Timotheus Magazin #23 - Himmel und Hoelle

betanienverlag

Inhalt
Editorial
Was ist die Hölle? (Andreas Kuhlmann) – Die Hölle ist viel mehr als Bestrafung und ewige Pein. Die große Frage nachdem »Was«.
Die große Kluft (Daniel Facius) – Die rätselhafte Geschichte von einem Mann in der Hölle und einem im Himmel.
Den Himmel fest im Blick (Matthias Lohmann) – Warum wir schon jetzt mit der Ewigkeitsperspektive leben sollten!
Der Himmel (Hanniel Strebel) – Buchrezension zu Alcorns Klassiker über den Himmel.
William Cowper (Larry Norman) – Christ & Depression? Ein Tabu-Thema! Doch das sollte es nicht sein. Ein Lebensbild.
Himmel & Hölle im Alten Testament (Andreas Münch) – Ewig singend oder ewig heulend? Wie stellten sich die Menschen im AT die Ewigkeit vor?
Das größte Fest (Simon Meyer) – In der Ewigkeit wird ein Fest gefeiert, das nicht enden wird. Wie wird das sein?
Himmlische Liebe (Susanne Wrobel) – Über den Charakter einer gottesfürchtigen Frau.
Interview mit Tim Kelly (Peter Voth) – Reformatorische Gemeinden in Deutschland etablieren.
Interview mit Gary Cousins (Peter Voth) – Von Irland nach Deutschland und noch viel weiter.
Buchvorstellungen

BIBELTREUES MAGAZIN FÜR JUNGE CHRISTEN • №23 • 2/2016

HIMMEL & HÖLLE

Warum ein richtiges Verständnis

von der Ewigkeit so wichtig ist!

William Cowper

Biographie — Gott verherrlichen

trotz schwerer Depression?

Gary Cousins

Von Irland nach

Deutschland für

das Evangelium

»Es quillt für mich dies

teure Blut, das glaub

und fasse ich! Es macht

auch meinen Schaden

gut, denn Christus starb

für mich!«

Tim Kelly

Reformatorische

Gemeinde in Deutschland

etablieren


Editorial

#23 Himmel & Hölle — 02/2016

»Crescent City, California«

Steve Carter

ist ein amerikanischer

Fotograf aus Rochester,

NY. Verfolge seine

Arbeiten auf stevecarter.

co oder unsplash.com/

stvcrtr.

Liebe Leserin, lieber Leser,

selbst manchen bibelkundigen und gläubigen

Christen bereitet die Vorstellung eines nie endenden

Jenseits Schwierigkeiten. Besonders wenn es um

die Hölle geht. Sogar John Stott – einer der einflussreichsten

und scharfsinnigsten Theologen des letzten

Jahrhunderts – nahm zum Ende seines Lebens die

Position ein, dass sich die Hölle nach einer bestimmten

Zeit im Nichts auflösen würde. Wir wollen uns

nicht über Stotts Scharfsinn stellen, doch wir sollten

auch in dieser Frage ganz gewiss dem reformatorischen

Grundsatz »sola Scriptura« nachkommen.

Die biblischen Lehren von Ewigkeit, Himmel und

Hölle werden in unserer postmodernen Welt immer

häufiger angefochten. Vermehrt kommen diese

»Zweifel« aus der Kirche selbst. Wird die Konsequenz

der ewigen Verdammnis von der Kanzel gepredigt,

kommen schnell »Hassprediger« Unkenrufe.

Doch warum haben die Hölle (»ein liebender Gott

würde nicht so hart strafen«) und der Himmel (»keine

Lust auf 1000 Jahre Engelschöre«) heute einen so

schlechten Ruf? Wenn wir uns etwas tiefgreifender

mit diesen Themen beschäftigen, merken wir sehr

schnell, dass sowohl der Himmel als auch die Hölle

ein heiliger, göttlicher und unbedingt notwendiger

Widerhall des einzigen und allmächtigen Gottes ist.

Es stellt Sünde, Errettung und das Werk Jesu Christi

in den nötigen und richtigen Kontext. Das biblische

Evangelium verliert ohne »ewige Konsequenzen«

ihre Kraft und Wirkung. Biblische Lehre und eine

gesunde Theologie rücken in Zeiten von Ökumene

und Pluralismus immer mehr in den Hintergrund.

Daher ist eine vermehrte Verneinung von so »drastischen«

Lehren leider nicht verwunderlich. Im Artikel

»Was ist die Hölle?« macht Andreas Kuhlmann

deutlich, dass die Hölle ein eindrückliches Echo der

Gerechtigkeit Gottes ist. Daniel Facius zeigt uns die

große und ewige Kluft zwischen Himmel und Hölle

anhand des armen Lazarus und des reichen Mannes.

Dass wir schon jetzt den Himmel fest im Blick

haben sollten, wird im Artikel von Matthias Lohmann

sehr klar. In der Rezension zu Alcorns »Der

Himmel« macht uns Hanniel Strebel die Vorfreude

auf den Himmel schmackhaft, aber nicht auf Basis

von Mythen und vergeistlichtem Wunschdenken.

Simon Mayer berichtet uns vom ewigen Fest aus der

Offenbarung. Wer wird bei diesem himmlischen Fest

dabei sein? Und wie wird es dort sein? Die Artikel

»Himmlische Liebe« von Susanne Wrobel und »William

Cowper« von Larry Norman bringen uns näher,

was »Himmel und Hölle auf Erden« bedeuten kann.

Zusätzlich haben wir auch zwei ausführliche und

inspirierende Interviews mit Gary Cousins und Tim

Kelly geführt. Ein Ire und ein Amerikaner im Auftrag

des Herrn in Deutschland. Während einige Artikel in

dieser Ausgabe tiefer gehen, bleiben andere eher an

der Oberfläche und machen Hunger auf mehr. Eines

haben jedoch alle Artikel gemeinsam: Sie wollen ein

biblisches Bild vom Jenseits aufzeigen, das nicht von

Mythos und Zeitgeist, sondern allein von der heiligen

Schrift bestimmt ist. Wir wollen mit diesem Heft

zeigen, dass es sehr gute Gründe gibt, die Lehre von

der ewigen Herrlichkeit und der ewigen Verdammnis

sehr ernst zu nehmen. Ein richtiges Verständnis von

diesen Dingen ist für unseren Wandel im Herrn auf

dieser Erde schon jetzt entscheidend, denn wer an

diesen Fundamenten rüttelt, wird sich nicht schämen,

im nächsten Schritt an der Genügsamkeit und

Kraft des Werkes Jesu zu zweifeln.

Die Redaktion

2


Inhalt

Inhalt

4

Was ist die Hölle?

ANDREAS KUHLMANN

Die Hölle ist viel mehr als

Bestrafung und ewige Pein. Die

große Frage nach dem »Was«.

6

Die große Kluft

DANIEL FACIUS

Die rätselhafte Geschichte von

einem Mann in der Hölle und

einem im Himmel.

10

Den Himmel fest im Blick

MATTHIAS LOHMANN

Warum wir schon jetzt mit der

Ewigkeitsperspektive leben

sollten!

14

Der Himmel

HANNIEL STREBEL

Buchrezension zu Alcorns

Klassiker über den Himmel.

16

William Cowper

LARRY NORMAN

Christ & Depression? Ein Tabu-Thema!

Doch das sollte es

nicht sein. Ein Lebensbild.

20

Himmel & Hölle im

Alten Testament

ANDREAS MÜNCH

Ewig singend oder ewig

heulend? Wie stellten sich die

Menschen im AT die Ewigkeit

vor?

24

Das größte Fest

SIMON MAYER

In der Ewigkeit wird ein Fest

gefeiert, das nicht enden wird.

Wie wird das sein?

28

Himmlische Liebe

SUSANNE WROBEL

Über den Charakter einer

gottesfürchtigen Frau.

32

Interview mit

Tim Kelly

PETER VOTH

Reformatorische Gemeinden in

Deutschland etablieren.

IMPRESSUM

Redaktion Waldemar Dirksen,

Viktor Sudermann, Andreas Kuhlmann,

Peter Voth

Art Direktor Peter Voth ∙ vothpeter@yahoo.de

Lektorat Tanja Mirau

Abodienst Katharina Wiebe

kwiebe@betanien.de

Verlag Betanien Verlag e.K. ∙ Imkerweg 38

D-32832 Augustdorf ∙ info@betanien.de

Online www.timotheusmagazin.de

Erscheinungsweise Erscheint als

Quartalsmagazin seit Oktober 2010 alle drei

Monate: Januar (Winter) · April (Frühling) · Juli

(Sommer) · Oktober (Herbst).

Preise Einzelausgabe ∙ €2,90 (zzgl.Versand)

Jahresabo (D) ∙ €13,55 (inkl. Versand)

Jahresabo (EU) ∙ €21,50 (inkl. Versand)

RUBRIKEN IM HEFT

Nach Christus

Schriftgelehrt

Josia

Das Interview

Wie Edelsteine

38

Interview mit

Gary Cousins

PETER VOTH

Von Irland nach Deutschland

und noch viel weiter.


Was ist

die Hölle?

Text von Andreas Kuhlmann

Wie kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle werfen? Wie

kann Gott an endlichen Wesen ein ewiges Urteil vollziehen? Wie

verherrlicht die Existenz der Hölle Gott? Das sind sehr ernste

Fragen. Doch bevor wir das Wie über die Hölle beantworten

können, müssen wir zunächst das Was beantworten.

Der Gedanke an die Hölle verwirrt viele Menschen, weil wir wichtige Fragen

bezüglich der Hölle mit falschen Annahmen beantworten. Die Hölle wird

dann oft zu einem notwendigen Übel, zu einem bösen Ort oder gar zu etwas,

was scheinbar der Gerechtigkeit zu widersprechen scheint, da wir sie von

einer menschzentrierten Perspektive betrachten und die Kriterien, um dort hineinzukommen,

hauptsächlich an uns selbst suchen und so keine Rechtfertigung dafür sehen,

ein derartiges Strafmaß zu verdienen.

Doch wenn wir das Wort Gottes und das, was es über die Hölle sagt, betrachten, sollte

ein wichtiges Merkmal festgehalten werden. Die Hölle ist ein Ort der Gerechtigkeit (vgl.

z.B. 2. Petrus 3,7; Offenbarung 20,11-15; Apostelgeschichte 17, 30-31). Sie kann deshalb

nichts Ungerechtes, Böses oder notwendig Übles sein. Und die Fragen, die uns zu solchen

Schlüssen führen, müssen deswegen anders beantwortet werden, weil sie sonst dem Wort

Gottes widersprechen. Gott wusste, welchen Lauf dieses Schöpfungsdrama nehmen würde,

bevor er die Welt geschaffen hatte. Warum hat er sie dann trotzdem geschaffen?


Ein Ort der Gerechtigkeit

Es ist sehr hilfreich, die Hölle mit einem irdischen

Ort zu vergleichen, in dem wir Gerechtigkeit ausüben

– wie z.B. einem Gefängnis. Jesus Christus

macht einen ähnlichen Vergleich in seinem Gleichnis

vom unbarmherzigen Knecht (Matthäus 18,21-35).

Niemand würde ein Gefängnis als einen schlechten

bzw. bösen Ort bezeichnen. Das Gefängnis ist es

nicht, sondern diejenigen, die dort hineinkommen.

Viel mehr würde ein vernünftiger Menschen hingehen

und sagen, dass ein Land, das keine Gefängnisse

hat, ein schlechtes Land sei, weil es Verbrecher

unbestraft lässt. Gefängnisse sind also etwas Gutes,

weil sie zeigen, dass die Gerechtigkeit hochgehalten

wird, indem Übeltäter bestraft werden.

Ebenso verhält es sich mit der Hölle. Die Hölle

an sich ist kein böser Ort, sondern jene, die dort hineinkommen.

Die Existenz der Hölle zeigt, dass Gott

gut ist, weil er ein gerechter Gott ist und das Böse

bestraft. Gottes Gerechtigkeit impliziert die Hölle,

weil seine Gerechtigkeit unantastbar und unbestechlich

ist. Doch ist das Strafmaß, das Gott Seelen in

der Hölle auferlegt, gerecht? Ist es gerechtfertigt, an

einem endlichen Wesen ein ewiges Urteil zu vollziehen?

Die Würde Gottes

Das Strafmaß an uns darf nicht beschränkt werden,

nur weil wir endliche Wesen sind. Wenn ein Mensch

beispielsweise einen Mord begeht, dann wird das Urteil

nicht abhängig davon gemacht, wie lange er für

seine Tat gebraucht hat oder wie vergänglich er ist,

sondern abhängig von der Würde, die er geschädigt

hat. Der Geschädigte ist in letzter Konsequenz Gott.

Seine Würde bestimmt das Maß des Urteils. Und weil

er unbegrenzt herrlich ist, kann es kein begrenztes

Urteil geben. Das entspräche nicht der Gerechtigkeit.

Die Hölle muss der ewige Tod sein, weil Gott das

ewige Leben ist. Und da jeder von uns den Wert Gottes

mit seinem Leben missachtet, ist jeder von uns

es schuldig, den Wert Gottes in seiner ganzen Fülle

zu erstatten (Römer 3, 23). Das Himmelreich leidet

Gewalt, sagt Jesus Christus (Matthäus 11,12), da Gott

seine Absichten und seine Herrlichkeit in seinem

Wort und in der Schöpfung offenbart, die Menschen

aber Gottes Absichten nicht erkennen möchten und

die Schöpfung nach ihren eigenen Vorstellungen

missbrauchen.

Gott hat erstaunlich wunderschöne menschliche

Wesen geschaffen, die ihre gottgegebene Herrlichkeit

und Würde in einem solchen Maße verdreht haben,

dass sie noch schlimmer als Abfall wurden. So wie

ein in sich selbst zusammengestürzter, herrlicher

Tempel schockierender ist als bloßer Abfall, der

auf dem Boden liegt. Es ist genau das Wegwerfen

unserer göttlichen Würde als Menschen, die fähig

waren den Schöpfer zu erkennen und zu lieben, was

unsere Verdorbenheit begründet. 1 Der Schrecken der

1 Entnommen aus Ask Pastor John Episode 753 – »Does the

Cross Show How Valuable I Am?«

Hölle ist proportional zu Gottes Herrlichkeit und

verdeutlicht das Gewicht seiner Herrlichkeit und den

Preis, diese zu beschmutzen. Wenn aber nun Gottes

Liebe ein zentraler Teil seiner Herrlichkeit ist, wie

kann dann ein liebender Gott Menschen in die Hölle

werfen?

Die Hölle offenbart den

Reichtum von Gottes Gnade

Wenn Gott die Gerechtigkeit für jemanden übergehen

würde, obwohl er sie verdient hat, wäre das keine

Liebe, sondern ein Verbrechen an der Seele, weil

die Schuld, die ihr anhaftet, nicht beglichen wurde,

sondern sie weiter belastet. Gott wirft Menschen

in die Hölle, weil er sie und ihre Entscheidungen

respektiert – also gerade weil er sie liebt. Doch er

kann sich selbst nicht verleugnen. Und er hat auch

keinen Gefallen am Tod des Sünders. Deshalb ist er

in Jesus Christus stellvertretend für ihn gestorben,

indem er die Last, die dem Menschen anhaftet,

selbst getragen hat und ihm so tatsächliche Erlösung

gewährt, weil die Schuld beglichen ist. Die Tatsache,

dass es für uns angesichts einer Hölle überhaupt den

Eintritt in den Himmel gibt, sollte uns vor Erstaunen

über Gottes Liebe nicht mehr loslassen und uns die

Dimension für seine überreiche Gnade eröffnen.

Diese Gnade wird uns in der Ewigkeit unbeschreiblich

glücklich machen. Und dass Gottes Herrlichkeit

die Quelle unserer größten Freude ist (so wie es

ursprünglich sein sollte), das erfreut Gott. Denn eine

absolut selbstlose Person freut sich am meisten daran,

wenn die eigene Existenz den anderen zutiefst

erfreut. Deswegen eifert Gott um seine Herrlichkeit

– um uns ewige und herrliche Freude zu geben, von

der aus unsere Anbetung ihm gegenüber entspringen

wird, sodass wir uns in einem glorreichen und nie

endenden Kreislauf gegenseitiger Freude befinden

werden (Hebräer 12,2; 1. Petrus 1,8; Jesaja 62,5). Für

einen begnadeten Sünder ist der Himmel deswegen

eine unmessbare Demonstration der Gnade und Liebe

Gottes, weil er weiß, welches Opfer sie angesichts

der Hölle erbracht hat und was er verdient hat. Im

Himmel werden wir den Rauch des Höllenfeuers von

Ewigkeit zu Ewigkeit aufsteigen sehen und werden

darüber jubeln, weil die Hölle ein Echo von Gottes

Gerechtigkeit ist, sich jedoch für uns wandelt in ein

Echo seiner Gnade (Offenbarung 19,17).

Andreas Kuhlmann (*1984) gehört zum Gründerund

Herausgeberkreis von Timotheus. Er hält gerne

Auslegungspredigten und schreibt regelmäßig für Timotheus.

© Foto: Chen YiChun — unsplash.com/toto

5


Armer

Lazarus

Text von Daniel Facius


Die Erzählung vom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lukas

16,19-31) ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. So setzt sie plötzlich

ein und bleibt ohne Erklärung. Sie spielt nicht nur auf der Erde,

sondern auch im Jenseits. Und während die Beteiligten anderer

Gleichnisse anonym bleiben, werden hier Akteure namentlich

genannt. Was aber will uns Jesus damit sagen?

Zunächst einmal sollte festgehalten werden,

was aus der Erzählung nicht folgt. Allzu

oft wird nämlich dieses Gleichnis hauptsächlich

dazu verwendet, um Reichtum

zu verdammen und Armut zu vergöttern. »Der

böse Reiche« bekommt dann seine gerechte Strafe,

während der »gute Arme« entlohnt wird. So einfach

aber ist die Sache nicht. Man überlege sich nur, von

wem es heißt, er sei »sehr reich an Vieh, Silber und

Gold« gewesen. Richtig, das war Abraham (1. Mose

13,2), der sich hier offenkundig über sein jenseitiges

Schicksal nicht beklagen kann. Armut andererseits

wird keineswegs immer als positiv dargestellt (Sprüche

13,18; 24,13; 28,19), sondern soll vielmehr so gut

es geht vermieden werden. Die damaligen Zuhörer

Jesu haben aller Wahrscheinlichkeit nach umgekehrt

gedacht und Reichtum mit Gottes Segen, Armut dagegen

mit Gottes Fluch verbunden (vgl. die Reaktion

der Jünger in Johannes 9,2). Sie müssen überrascht

gewesen sein, dass das Gleichnis auch diese Sicht

widerlegt – zumal der Arme hier Lazarus heißt, was

»Gott hilft« bedeutet.

