Geschichte der deutschsprachigen Mykologie nach 1945
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Medizinische <strong>Mykologie</strong> in Klinik und Praxis<br />
HISTORIE<br />
<strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong><br />
<strong>Mykologie</strong> <strong>nach</strong> <strong>1945</strong><br />
Claus Seebacher, Johannes Müller und Wolf Meinhof
HISTORIE<br />
Impressum<br />
Titelseite:<br />
Johann Lukas Schönlein (1793 – 1864)– Wegbereiter <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />
Hans Rieth (1914 – 1994) – Gründungsmitglied und Schriftführer <strong>der</strong> DMykG e.V. von 1961 bis 1994<br />
Hannelore Bernhardt – bisher die einzige Dame unter den Vorsitzenden <strong>der</strong> DMykG e.V.<br />
Sie war stellvertretende Vorsitzende von 1993 bis 1996 und Vorsitzende von 1996 bis 1999<br />
MYKOLOGIE FORUM – Medizinische <strong>Mykologie</strong> in Klinik und Praxis<br />
Mitteilungen <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft e.V.<br />
www.dmykg.de<br />
2018 – Son<strong>der</strong>ausgabe HISTORIE<br />
„Die <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong> <strong>Mykologie</strong> <strong>nach</strong> <strong>1945</strong>“<br />
Herausgeber:<br />
Vorstand <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft e.V.<br />
ISSN-Nr.: 1439-5673<br />
Autoren:<br />
Claus Seebacher, Johannes Müller, Wolf Meinhof<br />
Korrespondenzadresse:<br />
Prof. Dr. med. Claus Seebacher<br />
Merseburger Str. 5<br />
D-01309 Dresden<br />
e-mail: claus.seebacher@gmx.de<br />
Redaktion:<br />
Gabriele Henning-Wrobel<br />
Tel. 02943 486880<br />
e-mail: presse@dmykg.de<br />
Herstellung und Druck:<br />
Druckerei Preuß GmbH, Ratingen<br />
Fotos:<br />
(75) Gabriele Henning-Wrobel<br />
(42) Privat<br />
(3) Universitätshautklinik Jena<br />
(1) Cornelia Lass-Flörl<br />
(1) Cornelia Speth<br />
(1) Michaela Lackner<br />
(1) Wolf Meinhof<br />
(1) Bernd Wannenmacher<br />
Copyright:<br />
Vervielfältigung und Verwendung <strong>der</strong> Inhalte (einschl. Fotos)<br />
nur mit Genehmigung <strong>der</strong> Herausgeber.<br />
2
Vorwort<br />
HISTORIE<br />
Die Nie<strong>der</strong>schrift <strong>der</strong> <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> zieht sich über<br />
mehr als 10 Jahre hin und soll jetzt zum Abschluss gebracht werden. Die erste<br />
Publikation zum Thema „Persönlichkeiten in <strong>der</strong> Frühzeit <strong>der</strong> deutschen<br />
<strong>Mykologie</strong>“ von Claus Seebacher erschien in <strong>der</strong> Ausgabe 1/2006 S. 18 – 21<br />
vom MYKOLOGIE FORUM. In <strong>der</strong> Ausgabe 1/2009 S. 44 – 48 veröffentlichten<br />
Johannes Müller und Claus Seebacher in <strong>der</strong> gleichen Zeitschrift den Artikel<br />
„Ärzte, Forscher, Lehrer – <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> im<br />
<strong>deutschsprachigen</strong> Raum“. Dieser Artikel ist insofern wichtig, als dass hier<br />
alle Dokumente, wie Laudationes, Nachrufe, zusammenfassende Darstellungen<br />
zur <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong>, die je in „mykosen/mycoses“ publiziert wurden,<br />
in zeitlicher Reihenfolge aufgelistet sind. Schließlich erschien an gleicher Stelle<br />
in <strong>der</strong> Ausgabe 4/10 und 1/11 S. 6 – 11 <strong>der</strong> Artikel „50 Jahre Deutschsprachige<br />
Mykologische Gesellschaft“ von Claus Seebacher und Johannes Müller.<br />
Diese Übersichten bilden mit den <strong>nach</strong>folgenden Ausführungen eine in sich<br />
geschlossene Einheit – Die <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> in den<br />
<strong>deutschsprachigen</strong> Län<strong>der</strong>n.<br />
Der letzte Abschnitt „Die letzten 50 Jahre 1960 – 2010“ befasst sich vor<strong>der</strong>gründig<br />
mit den invasiven Mykosen und ist in verkürzter Form von Johannes Müller<br />
am 5. September 2013 als keynote lecture zur 47. Wissenschaftlichen Tagung<br />
<strong>der</strong> DMykG in Tübingen vorgetragen worden. Schon damals war geplant, das<br />
erweiterte Manuskript als Gemeinschaftsarbeit und Abschluss dieser Reihe zu<br />
publizieren. Lei<strong>der</strong> hat sich die Fertigstellung erheblich verzögert. Im Oktober<br />
2016 erhielt ich die Einladung, für ein Supplementheft <strong>der</strong> Wiener Medizinischen<br />
Wochenschrift einen Artikel gleichen Inhalts zu schreiben. Diese Arbeit ist Ende<br />
Februar 2017 unter dem Titel „Outstanding personalities in German-speaking<br />
mycology“ von Claus Seebacher, Torello Lotti, Maria Grazia, Massimo<br />
Fioranelli & Uwe Wollina in elektronischer Form in <strong>der</strong> Wiener Medizinischen<br />
Wochenschrift DOI 10.1007/s10354-017-0546-6 und nun auch gedruckt erschienen<br />
(Wien Med Wochenschr. 2017; 167 [Suppl 1]: 8 – 19) und kann über den<br />
Link www.springer.com abgerufen werden. Die Einstellung des Textes auf die<br />
Homepage <strong>der</strong> DMykG ist aus urheberrechtlichen Gründen lei<strong>der</strong> nicht möglich.<br />
Aus diesem Grund habe ich dem Vorstand <strong>der</strong> DMykG versprochen, eine ausführlichere<br />
Version <strong>der</strong> noch fehlenden Teile <strong>der</strong> <strong>Geschichte</strong> zu schreiben. Wenn<br />
auch die Arbeit in <strong>der</strong> WMW 12 Druckseiten umfasst, waren darin 177 Jahre<br />
<strong>Geschichte</strong> nicht ausführlich darstellbar, weite Strecken konnten nur die Namen<br />
<strong>der</strong> Akteure genannt werden. Allerdings können 120 Literaturzitate für spätere<br />
Historiker hilfreich sein.<br />
3
HISTORIE HISTORY<br />
Claus Seebacher Johannes Müller Wolf Meinhof<br />
Vor <strong>der</strong> Bearbeitung des vorliegenden Textes habe ich mir die auf meinem Computer<br />
gespeicherte Datei des Vortrags in Tübingen von Herrn Prof. Dr. Johannes<br />
Müller, <strong>der</strong> von uns inzwischen bearbeitet aber noch nicht fertiggestellt war,<br />
nochmals genauer angesehen. Dieser Vortrag kann durch eine weitere Bearbeitung<br />
ohne Mitwirkung von J. Müller nicht verbessert werden. Deshalb baue ich<br />
ihn ungekürzt, mit nur sehr wenigen Ergänzungen in das Gesamtkonzept hier ein,<br />
<strong>nach</strong>dem mir Herr Müller die Genehmigung erteilt hatte, mit diesem Manuskript<br />
<strong>nach</strong> eigenem Gutdünken zu verfahren.<br />
Die Vorstände <strong>der</strong> DMykG von 1961 bis heute sind auf <strong>der</strong> Homepage bereits<br />
verfügbar, ebenso alle Tagungen, alle Ehrungen mit <strong>der</strong> Schönleinplakette, <strong>der</strong><br />
Ehrenmitgliedschaft und korrespondierende Mitglie<strong>der</strong>. Diese Tabellen sind Bestandteil<br />
dieser Übersicht.<br />
Ausdrücklich sei hier Herrn Prof. Dr. med. Wolf Meinhof, Dormitz, für die<br />
vielen nützlichen Hinweise und vor allem für die Bereitstellung zahlreicher Arbeiten<br />
zum Thema aus <strong>der</strong> Frühzeit <strong>der</strong> Gesellschaft sehr herzlich gedankt. Dabei<br />
sei auch auf seinen sehr lesenswerten Artikel „150 Jahre medizinische <strong>Mykologie</strong><br />
seit Johann Lucas Schönlein“ [1] hingewiesen. Der Schriftführer <strong>der</strong> DMykG,<br />
Oliver Kurzai, hat das Manuskript durchgesehen, korrigiert und einige Ergänzungen<br />
eingefügt. Dafür danken ihm die Autoren sehr herzlich. Einen beson<strong>der</strong>en<br />
Dank hat sich Frau Gabriele Henning-Wrobel verdient. Sie ist für das Layout<br />
des Heftes verantwortlich und für die Platzierung <strong>der</strong> Vielzahl von Bil<strong>der</strong>n, die sie<br />
zum großen Teil auch selbst aufgenommen hat.<br />
Claus Seebacher<br />
4
Die Entwicklung <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />
im Deutschsprachigen Raum <strong>nach</strong> <strong>1945</strong><br />
Claus Seebacher, Johannes Müller und Wolf Meinhof<br />
HISTORIE<br />
Gründung <strong>der</strong> International Society for Human<br />
and Animal Mycology (ISHAM)<br />
Nach dem II. Weltkrieg normalisierte sich langsam <strong>der</strong> internationale Wissenschaftsaustausch<br />
auch mit <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>belebung o<strong>der</strong> Neugründung medizinisch<br />
wissenschaftlicher Gesellschaften. Hierzu zählt auch die Gründung <strong>der</strong> International<br />
Society for Human and Animal Mycology (ISHAM) [2] . Eine erste vorbereitende<br />
Zusammenkunft von etwa zwölf, vorwiegend europäischen Mykologen,<br />
fand während des 6th International Congress of Microbiology im September<br />
1953 in Rom statt. Als einziger deutscher Vertreter nahm Heinz Seeliger (1920<br />
– 1997), damals Bonn, an dieser Zusammenkunft in einem Restaurant teil. Alle<br />
Teilnehmer hatten sich per Unterschrift auf einer Speisekarte für die Nachwelt<br />
verewigt [2] . Die offizielle Gründung <strong>der</strong> ISHAM erfolgte am 4. Juli 1954 in Paris,<br />
im Pasteurinstitut während des 8th International Congress of Botany. Einen<br />
Bericht über den Kongress hat Dietrich Janke in <strong>der</strong> Zeitschrift Der Hautarzt<br />
veröffentlicht [3] . Da<strong>nach</strong> enthielt das Kongressprogramm eine Sektion „Medizinische<br />
<strong>Mykologie</strong>“ mit 27 Vorträgen, darunter zwei von deutschen Autoren:<br />
Janke, D. (Marburg) berichtete über eine serologische Methode zum Pathogenitäts<strong>nach</strong>weis<br />
von Candida albicans und Mallinckrodt-Haupt, A. (Köln) über<br />
fungistatische Wirkung von Hautextrakten bei Tier und Mensch gegen Dermatophyten<br />
bei Verwendung <strong>der</strong> Stanzlochmethode [3] . Zum ersten Präsidenten<br />
<strong>der</strong> ISHAM wurde P. Redaelli (Italien), gewählt. Generalsekretär wurde R. Vanbreuseghem<br />
(Belgien) und G. Ainswoth (U. K.), G. Segretain (Frankreich), C.<br />
W. Emmons (USA) sowie P. Negroni (Argentinien) wurden Vizepräsidenten.<br />
Publikationsorgan wurde zunächst die 1938 von Piero Redaelli (Mailand) und<br />
R. Vanbreuseghem<br />
Asta von Mallinckrodt-Haupt Heinz Seeliger Gabriel Segretain<br />
Gründung 1961<br />
5
HISTORIE<br />
Raffaele Ciferri (Pavia) gegründete Zeitschrift Mycopathologia and Mycologia<br />
Applikata [2] . Ihr eigenes Publikationsorgan schuf sich die ISHAM 1963 mit<br />
<strong>der</strong> Zeitschrift „Sabouraudia“, die später in „Journal of Medical and Veterinary<br />
Mycology“ und schließlich in „Medical Mycology“ umbenannt wurde.<br />
Folgende deutschsprachige Mykologen hatten im ISHAM-Council Funktionen<br />
inne. Als Schatzmeister: Wolfgang Löffler, Johannes Müller, Annemarie Polak,<br />
Reinhard Kappe, Gertrud Schär, Katrin Tintelnot, Gerhard Haase. Als Vizepräsident<br />
waren gewählt: Heinz Seeliger, Johannes Müller, Reinhard Rüchel,<br />
Gertrud Schär, Katrin Tintelnot und Bernhard Hube. Generalsekretär war von<br />
1975 – 1981 Wolfgang Löffler und Präsident <strong>der</strong> ISHAM war von 1994 – 1997<br />
Johannes Müller. Die Innsbruckerin Michaela Lackner leitete ab 2012 bis 2015<br />
den Arbeitsbereich Young ISHAM. Oliver Kurzai ist Chief Editor von Medical<br />
Mycology Case Reports. Ehrenmitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong> ISHAM aus <strong>deutschsprachigen</strong><br />
Län<strong>der</strong>n sind bzw. waren: Heinz P. R. Seeliger, Friedrich Staib und Johannes<br />
Müller. Friedrich Staib erhielt 1994 den ISHAM-Award.<br />
Gerhard Haase<br />
Im Juni 2012 tagte <strong>der</strong> 18th Congress of International Society for Human and Animal<br />
Mycology unter <strong>der</strong> Leitung von Markus Ruhnke, Bernhard Hube, Yvonne<br />
Gräser und Kathrin Tintelnot mit großem Erfolg in<br />
Berlin.<br />
ISHAM Tagungsort 2012 im Berliner Congress Center<br />
Markus Ruhnke<br />
Yvonne Gräser Katrin Tintelnot Bernhard Hube<br />
6
HISTORIE<br />
Gründungsurkunde <strong>der</strong> International Society for<br />
