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Geschichte der deutschsprachigen Mykologie nach 1945

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Medizinische <strong>Mykologie</strong> in Klinik und Praxis<br />

HISTORIE<br />

<strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong><br />

<strong>Mykologie</strong> <strong>nach</strong> <strong>1945</strong><br />

Claus Seebacher, Johannes Müller und Wolf Meinhof


HISTORIE<br />

Impressum<br />

Titelseite:<br />

Johann Lukas Schönlein (1793 – 1864)– Wegbereiter <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />

Hans Rieth (1914 – 1994) – Gründungsmitglied und Schriftführer <strong>der</strong> DMykG e.V. von 1961 bis 1994<br />

Hannelore Bernhardt – bisher die einzige Dame unter den Vorsitzenden <strong>der</strong> DMykG e.V.<br />

Sie war stellvertretende Vorsitzende von 1993 bis 1996 und Vorsitzende von 1996 bis 1999<br />

MYKOLOGIE FORUM – Medizinische <strong>Mykologie</strong> in Klinik und Praxis<br />

Mitteilungen <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft e.V.<br />

www.dmykg.de<br />

2018 – Son<strong>der</strong>ausgabe HISTORIE<br />

„Die <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong> <strong>Mykologie</strong> <strong>nach</strong> <strong>1945</strong>“<br />

Herausgeber:<br />

Vorstand <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft e.V.<br />

ISSN-Nr.: 1439-5673<br />

Autoren:<br />

Claus Seebacher, Johannes Müller, Wolf Meinhof<br />

Korrespondenzadresse:<br />

Prof. Dr. med. Claus Seebacher<br />

Merseburger Str. 5<br />

D-01309 Dresden<br />

e-mail: claus.seebacher@gmx.de<br />

Redaktion:<br />

Gabriele Henning-Wrobel<br />

Tel. 02943 486880<br />

e-mail: presse@dmykg.de<br />

Herstellung und Druck:<br />

Druckerei Preuß GmbH, Ratingen<br />

Fotos:<br />

(75) Gabriele Henning-Wrobel<br />

(42) Privat<br />

(3) Universitätshautklinik Jena<br />

(1) Cornelia Lass-Flörl<br />

(1) Cornelia Speth<br />

(1) Michaela Lackner<br />

(1) Wolf Meinhof<br />

(1) Bernd Wannenmacher<br />

Copyright:<br />

Vervielfältigung und Verwendung <strong>der</strong> Inhalte (einschl. Fotos)<br />

nur mit Genehmigung <strong>der</strong> Herausgeber.<br />

2


Vorwort<br />

HISTORIE<br />

Die Nie<strong>der</strong>schrift <strong>der</strong> <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> zieht sich über<br />

mehr als 10 Jahre hin und soll jetzt zum Abschluss gebracht werden. Die erste<br />

Publikation zum Thema „Persönlichkeiten in <strong>der</strong> Frühzeit <strong>der</strong> deutschen<br />

<strong>Mykologie</strong>“ von Claus Seebacher erschien in <strong>der</strong> Ausgabe 1/2006 S. 18 – 21<br />

vom MYKOLOGIE FORUM. In <strong>der</strong> Ausgabe 1/2009 S. 44 – 48 veröffentlichten<br />

Johannes Müller und Claus Seebacher in <strong>der</strong> gleichen Zeitschrift den Artikel<br />

„Ärzte, Forscher, Lehrer – <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> im<br />

<strong>deutschsprachigen</strong> Raum“. Dieser Artikel ist insofern wichtig, als dass hier<br />

alle Dokumente, wie Laudationes, Nachrufe, zusammenfassende Darstellungen<br />

zur <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong>, die je in „mykosen/mycoses“ publiziert wurden,<br />

in zeitlicher Reihenfolge aufgelistet sind. Schließlich erschien an gleicher Stelle<br />

in <strong>der</strong> Ausgabe 4/10 und 1/11 S. 6 – 11 <strong>der</strong> Artikel „50 Jahre Deutschsprachige<br />

Mykologische Gesellschaft“ von Claus Seebacher und Johannes Müller.<br />

Diese Übersichten bilden mit den <strong>nach</strong>folgenden Ausführungen eine in sich<br />

geschlossene Einheit – Die <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> in den<br />

<strong>deutschsprachigen</strong> Län<strong>der</strong>n.<br />

Der letzte Abschnitt „Die letzten 50 Jahre 1960 – 2010“ befasst sich vor<strong>der</strong>gründig<br />

mit den invasiven Mykosen und ist in verkürzter Form von Johannes Müller<br />

am 5. September 2013 als keynote lecture zur 47. Wissenschaftlichen Tagung<br />

<strong>der</strong> DMykG in Tübingen vorgetragen worden. Schon damals war geplant, das<br />

erweiterte Manuskript als Gemeinschaftsarbeit und Abschluss dieser Reihe zu<br />

publizieren. Lei<strong>der</strong> hat sich die Fertigstellung erheblich verzögert. Im Oktober<br />

2016 erhielt ich die Einladung, für ein Supplementheft <strong>der</strong> Wiener Medizinischen<br />

Wochenschrift einen Artikel gleichen Inhalts zu schreiben. Diese Arbeit ist Ende<br />

Februar 2017 unter dem Titel „Outstanding personalities in German-speaking<br />

mycology“ von Claus Seebacher, Torello Lotti, Maria Grazia, Massimo<br />

Fioranelli & Uwe Wollina in elektronischer Form in <strong>der</strong> Wiener Medizinischen<br />

Wochenschrift DOI 10.1007/s10354-017-0546-6 und nun auch gedruckt erschienen<br />

(Wien Med Wochenschr. 2017; 167 [Suppl 1]: 8 – 19) und kann über den<br />

Link www.springer.com abgerufen werden. Die Einstellung des Textes auf die<br />

Homepage <strong>der</strong> DMykG ist aus urheberrechtlichen Gründen lei<strong>der</strong> nicht möglich.<br />

Aus diesem Grund habe ich dem Vorstand <strong>der</strong> DMykG versprochen, eine ausführlichere<br />

Version <strong>der</strong> noch fehlenden Teile <strong>der</strong> <strong>Geschichte</strong> zu schreiben. Wenn<br />

auch die Arbeit in <strong>der</strong> WMW 12 Druckseiten umfasst, waren darin 177 Jahre<br />

<strong>Geschichte</strong> nicht ausführlich darstellbar, weite Strecken konnten nur die Namen<br />

<strong>der</strong> Akteure genannt werden. Allerdings können 120 Literaturzitate für spätere<br />

Historiker hilfreich sein.<br />

3


HISTORIE HISTORY<br />

Claus Seebacher Johannes Müller Wolf Meinhof<br />

Vor <strong>der</strong> Bearbeitung des vorliegenden Textes habe ich mir die auf meinem Computer<br />

gespeicherte Datei des Vortrags in Tübingen von Herrn Prof. Dr. Johannes<br />

Müller, <strong>der</strong> von uns inzwischen bearbeitet aber noch nicht fertiggestellt war,<br />

nochmals genauer angesehen. Dieser Vortrag kann durch eine weitere Bearbeitung<br />

ohne Mitwirkung von J. Müller nicht verbessert werden. Deshalb baue ich<br />

ihn ungekürzt, mit nur sehr wenigen Ergänzungen in das Gesamtkonzept hier ein,<br />

<strong>nach</strong>dem mir Herr Müller die Genehmigung erteilt hatte, mit diesem Manuskript<br />

<strong>nach</strong> eigenem Gutdünken zu verfahren.<br />

Die Vorstände <strong>der</strong> DMykG von 1961 bis heute sind auf <strong>der</strong> Homepage bereits<br />

verfügbar, ebenso alle Tagungen, alle Ehrungen mit <strong>der</strong> Schönleinplakette, <strong>der</strong><br />

Ehrenmitgliedschaft und korrespondierende Mitglie<strong>der</strong>. Diese Tabellen sind Bestandteil<br />

dieser Übersicht.<br />

Ausdrücklich sei hier Herrn Prof. Dr. med. Wolf Meinhof, Dormitz, für die<br />

vielen nützlichen Hinweise und vor allem für die Bereitstellung zahlreicher Arbeiten<br />

zum Thema aus <strong>der</strong> Frühzeit <strong>der</strong> Gesellschaft sehr herzlich gedankt. Dabei<br />

sei auch auf seinen sehr lesenswerten Artikel „150 Jahre medizinische <strong>Mykologie</strong><br />

seit Johann Lucas Schönlein“ [1] hingewiesen. Der Schriftführer <strong>der</strong> DMykG,<br />

Oliver Kurzai, hat das Manuskript durchgesehen, korrigiert und einige Ergänzungen<br />

eingefügt. Dafür danken ihm die Autoren sehr herzlich. Einen beson<strong>der</strong>en<br />

Dank hat sich Frau Gabriele Henning-Wrobel verdient. Sie ist für das Layout<br />

des Heftes verantwortlich und für die Platzierung <strong>der</strong> Vielzahl von Bil<strong>der</strong>n, die sie<br />

zum großen Teil auch selbst aufgenommen hat.<br />

Claus Seebacher<br />

4


Die Entwicklung <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />

im Deutschsprachigen Raum <strong>nach</strong> <strong>1945</strong><br />

Claus Seebacher, Johannes Müller und Wolf Meinhof<br />

HISTORIE<br />

Gründung <strong>der</strong> International Society for Human<br />

and Animal Mycology (ISHAM)<br />

Nach dem II. Weltkrieg normalisierte sich langsam <strong>der</strong> internationale Wissenschaftsaustausch<br />

auch mit <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>belebung o<strong>der</strong> Neugründung medizinisch<br />

wissenschaftlicher Gesellschaften. Hierzu zählt auch die Gründung <strong>der</strong> International<br />

Society for Human and Animal Mycology (ISHAM) [2] . Eine erste vorbereitende<br />

Zusammenkunft von etwa zwölf, vorwiegend europäischen Mykologen,<br />

fand während des 6th International Congress of Microbiology im September<br />

1953 in Rom statt. Als einziger deutscher Vertreter nahm Heinz Seeliger (1920<br />

– 1997), damals Bonn, an dieser Zusammenkunft in einem Restaurant teil. Alle<br />

Teilnehmer hatten sich per Unterschrift auf einer Speisekarte für die Nachwelt<br />

verewigt [2] . Die offizielle Gründung <strong>der</strong> ISHAM erfolgte am 4. Juli 1954 in Paris,<br />

im Pasteurinstitut während des 8th International Congress of Botany. Einen<br />

Bericht über den Kongress hat Dietrich Janke in <strong>der</strong> Zeitschrift Der Hautarzt<br />

veröffentlicht [3] . Da<strong>nach</strong> enthielt das Kongressprogramm eine Sektion „Medizinische<br />

<strong>Mykologie</strong>“ mit 27 Vorträgen, darunter zwei von deutschen Autoren:<br />

Janke, D. (Marburg) berichtete über eine serologische Methode zum Pathogenitäts<strong>nach</strong>weis<br />

von Candida albicans und Mallinckrodt-Haupt, A. (Köln) über<br />

fungistatische Wirkung von Hautextrakten bei Tier und Mensch gegen Dermatophyten<br />

bei Verwendung <strong>der</strong> Stanzlochmethode [3] . Zum ersten Präsidenten<br />

<strong>der</strong> ISHAM wurde P. Redaelli (Italien), gewählt. Generalsekretär wurde R. Vanbreuseghem<br />

(Belgien) und G. Ainswoth (U. K.), G. Segretain (Frankreich), C.<br />

W. Emmons (USA) sowie P. Negroni (Argentinien) wurden Vizepräsidenten.<br />

Publikationsorgan wurde zunächst die 1938 von Piero Redaelli (Mailand) und<br />

R. Vanbreuseghem<br />

Asta von Mallinckrodt-Haupt Heinz Seeliger Gabriel Segretain<br />

Gründung 1961<br />

5


HISTORIE<br />

Raffaele Ciferri (Pavia) gegründete Zeitschrift Mycopathologia and Mycologia<br />

Applikata [2] . Ihr eigenes Publikationsorgan schuf sich die ISHAM 1963 mit<br />

<strong>der</strong> Zeitschrift „Sabouraudia“, die später in „Journal of Medical and Veterinary<br />

Mycology“ und schließlich in „Medical Mycology“ umbenannt wurde.<br />

Folgende deutschsprachige Mykologen hatten im ISHAM-Council Funktionen<br />

inne. Als Schatzmeister: Wolfgang Löffler, Johannes Müller, Annemarie Polak,<br />

Reinhard Kappe, Gertrud Schär, Katrin Tintelnot, Gerhard Haase. Als Vizepräsident<br />

waren gewählt: Heinz Seeliger, Johannes Müller, Reinhard Rüchel,<br />

Gertrud Schär, Katrin Tintelnot und Bernhard Hube. Generalsekretär war von<br />

1975 – 1981 Wolfgang Löffler und Präsident <strong>der</strong> ISHAM war von 1994 – 1997<br />

Johannes Müller. Die Innsbruckerin Michaela Lackner leitete ab 2012 bis 2015<br />

den Arbeitsbereich Young ISHAM. Oliver Kurzai ist Chief Editor von Medical<br />

Mycology Case Reports. Ehrenmitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong> ISHAM aus <strong>deutschsprachigen</strong><br />

Län<strong>der</strong>n sind bzw. waren: Heinz P. R. Seeliger, Friedrich Staib und Johannes<br />

Müller. Friedrich Staib erhielt 1994 den ISHAM-Award.<br />

Gerhard Haase<br />

Im Juni 2012 tagte <strong>der</strong> 18th Congress of International Society for Human and Animal<br />

Mycology unter <strong>der</strong> Leitung von Markus Ruhnke, Bernhard Hube, Yvonne<br />

Gräser und Kathrin Tintelnot mit großem Erfolg in<br />

Berlin.<br />

ISHAM Tagungsort 2012 im Berliner Congress Center<br />

Markus Ruhnke<br />

Yvonne Gräser Katrin Tintelnot Bernhard Hube<br />

6


HISTORIE<br />

Gründungsurkunde <strong>der</strong> International Society for<br />

Human and Animal Mycology (ISHAM)<br />

Aus: Ainsworth GC. Introduction of the History of<br />

Medical and Veterinary Mycology.<br />

Cambridge, London, New York, New Rochelle,<br />

Melbourne, Sydney<br />

University Press 1986<br />

7


HISTORIE<br />

Die <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> ehemaligen DDR<br />

Zu den ersten, <strong>nach</strong> dem Krieg publizierten Arbeiten mykologischen Inhalts aus<br />

einer DDR-Klinik, zählt die 1952 erschienene Arbeit von Heinz-Dieter Jung<br />

(1916 – 2000) aus <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik in Greifswald „Zur Kenntnis <strong>der</strong> Scopulariopsis<br />

species. Klinische, experimentelle und mykologische Betrachtungen“ [4] .<br />

Die <strong>Mykologie</strong> wurde von 1955 – 1985 dort von dem Biologen Fritz Haufe (1926<br />

– 1985) und <strong>der</strong> Hautärztin Ursula Haufe vertreten, anschließend (1986 – 1994)<br />

von Gudrun Schrö<strong>der</strong>.<br />

An <strong>der</strong> Medizinischen Klinik <strong>der</strong> Univ. Greifswald baute Hannelore Bernhardt<br />

ab 1957/58 eine mikrobiologische Forschungsabteilung zur Erforschung <strong>der</strong><br />

gastro-intestinalen Mikroflora auf, die ihr einzigartiges Profil durch die Integration<br />

in die Klinik und die dadurch erleichterte interdisziplinäre Zusammenarbeit<br />

mit dem Internisten Manfred Knoke und dem Pathologen Günther Schwesinger<br />

erwerben konnte. Neben <strong>der</strong> Anzucht von Anaerobiern waren auch Pilze<br />

Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Hannelore Bernhardt wurde 1993 zur<br />

2. Vorsitzenden <strong>der</strong> DMykG gewählt und rückte satzungsgemäß 1996 zur 1. Vorsitzenden<br />

auf. Sie war die erste Deutsche, die die DMykG in <strong>der</strong> 1993 in Paris neu<br />

gegründeten European Confe<strong>der</strong>ation of Medical Mycology vertreten hat. Die<br />

erste MYK-Tagung in den neuen Bundeslän<strong>der</strong>n organisierte sie gemeinsam mit<br />

M. Knoke 1993 in Greifswald und sie war die erste Frau, die <strong>der</strong> DMykG e.V.<br />

vorstand.<br />

An <strong>der</strong> Charité-Hautklinik in Berlin war es zunächst die Oberärztin Hildegard<br />

Langer, die sich um die <strong>Mykologie</strong> kümmerte. 1957 veröffentlichte sie eine<br />

beachtliche epidemiologische Übersicht über die Dermatophytenflora bei Onychomykose<br />

[5] . Ihr folgten 1959 als Leiter des mykologischen Labors zunächst<br />

Nach dem II. Weltkrieg<br />

musste die<br />

deutsche <strong>Mykologie</strong><br />

getrennte Wege<br />

gehen. In beiden<br />

Teilen Deutschlands<br />

war die mykologische<br />

Forschung<br />

hauptsächlich an<br />

<strong>der</strong>matologischen<br />

Kliniken angesiedelt.<br />

8<br />

Hannelore Bernhardt<br />

Günther Schwesinger<br />

Manfred Knoke


<strong>der</strong> Biologe Helmut Ziegler und anschließend die Biologin Hannelore Ziegler-Böhme.<br />

Ab 1966 war Irene Tausch neben ihrer ärztlichen Tätigkeit, wissenschaftlich<br />

auch mit <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> befasst, ebenso wie Hans-Jürgen Tietz<br />

von 1981 bis 2004. Er gründete im Mai 2004 in Berlin ein privates Institut für<br />

Pilzkrankheiten, engagiert sich um die jährlichen Ringversuche zur Qualitätssicherung<br />

in den mykologischen Laboratorien und publizierte zahlreiche beachtete<br />

Arbeiten sowie einige Bücher.<br />

HISTORIE<br />

1954 begann Erika Friedrich (1920 – 2013) am Hygiene-Institut <strong>der</strong> Univ. Halle/Saale<br />

ihre Tätigkeit auf einer neu geschaffenen Planstelle für mykologische<br />

Diagnostik. Ihre Dissertation „Über die Bestimmung von Sprosspilzen im medizinisch-mykologischen<br />

Laboratorium und das Vorkommen verschiedener Sprosspilze<br />

beim Menschen“ wurde 1962 als Monografie publiziert und war eine wichtige<br />

Arbeitsanleitung für viele Mykologen <strong>der</strong> DDR [6] . Erika Friedrich wechselte<br />

1963 in die Hautklinik <strong>der</strong> Univ. Halle und leitete dort bis 1980 das mykologische<br />

Labor. Ihr zur Seite wirkten von 1971 – 1983 <strong>der</strong> Dipl.-Chem. Günter Schwartze<br />

und von 1974 – 1981 <strong>der</strong> Hautarzt Gert Kühn.<br />

Renate Blaschke-Hellmessen begann 1955 ihre Tätigkeit am Hygiene-Institut<br />

<strong>der</strong> TH Dresden und an <strong>der</strong> 1954 gegründeten Medizinischen Akademie. Sie<br />

baute hier ein mykologisches Laboratorium auf, das praktisch das volle Spektrum<br />

mykologischer Untersuchungen anbot und in Lehre und Forschung einbezogen<br />

war. Sie pflegte eine intensive wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Ärzten<br />

<strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>klinik (R. Schwarze, H.-W. Kintzel, G.-K. Hinkel) und <strong>der</strong> Hautklinik<br />

(C. Seebacher, U. Hübner). Sie organisierte gemeinsam mit C. Seebacher die<br />

MYK-Tagung 1995 in Dresden.<br />

Helmut Ziegler<br />

Am Hygiene-Institut <strong>der</strong> Universität Jena vertrat <strong>der</strong> medizinische Mikrobiologe<br />

Georg Schabinski die <strong>Mykologie</strong>. Bereits 1960 veröffentlichte er sein Buch<br />

„Grundriss <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong>“ [7] , wohl das erste <strong>Mykologie</strong>-Buch,<br />

das in Deutschland <strong>nach</strong> dem Krieg verfügbar war. Eine ebenfalls sehr beachtete<br />

Monografie über viszerale Mykosen erschien 1965 von dem Jenaer Pathologen<br />

Günter Ba<strong>der</strong>.<br />

Hannelore Ziegler-Böhme<br />

Erika Friedrich und Renate Blaschke Hellmessen<br />

Hans-Jürgen Tietz<br />

9


HISTORIE<br />

Ende <strong>der</strong> 50er und Anfang <strong>der</strong> 60er Jahre etablierten sich weitere mykologische<br />

Labors. An <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik in Leipzig entwickelte sich das Labor, seit 1958<br />

unter <strong>der</strong> Leitung <strong>der</strong> Biologin Christina Schönborn (1928 – 2001), zu einer<br />

leistungsfähigen Untersuchungs- und Forschungseinrichtung. Ärztliche Partner<br />

waren Waltraud Braun (1918 – 1987), von 1969 – 1979 Direktorin <strong>der</strong> Univ.-<br />

Hautklinik in Halle und Hermann Pöhler, die sich beide mit mykologischen Themen<br />

habilitierten. Von 1989 – 1992 war Jürgen Herrmann Leiter des Labors,<br />

gefolgt von Pietro Nenoff. Nach Schließung des mykologischen Labors an <strong>der</strong><br />

