum lebendigen Glauben fand. Bilney war ein

einfacher Mann mit einem großen Herzen, der weitere

Menschen zum Glauben führte. Latimer sah, dass

die „lutherischen Heresien“ auch nach Deutschland

übergriffen, und positionierte sich als Gegner der Reformation.

Während eines Vortrags 1524 merkte Bilney

die Aufrichtigkeit Latimers und entschied sich zu einer

mutigen Tat. Nach dem Vortrag bat er Latimer darum,

ihm persönlich sein Glaubensbekenntnis zu erzählen,

was zu einem Schlüsselerlebnis in Latimers Leben

werden sollte. Er erwarb sich ein Neues Testament und

schon bald warf er seine ganze Hoffnung in die Hände

seines Erretters Jesus Christus. Von nun an wurde Latimer

Bilneys ständiger Begleiter. So wurde aus einem

Gegner der Reformation ein eifriger Verfechter des

Evangeliums, der treu blieb bis zum Tod.

EINE DUNKLE ZEIT

Wenn man das Leben der Reformatoren studiert,

staunt man über manch einen Schatten, den ihr Leben

wirft. So sprachen sich z.B. auch die englischen Reformatoren

üblicherweise für die Todesstrafe gegenüber

denen aus, die die Dreieinigkeit leugneten. Verglichen

jedoch mit den Irrungen und den Gewalttaten des

katholischen Mittelalters erscheint die Reformation wie

gleisendes Licht. Noch 1519 wurden sieben Menschen

verbrannt, weil sie ihren Kindern das Vaterunser und

die zehn Gebote auf Englisch beigebracht hatten. Die

Priester, die dem Volk hätten vorangehen müssen,

lebten oftmals in Saus und Braus und tiefen Sünden.

Es gab Kardinäle, die höchstens einmal im Jahr eine

Predigt hielten. John Hooper, ein Zeitgenosse Latimers

und ebenfalls ein Märtyrer, machte folgende Erfahrung

in seiner Diözese: Von den 311 Klerikern konnten 168

nicht die Zehn Gebote aufsagen, 31 wiederum wussten

nicht, wo man sie hätte finden können. 40 von ihnen

konnten nicht sagen, wo das Vaterunser steht, und 31

von den 40 wussten nicht, wer der Autor des Vateruns-

© Gemälde: Hermann Schweder (ca. 1860-1866) 21


ers ist. 1 Wenn es so um die Pastoren stand, wie ging

es da dem Volk? Zu dieser Unwissenheit kommt eine

große Ungerechtigkeit hinzu: Cardinal Wolse (1473 –

1530), der wichtigste Mann der katholischen Kirche in

England, erhob seinen illegalen Sohn, als dieser noch

ein Junge war, zu zahlreichen Würden, die diesem ein

fürstliches Einkommen bescherten. 2 In dieser dunklen

Zeit brach sich das Evangelium seinen Weg. Gott

erwählte sich treue Zeugen, die sein Wort im Angesicht

des Todes klar predigten.

Bereits 1525 wurde der Bischof von Ely auf die

„Ketzereien“ Latimers aufmerksam. Unter anderem

predigte Latimer über die Rechtfertigung allein aus

Glauben. Er versuchte Latimer eine Falle zu stellen,

indem er unangekündigt zu einer Predigt Latimers erschien.

Als jedoch der Bischof die Kirche betrat, hörte

Latimer auf zu reden und sprach den Bischof direkt an:

„Eine neue Zuhörerschaft von solchem Rang, verlangt

nach einer neuen Botschaft. Ich werde von dem ehrenhaften

Stand eines Bischofs reden“. Er hielt spontan

eine Predigt über das Amt eines Dieners: Diesem ist

Christus ein Vorbild. Ein Diener soll nicht nach einem

gemütlichen Leben Ausschau halten, sondern der Herde

dienen. Es fiel den Zuhörern nicht schwer, die Diskrepanz

zwischen Theorie und Praxis zu erkennen. Es

sollte ein Predigtverbot folgen, welches jedoch nur Kirchen,

aber nicht Klöster betraf. In dieser Zeit predigte

Latimer im Augustiner Kloster in Cambrigde, dessen

Abt Robert Barnes der Reformation positiv gegenüber

stand. Doch schon bald wurde ein Verfahren gegen

Barnes aufgerollt und schließlich auch gegen Latimer

und Bilney. Latimer musste sich vor Kardinal Wolsey

verantworten, der sehr überrascht von den Kenntnissen

Latimers in den Schriften der Kirchenväter war, und

dadurch sein Predigtverbot wieder aufhob.

AM HOFE DES HERODES

„Herodes aber fürchtete Johannes; denn er wusste,

dass er ein frommer und heiliger Mann war;

und verwahrte ihn und gehorchte ihm in vielen

Sachen und hörte ihn gern“ (Markus 6,20)

Die englische Reformation ist eng mit einem überaus

seltsamen König, nämlich Heinrich dem VIII (1491-

1547) verbunden: Ein brutaler, von seinen Trieben

geleiteter König, der jedoch gleichzeitig (zumindest

sporadisch) das Werk der Reformation förderte. Dabei

war er gebildet und disputierte mit den Humanisten

und wurde vom Papst zum Verteidiger des katholischen

Glaubens ernannt, nachdem er in einer Schrift Luthers

Wirken in Deutschland angriff. Doch Heinrich VIII

wollte die Scheidung, die der Papst ihm verweigerte,

woraufhin sich ersterer kurzerhand selbst zum Ober-

1 J.C.Ryle: Fünf Märtyrer, 1 Auflage 1995, CLV Bielefeld

2 Richard M. Hannula: Hugh Latimer, first published 2013, EP

Books, Grand Rapids

haupt der Kirche in England ernannte. Immer wieder

wird Heinrich der VIII mit Herodes verglichen, der

Johannes den Täufer gefangen hielt, und ihm doch

gleichzeitig in vielen Sachen gehorchte. So wurde

Latimer, nachdem Heinrich VIII mit Rom brach,

1534 königlicher Kaplan und schließlich sogar Bischof

von Worcester. Mutig bekannte er vor dem König das

Evangelium und konnte nun versuchen, die Predigt zu

reformieren. Immer noch gab es keine englischsprachige

Bibel und immer noch waren viele Priester überaus

ungelehrt im Wort Gottes. Latimer jedoch wuchs in

der Erkenntnis des Herrn und entwickelte ein immer

tieferes evangelikales Verständnis von der Schrift. Heinrich

VIII ging es derweil nicht so sehr um die Reformation,

wie um die eigene Macht. So schaffte er zwar einen

Großteil der Klöster ab, wandelte diese aber nicht,

wie die Reformatoren sich dies gewünscht hätten, in

Schulen oder Wohnheime um, sondern in Stallungen

für seine zahlreichen Pferde. Die teilweise beachtlichen

Schätze der Klöster landeten dann selbstverständlich

auch in der Schatzkammer des Königs. 1539 wurden

die sogenannten „sechs Artikel“ vom König veröffentlicht,

die manch eine Reform wieder zurücknahmen.

So wurden Priesterehen wieder verboten. Die Realpräsenz

Christi im Abendmahl, wie auch die Priesterbeichte

wurden in diesen Artikeln wieder stark betont. Im

Vergleich zu den davor erschienenen zehn Artikeln, war

dies für viele Reformatoren ein Schritt zurück zum Katholizismus.

Auch Latimer verwarf sich mit dem König

und wurde daraufhin im Tower of London inhaftiert

und von seinem Bischofsamt abgesetzt. Später bekam

er ein Predigtverbot und wurde aufs Land geschickt.

Es wird berichtet, dass Latimer vor Freude in die Luft

sprang, als er die Bischofsrobe ablegte, denn er „fühlte

seine Schultern so leicht, und von einer großen Last

erleichtert zu sein“.

DER PREDIGER DES EVANGELIUMS

„Predige das Wort, halte an, es sei zu rechter

Zeit oder zur Unzeit“ (2. Timotheus 4,2)

Aufgrund der sechs Artikel flohen zahlreiche evangelikale/evangelische

Christen aus England auf den

Kontinent und fanden vor allem in der Schweiz eine

freundliche Aufnahme, wo sie in Kontakt mit Calvin,

Bucer und Melanchton kamen. Dies sollte sich Jahre

später als besonders fruchtbar für die Reformation in

England erweisen. Latimer jedoch blieb in England

und versuchte, als Christ in einer dunklen Zeit zu

leben. Immer zeichnete sich sein Leben durch Hilfsbereitschaft

gegenüber seinen Mitmenschen aus. Er half,

wo er konnte, opferte viel. Katholiken warnten immer

davor, dass die Gnadenlehre den Menschen verderben

wird, und dieser keine guten Werke mehr tun würde.

Hier sollten Sie gewaltig irren. Da, wo das Evangelium

wirkt, befreit Es die Menschen zu einem neuen Glaubensgehorsam.

Christen sind in der Lage, aus freien

22


Stücken Gott zu ehren und ihren Nächsten zu lieben.

Dies durften viele Menschen an dem Wandel zahlreicher

Reformatoren feststellen. Trotz seines Predigtverbots

wurde Latimer von Gott dazu gebracht, Menschen

in persönlichen Gesprächen zu Christus zu führen.