Human and Animal Mycology (ISHAM)<br />
Aus: Ainsworth GC. Introduction of the History of<br />
Medical and Veterinary Mycology.<br />
Cambridge, London, New York, New Rochelle,<br />
Melbourne, Sydney<br />
University Press 1986<br />
7
HISTORIE<br />
Die <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> ehemaligen DDR<br />
Zu den ersten, <strong>nach</strong> dem Krieg publizierten Arbeiten mykologischen Inhalts aus<br />
einer DDR-Klinik, zählt die 1952 erschienene Arbeit von Heinz-Dieter Jung<br />
(1916 – 2000) aus <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik in Greifswald „Zur Kenntnis <strong>der</strong> Scopulariopsis<br />
species. Klinische, experimentelle und mykologische Betrachtungen“ [4] .<br />
Die <strong>Mykologie</strong> wurde von 1955 – 1985 dort von dem Biologen Fritz Haufe (1926<br />
– 1985) und <strong>der</strong> Hautärztin Ursula Haufe vertreten, anschließend (1986 – 1994)<br />
von Gudrun Schrö<strong>der</strong>.<br />
An <strong>der</strong> Medizinischen Klinik <strong>der</strong> Univ. Greifswald baute Hannelore Bernhardt<br />
ab 1957/58 eine mikrobiologische Forschungsabteilung zur Erforschung <strong>der</strong><br />
gastro-intestinalen Mikroflora auf, die ihr einzigartiges Profil durch die Integration<br />
in die Klinik und die dadurch erleichterte interdisziplinäre Zusammenarbeit<br />
mit dem Internisten Manfred Knoke und dem Pathologen Günther Schwesinger<br />
erwerben konnte. Neben <strong>der</strong> Anzucht von Anaerobiern waren auch Pilze<br />
Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Hannelore Bernhardt wurde 1993 zur<br />
2. Vorsitzenden <strong>der</strong> DMykG gewählt und rückte satzungsgemäß 1996 zur 1. Vorsitzenden<br />
auf. Sie war die erste Deutsche, die die DMykG in <strong>der</strong> 1993 in Paris neu<br />
gegründeten European Confe<strong>der</strong>ation of Medical Mycology vertreten hat. Die<br />
erste MYK-Tagung in den neuen Bundeslän<strong>der</strong>n organisierte sie gemeinsam mit<br />
M. Knoke 1993 in Greifswald und sie war die erste Frau, die <strong>der</strong> DMykG e.V.<br />
vorstand.<br />
An <strong>der</strong> Charité-Hautklinik in Berlin war es zunächst die Oberärztin Hildegard<br />
Langer, die sich um die <strong>Mykologie</strong> kümmerte. 1957 veröffentlichte sie eine<br />
beachtliche epidemiologische Übersicht über die Dermatophytenflora bei Onychomykose<br />
[5] . Ihr folgten 1959 als Leiter des mykologischen Labors zunächst<br />
Nach dem II. Weltkrieg<br />
musste die<br />
deutsche <strong>Mykologie</strong><br />
getrennte Wege<br />
gehen. In beiden<br />
Teilen Deutschlands<br />
war die mykologische<br />
Forschung<br />
hauptsächlich an<br />
<strong>der</strong>matologischen<br />
Kliniken angesiedelt.<br />
8<br />
Hannelore Bernhardt<br />
Günther Schwesinger<br />
Manfred Knoke
<strong>der</strong> Biologe Helmut Ziegler und anschließend die Biologin Hannelore Ziegler-Böhme.<br />
Ab 1966 war Irene Tausch neben ihrer ärztlichen Tätigkeit, wissenschaftlich<br />
auch mit <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> befasst, ebenso wie Hans-Jürgen Tietz<br />
von 1981 bis 2004. Er gründete im Mai 2004 in Berlin ein privates Institut für<br />
Pilzkrankheiten, engagiert sich um die jährlichen Ringversuche zur Qualitätssicherung<br />
in den mykologischen Laboratorien und publizierte zahlreiche beachtete<br />
Arbeiten sowie einige Bücher.<br />
HISTORIE<br />
1954 begann Erika Friedrich (1920 – 2013) am Hygiene-Institut <strong>der</strong> Univ. Halle/Saale<br />
ihre Tätigkeit auf einer neu geschaffenen Planstelle für mykologische<br />
Diagnostik. Ihre Dissertation „Über die Bestimmung von Sprosspilzen im medizinisch-mykologischen<br />
Laboratorium und das Vorkommen verschiedener Sprosspilze<br />
beim Menschen“ wurde 1962 als Monografie publiziert und war eine wichtige<br />
Arbeitsanleitung für viele Mykologen <strong>der</strong> DDR [6] . Erika Friedrich wechselte<br />
1963 in die Hautklinik <strong>der</strong> Univ. Halle und leitete dort bis 1980 das mykologische<br />
Labor. Ihr zur Seite wirkten von 1971 – 1983 <strong>der</strong> Dipl.-Chem. Günter Schwartze<br />
und von 1974 – 1981 <strong>der</strong> Hautarzt Gert Kühn.<br />
Renate Blaschke-Hellmessen begann 1955 ihre Tätigkeit am Hygiene-Institut<br />
<strong>der</strong> TH Dresden und an <strong>der</strong> 1954 gegründeten Medizinischen Akademie. Sie<br />
baute hier ein mykologisches Laboratorium auf, das praktisch das volle Spektrum<br />
mykologischer Untersuchungen anbot und in Lehre und Forschung einbezogen<br />
war. Sie pflegte eine intensive wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Ärzten<br />
<strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>klinik (R. Schwarze, H.-W. Kintzel, G.-K. Hinkel) und <strong>der</strong> Hautklinik<br />
(C. Seebacher, U. Hübner). Sie organisierte gemeinsam mit C. Seebacher die<br />
MYK-Tagung 1995 in Dresden.<br />
Helmut Ziegler<br />
Am Hygiene-Institut <strong>der</strong> Universität Jena vertrat <strong>der</strong> medizinische Mikrobiologe<br />
Georg Schabinski die <strong>Mykologie</strong>. Bereits 1960 veröffentlichte er sein Buch<br />
„Grundriss <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong>“ [7] , wohl das erste <strong>Mykologie</strong>-Buch,<br />
das in Deutschland <strong>nach</strong> dem Krieg verfügbar war. Eine ebenfalls sehr beachtete<br />
Monografie über viszerale Mykosen erschien 1965 von dem Jenaer Pathologen<br />
Günter Ba<strong>der</strong>.<br />
Hannelore Ziegler-Böhme<br />
Erika Friedrich und Renate Blaschke Hellmessen<br />
Hans-Jürgen Tietz<br />
9
HISTORIE<br />
Ende <strong>der</strong> 50er und Anfang <strong>der</strong> 60er Jahre etablierten sich weitere mykologische<br />
Labors. An <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik in Leipzig entwickelte sich das Labor, seit 1958<br />
unter <strong>der</strong> Leitung <strong>der</strong> Biologin Christina Schönborn (1928 – 2001), zu einer<br />
leistungsfähigen Untersuchungs- und Forschungseinrichtung. Ärztliche Partner<br />
waren Waltraud Braun (1918 – 1987), von 1969 – 1979 Direktorin <strong>der</strong> Univ.-<br />
Hautklinik in Halle und Hermann Pöhler, die sich beide mit mykologischen Themen<br />
habilitierten. Von 1989 – 1992 war Jürgen Herrmann Leiter des Labors,<br />
gefolgt von Pietro Nenoff. Nach Schließung des mykologischen Labors an <strong>der</strong><br />
Hautklinik ließ sich Nenoff in einer Gemeinschaftspraxis für Medizinische Mikrobiologie<br />
in Mölbis bei Leipzig nie<strong>der</strong> und entfaltete von dort aus eine rege,<br />
international beachtete wissenschaftliche Tätigkeit.<br />
In <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik Rostock baute Ursula Kaben ein leistungsfähiges mykologisches<br />
Labor auf. Neben <strong>der</strong>matomykologischen Themen widmete sie sich<br />
<strong>der</strong> Mykoserologie. Ihre Arbeitsgruppe stellte für die DDR das Candida-Antigen<br />
Candidin für diagnostische Zwecke her. U. Kaben organisierte und leitete<br />
1986 und 1990 die 10. und 11. (letzte) Tagung <strong>der</strong> Gesellschaft für Medizinische<br />
<strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> DDR. Eine enge Zusammenarbeit pflegte sie mit dem Dermatologen<br />
Hans-Jürgen Westphal (1943 – 2015).<br />
An <strong>der</strong> Hautklinik <strong>der</strong> Medizinischen Akademie Magdeburg waren es Harry und<br />
Waltraud Braun bis zu ihrem Wechsel <strong>nach</strong> Leipzig sowie Gertrud Krentel und<br />
später Wolfgang Böhm, die <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> Auftrieb gaben.<br />
An <strong>der</strong> Hautklinik in Erfurt wirkten Herbert Anton und Yvonne Koch. H. A.<br />
Koch veröffentlichte 1973 einen Leitfaden <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong>, <strong>der</strong> sowohl<br />
für Studenten als auch für Einsteiger in die medizinische <strong>Mykologie</strong> eine<br />
gute Grundlage bot. Herbert A. Koch beschrieb 1969 Trichophyton thuringiense<br />
als spec. nov. [8] .<br />
Die 1957 neu gegründete Hautklinik <strong>der</strong> Medizinischen Akademie Dresden etablierte<br />
bald auch ein mykologisches Labor. Kurzzeitig wurde es von Ingeborg<br />
10<br />
Christina Schönborn<br />
Ursula Kaben, Hans Rieth und Heinz Seeliger 1990 zur letzten DDR-Tagung in Rostock
HISTORIE<br />
Claus Seebacher<br />
Klinikum Dresden Friedrichstadt<br />
Heidenbluth, dann von Claus Seebacher von 1962 – 1976 und da<strong>nach</strong> von<br />
Ursula Hübner geleitet. Nachdem Seebacher die Chefarztstelle in <strong>der</strong> Hautklinik<br />
Dresden Friedrichstadt übernommen hatte, erfolgte auch dort <strong>der</strong> Aufbau<br />
eines mykologischen Labors. Geleitet wurde dieses von Irina Vennewald.<br />
Seebacher war bis 2007 für die <strong>der</strong>matomykologischen Leitlinien <strong>der</strong> Deutschen<br />
Gesellschaft für Dermatologie verantwortlich. Noch zu DDR-Zeiten schrieb er<br />
gemeinsam mit Renate Blaschke-Hellmessen das Buch „Mykosen“, das 1990<br />
im Gustav Fischer Verlag erschien.<br />
Am Bezirks-Hygiene-Institut Berlin-Buch etablierte Horst Gemeinhardt ab<br />
1963 ein mykologisches Labor innerhalb <strong>der</strong> medizinischen Mikrobiologie. Der<br />
Schwerpunkt waren die Endomykosen. 1976 veröffentlichte er ein weit beachtetes<br />
Buch „Endomykosen des Menschen“ [9] , in dem <strong>der</strong> Pathologe Peter Deicke<br />
wesentliche Autopsiebefunde und histologische Bil<strong>der</strong> beisteuerte.<br />
Auch in <strong>der</strong> Veterinärmedizin <strong>der</strong> DDR gab es mykologische Arbeitsbereiche.<br />
Seit 1961 hatte Peter Kielstein im Institut für bakterielle<br />
Tierseuchenforschung <strong>der</strong> Akademie <strong>der</strong> Landwirtschaftswissenschaften<br />
in Jena einen mehrjährigen Forschungsauftrag zur<br />
Bekämpfung animaler Dermatomykosen inne. Im Wissenschaftsbereich<br />
Veterinärhygiene <strong>der</strong> Sektion Tierproduktion und Veterinärmedizin<br />
<strong>der</strong> Humboldt-Universität zu Berlin war <strong>der</strong> Veterinärmykologe<br />
Joachim Schultz von 1960 – 1990 tätig.<br />
Mit <strong>der</strong> Spezialdisziplin Mykosen in <strong>der</strong> Gynäkologie befasste sich<br />
Heinz Spitzbart (1930 – 2008), Erfurt.<br />
Heinz Spitzbart<br />
11
HISTORIE<br />
Gründung <strong>der</strong> Gesellschaft für<br />
Medizinische <strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> DDR<br />
Am 21. Mai 1960 wurde im Haus <strong>der</strong> Akademie für Ärztliche Fortbildung in Berlin die<br />
Gesellschaft für Medizinische <strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> DDR gegründet. Zum Vorsitzenden<br />
wurde <strong>der</strong> Dermatologe Harry Braun (1908 – 1979 ), Magdeburg, später Leipzig, zu<br />
seinem Stellvertreter <strong>der</strong> Mikrobiologe Georg Wildführ, Leipzig, und zur Sekretärin<br />
<strong>der</strong> Gesellschaft Hildegard Langer, Berlin, gewählt. In dieser Position folgte<br />
ihr Christina Schönborn, Leipzig. Weitere Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong> ersten Vorstände<br />
waren Helmut Ziegler, Berlin, und Heinz Egon Kleine-Natrop (1917 – 1985),<br />
Dresden, von 1966 – 1970. Am 09.05.1970 übernahm Waltraud Braun, Halle,<br />
den Vorsitz <strong>der</strong> Gesellschaft, Stellvertreter wurde G. Schabinski, Berlin, Sekretärin<br />
Christina Schönborn, Schatzmeister H. Pöhler, Leipzig. Weitere Vorstandsmitglie<strong>der</strong><br />
waren P. Kielstein, Jena, H. Böhme, Berlin, und C. Seebacher, Dresden.<br />
Diese Gesellschaft war eine affiliated society <strong>der</strong> ISHAM. Die <strong>Geschichte</strong><br />
<strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> ehemaligen DDR ist in mycoses ausführlich<br />