Hautklinik ließ sich Nenoff in einer Gemeinschaftspraxis für Medizinische Mikrobiologie<br />

in Mölbis bei Leipzig nie<strong>der</strong> und entfaltete von dort aus eine rege,<br />

international beachtete wissenschaftliche Tätigkeit.<br />

In <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik Rostock baute Ursula Kaben ein leistungsfähiges mykologisches<br />

Labor auf. Neben <strong>der</strong>matomykologischen Themen widmete sie sich<br />

<strong>der</strong> Mykoserologie. Ihre Arbeitsgruppe stellte für die DDR das Candida-Antigen<br />

Candidin für diagnostische Zwecke her. U. Kaben organisierte und leitete<br />

1986 und 1990 die 10. und 11. (letzte) Tagung <strong>der</strong> Gesellschaft für Medizinische<br />

<strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> DDR. Eine enge Zusammenarbeit pflegte sie mit dem Dermatologen<br />

Hans-Jürgen Westphal (1943 – 2015).<br />

An <strong>der</strong> Hautklinik <strong>der</strong> Medizinischen Akademie Magdeburg waren es Harry und<br />

Waltraud Braun bis zu ihrem Wechsel <strong>nach</strong> Leipzig sowie Gertrud Krentel und<br />

später Wolfgang Böhm, die <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> Auftrieb gaben.<br />

An <strong>der</strong> Hautklinik in Erfurt wirkten Herbert Anton und Yvonne Koch. H. A.<br />

Koch veröffentlichte 1973 einen Leitfaden <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong>, <strong>der</strong> sowohl<br />

für Studenten als auch für Einsteiger in die medizinische <strong>Mykologie</strong> eine<br />

gute Grundlage bot. Herbert A. Koch beschrieb 1969 Trichophyton thuringiense<br />

als spec. nov. [8] .<br />

Die 1957 neu gegründete Hautklinik <strong>der</strong> Medizinischen Akademie Dresden etablierte<br />

bald auch ein mykologisches Labor. Kurzzeitig wurde es von Ingeborg<br />

10<br />

Christina Schönborn<br />

Ursula Kaben, Hans Rieth und Heinz Seeliger 1990 zur letzten DDR-Tagung in Rostock


HISTORIE<br />

Claus Seebacher<br />

Klinikum Dresden Friedrichstadt<br />

Heidenbluth, dann von Claus Seebacher von 1962 – 1976 und da<strong>nach</strong> von<br />

Ursula Hübner geleitet. Nachdem Seebacher die Chefarztstelle in <strong>der</strong> Hautklinik<br />

Dresden Friedrichstadt übernommen hatte, erfolgte auch dort <strong>der</strong> Aufbau<br />

eines mykologischen Labors. Geleitet wurde dieses von Irina Vennewald.<br />

Seebacher war bis 2007 für die <strong>der</strong>matomykologischen Leitlinien <strong>der</strong> Deutschen<br />

Gesellschaft für Dermatologie verantwortlich. Noch zu DDR-Zeiten schrieb er<br />

gemeinsam mit Renate Blaschke-Hellmessen das Buch „Mykosen“, das 1990<br />

im Gustav Fischer Verlag erschien.<br />

Am Bezirks-Hygiene-Institut Berlin-Buch etablierte Horst Gemeinhardt ab<br />

1963 ein mykologisches Labor innerhalb <strong>der</strong> medizinischen Mikrobiologie. Der<br />

Schwerpunkt waren die Endomykosen. 1976 veröffentlichte er ein weit beachtetes<br />

Buch „Endomykosen des Menschen“ [9] , in dem <strong>der</strong> Pathologe Peter Deicke<br />

wesentliche Autopsiebefunde und histologische Bil<strong>der</strong> beisteuerte.<br />

Auch in <strong>der</strong> Veterinärmedizin <strong>der</strong> DDR gab es mykologische Arbeitsbereiche.<br />

Seit 1961 hatte Peter Kielstein im Institut für bakterielle<br />

Tierseuchenforschung <strong>der</strong> Akademie <strong>der</strong> Landwirtschaftswissenschaften<br />

in Jena einen mehrjährigen Forschungsauftrag zur<br />

Bekämpfung animaler Dermatomykosen inne. Im Wissenschaftsbereich<br />

Veterinärhygiene <strong>der</strong> Sektion Tierproduktion und Veterinärmedizin<br />

<strong>der</strong> Humboldt-Universität zu Berlin war <strong>der</strong> Veterinärmykologe<br />

Joachim Schultz von 1960 – 1990 tätig.<br />

Mit <strong>der</strong> Spezialdisziplin Mykosen in <strong>der</strong> Gynäkologie befasste sich<br />

Heinz Spitzbart (1930 – 2008), Erfurt.<br />

Heinz Spitzbart<br />

11


HISTORIE<br />

Gründung <strong>der</strong> Gesellschaft für<br />

Medizinische <strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> DDR<br />

Am 21. Mai 1960 wurde im Haus <strong>der</strong> Akademie für Ärztliche Fortbildung in Berlin die<br />

Gesellschaft für Medizinische <strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> DDR gegründet. Zum Vorsitzenden<br />

wurde <strong>der</strong> Dermatologe Harry Braun (1908 – 1979 ), Magdeburg, später Leipzig, zu<br />

seinem Stellvertreter <strong>der</strong> Mikrobiologe Georg Wildführ, Leipzig, und zur Sekretärin<br />

<strong>der</strong> Gesellschaft Hildegard Langer, Berlin, gewählt. In dieser Position folgte<br />

ihr Christina Schönborn, Leipzig. Weitere Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong> ersten Vorstände<br />

waren Helmut Ziegler, Berlin, und Heinz Egon Kleine-Natrop (1917 – 1985),<br />

Dresden, von 1966 – 1970. Am 09.05.1970 übernahm Waltraud Braun, Halle,<br />

den Vorsitz <strong>der</strong> Gesellschaft, Stellvertreter wurde G. Schabinski, Berlin, Sekretärin<br />

Christina Schönborn, Schatzmeister H. Pöhler, Leipzig. Weitere Vorstandsmitglie<strong>der</strong><br />

waren P. Kielstein, Jena, H. Böhme, Berlin, und C. Seebacher, Dresden.<br />

Diese Gesellschaft war eine affiliated society <strong>der</strong> ISHAM. Die <strong>Geschichte</strong><br />

<strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> ehemaligen DDR ist in mycoses ausführlich<br />

publiziert [10] .<br />

Waltraud und Harry Braun,<br />

Mykologentagung 1970<br />

12<br />

Hannelore Ziegler-Böhme, C. Seebacher, Helga und Peter Kielsten, Heinz Spitzbart


Die <strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> Bundesrepublik Deutschland<br />

HISTORIE<br />

Auch im Westen Deutschlands wuchs <strong>nach</strong> dem Krieg<br />

das Interesse an den Pilzkrankheiten. Hans Götz<br />

(1915 – 1997) veröffentlichte 1952 eine Arbeit „Klinische<br />

und experimentelle Untersuchungen über die<br />

Hautpilzkrankheiten im Gebiet von Hamburg 1948 –<br />

1950“ [11] . Der Zufall wollte es, dass diese Arbeit im<br />

selben Heft des gleichen Journals erschien, wie die<br />

oben genannte Arbeit von H. D. Jung [4] . 1950 folgte<br />

er seinem Chef, Alfred Marchionini, <strong>nach</strong> München,<br />

um 1960 das Direktorat <strong>der</strong> Städtischen Hautklinik<br />

in Essen zu übernehmen, die 1963 zur Universitäts-<br />

Hautklinik erhoben wurde. Eine bis heute unübertroffene<br />

Monografie über Dermatophytosen legte Götz<br />

Helge Hauck, Hans Götz<br />

mit Vol IV/3 des Ergänzungswerks des Handbuchs von Jadassohn vor [1, 12] . Hans<br />

Götz war Grün<strong>der</strong> und Erster Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen<br />

Gesellschaft von 1961 – 1969. Ihn ehrten die Mitglie<strong>der</strong> später mit <strong>der</strong> Ernennung<br />

zum Ehrenvorsitzenden. Götz war auch Gründungsmitglied <strong>der</strong> ISHAM.<br />

Nach dem Weggang von Hans Götz war die <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik<br />

Hamburg-Eppendorf zunächst verwaist. 1953 begann Hans Rieth (1914 – 1994)<br />

in <strong>der</strong> neu errichteten Hautklinik ein mo<strong>der</strong>nes mykologisches Forschungslabor<br />

einzurichten. Seine Verdienste um die <strong>Mykologie</strong> wurden eingehend von<br />

W. Meinhof und C. Schirren gewürdigt [13] . Neben einer Vielzahl mykologischer<br />

Publikationen hat Hans Rieth zudem privat durch Preise und Medaillen die<br />

<strong>Mykologie</strong> und Mykologen geför<strong>der</strong>t. Die <strong>nach</strong>folgenden Preise und Medaillen<br />

hat er gestiftet [14] :<br />

Gustav-Riehl-Preis<br />

Rudolf-Lieske-För<strong>der</strong>preis<br />

Hugo-Carl-Plaut-Medaille<br />

Ernst-Rodenwaldt-Medaille<br />

Hervorzuheben ist sein Beitrag für das Handbuch <strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten,<br />

Ergänzungswerk, „Die Antimykotika“ [15] . Hans<br />

Rieth bekleidete das Vorstandsamt des Schriftführers von <strong>der</strong> Gründung<br />

<strong>der</strong> DMykG 1961 an bis zu seinem Tod. Ein weiterer Mitarbeiter dieser<br />

Klinik muss hier genannt werden, <strong>der</strong> Dermatologe und Mikrobiologe Johannes<br />

Meyer-Rohn (1912 – 1997). Ihm verdanken wir das Kapitel „Die<br />

Antibiotika“ unter Berücksichtigung von Nystatin im o. g. Handbuch [16] .<br />

Ernst-Rodenwaldt-Medaille für Mohammed<br />

Refai (Gizeh, Ägypten) (re.), C. Schirren (li.)<br />

13


HISTORIE<br />

Die Gründung <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen<br />

Gesellschaft (DMykG)<br />

Tagungsteilnehmer zur Gründung <strong>der</strong> DMykG e.V. 1961 in Essen<br />

14<br />

Am 15. Januar 1961 wurde die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft<br />

in Essen gegründet. Die mit dem Gründungsakt verbundene wissenschaftliche<br />

Tagung ist mit allen Vorträgen in gedruckter Form dokumentiert und 1962 im<br />

Springerverlag erschienen [17] . Die Gründungsidee, alle Deutsch sprechenden<br />

Mykologen unter einem Dach zu vereinen, verwirklichte sich erst 1991 zur Jubiläumstagung<br />

in Essen (30 Jahre DMykG), als die inzwischen aufgelöste DDR-<br />

Gesellschaft en corpore <strong>der</strong> DMykG beitrat. Diesem Akt hat <strong>der</strong> Grün<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

DMykG, Prof. Dr. H. Götz als Emeritus mit sichtbarer Freude noch beigewohnt<br />

[10]<br />

. Seit Gründung <strong>der</strong> Gesellschaft bis heute wird sie von einem vierköpfigen<br />

Vorstand geführt: 1. Vorsitzen<strong>der</strong>, 2. Vorsitzen<strong>der</strong>, Schriftführer und Kassenwart.<br />

Jährlich, mit Ausnahme <strong>der</strong> Jahre 1967, 1970, 1977, 1979 und 1982 wurden wissenschaftliche<br />

Tagungen organisiert, die in Deutschland, in Österreich, in <strong>der</strong><br />

Schweiz und einmal in Luxemburg stattfanden. Die Tagungen 2006 in Innsbruck<br />

unter Leitung von Reinhard Würzner, 2010 in Wien unter Leitung von Birgit<br />

Willinger und 2014 in Salzburg unter <strong>der</strong> Leitung von Markus Hell wurden von<br />

<strong>der</strong> inzwischen neu gegründeten Österreichischen Gesellschaft für Medizinische<br />

<strong>Mykologie</strong> (ÖGMM) ausgerichtet. Von den ersten sechs Tagungen <strong>der</strong> DMykG<br />

sind die Vorträge in Tagungsbänden gedruckt erschienen [17-22] . Zum Teil können<br />

sie als eBook o<strong>der</strong> PDF-Datei beim Verlag erworben werden. Von den Tagungen<br />

1991 bis 2002 liegen Supplementhefte von mycoses vor, in denen Tagungsberichte<br />

und einzelne Vorträge in voller Länge abgedruckt sind.


Die früheren Tagungsprogramme belegen, dass internationale Tagungsgäste nur<br />

ausgesprochen selten verzeichnet sind, wenn man von tschechischen und ungarischen<br />

Kolleginnen und Kollegen, die überwiegend ordentliche Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

DMykG waren, absieht. Hier war die 16. Tagung, zugleich 20jähriges Jubiläum<br />

<strong>der</strong> DMykG, 1981 in Erlangen eine bedeutsame Ausnahme. Die von Helge Hauck<br />

vorbildlich organisierte Tagung fand in <strong>der</strong> Zeit statt, als Wolf Meinhof den Vorsitz<br />

<strong>der</strong> Gesellschaft innehatte. Seinem Vorschlag folgend, wurden aus England<br />

Y. Clayton, I.C. Gentles, F.C. Odds, aus Frankreich E. Drouhet, aus Belgien<br />

P. Dockx und R. Vanbreuseghem sowie aus Japan O. Matsuaki und K. Nishio<br />

eingeladen. Dazu kamen noch zahlreiche Persönlichkeiten aus Tschechien und<br />

Ungarn. In den Programmen <strong>nach</strong>folgen<strong>der</strong> Tagungen sind deutlich häufiger ausländische<br />

Gäste verzeichnet als zuvor.<br />

Neben den üblichen Jahrestagungen fand 1999 mit dem 5th Congress of the<br />

European Confe<strong>der</strong>ation of Medical Mycology (ECMM) in Dresden unter Leitung<br />

von Hannelore Bernhardt, organisiert von Renate Blaschke-Hellmessen und<br />

Claus Seebacher, die erste von <strong>der</strong> DMykG veranstaltete internationale Tagung<br />

statt. Dabei wurden erstmals die Abstracts zitierfähig in mycoses publiziert. Zusätzlich<br />

erschien ein Supplementheft von mycoses mit dem Volltext zahlreicher<br />

Vorträge [23] .<br />

In Berlin hat 2005 Markus Ruhnke den internationalen Kongress Trends in<br />

Medical Mycology, eine Doppelveranstaltung von ECMM und EORTC, erfolgreich<br />

organisiert. Im Juni 2012 tagte in Berlin <strong>der</strong> bereits erwähnte ISHAM-Kongress.<br />

Die 49. MYK-Tagung 2015 in Jena war mit dem International Symposium of the<br />

CRC/Transregio FungiNet verbunden. Conference Chairman war Oliver Kurzai.<br />

Markus Ruhnke<br />

Oliver Kurzai<br />

HISTORIE<br />

Frank C. Odds<br />

29. Wissenschaftliche Tagung <strong>der</strong> DMykG 1995 in Dresden im Deutschen Hygiene-Museum<br />

15


HISTORIE<br />

Mycoses – Publikationsorgan <strong>der</strong> Gesellschaft<br />

Als Publikationsorgan <strong>der</strong> DMykG diente die von Erich Langer (1891 – 1957)<br />

1957 gegründete Zeitschrift „Mykosen“. Als Publikationsprachen waren Deutsch,<br />

Englisch und Französisch vorgegeben. Englischsprachige Artikel, auch von sehr<br />

bedeutenden Autoren (s. Abb. auf S. 18), sind in den ersten Jahren des Bestehens<br />

<strong>der</strong> Zeitschrift zahlreich erschienen. Sie wurde von Heinz Grimmer, FU<br />

Berlin, ab 1962 Wiesbaden, als Schriftleiter, ab 1967 gemeinsam mit Hans Rieth<br />

bis 1974 geführt. Von 1974 – 1978 folgte Detlef Hanschke, Essen, in diesem<br />

Amt. Wolf Meinhof, Aachen, war von 1978 – 1986 Schriftleiter von nunmehr<br />

„mykosen“, die in diesen Jahren auch internationale Reputation erlangte. Ab<br />

1986 übernahm Johannes Müller das Publikationsorgan <strong>der</strong> DMykG als Editor<br />

in Chief. Inzwischen wird es „mycoses“ genannt und erscheint ausschließlich in<br />

Englisch. Das obligate Peer Review wurde eingeführt. Im Jahr 2004 übernahm<br />

Hans Christian Korting „mycoses“ bis zu seinem frühen Tod 2012. Oliver A.<br />

Cornely, Köln, Jacques F. G. M. Meis, Nijmegen, und Martin Schaller, Tübingen,<br />

haben nunmehr das Zepter übernommen. „mycoses“ hat längst die gleiche<br />

internationale Stellung erreicht, wie zum Beispiel Mycopathologia o<strong>der</strong> Medical<br />

Mycology, das Organ <strong>der</strong> ISHAM.<br />

Heinz Grimmer<br />

Hans Rieth<br />

Detlef Hantschke<br />

Wolf Meinhof<br />

Jacques F. G. M. Meis<br />

Hans Christian Korting<br />

Oliver A. Cornely<br />

Claudia Borelli, Martin Schaller<br />

16


HISTORIE<br />

17


HISTORIE<br />

18


HISTORIE<br />

19


HISTORIE<br />

Dermatologische Kliniken mit <strong>Mykologie</strong><br />

als wissenschaftlichem Schwerpunkt<br />

Nachdem Hamburg als wohl älteste Heimstatt <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> (Hugo-Carl Plaut<br />

war 1912 maßgebend an <strong>der</strong> Gründung eines privaten Pilzforschungsinstituts in<br />

Eppendorf beteiligt und arbeitete dort stundenweise bis zu seinem Tod 1928 [24] )<br />

bereits gewürdigt wurde, sollen <strong>nach</strong>folgend die Univ.-Hautklinken in alphabetischer<br />

Reihenfolge genannt werden, in denen, zum Teil nur zeitweise, wissenschaftliche<br />

<strong>Mykologie</strong> betrieben wurde.<br />

Aachen: Im Jahre 1977 übernahm Wolf Meinhof das Direktorat <strong>der</strong> Hautklinik<br />

<strong>der</strong> RWTH Aachen. Sein mykologisches Rüstzeug hatte er sich während seiner<br />

Facharztweiterbildung in <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik Hamburg bei Hans Rieth erworben.<br />

Weitere Stationen seiner Laufbahn waren Marburg, München (LMU), Wiesbaden<br />

(Deutsche Klinik für Diagnostik) und die Univ.-Hautklinik Erlangen. Die <strong>Mykologie</strong><br />

war das Hauptgebiet seiner umfangreichen wissenschaftlichen Tätigkeit.<br />

Die Entwicklung neuer Antimykotika hat er vom Griseofulvin 1961 bis zu den<br />

mo<strong>der</strong>nen Azolen mit wissenschaftlichen Beiträgen aktiv begleitet. 1995/96 publizierte<br />

er in 19 Folgen in <strong>der</strong> Zeitschrift „Fortschritte <strong>der</strong> Medizin“ die Arbeit<br />

„Dermatomykosen, FdM-Tabellen für die Praxis“ [25] . In <strong>der</strong> DMykG war er von<br />

1975 – 1981 und noch einmal von 1984 – 1990 zunächst drei Jahre 2. Vorsitzen<strong>der</strong><br />

und dann 1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Gesellschaft.<br />

Berlin Freie Universität: Erich Langer (1891 – 1957) gründet 1957 die Zeitschrift<br />

Mykosen. Heinz Grimmer (1913 – 1982) befasste sich mit <strong>der</strong> Behandlung<br />

von Onychomykosen und publizierte über Genitalerkrankungen, darunter auch<br />

die Pilzkrankheiten des äußeren Genitales. Von 1961 – 1969 war er 2. und von<br />

1969 – 1972 1. Vorsitzen<strong>der</strong>. Er organisierte die MYK-Tagungen 1963, 1971 und<br />

1972 in Wiesbaden und Frankfurt/Main. Rudolf Kaden (1916 – 2007) wird mit<br />

seinem profunden Handbuchbeitrag später nochmals erwähnt.<br />

Erlangen: Von 1972 – 1977 Wolf Meinhof; Eckart Haneke habilitierte 1978 in<br />

Erlangen und war von 1986 – 2000 Chefarzt <strong>der</strong> Hautklinik in Wuppertal. Sein<br />

Spezialgebiet sind Nagelkrankheiten und Onychomykosen. Helge Hauck, ihr<br />

Spezialgebiet sind Soor-Infektionen in <strong>der</strong> Geriatrie. Sie organisierte 1981 die<br />

MYK-Tagung in Erlangen. Später leitete sie die Hautklinik in Bielefeld.<br />

Essen: 1963 kam <strong>der</strong> Mikrobiologe Detlef Hantschke <strong>nach</strong> Essen und baute an<br />

<strong>der</strong> Hautklinik einen mykologischen Bereich auf. Arbeitsschwerpunkte waren die<br />