John Olde, der später ein Bibelübersetzer werden

sollte, war einer davon. Jahre später berichtete er über

Latimer: „Ich bekenne aus Grund meines Herzens, dass

Latimer ein echtes Werkzeug(…) Gottes war. Er hatte

eine gesunde Lehre, ein gottgefälliges Leben und war

ein treuer Freund, welchen Gott benutzte, um mir den

echten christlichen Glauben zu öffnen“. 1537 wurde

durch König Eduard VI (den Nachfolger Heinrich

VIII) eine Generalamnesie ausgesprochen, die auch

Latimer wieder das Predigtrecht gab. Latimer lehnte es

ab, wieder Bischof zu werden und wurde stattdessen ein

Prediger des Volkes. Die Herrschaft Eduards zeichnet

sich als eine besondere Lichtphase in der englischen Reformation

aus: Das Zölibat wurde (wieder) abgeschafft,

die Heilige Messe verboten, das „Book of Common

Prayer“ eingeführt. Englischsprachige Bibeln erschienen

und wurden in vielen Kirchen öffentlich zum Lesen

ausgelegt. Leider verstarb Eduard bereits mit fünfzehn

Jahren und hinterließ keinen Nachfolger. Seine streng

katholische Stiefschwester Maria I. Tudor bestieg den

Thron. Dies sollte eine besonders aggressive Periode der

Verfolgung der Evangelischen einleiten.

DER MÄRTYRER

„Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die

Krone des Lebens geben“ (Offenbarung 2,9)

Maria I. Tudor wollte um jeden Preis zurück zum

Katholizismus. Ohne königliches Recht durfte niemand

mehr predigen. Schon bald hatte Maria sich

ein Parlament zusammengestellt, welches mit ihren

Ansichten übereinstimmte. Die Englischen Bibeln

verschwanden aus den Kirchen und wurden durch

lateinische ersetzt. Das Zölibat wurde wieder eingeführt

sowie auch die Heilige Messe. Viele Reformatoren

flohen oder versteckten sich. Latimer blieb und litt

für seinen Glauben. Kurz vor Marias Machtergreifung

hielt er eine Predigt über treue Diener, in der er sagte:

„Was ist der Lohn für ihre Berufung und ihre Arbeit?

Nun, Johannes der Täufer wurde enthauptet; Christus

gekreuzigt; die Apostel getötet: Das war der Lohn für

ihre Arbeit. Darum sollte jeder Prediger nicht nach

einem anderen Lohn Ausschau halten“. Es sollte nicht

lange dauern, bis auch Latimer vor Marias Thron

gerufen wurde. Doch obwohl Latimer klar war, dass

er nur ein Todesurteil zu erwarten hatte, begab er sich

ohne Gegenwehr an den Hof. Als er wieder im Tower

of London inhaftiert wurde, traf er denselben Wächter,

wie bei seinen Inhaftierungen zuvor. Diesen grüßte

Latimer:“ Mein Freund, wie geht es dir? Ich bin wieder

gekommen, um dein Nachbar zu sein“ In den benachbarten

Zellen waren zudem weitere Bekannte Latimers

inhaftiert: Thomas Cranmer und Nicholas Ridley. Es

sollte eine langwierige Tortur folgen, mit zahlreichen

Verhören und einer durchaus harten Inhaftierung. Am

16ten Oktober 1555 war es dann soweit, dass Latimer

und Ridley auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden,

weil beide die Realpräsenz Christi im Abendmahl

leugneten. 3 Während das Feuer aufstieg sprach Latimer

zu Ridley die berühmten Worte: „Seid guten Mutes,

Master Ridley, und zeugt Euch als Mann. Wir werden

heute durch Gottes Gnade ein solches Licht in England

anzünden, das – darauf vertraue ich – nie ausgelöscht

werden wird!“

Latimer sollte recht behalten. Die Bemühungen

der blutigen Maria, das Evangelium einzuschränken,

sollten viel mehr das Gegenteil bewirken und es sollte

bestätigen, was bereits der Kirchenvater Tertullian feststellte:

„Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche“

ZUSAMMENFASSUNG

Latimer wuchs in der Gnade, er hatte seine Erkenntnis

aus der Schrift. Er stimmte in großen Stücken mit

Luther und den anderen Reformatoren überein, ohne

jemals die Schriften von ihm gelesen zu haben.

Die Ursache, warum etwa 300 Protestanten in etwa

vier Jahren der Herrschaft der blutigen Maria auf dem

Scheiterhaufen verbrannt wurden, ist eine, für die der

moderne Mensch kaum Verständnis aufbringen kann:

Weil Sie nicht bereit waren, eine spezielle Lehre der

katholischen Kirche anzunehmen, wurden sie verbrannt,

nämlich die Realpräsenz des Leibes und des

Blutes Christi in den Elementen des Abendmahls. War

dies nur Haarspalterei? Uns muss bewusst werden, dass

die katholische Lehre von der Realpräsenz eine wichtige

Lehre des Evangeliums zerstört: Das einmalige Opfer

Christi ist dann nicht mehr genügend, und ein erneutes

Opfer Christi durch einen Priester wird notwendig.

Dadurch werden sündige Menschen in die Stellung

eines Mittlers zwischen Gott und den Menschen erhoben.

Die Folge ist, dass man mit den Elementen Brot

und Wein einen Götzendienst betreibt. Dies erkannten

zahlreiche Reformatoren. Und zwar so deutlich, dass

Sie bereit waren, dafür zu sterben.

3 Man sollte bedenken, dass eine Verbrennung auf einem Scheiterhaufen

eine überaus schreckliche Tortur war. Das Holz brannte oft

schlecht und manch einer wurde stundenlang gequält. Einen Vorteil

hatte, wer für seine eigene Verbrennung Schießpulver beitragen

konnte, um das Feuer schneller entfachen zu können.

Sergej Pauli (*1989) ist mit Elvira verheiratet und Vater zweier

Kinder. Er arbeitet als Entwicklungsingenieur. Zudem schreibt er

regelmäßig für den Literaturblog nimm-lies.de.

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SCHRIFTGELEHRT

Die Rubrik zum

Alten Testament.


Loyal bis in den Tod –

Uria, der Hetiter

Text von Andreas Münch

2007 startete ein Kinofilm, der jedes echte Männerherz höherschlagen

ließ. Er handelte von 300 Soldaten, die ihrem König bis zum

letzten Atemzug loyal waren und alles gaben, um ihre Heimat vor

den Feinden zu beschützen.

© Foto: Lorem Ipsum


Der epische Blockbuster 300 erzählt die

Geschichte der antiken Elitegruppe von

300 griechischen Soldaten, den berühmten

Spartanern, die gemeinsam mit ihrem

König Leonidas I. gegen die persische

Armee kämpften. Auch wenn die Actionszenen fernab

jeglicher Realität sind, so staunt man doch über diese

Krieger. Denn es sind nicht irgendwelche Soldaten,

sondern die Besten der Besten. Auch wenn sie am

Ende, aufgrund von Verrat, im Kampf fielen, so sind

sie doch die wahren Helden dieser Geschichte. Was

mich so sehr an diesen Kriegern fasziniert und wovon

ich mir gerne eine große Scheibe abschneiden würde,

ist nicht nur ihr perfektes Six-Pack, sondern ihre unerschütterliche

Loyalität ihrem König gegenüber.

Im Alten Testament lesen wir ebenfalls von einem

solchen Krieger, der seinem König absolut loyal war

und ihm bis zu seinem letzten Atemzug diente. Er

war einer der 37 Helden Davids, von denen wir in 2.

Samuel 23,8-39 und 1. Chronik 11,10-47 lesen – Uria,

der Hetiter. Die Bibel stellt uns Uria als einen gewissenhaften

Mann vor, auf den man sich hundertprozentig

verlassen konnte. Von seinem Beispiel wollen wir

lernen.

EINIGE FAKTEN ZUM HELDEN

Uria wird in jedem der beiden Aufzählungen der Helden

Davids erwähnt sowie im Geschlechtsregister Jesu,

in Matthäus 1,6. Jedoch berichten uns die Kapitel 11

und 12 im 2. Samuelbuch am ausführlichsten über ihn.

Doch selbst in diesem Text spielt er nur eine Nebenrolle.

Die Hauptrollen übernehmen König David und

Urias Frau Batseba. Es ist die bekannte Geschichte

von König Davids großem Fall. Uria wird oft mit dem

Zusatz „der Hetiter“ genannt. Uria war demnach kein

Hebräer, jedoch trug er einen hebräischen Namen,

nämlich „Jahwe ist mein Licht“. Auch wenn er kein

gebürtiger Hebräer war, so war er doch ein wahrer

Israelit, jemand, der sich mit dem Bundesvolk Gottes

identifizierte und im Dienst Jahwes stand.

Wenn wir das Leben Urias betrachten, dann können

wir zwei Merkmale von wahrer Loyalität entdecken

(es wäre hilfreich, wenn du dir die Geschichte aus 2.

Samuel 11 einmal durchliest).

URIA WUSSTE, WO SEIN PLATZ WAR

Als einer der Helden Davids befand sich Uria oft im

Krieg und war somit getrennt von Frau und Familie.

So war es auch in der uns vorliegenden Situation(vgl.

2. Samuel 11,1). Unter der Führung des Heermeisters

Joab war auch Uria an der Front. Während Uria im

Krieg kämpfte, beging König David mit dessen Frau

Batseba Ehebruch und sie wurde schwanger. Da man

zu dieser Zeit noch keinen Vaterschaftstest machen

konnte, dachte David sich in seiner angeblichen Klugheit,

dass er Uria nur dazu bringen musste, mit seiner

Frau zu schlafen, damit er selber aus der Sache fein raus

ist. Wir lesen in 2. Samuel 11,6-8: Da sandte David

zu Joab: Schick mir Uria, den Hetiter! Und Joab schickte

Uria zu David. Und Uria kam zu ihm, und David fragte

nach dem Wohlergehen Joabs und nach dem Wohlergehen

des Volkes und nach der Kriegslage. Und David sagte zu

Uria: Geh in dein Haus hinab und wasche deine Füße!