publiziert [10] .<br />
Waltraud und Harry Braun,<br />
Mykologentagung 1970<br />
12<br />
Hannelore Ziegler-Böhme, C. Seebacher, Helga und Peter Kielsten, Heinz Spitzbart
Die <strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> Bundesrepublik Deutschland<br />
HISTORIE<br />
Auch im Westen Deutschlands wuchs <strong>nach</strong> dem Krieg<br />
das Interesse an den Pilzkrankheiten. Hans Götz<br />
(1915 – 1997) veröffentlichte 1952 eine Arbeit „Klinische<br />
und experimentelle Untersuchungen über die<br />
Hautpilzkrankheiten im Gebiet von Hamburg 1948 –<br />
1950“ [11] . Der Zufall wollte es, dass diese Arbeit im<br />
selben Heft des gleichen Journals erschien, wie die<br />
oben genannte Arbeit von H. D. Jung [4] . 1950 folgte<br />
er seinem Chef, Alfred Marchionini, <strong>nach</strong> München,<br />
um 1960 das Direktorat <strong>der</strong> Städtischen Hautklinik<br />
in Essen zu übernehmen, die 1963 zur Universitäts-<br />
Hautklinik erhoben wurde. Eine bis heute unübertroffene<br />
Monografie über Dermatophytosen legte Götz<br />
Helge Hauck, Hans Götz<br />
mit Vol IV/3 des Ergänzungswerks des Handbuchs von Jadassohn vor [1, 12] . Hans<br />
Götz war Grün<strong>der</strong> und Erster Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen<br />
Gesellschaft von 1961 – 1969. Ihn ehrten die Mitglie<strong>der</strong> später mit <strong>der</strong> Ernennung<br />
zum Ehrenvorsitzenden. Götz war auch Gründungsmitglied <strong>der</strong> ISHAM.<br />
Nach dem Weggang von Hans Götz war die <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik<br />
Hamburg-Eppendorf zunächst verwaist. 1953 begann Hans Rieth (1914 – 1994)<br />
in <strong>der</strong> neu errichteten Hautklinik ein mo<strong>der</strong>nes mykologisches Forschungslabor<br />
einzurichten. Seine Verdienste um die <strong>Mykologie</strong> wurden eingehend von<br />
W. Meinhof und C. Schirren gewürdigt [13] . Neben einer Vielzahl mykologischer<br />
Publikationen hat Hans Rieth zudem privat durch Preise und Medaillen die<br />
<strong>Mykologie</strong> und Mykologen geför<strong>der</strong>t. Die <strong>nach</strong>folgenden Preise und Medaillen<br />
hat er gestiftet [14] :<br />
Gustav-Riehl-Preis<br />
Rudolf-Lieske-För<strong>der</strong>preis<br />
Hugo-Carl-Plaut-Medaille<br />
Ernst-Rodenwaldt-Medaille<br />
Hervorzuheben ist sein Beitrag für das Handbuch <strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten,<br />
Ergänzungswerk, „Die Antimykotika“ [15] . Hans<br />
Rieth bekleidete das Vorstandsamt des Schriftführers von <strong>der</strong> Gründung<br />
<strong>der</strong> DMykG 1961 an bis zu seinem Tod. Ein weiterer Mitarbeiter dieser<br />
Klinik muss hier genannt werden, <strong>der</strong> Dermatologe und Mikrobiologe Johannes<br />
Meyer-Rohn (1912 – 1997). Ihm verdanken wir das Kapitel „Die<br />
Antibiotika“ unter Berücksichtigung von Nystatin im o. g. Handbuch [16] .<br />
Ernst-Rodenwaldt-Medaille für Mohammed<br />
Refai (Gizeh, Ägypten) (re.), C. Schirren (li.)<br />
13
HISTORIE<br />
Die Gründung <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen<br />
Gesellschaft (DMykG)<br />
Tagungsteilnehmer zur Gründung <strong>der</strong> DMykG e.V. 1961 in Essen<br />
14<br />
Am 15. Januar 1961 wurde die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft<br />
in Essen gegründet. Die mit dem Gründungsakt verbundene wissenschaftliche<br />
Tagung ist mit allen Vorträgen in gedruckter Form dokumentiert und 1962 im<br />
Springerverlag erschienen [17] . Die Gründungsidee, alle Deutsch sprechenden<br />
Mykologen unter einem Dach zu vereinen, verwirklichte sich erst 1991 zur Jubiläumstagung<br />
in Essen (30 Jahre DMykG), als die inzwischen aufgelöste DDR-<br />
Gesellschaft en corpore <strong>der</strong> DMykG beitrat. Diesem Akt hat <strong>der</strong> Grün<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
DMykG, Prof. Dr. H. Götz als Emeritus mit sichtbarer Freude noch beigewohnt<br />
[10]<br />
. Seit Gründung <strong>der</strong> Gesellschaft bis heute wird sie von einem vierköpfigen<br />
Vorstand geführt: 1. Vorsitzen<strong>der</strong>, 2. Vorsitzen<strong>der</strong>, Schriftführer und Kassenwart.<br />
Jährlich, mit Ausnahme <strong>der</strong> Jahre 1967, 1970, 1977, 1979 und 1982 wurden wissenschaftliche<br />
Tagungen organisiert, die in Deutschland, in Österreich, in <strong>der</strong><br />
Schweiz und einmal in Luxemburg stattfanden. Die Tagungen 2006 in Innsbruck<br />
unter Leitung von Reinhard Würzner, 2010 in Wien unter Leitung von Birgit<br />
Willinger und 2014 in Salzburg unter <strong>der</strong> Leitung von Markus Hell wurden von<br />
<strong>der</strong> inzwischen neu gegründeten Österreichischen Gesellschaft für Medizinische<br />
<strong>Mykologie</strong> (ÖGMM) ausgerichtet. Von den ersten sechs Tagungen <strong>der</strong> DMykG<br />
sind die Vorträge in Tagungsbänden gedruckt erschienen [17-22] . Zum Teil können<br />
sie als eBook o<strong>der</strong> PDF-Datei beim Verlag erworben werden. Von den Tagungen<br />
1991 bis 2002 liegen Supplementhefte von mycoses vor, in denen Tagungsberichte<br />
und einzelne Vorträge in voller Länge abgedruckt sind.
Die früheren Tagungsprogramme belegen, dass internationale Tagungsgäste nur<br />
ausgesprochen selten verzeichnet sind, wenn man von tschechischen und ungarischen<br />
Kolleginnen und Kollegen, die überwiegend ordentliche Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
DMykG waren, absieht. Hier war die 16. Tagung, zugleich 20jähriges Jubiläum<br />
<strong>der</strong> DMykG, 1981 in Erlangen eine bedeutsame Ausnahme. Die von Helge Hauck<br />
vorbildlich organisierte Tagung fand in <strong>der</strong> Zeit statt, als Wolf Meinhof den Vorsitz<br />
<strong>der</strong> Gesellschaft innehatte. Seinem Vorschlag folgend, wurden aus England<br />
Y. Clayton, I.C. Gentles, F.C. Odds, aus Frankreich E. Drouhet, aus Belgien<br />
P. Dockx und R. Vanbreuseghem sowie aus Japan O. Matsuaki und K. Nishio<br />
eingeladen. Dazu kamen noch zahlreiche Persönlichkeiten aus Tschechien und<br />
Ungarn. In den Programmen <strong>nach</strong>folgen<strong>der</strong> Tagungen sind deutlich häufiger ausländische<br />
Gäste verzeichnet als zuvor.<br />
Neben den üblichen Jahrestagungen fand 1999 mit dem 5th Congress of the<br />
European Confe<strong>der</strong>ation of Medical Mycology (ECMM) in Dresden unter Leitung<br />
von Hannelore Bernhardt, organisiert von Renate Blaschke-Hellmessen und<br />
Claus Seebacher, die erste von <strong>der</strong> DMykG veranstaltete internationale Tagung<br />
statt. Dabei wurden erstmals die Abstracts zitierfähig in mycoses publiziert. Zusätzlich<br />
erschien ein Supplementheft von mycoses mit dem Volltext zahlreicher<br />
Vorträge [23] .<br />
In Berlin hat 2005 Markus Ruhnke den internationalen Kongress Trends in<br />
Medical Mycology, eine Doppelveranstaltung von ECMM und EORTC, erfolgreich<br />
organisiert. Im Juni 2012 tagte in Berlin <strong>der</strong> bereits erwähnte ISHAM-Kongress.<br />
Die 49. MYK-Tagung 2015 in Jena war mit dem International Symposium of the<br />
CRC/Transregio FungiNet verbunden. Conference Chairman war Oliver Kurzai.<br />
Markus Ruhnke<br />
Oliver Kurzai<br />
HISTORIE<br />
Frank C. Odds<br />
29. Wissenschaftliche Tagung <strong>der</strong> DMykG 1995 in Dresden im Deutschen Hygiene-Museum<br />
15
HISTORIE<br />
Mycoses – Publikationsorgan <strong>der</strong> Gesellschaft<br />
Als Publikationsorgan <strong>der</strong> DMykG diente die von Erich Langer (1891 – 1957)<br />
1957 gegründete Zeitschrift „Mykosen“. Als Publikationsprachen waren Deutsch,<br />
Englisch und Französisch vorgegeben. Englischsprachige Artikel, auch von sehr<br />
bedeutenden Autoren (s. Abb. auf S. 18), sind in den ersten Jahren des Bestehens<br />
<strong>der</strong> Zeitschrift zahlreich erschienen. Sie wurde von Heinz Grimmer, FU<br />
Berlin, ab 1962 Wiesbaden, als Schriftleiter, ab 1967 gemeinsam mit Hans Rieth<br />
bis 1974 geführt. Von 1974 – 1978 folgte Detlef Hanschke, Essen, in diesem<br />
Amt. Wolf Meinhof, Aachen, war von 1978 – 1986 Schriftleiter von nunmehr<br />
„mykosen“, die in diesen Jahren auch internationale Reputation erlangte. Ab<br />
1986 übernahm Johannes Müller das Publikationsorgan <strong>der</strong> DMykG als Editor<br />
in Chief. Inzwischen wird es „mycoses“ genannt und erscheint ausschließlich in<br />
Englisch. Das obligate Peer Review wurde eingeführt. Im Jahr 2004 übernahm<br />
Hans Christian Korting „mycoses“ bis zu seinem frühen Tod 2012. Oliver A.<br />
Cornely, Köln, Jacques F. G. M. Meis, Nijmegen, und Martin Schaller, Tübingen,<br />
haben nunmehr das Zepter übernommen. „mycoses“ hat längst die gleiche<br />
internationale Stellung erreicht, wie zum Beispiel Mycopathologia o<strong>der</strong> Medical<br />
Mycology, das Organ <strong>der</strong> ISHAM.<br />
Heinz Grimmer<br />
Hans Rieth<br />
Detlef Hantschke<br />
Wolf Meinhof<br />
Jacques F. G. M. Meis<br />
Hans Christian Korting<br />
Oliver A. Cornely<br />
Claudia Borelli, Martin Schaller<br />
16
HISTORIE<br />
17
HISTORIE<br />
18
HISTORIE<br />
19
HISTORIE<br />
Dermatologische Kliniken mit <strong>Mykologie</strong><br />
als wissenschaftlichem Schwerpunkt<br />
Nachdem Hamburg als wohl älteste Heimstatt <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> (Hugo-Carl Plaut<br />
war 1912 maßgebend an <strong>der</strong> Gründung eines privaten Pilzforschungsinstituts in<br />
Eppendorf beteiligt und arbeitete dort stundenweise bis zu seinem Tod 1928 [24] )<br />
bereits gewürdigt wurde, sollen <strong>nach</strong>folgend die Univ.-Hautklinken in alphabetischer<br />
Reihenfolge genannt werden, in denen, zum Teil nur zeitweise, wissenschaftliche<br />
<strong>Mykologie</strong> betrieben wurde.<br />
Aachen: Im Jahre 1977 übernahm Wolf Meinhof das Direktorat <strong>der</strong> Hautklinik<br />
<strong>der</strong> RWTH Aachen. Sein mykologisches Rüstzeug hatte er sich während seiner<br />
Facharztweiterbildung in <strong>der</strong> Univ.-Hautklinik Hamburg bei Hans Rieth erworben.<br />
Weitere Stationen seiner Laufbahn waren Marburg, München (LMU), Wiesbaden<br />
(Deutsche Klinik für Diagnostik) und die Univ.-Hautklinik Erlangen. Die <strong>Mykologie</strong><br />
war das Hauptgebiet seiner umfangreichen wissenschaftlichen Tätigkeit.<br />
Die Entwicklung neuer Antimykotika hat er vom Griseofulvin 1961 bis zu den<br />
mo<strong>der</strong>nen Azolen mit wissenschaftlichen Beiträgen aktiv begleitet. 1995/96 publizierte<br />
er in 19 Folgen in <strong>der</strong> Zeitschrift „Fortschritte <strong>der</strong> Medizin“ die Arbeit<br />
„Dermatomykosen, FdM-Tabellen für die Praxis“ [25] . In <strong>der</strong> DMykG war er von<br />
1975 – 1981 und noch einmal von 1984 – 1990 zunächst drei Jahre 2. Vorsitzen<strong>der</strong><br />
und dann 1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Gesellschaft.<br />
Berlin Freie Universität: Erich Langer (1891 – 1957) gründet 1957 die Zeitschrift<br />
Mykosen. Heinz Grimmer (1913 – 1982) befasste sich mit <strong>der</strong> Behandlung<br />
von Onychomykosen und publizierte über Genitalerkrankungen, darunter auch<br />
die Pilzkrankheiten des äußeren Genitales. Von 1961 – 1969 war er 2. und von<br />
1969 – 1972 1. Vorsitzen<strong>der</strong>. Er organisierte die MYK-Tagungen 1963, 1971 und<br />
1972 in Wiesbaden und Frankfurt/Main. Rudolf Kaden (1916 – 2007) wird mit<br />
seinem profunden Handbuchbeitrag später nochmals erwähnt.<br />
Erlangen: Von 1972 – 1977 Wolf Meinhof; Eckart Haneke habilitierte 1978 in<br />
Erlangen und war von 1986 – 2000 Chefarzt <strong>der</strong> Hautklinik in Wuppertal. Sein<br />
Spezialgebiet sind Nagelkrankheiten und Onychomykosen. Helge Hauck, ihr<br />
Spezialgebiet sind Soor-Infektionen in <strong>der</strong> Geriatrie. Sie organisierte 1981 die<br />