Epidemiologie <strong>der</strong> Dermatomykosen im Bergbau, gemeinsam mit Hans Götz publiziert,<br />

viele Aspekte <strong>der</strong> mykologischen Diagnostik, Antimykotika u.a. 1991 organisiete<br />

er die Vereinigungs-MYK-Tagung in Essen (siehe auch unter Stiftung).<br />

Frankfurt/Main: Ingrid Menzel, Arbeitsschwerpunkt intestinale Candidabesiedelung.<br />

20<br />

Freiburg: Hans-Joachim Heite (1913 – 1996) organisierte 1964 die MYK-Tagung<br />

in Freiburg. Seine Untersuchungen zur Pathogenität von Candida albicans, zur


Wirksamkeit von Nystatin aber auch viele an<strong>der</strong>e experimentelle Untersuchungen<br />

sind noch heute lesenswert.<br />

HISTORIE<br />

Gießen: Wilhelm Knoth (1923 – 1982), Rita Knoth-Born; Peter Mayser hat<br />

sich durch seine Untersuchungen zu den Malassezia-assozierten Hautkrankheiten<br />

und <strong>der</strong> Beschreibung von Pityriacitrin, als ein natürliches UV-absorbierendes<br />

Alkaloid, einen Namen gemacht.<br />

Göttingen: Said-Abdullah Qadripur organisierte 1990 gemeinsam mit Reinhard<br />

Rüchel die MYK-Tagung in Göttingen; die erste Mykologentagung, zu <strong>der</strong><br />

die Kolleginnen und Kollegen aus dem Osten Deutschlands freien Zugang hatten.<br />

Kiel: Jochen Brasch organisierte 1996 und 2011 die MYK-Tagungen in Kiel. Heute<br />

zählt er noch zu den wenigen Dermatomykologen, die auch international durch<br />

weit beachtete Publikationen Anerkennung finden.<br />

Jochen Brasch<br />

Köln: Gerd Polemann (1918 – 2004), 1961 erscheint das Lehrbuch von Gerd<br />

Polemann, T. Wegmann, A. Stammler: Klinik und Therapie <strong>der</strong> Pilzkrankheiten.<br />

Von 1969 – 1975 war er zunächst 2., dann 1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG und organisierte<br />

die Jahrestagungen 1969 und 1973 in Krefeld.<br />

Marburg: Isaak Effendy organisierte 2001 die MYK-Tagung in Marburg mit zahlreichen<br />

internationalen Gästen aus Australien, den USA, Indonesien, <strong>der</strong> Türkei,<br />

Dänemark, Polen u.a. Er ist durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und<br />

Publikationen mit Schwerpunkt Onychomykose bekannt geworden. Hannelore<br />

Mittag habilitierte sich mit einem mykologischen Thema (Pityrosporum, Elektronenmikroskopie)<br />

bei dem Leiter <strong>der</strong> Abteilung „Dermatologische Histologie und<br />

Elektronenmikroskopie“ Prof. Dr. Mladen Rupec.<br />

München, LMU: Luise Krempl-Lamprecht (1923 – 1999) wechselte in den<br />

60iger Jahren von <strong>der</strong> Technischen Hochschule München (später TU) an die<br />

Dermatologische Universitäts-Klinik <strong>der</strong> LMU (Ludwig-Maximilian-Universität),<br />

behielt aber weiterhin ein mykologisches Labor an <strong>der</strong> TU; später wechselte sie<br />

an die Hautklinik <strong>der</strong> TU. Sie war von 1975 – 1993 Kassenwartin <strong>der</strong> DMykG.<br />

Hans Christian Korting (1952 – 2012) war von 1996 – 2002 zunächst 2. dann 1.<br />

Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. Von 2002 – 2008 hatte er das Amt des Schriftführers<br />

inne. Neben einer großen Zahl wissenschaftlicher Arbeiten verdankt die Gesellschaft<br />

ihm die Gründung des <strong>Mykologie</strong> Forums und auch die Einrichtung des<br />

Internetauftritts <strong>der</strong> DMykG 2001. Für seine grundlegenden Arbeiten zur antimykotischen<br />

Chemotherapie erhielt er 1994 den Forschungsför<strong>der</strong>preis <strong>der</strong> DMykG<br />

zuerkannt. Markus Ollert erhielt 1997 den Forschungsför<strong>der</strong>preis <strong>der</strong> DMykG<br />

für seine Arbeiten zur Virulenz und Pathogenität von Candida albicans und <strong>der</strong>en<br />

Konfrontation mit dem humanen Immunsystem.<br />

Isaak Effendy<br />

Gerd Polemann<br />

München TU: Luise Krempl-Lamprecht (1923 – 1999), Dietrich Abeck, Heidelore<br />

Hofmann, Hans Peter Seidl organisierten gemeinsam die MYK-Tagung<br />

2002 in München. Abeck fand internationale Beachtung mit seinen zahlreichen<br />

Publikationen zu Mykosen im Kindesalter.<br />

Said-Abdullah Quadripur<br />

21


HISTORIE<br />

Münster: Ferdinand Fegeler (1920 – 2007) war von 1963 – 1969 Kassenwart<br />

<strong>der</strong> DMykG und hat die wissenschaftliche Entwicklung <strong>der</strong> DMykG in <strong>der</strong> Frühzeit<br />

mitgeprägt. Siegfried Nolting (1935 – 2007) war von 1990 – 1996 zunächst<br />

2. dann 1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. Sein 1982 gemeinsam mit Klaus Fegeler herausgegebenes<br />

Kliniktaschenbuch „Medizinische <strong>Mykologie</strong>“ hat vier Auflagen<br />

erfahren. Gemeinsam mit Wolfgang Fegeler organisierte er die MYK-Tagung<br />

1994 in Montreux/Schweiz. Zu dieser Tagung wurden die da<strong>nach</strong> regelmäßig<br />

ausgeschriebenen Posterpreise erstmals vergeben (siehe auch unter Stiftung).<br />

Tübingen: Wilhelm Adam (1921 – 1991) war von 1978 – 1984 zunächst 2. dann<br />

1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. Gemeinsam mit Wolfgang Löffler organisierte er<br />

1978 die 14. Tagung <strong>der</strong> DMykG in Tübingen. Christian Scherwitz; Martin<br />

Schaller war von 2008 – 2014 2. und 1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. Die 47. Jahrestagung<br />

fand unter seiner Leitung 2013 in Tübingen statt. Zahlreiche Publikationen<br />

zur Wirkungsweise mo<strong>der</strong>ner Antimykotika haben internationale Beachtung<br />

gefunden.<br />

Siegfried Nolting<br />

In <strong>der</strong> Univ. Hautklinik in Jena wurde erst Anfang <strong>der</strong> 1990iger Jahre eine mykologische<br />

Abteilung unter <strong>der</strong> Leitung von Uta-Christina Hipler aufgebaut. Der<br />

klinische Partner bei zahlreichen Publikationen ist Florian Seyfarth. U.-C. Hipler<br />

war von 2005 bis 2017 Kassenwartin <strong>der</strong> DMykG. Sie leitete gemeinsam mit<br />

Axel Brakhage die MYK-<br />

Tagung 2008 in Jena.<br />

Außerhalb von Univ.-<br />

Hautkliniken, am Bundeswehrkrankenhaus<br />

in<br />

Hamburg, wirkte Dieter<br />

Reinel. Er war von 1993<br />

– 1996 Schriftführer <strong>der</strong><br />

DMykG.<br />

Christina Hipler<br />

Luise Krempl-Lamprecht<br />

Ferdinand Fegeler<br />

22<br />

Peter Mayser<br />

Florian Seyfarth<br />

Dieter Reinel


Mykologen außerhalb <strong>der</strong> Dermatologie<br />

HISTORIE<br />

Unter den Gynäkologen interessierten sich schon früh einzelne Persönlichkeiten<br />

für Mykosen im Genitalbereich. Einen detaillierten Bericht über die <strong>Mykologie</strong> in<br />

<strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong> Gynäkologie veröffentlichte W. Mendling 1998 [26] . Hier<br />

seien nur die Namen Heinz Malicke (1933 – 2009), Philipp Lachenicht und<br />

Werner Mendling genannt. Mendling organisierte 1998 die 32. MYK-Tagung in<br />

Frankfurt/O<strong>der</strong>. Heinz Spitzbart, Erfurt, sei hier nochmals erwähnt.<br />

Eine beson<strong>der</strong>e Ausnahme stellt Peter Kujath dar, <strong>der</strong> sich als Chirurg unter den<br />

Mykologen durch Kompetenz hohe Anerkennung und Wertschätzung erworben<br />

hat. Die 38. Tagung <strong>der</strong> DMykG organisierte er 2004 in Lübeck. Von den im Programm<br />

aufgeführten 83 Referenten und Posterautoren kamen immerhin 25 aus<br />

operativen Fächern einschließlich <strong>der</strong> Anästhesie.<br />

Pressekonferenz im Rahmen <strong>der</strong><br />

MYK 1998 in Frankfurt/O<strong>der</strong><br />

Nicht nur am Rande muss hier das Wirken von Monika Schäfer-Korting als<br />

Pharmakologin in <strong>der</strong> DMykG hervorgehoben werden. Pharmakokinetik, unerwünschte<br />

Wirkungen, Arzneimittelinteraktionen sind Themen ihrer wissenschaftlichen<br />

Beiträge, die sie in großer Zahl, oft gemeinsam mit Ihrem Ehemann<br />

Hans Christian Korting, publiziert hat. Gemeinsam mit H.-J. Tietz leitete sie<br />

die 34. MYK-Tagung 2000 in Berlin.<br />

Veterinärmediziner waren seit Anbeginn in <strong>der</strong> DMykG<br />

aktiv vertreten. Die 5. Tagung <strong>der</strong> DMykG 1965 wurde<br />

in <strong>der</strong> Tierärztlichen Hochschule <strong>der</strong> Univ. München<br />

unter <strong>der</strong> Leitung von K. Ullrich durchgeführt. Alle Vorträge<br />

<strong>der</strong> Tagung sind als Monografie erschienen [21] .<br />

Hier seien nur die Veterinärmediziner, die im genannten<br />

Bericht verzeichnet sind, aufgeführt: H. Kraft,<br />

München, W. Jaksch, Wien, K. Petzold, Hannover, P.<br />

Kielstein, Jena, B. Schiefer und B. Mehnert, München.<br />

Aus Kairo kam M. Refai, <strong>der</strong> später zu vielen<br />

Tagungen <strong>der</strong> DMykG aus Ägypten anreiste und in<br />

den Programmen als Referent ausgewiesen ist. Brigitte<br />

Gedek, München,<br />

Wolfgang Bisping, Hannover,<br />

Karl Heinz Böhm,<br />

Hannover, Peter Kielstein,<br />

Jena, und Ute Siesenop,<br />

Hannover, waren<br />

die Persönlichkeiten,<br />

die die Veterinärmykologie<br />

für viele Jahre repräsentierten.<br />

Heinz Malicke<br />

Monika Schäfer-Korting<br />

Peter Kielstein<br />

Peter Kujath<br />

Werner Mendling<br />

23


HISTORIE<br />

Die <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> im<br />

Deutschsprachigen Raum:<br />

Die letzten 50 Jahre: 1960 – 2010<br />

Johannes Müller und Claus Seebacher<br />

Die ältere <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum<br />

– das 19. Jahrhun<strong>der</strong>t – ist gut dokumentiert und zugänglich. Die jüngere <strong>Geschichte</strong><br />

unseres Faches, insbeson<strong>der</strong>e die zweite Hälfte des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts,<br />

ist dagegen als historischer Abriss nicht greifbar, son<strong>der</strong>n liegt nur bruchstückhaft<br />

in Nachrufen und Laudationes herausragen<strong>der</strong> Mykologenpersönlichkeiten<br />

vor. Im Folgenden wird versucht, eine erste Gesamtschau zu präsentieren.<br />

Die Gründung <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft ist 2011 bereits<br />

an gleicher Stelle gewürdigt worden, jetzt und hier sollen die tieflokalisierten,<br />

invasiven, lebensbedrohlichen Mykosen, die man auch Systemmykosen,<br />

o<strong>der</strong> Endomykosen genannt hat, näher beleuchtet werden. In Mitteleuropa<br />

sind das im Wesentlichen die:<br />

Candidosen<br />

Aspergillosen<br />

Cryptococcosen<br />

Zygomykosen (heute als Mucormykosen bezeichnet)<br />

Als Quellen dienten wissenschaftliche Originalpublikationen, ferner die Programme<br />

und Referate <strong>der</strong> Tagungen <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft<br />

(DMykG) und <strong>der</strong> Sektion ‚Antimykotische Chemotherapie‘ <strong>der</strong> Paul-<br />

Ehrlich-Gesellschaft (PEG) für Chemotherapie.<br />

Die oben genannten tieflokalisierten Mykosen haben erst <strong>nach</strong> dem Zweiten<br />

Weltkrieg <strong>nach</strong> Schweregrad und Häufigkeit epidemiologisches Gewicht erlangt.<br />

Deshalb bildet <strong>der</strong> betrachtete Zeitraum 1960 – 2010 die wesentlichen Entwicklungen<br />

ab.<br />

Ursache für das Auftreten tieflokalisierter Mykosen sind die spektakulären Fortschritte<br />

<strong>der</strong> Medizin im 20. Jahrhun<strong>der</strong>t, wie:<br />

Die Entwicklung <strong>der</strong> Antibiotikatherapie.<br />

Die Einführung <strong>der</strong> Immunsuppressiva.<br />

Die Entwicklung antineoplastischer Therapie-Strategien.<br />

Die Fortschritte in <strong>der</strong> Chirurgie: Transplantationen und<br />

Schweroperationstechniken.<br />

Die Entwicklung <strong>der</strong> Intensivmedizin und An<strong>der</strong>es.<br />

24


Diese Entwicklungen haben die zunehmend größere Zahl von Patienten geschaffen,<br />

die trotz schwerwiegen<strong>der</strong> gesundheitlicher Beeinträchtigungen heute ein<br />

hohes Alter erreichen können, dabei aber in hohem Maße zu Risikopatienten<br />

für opportunistische Mykosen geworden sind, weil durch Grundkrankheiten<br />

und eingreifende Therapieformen ihre Infektabwehrsysteme so gemin<strong>der</strong>t o<strong>der</strong><br />

beschädigt sind, dass sie den Pilzen als Krankheitserregern relativ geringgradiger<br />

Virulenz zum Opfer fallen.<br />

HISTORIE<br />

In <strong>der</strong> historischen Betrachtung stellen sich damit folgende Fragen:<br />

Welche Entwicklungsstränge sind erkennbar?<br />

Wer waren die wissenschaftlichen Pioniere, die Protagonisten?<br />

Welche Ziele wurden erreicht?<br />

Dabei wird schnell klar, dass im Gesamtgefüge <strong>der</strong> Medizin Schwerpunktbereiche<br />

erkennbar werden, in denen die Problematik <strong>der</strong> tieflokalisierten Mykosen<br />

beson<strong>der</strong>s intensiv bearbeitet wurde. Dies sind:<br />

Universitäts- und Großkliniken mit Intensivstationen und Risikopatienten<br />

Pathologische Institute<br />

Hygiene-Institute o<strong>der</strong> Institute für Medizinische Mikrobiologie<br />

Privatlabors, Medizinaluntersuchungsämter, Universitätsinstitute<br />

Einrichtungen <strong>der</strong> Grundlagenforschung und Gesundheitspolitik:<br />

Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin<br />

Hans-Knöll-Institut in Jena<br />

Institut für Molekulare Infektionsbiologie, Universität Würzburg<br />

Forschungslaboratorien <strong>der</strong> Pharmazeutischen Industrie:<br />

Diagnostika-Hersteller<br />

Therapeutika-Hersteller<br />

Damit wird deutlich, dass die Medizinische <strong>Mykologie</strong> durch ein umfangreiches<br />

Beziehungsgeflecht höchst unterschiedlicher medizinischer Arbeitsfel<strong>der</strong> charakterisiert<br />

ist. Es gilt also, die Beiträge dieser einzelnen Arbeitsfel<strong>der</strong> zum Thema<br />

geson<strong>der</strong>t zu gewichten.<br />

25


HISTORIE<br />

Die Wissenschaft lebt von <strong>der</strong> Forschung, von <strong>der</strong> klinischen Beobachtung und<br />

Betreuung des Patienten am Krankenbett sowie von <strong>der</strong> experimentellen Forschung<br />

im Labor. Die Wissenschaft braucht aber existenznotwendig zu ihrem<br />

Fortschreiten auch die wissenschaftliche Kommunikation. Diese wurde in unserer<br />

Betrachtung geleistet von:<br />

Wissenschaftlichen Gesellschaften<br />

Wissenschaftlichen Publikationsorganen<br />

Zeitschriften<br />

Handbüchern<br />

Lehrbüchern<br />

Monografien<br />

26


Die Anfänge – die 1960er Jahre<br />

HISTORIE<br />

Welche Situation bestand nun in den Anfängen, in den 1960er Jahren?<br />

Dermatologie<br />

Ganz unbestritten ist die Tatsache, dass um 1960 und noch Jahre da<strong>nach</strong>, die Dermatologen<br />

die Kompetenz-Dominanz auch bei <strong>der</strong> Problematik <strong>der</strong> tieflokalisierten<br />

Mykosen innehatten. Sie waren die Experten für Pilzinfektionen schlechthin,<br />

welcher Lokalisation auch immer. Insofern wurden sie zu Recht von den Klinikern<br />

an<strong>der</strong>er Fächer als Experten konsultiert, zumal sie zumeist auch über Laboratorien<br />

zum Nachweis und zur Charakterisierung pilzlicher Erreger verfügten.<br />

Dies zeigt sich deutlich in <strong>der</strong> frühest verfügbaren <strong>deutschsprachigen</strong> Literatur<br />

zu tiefen Mykosen, die bezeichnen<strong>der</strong>weise im Handbuch <strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten<br />

von Jadassohn, Ergänzungswerk, herausgegeben von A.<br />

Marchionini und H. Götz, Springer Berlin, Göttingen, Heidelberg 1962 abgehandelt<br />

wurden. Der Band IV/4 „Die Pilzkrankheiten <strong>der</strong> Haut durch Hefen, Schimmel,<br />

Aktinomyceten und verwandte Erreger“ wurde kapitelweise von vielen<br />

Autoren, die tropischen Mykosen überwiegend von hier nicht genannten ausländischen<br />

Kollegen, erarbeitet.<br />

Karl-Heinz Kärcher, Heidelberg, <strong>der</strong> von <strong>der</strong> Dermatologie in die Strahlentherapie<br />

wechselte und das entsprechende Ordinariat an <strong>der</strong> Universität in Wien<br />

übernahm, schrieb die Kapitel:<br />

„Die Candidamykose“,<br />

„Zur Begriffsbestimmung <strong>der</strong> Blastomykose“,<br />

„Die europäische Blastomykose von Busse-Buschke (Cryptokokkose, Torulose)“<br />

„Durch verschiedene Hefen bedingte Dermatosen“.<br />

Von Rudolf Kaden, Berlin, stammen die Abschnitte:<br />

„Die Sporotrichose“,<br />

„Die Coccidioidomykose“,<br />

„Rhinosporidiomykose“<br />

„Schimmelpilz<strong>der</strong>matosen“.<br />

Ferdinand Fegeler, Münster, verdanken wir die Kapitel:<br />

„Aktinomykose“,<br />

„Nocardiose“,<br />

„Trichomycosis palmellina“<br />

„Erythrasma“.<br />

Dieser Band wird vom umfangreichen Kapitel „Immunbiologisch-serologische<br />

Nachweisverfahren bei Pilzerkrankungen“ von Heinz Paul Richard Seeliger,<br />

Bonn, abgeschlossen. Seeliger dürfte einer <strong>der</strong> ersten Wissenschaftler außerhalb<br />

<strong>der</strong> Dermatologie gewesen sein, <strong>der</strong> sich bereits kurz <strong>nach</strong> dem 2. Weltkrieg<br />

intensiv mit medizinischer <strong>Mykologie</strong> befasst hat. Davon zeugt auch seine<br />

27


HISTORIE<br />

Monografie „Mykologische Serodiagnostik“, die 1958 im Johann Ambrosius<br />

Barth Verlag, Leipzig, erschienen ist. Dermatologen <strong>der</strong> Frühzeit mit umfassen<strong>der</strong><br />

mykologischer Kompetenz, also auch für tieflokalisierte Mykosen, waren:<br />

Hans Götz, Essen<br />

Johannes Meyer-Rohn, Hamburg<br />

Hans Rieth, Hamburg<br />

Dietrich Janke, Marburg, Fulda<br />

Gerd Polemann, Krefeld<br />

Karl-Heinz Kärcher, Heidelberg<br />

Wolf Meinhof, Hamburg, Marburg, München, Wiesbaden, Erlangen, Aachen<br />

Ferdinand Fegeler, Münster<br />

Siegfried Nolting, Münster<br />

Karl-Wilhelm Kalkoff, Freiburg<br />

Hans-Joachim Heite, Freiburg<br />

Rudolf Kaden, Berlin-Steglitz<br />

Dorothea Hauck, Erlangen<br />

Eckart Haneke, Erlangen, Wuppertal<br />

Hans Christian Korting, München<br />

Otto Male, Wien<br />

Harry Braun, Leipzig<br />

Waltraud Braun, Halle<br />

Claus Seebacher, Dresden<br />

Hermann Pöhler, Leipzig<br />

Hans-Jürgen Westphal, Rostock<br />

Das ist eine stattliche Reihe, verstärkt durch Naturwissenschaftler, die ebenfalls<br />

in <strong>der</strong> Dermatologie potente mykologische Laboratorien leiteten:<br />