Und als Uria aus dem Haus des Königs ging, kam ein

Geschenk des Königs hinter ihm her. David holte Uria

vom Schlachtfeld weg, ließ ihn die ca. 60 Km von

Raba nach Jerusalem kommen und gab ihm einen Tag

Urlaub. Er wähnte sich in Sicherheit, denn was würde

wohl ein Mann tun, der in der letzten Zeit nur draußen

geschlafen und Mord und Totschlag erlebt hatte

und nun die einmalige Gelegenheit bekam, eine ruhige

Nacht mit seiner hübschen Frau zu verbringen? Die

männliche Antwort ist offensichtlich. Natürlich würde

er diesen kostbaren Moment für die intime Zweisamkeit

mit seiner Frau nutzen. Doch David rechnete nicht

mit der Loyalität seines Helden. Uria ging nicht zu

seiner Frau, sondern blieb bei den Truppen in Jerusalem.

Als David ihn darauf ansprach, gab Uria eine

Erklärung ab, die deutlich für seinen loyalen Charakter

spricht: Die [Bundes-]Lade und Israel und Juda wohnen

in Zelten, und mein Herr selbst, Joab, und die Knechte

meines Herrn lagern auf freiem Feld, und da sollte ich in

mein Haus hineingehen, um zu essen und zu trinken und

bei meiner Frau zu liegen? So wahr du lebst und deine

Seele lebt, wenn ich das tue! (2. Samuel 11,11) Ich kann

mir gut vorstellen, wie es David in diesem Moment

richtig schlecht wurde; wie er versucht, Fassung zu bewahren,

um anschließend seinem Helden Lob für seine

Einstellung vorzuheucheln.

Uria war zwar einer der Helden Davids, doch er

bildete sich nichts darauf ein. Im Gegenteil: Gerade

weil er einer der wichtigsten Persönlichkeiten im Heer

Israels war, sähe es nicht gut aus, wenn er sich mitten

im Kampf eine Auszeit nehmen würde. Denn er wollte

und musste dort sein, wo er hingehörte. Die Bundeslade,

das Zeichen der Gegenwart Gottes unter dem Volk,

weilte in einem Zelt, ebenso wie die gesamte Kriegsmannschaft.

Für Uria war es unmöglich, mehr Komfort

zu genießen als seine Mitstreiter. Uria war loyal und

deshalb wusste er, wo sein Platz war. Doch Uria war

nicht nur dort, wo er hingehörte, sondern er gab dort

auch sein Bestes.

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© Foto: Greg Shield


URIA GAB SEIN BESTES

Unsere Geschichte mit Uria und David ist noch nicht

zu Ende. Denn durch seine Loyalität hatte Uria Davids

Plan gründlich vermasselt. Letzterer versuchte es einen

Abend später erneut. Nur ließ sich Uria nicht von seiner

Treue abbringen, selbst dann nicht, als er betrunken

war (2. Samuel 11,12-13). Als David feststellte, dass

Uria nicht auf seine List hereinfiel, änderte er die Strategie.

Dieses Mal hatte er aus seinen „Fehlern“ gelernt.

David übergab Uria persönlich einen Brief an Joab, in

dem stand, dass man Uria an die vorderste Front stellen

sollte. Die Sache war einerseits enorm riskant, schließlich

hätte Uria den Brief lesen können. Doch andererseits

konnte David sich auf dessen Loyalität verlassen,

so dass dieser sein eigenes Todesurteil überbrachte! So

kam es dann auch. Davids Plan ging auf und Uria kam

um (2. Samuel 11,23-24).

Uria war einer der mutigen Kämpfer, die zu verhindern

versuchten, dass die Feinde aus ihrer Festung

herauskamen, um Israel zu überrennen. Da die

Ammoniter dem Bericht nach zahlenmäßig überlegen

waren, war es vermutlich eine aussichtslose Aktion. Wir

lesen, dass Uria bis zum bitteren Ende kämpfte. Er lief

nicht davon, als die Feinde aus der Stadt herauskamen

und widersetzte sich auch nicht dem Befehl Joabs.

Auf dessen Anweisung ging er dorthin, wo der Kampf

am heftigsten war. Denn er wusste genau, dass er als

einer der 37 Helden Davids dort zu kämpfen hatte, wo

andere den Mut verloren. Diesen Einsatz bezahlte er

mit seinem Leben. Dieser Krieger starb in der Schlacht,

doch sein Zeugnis hat die Jahrtausende überdauert.

Uria war loyal bis in den Tod. Er wusste ganz genau,

wo sein Platz war und dort gab er sein Bestes.

Ich liebe solche Geschichten und lese gerne von

solchen Helden. Der loyale Freund ist mein Lieblingscharakter

in epischen Erzählungen und mit ihm

identifiziere ich mich am liebsten. Loyalität und echte

Treue ist in unserer Gesellschaft zur Mangelware verkommen.

Ich möchte da anders sein. Als Christ möchte

ich vor allem den Worten meines Herrn und Königs

Jesus nachkommen, wenn Er zu Seiner Gemeinde

spricht: Sei treu bis zum Tod! Und ich werde dir den

Siegeskranz des Lebens geben (Offenbarung 2,10). Ich

möchte gerne eines glorreichen Tages die Worte aus

dem Mund meines Königs hören: Recht so, du guter

und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über

vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude

deines Herrn (Matthäus 25,21).

Sofern du Christ bist, gehe ich mal davon aus, dass

dies ebenfalls dein Ziel ist. Wir möchten unserem Gott

loyal sein und möchten dort unser Bestes geben, wo

Er uns hingestellt hat. Das betrifft unsere Ehe, unseren

Dienst in der Gemeinde, unser Zeugnis in der Welt

und wozu uns Gott noch berufen sollte. Wir möchten

wie Uria sein – Helden, die eher sterben würden, als

sich mit Untreue zu beflecken!

ICH BIN NICHT URIA

Doch ich bin nicht wie Uria, sondern oftmals eher wie

David in dieser Geschichte – das ist die harte Wahrheit.

Ich möchte zwar loyal sein, doch so oft bin ich

es nicht. Ich versage als Ehemann, Vater, Pastor und

Freund. Das Beispiel von Uria kann auch entmutigend

sein, weil ich weiß, dass meine Lebenswirklichkeit ganz

anders aussieht. Und doch gibt es Hoffnung für uns

Möchtegern-Urias. Und es ist schon ironisch, dass diese

Hoffnung ausgerechnet von unserem König ausgeht,

dem wir die Treue geschworen haben – Jesus Christus.

Uria wird zwar nicht bei den Glaubenshelden in

Hebräer 11 aufgelistet, aber dennoch dient er als Schatten,

als Hinweiser auf Christus hin.

Jesus war unserem himmlischen Vater gegenüber

absolut loyal. Er gehorchte Gott in allem, tat keine einzige

Sünde und sagte und tat nur das, was Er den Vater

sagen hörte und tun sah. Jesus hatte ein klares Ziel vor

Augen, wusste wo Sein Platz war und Er gab nicht nur

Sein Bestes, sondern Er gab alles – Sein eigenes Leben!

Das, was wir gerne sein wollen (loyal Gott gegenüber)

und nicht können, tat Christus für uns. Paulus bringt

es in Römer 8,3-4 auf den Punkt: Das Gesetz des Mose

war dazu nicht imstande; es scheiterte am Widerstand der

menschlichen Natur. Deshalb hat Gott als Antwort auf

die Sünde seinen eigenen Sohn gesandt. Dieser war der

sündigen Menschheit insofern gleich, als er ein Mensch von

Fleisch und Blut war, und indem Gott an ihm das Urteil

über die Sünde vollzog, vollzog er es an der menschlichen

Natur. So kann sich nun in unserem Leben die Gerechtigkeit

verwirklichen, die das Gesetz fordert, und zwar

dadurch, dass wir uns vom Geist Gottes bestimmen lassen

und nicht mehr von unserer eigenen Natur (NGÜ).

Deshalb geben wir nicht resigniert auf! Denn Christus

hat bereits alles für uns getan und wir dürfen nun aus

Seiner Kraft leben. Seine Loyalität Gott gegenüber

kommt uns zu Gute. Aus eigener Kraft werden wir niemals

treue Ehepartner, vorbildliche Gemeindemitarbeiter

und Zeugen in der Welt sein. Doch wenn Christus

uns die Kraft gibt, dann können wir treue Ehepartner,

vorbildliche Gemeindemitarbeiter und mutige Zeugen

in der Welt sein. Wende dich also im Gebet an Jesus

und bitte Ihn, dass Er dir die Kraft schenkt, in den

Bereichen deines Lebens treu zu sein, in denen du

bisher auf deine eigene Stärke vertrautest. Der König

selbst bewirkt in Seinen Untertanen die Treue. Das ist

Hoffnung. Das ist das Evangelium.

Andreas Münch (*1982) ist Ehemann, Vater eines Sohnes,

Pastor der MBG Lage und Autor des vielbeachteten Buches Der

wahre Gott der Bibel. Auf Twitter unter @AndreasMuench.

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JOSIA

Die Rubrik für

junge Leute.

Dieser Artikel ist ein

Beitrag von JOSIA —

Truth for Youth. Einem

reformatorischen Netzwerk

für junge Christen.

Mehr Informationen

zu Ressourcen und

Konferenzen gibt es hier:

www.josiablog.de

Jesaja, der erste

Evangelist!

Text von Jochen Klautke


„Und ich hörte die Stimme

des Herrn fragen: Wen soll

ich senden und wer wird für

uns gehen? Da sprach ich:

‚Hier bin ich, sende mich!‘“

Der Mann, der so mutig und

schnell auf diese herausfordernde

Frage Gottes reagierte, hat

uns eines der längsten Bücher

der Bibel hinterlassen. Und doch

wissen wir vergleichsweise wenig

über sein Leben. Wer war Jesaja,

wie lebte er und vor allem: Was

hat er uns heute noch zu sagen?