MYK-Tagung in Erlangen. Später leitete sie die Hautklinik in Bielefeld.<br />
Essen: 1963 kam <strong>der</strong> Mikrobiologe Detlef Hantschke <strong>nach</strong> Essen und baute an<br />
<strong>der</strong> Hautklinik einen mykologischen Bereich auf. Arbeitsschwerpunkte waren die<br />
Epidemiologie <strong>der</strong> Dermatomykosen im Bergbau, gemeinsam mit Hans Götz publiziert,<br />
viele Aspekte <strong>der</strong> mykologischen Diagnostik, Antimykotika u.a. 1991 organisiete<br />
er die Vereinigungs-MYK-Tagung in Essen (siehe auch unter Stiftung).<br />
Frankfurt/Main: Ingrid Menzel, Arbeitsschwerpunkt intestinale Candidabesiedelung.<br />
20<br />
Freiburg: Hans-Joachim Heite (1913 – 1996) organisierte 1964 die MYK-Tagung<br />
in Freiburg. Seine Untersuchungen zur Pathogenität von Candida albicans, zur
Wirksamkeit von Nystatin aber auch viele an<strong>der</strong>e experimentelle Untersuchungen<br />
sind noch heute lesenswert.<br />
HISTORIE<br />
Gießen: Wilhelm Knoth (1923 – 1982), Rita Knoth-Born; Peter Mayser hat<br />
sich durch seine Untersuchungen zu den Malassezia-assozierten Hautkrankheiten<br />
und <strong>der</strong> Beschreibung von Pityriacitrin, als ein natürliches UV-absorbierendes<br />
Alkaloid, einen Namen gemacht.<br />
Göttingen: Said-Abdullah Qadripur organisierte 1990 gemeinsam mit Reinhard<br />
Rüchel die MYK-Tagung in Göttingen; die erste Mykologentagung, zu <strong>der</strong><br />
die Kolleginnen und Kollegen aus dem Osten Deutschlands freien Zugang hatten.<br />
Kiel: Jochen Brasch organisierte 1996 und 2011 die MYK-Tagungen in Kiel. Heute<br />
zählt er noch zu den wenigen Dermatomykologen, die auch international durch<br />
weit beachtete Publikationen Anerkennung finden.<br />
Jochen Brasch<br />
Köln: Gerd Polemann (1918 – 2004), 1961 erscheint das Lehrbuch von Gerd<br />
Polemann, T. Wegmann, A. Stammler: Klinik und Therapie <strong>der</strong> Pilzkrankheiten.<br />
Von 1969 – 1975 war er zunächst 2., dann 1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG und organisierte<br />
die Jahrestagungen 1969 und 1973 in Krefeld.<br />
Marburg: Isaak Effendy organisierte 2001 die MYK-Tagung in Marburg mit zahlreichen<br />
internationalen Gästen aus Australien, den USA, Indonesien, <strong>der</strong> Türkei,<br />
Dänemark, Polen u.a. Er ist durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und<br />
Publikationen mit Schwerpunkt Onychomykose bekannt geworden. Hannelore<br />
Mittag habilitierte sich mit einem mykologischen Thema (Pityrosporum, Elektronenmikroskopie)<br />
bei dem Leiter <strong>der</strong> Abteilung „Dermatologische Histologie und<br />
Elektronenmikroskopie“ Prof. Dr. Mladen Rupec.<br />
München, LMU: Luise Krempl-Lamprecht (1923 – 1999) wechselte in den<br />
60iger Jahren von <strong>der</strong> Technischen Hochschule München (später TU) an die<br />
Dermatologische Universitäts-Klinik <strong>der</strong> LMU (Ludwig-Maximilian-Universität),<br />
behielt aber weiterhin ein mykologisches Labor an <strong>der</strong> TU; später wechselte sie<br />
an die Hautklinik <strong>der</strong> TU. Sie war von 1975 – 1993 Kassenwartin <strong>der</strong> DMykG.<br />
Hans Christian Korting (1952 – 2012) war von 1996 – 2002 zunächst 2. dann 1.<br />
Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. Von 2002 – 2008 hatte er das Amt des Schriftführers<br />
inne. Neben einer großen Zahl wissenschaftlicher Arbeiten verdankt die Gesellschaft<br />
ihm die Gründung des <strong>Mykologie</strong> Forums und auch die Einrichtung des<br />
Internetauftritts <strong>der</strong> DMykG 2001. Für seine grundlegenden Arbeiten zur antimykotischen<br />
Chemotherapie erhielt er 1994 den Forschungsför<strong>der</strong>preis <strong>der</strong> DMykG<br />
zuerkannt. Markus Ollert erhielt 1997 den Forschungsför<strong>der</strong>preis <strong>der</strong> DMykG<br />
für seine Arbeiten zur Virulenz und Pathogenität von Candida albicans und <strong>der</strong>en<br />
Konfrontation mit dem humanen Immunsystem.<br />
Isaak Effendy<br />
Gerd Polemann<br />
München TU: Luise Krempl-Lamprecht (1923 – 1999), Dietrich Abeck, Heidelore<br />
Hofmann, Hans Peter Seidl organisierten gemeinsam die MYK-Tagung<br />
2002 in München. Abeck fand internationale Beachtung mit seinen zahlreichen<br />
Publikationen zu Mykosen im Kindesalter.<br />
Said-Abdullah Quadripur<br />
21
HISTORIE<br />
Münster: Ferdinand Fegeler (1920 – 2007) war von 1963 – 1969 Kassenwart<br />
<strong>der</strong> DMykG und hat die wissenschaftliche Entwicklung <strong>der</strong> DMykG in <strong>der</strong> Frühzeit<br />
mitgeprägt. Siegfried Nolting (1935 – 2007) war von 1990 – 1996 zunächst<br />
2. dann 1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. Sein 1982 gemeinsam mit Klaus Fegeler herausgegebenes<br />
Kliniktaschenbuch „Medizinische <strong>Mykologie</strong>“ hat vier Auflagen<br />
erfahren. Gemeinsam mit Wolfgang Fegeler organisierte er die MYK-Tagung<br />
1994 in Montreux/Schweiz. Zu dieser Tagung wurden die da<strong>nach</strong> regelmäßig<br />
ausgeschriebenen Posterpreise erstmals vergeben (siehe auch unter Stiftung).<br />
Tübingen: Wilhelm Adam (1921 – 1991) war von 1978 – 1984 zunächst 2. dann<br />
1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. Gemeinsam mit Wolfgang Löffler organisierte er<br />
1978 die 14. Tagung <strong>der</strong> DMykG in Tübingen. Christian Scherwitz; Martin<br />
Schaller war von 2008 – 2014 2. und 1. Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. Die 47. Jahrestagung<br />
fand unter seiner Leitung 2013 in Tübingen statt. Zahlreiche Publikationen<br />
zur Wirkungsweise mo<strong>der</strong>ner Antimykotika haben internationale Beachtung<br />
gefunden.<br />
Siegfried Nolting<br />
In <strong>der</strong> Univ. Hautklinik in Jena wurde erst Anfang <strong>der</strong> 1990iger Jahre eine mykologische<br />
Abteilung unter <strong>der</strong> Leitung von Uta-Christina Hipler aufgebaut. Der<br />
klinische Partner bei zahlreichen Publikationen ist Florian Seyfarth. U.-C. Hipler<br />
war von 2005 bis 2017 Kassenwartin <strong>der</strong> DMykG. Sie leitete gemeinsam mit<br />
Axel Brakhage die MYK-<br />
Tagung 2008 in Jena.<br />
Außerhalb von Univ.-<br />
Hautkliniken, am Bundeswehrkrankenhaus<br />
in<br />
Hamburg, wirkte Dieter<br />
Reinel. Er war von 1993<br />
– 1996 Schriftführer <strong>der</strong><br />
DMykG.<br />
Christina Hipler<br />
Luise Krempl-Lamprecht<br />
Ferdinand Fegeler<br />
22<br />
Peter Mayser<br />
Florian Seyfarth<br />
Dieter Reinel
Mykologen außerhalb <strong>der</strong> Dermatologie<br />
HISTORIE<br />
Unter den Gynäkologen interessierten sich schon früh einzelne Persönlichkeiten<br />
für Mykosen im Genitalbereich. Einen detaillierten Bericht über die <strong>Mykologie</strong> in<br />
<strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong> Gynäkologie veröffentlichte W. Mendling 1998 [26] . Hier<br />
seien nur die Namen Heinz Malicke (1933 – 2009), Philipp Lachenicht und<br />
Werner Mendling genannt. Mendling organisierte 1998 die 32. MYK-Tagung in<br />
Frankfurt/O<strong>der</strong>. Heinz Spitzbart, Erfurt, sei hier nochmals erwähnt.<br />
Eine beson<strong>der</strong>e Ausnahme stellt Peter Kujath dar, <strong>der</strong> sich als Chirurg unter den<br />
Mykologen durch Kompetenz hohe Anerkennung und Wertschätzung erworben<br />
hat. Die 38. Tagung <strong>der</strong> DMykG organisierte er 2004 in Lübeck. Von den im Programm<br />
aufgeführten 83 Referenten und Posterautoren kamen immerhin 25 aus<br />
operativen Fächern einschließlich <strong>der</strong> Anästhesie.<br />
Pressekonferenz im Rahmen <strong>der</strong><br />
MYK 1998 in Frankfurt/O<strong>der</strong><br />
Nicht nur am Rande muss hier das Wirken von Monika Schäfer-Korting als<br />
Pharmakologin in <strong>der</strong> DMykG hervorgehoben werden. Pharmakokinetik, unerwünschte<br />
Wirkungen, Arzneimittelinteraktionen sind Themen ihrer wissenschaftlichen<br />
Beiträge, die sie in großer Zahl, oft gemeinsam mit Ihrem Ehemann<br />
Hans Christian Korting, publiziert hat. Gemeinsam mit H.-J. Tietz leitete sie<br />
die 34. MYK-Tagung 2000 in Berlin.<br />
Veterinärmediziner waren seit Anbeginn in <strong>der</strong> DMykG<br />
aktiv vertreten. Die 5. Tagung <strong>der</strong> DMykG 1965 wurde<br />
in <strong>der</strong> Tierärztlichen Hochschule <strong>der</strong> Univ. München<br />
unter <strong>der</strong> Leitung von K. Ullrich durchgeführt. Alle Vorträge<br />
<strong>der</strong> Tagung sind als Monografie erschienen [21] .<br />
Hier seien nur die Veterinärmediziner, die im genannten<br />
Bericht verzeichnet sind, aufgeführt: H. Kraft,<br />
München, W. Jaksch, Wien, K. Petzold, Hannover, P.<br />
Kielstein, Jena, B. Schiefer und B. Mehnert, München.<br />
Aus Kairo kam M. Refai, <strong>der</strong> später zu vielen<br />
Tagungen <strong>der</strong> DMykG aus Ägypten anreiste und in<br />
den Programmen als Referent ausgewiesen ist. Brigitte<br />
Gedek, München,<br />
Wolfgang Bisping, Hannover,<br />
Karl Heinz Böhm,<br />
Hannover, Peter Kielstein,<br />
Jena, und Ute Siesenop,<br />
Hannover, waren<br />
die Persönlichkeiten,<br />
die die Veterinärmykologie<br />
für viele Jahre repräsentierten.<br />
Heinz Malicke<br />
Monika Schäfer-Korting<br />
Peter Kielstein<br />
Peter Kujath<br />
Werner Mendling<br />
23
HISTORIE<br />
Die <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> im<br />
Deutschsprachigen Raum:<br />
Die letzten 50 Jahre: 1960 – 2010<br />
Johannes Müller und Claus Seebacher<br />
Die ältere <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong> im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum<br />
– das 19. Jahrhun<strong>der</strong>t – ist gut dokumentiert und zugänglich. Die jüngere <strong>Geschichte</strong><br />
unseres Faches, insbeson<strong>der</strong>e die zweite Hälfte des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts,<br />
ist dagegen als historischer Abriss nicht greifbar, son<strong>der</strong>n liegt nur bruchstückhaft<br />
in Nachrufen und Laudationes herausragen<strong>der</strong> Mykologenpersönlichkeiten<br />
vor. Im Folgenden wird versucht, eine erste Gesamtschau zu präsentieren.<br />
Die Gründung <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft ist 2011 bereits<br />
an gleicher Stelle gewürdigt worden, jetzt und hier sollen die tieflokalisierten,<br />
invasiven, lebensbedrohlichen Mykosen, die man auch Systemmykosen,<br />
o<strong>der</strong> Endomykosen genannt hat, näher beleuchtet werden. In Mitteleuropa<br />
sind das im Wesentlichen die:<br />
Candidosen<br />
Aspergillosen<br />
Cryptococcosen<br />
Zygomykosen (heute als Mucormykosen bezeichnet)<br />
Als Quellen dienten wissenschaftliche Originalpublikationen, ferner die Programme<br />
und Referate <strong>der</strong> Tagungen <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft<br />
(DMykG) und <strong>der</strong> Sektion ‚Antimykotische Chemotherapie‘ <strong>der</strong> Paul-<br />
Ehrlich-Gesellschaft (PEG) für Chemotherapie.<br />
Die oben genannten tieflokalisierten Mykosen haben erst <strong>nach</strong> dem Zweiten<br />
Weltkrieg <strong>nach</strong> Schweregrad und Häufigkeit epidemiologisches Gewicht erlangt.<br />
Deshalb bildet <strong>der</strong> betrachtete Zeitraum 1960 – 2010 die wesentlichen Entwicklungen<br />
ab.<br />
Ursache für das Auftreten tieflokalisierter Mykosen sind die spektakulären Fortschritte<br />
<strong>der</strong> Medizin im 20. Jahrhun<strong>der</strong>t, wie:<br />
Die Entwicklung <strong>der</strong> Antibiotikatherapie.<br />
Die Einführung <strong>der</strong> Immunsuppressiva.<br />
Die Entwicklung antineoplastischer Therapie-Strategien.<br />
Die Fortschritte in <strong>der</strong> Chirurgie: Transplantationen und<br />