Man sollte auch vorsichtig sein, alle Einzelheiten

der Erzählung über das Jenseits verallgemeinern

oder übertragen zu wollen. Es ist offenkundig, dass

niemand nach seinem Tod tatsächlich »von den

Engeln in Abrahams Schoß getragen« wird. Das Bild

steht vielmehr für einen Ehrenplatz, möglicherweise

bei dem himmlischen Festmahl, das in Lukas 13,29

angekündigt wird. Der reiche Mann dagegen landet

im »Hades«, was schlicht und einfach die Totenwelt

beschreibt. In der biblischen Theologie scheint dieser

Platz aber nur ein Durchgangsstadium darzustellen,

einen Ort, an dem sich die Toten bis zum Tag des

endgültigen Gerichts aufhalten. Es stellen sich daher

hier einige Fragen. Liegt Abrahams Schoß im Hades?

Oder ist Lazarus bereits vor dem Gericht im Paradies

und hat die Möglichkeit des Kontakts zum Hades?

Oder meint Hades hier doch schon den Ort des endgültigen

Gerichts? Können die Gerechten das Leiden

der Ungerechten verfolgen? Da Jesus uns hier keine

weiteren Details mitteilt, ist es sinnvoll, sich auf das

zu konzentrieren, was die Erzählung mit Sicherheit

zum Ausdruck bringt.

© Foto: Lazarus vor dem Tor des reichen Mannes — Illustration von Fyodor Bronnikov (1886)

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»Die einen zum ewigen Leben…«

Es war den jüdischen Zuhörern Jesu nicht neu, dass

das Leben nicht mit dem Tod endet. Auch wenn das

Alte Testament nicht besonders viel über das Jenseits

berichtet, so war doch die Hoffnung auf eine Auferstehung

im jüdischen Volksglauben verankert und

wurde auch von den Pharisäern gelehrt (Paulus nutzt

in Apostelgeschichte 23,1-11 einen Streit zwischen

Pharisäern und Sadduzäern über jene Frage aus).

Martha bringt diese Hoffnung zum Ausdruck, wenn

sie über ihren Bruder Lazarus sagt: »Ich weiß wohl,

dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am

Jüngsten Tage« (Johannes 11,24). Grundlage für diese

Lehre waren unter anderem Verse aus den Psalmen.

So heißt es in Psalm 16,10f: »Du wirst mich nicht

dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein

Heiliger verwese. Du tust mir kund den Weg zum

Leben.« In Psalm 49,16 schreiben die Söhne Korach:

»Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt«

Hier deutet sich aber schon an, dass das nicht für

alle gilt, denn über die Toren heißt es einen Vers vorher:

"Ihr Trotz muss vergehen; bei den Toten müssen

sie bleiben". Wirklich explizit wird der Gedanke der

Auferstehung dann nur in Daniel 12,2 formuliert.

Dort heißt es: »Und viele, die unter der Erde schlafen

liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen

Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.«

Der »doppelte Ausgang«, von dem diese Stelle

berichtet, kommt auch in unserem Gleichnis zum

Ausdruck – in erschreckenden Bildern. Während es

Lazarus erkennbar gut geht, lebt der Reiche an einem

Ort der Qual (Vers 28), leidet Pein in den Flammen

(Vers 24) und bleibt ohne Hoffnung auf Linderung.

Man kann nun trefflich darüber diskutieren, was hier

wörtlich und was bildhaft zu verstehen ist, eines aber

sollte man nicht tun: den tiefen Ernst verkennen, der

hinter dieser Schilderung steht. Wer hier noch von

»höllischem Spaß« spricht und meint, Gottlosigkeit

werde später mit einer Riesenparty belohnt, sollte

seinen Standpunkt besser noch einmal überdenken.

Denn noch ein weiteres Faktum wird in diesem

Gleichnis verdeutlicht, die Unumkehrbarkeit, die

Endgültigkeit des Zustandes: »Überdies besteht zwischen

uns und euch eine große Kluft, dass niemand,

der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen

kann und auch niemand von dort zu uns herüber«

(Vers 26).

»Ein jeder nach seinen Werken…«

(Offenbarung 20,13)

Vielleicht die größte Schwierigkeit dieses Gleichnisses

besteht darin, dass Jesus uns darüber im Unklaren

lässt, was der Grund für die unterschiedlichen

Schicksale der beiden Hauptpersonen ist. Manche

Ausleger nehmen hier an, der reiche Mann werde

bestraft, weil er den armen Lazarus vor seiner Tür

habe liegen sehen, ohne etwas gegen dessen Armut

zu unternehmen. Hier steht wohl der verständliche

Versuch im Hintergrund, das Gleichnis »gerechter«

erscheinen zu lassen, indem man dem reichen Mann

irgendein »schlechtes« Handeln andichtet und annimmt,

Lazarus sei fromm gewesen. All das lässt sich

dem Gleichnis aber nicht entnehmen. Im Gegenteil

scheint Abrahams Begründung solchen Versuchen

gerade den Boden zu entziehen: »Gedenke, Sohn,

dass du dein Gutes empfangen hast in deinem

Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun

wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt« (Vers

25). Da ein solcher Automatismus der biblischen

Lehre aber sonst völlig fremd ist, muss diese Aussage

wohl eher als Provokation gedeutet werden, die vor

allem jene zum Nachdenken anregen soll, die sich

aufgrund ihrer aktuell erfreulichen Lebensumstände

überhaupt nicht mit der Frage nach der Zukunft

beschäftigen. Selbst »Kinder Abrahams« (vgl. die

Anrede in Vers 25) kann es treffen!

Wen aber trifft es tatsächlich? Die Bibel macht

an anderer Stelle sehr deutlich, dass Grundlage des

Gerichts das Handeln der Betroffenen ist. »Und sie

wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken«,

vermerkt die Offenbarung (20,13) knapp. Auch Jesus

entwirft in seiner Endzeitrede (Matthäus 25,31ff.) ein

Szenario, in dem die Völker nach ihren Taten gerichtet

werden. Und Paulus schreibt über den Maßstab

des göttlichen Gerichts, dass Gott »einem jeden

geben wird nach seinen Werken« (Römer 2,6). In der

Tat finden sich auch in unserem Gleichnis Anhaltspunkte

für diesen Sachverhalt. Als der Reiche

Abraham bittet, Lazarus zu seinen noch lebenden

Brüdern zu schicken, gibt der Erzvater eine vielsagende

Antwort: »Sie haben Mose und die Propheten;

die sollen sie hören« (Vers 29). Damit verweist er auf

das Gesetz des Mose, den dort mit Gott geschlossenen

Bund und auf die Propheten, die das Volk zur

Umkehr riefen. Das versteht auch der Reiche, der

sofort erkennt, was denn gefragt ist, um sein eigenes

Schicksal zu vermeiden: »Wenn einer von den Toten

8


zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun« (Vers 30).

Buße und Umkehr heißt das Rezept, dass die Bibel

gegen Höllenqualen empfiehlt.

»Es ist dir gesagt Mensch,

was gut ist…«

Der letzte Satz des Gleichnisses gibt auch gleich die

Hauptaussage vor: »Hören sie Mose und die Propheten

nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen

lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde«

(Vers 31). Jesus sagt mit diesem Gleichnis: Die

Schriften, die euch vorliegen und bekannt sind, sind

völlig ausreichend, um euch deutlich zu machen,

was Gott will. Er lässt Euch nicht im Unklaren

darüber, was er erwartet. Ihr habt alle notwendigen

Informationen. »Es ist dir gesagt Mensch, was gut

ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes

Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor

deinem Gott« (Micha 6,8). Wer darauf nicht reagiert,

dem helfen auch spektakuläre Wunder nicht weiter.

Das Verlangen nach Zeichen dient dann lediglich

dazu, den eigenen Unglauben und Ungehorsam zu

verschleiern. Auch diese Wahrheit ist in die heutige

Zeit gesprochen. Wer meint, er müsse von Gott mehr

fordern als sein Wort in der Heiligen Schrift, ist auf

dem Holzweg.

Dieser Christus ist es auch, der dem Gebot,

Gottes Werke zu tun, eine neue Richtung gibt. Auf

die Frage des Volkes, was man denn tun solle, damit

man diese Werke wirken könne, antwortet Jesus (Johannes

6,28): »Das ist Gottes Werk, dass ihr an den

glaubt, den er gesandt hat.« Nicht mehr die guten

Werke der Menschen stehen jetzt im Vordergrund,

sondern das gute Werk Gottes, das er in Jesus vollbringt.

Und obwohl man jetzt allein aus Gnade in Abrahams

Schoß getragen wird, so dass niemand sich

diesen Ehrenplatz als eigenes Verdienst anrechnen

kann (genauswenig übrigens wie Lazarus in unserem

Gleichnis), werden die guten Werke keineswegs

überflüssig, sondern von Gott gleich mitgeliefert:

»Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus

Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat,

dass wir darin wandeln sollen« (Epheser 2,10).

»Ihr werdet am Ende doch sehen…«

Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus

ist nicht besonders gut geeignet, um uns Detailwissen

über das Jenseits zu vermitteln. Es illustriert

aber in ernüchternder Ernsthaftigkeit, was Gott

schon Maleachi (3,18) sagte: »Ihr werdet am Ende

doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen

dem Gerechten und Gottlosen, zwischen dem, der

Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.« Es ist der

Unterschied zwischen Qual und Festmahl, getrennt

durch eine große Kluft. So warnt das Gleichnis vor

falscher Sicherheit, ruft zur Umkehr, zum Gehorsam

gegenüber der Schrift und zum Glauben an den

Christus, von dem die Schrift handelt. Denn während

der reiche Mann »nur« Mose und die Propheten

hatte, haben wir, was er sich wünschte: den von

den Toten auferstandenen Jesus. Dieses letzte Wort

Gottes sollte dringlichst gehört werden.

Daniel Facius (*1982) ist Theologe und setzt sich im ständigen

Ausschuss des Bibelbundes für die Vertrauenswürdigkeit der

Heiligen Schrift ein. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

9


Den Himmel

fest im Blick

Text von Matthias Lohmann

Wer den Himmel auf Erden sucht, wird scheitern. Denn der

Himmel ist im Himmel. Im 3. Kapitel des Philipperbriefs erklärt

der Apostel Paulus, wie er dazu kam, das allein lohnenswerte

Ziel seines Lebens zu erkennen und was ihn dazu befähigt, dieses

Ziel zu erreichen. Gottes Wort ruft jeden Christen dazu auf, von

Paulus zu lernen und seinem Beispiel zu folgen.


Vor einigen Tagen las ich ein kleines Heft

mit dem Titel »Wer ist Jesus?«, herausgegeben

von einer großen Freikirche. Ich

war reichlich geschockt, dass in diesem

Heft kein Wort darüber zu lesen war, dass Jesus

durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria

empfangen wurde, dass er der ewige Sohn Gottes ist,

dass er stellvertretend für Sünder zur Sühnung ihrer

Schuld gestorben ist, und dass er eines Tages wiederkommen

wird, um zu richten, die Lebenden und die

Toten. Stattdessen las ich unter der Abschnittsüberschrift

»Seine Botschaft« folgende Aussage: »Jesus

verkündigt, dass das Reich Gottes schon angefangen

hat – in ihm selbst ist es bereits da. Und zugleich ist es

noch nicht vollendet, sondern wächst unaufhaltsam,

bis es sogar gesellschaftliche Strukturen in Frage stellt

und segensreich verändert.«

Die Hoffnung, die uns hier vermittelt wird,

beruht also auf Gesellschafts-transformation bis wir

eines Tages den »Himmel auf Erden« haben. Doch –

Gott sei Dank! – ist das nicht die biblische Botschaft.

Im Philipperbrief, in Kapitel 3, 12-21. beschreibt

der Apostel Paulus seine Hoffnung und das Ziel all

seines Strebens. Und er ruft alle Christen dazu auf,

seinem Beispiel zu folgen. Als strenger Pharisäer

hatte Paulus versucht, durch das Halten der Gebote

sich selbst den Himmel zu verdienen. Doch dann

hatte sich ihm Jesus offenbarte und er hatte erkannt,

dass alle seine Bemühungen wertlos waren. Durch

eigene Anstrengungen werden Menschen nie die

Gerechtigkeit erlangen, die notwendig ist, um vor

Gott bestehen zu können. Dazu brauchen wir die

perfekte Gerechtigkeit des Herrn Jesus Christus, die

wir allein aus Gnade durch den Glauben bekommen.

In den Versen 8-9 von Kapitel 3 fasst Paulus diese

für ihn neue und befreiende Erkenntnis wie folgt

zusammen: »Ich erachte es noch alles für Schaden

gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi

Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles

ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck,

damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden

werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit,

die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den

Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit,

die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.«

Die überschwängliche Erkenntnis Christi Jesu,

der Glaube an ihn, ist das Einzige, was wirklich zählt.

Durch den Glauben an den stellvertretend für die

Schuld von Sündern gestorbenen und am dritten

Tage siegreich über Tod und Sünde auferstandenen

Herrn Jesus Christus sind die Gläubigen »in Christus«

und so wird ihnen dann auch die Gerechtigkeit

des Herrn Jesus Christus zugerechnet. Christen

müssen also nicht mehr dafür arbeiten, um vor Gott

gerecht zu sein, sie sind es schon.

In den Versen 10 und 11 erklärt Paulus dann die

Konsequenz davon, dass er Jesus Christus erkennen

durfte – er schreibt: »Ihn möchte ich erkennen und

die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft

seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet

werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den

Toten.« Gerade weil Paulus erkannt hat, wie großartig

Jesus Christus ist, will er ihn immer besser kennen

lernen und IHM immer ähnlicher werden, bis er

dann durch Tod und Auferstehung genauso sündenfrei

und heilig sein wird wie sein geliebter Herr.

Ab Vers 12 schreibt Paulus über dieses Streben

danach, den Herrn vollkommen zu erkennen und

ihm gleichgestaltet zu werden und er ruft alle Christen

dazu auf, ihm darin zu folgen. Paulus betont

dabei vier wichtige Wahrheiten: 1. Er hat das Ziel

noch nicht erreicht. 2. Er strebt dem Himmel entgegen.

3. Sein Streben basiert auf dem, was Christus für ihn

getan hat. 4. Unser Streben sollte auf dem basieren,

was wir bereits erkannt haben.

1. Er hat das Ziel noch nicht erreicht

Zu Beginn von Vers 12 und dann nochmal am

Anfang von Vers 13 betont Paulus, dass er das Ziel

– nämlich Christus vollkommen zu erkennen und

ihm gleichgestaltet zu werden - noch nicht erreicht

hat. So schreibt er in Vers 12: »Nicht, dass ich's schon

ergriffen habe oder schon vollkommen sei« und

dann in Vers 13: »Meine Brüder, ich schätze mich

selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe.«

Paulus wiederholt sich hier, weil er etwas Wichtiges

zu sagen hat und sicherstellen will, dass die Philipper

diesen Punkt nicht übersehen!

Die falschen Lehrer, die Paulus zu Beginn dieses

Kapitels anklagte, hatten wahrscheinlich gelehrt,

dass man sich zum einen die Annahme bei Gott

durch Taten verdienen müsse, und zum anderen,

dass man hier auf Erden wirklich schon vollkommen

werden könne. Doch Paulus hatte erkannt, dass

dies unmöglich ist. Deswegen war er so froh über

die Erkenntnis, dass ihm durch seinen Glauben an

Christus dessen Gerechtigkeit zugerechnet wurde!

Und so betont Paulus: »Ich bin noch nicht perfekt,

ich bin nicht vollkommen – ich habe das noch nicht

vollständig ergriffen!«

Könnten dies auch Deine Worte sein?

Viele Christen leiden sehr unter ihrer Unvollkommenheit.

Deshalb ist die These vom Himmel auf Erden

letztendlich eine nicht wirklich frohe Botschaft.

Was nützt es uns, wenn die »gesellschaftlichen

Strukturen« dieser Welt segensreich verändert werden?

Wenn wir Christus in seiner ganzen Herrlichkeit

erkannt haben und ihn lieben, dann werden wir

immer klarer erkennen, wie anders wir noch sind.

Der Spiegel »Christus« lässt uns unsere Sünden sehr

© Foto: Dominik Schröder — unsplash.com/wirhabenzeit

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klar erkennen. Das wird in uns ein heiliges Verlangen

nach Veränderung wecken. Christen sehnen sich

nach einer Veränderung ihrer Herzen und nach einer

Befreiung aus allem – oftmals selbst verursachten –

Leid der Welt. Eine bloße Veränderung der Gesellschaft

kann nicht die Antwort auf dieses Verlangen

liefern.

Mit wachsender Erkenntnis des Herrn Jesus

Christus werden Christen sich danach sehnen,

sowohl diesen von der Sünde durchsetzten Leib als

auch die durch die Sünde geprägte Welt zu verlassen

und in die herrliche Gegenwart Jesu Christi im

Himmel einzuziehen. Der Apostel Paulus beschreibt

dieses Verlangen in Kapitel 1 mit den bekannten

Worten »Denn Christus ist mein Leben, und Sterben

ist mein Gewinn.« (Philipper 1,21) und »ich habe Lust,

aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was

auch viel besser wäre« (Philipper 1,23).

2. Er strebt dem Himmel entgegen.

In Kapitel 3, in den Versen 12-14, beschreibt Paulus

dieses Streben wies folgt: »Nicht, dass ich's schon

ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage

ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil

ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder,

ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's

ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was

dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was

da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel,

dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in

Christus Jesus.«

Weil Paulus Christus in seiner Herrlichkeit

erkannt hatte, hat sein Leben ein Ziel. Er will ihn

immer mehr erkennen und ihm immer ähnlicher

werden. Paulus vergisst, was hinter ihm liegt und

streckt sich aus nach der Vollkommenheit Jesu. Das

ist sein großes Ziel und deswegen lehnt er sich nicht

einfach zufrieden zurück. Die Berufung der Christen

ist nicht die, sich hier auf Erden mit seinen Sünden

zu arrangieren, sondern dem Himmel entgegen zu

streben. In Vers 17 erklärt der Apostel dabei, dass das,

was er über sich selbst schreibt, letztendlich für alle

Christen gelten sollte: „Folgt mir, liebe Brüder, und

seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild

habt.“ Deshalb tun wir gut daran uns zu fragen, ob

das Verlangen des Apostels auch unser Verlangen

ist. Bist Du zufrieden mit Deiner geistlichen Reife?

Genügt Dir die Erkenntnis von Jesus, die Du bereits

hast oder strebst Du nach mehr? Hast Du noch Ambitionen,

in der Heiligung zu wachsen?

Paulus hat eine wahrhaft gute Nachricht für uns!

Wir müssen uns nicht mit dem zufriedengeben, was

wir bisher erreicht haben. Im christlichen Glauben

geht es nie darum, einfach stehenzubleiben. Im

christlichen Glauben gibt es keinen Stillstand – entweder

es geht voran oder wir gleiten zurück, wie an

einem rutschigen Abhang. Genau diese Alternativen

zeigt uns Paulus dann im Fortgang in den Versen

18-21 auf: »Denn viele leben so, dass ich euch oft von

ihnen gesagt habe, nun aber sage ich's auch unter

Tränen: sie sind die Feinde des Kreuzes Christi. Ihr

Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch,

und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch

gesinnt. Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher

wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus

Christus, der unsern nichtigen Leib verwandeln

wird, daß er gleich werde seinem verherrlichten Leibe

nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan

machen kann.«

Hat Dein Leben ein Ziel, auf das Du bewusst

zulebst?