Wir befinden uns in der Mitte des

8. Jahrhunderts vor Christus, als

Jesaja geboren wurde. Die Bibel

verrät uns nicht das Wo, nicht das

Wie und auch nicht das Wann.

Wir erfahren gerade einmal den Namen seines Vaters

Amoz (Jesaja 1,1).

Politisch gesehen waren es vergleichsweise ruhige

Zeiten für Gottes Volk. Die mächtigen Assyrer standen

zwar an der Grenze der beiden Königreiche in Israel,

aber sie hatten so viele Probleme in ihrer Heimat, dass

sie die Erweiterung ihres Reiches erst einmal auf Eis

gelegt hatten.

Während soweit also alles in Ordnung schien, war

die geistliche Lage des Volkes alles andere als in Ordnung.

Äußerlich feierten die Juden zwar noch Gottesdienst,

aber mit ihren Herzen waren sie ganz weit weg

von Gott. Gleich zu Beginn des Buches spricht Gott

sie deswegen nicht gerade schmeichelhaft mit Volk von

Sodom und Gomorra an (Jesaja 1,10).

© Foto: Giovanni Corte


DER ÜBERBRINGER DER BOTSCHAFT:

DIE BERUFUNG

Irgendwann im Jahr 740 v. Chr. wurde Jesaja von Gott

zum Propheten berufen (Jesaja 6). An diesem Tag lernte

Jesaja Gott als den Heiligen Israels kennen. „Wehe mir,

ich vergehe, denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen

und wohne unter einem Volk, das unreine Lippen hat,

denn meine Augen haben den König, den Herrn der Heerscharen

gesehen.“ Todesangst war Jesajas Reaktion, als

Gott ihm in einer beeindruckenden Vision im Tempel

erschien.

Wir sehen daran, dass Jesaja genau begriffen

hatte, wer Gott ist, wer er selbst war und wie groß der

Abstand zwischen dem heiligen Gott und sündigen

Menschen ist. Sündenvergebung war nötig und genau

die bekam Jesaja dann auch im Anschluss. Aber damit

war Gott noch nicht fertig. Gleich hinterher schickte er

die eingangs zitierte Frage: „Wen soll ich senden?“ Und

wie schon erwähnt antwortete Jesaja: „Hier bin ich.

Sende mich.“ Kein Zögern, kein Nachfragen – sondern

kurz und bündig: Ja.

Gut möglich, dass Jesaja nicht so schnell zugestimmt

hätte, wenn er den Inhalt der Botschaft

gekannt hätte: „Geh hin und sprich zu diesem Volk:

„Hört immerzu und versteht nicht, seht immerzu und

erkennt nicht…“. Mit diesen trostlosen Zusatzinformationen

fragte Jesaja dann doch noch einmal nach:

„Wie lange soll ich das denn predigen“? Und Gottes

Antwort machte die Aufgabe kein Stück attraktiver:

„Bis die Städte verwüstet liegen, so dass niemand mehr

darin wohnt, denn der Herr wird die Menschen weit

wegführen.“

DIE DUNKLE SEITE DER BOTSCHAFT:

GERICHT

Jesajas Auftrag war, das Wort Gottes zu predigen. Der

Inhalt seiner Botschaften war Gericht. Und die Reaktion

(besser gesagt: die Nicht-Reaktion) des Volkes war

ernüchternd.

Aber mit dieser Botschaft wirkte Jesaja trotz allen

Unglaubens, bis er über 70 Jahre alt war. Ohne Rücksicht

auf sein eigenes Ansehen tat und predigte er das,

was Gott ihm auftrug. Gleich vier Könige sah er vor

seinem Tod kommen und gehen. Einige waren genauso

gottlos wie das Volk (Ahas), andere fürchteten Gott

und bemühten sich um Reformen (Hiskia). Aber trotz

seiner unpopulären Botschaft lebte Jesaja nicht zurückgezogen.

Er heiratete und hatte mit seiner Frau mindestens

zwei Söhne. Doch selbst vor denen machte seine

Berufung nicht halt. Gott befahl ihm, den Söhnen

Namen zu geben, die eher wie die Titel seiner Predigten

klangen. Der Name des Erstgeborenen, Schear-Jaschub

1 , dürfte noch halbwegs alltäglich gewesen sein.

Dessen kleinen Bruder, Maher-Schalal-Hasch-Bas, 2 traf

es deutlich härter. Er kann sich aber zumindest damit

trösten, dass er unangefochtener Spitzenreiter der Liste

der längsten biblischen Namen ist.

Wie muss es sein, zum Verkündiger einer schlech-

ten Nachricht zu werden und dabei zu wissen, dass

einem ohnehin nicht wirklich zugehört wird? Bereits

bei seiner Berufung hatte Jesaja von der Härte des Gerichts

erfahren: Gott würde ein anderes Volk schicken,

das Israel zerstören und das Volk Gottes weit wegführen

wird. Und auch wenn Jesaja selbst die endgültige

Erfüllung des Gerichts nicht mitbekam, erlebte er

sein ganzes Leben, wie sich die Schlinge um Jerusalem

immer enger zuzog. In seiner Jugendzeit war die Lage

entspannt. Aber mit den Jahren kamen die Assyrer zurück,

besiegten das Nordreich Israels und führten zehn

der zwölf Stämme Israels in die Gefangenschaft. Jesaja

bekam hautnah mit, wie eine befestigte Stadt nach der

anderen verloren ging. Irgendwann bestand das einst so

mächtige Königreich Davids und Salomos nur noch aus

der Stadt Jerusalem und dem unmittelbaren Umland.

Deswegen vergleicht Jesaja Jerusalem einmal mit einer

windschiefen Hütte im Weinberg (Jesaja 1,8). Und

selbst Jerusalem ging es an den Kragen. Der langen Belagerung

durch die Assyrer entkam die Stadt nur, weil

Gott selbst durch seinen Engel das Heer der Assyrer

auslöschte. Jesaja selbst war bei all dem mittendrin (2.

Könige 18-19).

DIE HELLE SEITE DER BOTSCHAFT:

KNECHT UND KÖNIG

Die politische Lage wurde immer düsterer und die Botschaften

Jesajas zum Teil auch. Aber eben nur zu einem

Teil. Neben dem Gericht kündigte Jesaja nämlich auch

Hoffnung an. Hoffnung durch eine Person, die Gott

selbst zur Rettung seines Volkes schicken würde.

Wenn man durch die langen 66 Kapitel des Buches

Jesaja liest, dann begegnet einem diese Person immer

wieder. Dabei bekommt man schnell den Eindruck,

dass es sich dabei eigentlich nicht um eine einzige Person

handeln kann. Zu Beginn des Buches wird sie uns

als der vorgestellt, durch den Gott zu den Menschen

kommt. 3 Später ist diese Person dann der leidende

Knecht Gottes, der für die Sünden seines Volkes

bezahlt (Jesaja 53). Und noch ein paar Kapitel später

wird sie uns als der mächtige Eroberer vorgestellt (Jesaja

59,15b-21). So viele Charaktereigenschaften – kann

das wirklich ein und dieselbe Person sein?

Heute wissen wir, dass diese Person Jesus Christus

ist. In ihm wurde Gott einer von uns und wohnte unter

uns (Johannes 1,14). Dabei war er gleichzeitig Knecht

und König, Lamm und Löwe. Er war ein König geboren

nicht im Palast in Jerusalem, schon gar nicht am

Hof des Kaisers in Rom, sondern in einem ärmlichen

Stall in einem unbedeutenden Provinzstädtchen.

Als erwachsener Mann veranstaltete er einen

königlichen Triumphzug, aber statt hoch zu Ross ritt

er auf einem kleinen Esel. Eine Woche später sah man

ihn in einem königlichen Mantel mit einer Krone auf

dem Kopf. Aber der Mantel diente dem Spott, und die

Krone war aus Dornen und ritzte ihm die Stirn blutig.

Der Richter der Welt wurde von der Welt gerichtet.

Er, der alle Atome dieser Welt zusammenhält, starb an

1 bedeutet: Ein Überrest wird umkehren (Jesaja 7,3).

2 bedeutet: Der Raub eilt, die Beute hastet (Jesaja 8,3).

3 Diese Person wird Immanuel genannt, was Gott mit uns bedeutet

(Jesaja 7,14).

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einem Kreuz, das ohne ihn jeden Moment auseinanderfallen

würde (Kolosser 1,17). Und doch stand er aus

den Toten auf und wird in einer Macht wiederkommen,

die alle Naturkatastrophen und Kriege in den

Schatten stellt. In Jesus erkennen wir, wie es sein kann,

dass jemand gleichzeitig der leidende Knecht und der

erobernde König ist.

Als Jesaja bei seiner Berufung im Tempel Gott

begegnete, da bekannte er seine eigene Unwürdigkeit.

Gott sagte damals nicht einfach: „Jesaja, ist schon

okay.“ Stattdessen nahm ein Engel eine glühende Kohle

vom Opferaltar und berührte Jesajas Lippen mit den

Worten: „Deine Schuld ist von dir genommen und deine

Sünden sind gesühnt.“ (Jesaja 6,7) Natürlich können die

heißesten Kohlen vom besten Opferaltar der Welt keine

Sünden wegnehmen. Aber sie wiesen schon damals hin

auf das wahre Opfer, das unsere Sünden sühnt: Jesus.

Als Knecht nahm er unsere Schuld auf sich, als König

besiegte er den Tod.

DIE REAKTION AUF DIE BOTSCHAFT:

LICHT WERDEN…

„Finsternis bedeckt die Erde“, so beschreibt Jesaja den

Zustand der Welt, in der er lebte und in der wir auch

heute noch leben. Aber im gleichen Atemzug ermutigt

er alle, deren Schuld gesühnt ist, Licht zu werden,

denn: Unser Licht kommt. Weil mit Jesus das Licht der

Welt gekommen ist und wiederkommen wird, sollen

die Erlösten im Licht wandeln (1. Johannes 1,5-7) und

damit selbst Licht werden (Jesaja 60,1-2).