Detlef Hantschke, Essen<br />

Luise Krempl-Lamprecht, München<br />

Helmut Ziegler, Berlin-Charité<br />

Hannelore Ziegler-Böhme, Berlin-Charité<br />

Christina Schönborn, Leipzig<br />

Erika Friedrich, Halle<br />

Ursula Kaben, Rostock<br />

Herbert-Anton Koch, Erfurt<br />

Yvonne Koch, Erfurt<br />

Josefine Turner, Wien<br />

Damit wird deutlich, dass in <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong> Dermatologie früh eine geballte<br />

Kompetenz für tieflokalisierte Mykosen bestand.<br />

Medizinische Mikrobiologie<br />

Wie steht es um die Kompetenz für tieflokalisierte Mykosen in <strong>der</strong> Medizinischen<br />

Mikrobiologie? Schaut man sich die damals bereits verfügbaren Kran-<br />

28


kengeschichten von tiefen Mykosen an, dann wird schnell klar, dass die Labordiagnostik<br />

tieflokalisierter Mykosen eigentlich in die Hand <strong>der</strong> medizinischen<br />

Mikrobiologen gehörte aus einem klaren Grund: Zur eindeutigen Labordiagnostik<br />

tiefer Mykosen gehören nicht nur Erreger<strong>nach</strong>weis und Erregercharakterisierung,<br />

son<strong>der</strong>n unabdingbar auch <strong>der</strong> belegte Ausschluss von Infektionskrankheiten an<strong>der</strong>er<br />

Ätiologie, mit an<strong>der</strong>en Worten eine breite, insbeson<strong>der</strong>e bakteriologische<br />

Labordiagnostik, über welche die <strong>der</strong>matomykologischen Laboratorien in <strong>der</strong> Regel<br />

nicht verfügten.<br />

HISTORIE<br />

Hier muss ein deutliches und überaus kritisches Wort gesagt werden, das an die<br />

eigene Zunft gerichtet ist, an die Medizinische Mikrobiologie:<br />

Die Medizinische Mikrobiologie im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum hat die Herausfor<strong>der</strong>ung<br />

<strong>der</strong> zweiten Hälfte des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts, nämlich die tieflokalisierten,<br />

lebensbedrohlichen, opportunistischen Mykosen als dringliches Problem in ihren<br />

labordiagnostischen Dienstaufgabenkatalog aufzunehmen, nicht angenommen.<br />

Sie hat sich dem geradezu verweigert!<br />

Das ist ein harter Vorwurf, <strong>der</strong> historischen Bestand hat. Über die Gründe für<br />

diesen Tatbestand kann man Vermutungen anstellen:<br />

Die Pilze als Krankheitserreger geringgradiger Virulenz wurden angesichts <strong>der</strong><br />

hohen Virulenz bakterieller Krankheitserreger nicht ernst genommen.<br />

Jürgen Potel<br />

Das epidemiologische Gewicht <strong>der</strong> opportunistischen Mykosen war noch völlig<br />

unbekannt. Sie wurden pathognomonisch von Klinikern und Pathologen<br />

weitgehend nicht erkannt. Aus diesem Grund gab es auch keinen labordiagnostischen<br />

Dienstleistungsanspruch <strong>der</strong> Kliniker an die Mikrobiologen.<br />

Im Bereich <strong>der</strong> etablierten medizinischen <strong>Mykologie</strong> wurden zudem die Mikrobiologen<br />

durch das Dominanzbeharren <strong>der</strong> Dermatologen anfänglich ausgegrenzt.<br />

An<strong>der</strong>erseits gab es vorausschauende Mykologen, die die Kooperation<br />

<strong>der</strong> Mikrobiologen vehement einfor<strong>der</strong>ten, wie Wolf Meinhof, Wilhelm<br />

Adam, Siegfried Nolting und Hans C. Korting.<br />

Noch Anfang <strong>der</strong> 1970er Jahre haben sich nur drei von etwa drei Dutzend Universitäts-Institutionen<br />

für Medizinische Mikrobiologie in <strong>der</strong> damaligen Bundesrepublik<br />

mit <strong>der</strong> Problematik tieflokalisierter Mykosen beschäftigt. Diese waren:<br />

Heinz Seeliger, Direktor des Hygiene-Instituts <strong>der</strong> Universität Würzburg mit seinem<br />

Oberarzt Friedrich Staib, <strong>der</strong> schon ab 1955, vor <strong>der</strong> Berufung Seeligers,<br />

in Würzburg ein mykologisches Labor aufgebaut hatte. Er beschrieb 1962 den<br />

Braunfärbeeffekt von Cryptococcus neoformans im Kulturmedium mit Guizotia<br />

abyssinica (Staib-Agar) und 1965 als Erster die Fähigkeit von Candida albicans<br />

Proteasen zu sezernieren. Von 1968 – 1990 war er Leiter des Fachgebietes <strong>Mykologie</strong><br />

am Robert-Koch-Institut Berlin.<br />

Jürgen Potel, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie <strong>der</strong> Medizinischen<br />

Hochschule Hannover.<br />

29


HISTORIE<br />

Johannes Müller ab 1960 am Hygiene-Institut <strong>der</strong> Universität Freiburg, zunächst<br />

unter dem Direktorat von Richard Haas, ab 1975 Direktor einer selbstständigen<br />

Abteilung <strong>Mykologie</strong> des Instituts für Medizinische Mikrobiologie.<br />

Wolfgang Fegeler begann Mitte <strong>der</strong> 1970er Jahre mit mykologischen Arbeiten<br />

am Institut für Medizinische Mikrobiologie Münster.<br />

In <strong>der</strong> DDR waren Georg Wildführ, Direktor des Hygiene-Instituts Leipzig, in <strong>der</strong><br />

medizinischen <strong>Mykologie</strong> engagiert und Joachim Morenz im Institut für Medizinische<br />

Mikrobiologie und Epidemiologie <strong>der</strong> Medizinischen Akademie Magdeburg.<br />

Die geringe Beteiligung <strong>der</strong> Medizinischen Mikrobiologen wird selbst in den 1970<br />

er Jahren noch deutlich in den Beiträgen zu damaligen MYK-Tagungen.<br />

In <strong>der</strong> damaligen DDR war die Situation etwas besser: In Einrichtungen für Medizinische<br />

Mikrobiologie arbeiteten hier:<br />

Erika Friedrich im Hygiene-Institut Halle; sie wechselte später in die Hautklinik.<br />

Renate Blaschke-Hellmessen im Hygiene-Institut <strong>der</strong> Medizinischen Akademie<br />

Dresden<br />

Georg Schabinski im Hygiene-Institut <strong>der</strong> Universität Jena, später Berlin<br />

Horst Gemeinhardt am Bezirks-Hygiene-Institut Berlin-Buch<br />

Hannelore Bernhardt gründete 1957 innerhalb <strong>der</strong> Klinik für Innere Medizin<br />

<strong>der</strong> Universität Greifswald ein leistungsfähiges mikrobiologisches Forschungslabor<br />

für Untersuchungen zur gastrointestinalen Mikroflora des Menschen.<br />

Bei diesen Forschungsaufgaben spielten Pilze, vor allem Candidaarten,<br />

eine herausragende Rolle.<br />

Es darf aber nicht übersehen werden, dass in den Laboratorien des Faches Dermatologie<br />

kompetente medizinische Mikrobiologen – Ärzte ebenso wie Naturwissenschaftler<br />

– arbeiteten, die neben den <strong>der</strong>matologischen Anliegen auch<br />

engagiert die tieflokalisierten Mykosen im Blickfeld hatten. Herausragende Beispiele<br />

hierfür sind bereits auf Seite 28 genannt worden.<br />

Veterinärmedizinische Mikrobiologie<br />

In <strong>der</strong> Veterinärmedizinischen Mikrobiologie gab es zwei Schwerpunkte mit mykologischer<br />

Kompetenz:<br />

Karl-Heinz Böhm und Wolfgang Bisping, Tierärztliche Hochschule Hannover<br />

Brigitte Gedek, Institut für Mikrobiologie und Infektionskrankheiten <strong>der</strong> Tiere<br />

<strong>der</strong> Universität München<br />

In <strong>der</strong> DDR<br />

Peter Kielstein, Institut für Tierseuchenforschung Jena<br />

Joachim Schulz, Wissenschaftsbereich Veterinärhygiene an <strong>der</strong> Sektion<br />

Tierproduktion und Veterinärmedizin <strong>der</strong> Humboldt-Universität zu Berlin.<br />

30


Pathologie<br />

HISTORIE<br />

Die Beiträge <strong>der</strong> Pathologie für die Erkennung tieflokalisierter Mykosen blieben<br />

anfangs bescheiden. Dies zeigt sich an <strong>der</strong> geringen Zahl von Pathologen, die<br />

in <strong>der</strong> Frühzeit an <strong>der</strong> Erarbeitung von Kasuistiken beteiligt waren. Offensichtlich<br />

wurden makroskopische Sektionsbefunde weithin nicht als möglicherweise<br />

pilzbedingt angesehen und daher keine pilzspezifischen Färbungen in <strong>der</strong> histologischen<br />

Aufarbeitung angewendet – auch in <strong>der</strong> Pathologie fehlte es am „mykologischen<br />

Bewusstsein“. Mykologisch kompetente Pathologen <strong>der</strong> Frühzeit<br />

waren:<br />

Günter Ba<strong>der</strong>, Jena<br />

Götz Brandt, Erlangen, später Bremen<br />

Peter Deicke, Charité Berlin<br />

Günther Schwesinger, Greifswald<br />

Von hier kamen kasuistische Berichte und erste Übersichten, welche die epidemiologische<br />

Bedeutung tiefer Mykosen ahnen ließen. Erste Fallzahlen und<br />

Prozentangaben blieben aber epidemiologisch nur bedingt auswertbar, weil die<br />

Bezugskollektive <strong>der</strong> Prozentzahlen nicht transparent waren.<br />

Pharma-Forschung<br />

Einen <strong>nach</strong> Qualität und Quantität bedeutenden Beitrag in <strong>der</strong> wissenschaftlichen<br />

Bearbeitung <strong>der</strong> tieflokalisierten Mykosen haben Wissenschaftler <strong>der</strong> Pharma-Forschung<br />

im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum geleistet. Dies betrifft nicht nur die<br />

Entwicklung und Anwendungsplatzierung von Antimykotika, son<strong>der</strong>n auch die<br />

Entwicklung von diagnostischen Methoden, die För<strong>der</strong>ung epidemiologischer<br />

Studien und die Finanzierung <strong>der</strong> wissenschaftlichen Kommunikation. Herausragende<br />

Mykologen <strong>der</strong> Frühzeit waren hier Hans Scholer in Basel und Manfred<br />

Plempel in Wuppertal.<br />

Einen bedeutenden Beitrag in <strong>der</strong> wissenschaftlichen Bearbeitung <strong>der</strong> tieflokalisierten<br />

Mykosen haben Wissenschaftler <strong>der</strong> Pharma-Forschung im <strong>deutschsprachigen</strong><br />

Raum geleistet. Ein wichtiges Antimykotikum, das 5-Fluorcytosin =<br />

Flucytosin, in Amerika entdeckt, wurde von Hans Scholer im <strong>deutschsprachigen</strong><br />

Raum zur Anwendungsreife entwickelt – <strong>nach</strong> Amphotericin B das zweite<br />

gegen tiefe Mykosen wirksame Präparat. Mit dem Clotrimazol, das zunächst<br />

als systemisch wirksames Agens gegen Candidosen gedacht war, hat Manfred<br />

Plempel das erste Azol-Antimykotikum platziert. Die beiden genannten Forscherpersönlichkeiten<br />

haben sich aber weit über die Antimykotika-Entwicklung<br />

hinaus in herausragen<strong>der</strong> Weise um die För<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />

verdient gemacht. Auf diese beiden Wissenschaftler wird noch geson<strong>der</strong>t eingegangen.<br />

31


HISTORIE<br />

Innere Medizin, Chirurgie, Intensivmedizin<br />

Tiefe Mykosen fielen zuerst gehäuft bei Nierentransplantationen auf: Bei mehr<br />

als 50% <strong>der</strong> Patienten wurden tiefe Mykosen beobachtet und als Todesursache<br />

erkannt. Der Internist mit <strong>der</strong> umfänglichsten Erfahrung mit tieflokalisierten Mykosen<br />

in <strong>der</strong> Frühzeit war fraglos Theodor Wegmann, Chefarzt am Kantonsspital<br />

St. Gallen, <strong>der</strong> daher über seine Klinik hinaus ein prominenter Ansprechpartner<br />

war. Die damals verfügbaren Krankengeschichten legten die dringliche<br />

Vermutung nahe, dass Mykosen weit häufiger sein mussten als tatsächlich klinisch<br />

erfasst wurden. Es war klar, dass es in den klinischen Fächern, wo die<br />

unerkannten Mykose-Patienten wegen ihrer Grundkrankheiten behandelt wurden,<br />

am „mykologischen Bewusstsein“ mangelte. Theodor Wegmann hat sich<br />

in enger Zusammenarbeit mit Hans Scholer um die Entwicklung von Mykose-<br />

Kompetenz <strong>der</strong> Kliniker außerordentlich verdient gemacht.<br />

In den 1980er Jahren kam die Gefährdung <strong>der</strong> hämatologisch-onkologischen Patienten<br />

durch tiefe Mykosen in die Diskussion. Hier bildete sich in Münster eine<br />

Gruppe kompetenter Protagonisten aus, die Vorbildfunktion für spätere Entwicklungen<br />

hatte: Der Hämato-Onkologe Thomas Büchner, <strong>der</strong> Pädiater Jörg Ritter,<br />

<strong>der</strong> Mikrobiologe Wolfgang Fegeler, <strong>der</strong> Dermatologe Siegfried Nolting<br />

und die klinischen Radiologen leisteten hier über Jahre hinweg bahnbrechende<br />

klinische Forschungsarbeit, die wir heute als Leitlinienarbeit bezeichnen würden<br />

und die mit Andreas Groll bis heute Bestand hat. In den letzten 20 Jahren hat<br />

sich die Dominanz <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> von <strong>der</strong> Dermatologie weg verlagert. Heute<br />

dominieren, abgesehen von <strong>der</strong> Grundlagenforschung, die Systemmykosen die<br />

einschlägigen Publikationen. Hier ist Markus Ruhnke, Berlin, zu nennen: Er organisierte<br />

die Jahrestagung 2007 in Berlin und, wie schon erwähnt, den ersten<br />

Kongress <strong>der</strong> ISHAM in Deutschland, dann Oliver Cornely, Köln, er führte die<br />

Jahrestagung 2009 in Köln durch und wurde 2011 zum Präsidenten <strong>der</strong> European<br />

Confe<strong>der</strong>ation of Medical Mycology (ECMM) gewählt. In diese Reihe gehören<br />

auch die Hämato-Onkologen Dieter Buchheidt, Mannheim, Georg Maschmeyer,<br />

Potsdam, Meinolf Karthaus, München, Gudrun Just-Nübling, Frankfurt/Main,<br />

und die pädiatrischen Hämato-Onkologen Jörg Hoppe, Tübingen,<br />

und Jörg Ritter, Münster.<br />

Die mykologische Kompetenz jüngerer Internisten und Pädiater zeigt sich schließlich<br />

darin, dass seit 2002 Markus Ruhnke, Oliver Cornely und Andreas Groll<br />

sowie ab 2017 Dieter Buchheidt DMykG-Vorsitzenden-Ämter innehatten bzw.<br />

haben.<br />

Im Jahr 2004 richtete <strong>der</strong> Chirurg Peter Kujath die Jahrestagung <strong>der</strong> DMykG in<br />

Lübeck aus, auf <strong>der</strong> die Erfahrungen <strong>der</strong> Chirurgen mit tiefen Mykosen vorgestellt<br />

wurden.<br />

32


HISTORIE<br />

Theodor Wegmann<br />

Hans Scholer<br />

Thomas Büchner<br />

Jörg Ritter<br />

Wolfgang Fegeler<br />

Andreas Groll<br />

Markus Ruhnke<br />

Georg Maschmeyer<br />

Meinolf Karthaus<br />

Gudrun Just-Nübling<br />

Oliver Cornely<br />

Dieter Buchheidt<br />

33


HISTORIE<br />

Pädiatrie<br />

Schon in den 1960iger Jahren etablierte sich in Dresden ein Schwerpunkt Candidamykosen<br />

in <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>heilkunde. Initiiert wurde diese Forschungsrichtung<br />

von Renate Blaschke-Hellmessen, <strong>der</strong> es gelang, eine über 30jährige enge<br />

Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene<br />

und <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>klinik <strong>der</strong> Medizinischen Akademie Dresden zu organisieren<br />

und aufrechtzuerhalten. Standen anfangs epidemiologische Untersuchungen zur<br />

Candida-Besiedlung von Müttern und ihren neugeborenen Kin<strong>der</strong>n im Fokus,<br />

folgten mykologische Überwachungsprogramme für Risikoneugeborene und<br />

ausgedehnte Untersuchungen zur Wirksamkeit einer oralen Nystatin- und Amphotericin<br />

B-Prophylaxe. Anfang <strong>der</strong> 80iger Jahre werden mykologische Überwachungsprogramme<br />

für Kin<strong>der</strong> mit malignen Erkrankungen und Mukoviszidose<br />

etabliert. Die ärztlichen Kooperationspartner waren vor allem <strong>der</strong> Neonatologe<br />

Roland Schwarze, <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>pulmologe Wolfgang Leupold und zahlreiche<br />

weitere Ärztinnen und Ärzte <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>klinik. Mit <strong>der</strong> Entwicklung <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>onkologie<br />

erhielten tieflokalisierte Mykosen und ihre Behandlung eine zunehmende<br />

Bedeutung. Folgerichtig war die medizinische <strong>Mykologie</strong> auch an<strong>der</strong>norts ein<br />

wissenschaftliches Thema in Kin<strong>der</strong>kliniken. Einige ihrer Protagonisten sind die<br />

schon genannten: Jörg Ritter in Münster, Jörg Hoppe in Tübingen und Andreas<br />

Groll, Münster.<br />

34


Entwicklungsstränge in <strong>der</strong><br />

Medizinischen <strong>Mykologie</strong> 1960 – 2010<br />

HISTORIE<br />

Überblickt man das gesamte Halbjahrhun<strong>der</strong>t 1960 – 2010, so werden im zeitlichen<br />

Miteinan<strong>der</strong> und versetzten Nacheinan<strong>der</strong> unterschiedliche Entwicklungsstränge<br />

sichtbar<br />

Phase I: die Erarbeitung von Kasuistiken<br />

Phase II: die Erarbeitung von labordiagnostischen Methoden<br />

Phase III: die Entwicklung neuer Antimykotika<br />

Phase IV: die Intensivierung von Kommunikation und Forschung.<br />

Phase I: die Erarbeitung von Kasuistiken<br />

Die ersten beiden Jahrzehnte 1960 bis 1980 waren gekennzeichnet durch die<br />

Erarbeitung von Krankengeschichten tiefer Mykosen. Hier wurde deutlich:<br />

Die Erregervielfalt<br />

Der opportunistische Charakter: Die tiefe Mykose als Krankheit bei Risikopatienten<br />

Die Schwierigkeit <strong>der</strong> klinischen und labordiagnostischen Erkennung<br />

Die begrenzten Therapiemöglichkeiten<br />

Die erschreckend hohe Letalität<br />

Einen wichtigen Überblick über Kasuistiken tiefer Mykosen bot Hans Scholer<br />

1984 in Basel auf einem spezialisierten Symposium. In Freiburg folgte die Arbeitsgruppe<br />

J. Müller auf <strong>der</strong> MYK-Tagung 1986 zum gleichen Thema mit spezialisierten<br />

Sitzungen, auf denen Kliniker, Pathologen und Labordiagnostiker anhand<br />

von Grafiken parallele Mykose-Situationen analysierten. Diese formal einheitlich<br />

strukturierten synoptischen Präsentationen wurden 1988 in mycoses-Supplementheften<br />

publiziert [33] .<br />

Völlig unbekannt waren damals noch Inzidenz- und Prävalenzzahlen und damit<br />

das epidemiologische Gewicht <strong>der</strong> tiefen Mykosen.<br />

Phase II: die Erarbeitung labordiagnostischer Methoden<br />

Es zeigte sich schnell, dass die aus <strong>der</strong> Dermatomykologie bekannten kulturellen<br />

Isolierungs- und morphologischen Differenzierungsmethoden für die Labordiagnostik<br />

tiefer Mykosen unzureichend waren. Zwischen 1960 und 1985 wurde<br />

daher von einer Vielzahl von Autoren ein breites Repertoire von Methoden zur<br />

Isolierung und morphologischen und biochemischen Differenzierung <strong>der</strong> Erreger<br />

tiefer Mykosen sowie zur Erfassung von Antimykotika-Resistenzen erprobt und<br />

publiziert. Weiterhin wurde ein stattliches Methodenspektrum an mykoserologischen<br />

Verfahren aufgebaut.<br />

35


HISTORIE<br />

In <strong>der</strong> Erreger-Isolierung und -Differenzierung leisteten Mykologen sowohl in<br />