Eines Tages werden wir alle an einem Ziel

ankommen. Die Frage ist dabei schlichtweg die, ob

wir dieses Ziel bewusst ansteuern oder uns treiben

lassen. Ohne Kurskorrektur werden wir alle in der

Verdammnis landen. Denn das ist es, was wir Menschen

seit dem Sündenfall verdient haben. Niemand

ist gut genug, um einfach so Zugang zum Himmel

zu bekommen. Der »Siegespreis der himmlischen

Berufung« ist nur für die, die sich bewusst auf den

Himmel hin ausrichten und diesem Ziel entgegenjagen.

Paulus beschreibt sich selbst und alle, die ihm

folgen, als Himmelsbürger: »Unser Bürgerrecht aber

ist im Himmel.« Wohin Du wahrhaft gehörst, zeigt

sich daran, wonach Du Dich ausrichtest.

Ich befürchte, dass in unseren Gemeinden zu viele

Menschen sind, die ihr Ziel aus dem Blick verloren

haben. Sie haben sich mit ihren Sünden arrangiert

und sich in dieser Welt bequem eingerichtet. Doch

das wirft die Frage auf, wo solche Menschen zuhause

sind und wo sie ihr Bürgerrecht haben. Christen

haben ihr Bürgerrecht im Himmel. Sie jagen ihrem

Herrn nach, um den Siegespreis der himmlischen

Berufung zu empfangen. Sie erstreben das Kommen

des Heilands Jesus Christus.

Lieber Christ: Strebe dem Himmel entgegen –

alles andere führt ins Verderben.

3. Sein Streben basiert auf dem,

was Christus für ihn getan hat.

Paulus war einst auf dem Weg in Richtung ewiger

Verdammnis. Er war getrieben vom Hass gegen die

Christen. Er meinte, Gott zu dienen. Doch er war

ein Feind des Evangeliums und – ohne es zu ahnen

– auf dem Weg in Richtung Hölle. Aber dann war

etwas geschehen. Jesus Christus war ihm begegnet

und hatte seinem Leben eine radikale Wende gegeben.

Genau das beschreibt er als die grundlegende

Ursache für all sein Streben: »ich jage ihm aber nach,

ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus

Jesus ergriffen bin.« (Philipper 3,12). Jesus Christus

hatte ihm seine himmlische Berufung gegeben.

Christus hatte ihm aufgrund seiner freien Gnade

das Bürgerrecht im Himmel verliehen. Und wer das

wahrhaft erlebt hat, der hat dann ein Ziel vor Augen,

dem er entgegen jagt.

Lieber Leser, nimm dieses Ziel in den Blick und

folge dem Apostel Paulus. Jage auf das Ziel zu, bis Du

es eines Tages ergreifen wirst.

Dabei sollten wir nie vergessen, dass wir dieses

Rennen nicht allein aus unserer Kraft bestreiten

müssen. Die Kraft Gottes steht am Anfang des

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Rennens, sie begleitet uns durch das Rennen und

sie bringt uns ans Ziel. Das ist es, was Paulus immer

wieder – sowohl im Hinblick auf sich selbst als auch

auf die Philipper - betont! Gleich zu Beginn des

Briefes in Kapitel 1, Vers 6 betont er, dass er »darin

guter Zuversicht [ist], dass der in [den Philippern]

angefangen hat das gute Werk, der wird's auch

vollenden bis an den Tag Christi Jesu.« Später sagt

er ihnen: »schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht

und Zittern« und ergänzt dann sofort: »Denn Gott

ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das

Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.« (Philipper

2,12c-13).

Paulus ist von Christus ergriffen und deswegen

strebt er ihm entgegen. Sein Bürgerrecht ist im Himmel,

wie er es in Kapitel 3, Vers 20 formuliert und

von dort wird eines Tages der Herr Jesus Christus

wiederkommen, »der unsern nichtigen Leib verwandeln

wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten

Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge

untertan machen kann.« (Philipper 3,21)

Wenn Jesus aus dem Himmel zurück auf die Erde

kommt, wird er diese Welt richten. Dann werden

nicht »gesellschaftliche Strukturen in Frage gestellt

und segensreich verändert«, wie es in der eingangs

zitierten Broschüre heißt – dann werden diese Welt

und ihre Strukturen vernichtet werden. Der Herr

wird alles umgestalten und eine neue Welt und einen

neuen Himmel schaffen (siehe 2. Petrus 3,13). Wer

das erkennen durfte, wird sich in dieser Welt nicht

mehr bequem einrichten. Wer das erkennen durfte,

wird nicht mehr primär darauf bedacht sein, vor anderen

Menschen gut dazustehen. Die Erkenntnis des

lebendigen Herrn Jesus Christus gibt unserem Leben

einen Fokus, denn wer ihn erkannt hat, lebt für ihn

und auf ihn zu.

Und doch verlieren wir immer wieder das Ziel

aus dem Blick. Deswegen ist es gut und wichtig, dass

wir uns immer wieder gegenseitig daran erinnern,

für wen und auf was wir zuleben. Dazu brauchen

wir die Gemeinschaft mit anderen Christen, die mit

uns auf dem Weg sind und das gleiche Ziel haben.

So können wir einander anspornen auf dem Weg

zum Himmel. Unser guter Herr gebraucht seine

Gemeinde und sein Wort als Mittel, um uns ans Ziel

zu bringen. Deswegen gehören wir Christen in eine

Gemeinde, in der wir Vorbilder und Weggenossen

finden können. Und wir brauchen Gottes Wort, denn

allein Gottes Wort ist der perfekte Wegweiser. In

Gottes Wort finden wir Vorbilder wie den Apostel

Paulus. Und vor allem finden wir in Gottes Wort

Jesus Christus. Ihn gilt es immer wieder und immer

mehr zu erkennen, so dass wir immer mehr von ihm

ergriffen sind.

4. Unser Streben sollte auf dem

basieren, was wir bereits erkannt

haben.

Paulus weiß, dass viele Christen noch nicht die

Erkenntnis und die Reife haben, die er erlangt hat.

Aber das sollte uns nicht entmutigen. Jeder ist dazu

aufgerufen, dem Herrn basierend auf der Erkenntnis,

die er hat, nachzufolgen. So lesen wir in Philipper 3,

ab Vers 15: »Wie viele nun von uns vollkommen sind,

die lasst uns so gesinnt sein. Und solltet ihr in einem

Stück anders denken, so wird euch Gott auch das

offenbaren. Nur, was wir schon erreicht haben, darin

lasst uns auch leben.«

Was Paulus hier schreibt, klingt verwirrend.

In Vers 11 hatte er ja sein Verlangen ausgedrückt,

Christus immer mehr erkennen zu wollen und in

Vers 12 hatte er betont, dass er noch nicht vollkommen

ist. Wenn er hier nun von »Vollkommenheit«

spricht, meint er damit, die Reife anzuerkennen,

dass wir hier auf Erden noch nicht perfekt sind.

Diese Erkenntnis ist die Grundlage für das Streben

des Apostels und diese Erkenntnis sollte auch uns

dazu veranlassen, nicht selbstzufrieden stehen zu

bleiben, sondern dem Ziel immer weiter entgegen zu

gehen. Wenn Du Christ bist und damit zumindest

eine grundsätzliche Erkenntnis des Evangeliums

hast, dann bist Du dazu aufgerufen, entsprechend

dieser Erkenntnis zu leben und gleichzeitig danach

zu streben, immer mehr von Gottes Offenbarung zu

ergreifen. Passivität ist niemals richtig! Was zählt ist,

auf dem Weg zu sein und sich dabei auf das Ziel hin

zu bewegen.

Der Apostel Paulus hatte erkennen dürfen, dass

er auf falschen Wegen war. Und genau deshalb war

er umgekehrt. Ergriffen von Christus konnt er sagen:

»Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus

nach dem, was da vorne ist« (Philipper 3,13). Diesem

Vorbild gilt es zu folgen. Als Christen tun wir gut

daran, uns zu fragen, ob es Dinge gibt, die wir hinter

uns lassen sollten? Gibt es Dinge, die Dich daran

hindern, dem Ziel entgegenzujagen? Dann sieh auf

Christus, auf dass Du ihn immer mehr erkennst und

immer mehr von ihm ergriffen wirst. Löse Dich von

jedem und allem, was Dich daran hindert, konsequent

dem Ziel entgegen zu jagen. Folge stattdessen

denen, die dir auf dem Weg vorangehen. Dabei ist

es nicht entscheidend, ob Du ihr Tempo mitgehen

kannst. Wichtig ist, dass Du weiterläufst und das Ziel

im Blick behältst. Und dann vertrau darauf, dass Du

den Weg nicht alleine gehen musst. Der Herr geht

mit. In seiner Gnade hilft er uns auf, wenn wir mal

fallen. Er stärkt uns, wenn wir müde werden und

er weist uns den Weg. Und so laufen wir – als von

Christus Ergriffene – dem Himmel entgegen.

Matthias Lohmann (*1971) ist Pastor der FEG München-

Mitte. Vorher studierte er am Reformed Theological Seminary. Er

ist Mitgründer des reformatorischen Netzwerks Evangelium21.

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Der

Himmel

Text von Hanniel Strebel

Ich ahnte es schon vor dem

Lesen des Buches »Der

Himmel« 1 von Randy Alcorn:

Unsere Vorstellungen vom

Himmel sind arg vergeistigt.

Etwa so: »Ich stellte mir den

Himmel als ein Ort vor, an

dem ständig Sonntag ist,

mit unaufhörlichen Gottesdiensten,

aus denen es kein

Entrinnen gibt.«

1 »Der Himmel« von Randy Alcorn. Erschienen im SCM Hänssler

Verlag (8. Auflage, August 2013).

Alcorn (*1954) verfasste wichtige Bücher

zum Thema Geld, Glück und Lebensrecht

ungeborener Kinder. In seiner

Analyse »Himmel« gelangt er zu dem

Schluss, dass dieser kein immaterieller Bereich

körperloser Geister ist. Ein solcher Bereich wäre für

Menschen nämlich gar nicht geeignet. Menschen

sind für die Erde geschaffen. Alcorn malt dem Leser

»ein auferstandenes Leben in einem auferstandenen

Körper mit dem auferstandenen Christus auf einer

auferstandenen Erde« vor Augen. In seiner Analyse

tritt der Autor energisch aufgrund der Bibel für

dieses Bild ein. Er ist davon überzeugt, dass Satan

uns dazu bringen will, den Himmel für einen langweiligen,

raum- und zeitlosen Ort zu halten. Nach

dem Studium von 150 Büchern zum Thema stellt der

Autor zudem fest: »Viele Bücher über den Himmel

machen keine Aussagen über die neue Erde.«

Ich stelle zuerst fünf Argumente vor, die der

Autor vom Leben auf der neuen Erde ableitet.

Danach nehme ich zehn tragende Bibelstellen in

Augenschein. Alcorn ist widersprochen worden.

Dabei führe ich drei Argumente an und schließe mit

drei Überlegungen dazu, welche Auswirkung die

Beschäftigung mit dem Himmel für unseren Alltag

haben kann.

Fünf Schlüsselargumente für

das Leben auf der neuen Erde

Wo wird sich ein entschlafener Christ vor der Auferstehung

aufhalten? Alcorn geht davon aus, dass wir

nach unserem Tod zuerst in einen Zwischenhimmel

kommen. Diesen müssten wir uns als »Zwischenstopp

zu unserem endgültigen Zielort« vorstellen.

»Im Zwischenhimmel werden wir in der Gegenwart

von Christus leben und immer fröhlich sein, doch

wir werden uns auf die Auferstehung unseres Körpers

und den endgültigen Umzug auf die neue Erde

freuen.«

Die Auferstehung zum Leben auf der neuen Erde

gleiche einer Geburt. »Während der Geburt erleiden

Mutter und Kind Schmerzen, doch das Ergebnis

ist eine Fortsetzung, die Erfüllung eines Prozesses,

der schon lange vorher begonnen hat.« Wir werden

unsere Identität behalten. »Wir werden keine anderen

Menschen sein, sondern dieselben Menschen,

die auf wunderbare Weise an einen anderen Ort

gebracht und verwandelt wurden.« Wie aber müssen

wir uns den endgültigem Himmel, unser ewiges

Zuhause, vorstellen? Am besten betrachten wir dafür

unsere Umgebung. »Gottes Kinder freuen sich nicht

auf die Erlösung von der Erde, sondern auf die Erlösung

auf der Erde. Und genau die werden wir nach

unserer leiblichen Auferstehung erleben.« Alcorn

rechnet fest mit dem Fortbestand dessen, was Gott

bereits in dieser Schöpfung angelegt hat. »Ein neuer

Körper ist in erster Linie ein Körper. Eine neue Erde

ist in erster Linie eine Erde.« Gottes Gesamtplan

beinhaltet die Wiederherstellung und Weiterführung

seines Planes, nicht die Vernichtung einer ersten

gescheiterten Mission. »Die Erlösung ist der ›Rück-


kauf‹ von Gottes ursprünglichem Plan.«

Das Streben unseres jetzigen und zukünftigen Lebens

ist Gott selbst. »Unsere Sehnsucht nach dem

Himmel ist eine Sehnsucht nach Gott.« Das heißt

jedoch nicht, dass wir deswegen alles Geschaffene

verachten. Wir freuen uns vielmehr an dem, was

er uns zugedacht hat, weil es auf ihn hinweist. In

der Ausmalung der Details folgt Alcorn fröhlich der

Grundannahme, dass Gott Erfinder von Fantasie

und Vorstellungskraft sei. »Meiner Meinung nach

sollten wir unsere Fantasie nicht verachten, sondern

sie von der Bibel anregen lassen.« Dies stehe dem

Ansinnen, nur einige pauschale, vage Aussagen über

unsere Zukunft machen zu können, entgegen.

Zehn biblische Schlüsselstellen

Alcorns Buch wimmelt von Bibelstellen und der

Auslegung einzelner Abschnitte. Dies geschieht natürlich

im Rahmen der gesamten biblischen Heilsgeschichte,

wobei der Autor nicht auf die Frage eines

1000-jährigen Friedensreiches eingeht. Ich nehme

einige tragende Stellen der Gesamtargumentation in

Augenschein. Aus Offenbarung 6,9-11 leitet Alcorn

zahlreiche Hinweise für den Zwischenhimmel ab.

Menschen, die über das Weltgeschehen informiert

sind, treten bei Gott für ihre auf der Erde lebenden

Geschwister ein. Sie tragen Kleider und werden

auf die bevorstehende Auferstehung hingewiesen.

Offenbarung 21 nimmt eine zentrale Stelle in der

Argumentation ein. »Das ›neue Jerusalem‹ (…) bleibt

nicht in einem ›Himmel‹, der weit weg im Raum ist,

sondern kommt auf die erneuerte Erde herab; dort

werden die Erlösten die Ewigkeit in einem Auferstehungskörper

verbringen. So werden Himmel und

Erde, die jetzt getrennt sind, wieder vereint.« Die

Beschreibung des auferstandenen Jesus dient als

Vorgeschmack. Die Jünger »sahen den auferstandenen

Jesus als normalen, gewöhnlichen Menschen.«

Jesaja 60 dient als Kommentar zu Offenbarung 21-22.

»Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass die

Beschreibungen der neuen Erde in Jesaja 60 weniger

wörtlich erfüllt werden als die Schilderungen in Jesaja

52-53.« In diese Beschreibung eingeschlossen sind

Städte und die Weiterentwicklung bereits existierender

Kulturgüter. Petrus sagt in einer seiner Predigten:

»Doch bis Gott alles erneuert, wird Jesus im Himmel

bleiben, wie Gott es vor langer Zeit durch seine

Propheten angekündigt hat« (Apostelgeschichte

3,21). »Wenn Jesus wiederkommt, ist es nicht Gottes

Plan, alles zu zerstören und von vorn zu beginnen,

sondern ›alles‹ zu erneuern und wiederherzustellen.«

Die Begriffe versöhnen, erlösen, wiederherstellen,

heilen, zurückkehren, erneuern, umgestalten

und auferstehen beginnen im Griechischen »mit der

Vorsilbe ›ana‹, was ›zurück‹ bedeutet.« In 2. Petrus 3

erscheint das griechische Wort ›kainos‹ als Adjektiv

für Himmel und Erde. Dass dies mit »neu« übersetzt

wird, »bedeutet, dass die Erde, die Gott schafft, nicht

einfach neu im Gegensatz zu alt sein wird, sondern

neu in Bezug auf Qualität und bessere Beschaffenheit.«

Wir werden »Gott in einem auferstandenen

Körper von Angesicht zu Angesicht zu sehen«, so

wie es schon Hiob erwartete (Hiob 19,25-27). Aus

Johannes 17,3 wird deutlich, dass es »unsere höchste

Freude im Himmel wird sein, Gott zu kennen und zu

sehen. Jede andere Freude leitet sich davon ab, fließt

aus dem Brunnen unserer Beziehung zu Gott.«

Auf diesem Hintergrund wird die Anbetung in einem

anderen Licht gesehen. »Die meisten Menschen

wissen, dass wir im Himmel Gott anbeten werden.

Doch es ist ihnen nicht klar, wie faszinierend das

sein wird. Eine unüberschaubare Menge von Gläubigen

aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und

Sprachen versammelt sich, um Gott Lob zu singen

für seine Größe, Weisheit, Stärke, Gnade und sein

mächtiges Erlösungswerk (Offenbarung 5,13-14). Von

seiner Herrlichkeit überwältigt werden wir in uneingeschränkter

Freude niederfallen und rufen: ›Lob

und Herrlichkeit und Weisheit und Dank und Ehre

und Macht und Stärke gehören unserem Gott für

immer und ewig. Amen!‹ (Offenbarung 7,9-12).«

Einwände und die

Hauptwirkung: (Vor-)Freude

Alcorn ist verschiedentlich widersprochen worden.

Es gibt drei Haupteinwände im Bezug auf das Buch:

1. Inwieweit basieren die Vorstellungen auf zuverlässigen

biblischen Informationen? Sind es nicht

Spekulationen? 2. Müssen wir nicht viele Stellen,

insbesondere bei Daniel und in der Offenbarung,

symbolisch verstehen? Nimmt Alcorn diese Beschreibungen

nicht zu wörtlich? 3. Betont der Autor

nicht zu sehr den Fortbestand der bestehenden

Ordnung und unterschätzt die Änderungen, die noch

bevorstehen? Ich kann hier auf diese Einwände nicht

näher eingehen.