Schweroperationstechniken.<br />
Die Entwicklung <strong>der</strong> Intensivmedizin und An<strong>der</strong>es.<br />
24
Diese Entwicklungen haben die zunehmend größere Zahl von Patienten geschaffen,<br />
die trotz schwerwiegen<strong>der</strong> gesundheitlicher Beeinträchtigungen heute ein<br />
hohes Alter erreichen können, dabei aber in hohem Maße zu Risikopatienten<br />
für opportunistische Mykosen geworden sind, weil durch Grundkrankheiten<br />
und eingreifende Therapieformen ihre Infektabwehrsysteme so gemin<strong>der</strong>t o<strong>der</strong><br />
beschädigt sind, dass sie den Pilzen als Krankheitserregern relativ geringgradiger<br />
Virulenz zum Opfer fallen.<br />
HISTORIE<br />
In <strong>der</strong> historischen Betrachtung stellen sich damit folgende Fragen:<br />
Welche Entwicklungsstränge sind erkennbar?<br />
Wer waren die wissenschaftlichen Pioniere, die Protagonisten?<br />
Welche Ziele wurden erreicht?<br />
Dabei wird schnell klar, dass im Gesamtgefüge <strong>der</strong> Medizin Schwerpunktbereiche<br />
erkennbar werden, in denen die Problematik <strong>der</strong> tieflokalisierten Mykosen<br />
beson<strong>der</strong>s intensiv bearbeitet wurde. Dies sind:<br />
Universitäts- und Großkliniken mit Intensivstationen und Risikopatienten<br />
Pathologische Institute<br />
Hygiene-Institute o<strong>der</strong> Institute für Medizinische Mikrobiologie<br />
Privatlabors, Medizinaluntersuchungsämter, Universitätsinstitute<br />
Einrichtungen <strong>der</strong> Grundlagenforschung und Gesundheitspolitik:<br />
Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin<br />
Hans-Knöll-Institut in Jena<br />
Institut für Molekulare Infektionsbiologie, Universität Würzburg<br />
Forschungslaboratorien <strong>der</strong> Pharmazeutischen Industrie:<br />
Diagnostika-Hersteller<br />
Therapeutika-Hersteller<br />
Damit wird deutlich, dass die Medizinische <strong>Mykologie</strong> durch ein umfangreiches<br />
Beziehungsgeflecht höchst unterschiedlicher medizinischer Arbeitsfel<strong>der</strong> charakterisiert<br />
ist. Es gilt also, die Beiträge dieser einzelnen Arbeitsfel<strong>der</strong> zum Thema<br />
geson<strong>der</strong>t zu gewichten.<br />
25
HISTORIE<br />
Die Wissenschaft lebt von <strong>der</strong> Forschung, von <strong>der</strong> klinischen Beobachtung und<br />
Betreuung des Patienten am Krankenbett sowie von <strong>der</strong> experimentellen Forschung<br />
im Labor. Die Wissenschaft braucht aber existenznotwendig zu ihrem<br />
Fortschreiten auch die wissenschaftliche Kommunikation. Diese wurde in unserer<br />
Betrachtung geleistet von:<br />
Wissenschaftlichen Gesellschaften<br />
Wissenschaftlichen Publikationsorganen<br />
Zeitschriften<br />
Handbüchern<br />
Lehrbüchern<br />
Monografien<br />
26
Die Anfänge – die 1960er Jahre<br />
HISTORIE<br />
Welche Situation bestand nun in den Anfängen, in den 1960er Jahren?<br />
Dermatologie<br />
Ganz unbestritten ist die Tatsache, dass um 1960 und noch Jahre da<strong>nach</strong>, die Dermatologen<br />
die Kompetenz-Dominanz auch bei <strong>der</strong> Problematik <strong>der</strong> tieflokalisierten<br />
Mykosen innehatten. Sie waren die Experten für Pilzinfektionen schlechthin,<br />
welcher Lokalisation auch immer. Insofern wurden sie zu Recht von den Klinikern<br />
an<strong>der</strong>er Fächer als Experten konsultiert, zumal sie zumeist auch über Laboratorien<br />
zum Nachweis und zur Charakterisierung pilzlicher Erreger verfügten.<br />
Dies zeigt sich deutlich in <strong>der</strong> frühest verfügbaren <strong>deutschsprachigen</strong> Literatur<br />
zu tiefen Mykosen, die bezeichnen<strong>der</strong>weise im Handbuch <strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten<br />
von Jadassohn, Ergänzungswerk, herausgegeben von A.<br />
Marchionini und H. Götz, Springer Berlin, Göttingen, Heidelberg 1962 abgehandelt<br />
wurden. Der Band IV/4 „Die Pilzkrankheiten <strong>der</strong> Haut durch Hefen, Schimmel,<br />
Aktinomyceten und verwandte Erreger“ wurde kapitelweise von vielen<br />
Autoren, die tropischen Mykosen überwiegend von hier nicht genannten ausländischen<br />
Kollegen, erarbeitet.<br />
Karl-Heinz Kärcher, Heidelberg, <strong>der</strong> von <strong>der</strong> Dermatologie in die Strahlentherapie<br />
wechselte und das entsprechende Ordinariat an <strong>der</strong> Universität in Wien<br />
übernahm, schrieb die Kapitel:<br />
„Die Candidamykose“,<br />
„Zur Begriffsbestimmung <strong>der</strong> Blastomykose“,<br />
„Die europäische Blastomykose von Busse-Buschke (Cryptokokkose, Torulose)“<br />
„Durch verschiedene Hefen bedingte Dermatosen“.<br />
Von Rudolf Kaden, Berlin, stammen die Abschnitte:<br />
„Die Sporotrichose“,<br />
„Die Coccidioidomykose“,<br />
„Rhinosporidiomykose“<br />
„Schimmelpilz<strong>der</strong>matosen“.<br />
Ferdinand Fegeler, Münster, verdanken wir die Kapitel:<br />
„Aktinomykose“,<br />
„Nocardiose“,<br />
„Trichomycosis palmellina“<br />
„Erythrasma“.<br />
Dieser Band wird vom umfangreichen Kapitel „Immunbiologisch-serologische<br />
Nachweisverfahren bei Pilzerkrankungen“ von Heinz Paul Richard Seeliger,<br />
Bonn, abgeschlossen. Seeliger dürfte einer <strong>der</strong> ersten Wissenschaftler außerhalb<br />
<strong>der</strong> Dermatologie gewesen sein, <strong>der</strong> sich bereits kurz <strong>nach</strong> dem 2. Weltkrieg<br />
intensiv mit medizinischer <strong>Mykologie</strong> befasst hat. Davon zeugt auch seine<br />
27
HISTORIE<br />
Monografie „Mykologische Serodiagnostik“, die 1958 im Johann Ambrosius<br />
Barth Verlag, Leipzig, erschienen ist. Dermatologen <strong>der</strong> Frühzeit mit umfassen<strong>der</strong><br />
mykologischer Kompetenz, also auch für tieflokalisierte Mykosen, waren:<br />
Hans Götz, Essen<br />
Johannes Meyer-Rohn, Hamburg<br />
Hans Rieth, Hamburg<br />
Dietrich Janke, Marburg, Fulda<br />
Gerd Polemann, Krefeld<br />
Karl-Heinz Kärcher, Heidelberg<br />
Wolf Meinhof, Hamburg, Marburg, München, Wiesbaden, Erlangen, Aachen<br />
Ferdinand Fegeler, Münster<br />
Siegfried Nolting, Münster<br />
Karl-Wilhelm Kalkoff, Freiburg<br />
Hans-Joachim Heite, Freiburg<br />
Rudolf Kaden, Berlin-Steglitz<br />
Dorothea Hauck, Erlangen<br />
Eckart Haneke, Erlangen, Wuppertal<br />
Hans Christian Korting, München<br />
Otto Male, Wien<br />
Harry Braun, Leipzig<br />
Waltraud Braun, Halle<br />
Claus Seebacher, Dresden<br />
Hermann Pöhler, Leipzig<br />
Hans-Jürgen Westphal, Rostock<br />
Das ist eine stattliche Reihe, verstärkt durch Naturwissenschaftler, die ebenfalls<br />
in <strong>der</strong> Dermatologie potente mykologische Laboratorien leiteten:<br />
Detlef Hantschke, Essen<br />
Luise Krempl-Lamprecht, München<br />
Helmut Ziegler, Berlin-Charité<br />
Hannelore Ziegler-Böhme, Berlin-Charité<br />
Christina Schönborn, Leipzig<br />
Erika Friedrich, Halle<br />
Ursula Kaben, Rostock<br />
Herbert-Anton Koch, Erfurt<br />
Yvonne Koch, Erfurt<br />
Josefine Turner, Wien<br />
Damit wird deutlich, dass in <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong> Dermatologie früh eine geballte<br />
Kompetenz für tieflokalisierte Mykosen bestand.<br />
Medizinische Mikrobiologie<br />
Wie steht es um die Kompetenz für tieflokalisierte Mykosen in <strong>der</strong> Medizinischen<br />
Mikrobiologie? Schaut man sich die damals bereits verfügbaren Kran-<br />
28
kengeschichten von tiefen Mykosen an, dann wird schnell klar, dass die Labordiagnostik<br />
tieflokalisierter Mykosen eigentlich in die Hand <strong>der</strong> medizinischen<br />
Mikrobiologen gehörte aus einem klaren Grund: Zur eindeutigen Labordiagnostik<br />
tiefer Mykosen gehören nicht nur Erreger<strong>nach</strong>weis und Erregercharakterisierung,<br />
son<strong>der</strong>n unabdingbar auch <strong>der</strong> belegte Ausschluss von Infektionskrankheiten an<strong>der</strong>er<br />
Ätiologie, mit an<strong>der</strong>en Worten eine breite, insbeson<strong>der</strong>e bakteriologische<br />
Labordiagnostik, über welche die <strong>der</strong>matomykologischen Laboratorien in <strong>der</strong> Regel<br />
nicht verfügten.<br />
HISTORIE<br />
Hier muss ein deutliches und überaus kritisches Wort gesagt werden, das an die<br />
eigene Zunft gerichtet ist, an die Medizinische Mikrobiologie:<br />
Die Medizinische Mikrobiologie im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum hat die Herausfor<strong>der</strong>ung<br />
<strong>der</strong> zweiten Hälfte des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts, nämlich die tieflokalisierten,<br />
lebensbedrohlichen, opportunistischen Mykosen als dringliches Problem in ihren<br />
labordiagnostischen Dienstaufgabenkatalog aufzunehmen, nicht angenommen.<br />
Sie hat sich dem geradezu verweigert!<br />
Das ist ein harter Vorwurf, <strong>der</strong> historischen Bestand hat. Über die Gründe für<br />
diesen Tatbestand kann man Vermutungen anstellen:<br />
Die Pilze als Krankheitserreger geringgradiger Virulenz wurden angesichts <strong>der</strong><br />
hohen Virulenz bakterieller Krankheitserreger nicht ernst genommen.<br />
Jürgen Potel<br />
Das epidemiologische Gewicht <strong>der</strong> opportunistischen Mykosen war noch völlig<br />
unbekannt. Sie wurden pathognomonisch von Klinikern und Pathologen<br />
weitgehend nicht erkannt. Aus diesem Grund gab es auch keinen labordiagnostischen<br />
Dienstleistungsanspruch <strong>der</strong> Kliniker an die Mikrobiologen.<br />
Im Bereich <strong>der</strong> etablierten medizinischen <strong>Mykologie</strong> wurden zudem die Mikrobiologen<br />
durch das Dominanzbeharren <strong>der</strong> Dermatologen anfänglich ausgegrenzt.<br />
An<strong>der</strong>erseits gab es vorausschauende Mykologen, die die Kooperation<br />
<strong>der</strong> Mikrobiologen vehement einfor<strong>der</strong>ten, wie Wolf Meinhof, Wilhelm<br />
Adam, Siegfried Nolting und Hans C. Korting.<br />
Noch Anfang <strong>der</strong> 1970er Jahre haben sich nur drei von etwa drei Dutzend Universitäts-Institutionen<br />
für Medizinische Mikrobiologie in <strong>der</strong> damaligen Bundesrepublik<br />
mit <strong>der</strong> Problematik tieflokalisierter Mykosen beschäftigt. Diese waren:<br />
Heinz Seeliger, Direktor des Hygiene-Instituts <strong>der</strong> Universität Würzburg mit seinem<br />
Oberarzt Friedrich Staib, <strong>der</strong> schon ab 1955, vor <strong>der</strong> Berufung Seeligers,<br />
in Würzburg ein mykologisches Labor aufgebaut hatte. Er beschrieb 1962 den<br />
Braunfärbeeffekt von Cryptococcus neoformans im Kulturmedium mit Guizotia<br />
abyssinica (Staib-Agar) und 1965 als Erster die Fähigkeit von Candida albicans<br />
Proteasen zu sezernieren. Von 1968 – 1990 war er Leiter des Fachgebietes <strong>Mykologie</strong><br />
am Robert-Koch-Institut Berlin.<br />
Jürgen Potel, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie <strong>der</strong> Medizinischen<br />
Hochschule Hannover.<br />
29
HISTORIE<br />
Johannes Müller ab 1960 am Hygiene-Institut <strong>der</strong> Universität Freiburg, zunächst<br />
unter dem Direktorat von Richard Haas, ab 1975 Direktor einer selbstständigen<br />
Abteilung <strong>Mykologie</strong> des Instituts für Medizinische Mikrobiologie.<br />
Wolfgang Fegeler begann Mitte <strong>der</strong> 1970er Jahre mit mykologischen Arbeiten<br />
am Institut für Medizinische Mikrobiologie Münster.<br />
In <strong>der</strong> DDR waren Georg Wildführ, Direktor des Hygiene-Instituts Leipzig, in <strong>der</strong><br />
medizinischen <strong>Mykologie</strong> engagiert und Joachim Morenz im Institut für Medizinische<br />
Mikrobiologie und Epidemiologie <strong>der</strong> Medizinischen Akademie Magdeburg.<br />
Die geringe Beteiligung <strong>der</strong> Medizinischen Mikrobiologen wird selbst in den 1970<br />