<strong>der</strong> Dermatologie als auch zunehmend Mykologen in <strong>der</strong> medizinischen Mikrobiologie<br />

ebenso wie Mykologen <strong>der</strong> Pharma-Industrie bahnbrechende Entwicklungsarbeit.<br />

Die Situation war dadurch gekennzeichnet, dass die diagnostischen<br />

Materialien weitgehend aus Grundstoffen in den Laboratorien selbst hergestellt<br />

werden mussten, und dass diese diagnostischen Hilfsmittel zunächst nicht konfektioniert<br />

und kommerzialisiert erhältlich waren.<br />

In <strong>der</strong> Mykoserologie waren die frühen Entwicklungspioniere zwei herausragende<br />

Persönlichkeiten:<br />

Heinz Seeliger<br />

Hannelene Müller<br />

Heinz Seeliger hatte sich in Bonn mit Arbeiten zur Charakterisierung von Hefe-<br />

Antigenen habilitiert. Mykologische Kompetenz erwarb er sich durch einen Fortbildungsaufenthalt<br />

beim Altmeister <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> Norman Conant in den USA.<br />

Seeliger wurde 1965 auf den Lehrstuhl für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie<br />

<strong>der</strong> Universität Würzburg berufen, wo er als seinerzeit einziger Lehrstuhlinhaber<br />

für Mikrobiologie zusammen mit seinem Oberarzt Friedrich Staib eine<br />

intensive Forschungs- und Lehrtätigkeit in medizinischer <strong>Mykologie</strong> aufbaute,<br />

die über Weiterbildungen und Hospitationen eine große Ausstrahlung entfaltete.<br />

36


In <strong>der</strong> Mykoserologie etablierte er die Sprosspilzdifferenzierung mittels Antigenfaktorenbestimmungen<br />

sowie die Komplementbindungsreaktion und Agglutinations-<br />

und Präzipitationsreaktionen zum Nachweis von Candida-Antikörpern.<br />

Seeliger war bis zu seiner Emeritierung eine prägende Führungspersönlichkeit in<br />

<strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong>, <strong>der</strong> eine namhafte Anzahl von Nachwuchswissenschaftlern<br />

in medizinischer <strong>Mykologie</strong> qualifiziert hat.<br />

HISTORIE<br />

Hannelene Müller stammte aus Rostock, arbeitete eine Zeit lang am Hygiene-<br />

Institut Marburg und ging dann in die Pharma-Forschung zu Hoffmann-La Roche<br />

in Basel. Ihre große Leistung war die Entwicklung <strong>der</strong> Hämagglutinations- und<br />

Immunfluoreszenzteste zum Nachweis von Anti-Candida- und Anti-Aspergillus-<br />

Antikörpern, die bei Roche dann auch kommerziell erhältlich waren. In umfangreichen<br />

Evaluierungen wurde die pathognomonische Leistungsfähigkeit <strong>der</strong><br />

Methoden belegt. In <strong>der</strong> DDR waren die konfektionierten Serodiagnostika nicht<br />

erhältlich. Es gab dort aber bemerkenswerte laboreigene Entwicklungen.<br />

Pilzdiagnostik im mykologischen Labor <strong>der</strong> Universitätshautklinik in Jena<br />

37


HISTORIE<br />

Ursula Kaben<br />

Am 24. September 1966 wurde in Halle die AG „Taxonomie“ unter Leitung von<br />

Erika Friedrich, Halle, gegründet. Im Vor<strong>der</strong>grund <strong>der</strong> Arbeit standen zunächst<br />

taxonomische und epidemiologische Probleme. 1971 erfolgte die Umbenennung<br />

<strong>der</strong> AG in „Experimentelle <strong>Mykologie</strong>“ und mit nochmaliger Än<strong>der</strong>ung <strong>der</strong><br />

Arbeitsschwerpunkte ab 1980 in AG „Klinische <strong>Mykologie</strong>“. Am 13. April 1980<br />

übernahm Hannelore Bernhardt, Greifswald, die Leitung. Eine wichtige Aufgabe<br />

<strong>der</strong> AG war die Erarbeitung von Standards und Leitlinien zur Diagnostik von<br />

Mykosen. So wurden z. B. in den 70er Jahren mykologische Untersuchungsmethoden<br />

mit den in <strong>der</strong> DDR erhältlichen Nährmedien, Reagenzien, Seren usw.<br />

erprobt, in Ringversuchen validiert und schließlich als Empfehlung publiziert [27,<br />

28, 29]<br />

. In den 1970iger Jahren erlangten Endomykosen auch in <strong>der</strong> DDR eine zunehmende<br />

Bedeutung. Folgerichtig waren nun Programme zur mykologischen<br />

Überwachung von Risikopatienten sowie die Diagnostik und Therapie von Endomykosen<br />

Schwerpunkte <strong>der</strong> AG „Klinische <strong>Mykologie</strong>“. Darüber hinaus organisierte<br />

die AG regionale Weiterbildungsveranstaltungen für klinisch tätige<br />

Ärzte unterschiedlicher Fachgebiete. Da kommerziell gefertigte Pilzantigene in<br />

<strong>der</strong> DDR nicht erhältlich waren, mussten diese selbst hergestellt werden. Große<br />

Verdienste hierbei erwarben sich Ursula Kaben und Hans-Jürgen Westphal,<br />

beide Rostock, sowie Erika Friedrich, Halle. Sie stellten ein wasserlösliches<br />

Candida-Antigen (Candidin) her, das <strong>nach</strong> entsprechenden Prüfungen vom Institut<br />

für Arzneimittelwesen <strong>der</strong> DDR zur Anwendung am Menschen zugelassen<br />

wurde. 1975 wurde den Genannten das Wirtschaftspatent 113 843 darauf erteilt.<br />

Dieses Antigen wurde für den passiven Candida-Hämagglutinationstest, für den<br />

Lymphozytentransformationstest, verschiedene Präzipitationstests und auch<br />

den Intracutantest am Menschen eingesetzt. Damit war man auch in <strong>der</strong> DDR in<br />

<strong>der</strong> Lage, alle damals gängigen serologischen Untersuchungsverfahren<br />

zur Diagnostik <strong>der</strong> tieflokalisierten Candidamykose anzuwenden<br />

[30, 31, 32] .<br />

Der Arbeitsgemeinschaft gelang es, im Zusammenwirken mit dem<br />

Vorstand <strong>der</strong> Gesellschaft für Medizinische <strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> DDR<br />

auch die zuständigen staatlichen Stellen davon zu überzeugen,<br />

dass die notwendigen Laborkapazitäten unbedingt aufgestockt<br />

bzw. neu geschaffen werden müssen. Über Jahre hinweg ist die<br />

Zahl qualifizierter Laboratorien, die mykologische Untersuchungen<br />

durchführen konnten, langsam angestiegen. Ende <strong>der</strong> 1980iger<br />

Jahre war praktisch in jedem Bezirk <strong>der</strong> DDR mindestens ein Labor<br />

in <strong>der</strong> Lage, den regionalen Untersuchungsbedarf abzudecken. Die<br />

AG „Klinische <strong>Mykologie</strong>“ wurde bei <strong>der</strong> Vereinigung <strong>der</strong> ehemaligen<br />

DDR-Gesellschaft mit <strong>der</strong> DMykG 1991 übernommen und<br />

führt regelmäßige Arbeitstagungen, überwiegend unter <strong>der</strong> Leitung<br />

<strong>der</strong> Göttinger Mykologen durch, ebenso die AG „Mykologische<br />

Laboratoriumsdiagnostik“, <strong>der</strong>en Tagungen überwiegend von<br />

Pietro Nennof, Mölbis, organisiert und geleitet wurden.<br />

38


Die weiteren damaligen Aktivitäten und ihre Protagonisten sind von Claus<br />

Seebacher, Renate Blaschke-Hellmessen und Peter Kielstein [10] eingehend<br />

dokumentiert worden. Hier findet sich auch eine Zusammenstellung aller mykologischen<br />

Laboratorien in <strong>der</strong> damaligen DDR mit den jeweiligen Leitern, überwiegend<br />

Naturwissenschaftler, aufgeführt. Ein Teil <strong>der</strong> kompetenten mykologischen<br />

Laboratorien konnten <strong>nach</strong> <strong>der</strong> Wende 1990 in den neuen Bundeslän<strong>der</strong>n<br />

weitgehend erhalten werden.<br />

HISTORIE<br />

Anfang <strong>der</strong> 1980er Jahre gab es dann eine breit gefächerte Labordiagnostik für<br />

tiefe Mykosen im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum. Dieser Diagnostikbereich war allerdings<br />

geografisch nicht flächendeckend! Neben Seeligers Aktivität in Würzburg<br />

hat Johannes Müller am Freiburger Hygiene-Institut unter <strong>der</strong> verständnisvollen<br />

För<strong>der</strong>ung durch den damaligen Direktor Richard Haas bereits in den<br />

1960er Jahren begonnen, eine Einheit für medizinische <strong>Mykologie</strong> aufzubauen,<br />

die neben routinemäßiger Labordiagnostik auch Methodenentwicklung und<br />

Grundlagenforschung betrieb. Das labordiagnostische Volumen betrug jährlich<br />

ca. 25.000 Untersuchungsproben und dürfte damals das umfangreichste in <strong>der</strong><br />

Bundesrepublik gewesen sein. Die intensive Labordiagnostik und <strong>der</strong> aktive Forschungsbetrieb<br />

waren so ansehnlich, dass 1971 Hannelene Müller, Mitarbeiterin<br />

von Hans Scholer in Basel, erschien und bei J. Müller anfragte, ob sie sich an <strong>der</strong><br />

Freiburger Medizinischen Fakultät habilitieren dürfte, was dann auch geschah.<br />

Im Jahr 1989 folgte ihr Annemarie Polak mit dem gleichen Anliegen. Es gab<br />

also in Freiburg drei habilitierte Mykologen. Die beiden Damen beteiligten sich in<br />

Freiburg an <strong>der</strong> Lehre, ansonsten blieb aber ihr Arbeitsstandort Basel. Dieser mykologische<br />

Arbeitsbereich wurde 1975 mit <strong>der</strong> Umstrukturierung des Instituts zu<br />

einer von fünf selbstständigen Abteilungen mit eigenem Budgetrecht – eine Singularität<br />

im <strong>deutschsprachigen</strong> Bereich. Diese Selbstständigkeit ging 1992 <strong>nach</strong><br />

dem Ausscheiden von J. Müller in den Ruhestand verloren: Auf Betreiben des<br />

Bakteriologen Wolfgang Bredt, <strong>der</strong> damals gerade Geschäftsführen<strong>der</strong> Direktor<br />

des gesamten Instituts für Medizinische Mikrobiologie war, wurde die <strong>Mykologie</strong><br />

wie<strong>der</strong> zu einem reinen diagnostischen Dienstleistungslabor zurückgestuft. Die<br />

hier zur Kompetenz gelangten Mykologinnen sind sämtlich in an<strong>der</strong>e Bereiche<br />

abgewan<strong>der</strong>t.<br />

Von 1990 bis 1993 war Johannes Müller Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. In seine<br />

Amtsperiode fiel die Vereinigung <strong>der</strong> ehemaligen DDR-Gesellschft mit <strong>der</strong><br />

DMykG 1991 auf <strong>der</strong> Tagung in Essen und war zuvor von J. Müller und dem<br />

letzten Vorstand <strong>der</strong> beitretenden Gesellschaft (I. Tausch, C. Seebacher, U. Kaben,<br />

H. Uhlmann) einvernehmlich und sehr kollegial vorbereitet worden. Auch im<br />

Nachhinein kann man diese Vereinigung als sehr gelungen, ohne irgendwelche<br />

Ost-Westprobleme, bezeichnen. Schon für die nächsten Wahlperioden (1993 –<br />

1996 – 1999) wurde Hannelore Bernhardt aus Greifswald zur stellvertretenden<br />

Vorsitzenden und anschließend zur Vorsitzenden <strong>der</strong> DMykG gewählt.<br />

39


HISTORIE<br />

Reinhard Rüchel<br />

Anfang <strong>der</strong> 1980er Jahre begründete Reinhard Rüchel im Hygiene-Institut Göttingen<br />

eine außerordentlich potente mykologische Arbeitsgruppe, wohlwollend<br />

geför<strong>der</strong>t vom damaligen Institutsdirektor Reiner Thomssen. Rüchel baute nicht<br />

nur eine labordiagnostische Dienstleistungseinheit für die Göttinger Universitätskliniken<br />

auf, son<strong>der</strong>n von Anfang an auch eine grundlagenwissenschaftliche<br />

Arbeitsgruppe, die über Pilzproteasen und ihre Rolle als Virulenzfaktoren in <strong>der</strong><br />

Pathogenese von Mykosen forschte und dazu molekularbiologische Methoden<br />

einsetzte. Die Arbeitsgruppe gelangte innerhalb weniger Jahre zu internationalem<br />

Ansehen und Rüchel war von 1997 – 1999 Vizepräsident <strong>der</strong> ISHAM. Aus<br />

Rüchels Mitarbeiterkreis gingen Mykologen hervor, die noch heute die wissenschaftliche<br />

Szene prägen wie Margarete Borg-von Zepelin, Bernhard Hube,<br />

Utz Reichard und Michael Weig. Die medizinische <strong>Mykologie</strong> in Göttingen hat<br />

unter Thomssens Nachfolger Uwe Groß weiterhin Bestand.<br />

Reinhard Kappe hat sich in Freiburg mykologisch qualifiziert, war von 1983 –<br />

1987 Mitarbeiter von J. Müller und arbeitete dann zwei Jahre bei Tewari in den<br />

USA. Ab 1989 baute er im Hygiene-Institut Heidelberg unter dem Direktorat von<br />

Hans Sonntag einen mykologischen Arbeitsbereich auf. Kappe wechselte dann<br />

<strong>nach</strong> Erfurt ans Klinikum Nordhausen und gleichzeitig mit ihm die Mykologin<br />

Dagmar Rimek ans Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz.<br />

Margarete Borg-von Zepelin<br />

Uwe Groß Michael Weig Reinhard Kappe<br />

Dagmar Rimek<br />

40


HISTORIE<br />

41


HISTORIE<br />

42


Herbert Hof etablierte Ende <strong>der</strong> 1990er Jahre als Direktor des Instituts für Medizinische<br />

Mikrobiologie Mannheim einen mykologischen Arbeitsbereich.<br />

HISTORIE<br />

Eine Son<strong>der</strong>stellung nahm das Fachgebiet <strong>Mykologie</strong> am Robert Koch-Institut<br />

in Berlin ein. Unter <strong>der</strong> Leitung von Friedrich Staib von 1968 – 1990 wurde<br />

neben an<strong>der</strong>en Dienstaufgaben dieser Bundesanstalt auch labordiagnostische<br />

Konsiliararbeit und methodische Entwicklungsarbeit betrieben. Schwerpunkte<br />

waren Studien über Cryptococcose und Aspergillose sowie Enzyme als Pathogenitätsfaktoren<br />

bei Candida. Unter <strong>der</strong> Leitung von Kathrin Tintelnot, die auch<br />

aus <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> Würzburg kam, wurden labordiagnostische und epidemiologische<br />

Arbeiten weiter betrieben mit den Schwerpunkten Zygomykosen, außereuropäische<br />

Mykosen und Resistenzbestimmungen. Als wichtiger wissenschaftlicher<br />

Mitarbeiter muss hier Michael Seibold erwähnt werden, <strong>der</strong> schon unter<br />

F. Staib in <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> am RKI tätig war. Von den labordiagnostischen Aktivitäten<br />

im RKI profitierten insbeson<strong>der</strong>e die lokalen Berliner Kliniken.<br />

Herbert Hof<br />

Friedrich Staib<br />

43


HISTORIE<br />

Phase III: die Entwicklung neuer Antimykotika<br />

Von 1955 – 1966 war die einzige gegen tieflokalisierte Mykosen verfügbare Medikation<br />

das Polyen-Antimykotikum Amphotericin B. Sein klinischer Einsatz war<br />

wegen seiner hohen Nierentoxizität gefürchtet.<br />

Dazu Hans Scholer: „Es sind in den 1960er Jahren mehr Menschen dadurch<br />

verstorben, dass ihnen Amphotericin B aus Nebenwirkungsangst verweigert<br />

wurde, als an den gefürchteten Nebenwirkungen selbst“. Der erste entscheidende<br />

Fortschritt über die Monotherapie mit Amphotericin B hinaus wurde von Hans<br />

Scholer und seiner Arbeitsgruppe erarbeitet.<br />

Hans Scholer, Arzt mit mikrobiologischer und pathologischer Ausbildung, arbeitete<br />

seit Mitte <strong>der</strong> 1950er Jahre bei <strong>der</strong> Firma Hoffmann-La Roche in Basel über<br />

antimykotische Chemotherapie. Er baute eine forschungsintensive Abteilung mit<br />

einem tierexperimentellen Screeningbetrieb auf. Ziel war die Entdeckung antimykotisch<br />

wirksamer Substanzen – nicht nur antimyzetisch in vitro, son<strong>der</strong>n gleich<br />

antimykotisch in vivo im Tierversuch. Bearbeitet wurden hier bereits Azole. Diese<br />

Zielrichtung wurde aber bald aufgegeben. Zu seiner beruflichen Lebensaufgabe<br />

wurde das 5-Fluorcytosin, das Flucytosin. In Amerika entdeckt, wurde es von<br />

Hoffmann-La Roche in Europa zwischen 1963 und 1969 zur klinischen Anwendungsreife<br />

gebracht. Im Gegensatz zum Amphotericin B, das rein empirisch in<br />

sich langsam vortasten<strong>der</strong> klinischer Erfahrung platziert worden war, war Flucytosin<br />

Gegenstand planvoller und kontrollierter Entwicklung. Hier bewährte sich<br />

Scholers wissenschaftliches Format: Sein innovatives, präzises Experimentieren,<br />

seine kritische Wertung <strong>der</strong> experimentellen Ergebnisse und Beobachtungen,<br />

seine konsequente Umsetzung von Tierexperimenten in klinische Studien<br />

und Anwendungen.<br />

Es zeigte sich indessen schnell, dass das systemisch wirksame Flucytosin als<br />

Monotherapie gegen tiefe Mykosen nicht einsetzbar war, son<strong>der</strong>n nur in Kombination<br />

mit Amphotericin B. Nur in <strong>der</strong> Kombination wurde die schnelle Überwucherung<br />

mit Flucytosin-resistenten Erreger-Mutanten vermieden. Mit dieser<br />

Kombination waren deutliche Therapiefortschritte erreicht:<br />

In <strong>der</strong> Kombination wirkten beide Substanzen synergistisch.<br />

Daher konnte Amphotericin B auf die Hälfte <strong>der</strong> Dosierung in <strong>der</strong> Monotherapie<br />

reduziert werden.<br />

Damit vermin<strong>der</strong>te sich deutlich das Nebenwirkungsrisiko <strong>der</strong> Ampho B-Nierentoxizität.<br />

Das Flucytosin konnte wahlweise intravenös o<strong>der</strong> oral verabreicht werden. Die<br />

intravenöse Zubereitung enthielt Kochsalz. In <strong>der</strong> Folge stellte sich heraus, dass<br />

die NaCl-Beladung <strong>der</strong> Mykosepatienten zu einer weiteren Reduktion <strong>der</strong> Ampho<br />

B-Nierentoxizität beitrug. Es ist tragisch, dass die intravenöse Zubereitungsform<br />

des Flucytosins in den USA nicht zugelassen war und damit die Reduktion <strong>der</strong><br />

Ampho B-Nierentoxizität außerhalb Europas nicht wahrgenommen wurde.<br />

44


Bei den Bemühungen Scholers zur klinischen Einführung <strong>der</strong> Kombination<br />

Ampho B-Flucytosin hatte Scholer ein Aha-Erlebnis, das ihn<br />

geradezu aufgewühlt hat: Die Mykosepatienten betreuenden Klinikärzte<br />

kannten keine tieflokalisierten Mykosen, konnten sie symptomatisch<br />

nicht erkennen, und wenn, dann fürchteten sie die Ampho B-Toxizität<br />

o<strong>der</strong> behandelten zu spät. Hans Scholer erkannte die dringliche Notwendigkeit<br />

klinikärztlicher Fortbildung. Hier setzte er sich mit ganzer<br />

Kraft unter Einsatz beträchtlicher Finanzmittel über viele Jahre hinweg<br />

ein.<br />

HISTORIE<br />

Zu Scholers Entwicklungsarbeit gehörte auch die Verfügbarkeit eines<br />

firmeneigenen diagnostischen Labors und die Zusammenarbeit mit<br />

Klinikern. In <strong>der</strong> Labordiagnostik stand ihm zunächst Hannelene Müller<br />

zur Seite. Ab 1969 war auch die Mikrobiologin Annemarie Polak<br />

Scholers Mitarbeiterin. Scholers kongenialer klinisch-internistischer Ansprechpartner<br />

war Theodor Wegmann, Chefarzt am Kantonsspital St.<br />

Gallen. Mit dieser Gruppierung hatte Scholer die Entwicklungsarbeit<br />

des Flucytosins klinisch und labordiagnostisch begleitet und dabei einen<br />

so umfangreichen Erfahrungsschatz über tiefe Mykosen gesammelt,<br />

wie sonst niemand im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum in den 1960er Jahren.<br />

Hannelene Müller<br />

Diese breite Erfahrung hat Scholer instand gesetzt, in den 1970er Jahren eine<br />

dichte Folge von Fortbildungsveranstaltungen für Therapie bestimmende Chefund<br />