Jesaja war der erste Mensch der Weltgeschichte, der

ausführlich erklärte, wer Jesus ist. Im gesamten Alten

Testament gibt es sehr Vieles, was auf Jesus hinweist

und viele Propheten sprachen von ihm. Und doch gab

uns keiner ein so deutliches Bild von dem, wer Jesus ist

und was er getan hat wie Jesaja. Der bekannte englische

Prediger C.H. Spurgeon sagte einmal über das Buch

Jesaja: „Man könnte es sehr gut auch das Jesaja-Evangelium

nennen, weil es voll von Wahrheiten des Evangeliums

ist.“ Das erklärt auch, warum kein anderes

biblisches Buch im Neuen Testament öfters zitiert wird.

Wir wissen nicht, wie viel Jesaja im Einzelnen

darüber wusste, wie der Knecht und König in diese

Welt kommen würde. Und dennoch ist Jesajas Leben

ein Beispiel für das, was es bedeutet, Licht zu werden.

Er gehorchte Gott, auch wenn er fast ausschließlich

auf Unglauben traf. Anders als Jesaja kennen wir Jesus

aus dem Neuen Testament und sind so in einer viel

besseren Lage. Wie viel mehr ist es dann nicht auch

unsere Aufgabe, heute Licht zu sein, so wie Jesaja es in

seiner Zeit war!

Wie kann das aussehen? Zum Beispiel, indem wir

das Evangelium in unserem direkten Umfeld weitersagen

und so das im Kleinen tun, was Jesaja im Großen

getan hat. Oder dadurch, dass wir unser Licht vor

anderen Menschen leuchten lassen, indem wir einfach

anders leben (Matthäus 5,16). „Kommt, lasst uns

wandeln im Licht des Herrn!“ So ruft Jesaja auch uns

dazu auf, Gott mit dem gesamten Leben nachzufolgen

(Jesaja 2,5).

…WEIL WIR FÜR EINE ANDERE WELT

GESCHAFFEN SIND

Der Heilige Geist hat es nicht für nötig gehalten uns zu

sagen, wie Jesaja geboren wurde und er sagt uns auch

nicht, wie der Prophet starb. Vieles spricht dafür, dass

er als alter Mann von Hiskias gottlosem Sohn Manasse

zersägt wurde. 4 Ein Leben gegen den Strom, eine Berufung

ohne Nachfolger und zum Schluss ein grausamer

Tod. War es das wert?

Für Jesaja war all das nebensächlich, denn er lebte

nicht für diese Welt, sondern für eine andere. Seine eigene

ging ja ohnehin gerade unter. Über Menschen wie

ihn heißt es im Hebräerbrief, dass sie sich martern ließen,

Spott ertrugen, im Gefängnis landeten, gesteinigt,

zersägt und auf viele andere grausame Weisen verfolgt

und umgebracht wurden. Sie waren bereit, „das alles zu

erdulden, um durch die Auferstehung ein besseres Leben zu

erhalten.“ Die Ewigkeit war ihnen so wichtig, dass die

gegenwärtige Welt „es nicht wert war, sie in ihrer Mitte

zu haben“ (Hebräer 11,35-38). Vermutlich bekam Jesaja

dann gegen Ende seines Lebens von Gott sogar noch

einen Einblick in diese andere Welt, für die er lebte:

Siehe ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue

Erde, so dass man an die früheren nicht mehr gedenkt und

sie nicht mehr in den Sinn kommen werden; sondern ihr

sollt euch allezeit freuen und frohlocken, über das, was

ich erschaffen werde. Und ich selbst werde mich freuen

über mein Volk, und es soll kein Klagelaut und kein

Wehgeschrei mehr darin vernommen werden (aus Jesaja

65,17-19).

Das ist die Welt, für die Jesaja sein Licht leuchten

ließ.

Für welche Welt scheint dein Licht?

MISSION STATEMENT

Josia existiert, um das Evangelium der Gnade Gottes

unter jungen Menschen in Deutschland zu verbreiten und

Jugendliche zu motivieren, ihr Leben voll und ganz in den

Dienst unseres Herrn Jesus Christus zu stellen.

4 Jesaja ist die einzige Person, über die die außerbiblischen jüdischen

Schriften berichten, dass er zersägt wurde. Die biblische Erwähnung

eines alttestamentlichen Heiligen, der zersägt wurde (Hebräer

11,37), legt den Schluss nahe, dass Jesaja tatsächlich auf diese

grausame Weise umkam.

Jochen Klautke (*1988) arbeitet als Gymnasiallehrer in Gießen

und studiert nebenbei Theologie an der ART in Hannover.

Darüber hinaus engagiert er sich in der Jugendarbeit seiner

Gemeinde und bloggt auf josiablog.de.

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KIRCHE IN DER SCHWEIZ

Das Interview über

bibeltreue Gemeinden.


WINTERTHUR

Thomas

Reiner

Interview von Peter Voth

Thomas Wer? Pfarrer Thomas Reiner ist in der Tat kein bekannter

Name im evangelikalen Deutschland. Doch genau deswegen ist er

so interessant für uns. Sind es nicht die Nachfolger Jesu, die ruhig,

demütig und treu ihren Dienst im Reich Gottes tun, auf deren Worte

wir vielleicht am meisten hören sollten?

© Fotos: Thomas Reiner & Miriam Reiner

33


Hallo Thomas, könntest du dich kurz unseren

Lesern vorstellen? In welchem Alter bist du, wie ist

dein Familienstand und welchem Beruf gehst du

nach?

Ich bin 45 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern,

von denen zwei schon erwachsen sind. Vor etwas

mehr als zehn Jahren wurde ich als Pfarrer in die Evangelisch-reformierte

Kirche Westminster Bekenntnisses

(ERKWB) in Winterthur, in der Schweiz, berufen.

Dann bist du also schon sehr jung Vater geworden?

Ja, so ist es.

Kommen wir zu deiner Gemeinde. Die ERKWB

(Evangelisch-reformierte Kirche Westminster

Bekenntnisses) Winterthur feierte dieses Jahr ihr

10-jähriges Jubiläum. Wie ist die Gemeinde entstanden?

Pfarrer Reinhard Mayer aus Rankweil in Österreich

rief mich an, um zu fragen, ob ich zusammen mit zwei

Familien in Winterthur eine Gemeinde der ERKWB

gründen möchte. Ich hatte die Homepage der Kirche

bereits einige Jahre zuvor im Internet entdeckt. Es begeisterte

mich, von einer Kirche zu lesen, die sich in ihrer

Lehre und Ordnung an der reformierten Theologie

orientiert. So etwas gab es leider in der Schweiz nicht.

Darum sagte ich spontan zu. Nach einigen Gesprächen

wurde ich von der Kirche für den Dienst in Winterthur

berufen.

Die Gottesdienste feierten wir zu Beginn in einem

Privathaus. Nach etwa einem halben Jahr sind wir in

den Büroraum gezogen, wo wir uns heute noch treffen.

Wie oft trefft ihr euch und wie sieht so ein Sonntagmorgen

Gottesdienst bei euch typischerweise aus?

Wir treffen uns am Sonntagmorgen zum Gottesdienst

und am Abend zum Gebet.

Den Gottesdienst feiern wir anhand einer Liturgie.

Wir lesen einen Psalm im Wechsel, prüfen uns an

Gottes Gesetz und bekommen die Vergebung aus dem

Evangelium zugesprochen. In jedem Gottesdienst gibt

es eine Gemeindeschulung, wo ein Abschnitt aus dem

Heidelberger Katechismus gelehrt wird. Den größten

Platz nimmt die Predigt ein, in der normalerweise

ein biblisches Buch fortlaufend ausgelegt wird. Den

Gottesdienst beschließen wir mit gemeinsamem Gebet

und einem Segen. Zu jedem Teil der Liturgie gehört ein

Lied, das wir ebenfalls als Gebet verstehen.

Warum ist euch ausgerechnet das Westminster

Bekenntnis so wichtig? So wichtig, dass ihr das Bekenntnis

sogar in euren Namen aufgenommen habt?

Der Grund liegt in der Entstehung der Kirche. Sie

wurde von einem Pfarrer in Österreich gegründet. Dort

ist es üblich, dass das Bekenntnis im Namen angegeben

wird. Es gab dort bereits zwei reformierte Kirchen.

Eine trug das Augsburger Bekenntnis und die andere

das Helvetische Bekenntnis in ihrem Namen. Weil

diese Landeskirchen liberal geworden sind, gründete

jener Pfarrer die ERKWB. Das Westminster Bekenntnis

wurde ausgewählt, weil es die letzte umfassende

reformierte Bekenntnisschrift ist. Daneben haben wir

auch den Heidelberger Katechismus als verpflichtende

Lehrschrift. Er ist im deutschsprachigen Raum (und

darüber hinaus) der bekannteste Katechismus. Darum

schulen wir die Gemeinde nicht nach den Westminster

Katechismen.

Sehr interessant. Für mich ist diese Fixierung auf

bestimmte Bekenntnisse etwas befremdlich, aber

nur weil ich anders aufgewachsen bin. Warum sind

Bekenntnisse wichtig?

Das Bekenntnis fasst (relativ) kurz zusammen, was wir

glauben und wie wir die Bibel verstehen. Wir Pfarrer

werden verpflichtet, die Gemeinden gemäß diesem Bekenntnis

zu lehren. Wir wissen, dass die Auslegung der

Schrift nicht mit uns und unserer Erkenntnis beginnt.