er Jahren noch deutlich in den Beiträgen zu damaligen MYK-Tagungen.<br />
In <strong>der</strong> damaligen DDR war die Situation etwas besser: In Einrichtungen für Medizinische<br />
Mikrobiologie arbeiteten hier:<br />
Erika Friedrich im Hygiene-Institut Halle; sie wechselte später in die Hautklinik.<br />
Renate Blaschke-Hellmessen im Hygiene-Institut <strong>der</strong> Medizinischen Akademie<br />
Dresden<br />
Georg Schabinski im Hygiene-Institut <strong>der</strong> Universität Jena, später Berlin<br />
Horst Gemeinhardt am Bezirks-Hygiene-Institut Berlin-Buch<br />
Hannelore Bernhardt gründete 1957 innerhalb <strong>der</strong> Klinik für Innere Medizin<br />
<strong>der</strong> Universität Greifswald ein leistungsfähiges mikrobiologisches Forschungslabor<br />
für Untersuchungen zur gastrointestinalen Mikroflora des Menschen.<br />
Bei diesen Forschungsaufgaben spielten Pilze, vor allem Candidaarten,<br />
eine herausragende Rolle.<br />
Es darf aber nicht übersehen werden, dass in den Laboratorien des Faches Dermatologie<br />
kompetente medizinische Mikrobiologen – Ärzte ebenso wie Naturwissenschaftler<br />
– arbeiteten, die neben den <strong>der</strong>matologischen Anliegen auch<br />
engagiert die tieflokalisierten Mykosen im Blickfeld hatten. Herausragende Beispiele<br />
hierfür sind bereits auf Seite 28 genannt worden.<br />
Veterinärmedizinische Mikrobiologie<br />
In <strong>der</strong> Veterinärmedizinischen Mikrobiologie gab es zwei Schwerpunkte mit mykologischer<br />
Kompetenz:<br />
Karl-Heinz Böhm und Wolfgang Bisping, Tierärztliche Hochschule Hannover<br />
Brigitte Gedek, Institut für Mikrobiologie und Infektionskrankheiten <strong>der</strong> Tiere<br />
<strong>der</strong> Universität München<br />
In <strong>der</strong> DDR<br />
Peter Kielstein, Institut für Tierseuchenforschung Jena<br />
Joachim Schulz, Wissenschaftsbereich Veterinärhygiene an <strong>der</strong> Sektion<br />
Tierproduktion und Veterinärmedizin <strong>der</strong> Humboldt-Universität zu Berlin.<br />
30
Pathologie<br />
HISTORIE<br />
Die Beiträge <strong>der</strong> Pathologie für die Erkennung tieflokalisierter Mykosen blieben<br />
anfangs bescheiden. Dies zeigt sich an <strong>der</strong> geringen Zahl von Pathologen, die<br />
in <strong>der</strong> Frühzeit an <strong>der</strong> Erarbeitung von Kasuistiken beteiligt waren. Offensichtlich<br />
wurden makroskopische Sektionsbefunde weithin nicht als möglicherweise<br />
pilzbedingt angesehen und daher keine pilzspezifischen Färbungen in <strong>der</strong> histologischen<br />
Aufarbeitung angewendet – auch in <strong>der</strong> Pathologie fehlte es am „mykologischen<br />
Bewusstsein“. Mykologisch kompetente Pathologen <strong>der</strong> Frühzeit<br />
waren:<br />
Günter Ba<strong>der</strong>, Jena<br />
Götz Brandt, Erlangen, später Bremen<br />
Peter Deicke, Charité Berlin<br />
Günther Schwesinger, Greifswald<br />
Von hier kamen kasuistische Berichte und erste Übersichten, welche die epidemiologische<br />
Bedeutung tiefer Mykosen ahnen ließen. Erste Fallzahlen und<br />
Prozentangaben blieben aber epidemiologisch nur bedingt auswertbar, weil die<br />
Bezugskollektive <strong>der</strong> Prozentzahlen nicht transparent waren.<br />
Pharma-Forschung<br />
Einen <strong>nach</strong> Qualität und Quantität bedeutenden Beitrag in <strong>der</strong> wissenschaftlichen<br />
Bearbeitung <strong>der</strong> tieflokalisierten Mykosen haben Wissenschaftler <strong>der</strong> Pharma-Forschung<br />
im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum geleistet. Dies betrifft nicht nur die<br />
Entwicklung und Anwendungsplatzierung von Antimykotika, son<strong>der</strong>n auch die<br />
Entwicklung von diagnostischen Methoden, die För<strong>der</strong>ung epidemiologischer<br />
Studien und die Finanzierung <strong>der</strong> wissenschaftlichen Kommunikation. Herausragende<br />
Mykologen <strong>der</strong> Frühzeit waren hier Hans Scholer in Basel und Manfred<br />
Plempel in Wuppertal.<br />
Einen bedeutenden Beitrag in <strong>der</strong> wissenschaftlichen Bearbeitung <strong>der</strong> tieflokalisierten<br />
Mykosen haben Wissenschaftler <strong>der</strong> Pharma-Forschung im <strong>deutschsprachigen</strong><br />
Raum geleistet. Ein wichtiges Antimykotikum, das 5-Fluorcytosin =<br />
Flucytosin, in Amerika entdeckt, wurde von Hans Scholer im <strong>deutschsprachigen</strong><br />
Raum zur Anwendungsreife entwickelt – <strong>nach</strong> Amphotericin B das zweite<br />
gegen tiefe Mykosen wirksame Präparat. Mit dem Clotrimazol, das zunächst<br />
als systemisch wirksames Agens gegen Candidosen gedacht war, hat Manfred<br />
Plempel das erste Azol-Antimykotikum platziert. Die beiden genannten Forscherpersönlichkeiten<br />
haben sich aber weit über die Antimykotika-Entwicklung<br />
hinaus in herausragen<strong>der</strong> Weise um die För<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />
verdient gemacht. Auf diese beiden Wissenschaftler wird noch geson<strong>der</strong>t eingegangen.<br />
31
HISTORIE<br />
Innere Medizin, Chirurgie, Intensivmedizin<br />
Tiefe Mykosen fielen zuerst gehäuft bei Nierentransplantationen auf: Bei mehr<br />
als 50% <strong>der</strong> Patienten wurden tiefe Mykosen beobachtet und als Todesursache<br />
erkannt. Der Internist mit <strong>der</strong> umfänglichsten Erfahrung mit tieflokalisierten Mykosen<br />
in <strong>der</strong> Frühzeit war fraglos Theodor Wegmann, Chefarzt am Kantonsspital<br />
St. Gallen, <strong>der</strong> daher über seine Klinik hinaus ein prominenter Ansprechpartner<br />
war. Die damals verfügbaren Krankengeschichten legten die dringliche<br />
Vermutung nahe, dass Mykosen weit häufiger sein mussten als tatsächlich klinisch<br />
erfasst wurden. Es war klar, dass es in den klinischen Fächern, wo die<br />
unerkannten Mykose-Patienten wegen ihrer Grundkrankheiten behandelt wurden,<br />
am „mykologischen Bewusstsein“ mangelte. Theodor Wegmann hat sich<br />
in enger Zusammenarbeit mit Hans Scholer um die Entwicklung von Mykose-<br />
Kompetenz <strong>der</strong> Kliniker außerordentlich verdient gemacht.<br />
In den 1980er Jahren kam die Gefährdung <strong>der</strong> hämatologisch-onkologischen Patienten<br />
durch tiefe Mykosen in die Diskussion. Hier bildete sich in Münster eine<br />
Gruppe kompetenter Protagonisten aus, die Vorbildfunktion für spätere Entwicklungen<br />
hatte: Der Hämato-Onkologe Thomas Büchner, <strong>der</strong> Pädiater Jörg Ritter,<br />
<strong>der</strong> Mikrobiologe Wolfgang Fegeler, <strong>der</strong> Dermatologe Siegfried Nolting<br />
und die klinischen Radiologen leisteten hier über Jahre hinweg bahnbrechende<br />
klinische Forschungsarbeit, die wir heute als Leitlinienarbeit bezeichnen würden<br />
und die mit Andreas Groll bis heute Bestand hat. In den letzten 20 Jahren hat<br />
sich die Dominanz <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> von <strong>der</strong> Dermatologie weg verlagert. Heute<br />
dominieren, abgesehen von <strong>der</strong> Grundlagenforschung, die Systemmykosen die<br />
einschlägigen Publikationen. Hier ist Markus Ruhnke, Berlin, zu nennen: Er organisierte<br />
die Jahrestagung 2007 in Berlin und, wie schon erwähnt, den ersten<br />
Kongress <strong>der</strong> ISHAM in Deutschland, dann Oliver Cornely, Köln, er führte die<br />
Jahrestagung 2009 in Köln durch und wurde 2011 zum Präsidenten <strong>der</strong> European<br />
Confe<strong>der</strong>ation of Medical Mycology (ECMM) gewählt. In diese Reihe gehören<br />
auch die Hämato-Onkologen Dieter Buchheidt, Mannheim, Georg Maschmeyer,<br />
Potsdam, Meinolf Karthaus, München, Gudrun Just-Nübling, Frankfurt/Main,<br />
und die pädiatrischen Hämato-Onkologen Jörg Hoppe, Tübingen,<br />
und Jörg Ritter, Münster.<br />
Die mykologische Kompetenz jüngerer Internisten und Pädiater zeigt sich schließlich<br />
darin, dass seit 2002 Markus Ruhnke, Oliver Cornely und Andreas Groll<br />
sowie ab 2017 Dieter Buchheidt DMykG-Vorsitzenden-Ämter innehatten bzw.<br />
haben.<br />
Im Jahr 2004 richtete <strong>der</strong> Chirurg Peter Kujath die Jahrestagung <strong>der</strong> DMykG in<br />
Lübeck aus, auf <strong>der</strong> die Erfahrungen <strong>der</strong> Chirurgen mit tiefen Mykosen vorgestellt<br />
wurden.<br />
32
HISTORIE<br />
Theodor Wegmann<br />
Hans Scholer<br />
Thomas Büchner<br />
Jörg Ritter<br />
Wolfgang Fegeler<br />
Andreas Groll<br />
Markus Ruhnke<br />
Georg Maschmeyer<br />
Meinolf Karthaus<br />
Gudrun Just-Nübling<br />
Oliver Cornely<br />
Dieter Buchheidt<br />
33
HISTORIE<br />
Pädiatrie<br />
Schon in den 1960iger Jahren etablierte sich in Dresden ein Schwerpunkt Candidamykosen<br />
in <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>heilkunde. Initiiert wurde diese Forschungsrichtung<br />
von Renate Blaschke-Hellmessen, <strong>der</strong> es gelang, eine über 30jährige enge<br />
Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene<br />
und <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>klinik <strong>der</strong> Medizinischen Akademie Dresden zu organisieren<br />
und aufrechtzuerhalten. Standen anfangs epidemiologische Untersuchungen zur<br />
Candida-Besiedlung von Müttern und ihren neugeborenen Kin<strong>der</strong>n im Fokus,<br />
folgten mykologische Überwachungsprogramme für Risikoneugeborene und<br />
ausgedehnte Untersuchungen zur Wirksamkeit einer oralen Nystatin- und Amphotericin<br />
B-Prophylaxe. Anfang <strong>der</strong> 80iger Jahre werden mykologische Überwachungsprogramme<br />
für Kin<strong>der</strong> mit malignen Erkrankungen und Mukoviszidose<br />
etabliert. Die ärztlichen Kooperationspartner waren vor allem <strong>der</strong> Neonatologe<br />
Roland Schwarze, <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>pulmologe Wolfgang Leupold und zahlreiche<br />
weitere Ärztinnen und Ärzte <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>klinik. Mit <strong>der</strong> Entwicklung <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>onkologie<br />
erhielten tieflokalisierte Mykosen und ihre Behandlung eine zunehmende<br />
Bedeutung. Folgerichtig war die medizinische <strong>Mykologie</strong> auch an<strong>der</strong>norts ein<br />
wissenschaftliches Thema in Kin<strong>der</strong>kliniken. Einige ihrer Protagonisten sind die<br />
schon genannten: Jörg Ritter in Münster, Jörg Hoppe in Tübingen und Andreas<br />
Groll, Münster.<br />
34
Entwicklungsstränge in <strong>der</strong><br />
Medizinischen <strong>Mykologie</strong> 1960 – 2010<br />
HISTORIE<br />
Überblickt man das gesamte Halbjahrhun<strong>der</strong>t 1960 – 2010, so werden im zeitlichen<br />
Miteinan<strong>der</strong> und versetzten Nacheinan<strong>der</strong> unterschiedliche Entwicklungsstränge<br />
sichtbar<br />
Phase I: die Erarbeitung von Kasuistiken<br />
Phase II: die Erarbeitung von labordiagnostischen Methoden<br />
Phase III: die Entwicklung neuer Antimykotika<br />
Phase IV: die Intensivierung von Kommunikation und Forschung.<br />
Phase I: die Erarbeitung von Kasuistiken<br />
Die ersten beiden Jahrzehnte 1960 bis 1980 waren gekennzeichnet durch die<br />
Erarbeitung von Krankengeschichten tiefer Mykosen. Hier wurde deutlich:<br />
Die Erregervielfalt<br />
Der opportunistische Charakter: Die tiefe Mykose als Krankheit bei Risikopatienten<br />
Die Schwierigkeit <strong>der</strong> klinischen und labordiagnostischen Erkennung<br />
Die begrenzten Therapiemöglichkeiten<br />
Die erschreckend hohe Letalität<br />
Einen wichtigen Überblick über Kasuistiken tiefer Mykosen bot Hans Scholer<br />
1984 in Basel auf einem spezialisierten Symposium. In Freiburg folgte die Arbeitsgruppe<br />
J. Müller auf <strong>der</strong> MYK-Tagung 1986 zum gleichen Thema mit spezialisierten<br />
Sitzungen, auf denen Kliniker, Pathologen und Labordiagnostiker anhand<br />