Tatsächlich glaube ich, dass die in uns wohnende

Sünde unsere Vorstellungen vom Himmel noch

trübt. Beim Ausmalen einzelner Details sind bei mir

Fragezeichen aufgekommen, etwa bei der Vorstellung,

dass Tiere auferstehen könnten. Zudem frage

ich mich, ob einzelne Aspekte unseres Menschseins

wie die Sexualität in der Ewigkeit ihre Funktion

erfüllt haben und darum überflüssig geworden sind.

Viel bedeutsamer als diese Gedanken ist jedoch die

anhaltende Hauptwirkung des Buches: Ich freue

mich auf den Himmel. Ich warte darauf, dort verstorbene

Heilige und lieb gewonnene Menschen, die ich

hier kannte, wieder zu sehen. Wie Jonathan Edwards

strebe ich danach, »fest entschlossen, alles zu tun,

um in der anderen Welt für mich so viel Glück wie

möglich zu erlangen.« Es vergeht tatsächlich kaum

ein Tag, an dem ich nicht an den Himmel denke.

»Wie eine Braut jeden Tag in der Vorfreude auf die

Ankunft des Bräutigams lebt, der sie in das Haus

holt, das er für sie gebaut hat, sollten wir täglich an

Jesus und den Himmel denken.«

Vergessen wir vor allem den Hinweis des Autors

am Anfang des Buches nicht: »Prüfen Sie dieses

Buch anhand der Bibel.« Wie wäre es, die ganze

Bibel einmal mit der Perspektive des neuen Himmels

und der neuen Erde durchzulesen? (HS)

© Foto: www.epm.org

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NACH CHRISTUS

Rubrik für Biographien

& Kirchengeschichte


William Cowper

Text von Larry Norman

»Nach meiner Bekehrung wurde alles besser.« Wenn du mit

dieser Feststellung nichts anfangen kannst, ist William Cowper

wahrscheinlich ein Bruder nach deinem Herzen. Auch wenn du

Menschen besser lieben möchtest, hat Cowper dir etwas zu sagen.

Cowpers Geschichte besteht aus Tränen, Gnade, Glaube und Blut.

Was sie so nützlich für uns macht, ist keine lange Liste von Erfolgstaten,

sondern eine lange Liste seiner Leiden. Cowper war ein

furchtsamer Heiliger.

William wurde 1731 in der Nähe von

London geboren. Sein Vater war

Pastor, jedoch nicht besonders

fromm; – er übte keine spürbare

Wirkung auf William aus. Das Leid dafür schon. Als

er nur sechs Jahre alt war, verstarb seine Mutter.

Kurz darauf wurde er auf ein Internat geschickt. Es

war kein schöner Ort für William, da er dort eine Zeit

lang von einem älteren Schüler verprügelt wurde. Als

er die Schule endlich wechselte, ging es ihm merklich

besser. Er hatte einige Verwandte in der Juristerei,

und so schlug auch der junge William diesen

Berufsweg ein.

Allerdings war dieser Abschnitt für Cowper mit

schmerzlichen Erfahrungen verbunden. Er verliebte

sich in seine Cousine Theodora. Einer Heirat hätte

wohl nichts im Wege gestanden, wäre Theodoras

Vater nicht dagegen gewesen. Obwohl diese Liebe

somit keine Erfüllung fand, blieben Theodora und

William in Kontakt. Später unterstützte sie William

in finanziellen Engpässen anonym.

Im Alter von 21 Jahren überkam William die erste

Welle einer schweren Depression. Über diese Zeit berichtete

er später: »Ich bin entsetzt und erschrocken

ins Bett gegangen und bin verzweifelt aufgewacht.« 1

Die Depression verschwand schließlich nach einigen

Monaten Erholung.

1759 – also sieben Jahre später – trat William einen

neuen Job in London an. Hier schien er endlich

Frieden gefunden zu haben, aber es sollte nicht so

bleiben. 1763 wurde William zum Protokollant des

englischen Parlaments befördert. Er musste dafür

schließlich einen Treueid schwören. Mit dem Druck

kam William jedoch nicht klar. Die zweite Welle der

Depression ergoss sich über ihn noch gnadenloser als

zuvor. Mehrere Male versuchte er in dieser Zeit, sich

das Leben zu nehmen. Durch Gottes Vorsehung ist

es ihm jedoch nicht gelungen. Als er sich ertränken

1 Sämtliche Zitate & Quellen aus diesem Artikel sind den Werken

»Standhaft im Leiden« von John Piper (CLV, 2006) & »The

Poetical Works of William Cowper« (1880 erstmalig publiziert)

entnommen.

© Illustration: Samuel Parkison

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»Gott lässt oftmals geheimnisvoll

Sein Wunderwerk geschehn.

Sein Weg durch tiefe Wasser geht

Und auf des Sturmwinds Weh’n.

Verzagte Heilige, nur Mut!

Die Wolke, die euch droht,

Ergießt bald Segen, euch zugut,

Und Trost herab von Gott.

Trau Gottes Gnad’!

Dein schwaches Herz

Mach doch zum Richter nicht!

Sieh hinter düsterem Gewölk

Sein freundlich Angesicht!

Was Er will, das geschieht gewiss,

Du wirst es bald schon sehn.

Die Knospe mag wohl bitter sein,

Die Frucht ist süß und schön.«

William Cowper

»God Moves in a Mysterious Way«

wollte, wartete jemand neben ihm am Fluss. Als er

sich vergiften wollte, gelang es ihm nicht, die Flasche

zu öffnen. Als er sich erhängen wollte, rissen seine

Strümpfe und er viel ohnmächtig zu Boden.

Die Bekehrung

William wurde in eine Nervenheilanstalt geschickt,

um zu genesen. Eines Tages fand er dort eine Bibel

auf einer Gartenbank. Obwohl er kein Christ war,

nahm er die Bibel in die Hand und fing an im

Johannes-Evangelium zu lesen. Er blätterte weiter

und kam schließlich auf Römer 3,23-25. Was dabei

geschah, beschrieb William so: »Sofort bekam ich

die Kraft, das zu glauben und der volle Strahl der

gerechten Sonne schien auf mich. Ich erkannte,

wie sehr seine Tat der Sühnung ausreichte, meine

Vergebung war durch sein Blut und die Fülle seiner

Gerechtigkeit besiegelt«. Cowper erfuhr die Kraft des

lebendigen Wortes Gottes.

1765 verließ William die Anstalt wieder und mietete

sich ein Zimmer bei den Unwins in Huntingdon,

nördlich von London. Hier lernte er John Newton

kennen. Newton war zu der Zeit Pfarrer des Nachbarorts

Olney, wo er mit seiner Frau Mary wohnte.

Zwischen William und John entstand sehr schnell

eine enge Freundschaft. Häufig machten sie die

Hausbesuche im Gemeindebezirk gemeinsam. Bald

wurde William Laienpfarrer in der Gemeinde. 1769

kamen die beiden auf die Idee, ein Gesangsbuch für

die Gemeinde zu schreiben. Das Olney Hymnbook

wurde zehn Jahre später veröffentlicht und bestand

aus 348 Liedern, davon etwa 67 von William. Eins

davon »There is a fountain filled with blood« wurde

sogar ins Deutsche übersetzt (»Es ist ein Born«). Die

dritte Strophe ist besonders schön, »Du sterbendes

Lamm / dein köstliches Blut / verliert niemals seine

Kraft / bis die ganze erkaufte Gottesschar erlöst

ist / nimmer mehr zu sündigen.« Lieder mit einer

herrlichen Theologie sind typisch für Dichter, die das

Evangelium von ganzem Herzen lieben. William war

so ein Dichter.

Licht scheint aus der Dunkelheit

Mit besonderer Wucht brach die dritte Welle der Depression

über William zusammen. Am 1. Januar 1773

packte William die Vorahnung, dass die Depression

zurückkehren würde. Er eilte nach Hause, um sein

Glaubensbekenntnis zu schreiben: »Licht scheint aus

der Dunkelheit« – heute als die Hymne »God moves

in mysterious ways« bekannt. Er fand Inspiration in

Jesu Worten in Johannes 13,7: »Was ich jetzt mache,

wisst ihr nicht, aber ihr werdet es nachher wissen.«

Liest man das Lied, kann man fast das Kratzen der

Feder hören, mit der er zwanghaft seinen Glauben zu

Papier bringen und seine Zuversicht festhalten wollte,

bevor ihn die Depression unbarmherzig wieder

einholte. In jener Nacht träumte er einen »verhängnisvollen«

Traum, in dem Gott ihm befahl, sich sein

Leben zu nehmen. Mary Unwin – die Vermieterin

– konnte ihn gerade rechtzeitig davon abhalten. John

eilte herbei und verbrachte viel Zeit bei William. Dies

wiederholte sich immer wieder. Einen Monat später

schrieb John Newton, »Ich kann mir kaum vorstellen,

dass jemand im Stand der Gnade in größerer Not

sein könnte.« Doch die Freundschaft zwischen John

und William hielt auch dieser schweren Phase stand.

Im April 1773 zogen William Cowper und Mary Unwin

bei den Newtons ein und wohnten dort die folgenden

13 Monate. Erstaunlicherweise beschwerten

sich John und Mary in ihren Tagebüchern nicht über

ihre alles andere als einfachen Hausgäste – welche

treue und teure Freundschaft.

Im Mai 1774 zogen Mary und William schließlich

wieder in ihr altes Haus und es schien ihm endlich

besser zu gehen. Allerdings konnte er den »verhängnisvollen«

Traum nicht vergessen. Zwölf Jahre

später sagte er einmal, dass nur bei dem Gedanken

daran ihn überhaupt nichts trösten könne »und es

scheint, als ob jeder Trost für immer verschwindet«.

Er befürchtete immer noch, Gott wäre zornig auf ihn,

weil er sich nicht umgebracht hatte. Er machte keine

Gemeindearbeit mehr und ging nicht mehr in den

Gottesdienst.

1780 zogen die Newtons nach London. Trotz der

räumlichen Distanz lebte die Freundschaft durch

eine intensive Brieffreundschaft zwanzig Jahre

weiter bis zum Tod Williams. Die nächsten sechs

Jahre waren für William in kreativer Hinsicht sehr

fruchtbar. Er widmete sich ganz der Dichtkunst. Sein

Meisterwerk »The Task« (dt. Die Aufgabe) wurde

1785 veröffentlicht. Das Werk fand eine breite Leserschaft

in England. Im Jahr 1786 kam schließlich die

vierte Depressionswelle. Sie dauerte acht Monate an.

18


Danach konnte er wieder einige Gedichte schreiben

sowie einige Werke von Homer aus dem Griechischen

übersetzen. In seinen Aussagen über sich

selbst sah man nur noch selten einen Funken seiner

früheren Heilsgewissheit, sein Glaube war jedoch an

kleinen Früchten sichtbar. Die letzten Jahre seines

Lebens waren weiterhin sehr schmerzvoll. 1796

verstarb seine Vermieterin und treue Pflegerin Mary

Unwin. Danach konnte er noch etwas schreiben, aber

die Schwermut wollte ihn einfach nicht loslassen.

Im März 1780 sagte er seinem Arzt: »Ich empfinde

unsägliche Verzweiflung«. Wenige Wochen später

befreite Jesus William – den furchtsamen Heiligen –

von seiner Schwermut und holte ihn zu sich in seine

grenzenlose Freude. »Dort in edlerem süßeren Lied /

besinge ich deine Kraft zu retten / wenn diese arme,

lispelnde, holprige Zunge / still im Grab liegt.«

Was uns William lehrt

Erstens erinnert William uns daran, dass Christen

furchtbar leiden können – auch unter Depressionen.

Es ist ein derartiges Tabu, als ob Depression die

Sünde gegen den Heiligen Geist wäre. Ist sie nicht.

Wenn du an Jesus glaubst und Depressionen hast,

stehen Elia, Hiob, Spurgeon und William Cowper

gewissermaßen an deiner Seite. Du bist nicht allein,

und Gott ist nicht gegen dich. Deine Depression ist

keine Bestrafung Gottes. Es gibt keine Verdammnis

für die, die in Christus Jesus sind (Römer 8,1). Jesus

Christus verstößt niemanden, der zu ihm im Glauben

gekommen ist (Johannes 6,37). Diese Verheißungen

gelten dir. Du bist mit derselben Liebe vom Vater

geliebt wie Jesus selbst (Johannes 17,23). Du brauchst

dich nicht zu schämen. Nicht vor Jesus. Nicht vor

anderen Christen. Halte durch. Suche Hilfe. Wirf

deinen Glauben nicht weg.

Zweitens brauchen die Williams die Johns. Ohne

John hätte William noch weniger Trost bekommen

und wäre wohl viel früher gestorben. Wir brauchen

solche treue Freundschaften, die davon geprägt sind,

dass Jesus Christus seine Freunde niemals aufgibt.

Freundschaften aufzugeben, weil sie schwierig sind,

spiegelt nicht das Handeln Jesu wieder.

Drittens brauchen die Johns die Williams. Wir

sind alle dazu geneigt, das Starke zu lieben und das

Schwache zu verachten. Jesus tat das nicht. Er liebt

schwache Christen (Matthäus 11,28-30). Er stellt

schwache und starke Christen zusammen in die

Gemeinde, damit die Schwachen geliebt werden (1.

Korinther 12,12-27). Leidende Christen helfen anderen

Christen, so zu lieben wie Jesus liebt.

Noch mehr, wir brauchen die Ermutigung der

Schwachen, dass Gottes Gnade alle Tiefen erreicht.

Wir brauchen das Zeugnis der Schwachen, denn der

Tag wird kommen, wo Leid auch die Haustür der

»Starken« niedertreten wird. Die »Starken« brauchen

die Schwachen, denn sie werden versucht, auf

den eigenen Verstand zu setzen, auf Denkkraft und

Alltagsleistungen. Die Ehrlichkeit der Schwachen

über ihre Kämpfe hilft, die Identität der »Starken« in

Christus allein zu finden. Die Starken müssen lernen,

dass das normale christliche Leben nicht einem

Himmel auf Erden gleicht. Die »Starken« müssen

von der Wohlstandslüge befreit werden, dass Christen

immer glücklich sein sollen. Weder Paulus noch

Jesus waren es (Jesaja 53,3; 2. Korinther 1,9) und wir

müssen es auch nicht sein (2. Korinther 6,10).

Larry Norman (*1987) ist mit seiner besten Freundin

verheiratet und hat an der FTH Gießen studiert. Derzeit dient er

in der Leipzig English Church. Auf Twitter: @fotidzo

19


SCHRIFTGELEHRT

Rubrik zum

Alten Testament

Himmel & Hölle im

Alten Testament

Text von Andreas Münch

Kindern im antiken Israel wurde vermutlich nicht erzählt, dass

sie eines Tages »in den Himmel kommen«. Es wurde ihnen aber

auch nicht mit der Hölle gedroht. Sind Himmel und Hölle deshalb

lediglich neutestamentliche Fabeln? Keineswegs!


Die Vorstellung des Himmels im AT

Wenn das AT vom Himmel spricht,

meint es dasselbe wie wir, wenn

auch mit einem anderen Schwerpunkt.

Was meine ich damit?

Wenn du das Alte Testament liest und dort auf das

Wort „Himmel“ triffst, dann hat es zuerst einmal

dieselbe Wortbedeutung wie im Deutschen. Das

hebräische Wort für Himmel (shamain) bezeichnet

sowohl den sichtbaren Himmel, an dem z.B. Vögel

fliegen (1. Mose 1,30), als auch den Himmel als den

Wohnort Gottes (5. Mose 26,15). Um diese beiden

Bedeutungen des Wortes Himmel zu unterscheiden,

gebrauchten die Autoren des AT für die Stätte Gottes

zuweilen einen stärkeren Ausdruck – den Himmel

der Himmel. So lesen wir z.B. in 1.Könige 8,27: Ja,

sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, der

Himmel und die Himmel der Himmel können dich

nicht fassen; wie viel weniger dieses Haus, das ich

gebaut habe! Der Wohnort Gottes ist etwas Spezielles

und doch scheint selbst der Himmel, angesichts der

Größe Gottes, nicht ausreichend zu sein. Da Gott jedoch

Geist ist, sollten wir nicht meinen, dass es Ihm

im Himmel irgendwann zu eng wird. Der Himmel als

Wohnort Gottes wird noch von anderen Geschöpfen

bevölkert als nur von Gott alleine. Wir sehen das

deutlich in der berühmten Himmelszene in Hiob 1.

Auch wenn uns nicht explizit mitgeteilt wird, dass

wir uns im Himmel befinden, so wird der Kontrast

zur Erde (vgl. V.7) doch recht deutlich. Ein anderes

Beispiel finden wir bei Jakob, als dieser in der Nacht

einen Blick auf die unsichtbare himmlische Welt erhaschte:

Und er träumte: Und siehe, eine Leiter war

auf die Erde gestellt, und ihre Spitze berührte den

Himmel; und siehe, Engel Gottes stiegen darauf auf

und nieder (1. Mose 29,12).

Gut, meinst du vielleicht. Es gibt einen Himmel,

einen Ort, wo Gott wohnt und er ist ebenfalls mit

himmlischen Wesen bevölkert. Was aber ist mit der

Vorstellung, dass Menschen in den Himmel kommen?

© Foto: Mike Anderson — unsplash.com/goodvybesdaily

21


Wir kommen nicht in den Himmel...

Die Bibel spricht nirgendwo davon, dass wir in den

Himmel kommen! Das mag für dich sehr überraschend

klingen und vermutlich auch so völlig falsch.

Was bringt mich zu solch ketzerischer Aussage? Als

evangelikale Christen im 21. Jahrhundert sprechen

wir davon, dass wir, wenn wir sterben, »in den Himmel

kommen«. Wir meinen damit, dass wir nach unserem

Tod in der herrlichen Gegenwart Gottes sind.

Das ist biblische Lehre und daher wahr und richtig.

Doch die Formulierung »in den Himmel kommen«

finden wir so nirgends in der Bibel, was nicht bedeutet,

dass sie falsch ist. Wenn du heute ein durchschnittliches

Gemeindeglied fragen würdest, was mit

ihm nach dem Tod geschieht, würdest du vermutlich

als Antwort erhalten: Ich komme in den Himmel.

Vermutlich haut diese Ansage heute die wenigsten

Menschen in deinem Umfeld vom Hocker. Eher bemitleidet

man solche Hoffnungsträger. Der Himmel

ist oft genug zum Ziel von Karikaturen geworden:

Eine Ewigkeit in einem weißen Kleid, mit einer

golden Harfe, auf einer kleinen weißen Wolke, die so

klein ist, dass selbst Hühner in Käfighaltung mehr

Platz haben (naja, vielleicht nicht ganz). Das sind beileibe

keine tollen Aussichten. Doch ich glaube, wenn

viele Christen ehrlich wären, würden sie zugeben,

dass ihre Vorfreude auf den Himmel sich in Grenzen

hält. In die Hölle will man auch nicht, aber eine

Ewigkeit im Himmel? Dass es dort nicht langweilig

wird, kannst du im Artikel von Hanniel nachlesen.