Oberärzte zu organisieren und zu finanzieren. Scholer hat auch J. Müller in<br />

Freiburg in diese Fortbildungen mit eingebunden. Es war eine mühevolle Arbeit,<br />

die nur langsam Früchte trug, aber es war die Weitsicht und die Initiative Hans<br />

Scholers, die das „mykologische Bewusstsein“ in den Kliniken begründet hat.<br />

Ein weiterer Meilenstein in <strong>der</strong> Antimykotika-Forschung im <strong>deutschsprachigen</strong><br />

Raum wurde von Manfred Plempel geleistet.<br />

Manfred Plempel hat Biologie und Medizin studiert. 1963 wurde er Abteilungsleiter<br />

für Medizinische <strong>Mykologie</strong> innerhalb <strong>der</strong> Medizinischen Mikrobiologie des<br />

Instituts für Chemotherapie <strong>der</strong> Bayer Pharmaforschung in Wuppertal.<br />

Sein Forschungsziel war die Entwicklung antimykotischer Substanzen<br />

Manfred Plempel<br />

Manfred Plempel mit seinen „Sprößlingen“<br />

Mycospor ® und Canesten ®<br />

45


HISTORIE<br />

sowohl gegen Dermatophyten als auch gegen nichtkeratinophile Pilze und damit<br />

auch Therapeutika gegen tieflokalisierte Mykosen. Er stand übrigens mit Hans<br />

Scholer in einem engen, wissenschaftlichen Austausch – durchaus mit Billigung<br />

bei<strong>der</strong> Firmenleitungen.<br />

Die historisch herausragende Leistung Plempels war 1969 die Etablierung des<br />

Clotrimazols als des ersten Azols in <strong>der</strong> antimykotischen Chemotherapie. Es<br />

ist heute vergessen, dass Clotrimazol primär zur systemischen Anwendung bei<br />

Candidosen gedacht war. Diese Therapiestrategie musste bald verlassen werden,<br />

weil sich herausstellte, dass die systemische Applikation zu einer Induktion<br />

hydrolytischer Leberenzyme führte, die die Wirkungsspiegel des Clotrimazols<br />

schnell unter die Wirkungsgrenze herabdrückte. Clotrimazol hat sich dann sehr<br />

bald als Lokaltherapeutikum einen Platz in <strong>der</strong> Behandlung von Dermatomykosen<br />

erobert und die Vielzahl <strong>der</strong> bis dahin üblichen unbefriedigenden antimyzetischen<br />

Rezepturen verdrängt.<br />

Trotz dieses Fehlschlags hat sich Plempel sein ganzes Berufsleben lang mit tiefen<br />

Mykosen beschäftigt. Er betrieb wie Scholer ein firmeneigenes diagnostisches<br />

Labor, aus dem viele Initiativen zur Entwicklung diagnostischer Methoden<br />

hervorgingen; insbeson<strong>der</strong>e hat er früh die Problematik von Resistenztesten bei<br />

Pilzen bearbeitet und den ersten multizentrischen Test zusammen mit Annemarie<br />

Polak auf den Weg gebracht. Plempel verfügte über eine umfangreiche<br />

Stammsammlung von Pilzen und über ein Sicherheitslabor.<br />

Annemarie Polak<br />

Die Entwicklung weiterer Antimykotika gegen tiefe Mykosen erfolgte außerhalb<br />

des <strong>deutschsprachigen</strong> Raumes: Die Firma Janssen führte 1969 das Miconazol<br />

ein, das in praxi nur eine bescheidene Erweiterung des antimykotischen Spektrums<br />

brachte. Erst 1980 erschien, ebenfalls von Janssen produziert, das Ketoconazol<br />

auf <strong>der</strong> Bildfläche – es wurde im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum mit Skepsis<br />

aufgenommen wegen seiner Lebertoxizität, hat aber in <strong>der</strong> Dritten Welt breite<br />

Anwendung in <strong>der</strong> Bekämpfung tiefer Mykosen gefunden. Im Jahr 1986 brachte<br />

Janssen das Itraconazol auf den Markt, mit dem zum ersten Mal ein Azol-Antimykotikum<br />

gegen tiefe Fadenpilzmykosen verfügbar war.<br />

In diese Zeit, um 1988, fielen die ersten Studien über die antimykotische Potenz<br />

<strong>der</strong> Echinocandine mit Cilofungin – Studien, die von <strong>der</strong> Firma Eli Lilly unternommen<br />

wurden. Eli Lilly zog sich dann aber aus <strong>der</strong> Antimykotika-Entwicklung<br />

zurück, die Echinocandine wan<strong>der</strong>ten zu an<strong>der</strong>en Herstellern ab.<br />

Mit dem Fluconazol gelang <strong>der</strong> Firma Pfizer 1988/90 ein spektakulärer Durchbruch<br />

in <strong>der</strong> antimykotischen Chemotherapie insbeson<strong>der</strong>e <strong>der</strong> Candidosen. Die<br />

hochgradige Wirksamkeit und die günstigen pharmakologischen Eigenschaften,<br />

insbeson<strong>der</strong>e die Wasserlöslichkeit, waren so überzeugend, dass sich das Fluconazol<br />

sehr schnell breit in <strong>der</strong> klinischen Anwendung durchsetzte. Dies galt<br />

nicht nur für die Therapie flori<strong>der</strong> Mykosen, son<strong>der</strong>n stellte auch die bis dahin mit<br />

Vorbehalten diskutierte Prävention gegen tiefe Mykosen bei Risikopatienten auf<br />

eine ganz neue Basis. In <strong>der</strong> Folge hat <strong>der</strong> Fluconazol-Einsatz die Epidemiologie<br />

<strong>der</strong> Candidosen drastisch verän<strong>der</strong>t.<br />

46


Mit dem Folgepräparat Voriconazol erweiterte Pfizer 1999 das antimykotische<br />

Wirkungsspektrum <strong>der</strong> Azole auf die Fadenpilz-bedingten tiefen Mykosen.<br />

HISTORIE<br />

Mit den liposomalen Formulierungen des Amphotericins B wurde dieses<br />

Polyen-Antimykotikum 1990 noch einmal in den Möglichkeiten seiner Monotherapie<br />

deutlich aufgewertet.<br />

Ab 2002 gelangten die Echinocandine in die klinische Anwendungsfähigkeit<br />

mit den Präparaten Caspofungin, Micafungin und Anidulafungin. Diese Verbindungsklasse<br />

mit dem neuartigen Angriffspunkt stellt den vorläufigen Schlusspunkt<br />

in <strong>der</strong> Entwicklung <strong>der</strong> Antimykotika gegen tiefe Mykosen dar.<br />

Bereits mit dem Flucytosin waren Resistenzprobleme bei klinischen Pilzisolaten<br />

zu einer wissenschaftlichen Herausfor<strong>der</strong>ung geworden. Mit <strong>der</strong> Einführung<br />

<strong>der</strong> Azol-Antimykotika hatten diese Probleme an Gewicht zugenommen, selbst<br />

beim Amphotericin B tauchten Resistenzfragen auf. Hier hat Arno Schmalreck<br />

im Forschungslabor <strong>der</strong> Firma Pfizer Herausragendes für die Entwicklung und<br />

Standardisierung von Empfindlichkeitsprüfungen geleistet und umfangreiches<br />

Datenmaterial zusammengetragen.<br />

In <strong>der</strong> Antimykotika-Forschung sind gewichtige Anfangsentwicklungen im<br />

<strong>deutschsprachigen</strong> Raum abgelaufen. Zu den Anwendungserfahrungen haben<br />

die Aktivitäten <strong>der</strong> Mykologen aller beteiligten Bereiche maßgeblich beigetragen.<br />

Die Pharma-Firmen haben nicht nur mit eigenen Forschungen Entwicklungsarbeit<br />

geleistet, son<strong>der</strong>n über Jahrzehnte hinweg die deutschsprachige <strong>Mykologie</strong><br />

finanziell in einem Ausmaß unterstützt, ohne das unser Fach nicht den heutigen<br />

Status hätte. Dafür gilt den Pharma-Firmen Dank und Anerkennung.<br />

Phase IV: die Intensivierung von Kommunikation und Forschung<br />

Epidemiologie<br />

Bis in die Mitte <strong>der</strong> 1980er Jahre gab es keine klaren Vorstellungen zur Mykosen-Inzidenz.<br />

Die Informationslücke konnte mit einer Studie <strong>der</strong> Arbeitsgruppe J.<br />

Müller in Freiburg geschlossen werden [33] .<br />

Für diese Studie bestanden in Freiburg – und nur in Freiburg – folgende Voraussetzungen:<br />

Das Freiburger Hygiene-Institut war zugleich Medizinaluntersuchungsamt<br />

und versorgte eine Bevölkerung von 225 000 Menschen flächendeckend<br />

labordiagnostisch. Im Pilzlabor wurden 25 000 Untersuchungsproben<br />

pro Jahr untersucht – das entsprach <strong>der</strong> Hälfte des Untersuchungsvolumens in<br />

<strong>der</strong> Varia-Diagnostik. In einem Untersuchungszeitraum von zwei Jahren 1984 –<br />

1986 wurden hier 1022 Verdachtssituationen für tiefe Mykosen erfasst. Nach<br />

einem selbst erstellten Definitionskatalog wurden daraus 245 tiefe Mykosen diagnostiziert.<br />

Eine vorsichtige Hochrechnung ergab somit eine Inzidenz von 600<br />

tieflokalisierten Mykosen pro Million Bevölkerung, das entspricht <strong>der</strong> 2,7-fachen<br />

Tuberkulose-Inzidenz <strong>der</strong> damaligen Zeit. Die erfassten Mykosen waren zu 93%<br />

47


HISTORIE<br />

Candidosen, zu 6% Aspergillosen und zu 1% Cryptococcosen und Zygomykosen.<br />

Die Höhe <strong>der</strong> Mykosen-Inzidenz wurde zunächst selbst von erfahrenen<br />

Mykologen für viel zu hoch erachtet, aber in den <strong>nach</strong>folgenden Jahren durch<br />

Zählstudien in Frankreich und Statistiken aus den USA in <strong>der</strong> Größenordnung<br />

bestätigt.<br />

Diese Information war wegbahnend: Die Diagnostika-Hersteller erkannten das<br />

potenzielle Marktvolumen, und in schneller Folge erschienen konfektionierte Diagnostika<br />

auch für die <strong>Mykologie</strong> auf dem Markt. Ebenso wurde mit einem Schlag<br />

das potenzielle Umsatzvolumen für die Antimykotika-Hersteller sichtbar, denn<br />

neben <strong>der</strong> indizierten Therapie erschien damit auch die antimykotische Prävention<br />

in einem ganz neuen Licht.<br />

Expertenrunde im Fernsehstudio „Unter den Linden“ in Berlin 2002<br />

48


Die zwei Jahrzehnte 1990 – 2010<br />

HISTORIE<br />

Die ersten drei Jahrzehnte des betrachteten Halbjahrhun<strong>der</strong>ts sind gekennzeichnet<br />

durch die Aufbauarbeit weitsichtiger und verantwortungsbewusster Pioniere,<br />

durch Einzelkämpfer und ihre mykologischen Kleingruppen. Die nächsten beiden<br />

Jahrzehnte sind charakterisiert durch den raschen Aufbau von mykologischen<br />

Netzwerken.<br />

Labordiagnostik<br />

Im Jahr 1997 hat Johannes Müller die Erfor<strong>der</strong>nisse für eine flächendeckende<br />

Labordiagnostik in medizinischer <strong>Mykologie</strong> in Deutschland formuliert und die<br />

Defizite in <strong>der</strong> Bundesrepublik kritisiert. Als Präsident <strong>der</strong> Internationalen Gesellschaft<br />

für Humane und Animale <strong>Mykologie</strong> ISHAM initiierte er eine Resolution<br />

zur Verbesserung <strong>der</strong> Mykosen-Diagnostik weltweit, die auf dem ISHAM-Kongress<br />

1997 von <strong>der</strong> ISHAM-Generalversammlung verabschiedet wurde [34] .<br />

In <strong>der</strong> Folge mehrten sich die mykologischen Laboratorien in den Instituten für<br />

Medizinische Mikrobiologie im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum, wenn auch bis heute<br />

eine flächendeckende mykologische Labordiagnostik in <strong>der</strong> Bundesrepublik nicht<br />

erreicht worden ist.<br />

Sehr bemerkenswert ist, dass sich – analog zur Dermatologie <strong>der</strong> Frühzeit – in<br />

den letzten beiden Jahrzehnten auch in den Kliniken internistischer Ausrichtung<br />

labordiagnostische Laboratorien etabliert haben. Herausragende Beispiele hierfür<br />

sind <strong>der</strong> Arbeitsbereich von Markus Ruhnke im Bereich Hämatologie/Onkologie<br />

<strong>der</strong> Charité Berlin und Dieter Buchheidt in<br />

<strong>der</strong> Medizinischen Universitätsklinik Mannheim, wo methodische<br />

Entwicklungsarbeit auf molekularbiologischem Niveau betrieben<br />

wird. Ein solcher Einsatz for<strong>der</strong>t deshalb beson<strong>der</strong>e Anerkennung,<br />

weil <strong>der</strong>artige Forschungsarbeit neben uneingeschränkter<br />

klinischer Dienstbelastung erbracht werden muss.<br />

Referenzlaboratorien<br />

2001 wurde vom Robert Koch-Institut erstmals ein Nationales<br />

Referenzzentrum für Systemische Mykosen eingerichtet. Reinhard<br />

Rüchels mykologische Keimzelle in Göttingen wurde unter<br />

<strong>der</strong> Leitung von Uwe Groß zum Nationalen Referenzzentrum<br />

für Systemische Mykosen berufen.<br />

Dieter Buchheidt<br />

49


HISTORIE<br />

2014 wurde Oliver Kurzai zum Leiter des jetzt in Nationales<br />

Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk)<br />

umbenannten Referenzlabors berufen, das seitdem am Hans<br />

Knöll-Institut – Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und<br />

Infektionsbiologie in Jena angesiedelt ist.<br />

Reinhard Kappe leitete bis 2013 das Konsiliarlabor für Aspergillus<br />

in Nordhausen, dessen Aufgaben mit <strong>der</strong> Neuberufung<br />

des NRZMyk in dieses integriert wurden. Kathrin Tintelnot<br />

leitete bis 2016 das Konsiliarlabor für Scedosporiose<br />

und importierte Systemmykosen am RKI in Berlin. Die Leitung<br />

wurde da<strong>nach</strong> von Volker Rickerts übernommen und<br />

das Labor umbenannt in Konsiliarlabor für Kryptokokkose und<br />

seltene Systemmykosen. Das Konsiliarlabor für Dermatophyten<br />

ist unter <strong>der</strong> Leitung von Yvonne Gräser in <strong>der</strong> Universitätsmedizin<br />

Berlin am Institut für Mikrobiologie und Hygiene<br />

angesiedelt.<br />

Kerstin Voigt, Oliver Kurzai<br />

Volker Rickerts<br />

50


HISTORIE<br />

Hans Knöll Institut<br />

Grundlagenforschung und klinische Forschung<br />

Erfreulicherweise wird mittlerweile an zahlreichen Standorten in Deutschland<br />

mykologische Grundlagenforschung betrieben. Als Beispiele sollen hier die<br />

Standorte Jena, Würzburg und Köln genannt werden, an denen mykologische<br />

Forschung in beson<strong>der</strong>er Weise im Mittelpunkt steht. Die Forschungsstandorte<br />

Jena und Würzburg tragen auch den DFG-geför<strong>der</strong>ten Son<strong>der</strong>forschungsbereich<br />

/ Transregio „FungiNet – Humanpathogene Pilze und ihr menschlicher Wirt:<br />

Netzwerke <strong>der</strong> Interaktion.<br />

Jena<br />

Im Mittelpunkt <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> in Jena steht das Hans-Knöll-Institut, das 1951 auf<br />

dem Beutenberg gegründet wurde. Hier erfolgte bis 1990 die gesamte Produktion<br />

des BCG-Impfstoffes <strong>der</strong> DDR. 1953 wurde Hans Knöll Direktor des neu erbauten<br />

Instituts für Mikrobiologie und experimentelle Therapie, das 1956 von <strong>der</strong><br />

Deutschen Akademie <strong>der</strong> Wissenschaften in Berlin übernommen wurde. Nach<br />

<strong>der</strong> politischen Wende und <strong>der</strong> Abwicklung <strong>der</strong> Akademie <strong>der</strong> Wissenschaften<br />

<strong>der</strong> DDR wurde das Institut <strong>nach</strong> verschiedenen Zwischenschritten schließlich<br />

2005 in den Verbund <strong>der</strong> Leibniz-Institute integriert und erhielt den o.g. Namen.<br />

Ab 1. Juli 2005 hat Axel Brakhage, aus Hannover kommend, die Leitung des Instituts<br />

als Wissenschaftlicher Direktor inne. Die <strong>der</strong>zeitige Aufgabenstellung des<br />

Instituts ist <strong>der</strong> wissenschaftlichen Kompetenz, <strong>der</strong> Weitsicht, dem Verantwortungsbewusstsein<br />

und dem wissenschaftspolitischen Geschick von Axel Brakhage<br />

zu verdanken. Im HKI arbeitet heute eine dreistellige Zahl hochkompetenter,<br />

hochmotivierter Forscher an einer umfassenden Vielfalt von Fragestellungen zur<br />

Axel Brakhage<br />

51


HISTORIE<br />

Pathobiologie von Pilzen und Mykosen mit mo<strong>der</strong>nster Methodik, was das Institut<br />

in <strong>der</strong> internationalen Fachwelt bereits zu hohem Ansehen gebracht hat. Das HKI<br />

zählt hinsichtlich seines mykologischen Forschungsniveaus, seines Forschungsvolumens<br />

und seiner Forschungsintensität auch international zu den führenden<br />

Forschungseinrichtungen in <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong>. Die 5 Departments<br />

des Instituts sind fest mit <strong>der</strong> Friedrich Schiller-Universität assoziiert. Axel Brakhage<br />

beschäftigt sich als Naturwissenschaftler seit Beginn <strong>der</strong> 1990er Jahre mit <strong>der</strong><br />

Pathobiologie humanpathogener Pilze. Seit 2007 ist Bernhard Hube Abteilungsleiter<br />

Mikrobielle Pathogenitätsmechanismen am HKI. Er zählt seit Langem zur<br />

internationalen Spitze bei <strong>der</strong> Erforschung <strong>der</strong> Pathogenitätsmechanismen und<br />

war von 2009 – 2012 Vizepräsident <strong>der</strong> ISHAM. Oliver Kurzai leitet das Department<br />

Fungal Septomics und ist zur Zeit Schriftführer <strong>der</strong> DMykG. Oliver Kurzai<br />

ist auch Chief Editor von Medical Mycology Case Reports (www.leibniz-hki.de).<br />

Würzburg<br />

Die <strong>Mykologie</strong> in Würzburg blickt auf eine lange Tradition zurück. 1993 wurde<br />

das Institut für Molekulare Infektionsbiologie an <strong>der</strong> Universität in Würzburg gegründet.<br />

Direktor des Instituts war bis zu seiner Berufung als Direktor des Robert<br />

Koch-Instituts in Berlin Jörg Hacker. Inzwischen ist er Präsident <strong>der</strong> Leopoldina<br />

in Halle, <strong>der</strong> Nationalen Akademie <strong>der</strong> Wissenschaften in Deutschland. Hackers<br />

Verdienst für die medizinische <strong>Mykologie</strong> war die Gründung einer selbstständigen<br />

Abteilung <strong>Mykologie</strong>, die noch heute von Joachim Morschhäuser geleitet<br />

wird. Im Fokus <strong>der</strong> Forscher um J. Morschhäuser stand und steht Candida albicans.<br />

Die umfangreiche Forschungsarbeit, die hier geleistet wird, kann dem<br />

Forschungsbericht und <strong>der</strong> langen Publikationsliste dieser Abteilung im Internet<br />

entnommen werden (www.imib-wuerzburg.de).<br />

Das Institut für Hygiene und Mikrobiologie wurde von 1965-1997 von Heinz Seeliger<br />

geleitet. Seitdem waren dort immer wie<strong>der</strong> international sichtbare mykologische<br />

Arbeitsgruppen tätig, so zum Beispiel die von Michael Weig o<strong>der</strong> Fritz<br />

Mühlschlegel. Im Jahr 2017 wurde an diesem Institut <strong>der</strong> deutschlandweit erste<br />

Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und <strong>Mykologie</strong> eingerichtet und mit<br />

Oliver Kurzai besetzt.<br />

Die Klinik für Innere Medizin II in Würzburg wird seit 2004 von Hermann Einsele<br />

geleitet und ist in <strong>der</strong> klinischen Forschung zu invasiven Pilzinfektionen, insbeson<strong>der</strong>e<br />

<strong>der</strong> Aspergillose engagiert. Zusammen mit Jürgen Löffler hat Hermann<br />

Einsele maßgebliche Beiträge zur Entwicklung <strong>der</strong> molekularen Diagnostik<br />

<strong>der</strong> Aspergillose geleistet.<br />

Köln<br />

52<br />

Die mykologische Expertise in Köln gründet auf einer langen Tradition des Standorts<br />

in <strong>der</strong> Durchführung klinischer Studien. Geprägt wurde die Kölner <strong>Mykologie</strong><br />

von Oliver Cornely, <strong>der</strong> durch große multizentrische Studien zur Therapie von<br />