Die Gottesmänner der Reformation rangen darum, die

Wahrheit zu erkennen. Weil auch sie die wahre Lehre

suchten und bis heute oft unübertroffen klar formulierten,

bekennen wir sie mit ihnen. Das Bekenntnis ist

damit ein guter Schutz gegen viele Arten von Irrlehren.

Es dient der Einheit der Kirche, die nur in der Wahrheit

zu finden ist.

Ja, die massive Selbstzentriertheit und der Mangel

an feststehenden Glaubenslehren sind sicherlich

auch für den miserablen geistlichen Zustand vieler

evangelikaler Gemeinden verantwortlich. Wie bewertest

du den neuen „reformatorischen Geist“ im

deutschsprachigen Raum? Vor allem junge Christen

aus den verschiedensten Denominationen (Baptisten,

Brüdergemeinden, Pfingstler, Landeskirche

etc.) wenden sich immer öfter den reformatorischen

Lehren zu.

Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Ich wünschte mir,

dass diese Gruppen noch besser verknüpft wären und

regelmäßig Kontakt miteinander pflegten.

Ja, das wünschen wir uns als Magazin auch. Im

„neuen“ Calvinismus findet man jedoch selten die

ausgeprägte „klassische“ reformierte Ausrichtung,

wie sie bei euch konsequent mit den Bekenntnissen

praktiziert wird. Meiner Meinung nach sehen leider

viele Reformierte die „Neuen Reformatorischen“ zu

kritisch. Wie siehst du das?

Obwohl ich mich selbst zur klassischen reformierten

Richtung zähle, möchte ich dazu Folgendes sagen: Ich

hoffe, dass „Calvinismus“ nicht zu einem hohen Ross

verkommt, von dem man auf andere herabschaut. Die

richtige Auslegung der Schrift – etwas, wofür Calvin

vorrangig arbeitete – darf nicht bloß eine intellektuelle

Auseinandersetzung sein. Die reformierte Lehre ist für

die Seelsorge absolut notwendig. Wenn die Schrift inkorrekt

ausgelegt wird, werden Menschen gezwungen,

etwas zu tun, was sie nicht erreichen können. Ehrlich

gesagt bedauere ich Christen, die sich mit irrenden

theologischen Prinzipien abkämpfen. Gottes Barmherzigkeit

gebietet, dass wir einander nicht verachten,

sondern einander aufhelfen. Wer sich auf das hohe

Ross seiner vermeintlichen Erkenntnis gesetzt hat, kann

diesen nötigen Liebesdienst nicht leisten.

34


„Wir wissen, dass

die Auslegung der

Schrift nicht mit

uns und unserer

Erkenntnis beginnt.“


Zurück zu dir. Wie bist du zum Glauben gekommen?

Und ab wann spielte die reformierte Glaubensrichtung

eine entscheidende Rolle in deinem Leben?

Ich bin in einem landeskirchlichen Elternhaus aufgewachsen

und wurde zur Sonntagsschule geschickt. Von

Anfang an liebte ich die biblischen Geschichten so,

dass ich sie nicht mehr vergaß. Später besuchte ich die

Jungschar (eine Jugendarbeit in der Schweiz, die mit

christlichen Pfadfindern verglichen werden kann) einer

Freikirche. Während einer evangelistischen Andacht,

ich war erst elf Jahre alt, fiel es mir wie Schuppen von

den Augen. Es wurde uns erzählt, dass Jesus am Kreuz

für die Sünden der Menschen starb. Ich erinnere mich,

als wäre es erst gestern passiert, wie ich dachte: Aha,

darum drehen sich all die biblischen Geschichten, die

ich so liebe.

Nach meiner Konfirmation in der Landeskirche

besuchte ich diese evangelikale Freikirche. An einem

Sonntag gestalteten Studenten des Theologischen

Seminars den Gottesdienst. Ich war begeistert von dem,

was sie erzählten und wünschte mir, selbst Prediger zu

werden. Dieser Wunsch, der zwischenzeitlich auch von

anderen Dingen überdeckt wurde, wuchs schließlich

so, dass ich mich, als ich bereits verheiratet war und

zwei Kinder hatte, an jenem Theologischen Seminar

anmeldete.

Erst dort wurde ich herausgefordert, genauer über

den Glauben nachzudenken. Die schnellen Antworten,

die in der Gemeinde zu Fragen wie Erwählung gegeben

wurden, hielten dem, was ich in der Bibel las, nicht

mehr Stand. Schon im ersten Jahr meines Studiums

kaufte ich mir die Institutio von Calvin. Sie ist das

Hauptwerk des Reformators, in dem er die christliche

Religion lehrt. Als ich darin las, war ich freudig

erstaunt, wie schlicht und biblisch seine Ausführungen

waren. Darauf habe ich mich im Lauf des Studiums

immer mehr der reformierten Theologie zugewandt.

Wie alt warst du zu diesem Zeitpunkt?

Das Theologische Seminar besuchte ich, als ich zwischen

26 und 30 Jahren alt war.

Vielen Dank für diese interessanten Einblicke. Zum

Abschluss unsere 10 „heißen“ Fragen. Welcher biblischen

Person würdest du gerne welche Frage stellen?

Ich würde gerne Timotheus fragen, wie er es schaffte,

Älteste in den Gemeinden einzusetzen, die den Vorgaben

entsprachen, die ihm Paulus gab.

Schwierigste Bibelstelle?

Ich weiß nicht, ob das wirklich die schwierigste Stelle

ist. Ich habe lange über 1. Johannes 5,16 nachgedacht.

Johannes schreibt von einer Sünde zum Tode und

davon, dass man nicht für jemand bitten soll, der sie

begeht. Obwohl ich die Stelle auslegen kann, bin ich

mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich sie richtig

verstanden habe. Ich hoffe, meine Tochter, die das Magazin

liest, der ich erst vor kurzem diese Stelle erklärt

habe, ist nun nicht allzu sehr enttäuscht.

Bevorzugte Bibelübersetzung?

Für das persönliche Bibelstudium verwende ich die

Schlachter 2000 und in der Gemeinde Luther 1984.

Allfällige Schwächen der Übersetzungen können

leicht behoben werden, wenn der Abschnitt jeweils im

Grundtext studiert wird. Das ist der Vorteil, wenn man

in seinem Leben Zeit bekam, Griechisch und Hebräisch

zu studieren.

Mit welcher Person der Bibel kannst du dich am

ehesten identifizieren?

Mit dem Vater des besessenen Knaben, der zu Jesus

schrie: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ – Markus

9,24

Welche Person der Kirchengeschichte würdest du

gerne einmal treffen?

Um nicht die üblichen reformierten Helden zu nennen,

sage ich Polykarp von Smyrna. Er wurde vor seiner

Hinrichtung in der Arena vom römischen Konsul aufgefordert,

seinen Glauben an Christus zu verleugnen.

Statt das zu tun, hat der Kirchenvater ihm angeboten,

ihm den Glauben an seinen Herrn genauer zu erklären,

wenn er ihm die Möglichkeit dazu gäbe. Ich würde

gerne den Mann kennenlernen, der nicht trotzig an

36


„Ich hoffe, dass

‚Calvinismus‘ nicht

zu einem hohen

Ross verkommt, von

dem man auf andere

herabschaut. Die

richtige Auslegung

der Schrift – etwas,

wofür Calvin

vorrangig arbeitete

– darf nicht bloß

eine intellektuelle

Auseinandersetzung

sein. Die reformierte

Lehre ist für die

Seelsorge absolut

notwendig.“

seinem Glauben festhielt, sondern sich selbst vor dem

Tod um eine verlorene Seele sorgte.

Was war das letzte Buch, das du gelesen hast?

Dangerous Calling von Paul Tripp.

Welches Buch wolltest du schon immer einmal

lesen?

Das klingt jetzt vielleicht seltsam. Ich würde gerne die

Institutio von Calvin im Zusammenhang lesen. Bisher

habe ich bloß einzelne Abschnitte, aber noch nie das

ganze Werk gelesen.

Was bedeutet für dich „Reformation“?

Die Reformation ist zuerst der Zeitabschnitt in der Kirchengeschichte,

in dem die Kirche reformiert wurde.

Die Reformatoren wollten eine Kirche, die sich an der

Bibel orientierte. Heute ist diese Arbeit nicht abgeschlossen.

Kirchen und Gemeinden müssen sich immer

neu auf die Schrift zurückbesinnen, statt gedankenlos

Traditionen zu pflegen.

Reformiert hat für mich auch eine persönliche Ebene.

Ich selbst will meinen Glauben und mein Leben so

erneuern lassen, dass sie mehr und mehr dem entsprechen,

was ich in der Schrift erkenne.

Bestes Zitat?

Ich habe kein Zitat, das ich anderen bevorzuge. Als

Prediger erinnere ich immer wieder gerne an Worte von

John Wesley. Er soll ungefähr Folgendes geschrieben

haben: „Ich habe heute zweimal gepredigt. Die zweite

Predigt war gesegneter. Sie war ein größeres Ärgernis.“

Was bedeutet Jesus für dich?

Jesus ist mein Herr und Erlöser. Er ist mir von meinem

himmlischen Vater gegeben worden, damit ich alles in

ihm finde, was ich zum Heil und Leben nötig habe:

die vollständige Vergebung all meiner Sünden, die

vollkommene Gerechtigkeit und die Hoffnung auf die

ungetrübte Herrlichkeit.

Vielen Dank für die Einblicke und deine Zeit!

Gern geschehen.

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IM STUDIERZIMMER

Das Interview über

christliche Literatur.