Doch dieses Klischee vom Himmel kannte man im

antiken Israel vermutlich nicht. Es ist recht unwahrscheinlich

anzunehmen, dass gläubige Eltern ihren

Kindern erzählt haben, dass sie nach dem Tod »in

den Himmel kommen«. Waren sie deshalb unsensiblere

Eltern, die ihren Kindern keine Hoffnung über

den Tod hinaus geben konnten? Eher im Gegenteil.

Sie gaben ihnen eine größere Vision, als wir es heute

oftmals tun – sie sprachen vom vollendeten Königreich

Gottes!

...wir beten: Dein Reich komme!

Johannes der Täufer und Jesus begannen ihren

öffentlichen Dienst, indem sie ankündigten, dass

das Königreich Gottes (oder das Reich der Himmel)

angebrochen sei – weshalb die Menschen Buße tun

sollten (vgl. Matthäus 3,2 und 4,17). Sowohl Johannes

als auch Jesus sprachen dabei von der endzeitlichen

Hoffnung, die im AT angekündigt wurde. Wenn wir

die Königsherrschaft Gottes so verstehen, dass Gott

an einem bestimmten Ort über Sein Volk regiert,

dann finden wir das erste Königreich Gottes bereits

in 1. Mose 1-2 vor – im Garten Eden. Im Garten

Eden, dem Paradies, lebte der Mensch in ungetrübter

Gemeinschaft mit sich selbst unter der Herrschaft

Gottes und erfreute sich daran. Und genau das ist

auch das Bild, dass uns im NT vom zukünftigen

Himmel gezeichnet wird. Bereits in 1. Mose 3, nach

dem Sündenfall, wird durch die Ankündigung eines

Retters die Hoffnung gegeben, dass der ursprüngliche

paradiesische Zustand eines Tages wiederhergestellt

werden würde.

Die eindeutigste Verheißung dieser Hoffnung finden

wir beim Propheten Jesaja. Denn dort sagt Gott:

Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und

eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht

mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn

kommen. [...] Denn wie der neue Himmel und die

neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht

der HERR, so werden eure Nachkommen und euer

Name bestehen (Jesaja 65,17 und 66,22). Interessant

ist, dass Gott hier für »schaffen« dasselbe Wort wie

bei der ersten Schöpfung aus 1. Mose 1 gebraucht.

Das Wort »Himmelreich« kommt kein einziges Mal

im AT vor, doch die Vorstellung davon zieht sich

durch das gesamte AT. Die alttestamentliche Vorstellung

vom Himmel war weniger die eines unbestimmbaren

geistlichen Zuhauses, sondern die Erwartung

eines Lebens unter der königlichen Herrschaft ihres

Bundesgottes, das von Frieden und der Abwesenheit

von Tod und Zerstörung gekennzeichnet war. Die

alttestamentlichen Bilder vom Himmel klingen recht

»erdverbunden« möchte man meinen. Mit gutem

Grund. Denn der Himmel besteht eben aus einem

neuen Himmel und einer neuen Erde! Gott hat uns

Menschen für die Erde geschaffen. So können wir

davon ausgehen, dass der Himmel – so sehr wir

ihn auch vergeistlicht haben – mehr Merkmale von

dieser erfahrbaren Welt haben wird, als wir uns jetzt

vielleicht vorstellen können. Wenn du Mühe hast,

dir den Himmel vorzustellen, dann meditiere über

die Bedeutung des Königreiches Gottes. Wenn der

Himmel tatsächlich so sein wird, wie heute oftmals

angenommen, dann graut es mir auch vor der

Ewigkeit. Doch wenn ich das biblische Konzept vom

vollendeten Reich Gottes bedenke, dann freue ich

mich, daran Anteil zu haben.

Die Vorstellung der Hölle im AT

Wie wir gesehen haben, kannte das AT das Konzept

vom Himmel, als dem vollendeten Königreich Gottes.

Wie aber sieht es mit dem Gegenstück aus – der

Hölle?

Je nachdem welche Bibelübersetzung du zur

Hand nimmst, wirst du das Wort Hölle recht häufig

oder gar nicht finden. Die Luther-Bibel von 1912 listet

im AT mehrere Verse mit der Erwähnung der Hölle

auf. Das ist jedoch dem (unglücklichen) Umstand

geschuldet, dass man das hebräische Wort Scheol

fälschlicherweise mit Hölle übersetzte. Die Vorstellung

einer Hölle im neutestamentlichen Sinn kennt

das AT so nicht. Dennoch hatte man eine klare

Vorstellung davon, wohin die Reise der Seele nach

dem Tod ging.

22


Ein Wartezimmer für die Seele

Der Scheol war allgemein als das Totenreich bekannt.

Die beste deutsche Übersetzung wäre vermutlich

Unterwelt. Natürlich wissen wir, dass Orte wie

Himmel und Hölle sich nicht auf einer geografischen

Karte markieren lassen. Wenn jedoch in Gemälden

das Konzept von Himmel und Hölle grafisch dargestellt

wurde, dann befand sich der Himmel immer

oben, während sich die Hölle immer im scharfen

Kontrast unten befand. So wird auch im AT der

Himmel immer als über uns, während der Scheol als

etwas unterhalb von uns gedacht. Das beste Beispiel

dafür ist Sprüche 15,24: Der Weg des Lebens geht für

den Einsichtigen nach oben, damit er dem Scheol

unten entgeht. Der große Unterschied zwischen

Scheol und Hölle ist dieser, dass nach dem Denken

des AT alle Menschen – Gläubige wie Gottlose –

nach dem Tod in den Scheol kamen, während nach

der Lehre des NT nur Gottlose in die Hölle kommen.

So konnte Jakob, als er über den (vermeintlichen)

Tod seines Sohnes Josefs trauerte, sagen: Nein,

sondern in Trauer werde ich zu meinem Sohn in

den Scheol hinabfahren (1. Mose 37,35). Auch König

Hiskia konnte als gottesfürchtiger Mann sagen: Ich

sagte: Inmitten meiner Tage soll ich hingehen zu

den Pforten des Scheols. Ich bin beraubt des Restes

meiner Jahre. Ich sagte: Ich werde Jah 1 nicht sehen,

Jah im Land der Lebendigen, auch nicht Menschen

mehr erblicken bei den Bewohnern des Totenreiches

(Jesaja 38,10-11). Auch wenn Gläubige davon ausgingen,

dass sie diesen Weg beschreiten mussten, so

gibt es doch eindeutig Belege dafür, dass der Scheol

ebenfalls ein Bestimmungsort der Gottlosen war,

und das oftmals im Kontext der Gerichtsandrohung:

Mögen zum Scheol sich wenden die Gottlosen, alle

Nationen, die Gott vergessen (Psalm 9,18). In Jesaja

14,14-15 lesen wir vom Gericht über den König von

Babel und das Schicksal, was ihn erwartet (was oft

auf das Gericht Satans gedeutet wird): »Ich will

hinaufsteigen auf Wolkenhöhen, dem Höchsten

mich gleichmachen.« – Doch in den Scheol wirst du

hinabgestürzt, in die tiefste Grube. Der Scheol wird

allgemein als ein Ort der Gottesferne gesehen, wo

man abgeschnitten ist, von den Lebendigen, ein Ort,

wo man Gott nicht mehr preist (vgl. Psalm 6,6; 31,18;

Jesaja 38,18). Wie passt dieses düstere Bild des Scheol

mit der Hoffnung der Gläubigen, die wir weiter oben

skizziert haben zusammen?

Jahwe – ein Gott der Lebenden

Nun, die Gläubigen des AT gaben sich keiner Illusion

hin. Sie wussten, dass das Urteil, das über ihren

Ur-Vater Adam gesprochen wurde »Du wirst sterben«,

ihnen gleichermaßen galt. Dennoch hegten sie

die Hoffnung, dass ihr Gott sie aus der Macht des

1 »Jah« ist eine verkürzte Form von »Jahwe« oder »Yahweh«.

Scheol retten würde. Jahwe war kein Gott der Toten,

sondern der Lebenden! In Psalm 49,16 lesen wir von

dieser Hoffnung: Gott aber wird meine Seele erlösen

von der Gewalt des Scheols; denn er wird mich aufnehmen.

Ein Grund für diese Annahme war womöglich

das Zeugnis Henochs, der nach einem gottesfürchtigen

Leben direkt in die Gegenwart Gottes

entrückt wurde, ohne den Tod zu sehen (vgl. 1. Mose

5,24). Die Gläubigen des AT waren sich zweier Dinge

sicher: 1) Sie würden sterben müssen wie die Gottlosen,

doch 2) ihnen drohte nicht dasselbe Schicksal

wie Letzteren. Eines müssen wir noch erwähnen,

um dieses Thema abschließend behandelt zu haben.

Es stimmt, dass das AT nicht die neutestamentliche

Vorstellung der Hölle offenbart. Dennoch wird eine

reale »Alternative« zum neuen Himmel und zur neuen

Erde geliefert: Und sie werden hinausgehen und

sich die Leichen der Menschen ansehen, die mit mir

gebrochen haben. Denn ihr Wurm wird nicht sterben

und ihr Feuer nicht verlöschen, und sie werden ein

Abscheu sein für alles Fleisch (Jesaja 66,24).

Angesichts dieser drohenden Worte des Propheten

Jesajas möchte ich dir die Frage stellen, ob du

für dich weißt, was dich nach deinem Tod erwartet?

Das Leben ist kein Spiel, doch am Ende gibt es eine

Menge zu verlieren oder zu gewinnen. Die frohe

Botschaft, das Evangelium, besteht darin, dass der

König über Gottes Himmelreich, Jesus Christus, für

Sünder starb, damit sie durch den Glauben an Ihn

Anteil haben können an Seiner Herrschaft. Sofern du

es noch nicht getan hast, möchte ich dich ermutigen:

Unterwerfe dich im Vertrauen auf Seine Gnade

König Jesus, dem gegeben ist alle Macht im Himmel

und auf Erden! Und wenn du es bereits getan hast,

dann bete aus ganzem Herzen: Unser Vater, im Himmel,

dein Reich komme!

Andreas Münch (*1984) ist Ehemann, Vater eines Sohnes,

Pastor der MBG Lage und Autor des vielbeachteten Buches ›Der

wahre Gott der Bibel‹. Sein Blog: www.andreas-muench.com

23


JOSIA

Rubrik des

Josia Netzwerkes


Das größte Fest

Text von Simon Mayer

Feste sind großartig. Immer! Naja, ok, zugegeben: Fast immer.

Das ein oder andere miese hat dann doch schon jeder von uns

erlebt. Nein, ich werde jetzt nicht ins Detail gehen. Konzentrieren

wir uns lieber auf das Positive. Was macht eine gute Feier aus?

Erstens: Die Teilnehmer. Nur wenn man sich mit den Leuten gut

versteht, fühlt man sich auch pudelwohl. Zweitens: Der Grund

zum Feiern. Denn die besten Feste sind diejenigen mit den besten

Anlässen. Drittens: Die Atmosphäre. Wenn die Stimmung super

ist und man sich wünscht, dass das Ganze nie endet, dann ist es

wahrlich eine gelungene Veranstaltung. Nun, schauen wir uns das

genialste Fest schlechthin an…

© Bild: »Die Hochzeit zu Kana« von Paolo Veronese (1563) — wikipedia.org 25


»Nach diesem sah ich, und siehe, eine

große Schar, die niemand zählen konnte,

aus allen Nationen und Stämmen

und Völkern und Sprachen; die standen

vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit

weißen Kleidern, und Palmzweige waren in ihren

Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme und

sprachen: Das Heil ist bei unserem Gott, der auf dem

Thron sitzt, und bei dem Lamm! Und alle Engel standen

rings um den Thron und um die Ältesten und

die vier lebendigen Wesen und fielen vor dem Thron

auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen:

Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank

und Ehre und Macht und Stärke gebührt unserem

Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Und einer von

den Ältesten ergriff das Wort und sprach zu mir: Wer

sind diese, die mit weißen Kleidern bekleidet sind,

und woher sind sie gekommen? Und ich sprach zu

ihm: Herr, du weißt es! Und er sprach zu mir: Das

sind die, welche aus der großen Drangsal kommen;

und sie haben ihre Kleider gewaschen, und sie haben

ihre Kleider weiß gemacht in dem Blut des Lammes.

Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen

ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf

dem Thron sitzt, wird sein Zelt aufschlagen über ihnen.

Und sie werden nicht mehr hungern und nicht

mehr dürsten; auch wird sie die Sonne nicht treffen

noch irgendeine Hitze; denn das Lamm, das inmitten

des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu

lebendigen Wasserquellen, und Gott wird abwischen

alle Tränen von ihren Augen.« 1

Die Teilnehmer des Festes

Wir wollen unsere Aufmerksamkeit zuerst auf die

Teilnehmer des Festes lenken. Der Apostel Johannes

berichtet uns hier einige spektakuläre, unglaublich

klingende Fakten über sie. In Vers 9 schreibt er, dass

es sich nicht nur um ein paar wenige Teilnehmer

handelt, sondern um eine große, unzählbare Schar

aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und

Sprachen. Die Unterschiedlichkeit der Teilnehmer

könnte nicht größer sein. Aus jeder Nation, aus

jedem noch so kleinen Stamm und Volk ist jemand

dabei. Und jede einzelne Sprache ist vertreten. Wer

würde je auf die Idee kommen, dass es Sinn macht,

solch unterschiedliche Menschen zusammenzupacken,

um mit allen gemeinsam ein Fest zu feiern?

Wo sich doch keiner versteht. Wo doch jeder andere

kulturelle Hintergründe mit sich bringt. Wo doch

explosiv geladene Spannung pur zwischen man-

1 Offenbarung 7,9-17 (Schlachter 2000)

chen Völkern in der Luft hängt. Aber diese Gruppe

hat etwas Faszinierendes an sich. Sie ist trotz ihrer

Unterschiedlichkeit irgendwie eins.

Und Johannes erzählt uns auch, worin die Einheit

der Gruppe besteht. Er redet davon, dass sie alle

bekleidet sind mit weißen Kleidern. Jeder einzelne

Teilnehmer dieser großen, unzählbaren Gruppe hat

ein weißes Kleid an. Wenn wir weiter lesen, sehen

wir, wie sie zu diesen weißen Kleidern gekommen

sind. In Vers 14 heißt es: »Sie haben ihre Kleider

gewaschen, sie haben ihre Kleider weiß gemacht in

dem Blut des Lammes…« Vorher waren die Kleider

jedes einzelnen schmutzig, nun sind sie sauber

und vollkommen rein, strahlend weiß. Wir wissen:

Das ist ein Symbol, das die Bibel immer mal wieder

aufgreift. Der Dreck an den Kleidern der Menschen

steht für die Sünde in ihrem Leben. Das Problem ist,

dass dreckige Kleider nicht dem Dresscode entsprechen,

mit dreckigen Kleidern wird einem die

Teilnahme am Fest untersagt. Warum? Weil sie nicht

zur Reinheit und Heiligkeit Gottes passen.

Deshalb müssen die Teilnehmer ihre Kleider

zuerst waschen, und es gibt nur eine Methode, dies

so zu tun, dass sie nachher tatsächlich vollkommen

weiß sind: Die Kleider müssen im Blut des Lammes

gewaschen werden. Wiederum wissen wir, was

gemeint ist: Hier ist die Rede von Jesus Christus

als dem Lamm und von seinem Blute, das er für

uns vergossen hat, als wir noch Feinde des Kreuzes

waren. Jeder einzelne dieser Teilnehmer hat

sein Kleid in diesem Blut gewaschen, sprich jeder

einzelne hat Vergebung seiner Sünden erlangt durch

das Sühnewerk Jesu Christi. Und das Faszinierende

ist, dass dies auch jetzt schon für dich und mich gilt,

wenn wir daran glauben. Aufgrund des Glaubens

kann Gott dich ansehen und sagen: Du bist perfekt.

Du bist ohne Tadel. Du bist würdig, an meinem Fest

teilzunehmen!

Der Anlass des Festes

Es gibt jedoch eine weitere Gemeinsamkeit unter

den Teilnehmern, welche uns zum Anlass der Feier

bringt. Alle Teilnehmer tragen Palmzweige als Zeichen

des Sieges in ihren Händen. Denn sie haben

durchgehalten bis zum Ende und den Kampfpreis

der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus

erlangt. Sie haben die Welt überwunden, den Teufel

besiegt und Treue bewahrt. Das ist der Anlass des

Festes, der Grund zum Feiern. Der Lauf ist vollendet.

Der Sieg ist errungen. Und was zu tun bleibt, ist

darüber zu jubilieren. Ein Fest zu feiern, das seinesgleichen

sucht und niemals finden wird.

26


Aber gleichzeitig können die Teilnehmer den Sieg

nicht sich selbst zuschreiben. Sie wissen ganz genau:

Wäre da nicht jemand gewesen, der sie durchgetragen

hat, so hätten sie nicht ausharren können bis

zum Ende. Wäre da nicht jemand gewesen, der letztendlich

für sie gesiegt hat, so wäre alles von Beginn

an zum Scheitern verurteilt gewesen. Und deshalb

stehen sie vor dem Thron desjenigen, dem sie das alles

zu verdanken haben und rufen mit lauter Stimme:

»Das Heil ist bei unserem Gott, der auf dem Thron

sitzt, und bei dem Lamm!« Nicht sich selbst haben

die Teilnehmer es zu verdanken, dass sie bei dem

Fest dabei sein dürfen. Nicht ihrem Können, nicht

ihren Fähigkeiten, nicht ihrer Intelligenz, Ausdauer,

Selbstdisziplin oder Sonstigem. Nein, allein bei Gott

und bei dem Lamm ist das Heil. Er hat den Sieg für

uns errungen. Er ist es, der uns nachgegangen ist, der

uns bei sich haben wollte, der uns beim Namen gerufen

hat, der uns in seiner mächtigen Hand hat, der

uns niemals los lässt, dem allein wir unser Seelenheil

zuschreiben können. Das gilt es zu feiern!

Dies alles bringt uns zum Höhepunkt, zum Zentrum

dieses Bibelabschnittes. Die Verehrung Gottes

durch alle Engel, die vor seinem Thron niederfallen

und sagen: »Lob und Herrlichkeit und Weisheit

und Dank und Ehre und Macht und Stärke gebührt

unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit!« Das ist der

ultimative Anlass für dieses gigantische Fest: Die

Anbetung Gottes. Alles läuft darauf hinaus, alles ist

dafür vorgesehen. Es ist kaum vorstellbar, wie überwältigend

das sein wird.

Die Großartigkeit des Festes

Kommen wir zuletzt zur Großartigkeit der Feier, welche

in Vers 16 deutlich wird: »Sie werden nicht mehr

hungern und nicht mehr dürsten; auch wird sie die

Sonne nicht treffen noch irgendeine Hitze; denn das

Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden

und sie leiten zu lebendigen Wasserquellen, und Gott

wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.« Eine

der Großartigkeiten dieses Festes besteht darin, dass

keinerlei Platz für Leid dabei vorhanden sein wird.