von Grafiken parallele Mykose-Situationen analysierten. Diese formal einheitlich<br />
strukturierten synoptischen Präsentationen wurden 1988 in mycoses-Supplementheften<br />
publiziert [33] .<br />
Völlig unbekannt waren damals noch Inzidenz- und Prävalenzzahlen und damit<br />
das epidemiologische Gewicht <strong>der</strong> tiefen Mykosen.<br />
Phase II: die Erarbeitung labordiagnostischer Methoden<br />
Es zeigte sich schnell, dass die aus <strong>der</strong> Dermatomykologie bekannten kulturellen<br />
Isolierungs- und morphologischen Differenzierungsmethoden für die Labordiagnostik<br />
tiefer Mykosen unzureichend waren. Zwischen 1960 und 1985 wurde<br />
daher von einer Vielzahl von Autoren ein breites Repertoire von Methoden zur<br />
Isolierung und morphologischen und biochemischen Differenzierung <strong>der</strong> Erreger<br />
tiefer Mykosen sowie zur Erfassung von Antimykotika-Resistenzen erprobt und<br />
publiziert. Weiterhin wurde ein stattliches Methodenspektrum an mykoserologischen<br />
Verfahren aufgebaut.<br />
35
HISTORIE<br />
In <strong>der</strong> Erreger-Isolierung und -Differenzierung leisteten Mykologen sowohl in<br />
<strong>der</strong> Dermatologie als auch zunehmend Mykologen in <strong>der</strong> medizinischen Mikrobiologie<br />
ebenso wie Mykologen <strong>der</strong> Pharma-Industrie bahnbrechende Entwicklungsarbeit.<br />
Die Situation war dadurch gekennzeichnet, dass die diagnostischen<br />
Materialien weitgehend aus Grundstoffen in den Laboratorien selbst hergestellt<br />
werden mussten, und dass diese diagnostischen Hilfsmittel zunächst nicht konfektioniert<br />
und kommerzialisiert erhältlich waren.<br />
In <strong>der</strong> Mykoserologie waren die frühen Entwicklungspioniere zwei herausragende<br />
Persönlichkeiten:<br />
Heinz Seeliger<br />
Hannelene Müller<br />
Heinz Seeliger hatte sich in Bonn mit Arbeiten zur Charakterisierung von Hefe-<br />
Antigenen habilitiert. Mykologische Kompetenz erwarb er sich durch einen Fortbildungsaufenthalt<br />
beim Altmeister <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> Norman Conant in den USA.<br />
Seeliger wurde 1965 auf den Lehrstuhl für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie<br />
<strong>der</strong> Universität Würzburg berufen, wo er als seinerzeit einziger Lehrstuhlinhaber<br />
für Mikrobiologie zusammen mit seinem Oberarzt Friedrich Staib eine<br />
intensive Forschungs- und Lehrtätigkeit in medizinischer <strong>Mykologie</strong> aufbaute,<br />
die über Weiterbildungen und Hospitationen eine große Ausstrahlung entfaltete.<br />
36
In <strong>der</strong> Mykoserologie etablierte er die Sprosspilzdifferenzierung mittels Antigenfaktorenbestimmungen<br />
sowie die Komplementbindungsreaktion und Agglutinations-<br />
und Präzipitationsreaktionen zum Nachweis von Candida-Antikörpern.<br />
Seeliger war bis zu seiner Emeritierung eine prägende Führungspersönlichkeit in<br />
<strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong>, <strong>der</strong> eine namhafte Anzahl von Nachwuchswissenschaftlern<br />
in medizinischer <strong>Mykologie</strong> qualifiziert hat.<br />
HISTORIE<br />
Hannelene Müller stammte aus Rostock, arbeitete eine Zeit lang am Hygiene-<br />
Institut Marburg und ging dann in die Pharma-Forschung zu Hoffmann-La Roche<br />
in Basel. Ihre große Leistung war die Entwicklung <strong>der</strong> Hämagglutinations- und<br />
Immunfluoreszenzteste zum Nachweis von Anti-Candida- und Anti-Aspergillus-<br />
Antikörpern, die bei Roche dann auch kommerziell erhältlich waren. In umfangreichen<br />
Evaluierungen wurde die pathognomonische Leistungsfähigkeit <strong>der</strong><br />
Methoden belegt. In <strong>der</strong> DDR waren die konfektionierten Serodiagnostika nicht<br />
erhältlich. Es gab dort aber bemerkenswerte laboreigene Entwicklungen.<br />
Pilzdiagnostik im mykologischen Labor <strong>der</strong> Universitätshautklinik in Jena<br />
37
HISTORIE<br />
Ursula Kaben<br />
Am 24. September 1966 wurde in Halle die AG „Taxonomie“ unter Leitung von<br />
Erika Friedrich, Halle, gegründet. Im Vor<strong>der</strong>grund <strong>der</strong> Arbeit standen zunächst<br />
taxonomische und epidemiologische Probleme. 1971 erfolgte die Umbenennung<br />
<strong>der</strong> AG in „Experimentelle <strong>Mykologie</strong>“ und mit nochmaliger Än<strong>der</strong>ung <strong>der</strong><br />
Arbeitsschwerpunkte ab 1980 in AG „Klinische <strong>Mykologie</strong>“. Am 13. April 1980<br />
übernahm Hannelore Bernhardt, Greifswald, die Leitung. Eine wichtige Aufgabe<br />
<strong>der</strong> AG war die Erarbeitung von Standards und Leitlinien zur Diagnostik von<br />
Mykosen. So wurden z. B. in den 70er Jahren mykologische Untersuchungsmethoden<br />
mit den in <strong>der</strong> DDR erhältlichen Nährmedien, Reagenzien, Seren usw.<br />
erprobt, in Ringversuchen validiert und schließlich als Empfehlung publiziert [27,<br />
28, 29]<br />
. In den 1970iger Jahren erlangten Endomykosen auch in <strong>der</strong> DDR eine zunehmende<br />
Bedeutung. Folgerichtig waren nun Programme zur mykologischen<br />
Überwachung von Risikopatienten sowie die Diagnostik und Therapie von Endomykosen<br />
Schwerpunkte <strong>der</strong> AG „Klinische <strong>Mykologie</strong>“. Darüber hinaus organisierte<br />
die AG regionale Weiterbildungsveranstaltungen für klinisch tätige<br />
Ärzte unterschiedlicher Fachgebiete. Da kommerziell gefertigte Pilzantigene in<br />
<strong>der</strong> DDR nicht erhältlich waren, mussten diese selbst hergestellt werden. Große<br />
Verdienste hierbei erwarben sich Ursula Kaben und Hans-Jürgen Westphal,<br />
beide Rostock, sowie Erika Friedrich, Halle. Sie stellten ein wasserlösliches<br />
Candida-Antigen (Candidin) her, das <strong>nach</strong> entsprechenden Prüfungen vom Institut<br />
für Arzneimittelwesen <strong>der</strong> DDR zur Anwendung am Menschen zugelassen<br />
wurde. 1975 wurde den Genannten das Wirtschaftspatent 113 843 darauf erteilt.<br />
Dieses Antigen wurde für den passiven Candida-Hämagglutinationstest, für den<br />
Lymphozytentransformationstest, verschiedene Präzipitationstests und auch<br />
den Intracutantest am Menschen eingesetzt. Damit war man auch in <strong>der</strong> DDR in<br />
<strong>der</strong> Lage, alle damals gängigen serologischen Untersuchungsverfahren<br />
zur Diagnostik <strong>der</strong> tieflokalisierten Candidamykose anzuwenden<br />
[30, 31, 32] .<br />
Der Arbeitsgemeinschaft gelang es, im Zusammenwirken mit dem<br />
Vorstand <strong>der</strong> Gesellschaft für Medizinische <strong>Mykologie</strong> <strong>der</strong> DDR<br />
auch die zuständigen staatlichen Stellen davon zu überzeugen,<br />
dass die notwendigen Laborkapazitäten unbedingt aufgestockt<br />
bzw. neu geschaffen werden müssen. Über Jahre hinweg ist die<br />
Zahl qualifizierter Laboratorien, die mykologische Untersuchungen<br />
durchführen konnten, langsam angestiegen. Ende <strong>der</strong> 1980iger<br />
Jahre war praktisch in jedem Bezirk <strong>der</strong> DDR mindestens ein Labor<br />
in <strong>der</strong> Lage, den regionalen Untersuchungsbedarf abzudecken. Die<br />
AG „Klinische <strong>Mykologie</strong>“ wurde bei <strong>der</strong> Vereinigung <strong>der</strong> ehemaligen<br />
DDR-Gesellschaft mit <strong>der</strong> DMykG 1991 übernommen und<br />
führt regelmäßige Arbeitstagungen, überwiegend unter <strong>der</strong> Leitung<br />
<strong>der</strong> Göttinger Mykologen durch, ebenso die AG „Mykologische<br />
Laboratoriumsdiagnostik“, <strong>der</strong>en Tagungen überwiegend von<br />
Pietro Nennof, Mölbis, organisiert und geleitet wurden.<br />
38
Die weiteren damaligen Aktivitäten und ihre Protagonisten sind von Claus<br />
Seebacher, Renate Blaschke-Hellmessen und Peter Kielstein [10] eingehend<br />
dokumentiert worden. Hier findet sich auch eine Zusammenstellung aller mykologischen<br />
Laboratorien in <strong>der</strong> damaligen DDR mit den jeweiligen Leitern, überwiegend<br />
Naturwissenschaftler, aufgeführt. Ein Teil <strong>der</strong> kompetenten mykologischen<br />
Laboratorien konnten <strong>nach</strong> <strong>der</strong> Wende 1990 in den neuen Bundeslän<strong>der</strong>n<br />
weitgehend erhalten werden.<br />
HISTORIE<br />
Anfang <strong>der</strong> 1980er Jahre gab es dann eine breit gefächerte Labordiagnostik für<br />
tiefe Mykosen im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum. Dieser Diagnostikbereich war allerdings<br />
geografisch nicht flächendeckend! Neben Seeligers Aktivität in Würzburg<br />
hat Johannes Müller am Freiburger Hygiene-Institut unter <strong>der</strong> verständnisvollen<br />
För<strong>der</strong>ung durch den damaligen Direktor Richard Haas bereits in den<br />
1960er Jahren begonnen, eine Einheit für medizinische <strong>Mykologie</strong> aufzubauen,<br />
die neben routinemäßiger Labordiagnostik auch Methodenentwicklung und<br />
Grundlagenforschung betrieb. Das labordiagnostische Volumen betrug jährlich<br />
ca. 25.000 Untersuchungsproben und dürfte damals das umfangreichste in <strong>der</strong><br />
Bundesrepublik gewesen sein. Die intensive Labordiagnostik und <strong>der</strong> aktive Forschungsbetrieb<br />
waren so ansehnlich, dass 1971 Hannelene Müller, Mitarbeiterin<br />
von Hans Scholer in Basel, erschien und bei J. Müller anfragte, ob sie sich an <strong>der</strong><br />
Freiburger Medizinischen Fakultät habilitieren dürfte, was dann auch geschah.<br />
Im Jahr 1989 folgte ihr Annemarie Polak mit dem gleichen Anliegen. Es gab<br />
also in Freiburg drei habilitierte Mykologen. Die beiden Damen beteiligten sich in<br />
Freiburg an <strong>der</strong> Lehre, ansonsten blieb aber ihr Arbeitsstandort Basel. Dieser mykologische<br />
Arbeitsbereich wurde 1975 mit <strong>der</strong> Umstrukturierung des Instituts zu<br />
einer von fünf selbstständigen Abteilungen mit eigenem Budgetrecht – eine Singularität<br />
im <strong>deutschsprachigen</strong> Bereich. Diese Selbstständigkeit ging 1992 <strong>nach</strong><br />
dem Ausscheiden von J. Müller in den Ruhestand verloren: Auf Betreiben des<br />
Bakteriologen Wolfgang Bredt, <strong>der</strong> damals gerade Geschäftsführen<strong>der</strong> Direktor<br />
des gesamten Instituts für Medizinische Mikrobiologie war, wurde die <strong>Mykologie</strong><br />
wie<strong>der</strong> zu einem reinen diagnostischen Dienstleistungslabor zurückgestuft. Die<br />
hier zur Kompetenz gelangten Mykologinnen sind sämtlich in an<strong>der</strong>e Bereiche<br />
abgewan<strong>der</strong>t.<br />
Von 1990 bis 1993 war Johannes Müller Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG. In seine<br />
Amtsperiode fiel die Vereinigung <strong>der</strong> ehemaligen DDR-Gesellschft mit <strong>der</strong><br />
DMykG 1991 auf <strong>der</strong> Tagung in Essen und war zuvor von J. Müller und dem<br />
letzten Vorstand <strong>der</strong> beitretenden Gesellschaft (I. Tausch, C. Seebacher, U. Kaben,<br />
H. Uhlmann) einvernehmlich und sehr kollegial vorbereitet worden. Auch im<br />
Nachhinein kann man diese Vereinigung als sehr gelungen, ohne irgendwelche<br />
Ost-Westprobleme, bezeichnen. Schon für die nächsten Wahlperioden (1993 –<br />
1996 – 1999) wurde Hannelore Bernhardt aus Greifswald zur stellvertretenden<br />
Vorsitzenden und anschließend zur Vorsitzenden <strong>der</strong> DMykG gewählt.<br />
39
HISTORIE<br />
Reinhard Rüchel<br />
Anfang <strong>der</strong> 1980er Jahre begründete Reinhard Rüchel im Hygiene-Institut Göttingen<br />
eine außerordentlich potente mykologische Arbeitsgruppe, wohlwollend<br />
geför<strong>der</strong>t vom damaligen Institutsdirektor Reiner Thomssen. Rüchel baute nicht<br />
nur eine labordiagnostische Dienstleistungseinheit für die Göttinger Universitätskliniken<br />