MÜNCHEN

Matthias

Lohmann

Interview von Peter Voth

Das Evangelium Jesu Christi ist das Thema von Pastor Matthias

Lohmann aus München. Was erstmal wie eine Plattitüde klingt,

zeigt er allerdings in Wort und Tat. Vor allem durch das Netzwerk

Evangelium21, das er mitgründete, wird seine Begeisterung für das

Evangelium deutlich. Doch wie fing seine „Reise“ mit Gott an? Das

und vieles mehr hat er uns im Interview erzählt.

© Foto: Simon Arnold

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Viele unserer Leser werden dich bereits kennen,

könntest du uns trotzdem verraten, wie alt du bist,

wie dein Familienstand und was deine derzeitige

Tätigkeit ist?

Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet mit Sarah und habe

zwei Töchter. Seit 2008 bin ich Pastor der FEG München-Mitte.

Nebenbei mache ich noch einige andere

Dinge, so z.B. die Leitung von Evangelium21. Ich bin

zudem einer der Leiter und Dozenten am MBS München

und so weiter.

Sehr schön, vielen Dank. In welchem Alter wurdest

du Christ und wie sah dein Leben vor deiner Bekehrung

aus?

Ich war bereits 26 Jahre alt, als ich durch Gottes große

Gnade bekehrt wurde. Davor war ich ein typischer

junger Mann in der Welt. Ich habe sehr viel Sport

gemacht (v.a. Fußball & Tennis), war bei jeder Party

dabei, mit allem was dazu gehört (Trinken, Mädels).

Ich war schon immer sehr ambitioniert. Das zeigte sich

im Sport, wie auch im Studium (Politikwissenschaften,

VWL und Neuere Geschichte) und überhaupt in fast

allen Lebensbereichen.

Haben sich diese „Ambitionen“ sofort auch in der

Nachfolge bemerkbar gemacht? Oder anders gefragt,

was ist der größte Unterschied zwischen „weltlicher“

und „christlicher“ Ambition?

Ja – mein Umfeld hätte mich vorher sicher als extrem

und gleichzeitig einen netten Kerl beschrieben. Ich

hoffe, dass beides auch heute noch zutrifft. Aber meine

Freunde haben alle sofort eine ziemlich radikale Veränderung

erlebt, auch wenn manche Dinge sich natürlich

nicht über Nacht verändert haben. Ich habe einfach

seit meiner Bekehrung (mal mehr und mal weniger) ein

großes Verlangen, den Rest meines Lebens für Christus

zu leben. Philipper 1,21 ist mir da ein Leitvers.

Du giltst als ein ausgesprochener Verfechter der

Gnadenlehren. Wie bist du zu einem reformatorischen

Verständnis des Glaubens gekommen?

Einfach durch das Lesen der Bibel, durch gute Predigten

et cetera. Ich wusste lange gar nicht, dass dies nicht

das ist, was alle Christen glauben. Ich wurde als junger

Christ mal gefragt, ob ich reformiert wäre und habe

die Frage gar nicht verstanden. Später kamen dann

Prediger und Bücher hinzu, die mich da weiter zugerüstet

haben. Das war dann schon auch eine bewusste

Entscheidung, mich in der Erkenntnis zu stärken, die

ich bereits hatte.

Für viele sind diese „Labels“ ein Dorn im Auge.

Ich kann verstehen warum. Wie können wir diese

biblischen Lehren Menschen nahe bringen, die z.B.

nicht von der vollkommenen Souveränität Gottes

überzeugt sind?

Ich denke, was wir wollen, ist, dass Leute in Ihrer Liebe

zu Gott, zu den Geschwistern und zu den Verlorenen

wachsen. Von daher sollten wir liebevoll auftreten und

die Bibel lehren. Labels sind da oft eher hinderlich, da

sie unnötig trennend wirken können, ohne dass die

Inhalte überhaupt verstanden werden. Da, wo Gottes

Wort klar verkündigt wird und Gottes Geist wirkt,

wachsen wir in der Erkenntnis und Liebe. Ein Nebenprodukt

ist es dann auch, dass unsere Theologie immer

biblischer wird. Aber natürlich sollten wir auch bereit

sein, unbiblische Theologie zu hinterfragen oder wenn

nötig auch direkt zu kritisieren. Menschen-zentriertes

Denken ist sehr weit verbreitet und oftmals sind Leute

so geprägt und dann überrascht, wenn wir eine andere

Theologie vertreten. Da gilt es, sehr geduldig, liebevoll

und von der Bibel her zu argumentieren und gegebenenfalls

auch mal zu akzeptieren, dass es Christen gibt,

die an dieser Stelle im Moment nicht nachdenken oder

daran arbeiten wollen. Wir sollten niemandem eine

Diskussion aufdrängen oder sie verurteilen, weil sie

Dinge anders oder noch gar nicht verstehen. Letztendlich

sollten gerade die Vertreter der Gnadenlehren gnädig,

demütig und geduldig sein und anerkennen, dass

unsere Erkenntnis nicht unser Verdienst ist – denn alle

Erkenntnis kommt von Gott – und auch nur Stückwerk

ist. Da können wir sicher noch viel lernen und in

der Liebe wachsen. Ich glaube, dass, wenn wir so auf

Leute zugehen, sie uns auch mehr zuhören. Außerdem

sollten wir nicht nur theologische Phrasen und Schriftbelege

kennen, sondern wirklich gute Kenner der Bibel

sein. Meine Empfehlung wäre da, eher mit jemandem

die Bibel zu lesen, als ein theologisches Buch.

Gleiches gilt für Predigten – keine theologischen

Exkurse über Tulip (Anm. d. Red.: Englische Abkürzung

für die fünf Punkte des Calvinismus), sondern

einfach treu das vertreten, was der Text sagt. Wenn die

Gnadenlehren biblisch sind – wovon ich zutiefst überzeugt

bin - sollten wir sie allein durch das sorgfältige

Studium der Schrift erkennen können. In allem sollten

wir aber immer zuerst darauf bedacht sein, dass wir

Menschen für Christus und für konsequente Nachfolge

gewinnen und nicht primär für ein theologisches

System.

Vielen Dank für diesen Appell. Treue Schriftauslegung

und ein wahrhaftiger Wandel sind hier gefragt.

Seit einigen Jahren setzt du dich mit deiner Tätigkeit

für Evangelium21 auch für das Evangelium deutschlandweit

ein. Was ist Evangelium21 und was willst

du mit dieser Initiative erreichen?

E21 ist im Kern ein Netzwerk ähnlich gesinnter

Theologen und Pastoren. Wir sind Freunde, die sich

dafür einsetzen, dass das Evangelium immer mehr

Raum in Gemeinden einnimmt. Wir wollen junge

Leute für das Wort Gottes begeistern und sie zurüsten,

damit wir wieder mehr starke, lebendige Gemeinden

sehen können. Im Detail ist das auf unserer Webseite

evangelium21.net beschrieben. Von 1998-2008 war

ich mit einigen Unterbrechungen in Washington DC

und durfte dort das Entstehen von 9Marks Ministries,

der Pastorenkonferenz Together for the Gospel aber auch

der Gospel Coalition miterleben. Das hat mich geprägt

und in mir die Sehnsucht nach etwas Ähnlichem in

Deutschland wachsen lassen. Wir wollen Gemeinden

keine Konkurrenz machen, sondern diesen letztendlich

dienen, indem wir Impulse setzen. Und wir beten

40


dafür, dass Gott eine neue Generation von Predigern

erweckt und beruft, die mutig und klar sein Wort verkünden,

so dass viele Menschen zum Glauben kommen

und die Heiligen im Glauben wachsen können.

Warum ist es so wichtig, das Evangelium in das Zentrum

eines jeden Gottesdienstes zu stellen?

Weil das die Gute Nachricht ist, die Leben gibt und

Leben verändert. Ohne Evangelium führt uns jeder

Aufruf der Schrift in die Verzweiflung, weil wir ohne

Gnade den Ansprüchen des Heiligen Gottes niemals

gewachsen sind.

Warum ist es dann für so viele Christen und noch

schlimmer für viele Pastoren so uninteressant geworden?

Das würde ich keinem Christen unterstellen wollen.

Ich denke, dass oftmals das Evangelium einfach als

bekannt vorausgesetzt wird und natürlich hat Satan ein

Interesse daran, dass das Evangelium nicht gepredigt

wird. So versucht er uns. Es entsteht Scheu, das „alte“

Evangelium zu predigen oder wir verlieren es einfach

aus dem Blick.

Ein anderes Thema. Das deutsche Christentum ist

zersplittert wie nie. Wie siehst du den Zustand und

die Zukunft des Christentums in Deutschlands?

Historisch kann ich das nicht beurteilen. Ich sehe

das auch gar nicht so. Mir kommt es eher so vor, als

sortieren sich manche Dinge neu. Ich denke, dass manche

ältere Strömungen und Allianzen eventuell bald

zerbrechen werden, da es eigentlich immer ein Gesetz

zunehmender Fragmentierung in „Bünden“ gibt. Dann

bilden sich halt neue Allianzen. E21 ist da eine solche

Gruppe und ich bin ermutigt über gute Kooperation

mit anderen Gruppen, wie dem EBTC, dem Bibelbund

und so weiter. Ich kann die nähere Zukunft letztendlich

nicht vorhersagen, aber die langfristige Prognose ist

überragend (siehe Offenbarung).

Das ist natürlich richtig (lacht). Vielleicht bin ich

da zu pessimistisch. Wie siehst du den Zustand des

Christentums, wenn du den Blick mal weg vom

Evangelikalismus und hin zum „christlichen Mainstream“

in Deutschland richtest?