Oh wie leidvoll ist hingegen doch das Leben hier auf

der Erde. Was müssen wir oft nicht alles durchstehen:

Physische, psychische, seelische Schmerzen.

Mühen und Sorgen um uns selbst und um nahestehende

liebgewonnene Menschen. Angriffe und Verletzungen

durch unsere Nächsten. Und allen voran

das Ächzen unter der Last der Sündhaftigkeit, die

wir doch nicht ganz ablegen können. Für all das wird

kein Platz mehr sein. Kein Leid, keine Tränen (Gott

selbst wird sie abwischen), kein Hunger, kein Durst.

All unsere Sehnsüchte werden gestillt werden an der

Quelle des lebendigen Wassers selbst.

Aber es ist nicht nur die Abwesenheit von jeglichem

Leid, worauf wir uns freuen dürfen. Nein, uns

erwartet noch etwas viel Großartigeres: Die Gegenwart

Gottes. Er ist da. Mitten in dem Fest, mitten

unter den Teilnehmern. Sie dürfen ihn von Angesicht

zu Angesicht sehen. Das größte Privileg, nach

dem sich Menschen seit eh und je gesehnt haben,

und das nicht einmal Mose eingeräumt wurde. »Sie

sind vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und

Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron

sitzt, wird sein Zelt aufschlagen über ihnen.« (V. 15)

Gott im Tempel zu dienen, war ein Vorrecht, das nur

wenigen vorbehalten war. Ins Allerheiligste – in die

Gegenwart Gottes – durfte nur der Hohepriester und

das auch nur einmal im Jahr. Und jetzt schlägt Gott

sein Zelt auf über seinen Dienern, d.h. er ist dauerhaft

anwesend. Er ist ständig in ihrer Gegenwart. Wie

atemberaubend muss das sein – unvorstellbar.

Die Erlösten können Gott Tag und Nacht dienen.

Und das ist das Genialste an dieser Feier, was sie

fundamental von allen anderen Festen unterscheidet:

Sie wird viel länger dauern. Genauer gesagt: Von

Ewigkeit zu Ewigkeit! Ich weiß nicht, was für dich

eine lange Zeit darstellt. Aber sicherlich – das ist

eine! Ich weiß auch nicht, wie lang dir manch einsame,

manch traurige Stunde oder vielleicht sogar nur

Minute vorkommen mag. Wie sehr du dich danach

sehnst, dass sie doch vorübergehen mag. Aber mit

Sicherheit, mit Bestimmtheit ist sie es nicht wert –

auch nur im Geringsten – verglichen zu werden mit

dem, was uns zukünftig erwartet. Sofern wir eingesehen

haben, dass unsere Kleider dreckig sind und im

Blut des Lammes gewaschen werden müssen. Sofern

wir danach streben, den Sieg zu erlangen durch den

Herrn. Und sofern wir uns danach sehnen, endlich

in seiner Gegenwart zu sein, um ihn anbeten zu

können.

Bist du bei diesem Fest dabei?

Simon Mayer (*1990) arbeitet als Ingenieur in München und

studiert nebenbei Theologie am Martin Bucer Seminar. Er ist

verheiratet und ist u.a. redaktionell für das Josia Netzwerk tätig.

27


WIE EDELSTEINE

Rubrik für junge

Frauen in der Nachfolge

Himmlische

Liebe

Text von Susanne Wrobel

Über den Charakter einer

gottesfürchtigen Frau.


© Foto: Barrel On — unsplash.com/barrelon 29


Schreibt man über den Charakter einer

gottesfürchtigen Frau, so würden viele

wohl einen Artikel über die Frau aus den

Sprüchen 31 erwarten. Hier soll jedoch ein

allgemeineres Thema betrachtet werden: unsere Rolle

in Christus. Denn mehr als »nur« Frauen, sind wir

Diener Christi (Galater 3,28). Zum Zeitpunkt unserer

Bekehrung wurde die Liebe Christi in unser Herz

ausgegossen (Römer 5,5), welche von nun an in uns

zunehmen soll. Es ist eine Liebe, die der Welt unbekannt

ist; man kann sie fast als eine seltsame Liebe

beschreiben. Wir lieben Gott, obwohl wir Ihn nicht

sehen, was für die Welt eine Torheit ist. Wir lieben

die Geschwister wie einen Teil der Familie in einer

Welt, in der sich jeder letztlich nur um sich selbst

sorgt. Und wir lieben die Verlorenen, obwohl diese

uns verfluchen, verspotten und verachten. Durch

den Heiligen Geist wurde uns eine Liebe gegeben,

welche Gottes Vorhaben in uns und durch uns in

der Welt ausführt. Solch eine christusähnliche Liebe

zeigt sich in einer Liebe zu Gott, zu den Kindern

Gottes und zu den Verlorenen.

Liebe zu Gott – Das höchste Gebot

»Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte

Gott und halte seine Gebote; denn das macht den

ganzen Menschen aus.« (Prediger 12,13)

Die größte Hinterlassenschaft, die eine gottesfürchtige

Frau sich wohl wünschen könnte, ist

dafür bekannt gewesen zu sein, Gott sehr geliebt zu

haben. Ein wiedergeborener Christ sollte immer den

Herzenswunsch haben, Gott mehr zu lieben. Nicht

zuletzt da es das erste und größte Gebot darstellt und

zusammen mit der Nächstenliebe das ganze Gesetz

erfüllt (Matthäus 22, 40; Galater 5,14). Was auch

immer unsere momentane Aufgabe im Leben ist und

obgleich wir alleinstehend, verheiratet oder schon

Mütter sind, das größte Gebot, das uns gegeben wurde,

ist unseren Gott zu lieben, seine Gebote zu halten

und damit stetig auf seine Ehre bedacht zu sein.

Herz, Seele, Verstand und Kraft sollen an unserer

Liebe zu Gott beteiligt sein. Liebe zu Gott ist auch

immer verbunden mit Gehorsam gegenüber Gott

(Johannes 14,21). Liebe heißt Gottes Gebote zu halten

(1. Johannes 5,3) und sie werden keine Last für uns

sein, sondern eine Freude. Vielmehr wird es eine

Last für uns, wenn wir sie übertreten. Jesu ganzes

Leben, alles was Er tat, lebte er hinsichtlich dessen,

wie er dem Vater wohlgefällig sein und Seinen

Willen erfüllen würde. Christi Herz sehnte sich

immer nach der Gegenwart des Vaters und er zog

sich oft zurück ins Gebet. Möge so auch unser Herz

sich kontinuierlich danach sehnen, Zeit mit Gott zu

verbringen und Ihn, durch das tägliche Erforschen

seines Wortes und durch Gebet aufs Innigste kennen

zu lernen. Möge Er es sein, für den wir alles andere

auf dieser Welt als nichtig erachten, solange wir Ihm

näher kommen und mehr in sein Ebenbild geformt

werden. Unser Leben soll nicht ziellos sein und nicht

nur auf diese Welt bedacht, wie das Leben derer, die

Gott nicht kennen. Auch unsere Unterhaltungen

sollen zeigen, dass unser Herz mit Ihm erfüllt ist und

»beständig soll sein Lob in unserem Munde sein.«

(Psalm 34,2; Lukas 6,45). Es ist an jedem Einzelnen

von uns zu prüfen, wie viel Raum Christus in seinen

Unterhaltungen, und damit auch in seinem Herzen

hat, und ob seine Worte bezeugen, welche Lektionen

er gelernt oder welche Wahrheiten er lieb gewonnen

hat. Sind dies nicht auch die schönsten Unterhaltungen,

wenn Christen zusammen kommen, wenn diese

über Gottes Güte und Liebe staunen? Nur wenn wir

selbst auch unsere Gemeinschaft mit Gott pflegen,

kann es auch wahre Gemeinschaft unter den

Geschwistern geben – wenn Christus das Zentrum

in unserem Herzen, Leben und Unterhaltungen ist (1.

Johannes 1,3).

Es ist daher auch essentiell für uns, Frauen des

Wortes Gottes zu sein, die Schriften zu erforschen

und unseren Gott zu kennen. Theologie (»die Lehre

von Gott«) ist nicht belanglos, ganz im Gegenteil.

Unsere Auffassung von Gott prägt und formt unser

ganzes Leben und Fehler in der Lehre führen letztlich

zu Fehlern im Leben (1. Timotheus 4,16). Wenn

wir unseren Gott kennen, sehen wir wie vertrauenswürdig,

liebevoll, treu, gütig und souverän Er ist und

im Laufe der Geschichte schon immer gehandelt hat.

Mit der Erkenntnis von solch einem Gott an unserer

Seite lassen sich selbst die schwierigsten Situationen

im Leben leichter überstehen und sogar mit Dankbarkeit

aus Gottes Hand annehmen.

Als der Gerechte für die Ungerechten am Kreuz

starb, bewies Er uns seine bedingungslose Liebe,

wonach das Verlangen jedes einzelnen Menschen in

der Welt besteht, welche wir aber in Christus haben

und wodurch wir uns als die glücklichsten Menschen

schätzen dürfen. Seine Liebe wird sich auch

in unserer Liebe zu den Geschwistern zeigen und

umgekehrt wird unsere Liebe zu den Geschwistern

auch unsere Liebe zu Gott offenbaren (1. Johannes

3,14; 1. Johannes 4,20).

Liebe zu den Geschwistern –

Lieben wie Christus

Unsere Glaubensgeschwister zu lieben, ist nicht

immer eine leichte Aufgabe, da wir selbst als begnadigte

Sünder nicht unbedingt stets die liebenswertesten

Menschen sind. Gerade daran aber misst sich

bedingungslose Liebe, welche den anderen liebt, wie

Christus ihn liebt und ihn so akzeptiert, wie er uns

akzeptiert hat, in aufrichtiger, ungeheuchelter Liebe.

Gleichzeitig kann wahre Gemeinschaft nur unter

Geschwistern stattfinden, die im Licht wandeln,

wie er im Licht ist (1. Johannes 1,7). Die Liebe, die wir

unseren Brüdern gegenüber besitzen sollen, ist eine

30


aufopferungsvolle Liebe, die Dinge nicht aus Eigennutz

tut, um etwas zurück zu bekommen oder um

der eigenen Ehre willen, sondern aus reinen Motiven

(Philipper 2,3), motiviert und inspiriert von Gottes

Liebe zu uns. Sie ist gekennzeichnet durch Treue und

Verlässlichkeit, nicht durch Unzuverlässigkeit und

Unberechenbarkeit und hält ihr Wort, selbst wenn

es Unannehmlichkeiten bereitet (Psalm 15,4). Wahre

Liebe erlaubt offene und ehrliche Gespräche, ohne

den anderen zu verurteilen und gibt selbst Schwächen,

Sünden und Versagen zu, anstatt zu versuchen,

andere zu beeindrucken oder vorzugeben, alles sei in

Ordnung (Jakobus 5,16). Es ist eine Liebe, die andere

nicht ausschließt oder bevorzugt behandelt, sondern

die verschiedensten Menschen zusammen bringt,

sie freundlich behandelt und sie liebt. Sie realisiert,

dass alle Charaktereigenschaften oder Begabungen,

die wir haben, kein Grund sind, sich zu rühmen,

sondern alles eine Gabe von Gott ist und wir uns

deshalb nur darin rühmen können, Ihn zu kennen.

Sie ist ehrlich, aber friedliebend, lässt sich nicht provozieren

und provoziert keine Streitigkeiten (Sprüche

15,18). Vielmehr nimmt sie Gelegenheiten wahr,

anderen Gutes zu tun, praktisch zu helfen, Worte zu

schenken, die erbauen (Sprüche 12,18; Epheser 4,29),

auf Gott verweisen und Geschwister Ihm näher

bringen.

Die Liebe, die wir erhalten haben, wird durch

viele Prüfungen und Schwierigkeiten gereinigt und

geläutert und erzeugt ein mitfühlendes Herz. Es wird

ein zerbrochenes Herz sein, welches, wie der Herr

selbst, mit denen mitfühlt, die zerbrochenen Herzens

sind (Psalm 34,18). Ein Christ, so heißt es in einem

Bibelkommentar, der in Sanftmut und Demut agiert,

hat die gemeinsten Gedanken über sich selbst und

die besten Gedanken über andere.

Die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern ist

ein Merkmal dafür, dass wir Gott wahrhaftig erkannt

haben und Ihn lieben. Die Liebe zu den Geschwistern

und zu unserem Nächsten generell beinhaltet,

wie die Liebe zu Gott, Herz, Seele, Verstand und

Kraft. Sie ist nicht immer einfach und es erfordert

meist ein aktives Streben nach einer innigeren Beziehung

und manchmal müssen wir in Liebe agieren,

selbst wenn wir uns gerade nicht danach fühlen.

Wer aber Liebe sät, wird schon bald Liebe ernten, vor

allem in seinem eigenen Herzen (Galater 6,7).

Liebe zu den Verlorenen –

Das Amt der Versöhnung

Christi Herz war auch erfüllt mit Liebe zu den

Verlorenen. Er kam, um das zu erretten, was verloren

ist und gab uns das Amt der Versöhnung, um

auch darin Ihm gleich zu werden und seine Liebe

kundzutun und weiterzugeben (2. Korinther 5,18-19).

Jeder von uns sollte nun die Menschen eindringlich

bitten, in dem vollen Bewusstsein, dass Christus

durch uns bittet, umzukehren von ihren Wegen und

sich mit Gott versöhnen zu lassen. Es ist eine große

Ehre, dass Gott uns an seinem großen Heilsplan

teilhaben lässt und uns schwache Gefäße benutzt,

sein Wort bis an alle Enden der Welt zu tragen. Viele

Frauen mögen sagen, dass sie nicht die Gabe haben

zu evangelisieren, doch geht es im Grunde nicht so

sehr um die Gabe. Wenn wir Gott bei seinem Wort

nehmen, sollten wir uns vielmehr überlegen, was mit

all jenen passiert, denen wir nicht das Evangelium

bringen. Liebe sollte uns bewegen, wenn wir die Tatsache

betrachten, dass sie eine Ewigkeit in der Hölle

verbringen werden. Dann spielt es nicht länger eine

Rolle, ob du die Gabe hast; du wirst versuchen diese

Menschen vor ewiger Verdammnis zu erretten, wie

du ihr auch selbst entkommen möchtest. Natürlich

kämpfen wir alle von Zeit zu Zeit mit Mangel an Liebe,

Menschenfurcht oder schlichtweg Apathie, doch

sollten wir in diesem Zustand nicht verharren. Gott

gefällt es, durch unsere Verkündigung seines Wortes

diejenigen zu retten, die glauben (1. Korinther 1,21;

Römer 10,14-16). Auch das Argument, dass Frauen

nicht dazu bestimmt sind, die Frohe Botschaft zu

verkündigen, sehen wir in Johannes 20,18 wiederlegt,

als Maria den auferstandenen Christus kundtut.

Luther sagte einmal »Unser Nächster ist jeder

Mensch, besonders der, der unsere Hilfe braucht«,

und wer braucht unsere Hilfe mehr als (geistlich) tote

Menschen auf dem Weg zur Hölle? Mögen wir denen

Mitgefühl und Liebe zeigen, deren Augen die Herrlichkeit

Gottes nicht sehen können, die noch Sklaven

ihrer Sünden sind und ihren Trost in den Dingen

dieser Welt suchen, anstatt in dem Schöpfer aller

Dinge, nichtwissend, dass sie alles verlieren, wenn

ihre Seele Schaden nimmt (Matthäus 16,26).

Dies ist der Charakter, den eine gottesfürchtige

Frau besitzen sollte: ihre Augen auf Dinge gerichtet,

die für alle Ewigkeit von Bedeutung sein werden, inspiriert

und motiviert von Gottes Liebe zu uns. Alles

beginnt mit der Liebe Gottes und wenn wir in Ihm

bleiben, werden wir viel Frucht bringen: Liebe, Freude,

Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,

Sanftmut, Selbstbeherrschung (Galater 5,22), welche

eine Frau Gottes kennzeichnen sollte.

Susanne Wrobel (*1989) ist derzeit Studentin an der

Universität in Heidelberg. Sie schreibt auch regelmäßig auf

Twitter: @Susanne_Wrobel

31


DAS INTERVIEW

Plaudereien zwischen

Kanzel & Studierzimmer

»Das Problem ist, dass viele

Gemeinden nicht standhaft

in der Lehre bleiben. Wenn sie

etwas predigen, was den Leuten

nicht gefällt, meinen sie,

dass sie etwas Falsches predigen.

Paulus sagte in Korinth,

dass er sich vorgenommen

hatte, nichts anderes unter

ihnen zu wissen als nur Jesus,

und ihn als gekreuzigt.«


MEINE (BEI BRAUNSCHWEIG)

Tim

Kelly

Interview von Peter Voth

Tim Kelly ist nicht der typische Missionar aus dem Bilderbuch.

Sein Missionsziel: Deutschland. Seine Leidenschaft: Die Auslegungspredigt

und biblische Lehre. Damit erfüllt er nicht die

Klischees, die wir über Mission im Kopf haben, dafür aber viele

biblische Prinzipien von Paulus und Timotheus. Tim Kelly über

seine Bekehrung, Mission und Gemeindegründung.

© Fotos von Patrick Böttger 33


Hallo Tim. Viele unserer Leser werden

dich vielleicht nicht so gut kennen.

Könntest du dich vorstellen und etwas

über deinen Hintergrund erzählen?

Ich bin in einer christlichen Familie groß geworden,

bei den Südlichen Baptisten in Arkansas (Anm. d.

Red.: Die »Southern Baptist Convention« ist die

größte protestantische Gruppierung der USA). Das

war mitten im sogenannten »Bible Belt« (Anm. d.

Red.: Ein großes Gebiet im Süden der USA, in dem

evangelikale Christen prägender Bestandteil der

Kultur sind). Ich habe schon ziemlich früh an Jesus

geglaubt. Ich kann mich zumindest nicht an eine Zeit

erinnern, in der ich nicht an Jesus und an die Bibel

als Wort Gottes geglaubt habe. Aber ich kam erst später

beim Militär im Alter von 18 Jahren tatsächlich

zum rettenden Glauben.

Was war der entscheidende Punkt für deine Bekehrung?

Gab es da ein bestimmtes Ereignis?

Ich hatte schon die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen.

Ich wusste, dass meine Art zu leben falsch war.

An einem Abend hatte ich ein Gespräch mit einem

Bruder im Herrn, der die gleiche Geschichte wie ich

hatte. Nach diesem Gespräch bin ich zurück auf meine

Stube gegangen und habe die Bibel aufgeschlagen.

Ich kam auf das Buch »Prediger« und fing an zu

lesen. Alles, was Salomo hatte, wollte ich im Leben

haben, und letztlich hat Salomo es als ein »Haschen

nach Wind« bezeichnet. Da wurde mir klar, dass

das Leben ohne Gott wirklich keinen Sinn ergibt.