Fieber bei neutropenen Patienten und zur Behandlung von invasiven Pilzinfektionen<br />

international weit beachtete Beiträge leistete, die das klinische Management<br />

von Pilzinfektionen entscheidend beeinflusst haben. Zusammen mit seinen


Mitarbeitern gründete Cornely bereits 2003 das globale Register FungiScope, in<br />

dem klinische Informationen zu seltenen invasiven Pilzinfektionen erfasst werden.<br />

Er und seine Mitarbeiter engagierten sich auch in <strong>der</strong> Erstellung internationaler<br />

Richtlinien zur Prophylaxe und Behandlung invasiver Pilzkrankheiten. Oliver<br />

Cornely ist Editor von mycoses, war von 2008 bis 2011 Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG<br />

und war von 2011 bis 2017 Präsident <strong>der</strong> ECMM.<br />

HISTORIE<br />

Kommunikation – Weiterbildung<br />

Die Weiterbildung in mykologischem Wissen ist in den Anfängen überwiegend<br />

von Dermatologen getragen worden. Die dringend erfor<strong>der</strong>liche Information<br />

von Klinikern in den internistischen Fächern ist in den 1970er Jahren intensiv<br />

von Hans Scholer und Theodor Wegmann zusammen mit Hannelene Müller,<br />

Annemarie Polak und Johannes Müller betrieben worden. Weiterbildung<br />

für mykologische Labordiagnostiker war auch Heinz Seeliger in Würzburg und<br />

Johannes Müller in Freiburg ein wichtiges Anliegen: Beide Institutionen waren<br />

begehrte Ausbildungsstätten für in- und ausländische Wissenschaftler; so verbrachte<br />

<strong>der</strong> israelische Veterinärmykologe Eli Kuttin zwei volle Forschungsjahre<br />

in Freiburg.<br />

In den Jahren 1986, 1989 und 1991 organisierten Johannes Müller und Reinhard<br />

Kappe in Freiburg zweitägige Weiterbildungsseminare mit praktischen Übungen<br />

für je 100 Teilnehmer: Hier wurde zum ersten Mal das gesamte Spektrum <strong>der</strong><br />

damals verfügbaren Methoden zur Labordiagnostik tiefer Mykosen theoretisch<br />

und praktisch dargestellt. Je<strong>der</strong> Teilnehmer konnte die Methoden an 10 Aufgaben<br />

praktisch erproben und ausführliche Broschüren mit Arbeitsanleitungen zur<br />

Erregerdiagnostik und Mykoserologie mit <strong>nach</strong> Hause nehmen. Damals wurden<br />

also 300 Interessierte mykologisch qualifiziert. Zur Tagung 1991 waren<br />

bevorzugt Mykologen aus <strong>der</strong> vormaligen DDR eingeladen, die zuvor<br />

keinen Zugang zu kommerzialisierten Diagnostika gehabt hatten.<br />

Diese vielfältigen Weiterbildungsaktivitäten gipfelten schließlich in <strong>der</strong><br />

Begründung <strong>der</strong> Scientia Akademie als Fortbildungsinstitution mit<br />

Schwerpunkt medizinische <strong>Mykologie</strong>. Damit wurde die Weiterbildung<br />

auf einer dauerhaften, intelligent strukturierten und finanziell gut<br />

fundierten Grundlage etabliert.<br />

Kommunikation – Tagungen und Kongresse<br />

Die beiden Wissenschaftsgesellschaften DMykG und PEG haben über das betrachtete<br />

Halbjahrhun<strong>der</strong>t hinweg fast lückenlos Jahrestagungen abgehalten,<br />

in denen die wissenschaftlichen Fortschritte kritisch diskutiert und vermittelt<br />

wurden. Den beiden Gesellschaften, ihren Vorständen und <strong>der</strong> Vielzahl von Tagungsorganisatoren<br />

gereicht das zur Ehre. Daneben gab es und gibt es eine<br />

stattliche Zahl von spezialisierten Seminaren und Workshops, von denen die <strong>der</strong><br />

früheren Jahre kaum dokumentiert und daher heute nicht mehr fassbar sind.<br />

53


HISTORIE<br />

Im Consilium Mycologicum, organisiert von Hannelore Bernhardt, Manfred<br />

Knoke und Andreas Glöckner, wurden die Erfahrungen aus Labor und Klinik<br />

altgedienter mit denen aktiver Mykologen zusammengebracht und zur Diskussion<br />

gestellt. Dass diese Tagungen durchaus anspruchsvolle wissenschaftliche<br />

Beiträge beinhalteten, kann den Berichten im <strong>Mykologie</strong> Forum und dem Supplementheft<br />

1 von mycoses 53, 2010 entnommen werden.<br />

Bei den internationalen Kongressen war die deutschsprachige <strong>Mykologie</strong> in den<br />

ersten drei Jahrzehnten unterrepräsentiert [35, 36] . Das hat sich <strong>nach</strong> <strong>der</strong> politischen<br />

Wende 1990 zum Besseren verän<strong>der</strong>t. Die 5. Tagung <strong>der</strong> Europäischen<br />

Konfö<strong>der</strong>ation für Medizinische <strong>Mykologie</strong> ECMM war die erste bedeutende<br />

internationale Mykologentagung im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum, in Dresden von<br />

Hannelore Bernhardt, Renate Blaschke-Hellmessen und Claus Seebacher<br />

Consilium Mycologicum in Berlin<br />

54


vorbildlich gestaltet. In Berlin hat 2005 Markus Ruhnke den internationalen Kongress<br />

Trends in Medical Mycology, eine Doppelveranstaltung von ECMM und<br />

EORTC erfolgreich organisiert. Der bisherige Höhepunkt in diesen Veranstaltungen<br />

war ohne Frage <strong>der</strong> 18. ISHAM-Kongress 2012 in Berlin, ebenfalls unter <strong>der</strong><br />

Leitung von Markus Ruhnke sowie von Bernhard Hube, Yvonne Gräser und<br />

Katrin Tintelnot gestaltet, ein Ruhmesblatt nicht nur für die Organisatoren, son<strong>der</strong>n<br />

inhaltlich auch für die medizinische <strong>Mykologie</strong> im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum,<br />

die hier in ihrem wissenschaftlichen Niveau Flagge gezeigt hat.<br />

HISTORIE<br />

TV FELIX AVSTRIA<br />

Es ist ein Gebot <strong>der</strong> Redlichkeit, auch geografische Unterschiedlichkeiten in <strong>der</strong><br />

Entwicklung <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong> in den <strong>deutschsprachigen</strong> Län<strong>der</strong>n zu<br />

charakterisieren. Die mykologischen Aktivitäten in Luxemburg, wohin uns 1983<br />

Frau Josée Reiffers-Mettelock zu einer sehr gelungenen MYK-Tagung einlud,<br />

sind Episode geblieben. Die epochalen, stolzen Beiträge <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong><br />

Schweiz sind <strong>nach</strong> <strong>der</strong> Schließung <strong>der</strong> mykologischen Forschungslaboratorien<br />

bei Hoffmann-La Roche und <strong>der</strong> Verlagerung <strong>der</strong> Mykoforschung <strong>nach</strong> Japan erloschen<br />

und existieren nur noch im labordiagnostischen Dienstleistungsbereich.<br />

Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong> in<br />

Österreich verlaufen. Am 27.11.1958 berichtete Gustav Riehl, Wien, auf <strong>der</strong> Sitzung<br />

<strong>der</strong> Österreichischen Dermatologischen Gesellschaft über die erfolgreiche<br />

Behandlung von Dermatomykosen mit Griseofulvin. Das war, neben <strong>der</strong> Arbeit<br />

von Williams, Marten und Sarkany im Lancet 1958, 2:1212, die erste Mitteilung<br />

über die Anwendung von Griseofulvin beim Menschen. Die <strong>Mykologie</strong> in Österreich<br />

wurde da<strong>nach</strong> lange Jahre nur von Otto Male und Josefine Thurner in<br />

Wien am Leben erhalten. Ende <strong>der</strong> 1980er Jahre trat Gabriele Ginter in Graz<br />

mit mykologischen Publikationen in bemerkenswerter Fülle und Vielfalt hervor.<br />

Diese zeigen, dass sie hier neben ihrem <strong>der</strong>matologischen Fachbereich ein mul-<br />

Leipzig 1964: Josefine Thurner, Wien, Hans Götz<br />

Otto Male<br />

55


HISTORIE<br />

Walter Buzina<br />

Gabriele Ginter-Hanselmayer<br />

tidisziplinäres Netzwerk auch gegen tiefe Mykosen aufgebaut hatte. Frau Ginters<br />

mykologische Kompetenz wurde mit <strong>der</strong> Ausrichtung <strong>der</strong> MYK-Tagung 1992 in<br />

Graz vollends deutlich. Walter Buzina arbeitet als Mykologe am Institut für Hygiene,<br />

Mikrobiologie und Umweltmedizin. Ab 1990 baute Birgit Willinger am<br />

Hygiene-Institut Wien einen mykologischen Arbeitsbereich zunehmen<strong>der</strong> Effizienz<br />

in Labordiagnostik und Forschung auf. Mitte <strong>der</strong> 1990er Jahre kam es in<br />

Innsbruck zum Ausbruch einer auffälligen Aspergillose-Endemie, <strong>der</strong>en Eindämmung<br />

energisch von Mikrobiologen und Klinikern angegangen wurde. Dies war<br />

<strong>der</strong> Anlass für die Bildung einer forschungsintensiven Arbeitsgruppe am Institut<br />

für Hygiene und Mikrobiologie in Innsbruck unter <strong>der</strong> Fe<strong>der</strong>führung von Cornelia<br />

Lass-Flörl und Reinhard Würzner sowie Cornelia Speth. Die Summe all<br />

dieser Aktivitäten führte 2000 zur Gründung <strong>der</strong> Österreichischen Gesellschaft<br />

für Medizinische <strong>Mykologie</strong> ÖGMM in <strong>der</strong> klaren Erkenntnis,dass nur nationale<br />

Wissenschaftsorganisationen bei den Trägern <strong>der</strong> Gesundheitseinrichtungen auf<br />

Schaffung spezialisierter und permanenter Forschungsstrukturen dringen können<br />

– auf die Schaffung von Arbeitspositionen und die Bereitstellung materieller<br />

56<br />

Reinhard Würzner Birgit Willinger Cornelia Lass-Flörl


Ausrüstung. Die ÖGMM zählt inzwischen über 100 Mitglie<strong>der</strong> und hat zusammen<br />

mit <strong>der</strong> DMykG gemeinsame Jahrestagungen 2006 in Innsbruck, 2010 in<br />

Wien und 2014 in Salzburg ausgerichtet. Mit diesem Netzwerk erscheinen die<br />

Bundeslän<strong>der</strong> Österreichs mykologisch wohlversorgt. Es passt in diesen Rahmen,<br />

dass die Innsbruckerin Michaela Lackner effizient und charmant als Convenor<br />

den Arbeitsbereich Young ISHAM in <strong>der</strong> Internationalen Gesellschaft für<br />

Humane und Animale <strong>Mykologie</strong> leitete.<br />

HISTORIE<br />

Mykologische Fachbücher<br />

Erste Lehrbücher und Monografien <strong>nach</strong> dem Zweiten Weltkrieg:<br />

Gerd Polemann, Köln, später Krefeld, veröffentlichte 1961 im Georg Thieme<br />

Verlag Stuttgart das Lehrbuch „Klinik und Therapie <strong>der</strong> Pilzkrankheiten“ unter<br />

<strong>der</strong> Mitwirkung von Theodor Wegmann, St Gallen, und A. Stammler, Köln.<br />

Cornelia Speth<br />

Hier sei beson<strong>der</strong>s an Wegmann, Theodor „Medizinische <strong>Mykologie</strong> – ein<br />

praktischer Leitfaden“, Editiones „Roche“, Basel, 1979, erinnert, das 1990 in<br />

5. Auflage erschienen ist. Dieses Buch war lange Zeit eine wichtige Grundlage<br />

für die Diagnostik und Therapie von Mykosen in <strong>der</strong> Inneren Medizin.<br />

Bereits 1960 veröffentlichte Georg Schabinski sein Buch „Grundriss <strong>der</strong> Medizinischen<br />

<strong>Mykologie</strong>“, Gustav Fischer-Verlag, Jena, wohl das erste <strong>Mykologie</strong>-Buch,<br />

das in Deutschland <strong>nach</strong> dem Krieg verfügbar war.<br />

Eine ebenfalls sehr beachtete Monografie erschien 1965 von dem Jenaer Pathologen<br />

Günter Ba<strong>der</strong> „Die viszeralen Mykosen (Pathologie, Klinik und<br />

Therapie)“, Gustav Fischer-Verlag, Jena.<br />

Michaela Lackner<br />

57


HISTORIE<br />

Heinz Paul Richard Seeliger, Bonn, ist wohl einer <strong>der</strong> ersten Wissenschaftler<br />

außerhalb <strong>der</strong> Dermatologie, <strong>der</strong> sich bereits kurz <strong>nach</strong> dem 2. Weltkrieg intensiv<br />

mit medizinischer <strong>Mykologie</strong> befasst hat. Davon zeugt seine Monografie „Mykologische<br />

Serodiagnostik“ die 1958 im Johann Ambrosius Barth Verlag, Leipzig,<br />

erschienen ist. Das Buch Seeliger HPR, Heymer T. Diagnostik pathogener<br />

Pilze des Menschen und seiner Umwelt. Stuttgart: Georg Thieme, 1981 ist<br />

das mykologische Standardwerk.<br />

Ein Schwerpunkt <strong>der</strong> wissenschaftlichen Arbeiten von Brigitte Gedek war die<br />

Tierpathogenität verschiedener Pilze. Ihr Buch „Hefen als Krankheitserreger<br />

bei Tieren“, 1968 im Gustav-Fischer-Verlag Jena erschienen, enthält viele experimentelle<br />

Ergebnisse, die auch für die Humanmedizin bedeutsam sind.<br />

Eine Auswahl weitere Bücher, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sei hier mit<br />

ihren bibliografischen Daten aufgeführt:<br />

Friedrich, Erika „Die Sprosspilze des Menschen. Ihre Bestimmung mithilfe morphologischer<br />

und biochemischer Methoden“. Johann Ambrosius Barth Verlag,<br />

Leipzig: 1962<br />

Morenz, Joachim „Geotrichum candidum Link. Taxonomie, Diagnose und medizinische<br />

Bedeutung“. Mykologische Schriftenreihe, Heft 1., Johann Ambrosius<br />

Barth, Leipzig: 1963.<br />

Morenz, Joachim „Taxonomische Untersuchungen zur Gattung Geotrichum<br />

Link“. Mykologische Schriftenreihe, Heft 2, Johann Ambrosius Barth, Leipzig:<br />

1964.<br />

Fegeler F. Medizinische <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> Praxis und Klinik. Berlin-Göttingen-Heidelberg:<br />

Springer 1967<br />

Koch, H.-A. Leitfaden <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong>. Jena: Gustav Fischer Verlag,<br />

Jena, 1973.<br />

Gemeinhardt, Horst, Ba<strong>der</strong>, G., Deicke , P., Spitzbart, H., Wiesner, B. Endomykosen<br />

des Menschen. Gustav Fischer Verlag, Jena: 1976.<br />

Raab, W. Mykosebehandlung mit Imidazol<strong>der</strong>ivaten. Berlin; Heidelberg; New<br />

York: Springer 1978.<br />

Male, O. Medizinische <strong>Mykologie</strong>. Stuttgart; New York: Thieme 1981.<br />

Nolting, S., Fegeler, K. Medizinische <strong>Mykologie</strong>. Berlin; Heidelberg; New York;<br />

London; Paris; Tokyo: Springer 1982<br />

Kreisel, H., Schauer, F. Methoden des mykologischen Laboratoriums. Jena:<br />

Fischer 1987.<br />

Gemeinhardt, Horst, Endomykosen Schleimhaut-, Organ- und Systemmykosen.<br />

Gustav Fischer Verlag Jena: 1989.<br />

58<br />

Seebacher, Claus und Blaschke-Hellmessen, Renate, „Mykosen – Epidemiologie-Diagnostik-Therapie“.<br />

Gustav Fischer Verlag Jena: 1990.


Staib, F., Huhn, D. (Hrsg.). Pilzinfektionen bei abwehrgeschwächten Patienten.<br />

Berlin; Heidelberg; New York; London; Paris; Tokyo; Hongkong; Barcelona;<br />

Budapest: Springer 1991.<br />

HISTORIE<br />

Mendling W. Vaginose, Vaginitis und Zervizitis. Berlin-Heidelberg: Springer 1995<br />

Kujath P. Mykosen in <strong>der</strong> operativen Medizin. Stuttgart; New York: Thieme 1998.<br />

Effendy, I., Nagelmykosen. Klinik, Diagnose und Therapie. Stuttgart, New York:<br />

Thieme 2001<br />

Tietz H-J, Sterry W. Antimykotika von A-Z. Stuttgart: Thieme 1. Aufl. 1999, 4.<br />

Aufl. 2006<br />

Seebacher C. Dermatomykosen Grundlagen und Therapie. In: Schäfer-Korting M<br />

(ed) Optimierte Arzneimitteltherapie. Berlin-Heidelberg-New-York: Springer 2001.<br />

Tietz H-J, Mendling W. Haut- und Vaginalmykosen. Berlin-Wien: Blackwell 2001<br />

Karthaus M. (Hrsg.). Pilzinfektionen bei Krebspatienten. Stuttgart; New York:<br />

Thieme 2002.<br />

Ruhnke M. Pilzinfektionen bei immunsupprimierten Patienten. Bremen; London;<br />

Boston: UNI-MED 2003.<br />

Hof, H. <strong>Mykologie</strong> für Mediziner. Stuttgart; New York: Thieme 2003.<br />

Stiftung und För<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Forschung durch die DMykG<br />

Claus Seebacher<br />

Stiftung <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft<br />

Der Gedanke, eine Stiftung <strong>der</strong> DMykG einzurichten, wurde 1991 <strong>nach</strong> <strong>der</strong> Jubiläums-<br />

und Vereinigungstagung in Essen geboren, die Detlev Hantschke mit<br />

seiner Familie, ohne kommerzielles Kongressmanagement hervorragend organisiert<br />

hatte. Diese<br />

Tagung warf einen<br />

ungewöhnlich hohen<br />

finanziellen Überschuss<br />

ab, <strong>der</strong> diesen<br />

Gedanken rechtfertigte.<br />

Nach langjährigen<br />

Vorbereitungen, vor<br />

allem von Wolfgang<br />

Fegeler, unterstützt<br />

durch den Vorstand <strong>der</strong><br />

Amtsperiode 1999 –<br />

59


HISTORIE<br />

Jürgen Bufler Joachim Morschhäuser Peter-Michael Rath<br />

2002 wurde die Stiftung am 24.06.2005 als rechtsfähig von <strong>der</strong> Bezirksregierung<br />

in Münster anerkannt. 2009 erhielt die Stiftung <strong>der</strong> DMykG die „Astellas<br />

CHANGING TOMORROW Donation“ in Höhe von 90.000 Euro zugesprochen,<br />

die in voller Höhe, <strong>der</strong> Verfügung des Präsidenten und CEO von Astellas Pharma<br />

Europe Ltd folgend, dem Vermögen <strong>der</strong> Stiftung hinzugefügt wurde.<br />

Der Vorstand <strong>der</strong> Stiftung wird vom Vorstand <strong>der</strong> DMykG für jeweils sechs Jahre<br />

berufen. Präsident <strong>der</strong> Stiftung war in den vergangenen 12 Jahren Jürgen Bufler.<br />

Das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden hatte Claus Seebacher inne.<br />

Ihm oblag die Verwaltung des Stiftungsvermögens. Mitglie<strong>der</strong> des Vorstandes<br />

qua Amt sind <strong>der</strong> jeweilige Schriftführer und <strong>der</strong>/die Kassenwart/in <strong>der</strong> DMykG.<br />

Diese waren Hans Christian Korting, Michael Rath und Oliver Kurzai sowie<br />

Uta-Christina Hipler. Joachim Morschhäuser ist als Vorstandsmitglied gleichzeitig<br />

Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Preisträger-Auswahlkommission und als weiteres Mitglied<br />

ist Martin Schaller berufen. Aufgabe <strong>der</strong> Stiftung ist die Vergabe <strong>der</strong> Posterpreise<br />

und von Preisen für herausragende wissenschaftliche Publikationen. Die<br />

Liste <strong>der</strong> bisherigen Preisträger ist auf <strong>der</strong> Homepage <strong>der</strong> DMykG abrufbar. Von<br />

2006 bis 2017 hat die Stiftung für Preise insgesamt 47.750,00 Euro ausgegeben.<br />

Forschungsför<strong>der</strong>preis <strong>der</strong> DMykG<br />

Dieser Preis wurde 1991 auf Initiative von Johannes Müller gestiftet und erstmals<br />

an Reinhard Rüchel verliehen. Er war zunächst mit 5.000 DM dotiert und<br />

wird <strong>nach</strong> einer eigenen Satzung verliehen. Bisherige Preisträger sind in <strong>der</strong><br />