Das klingt jetzt sicher sehr provokant, aber „Mainstream“

und „christlich“ schließt sich meines Erachtens

aus. Ich sehe viele unbiblische Tendenzen, die leider

auch teilweise die Freikirchen erreichen. Hier wird sich

die Spreu vom Weizen trennen. Da mag es dann eben

auch Zerbruch von alten Bünden geben. Das wird

schmerzhaft werden, wird aber letztendlich helfen,

denn dann werden sich Menschen klar entscheiden

müssen, ob sie in allen Dingen Christus nachfolgen

oder letztendlich weltlich mit „christlichem“ Anstrich

leben wollen. Möge Gott es schenken, dass viele den

schmalen Weg wählen, der zum ewigen Leben führt.

Auch unter Christen wird diese Frage teilweise kontrovers

besprochen. Welche Stellung sollten wir als

Nachfolger Jesu hier einnehmen?

Wir sollten selbstlos lieben und tun, was wir können!

Vielen Dank. Welcher biblischen Person würdest du

gerne welche Frage stellen?

Ich bin Realist, von daher passt die Frage nicht so gut

für mich (lacht).

Schwierigste Bibelstelle?

Hebräer 6,4-6 und Offenbarung 20.

Bevorzugte Bibelübersetzung?

Ich habe keinen echten Favorit. Ich predige aus

Luther1984, lese auch gern Schlachter 2000 und viel in

englischen Übersetzungen wie NIV 1984 und ESV.

Mit welcher Person der Bibel kannst du dich am

ehesten identifizieren?

Hoffentlich immer mehr mit Jesus. Paulus ist ein

Vorbild. Doch oft identifiziere ich mich auch mit dem

Schwachen der Bibel.

Welche Person der Kirchengeschichte würdest du

gerne einmal treffen?

Martin Luther.

Was war das letzte Buch, das du gelesen hast?

Ich bin gerade im Sabbatical und lese ganz viel. Offenbarung

in der Bibel und dazu „More Than Conquerors:

An Interpretation of the Book of Revelation“ von

William Hendriksen, David Helms Buch zu textauslegendem

Predigen, das wir (E21) in Kooperation mit

dem 3L Verlag kürzlich auf Deutsch herausgebracht

haben, Francis Chans „Crazy Love“, „The Pastor &

Counseling“ Deepak Reju und Ed Welchs neues Buch

„Side By Side“.

Welches Buch wolltest du schon immer einmal

lesen?

Weiß ich nicht. So manches dicke Buch, für das ich

dann keine Zeit fand, vor allem Biographien.

Was bedeutet für dich „Reformation“?

Sich von Gottes Wort und seinem Geist immer neu

verändern zu lassen im Sinne von Römer 12,1-2 – persönlich

und als Gemeinde.

Was bedeutet Jesus für dich?

Jesus ist mein Retter, mein Herr, mein großer Bruder,

mein Ziel.

Vielen Dank für das Gespräch. Möge Gott dir viel

Gnade und Kraft als Ehemann, Familienvater und in

deinen Tätigkeiten im Reich Gottes schenken.

Danke, Peter!

Die letzte Frage, bevor wir zu unseren abschließenden

10 „heißen“ Fragen kommen. Aktuell wird die

Frage der Flüchtlinge in den Medien diskutiert.

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Der

vergessene

Auftrag

THOMAS LANGE

EIN WECKRUF ZUR

ERFÜLLUNG DES

MISSIONSBEFEHLS

Genau zwei Dinge

können wir im Himmel

nicht mehr tun:

Erstens gegen Gottes

Maßstäbe verstoßen

und zweitens die Erlösungstat

von Jesus

Christus verbreiten.

Zu Letzterem hat

uns Gott definitiv berufen. Es ist der große Auftrag.

Doch wie sieht die Realität aus? Ein Großteil der

Gläubigen befindet sich in einem Dornröschenschlaf,

nimmt den Missionsbefehl nicht mehr ernst und verkümmert

diesbezüglich in Lethargie und Beliebigkeit.

Es gilt die Devise „Reden ist Silber und Schweigen ist

Gold“. Lähmung und Stagnation ist das traurige Ergebnis.

Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Verbreitung

der Guten Nachricht und ein leidenschaftlicher Aufruf

an alle Nachfolger Jesu, aufzuwachen und den großen

Auftrag auszuführen.

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Katharina

ELEONORE

DEHNERDT

DIE STARKE FRAU AN

LUTHERS SEITE

Mit 24 Jahren flieht

Katharina zusammen

mit mehreren anderen

Nonnen aus dem

Kloster. Sie will mit

dem neuen Gottesbild

der Reformation in

das Leben aufbrechen.

Katharina lernt das

Kinderhüten, Schweinezüchten und Bierbrauen, erlebt

die erste Liebe und meistert alles mit bewundernswerter

Eigenständigkeit. Schließlich will sie den Reformator

Martin Luther selbst heiraten. Zunächst lacht dieser darüber,

doch schon bald wird sie sein „Morgenstern“ …

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Gute Nacht,

gute Nacht,

Gott gebe

Gnade!

HRSG. GEORG

WALTER

DIE FROHE

GLAUBENS-

ZUVERSICHT DER

MÄRTYRER DER

TÄUFERBEWEGUNG.

Zeugnisse aus dem

Märtyrerspiegel von

Thielemann Jantz van

Braght – zusammengetragen

von Georg

Walter. Der Holländer Thielemann Jantz van Braght

(1625-1664) ist Autor des Märtyrerspiegels, einer detaillierten

Geschichte der christlichen Märtyrer von der

Zeit der Urchristen bis ins 16. Jahrhundert. Besonderen

Schwerpunkt legt der Märtyrerspiegel auf die Geschichte

der Wiedertäufer.

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Die Kraft der

Evangeliumsbotschaft

PAUL WASHER

Die Vorrangstellung

des Evangeliums

kann unmöglich

überbetont oder

überbewertet werden.

Dementsprechend

ist es also die eine

Botschaft, an der

wir beharrlich

festhalten müssen.

Wenn schon die geringfügigste Abweichung von

der biblischen Wahrheit gefährlich ist, können wir

dennoch viele Dinge falsch verstehen, ohne dabei

unser ewiges Schicksal aufs Spiel zu setzen. Dem

Evangelium keinen Vorrang zu geben, bedeutet es

im Ganzen falsch zu verstehen. Wir haben aus dem

Evangelium eine vereinfachte und leicht verständliche

Darlegung des Glaubens gemacht, die viel von der

ursprünglichen Schönheit des Evangeliums wegnimmt

und wenig Herrlichkeit zurücklässt, die bewundert

oder weitgehend erforscht werden kann.

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Streitfall Millenium

KIM RIDDLEBARGER

WIRD ES GOTTES REICH AUF ERDEN GEBEN?

Was ist mit den „tausend Jahren“ aus Offenbarung 20

gemeint? Für eine Antwort müssen die ganze Bibel und

das Thema Prophetie systematisch untersucht werden.

Viel Einleuchtendes über Israel, Drangsal, Entrückung

und Endzeitzeichen wird dabei deutlich. Der Autor

erklärt diese und andere Themenbereiche biblisch-systematisch

und verteidigt dabei die klassische reformierte

Position, den Amillennialismus. Besonders in der

heutigen Zeit, wo Missverständnisse über das Reich

Gottes oft zu einem fragwürdigen Christentum führen,

ist diese tief gegründete biblische Lehre heilsam und

wohltuend, damit Christen mit den richtigen Einstellungen

und Erwartungen Gott treu dienen.

Anmerkung: Du hast eine andere Auffassung über das

Tausendjährige Reich? Das ist völlig ok – dieses Buch

ist keine Kampfansage, sondern eine Einladung, die

Argumente dieser Sichtweise kennenzulernen. Der

Herausgeber schätzt Gläubige mit anderen Endzeit-Ansichten

uneingeschränkt als Geschwister und hofft, dass

das auch umgekehrt gilt.

176310 – PAPERBACK, 347 SEITEN – € 15,90

Himmel, Hölle,

Engel und

Dämonen

R.C. SPROUL

DIE UNSICHTBARE

WELT

Die meisten Christen

akzeptieren das

biblische Bekenntnis,

dass es einen Gott

gibt, der im Himmel

und auf Erden regiert.

Dennoch sind wir

uns bezüglich anderer

geistlicher Wahrheiten nicht so sicher. Dazu gehören:

Himmel und Hölle, Engel und Dämonen und der

Satan. Diese werden in der Schrift genauso als Realität

beschrieben wie Gott selbst. Im Zentrum des christlichen

Weltbildes steht das Übernatürliche und wir

dürfen nicht zulassen, dass der weltliche Skeptizismus

unsere Glaubensgrundlagen beeinflusst. Die kurze Tour

durch die biblischen Lehren in diesem Buch bezüglich

der unsichtbaren Welt wird Ihren Glauben an die Lehren

des Übernatürlichen, stärken.

863959 – PAPERBACK, 144 SEITEN – € 11,50

Taufe – Impuls

PETER GÜTHLER

WIE IRRTÜMER

ÜBER DEN HEILIGEN

GEIST DEN GLAUBEN

BEDROHEN

Hast du dich

schon einmal mit

dem Thema Taufe

beschäftigt? Möchtest

du wissen, was die

Bibel dazu sagt?

Denkst du vielleicht

sogar darüber nach,

dich taufen zu lassen?

Dann solltest du unbedingt diesen Kurs machen. In

drei Lektionen erarbeitest du die Bedeutung der Taufe

im Neuen Testament, ihre Veränderung im Laufe

der Kirchengeschichte und ihre Herausforderung

für dich persönlich. Du kannst diesen Kurs allein, in

einer Gruppe oder zusammen mit einem erfahrenen

Gläubigen studieren. Finde heraus, was Gott von dir

möchte, und tu es! Das ist der erste Band in der neuen

Impuls-Reihe von rigatio. Diese Reihe bringt Themen

kurz und klar auf den Punkt.

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„Wir sollten in allen Bibelteilen

nach Christus Ausschau halten.“

William MacDonald

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