An dem Abend bin ich auf die Knie gegangen und

habe zu Gott gebetet: »Herr, ich möchte eine wahre

Beziehung zu dir haben. Ich möchte nicht nur die

Kirchenbank warm halten. Ich gebe dir alles, was ich

bin und ich möchte alles, was du bist, haben.« Von

dem Abend an war das »Wollen« zum ersten Mal in

meinem Leben vorhanden. Ich wollte Gott gefallen.

Ich denke, dass war der Zeitpunkt, wo ich tatsächlich

wiedergeboren wurde.

Wann bist du dann beim Militär ausgeschieden?

Ich war drei Jahre später mit dem Militär fertig. Zum

Zeitpunkt meiner Bekehrung war ich bereits ein Jahr

beim Militär und in einer Jagdflieger-Gruppe. Wir

waren überall in der Welt stationiert. Ich war während

dieser Zeit in Japan, auf den Philippinen und

in Korea. Als ich in Japan war, habe ich besonders

deutlich den dortigen Götzendienst gesehen. Wie

Menschen wirklich in der Finsternis leben und in

großer Ehrfurcht und Disziplin Figuren und Götzen

anbeten. Das hat mir wirklich wehgetan. Bereits zu

dieser Zeit entwickelte ich den Wunsch, Missionar

zu werden.

Würdest du sagen, dass es gut war, direkt am

Anfang deines Glaubens beim Militär gewesen zu

sein? Es gibt ja dieses Klischee, dass es für Christen

beim Militär besonders schwierig ist.

Es gab großen Gegenwind. Das ist eine gute Voraussetzung

für schnelles Wachstum (lacht). Der Herr hat

unterschiedliche Wege mit seinen Auserwählten. Ich

bin mir sicher, dass Gott diese schwierigen Umstände

genutzt hat, um mich zu formen. Da geht es

wirklich um das Prinzip »Geh unter oder schwimm«.

Es gibt da keine Grauzonen. Du kannst in diesen

Umständen nicht heuchlerisch leben. In diesem Fall

würden die dich »auffressen«. Du hast keine Möglichkeit,

deinen Glauben halbherzig zu leben.

Bist du dann direkt nach dem Militär zur Bibelschule

gegangen?

Ja genau. Nach den vier Jahren beim Militär bin

ich dann zum Moody Bible Institute nach Chicago

gegangen. Ich habe in dieser Zeit sehr stark gespürt,

dass Gott mich im vollzeitlichen Dienst als Missionar

haben wollte. Diese Berufung wurde von vielen

Außenstehenden und Wegbegleitern erkannt und

bestätigt. Eigentlich wollte ich ein Missionar unter

Stämmen im Dschungel werden. Als ich letztlich

auf der Bibelschule war, habe ich gemerkt, dass

besonders in islamischen Ländern das Evangelium

gebraucht wird. Dann war eher diese Kultur mein

Ziel. Der Herr hat meine Pläne und Wünsche jedoch

immer wieder umgeworfen. Als ich letztendlich zwei

Jahre Missionar auf den Philippinen war, führten unsere

Wege nach Deutschland, um hier eine Gemeinde

zu gründen.

Wie bist du konkret auf Deutschland gekommen?

Nach der Bibelschule habe ich zunächst in einer

Ortsgemeinde im Raum Chicago gedient. Ich habe

vorher noch am Wheaton College Anthropologie

und Soziologie studiert, weil man z.B. in islamischen

Ländern nicht als christlicher Theologe oder »Missionar«

arbeiten oder einreisen kann. Da habe ich mir

gedacht, dass es besser wäre, etwas »Weltliches« zu

studieren, um in diesen Ländern auch einen anderen

Abschluss vorweisen zu können. Auf jeden Fall waren

wir zu dieser Zeit in einer Ortsgemeinde namens

»Grace Church of DuPage«. Diese Gemeinde ist

vergleichbar mit der »Grace Community Church« in

Los Angeles von Pastor John MacArthur. Wir sind

in DuPage geblieben, in der Hoffnung, dass wir von

dieser Gemeinde ausgesandt werden. Ich wusste,

dass ich erst dann missionieren werde, wenn ich von

einer Ortsgemeinde ausgesendet werde. Bis es soweit

war, habe ich ganz normal gearbeitet. Hauptsächlich

habe ich Häuser gebaut. Die Gemeinde hat meine

Begabung und meinen Ruf bestätigt und sie wollten

mich auch aussenden. Als ich schließlich auf den

Philippinen war, entdeckte ich, dass ich ein Herz für

Deutschland hatte. Meine Frau, die aus Deutschland

kommt, hat elf Geschwister und einige gingen nicht

mit dem Herrn. Als wir zu Besuch in Deutschland

waren, merkten wir, dass in dieser Gegend (Anm.

d. Red.: Meine – zwischen Wolfsburg und Braunschweig)

Bedarf an biblischen Gemeinden herrschte.

Überhaupt kann man sagen, dass in Deutschland die

Souveränität Gottes, biblische Ältestenschaft und

Auslegungspredigt nur noch sehr selten verkündigt

oder praktiziert werden. Der Herr hat uns wirklich

34


umgestimmt, denn vorher wollten weder meine Frau

noch ich nach Deutschland gehen (lacht). Aber letztlich

haben wir gesehen, dass Deutschland wirklich

ein Missionsfeld ist. Das hatte ich vorher nie wahrgenommen.

Deine Frau hast du in Amerika kennengelernt?

Ja, sie hat auch beim Moody Bible Institute studiert.

Sie kam aus Deutschland in die USA, um zu studieren.

Wann bist du zu den Lehren der Gnade 1 gekommen?

Schon mit 18. Gleich nachdem ich zum Glauben

gekommen bin und die Bibel studierte, habe ich die

Gnadenlehre überall in der Schrift gesehen. Ehe ich

in die Bibelschule ging, war das schon meine feste

Überzeugung.

Seit wann bist du jetzt schon in Deutschland?

Seit Juni 1997. Also schon seit bald 20 Jahren.

Du bist ja schon sehr viel in der Welt herumgekommen.

Hält es dich bis zum Ende deines Lebens

in Deutschland?

Ich kann mir vorstellen, den Rest meines Lebens

hier zu verbringen. Meine Frau ist ja Deutsche. Also

bin ich in der Hinsicht hier kein fremder Missionar

(lacht). Wir haben uns sehr gut eingelebt und wenn

ich schon dabei bin, 19 Jahre die deutsche Sprache zu

lernen, sehe ich das schon als guten Grund, hier zu

1 Anm. d. Red.: Auch bekannt unter den so genannten »5 Punkten

des Calvinismus«.

bleiben und zu dienen. In Amerika gibt es viele, die

das Wort gut verkündigen, aber hier in Deutschland

sind es leider nur wenige, die die Schrift tatsächlich

auslegen.

Wie lief die Gemeindegründung in Deutschland?

Unser Haus ist in einem kleinen Dorf in der Nähe

von Meine. Die Gemeinde wurde in unserem Haus

gegründet. 13 Jahre lang traf sich die Gemeinde bei

uns zu Hause. Bis wir mit Kindern jeden Sonntag

ungefähr 120 Leute waren. Die ganze Straße im Dorf

war zugeparkt, aber die Nachbarn haben sich nicht

beschwert. Es war eine weise Entscheidung, die

Gemeinde in Meine zu gründen, weil es mitten im

Dreieck zwischen Braunschweig, Gifhorn und Wolfsburg

liegt. Die Mitglieder kommen alle aus diesem

Einzugsgebiet und manche noch von viel weiter her.

Seit 2011 seid ihr in einem eigenen Gebäude. Wie

kam das zustande?

Wir haben drei Jahre lang als Gemeinde an dem

Gebäude gebaut und es auch selbst finanziert. Wir

haben dafür keine Kredite oder Schulden aufgenommen.

Wir sind der Überzeugung, dass Gott uns alles

zur Verfügung stellt, was wir brauchen, und so war es

auch beim Bau. Wir haben immer in Phasen gebaut

und wenn die Mittel da waren, haben wir so lange

gebaut, wie es entsprechend ausgereicht hat. Als das

Geld für die Grundstücke da war, haben wir zunächst

die Grundstücke gekauft. Sobald genug Geld

für den Rohbau da war, haben wir den Rohbau hergestellt

usw. Das Geld war immer zeitig da und wir

haben keinen Mangel gelitten. Schon Spurgeon und

Moody haben nach dem gleichen Prinzip gehandelt.

35


Was macht eure Gemeinde aus?

Die Auslegungspredigt ist für uns ein großer Segen

und sie macht uns auch aus. Das führt zu Einheit.

Viele kommen z.B. aus der Landeskirche und manche

aus russlanddeutschen Gemeinden. Eine bunte

Mischung also. Wir gehören ja keiner bestimmten

Denomination oder einem Bund an. Wir heißen

bewusst nur »Bibelgemeinde Meine«. Äußerlich

haben wir nichts, was uns erstmal zusammenhält,

aber durch die Auslegungspredigt kann mit der Zeit

eine große Einheit in Theologie und Gemeindeleben

hergestellt werden. Die drei Hauptmerkmale unserer

Gemeinde sind 1. die Betonung der Souveränität

Gottes in der Errettung. Wir schämen uns nicht für

die Rolle des Vaters in der Errettung, 2. betonen wir

sehr stark, dass die Gemeinde von biblisch qualifizierten

Ältesten geleitet und geführt werden muss

und 3. die Auslegungspredigt. Natürlich praktizieren

wir auch Gemeindezucht nach biblischem Vorbild.

Ich denke, dass in der heutigen Zeit viele Gemeinden

diese vier Punkte aus den Augen verloren haben.

Viele Gemeinden folgen heute ja dem »seeker

sensitive« 1 Gedanken und der Fokus liegt eher auf

Gemeindewachstum um jeden Preis als auf biblischer

Lehre.

Genau. Wir betonen dagegen sehr stark, was im 1.

und 2. Timotheusbrief steht. Paulus fordert Timotheus

dort auf, das anvertraute Gut zu bewahren.

Auch in den beiden Petrusbriefen sieht man, dass

der Fokus auf der Reinheit der Gemeinde in Lehre

1 Anm. d. Red.: »seeker sensitive« bezeichnet eine Gemeindeausrichtung,

die eher auf ungläubige als gläubige Besucher

zugeschnitten ist. Das Ziel ist ein größtmögliches Wachstum der

Gemeinde. In den meisten Fällen geht dieser Pragmatismus auf

Kosten der biblischen Lehre.

und Wandel liegt. Das ist auch unser Fokus. Von

Marketingmethoden usw. halten wir gar nichts. Unsere

Gemeinde ist daher insgesamt langsam, stetig

und gesund gewachsen.

Was war in deinen fast 20 Jahren in Deutschland

dein größter Segen und was dein größter Kampf

in Gemeindegründung und Gemeindeleben? Wo

siehst du die großen Vor- und Nachteile?

Der größte Kampf war wahrscheinlich die Einheit

der Gemeinde am Anfang zu erreichen und später

zu erhalten. Durch einen Mitgliederkurs, ein klares

Glaubensbekenntnis und Auslegungspredigten ist es

uns auch gelungen, eine Gemeinde zu gründen, die

einig in der Lehre ist. Außerdem war es eine große

Herausforderung, als Amerikaner die deutsche Kultur

lieb zu gewinnen und auch die deutsche Sprache

zu lernen (lacht). Manchmal habe ich gedacht, dass

ich die deutsche Sprache nie lernen werde. Aber wir

waren kaum zwei Monate hier in Deutschland, als

ich anfing jeden Sonntag auf Deutsch zu predigen. Es

war kein schönes Deutsch (lacht). Ich habe große Abschnitte

der Bibel vorgelesen und einen Kommentar

dazu gegeben. Aber trotz des Mangels an Deutschkenntnissen

wirkte Gott in dem Leben der Anwesenden,

sodass einige zum Glauben kamen und einige

Gläubige für ihre Sünden Buße getan haben. Gott

konnte diese ärmlichen Bemühungen gebrauchen.

Die Kraft des vorgelesenen Wortes Gottes hatte eine

große, verändernde Kraft.

Wie beurteilst du das Christentum in Deutschland

heute?

Viele Gemeinden sind durch die charismatische

Bewegung oder die »seeker sensitive« Gemeinden

wie Saddleback oder Willow Creek geprägt worden.

36


Ich beobachte, dass sie das anvertraute Gut nicht

bewahren. Sie missachten die Worte von Paulus, der

sagte, dass viele die Ohren von der Wahrheit abwenden

werden. Sie werden Prediger suchen, die das

sagen, was ihre Ohren kitzelt. Das Problem ist, dass

viele Gemeinden nicht standhaft in der Lehre bleiben.

Wenn sie etwas predigen, was den Leuten nicht

gefällt, meinen sie, dass sie etwas Falsches predigen.

Das geht auf Kosten der Wahrheit. Paulus sagte in

Korinth – und die Gemeinde zu Korinth war vielen

Gemeinden hier in Deutschland sehr ähnlich – dass

er sich vorgenommen hatte, nichts anderes unter

ihnen zu wissen als nur Jesus, und ihn als gekreuzigt.

Er hatte ihnen gesagt, dass das Wort vom Kreuz den

Juden ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit, aber

den Berufenen Gottes Weisheit und Gottes Kraft ist.

Diesen Entwicklungen möchten wir entgegenwirken.

Wir sind einfach der Überzeugung, dass wir

weitere Gemeinden gründen müssen. Wir betreuen

zur Zeit zwei Gemeindegründungen und eine dritte

steht noch an, die hoffentlich 2017 realisiert wird.

Somit bin ich jetzt Ältester in drei Ortsgemeinden.

Daher werde ich auch dieses Jahr meine Lehrtätigkeit

– die ich seit mehr als zehn Jahren beim EBTC

ausgeübt habe – aufgeben. Dort habe ich Hermeneutik

und Auslegungspredigt unterrichtet. Ich brauche

mehr Zeit, um mich auf Gemeindegründung zu

konzentrieren.

Vor ca. 10 Jahren ist ein Buch von dir erschienen,

»Auserwählt und eins gemacht«. Das Buch hat

auch mir sehr in meinem Wandel weitergeholfen.

Wie ist es zu diesem Buchprojekt gekommen?

Man weiß nie, wie lange man lebt. Daher wollte ich

etwas für meine Familie hinterlassen. Ich wollte sicherstellen,

dass sie wissen, was ich glaube. Ich habe

es also in erster Linie für meine Kinder geschrieben.

Aber ich wusste auch, dass es viele Christen gibt, die

es interessieren könnte und für die dieses Thema

relevant ist. Ich wollte zeigen, dass die Lehre von der

Auserwählung ein großer Faktor für Einheit ist. Ich

wollte nicht polemisch schreiben und auch keine

Kirchenväter zitieren, sondern wirklich hermeneutisch

an dieses Thema herangehen. Viele sagen, dass

diese Gemeinden spaltet, aber Paulus setzte sie im

Gegenteil als Mittel zur Einheit ein. Wenn ich das

Buch noch einmal herausbringen würde, würde ich

es jedoch »Das Band des Friedens« nennen, weil

Paulus in Epheser 4 die sieben Stichpunkte erwähnt,

die das Band des Friedens definieren, auf die

ich auch im Buch ausführlich eingehe. Außerdem

schreibe ich derzeit an einem zweiten Buch mit dem

Titel »Die Lehre der Apostel«. Das sind somit auch

unsere Pläne für die Zukunft: Als Gemeinde mehr

Gemeinden zu gründen, und ich persönlich werde

mich mehr dem Bücherschreiben widmen.

Zum Abschluss noch unsere Fragen, die wir jedem

unserer Interview-Partner stellen. Welcher

biblischen Person würdest du gerne welche Frage

stellen?

Also wenn ich ein Gespräch mit einer biblischen

Person führen könnte, dann wäre es natürlich Jesus

(lacht). Aber ich glaube, dass die Schrift so klar ist,

dass es eigentlich keine offenen Fragen mehr für

mich gibt. Ganz ehrlich, ich bin an einen Punkt

gekommen, wo ich keine Fragen mehr an die Bibel

habe. Aber wenn ich ein Gespräch führen dürfte,

dann wäre es sicherlich mit Jesus.

Die schwierigste Bibelstelle?

Das Hohelied war für mich am schwierigsten. Mittlerweile

aber nicht mehr (lacht). Ich glaube das Buch

mittlerweile verstanden zu haben.

Was ist deine bevorzugte Bibelübersetzung?

Ich bevorzuge die revidierte Elberfelder Übersetzung.

Mit welcher Person der Bibel kannst du dich am

ehesten identifizieren?

Hm. Meine Lieblingsperson – abgesehen von Jesus

– wäre Henoch. Aber ich kann natürlich nicht sagen,

dass ich seine Reife erreicht hätte. Das war immer

meine Lieblingsperson neben Jesus. Ansonsten würde

ich Timotheus sagen.

Welche Person der Kirchengeschichte würdest du

gerne einmal treffen?

Das ist eine gute Frage. Da gibt es so viele. Tertullian

habe ich immer gern gehabt.

Was war das letzte Buch, das du gelesen hast?

Ich lese häufig fast nur die Bibel. Ansonsten wäre

»Demut« von Wayne Mack zu nennen.

Welches Buch wolltest du schon immer einmal

lesen?

Die Institutio von Calvin. Ich habe eine gekürzte

Fassung davon gelesen, würde aber gerne auch mal

die komplette Version lesen.

Was bedeutet für dich der Begriff »Reformation«?

Wiederentdeckung der Wahrheit.

Was ist für dich das beste Zitat?

Luthers Zitat: »Ich kann nicht verhindern, dass Vögel

über meinem Kopf fliegen, aber ich kann wohl verhindern,

dass sie auf meinem Kopf ein Nest bauen.«

Was bedeutet Jesus für dich?

Alles.

Das Interview wurde am 13. Februar 2016

per Telefon geführt.

37


DAS INTERVIEW

Plaudereien zwischen

Kanzel & Studierzimmer

»Ich treffe immer wieder junge

Christen, die Gottes Wort

lieben und einen Hunger auf

Auslegungspredigten haben.

Junge Christen, die an der

Souveränität Gottes festhalten

und die sich leidenschaftlich

dafür einsetzen, dass

das Evangelium gefördert

wird und vor allem, dass es

Anwendung in allen Lebensbereichen

findet.«


LÖRRACH

Gary

Cousins

Interview von Peter Voth

Gary ist ein Nordire, der der Gemeinde Gottes schon in der

Schweiz, Irland, Deutschland und anderen Teilen der Welt

gedient hat. Seit Anfang 2016 arbeitet er mit Acts 29 Europe daran,

Gemeinden in Europa zu gründen und zu bauen. Wir haben mit

Gary über seine Geschichte und Motivation gesprochen. Er ist

einer von vielen Arbeitern im Hintergrund, deren Wirken im

Reich Gottes oft unbekannt und doch so wichtig ist.

Viele unserer Leser werden dich wahrscheinlich

nicht kennen. Woher

kommst du? Kannst du uns etwas zu

deinem Hintergrund erzählen?

Ich komme aus der Nähe von Belfast in Nordirland

und bin seit 16 Jahren mit Claudia verheiratet. Wir

haben zwei Jungs, Joel (14) und David (12). Wir wohnen

seit fast 9 Jahren im schönen Dreiländereck, in

Binzen (Landkreis Lörrach).