Homepage aufgeführt.<br />

Der Nachwuchsför<strong>der</strong>preis für klinische <strong>Mykologie</strong><br />

Er ist mit 2.000 Euro dotiert und wird von <strong>der</strong> Firma MSD Sharp & Dohme gestiftet.<br />

Auch hier sind die bisherigen Preisträger <strong>der</strong> Homepage zu entnehmen.<br />

60


Dr. Manfred Plempel-Stipendium<br />

HISTORIE<br />

Mit einer Summe von Euro 15.000 wurde in<br />

diesem Jahr (2017) das Dr.-Manfred-Plempel-<br />

Stipendium ausgeschrieben. Das Stipendium<br />

erinnert an die Persönlichkeit, die wissenschaftlichen<br />

Leistungen und das forscherische<br />

Engagement von Dr. Manfred Plempel und<br />

wird von seiner Ehefrau Marianne Plempel<br />

gestiftet. Es ermöglicht einem/r jungen Mykologen/in<br />

die Finanzierung eines Forschungsaufenthaltes<br />

in medizinischer <strong>Mykologie</strong> mit<br />

Schwerpunkt auf dem Gebiet <strong>der</strong> diagnostischen<br />

Grundlagenforschung o<strong>der</strong> diagnostischen<br />

Fortbildung an einer angesehenen Institution<br />

– insbeson<strong>der</strong>e auch im Ausland. Das<br />

Stipendium wurde 1997 erstmals an Martin<br />

Schaller verliehen. Weitere Stipendiaten siehe<br />

Homepage.<br />

Martin Schaller erhielt 1998 in Frankfurt/O<strong>der</strong> das erste<br />

Dr.-Manfred-Plempel-Stipendium, das von Frau Marianne<br />

Plempel (re.) gestiftet wurde.<br />

Frau Marianne Plempel mit den Stipendiaten von 2001, Dr. Markus Niewerth (re.) und von 2007,<br />

Dr. Claudio Kupfahl (li.)<br />

61


HISTORIE<br />

Literatur<br />

1. Meinhof W. 150 Jahre medizinische <strong>Mykologie</strong> seit Johann Lucas Schönlein. In: O. P. Hornstein,<br />

W. Meinhof (Eds) Fortschritte <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong>. Erlangen: Perimed 1991; 21 – 33<br />

2. Drouhet E. The birth of ISHAM: 1953, Rome, Italy. Mycopathologia. 1997; 139: 63 – 70.<br />

3. Janke D. Die medizinische <strong>Mykologie</strong> auf dem 8. Internationalen Kongress für Botanik in Paris<br />

vom 1. – 15. Juli 1954. Hautarzt. 1955; 6: 90 – 91.<br />

4. Jung H-D. Zur Kenntnis <strong>der</strong> Scopulariopsis species. Klinische, experimentelle und mykologische<br />

Betrachtungen. Arch Dermatol Syph 1952; 195: 77 – 95.<br />

5. Langer H. Epidemiologische und klinische Untersuchungen bei Onychomykosen, Beitrag zur<br />

Berliner Pilzflora 1954 – 1956. Arch Dermatol Syph 1957; 207: 624 – 636.<br />

6. Friedrich E. Die Sproßpilze des Menschen. Ihre Bestimmung mit Hilfe morphologischer und<br />

biochemischer Methoden. Leipzig: Johann Ambrosius Barth, 1962.<br />

7. Schabinski G. Grundriß <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong>. Jena: G. Fischer, 1960<br />

8. Koch HA. Trichophyton thuringiense spec. nov. Mykosen. 1969; 12:287–290<br />

9. Gemeinhardt H, Ba<strong>der</strong> G, Deicke P, Spitzbart H, Wiesner B. Endomykosen des Menschen. G,<br />

Jena: G. Fischer: 1976, 2. Aufl. 1989<br />

10. Seebacher C, Blaschke-Hellmessen R, Kielstein P. Zur <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />

in <strong>der</strong> ehemaligen DDR. Mycoses 2002; 45 (Suppl. 3): 7 – 17.<br />

11. Götz H. Klinische und experimentelle Untersuchungen über die Hautpilzkrankheiten im Gebiet<br />

von Hamburg 1948 – 1950. Arch Dermatol Syph. 1952;195:1 – 76.<br />

12. Götz H. Die Pilzkrankheiten <strong>der</strong> Haut durch Dermatophyten. In: Jadassohn J (Eds). Handbuch<br />

<strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten. Ergänzungswerk (Eds: Marchionini A, Götz H), Vol. IV/3.<br />

Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer, 1962.<br />

13. Meinhof W, Schirren C. Hans Rieth, 1914 – 1994. Zum Gedenken anlässlich seines100.Geburtstages.<br />

Hautarzt. 2014; 65:998 – 1004.<br />

14. Schirren C. Die Entwicklung <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> in Hamburg am Beispiel von H.C. Plaut und H. Rieth.<br />

Folia Dermatologica 2. Hamburg: omnimed-Verlag 2004<br />

15. Rieth H. Die Antimykotika. In: Kimmig J (Ed). Therapie <strong>der</strong> Haut-und Geschlechtskrankheiten. In:<br />

Jadassohn J: Handbuch <strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten. Ergänzungswerk, Bd. V/1B/4.<br />

Springer, Berlin-Göttingen-Heidelberg 1962; pp 1172 – 1217.<br />

16. Meyer-Rohn J. Die Antibiotika unter Berücksichtigung von Nystatin. In: Kimmig J (Ed). Therapie<br />

<strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten. In: Jadassohn J: Handbuch <strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten.<br />

Ergänzungswerk, Vol. V/1B/4. Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer, 1962; pp<br />

851 – 5.<br />

17. Götz H. Die Griseofulvinbehandlung <strong>der</strong> Dermatomykosen. Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer,<br />

1962. (1. Tagung 1961)<br />

18. Schirren C, Rieth, H (Hrsg.) Hefepilze als Krankheitserreger bei Mensch und Tier<br />

Vorträge und Diskussionsbemerkungen <strong>der</strong> 2. Wissenschaftlichen Tagung <strong>der</strong> Deutschsprachigen<br />

Mykologischen Gesellschaft in Hamburg am 18. März 1962. Berlin-Göttingen-Heidelberg:<br />

Springer, 1963.<br />

19. Grimmer H, Rieth H (Hrsg.) Krankheiten durch Schimmelpilze bei Mensch und Tier. Berlin-Göttingen-Heidelberg:<br />

Springer, 1965. (3. Tagung 1963)<br />

20. Heite H-J (Hrsg.) Krankheiten durch Aktinomyzeten und verwandte Erreger Wechselwirkung<br />

zwischen pathogenen Pilzen und Wirtsorganismus. Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer,<br />

1966. (4. Tagung 1964)<br />

21. Götz H, Rieth H (Hrsg.). Humanpathogene Pilze im Tier- und Pflanzenreich. Berlin, Grosse Verlag<br />

1969. (5. Tagung 1965)<br />

62


HISTORIE<br />

22. Götz H, Rieth H, Male O, Thurner J (Hrsg.) Diagnostik und Therapie <strong>der</strong> Pilzkrankheiten und neuere<br />

Erkenntnisse in <strong>der</strong> Biochemie <strong>der</strong> pathogenen Pilze. Berlin, Grosse Verlag 1970 (6. Tagung<br />

1966)<br />

23. Bernhardt H, Blaschke-Hellmessen R, Fegeler W, Korting HC, Seebacher,C. 5th Congress of the<br />

European Confe<strong>der</strong>ation of Medical Mycology. Abstracts. Mycoses 1999; 42:125 – 223<br />

24. Rieth H. Plauts Bedeutung als Wegbereiter <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong>. Hautazt 1959; 10:<br />

89 – 90<br />

25. Meinhof W. Dermatomykosen. FdM-Tabellen für die Praxis in 19 Folgen. Fortschr. Med. 113<br />

(1995) Nr. 16 bis 114 (1996) Nr.4.<br />

26. Mendling W. Zur Vergangenheit und Gegenwart <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong> Gynäkologie<br />

und Geburtshilfe. Mycoses. 1998;41(Suppl. 2): 26 – 30.<br />

27. Friedrich E, Blaschke-Hellmessen R, Böhme H, Seebacher C. Bewährte medizinisch-mykologische<br />

Untersuchungsmethoden. I. Indikationen zur mykologischen Untersuchung, Entnahme<br />

und Lagerung von klinischem Untersuchungsmaterial (Prüfmaterial). Z ärztl Fortbild 1978; 72:<br />

260 – 262.<br />

28. Friedrich E, Blaschke-Hellmessen R, Böhme H. Bewährte medizinisch-mykologische Untersuchungsmethoden.<br />

II. Nachweis von Pilzen mit Hilfe von Kulturmethoden.). Z ärztl Fortbild 1978;<br />

72: 322 – 329.<br />

29. Friedrich E, Böhme H, Bernhardt H, Kaben U. Bewährte medizinisch-mykologische Untersuchungsmethoden.<br />

III. Immunserologische Methoden zum Nachweis von Sprosspilz- (Hefe-) Infektionen<br />

und hefebedingten allergischen Erkrankungen. Z ärztl Fortbild 1981; 75: 132 – 138.<br />

30. Westphal H-J, Kaben U, Friedrich E. Zur Herstellung von wasserlöslichem Candida-Antigen.<br />

Mykosen 1976; 19: 149 – 156<br />

31. Kaben U, Westphal H-J. Die passive Hämagglutination zum Nachweis humoraler Antikörper bei<br />

Sprosspilzinfektionen. I. Stabilisierung von Erythrozyten. Dermatol Monatsschr. 1976; 162:388<br />

– 393<br />

32. Kaben U, Westphal H-J. Die passive Hämagglutination zum Nachweis humoraler Antikörper bei<br />

Sprosspilzinfektionen. II. Sensibilisierung von Erythrozyten und Titervergleich zwischen Hämagglutination<br />

und Zellagglutination. Dermatol Monatsschr. 1976; 162: 394 – 401<br />

33. Müller J, Kappe R, Kubitza D, Fessler R, Scheidecker I. The Incidence of Deep-Seated Mycoses<br />

in Freiburg i. Br. (Fe<strong>der</strong>al Republic of Germany). Mycoses. 1988; 31 (Suppl 1) 9 – 28.<br />

34. Müller J. Die ISHAM-Resolution 1997. Mycoses 1998; (Suppl. 1): 30 – 31<br />

35. Müller J. Die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft: Gestern – heute – morgen. Mycoses.<br />

1991; 34 (Suppl. 1l): 3 – 9<br />

36. Müller J. Medizinische <strong>Mykologie</strong> in Deutschland – eine Bestandsaufnahme zum 40. Geburtstag<br />

<strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft. Mycoses. 2002;45(Suppl. 1): 9 – 15.<br />

63


AKTUELL<br />

Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft e.V. –<br />

DMykG e.V. – www.dmykg.de<br />

Organisationsstruktur und Mitglie<strong>der</strong><br />

Die DMykG e.V. hat rund 500 Mitglie<strong>der</strong> aus nahezu allen medizinischen und<br />

naturwissenschaftlichen Fachbereichen, die sich mit mykologischen Fragestellungen<br />

beschäftigen.<br />

Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter, einem Kassenwart<br />

und einem Schriftführer. Er wird alle drei Jahre im Rahmen <strong>der</strong> Jahrestagung<br />

neu gewählt. Der stellvertretende Vorsitzenden rückt jeweils <strong>nach</strong> drei<br />

Jahren in das Amt des Vorsitzenden auf. Sitz <strong>der</strong> Gesellschaft ist Münster. Die<br />

Geschäftsstelle befindet sich am Standort <strong>der</strong> Kongressorganisation CONVEN-<br />

TUS GmbH in Jena. Die aktuelle Adresse befindet sich auf <strong>der</strong> Homepage <strong>der</strong><br />

Gesellschaft unter: www.dmykg.de<br />

Aufgaben und Ziele<br />

Seit ihrer Gründung im Jahre 1961 hat sich die Deutschsprachige Mykologische<br />

Gesellschaft e.V. sowohl im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum als auch auf internationaler<br />

Ebene für die wissenschaftliche Entwicklung <strong>der</strong> medizinischen und veterinärmedizinischen<br />

<strong>Mykologie</strong> maßgeblich eingesetzt. Dies hat dazu beigetragen,<br />

dass sich ein Bewusstsein für Pilzinfektionen im klinischen Alltag durchgesetzt<br />

hat. Mittlerweile haben Pilzinfektionen im Rahmen zahlreicher medizinisch-wissenschaftlicher<br />

Kongresse, in den Medien und vor allem im Klinik- und Praxisalltag<br />

einen hohen Stellenwert. Hochqualifizierte Fortbildung und <strong>der</strong> für die<br />

weitere Entwicklung einer Wissenschaft unverzichtbare kontinuierliche Informationsaustausch<br />

sind zentrale Anliegen <strong>der</strong> Gesellschaft. Um die För<strong>der</strong>ung des<br />

wissenschaftlichen Nachwuchses hat sie sich seit jeher mit Erfolg bemüht. Mit<br />

dem medizinischen Fortschritt ist die <strong>Mykologie</strong> – wie kaum eine an<strong>der</strong>e Wissenschaft<br />

– in einen interdisziplinären Fokus gerückt und hat ihre ursprüngliche<br />

Domäne von <strong>der</strong> Dermatologie längst auf ein breites medizinisch-wissenschaftliches<br />

Spektrum ausgeweitet. Angesichts <strong>der</strong> zunehmenden Prävalenz von Mykosen<br />

und insbeson<strong>der</strong>e <strong>der</strong> Bedrohlichkeit systemischer Mykosen, haben frühe<br />

diagnostische und rechtzeitige therapeutische Maßnahmen eine große Bedeutung<br />

in Forschung und Praxis. Die DMykG e.V. legt daher beson<strong>der</strong>en Wert auf<br />

die interdisziplinäre Zusammenarbeit und steht auf nationaler und internationaler<br />

Ebene im kontinuierlichen Austausch mit allen relevanten medizinisch-wissenschaftlichen<br />

Fachgesellschaften und Institutionen.<br />

64


Die Entwicklung <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />

AKTUELL<br />

Im historischen Rückblick waren es vor allem die Dermatologen und Tropenmediziner,<br />

die sich Anfang des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts intensiv mit mykologischen Fragestellungen<br />

sowohl diagnostisch als auch wissenschaftlich auseinan<strong>der</strong>setzten. Bis<br />

heute sind die Dermatologen bei den Pilzinfektionen <strong>der</strong> Haut und <strong>der</strong> Hautanhangsgebilde<br />

mit einem epidemiologischen Problem ersten Ranges konfrontiert.<br />

Hingegen war die Rolle <strong>der</strong> endemischen Mykosen mit dem Ende des Kolonialismus<br />

für die hiesige Medizin eher untergeordnet. Angesichts des zunehmenden<br />

Tourismus‘ und zunehmen<strong>der</strong> militärischer Auslandseinsätze dürften auch die<br />

endemischen Mykosen bei uns wie<strong>der</strong> verstärkt Aufmerksamkeit gewinnen.<br />

Seit <strong>der</strong> zweiten Hälfte des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts wird zudem eine deutliche Zunahme<br />

an opportunistischen Pilzinfektionen beobachtet. Nicht nur das Auftreten von<br />

HIV, son<strong>der</strong>n auch die Fortschritte <strong>der</strong> Medizin in den Bereichen <strong>der</strong> Chirurgie,<br />

Intensiv-, Tumor- und Transplantationsmedizin und <strong>der</strong> teilweise damit verbundene<br />

Einsatz von Antibiotika, Immunsuppressiva und Kortikoiden, führten zu einer<br />

deutlichen Zunahme von immunsupprimierten Patienten, die durch opportunistische<br />

Pilzinfektionen gefährdet sind. Alle medizinischen Disziplinen sind heute mit<br />

Problemen <strong>der</strong> Diagnostik und Therapie von Candida-, Aspergillus-, Kryptokokkus-<br />

und Pneumocystis-Infektionen konfrontiert. Eine Zunahme ist auch bei den<br />

Zygomykosen zu verzeichnen. Diese sind zwar vergleichsweise selten, gelten<br />

jedoch therapeutisch als schwer beherrschbar.<br />

Die Entwicklung <strong>der</strong> letzten ca. 50 Jahre führte die Medizinische <strong>Mykologie</strong> aus<br />

einer randständigen Position hin zu einem zentralen Fach, das nahezu alle medizinischen<br />

Disziplinen betrifft und somit das breiteste interdisziplinäre Spektrum<br />

aufweist.<br />

Medien<br />

Die Gesellschaft verfügt über drei wesentliche Informationsorgane:<br />

MYCOSES – e-paper (Blackwell-Wiley) ist das wissenschaftliche Publikationsorgan<br />

<strong>der</strong> Gesellschaft. Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG e.V. haben kostenfreien Internetzugang<br />

zu allen Ausgaben.<br />

MYKOLOGIE FORUM – e-paper – Medizinische <strong>Mykologie</strong> in Klinik und Praxis<br />

ist das Mitteilungsorgan <strong>der</strong> Gesellschaft. Über die Homepage www.dmykg.de<br />

ist es für alle Interessierten frei zugänglich.<br />

www.dmykg.de – Homepage <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologische Gesellschaft.<br />

Die Internetseite bietet umfassende historische und aktuelle Informationen<br />

rund um die medizinische <strong>Mykologie</strong>. Eine Mitgliedschaft in <strong>der</strong> Gesellschaft<br />

kann hier beantragt werden.<br />

65


AKTUELL<br />

MYK-Stiftung und SCIENTIA-Akademie<br />

Im Mittelpunkt <strong>der</strong> Aktivitäten <strong>der</strong> von <strong>der</strong> DMykG e.V. gegründeten Stiftung und<br />

<strong>der</strong> SCIENTIA-Akademie steht die qualifizierte und spezifisch diagnostische und<br />

medizinisch-mykologische Fort- und Weiterbildung für medizinisches Personal in<br />

Labor, Klinik und Praxis. Dazu gehört die jährliche Ausschreibung und Vergabe<br />

des Publikationspreises <strong>der</strong> Stiftung sowie die Vergabe von Posterpreisen im<br />

Rahmen <strong>der</strong> wissenschaftlichen Jahrestagung.<br />

Für die breite Öffentlichkeit sehen sich die Stiftung und die SCIENTIA-Akademie<br />

in <strong>der</strong> Verantwortung, Aufklärungs- und Informationsarbeit zu leisten.<br />

Vorstandswechsel 2017<br />

Im Rahmen <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong>versammlung am 1.9.2017 wurde satzungsgemäß ein<br />

neuer Vorstand gewählt. Nach dreijähriger Amtszeit übergab Professor Dr. med.<br />

Andreas Groll, Münster, den Vorsitz an den bisherigen Stellvertreter, Professor<br />

Dr. med. Dieter Buchheidt, Mannheim. Zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden<br />

wurde Frau Professor Dr. med. Birgit Willinger, Wien, gewählt. Schriftführer<br />

bleibt für eine weitere Amtszeit Professor Dr. med. Oliver Kurzai, Würzburg.<br />

Das Amt des Kassenwarts, welches bislang Frau PD Dr. rer. nat. Uta-Christina<br />

Hipler, Jena, innehatte, übernahm entsprechend des Wahlergebnisses Professor<br />

Dr. med. Andreas Groll.<br />

Markus Ruhnke,<br />

Präsident <strong>der</strong> MYK-Stiftung seit 2017<br />

Ebenfalls wurden in <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong>versammlung <strong>der</strong> Präsident <strong>der</strong> Stiftung,<br />

Dr. rer. nat. Jürgen Bufler, Berlin, auf eigenen Wunsch und <strong>der</strong> geschäftsführende<br />

Vorsitzende <strong>der</strong> Stiftung, Professor Dr. med. Claus Seebacher, Dresden, aus<br />

Altersgründen sowohl vom Vorstand als auch von <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong>versammlung<br />

mit großem Dank für die 12jährige erfolgreiche Arbeit verabschiedet. Der neu<br />

gewählte Vorstand <strong>der</strong> DMykG berief als erste Amtshandlung <strong>nach</strong> <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong>versammlung<br />

und gemäß Satzung <strong>der</strong> Stiftung, den neuen Vorstand <strong>der</strong> Stiftung.<br />

Zum neuen Präsidenten wurde Professor Dr. med. Markus Ruhnke, Berlin,<br />

berufen. Geschäftsführen<strong>der</strong> Vorsitzen<strong>der</strong> wurde PD Dr. med. Stefan Schwartz,<br />

Berlin. Vorstandsmitglie<strong>der</strong> qua Amt sind Professor Dr. med. Oliver Kurzai,<br />

Würzburg und Professor Dr. med. Andreas Groll, Münster. Professor Dr. rer.<br />

nat. Joachim Morschhäuser, Würzburg und Professor Dr. med. Martin Schaller,<br />

Tübingen, gehören dem Vorstand <strong>der</strong> Stiftung – wie bisher – für weitere sechs<br />

Jahre an.<br />

Stefan Schwartz,<br />

Geschäftsführen<strong>der</strong> Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

MYK-Stiftung seit 2017<br />

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Jubiläums-MYK 2016 in Essen<br />

50. Wissenschaftliche Jahrestagung <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft e.V. vom 8. bis 10. September 2016 in Essen,<br />

dem Gründungort <strong>der</strong> DMykG von 1961.<br />

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www.dmykg.de

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