Wie bist du mit dem christlichen Glauben in

Berührung gekommen? Bist du christlich aufgewachsen?

Meine Eltern waren nicht gläubig, aber meine Mutter

hat uns zu den kirchlichen Feiertagen in die Kirche

mitgenommen, z.B. an Ostern, Erntedankfest oder

Weihnachten. Sie wollte uns die Gelegenheit geben,

uns einen eigenen Eindruck vom Christentum zu

verschaffen. Als ich sieben Jahre alt war, besuchte

ich eine Ferien-Kinderwoche der KEB in Irland

(Anm. d. Red.: Kinder-Evangelisations-Bewegung).

Dort wurde das Evangelium mit Hilfe des Wortlosen

Buches verkündigt (Anm. d. Red.: Das Wortlose Buch

ist ein Mittel, Kindern das Evangelium nahezubringen.

In dem Buch sind keine Worte, sondern nur

farbige Seiten. Jede Farbe hat eine Bedeutung z.B.

Gold=Gott). Am letzten Abend habe ich begriffen,

was ich tun muss, um gerettet zu werden und habe

die Einladung, mit Jesus zu gehen, angenommen.

Als ich vierzehn Jahre alt war, ist mein Vater durch

eine Evangelisation in einer Baptistengemeinde zum

Glauben gekommen. Ab dem Zeitpunkt besuchten

wir regelmäßig Gottesdienste.

Schön zu hören. Wie kann man sich das Christentum

in Nordirland vorstellen? Gibt es dort viele

evangelikale Christen?

Es gibt sehr viele Gemeinden, die das Evangelium

verkündigen und viel Wert auf Auslegungspredigten

legen. Allerdings machen viele historische

Gemeinden, die in den 50er, 60er, 70er Jahren voll

waren, dicht, oder haben heute nur noch sehr wenige

Besucher. Das ist vor allem in den Großstädten der

Fall. Aber die gute alte Tradition des Sonntagmor-

39


gen-Gottesdienstes ist nach wie vor weit verbreitet.

Vor allem in der Landeskirche (Church of Ireland),

bei den Presbyterianern, den Methodisten und den

Baptisten, welche auch die größten vier Denominationen

darstellen. Da ich die letzten Jahre im Ausland

gelebt habe, bin ich allerdings nicht mehr so am Puls

der Gemeinden wie früher.

Wann und wie bist du zu dem Entschluss gekommen,

Theologie zu studieren und in den vollzeitlichen

Dienst zu gehen?

Als junger Teenager wurde ich durch Missionsberichte

so sehr angesprochen, dass es für mich klar

war, irgendwann Missionar zu werden. Ich betete

regelmäßig für Mission und habe dazu einen Gebetskalender

genutzt. Einmal las ich ein Anliegen

der KEB, in dem es hieß »Betet für einen Mitarbeiter

in unserer Missionsdruckerei in der Schweiz, der

Platten und Montagearbeiten machen kann«. Zu der

Zeit habe ich in Irland in einer Druckerei gearbeitet.

Daher habe ich mich verpflichtet gefühlt, dafür

zu beten. Nicht, weil ich hingehen wollte, sondern

einfach weil ich vom Fach war und mit der Materie

vertraut war. Aber im täglichen Gebet wurde mir

bewusst, dass diese offene Arbeitsstelle wie auf mich

zugeschnitten war. Ich war jedoch erst achtzehn

Jahre alt. Trotzdem habe ich ein Gespräch mit dem

damaligen Europaleiter der KEB vereinbart und

ihm meine Geschichte und Gedanken geschildert.

Daraufhin war auch er überzeugt, dass Gott mich für

diese Arbeit berufen hatte. Es war nicht einfach, eine

Arbeitsbewilligung zu bekommen, aber Gott hat die

Tür trotzdem aufgemacht und mit neunzehn Jahren

konnte ich als KEB-Missionar ausreisen und 4 Jahre

in der Druckerei arbeiten.

Ich konnte zu der Zeit kein Wort Deutsch und

obwohl es in der Nähe eine internationale Gemeinde

gab, habe ich mich entschieden, mich völlig in die

Kultur zu integrieren und mich einem kleinen Gemeindegründungsprojekt

im Tal, in dem ich wohnte

(Kanton Solothurn), anzuschließen.

Für mich als Nordire war es erstmal ein Schock

zu realisieren, dass wir 15-20 Menschen der Gemeinde

waren, wahrscheinlich die einzigen in diesem Tal.

Es gab im Umkreis von 20 Minuten Fahrtweg auch

keine andere Gemeinde. Nach 2 Jahren konnte ich

dann endlich auf Schweizerdeutsch Jugendstunden

halten. Der Gemeindegründer hat mich immer

mehr eingebunden und ermutigt. Eines Tages sagte

er: »Gary, ich glaube Gott hat etwas anderes mit

dir vor. Es wäre gut, sich darauf vorzubereiten und

eine Bibelschule zu besuchen«. Durch die Arbeit an

der KEB-Europazentrale habe ich viele ehemaligen

Bibelschüler kennengelernt. Dabei habe ich festgestellt,

dass die Absolventen der Bibelschule Brake

besonders vorbildlich waren. Ich habe mir auch Rat

von älteren Geschwistern eingeholt.

Also bist du in Brake zur Bibelschule gegangen?

Ja. Nach dem Bewerbungsgespräch war ich überrascht,

dass sie mich überhaupt angenommen haben.

Ich wusste nicht, ob mein Hochdeutsch (mit starken

Schweizerakzent) gut genug für ein dreijähriges vollzeitliches

Theologiestudium war.

Gott war treu und hat mir in dieser Zeit sowohl

sprachliche als auch inhaltliche Befähigung zum

Studium gegeben. Im dritten Jahr durfte ich sogar

als Schulsprecher dienen. Im ersten Semester wurde

ich zum Klassensprecher gewählt und Claudia, die

später meine Frau werden sollte, wurde zur Klassensprecherin

gewählt!

Ein sehr interessanter Weg. War für dich seit dieser

Zeit klar, dass du im deutschsprachigen Bereich

dienen wolltest?

Nein, ich wollte Gemeindegründer in der Republik

Irland werden. Fünf Wochen nach unserem

Abschluss haben wir in Neumünster – Claudias

Heimat – geheiratet. Wir hatten vor, für ein Jahr

nach Amsterdam zu gehen, wo ich meinen Master

machen wollte.

Da wir jedoch keine Wohnung gefunden haben,

schauten wir, ob sich in Irland eine Studienmöglichkeit

ergeben würde. Gott hat uns auf viele

wunderbare Wege klar gemacht, dass wir zurück in

meine Heimat gehen sollten. Schließlich habe ich ein

Jahr am Irish Baptist College mit dem Schwerpunkt

»Pastoral Studies« studiert. In der Zeit versuchte ich

auch etwas Erfahrung im Predigtdienst zu sammeln,

aber da ich vorher einige Jahre im Ausland gelebt

hatte und ich unbekannt war, wollten mich viele

nicht auf die Kanzel lassen. Dann habe ich Kontakt

mit einer kleinen Baptistengemeinde in einem sozial

schwachen Gebiet mit hoher Kriminalität aufgenommen.

Sie hatten gerade eine schwere Zeit durchgemacht

und ihr Pastor hatte gekündigt. Sie waren

dankbar, dass ich bereit war für die regelmäßige Predigt

einzuspringen und die Bibelarbeit zu machen.

Nach einer gewissen Zeit wurde ich dann offiziell der

Pastor dieser kleinen Gemeinde. So durfte ich dieser

Gemeinde drei Jahre lang im Wideraufbau helfen.

Danach wechselte ich zu einer der größten Baptistengemeinden

in Irland als Assistenzpastor. Aber in

dieser Zeit wurden wir unruhig, obwohl wir glücklich

waren, und die Arbeit gewachsen ist. Wir wollten

wieder ins Ausland gehen. Wir fragten uns, wie wir

unsere Deutschkenntnisse anwenden konnten. Da

wir inzwischen zwei Jungs bekommen hatten, war

uns bewusst, dass wir uns schon bald für einen

festen Wohnort entscheiden mussten. Ich hatte ein

Verlangen, Mitarbeiter und Leiter für den Dienst

zu schulen. Dann wurden wir durch eine konkrete

Anfrage der KEB Europazentrale überrascht, in die

Schweiz umzuziehen, um von dort aus den Arbeitsbereich

»Teens!aktiv« zu leiten. Da die Zentrale 30

Minuten von der deutschen Grenze entfernt ist, haben

wir uns entschieden in Deutschland zu wohnen.

In den 9 Jahren bei der KEB hatte ich unglaubliche

Dienstmöglichkeiten, Hunderte von Leitern und

Mitarbeitern in 15 Ländern zu schulen – vorwiegend

in Europa, aber auch in Zentralasien, Korea und einige

Male in den USA sowie in regelmäßigen Kursen

40


in der Europazentrale in der Schweiz. In den letzten

zwei Jahren hatte ich das Vorrecht, KEB International

zu helfen, eine Landesleiterschulung zu entwickeln

und durchzuführen.

Machen wir einen kleinen Zeitsprung. Seit Anfang

2016 arbeitest du bei Acts 29 Europe, einem weltweiten

Gemeindegründungs-Netzwerk. Was sind

deine konkreten Aufgaben dort?

Anfang Januar bin ich in das Leitungsteam von Acts

29 Europe gekommen und habe dort die neue Stelle

als Assessment und Training Koordinator übernommen.

Wir wollen Gemeinden und Gemeindegrüdern

in Europa helfen, dass neue Gemeinden entstehen.

Wir tun dies vor allem durch folgende vier Bereiche,

zusammengefasst mit dem Akronym A.C.T.S.

= Assessment, Coaching, Training und Support. Ich

betreue die Bewerber, während sie durch mehrere

Onlinefragebögen in verschiedenen Bereichen beurteilt

werden, welche für einen erfolgreichen Gemeindegründer

von großer Bedeutung sind. Zusätzlich

habe ich die Aufgabe, unsere Trainingsangebote in

Europa zu koordinieren.

Vielen Dank für deine ausführlichen Einblicke in

Dienst und Leben. Wie siehst du den Zustand des

Christentums in Europa?

Man kann diese Frage entweder sehr pessimistisch

oder sehr optimistisch beantworten. Einerseits gibt

es viele Bewegungen, die ein falsches Evangelium

verbreiten und die Autorität und Klarheit des

Wortes Gottes in Frage stellen. Viele Europäer sind

nicht mehr christlich geprägt und haben gar keine

Vorstellung, was Christen glauben. In den Augen

der Durchschnittseuropäer hat der christliche

Glauben keine Relevanz für ihr Leben. Andererseits

bin ich ermutigt, wie schnell die »Young, Restless

and Reformed« Bewegung wächst. Ich treffe immer

wieder junge Christen, die Gottes Wort lieben und

einen Hunger auf Auslegungspredigten haben. Junge

Christen, die an der Souveränität Gottes festhalten

und die sich leidenschaftlich dafür einsetzen, dass

das Evangelium gefördert wird und vor allem, dass

es Anwendung in allen Lebensbereichen findet. Ich

bin sehr ermutigt durch die Arbeit von Acts 29 und

anderen, dass Jesus in Europa seine Gemeinde baut.

Diese Arbeit macht keine großen Schlagzeilen, aber

Menschen hören das Evangelium, werden wiedergeboren

und durch die Kraft Gottes völlig verändert.

Soli deo gloria.

Vielen Dank. Zum Abschluss stellen wir unseren

Interview-Partnern immer zehn Fragen. Erstens:

Welcher biblischen Person würdest du gerne welche

Frage stellen?

Ich würde Paulus einfach stundenlang zuhören

wollen, wenn er spannende Geschichten von seinen

Missionsreisen erzählt und wie die neutestamentliche

Gemeinde entstand.

Die schwierigste Bibelstelle?

Sprüche 16,32. Herausfordernd und ernüchternd.

Was ist deine bevorzugte Bibelübersetzung?

Auf Englisch die ESV (English Standard Version) und

auf Deutsch die Schlachter Übersetzung.

Mit welcher Person der Bibel kannst du dich am

ehesten identifizieren?

Nehemia — Er hört auf Gott, sieht was gemacht werden

muss, macht einen Plan, gibt die Vision weiter

und findet Menschen, die mitarbeiten.

Welche Person der Kirchengeschichte würdest du

gerne einmal treffen?

Spurgeon.

Was war das letzte Buch, das du gelesen hast?

»Hipster Christianity: When Church and Cool Collide«

von Brett McCracken.

Welches Buch wolltest du schon immer einmal

lesen?

Grudems Systematische Theologie von vorne bis

hinten.

Was bedeutet für dich der Begriff »Reformation«?

Zurück zur Bibel.

Bestes Zitat?

Die Aussage von Kevin DeYoung in seinem Buch

»Crazy Busy«: »Gott erwartet von uns, zu vielen

guten Dingen ›nein‹ zu sagen, damit wir zu den besten

Dingen, die er mit uns vorhat, ›ja‹ sagen.«

Was bedeutet Jesus für dich?

Ohne Ihn bin ich nichts. Ihm allein gehört alle Ehre!

Das Interview wurde am 14. März 2016 über Skype

geführt.

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Auf zum

Leben!

GEOFFREY

HOLDER

EINE KOMPAKTE

BIBELKUNDE

FÜR ENTDECK-

UNGSWILLIGE

Eine super

Einführung für

junge Leute,

Frischbekehrte und

fortgeschrittene

Christen: Entlang

von Epheser

2,1-10 erklärt der

Schweizer Arzt Geoffrey Holder die Basics des

Evangeliums und des neuen Lebens in Jesus. So

wird Grundlegendes verständlich, die wichtigsten

Zusammenhänge und die Hauptbotschaft der

Bibel glasklar und Appetit auf mehr gemacht. Mit

vertiefenden Fragen zu jedem Kapitel (als Kurs

geeignet). »Das Buch atmet den Geist Calvins«

(Bernhard Kaiser).

177304 – PAPERBACK, 184 SEITEN – € 10,90

Helden des

Glaubens

MICHAEL KOTSCH

33 KURZBIO-

GRAFIEN AUS

DER KIRCHENGE-

SCHICHTE

Reisen Sie quer durch

die Kirchengeschichte

beginnend von den

ersten Christen bis

ins 20. Jahrhundert.

Durch viele hingebungsvolle

Menschen

ist das Christentum bis heute geprägt und vorangetrieben

worden. Unter ihnen sind Theologen, Missionare,

Bibelübersetzer, Entdecker, Wissenschaftler,

Musiker und auch ganz normale Menschen. 33

Kurzbiografien laden dazu ein, originelle Menschen

kennenzulernen und sich durch das Handeln Gottes

in ihrem Leben ermutigen zu lassen. Sie helfen uns,

die eigene Gegenwart besser zu verstehen und sich

selbst mutig im Glauben einzubringen.

271078 – HARDCOVER, 400 SEITEN – € 12,90

Mehr als ein

Sonntagsflirt

JOSHUA HARRIS

GIB DER GEMEINDE

DEIN JA-WORT!

Warum fest an eine

Gemeinde binden, wenn

man doch unverbindlich

mal hier und dort

schauen kann? So

unverbindlich wie in

Sachen Partnerschaft

denken viele auch

über Gemeinde. Wenn es um den Gemeindebesuch

geht, sind wir heute eine Generation von möglichst

unabhängigen und gleichzeitig äußerst kritischen

Konsumenten. Doch betrügen wir mit dieser

Unverbindlichkeit und wenig konstruktiven Haltung

gegenüber der Gemeinde nicht eigentlich Gott und

uns selbst um eine wunderbare Beziehung? Die

Gemeinschaft der Familie Gottes beinhaltet so viel

mehr, als wir es uns vorstellen können. Wir müssen

uns nur voll und ganz darauf einlassen ... Humorvoll

und erfrischend motiviert Joshua Harris dazu, eine

tiefe Leidenschaft für die Gemeinde zu entwickeln.

271184 – HARDCOVER KLEIN, 128 S. —€ 8,90

Der Rächer

von Schloss

Fenwick

JAMES H. HUNTER

ERZÄHLUNG AUS

DEM SCHOTTLAND

DES 17.

JAHRHUNDERTS

Diese packende

Erzählung führt uns

mitten hinein in die Zeit

der Glaubenskämpfe

in Schottland. Die

Protestanten haben sich zusammengeschlossen,

als der König, der damals Schottland beherrscht,

mit Gewalt versucht, das Papsttum durchzusetzen.

Jahrzehntelang werden diejenigen, die ihren

Glauben an Jesus Christus nicht verleugnen wollen,

verfolgt, verbrannt und hingerichtet. Die Herzöge

von Fenwick haben sich offen auf die Seite der

Protestanten gestellt. Einer wird in Edinburgh

hingerichtet. Sein Sohn muss von Schloss Fenwick

flüchten und teilt das Los der in den Wäldern

verstreuten Bergbewohner. Besonders für Leser ab 12

Jahren geeignet.

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Aufgepasst und mitgedacht

JAY ADAMS

WIE MAN VON PREDIGTEN AM BESTEN PROFITIERT

Die Predigt ist ein grundlegendes Mittel Gottes, um unser Leben

zum Guten zu verändern und geistliches Wachstum hervorzubringen.

Und zu einer guten Predigt gehören nicht nur der Prediger,

Gottes Wort und der Heilige Geist. Auch der Zuhörer hat eine

Verantwortung. Die Bibel sagt mehr über die Verantwortung des

Hörers als über die Pflichten des Predigers. Wir sollen richtig auf

die Botschaft hören, sie verstehen und anwenden. Dazu hat Jay

Adams dieses einzigartige Buch geschrieben.

Wer Adams Ratschläge und Anweisungen beherzigt, wird künftig

besser von Predigten profitieren und somit selber »ausgerüstet

zum Werk des Dienstes, für die Erbauung der Gemeinde« (Epheser

4,12).

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Bibelnotizen mit System

DAS MITSCHREIBBUCH FÜR PREDIGTEN UND

BIBELSTUDIUM

Dieses Notizbuch bietet eine praktische Hilfe, um bei Predigten

und auch beim eigenen Bibelstudium das Gelernte zu

ordnen und festzuhalten.

Dazu führt es uns mit seinem Leitfaden und seinem Schema

durch die drei wesentlichen Schritte, wie wir aus Gottes Wort

lernen:

• Entdecken: hören, lesen, beobachten (Matthäus 7,24)

• Verstehen: auslegen, erklären, Jesus erkennen (Matthäus

13,23)

• Anwenden: das Denken und Leben zur Ehre Gottes ändern

(Lukas 8,21)

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Der Tempel aller Zeiten

GREGORY BEALE

DIE WOHNUNG GOTTES UND DER AUFTRAG DER GEMEINDE - EINE

BIBLISCH-HEILSGESCHICHTLICHE STUDIE

175995 – PAPERBACK, 492 S. – € 13,90

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