auf, son<strong>der</strong>n von Anfang an auch eine grundlagenwissenschaftliche<br />
Arbeitsgruppe, die über Pilzproteasen und ihre Rolle als Virulenzfaktoren in <strong>der</strong><br />
Pathogenese von Mykosen forschte und dazu molekularbiologische Methoden<br />
einsetzte. Die Arbeitsgruppe gelangte innerhalb weniger Jahre zu internationalem<br />
Ansehen und Rüchel war von 1997 – 1999 Vizepräsident <strong>der</strong> ISHAM. Aus<br />
Rüchels Mitarbeiterkreis gingen Mykologen hervor, die noch heute die wissenschaftliche<br />
Szene prägen wie Margarete Borg-von Zepelin, Bernhard Hube,<br />
Utz Reichard und Michael Weig. Die medizinische <strong>Mykologie</strong> in Göttingen hat<br />
unter Thomssens Nachfolger Uwe Groß weiterhin Bestand.<br />
Reinhard Kappe hat sich in Freiburg mykologisch qualifiziert, war von 1983 –<br />
1987 Mitarbeiter von J. Müller und arbeitete dann zwei Jahre bei Tewari in den<br />
USA. Ab 1989 baute er im Hygiene-Institut Heidelberg unter dem Direktorat von<br />
Hans Sonntag einen mykologischen Arbeitsbereich auf. Kappe wechselte dann<br />
<strong>nach</strong> Erfurt ans Klinikum Nordhausen und gleichzeitig mit ihm die Mykologin<br />
Dagmar Rimek ans Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz.<br />
Margarete Borg-von Zepelin<br />
Uwe Groß Michael Weig Reinhard Kappe<br />
Dagmar Rimek<br />
40
HISTORIE<br />
41
HISTORIE<br />
42
Herbert Hof etablierte Ende <strong>der</strong> 1990er Jahre als Direktor des Instituts für Medizinische<br />
Mikrobiologie Mannheim einen mykologischen Arbeitsbereich.<br />
HISTORIE<br />
Eine Son<strong>der</strong>stellung nahm das Fachgebiet <strong>Mykologie</strong> am Robert Koch-Institut<br />
in Berlin ein. Unter <strong>der</strong> Leitung von Friedrich Staib von 1968 – 1990 wurde<br />
neben an<strong>der</strong>en Dienstaufgaben dieser Bundesanstalt auch labordiagnostische<br />
Konsiliararbeit und methodische Entwicklungsarbeit betrieben. Schwerpunkte<br />
waren Studien über Cryptococcose und Aspergillose sowie Enzyme als Pathogenitätsfaktoren<br />
bei Candida. Unter <strong>der</strong> Leitung von Kathrin Tintelnot, die auch<br />
aus <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> Würzburg kam, wurden labordiagnostische und epidemiologische<br />
Arbeiten weiter betrieben mit den Schwerpunkten Zygomykosen, außereuropäische<br />
Mykosen und Resistenzbestimmungen. Als wichtiger wissenschaftlicher<br />
Mitarbeiter muss hier Michael Seibold erwähnt werden, <strong>der</strong> schon unter<br />
F. Staib in <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> am RKI tätig war. Von den labordiagnostischen Aktivitäten<br />
im RKI profitierten insbeson<strong>der</strong>e die lokalen Berliner Kliniken.<br />
Herbert Hof<br />
Friedrich Staib<br />
43
HISTORIE<br />
Phase III: die Entwicklung neuer Antimykotika<br />
Von 1955 – 1966 war die einzige gegen tieflokalisierte Mykosen verfügbare Medikation<br />
das Polyen-Antimykotikum Amphotericin B. Sein klinischer Einsatz war<br />
wegen seiner hohen Nierentoxizität gefürchtet.<br />
Dazu Hans Scholer: „Es sind in den 1960er Jahren mehr Menschen dadurch<br />
verstorben, dass ihnen Amphotericin B aus Nebenwirkungsangst verweigert<br />
wurde, als an den gefürchteten Nebenwirkungen selbst“. Der erste entscheidende<br />
Fortschritt über die Monotherapie mit Amphotericin B hinaus wurde von Hans<br />
Scholer und seiner Arbeitsgruppe erarbeitet.<br />
Hans Scholer, Arzt mit mikrobiologischer und pathologischer Ausbildung, arbeitete<br />
seit Mitte <strong>der</strong> 1950er Jahre bei <strong>der</strong> Firma Hoffmann-La Roche in Basel über<br />
antimykotische Chemotherapie. Er baute eine forschungsintensive Abteilung mit<br />
einem tierexperimentellen Screeningbetrieb auf. Ziel war die Entdeckung antimykotisch<br />
wirksamer Substanzen – nicht nur antimyzetisch in vitro, son<strong>der</strong>n gleich<br />
antimykotisch in vivo im Tierversuch. Bearbeitet wurden hier bereits Azole. Diese<br />
Zielrichtung wurde aber bald aufgegeben. Zu seiner beruflichen Lebensaufgabe<br />
wurde das 5-Fluorcytosin, das Flucytosin. In Amerika entdeckt, wurde es von<br />
Hoffmann-La Roche in Europa zwischen 1963 und 1969 zur klinischen Anwendungsreife<br />
gebracht. Im Gegensatz zum Amphotericin B, das rein empirisch in<br />
sich langsam vortasten<strong>der</strong> klinischer Erfahrung platziert worden war, war Flucytosin<br />
Gegenstand planvoller und kontrollierter Entwicklung. Hier bewährte sich<br />
Scholers wissenschaftliches Format: Sein innovatives, präzises Experimentieren,<br />
seine kritische Wertung <strong>der</strong> experimentellen Ergebnisse und Beobachtungen,<br />
seine konsequente Umsetzung von Tierexperimenten in klinische Studien<br />
und Anwendungen.<br />
Es zeigte sich indessen schnell, dass das systemisch wirksame Flucytosin als<br />
Monotherapie gegen tiefe Mykosen nicht einsetzbar war, son<strong>der</strong>n nur in Kombination<br />
mit Amphotericin B. Nur in <strong>der</strong> Kombination wurde die schnelle Überwucherung<br />
mit Flucytosin-resistenten Erreger-Mutanten vermieden. Mit dieser<br />
Kombination waren deutliche Therapiefortschritte erreicht:<br />
In <strong>der</strong> Kombination wirkten beide Substanzen synergistisch.<br />
Daher konnte Amphotericin B auf die Hälfte <strong>der</strong> Dosierung in <strong>der</strong> Monotherapie<br />
reduziert werden.<br />
Damit vermin<strong>der</strong>te sich deutlich das Nebenwirkungsrisiko <strong>der</strong> Ampho B-Nierentoxizität.<br />
Das Flucytosin konnte wahlweise intravenös o<strong>der</strong> oral verabreicht werden. Die<br />
intravenöse Zubereitung enthielt Kochsalz. In <strong>der</strong> Folge stellte sich heraus, dass<br />
die NaCl-Beladung <strong>der</strong> Mykosepatienten zu einer weiteren Reduktion <strong>der</strong> Ampho<br />
B-Nierentoxizität beitrug. Es ist tragisch, dass die intravenöse Zubereitungsform<br />
des Flucytosins in den USA nicht zugelassen war und damit die Reduktion <strong>der</strong><br />
Ampho B-Nierentoxizität außerhalb Europas nicht wahrgenommen wurde.<br />
44
Bei den Bemühungen Scholers zur klinischen Einführung <strong>der</strong> Kombination<br />
Ampho B-Flucytosin hatte Scholer ein Aha-Erlebnis, das ihn<br />
geradezu aufgewühlt hat: Die Mykosepatienten betreuenden Klinikärzte<br />
kannten keine tieflokalisierten Mykosen, konnten sie symptomatisch<br />
nicht erkennen, und wenn, dann fürchteten sie die Ampho B-Toxizität<br />
o<strong>der</strong> behandelten zu spät. Hans Scholer erkannte die dringliche Notwendigkeit<br />
klinikärztlicher Fortbildung. Hier setzte er sich mit ganzer<br />
Kraft unter Einsatz beträchtlicher Finanzmittel über viele Jahre hinweg<br />
ein.<br />
HISTORIE<br />
Zu Scholers Entwicklungsarbeit gehörte auch die Verfügbarkeit eines<br />
firmeneigenen diagnostischen Labors und die Zusammenarbeit mit<br />
Klinikern. In <strong>der</strong> Labordiagnostik stand ihm zunächst Hannelene Müller<br />
zur Seite. Ab 1969 war auch die Mikrobiologin Annemarie Polak<br />
Scholers Mitarbeiterin. Scholers kongenialer klinisch-internistischer Ansprechpartner<br />
war Theodor Wegmann, Chefarzt am Kantonsspital St.<br />
Gallen. Mit dieser Gruppierung hatte Scholer die Entwicklungsarbeit<br />
des Flucytosins klinisch und labordiagnostisch begleitet und dabei einen<br />
so umfangreichen Erfahrungsschatz über tiefe Mykosen gesammelt,<br />
wie sonst niemand im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum in den 1960er Jahren.<br />
Hannelene Müller<br />
Diese breite Erfahrung hat Scholer instand gesetzt, in den 1970er Jahren eine<br />
dichte Folge von Fortbildungsveranstaltungen für Therapie bestimmende Chefund<br />
Oberärzte zu organisieren und zu finanzieren. Scholer hat auch J. Müller in<br />
Freiburg in diese Fortbildungen mit eingebunden. Es war eine mühevolle Arbeit,<br />
die nur langsam Früchte trug, aber es war die Weitsicht und die Initiative Hans<br />
Scholers, die das „mykologische Bewusstsein“ in den Kliniken begründet hat.<br />
Ein weiterer Meilenstein in <strong>der</strong> Antimykotika-Forschung im <strong>deutschsprachigen</strong><br />
Raum wurde von Manfred Plempel geleistet.<br />
Manfred Plempel hat Biologie und Medizin studiert. 1963 wurde er Abteilungsleiter<br />
für Medizinische <strong>Mykologie</strong> innerhalb <strong>der</strong> Medizinischen Mikrobiologie des<br />
Instituts für Chemotherapie <strong>der</strong> Bayer Pharmaforschung in Wuppertal.<br />
Sein Forschungsziel war die Entwicklung antimykotischer Substanzen<br />
Manfred Plempel<br />
Manfred Plempel mit seinen „Sprößlingen“<br />
Mycospor ® und Canesten ®<br />
45
HISTORIE<br />
sowohl gegen Dermatophyten als auch gegen nichtkeratinophile Pilze und damit<br />
auch Therapeutika gegen tieflokalisierte Mykosen. Er stand übrigens mit Hans<br />
Scholer in einem engen, wissenschaftlichen Austausch – durchaus mit Billigung<br />
bei<strong>der</strong> Firmenleitungen.<br />
Die historisch herausragende Leistung Plempels war 1969 die Etablierung des<br />
Clotrimazols als des ersten Azols in <strong>der</strong> antimykotischen Chemotherapie. Es<br />
ist heute vergessen, dass Clotrimazol primär zur systemischen Anwendung bei<br />
Candidosen gedacht war. Diese Therapiestrategie musste bald verlassen werden,<br />
weil sich herausstellte, dass die systemische Applikation zu einer Induktion<br />
hydrolytischer Leberenzyme führte, die die Wirkungsspiegel des Clotrimazols<br />
schnell unter die Wirkungsgrenze herabdrückte. Clotrimazol hat sich dann sehr<br />
bald als Lokaltherapeutikum einen Platz in <strong>der</strong> Behandlung von Dermatomykosen<br />
erobert und die Vielzahl <strong>der</strong> bis dahin üblichen unbefriedigenden antimyzetischen<br />
Rezepturen verdrängt.<br />
Trotz dieses Fehlschlags hat sich Plempel sein ganzes Berufsleben lang mit tiefen<br />
Mykosen beschäftigt. Er betrieb wie Scholer ein firmeneigenes diagnostisches<br />
Labor, aus dem viele Initiativen zur Entwicklung diagnostischer Methoden<br />
hervorgingen; insbeson<strong>der</strong>e hat er früh die Problematik von Resistenztesten bei<br />
Pilzen bearbeitet und den ersten multizentrischen Test zusammen mit Annemarie<br />
Polak auf den Weg gebracht. Plempel verfügte über eine umfangreiche<br />
Stammsammlung von Pilzen und über ein Sicherheitslabor.<br />
Annemarie Polak<br />
Die Entwicklung weiterer Antimykotika gegen tiefe Mykosen erfolgte außerhalb<br />
des <strong>deutschsprachigen</strong> Raumes: Die Firma Janssen führte 1969 das Miconazol<br />
ein, das in praxi nur eine bescheidene Erweiterung des antimykotischen Spektrums<br />
brachte. Erst 1980 erschien, ebenfalls von Janssen produziert, das Ketoconazol<br />
auf <strong>der</strong> Bildfläche – es wurde im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum mit Skepsis<br />
aufgenommen wegen seiner Lebertoxizität, hat aber in <strong>der</strong> Dritten Welt breite<br />
Anwendung in <strong>der</strong> Bekämpfung tiefer Mykosen gefunden. Im Jahr 1986 brachte<br />
Janssen das Itraconazol auf den Markt, mit dem zum ersten Mal ein Azol-Antimykotikum<br />
gegen tiefe Fadenpilzmykosen verfügbar war.<br />
In diese Zeit, um 1988, fielen die ersten Studien über die antimykotische Potenz<br />
<strong>der</strong> Echinocandine mit Cilofungin – Studien, die von <strong>der</strong> Firma Eli Lilly unternommen<br />
wurden. Eli Lilly zog sich dann aber aus <strong>der</strong> Antimykotika-Entwicklung<br />
zurück, die Echinocandine wan<strong>der</strong>ten zu an<strong>der</strong>en Herstellern ab.<br />
Mit dem Fluconazol gelang <strong>der</strong> Firma Pfizer 1988/90 ein spektakulärer Durchbruch<br />
in <strong>der</strong> antimykotischen Chemotherapie insbeson<strong>der</strong>e <strong>der</strong> Candidosen. Die<br />
hochgradige Wirksamkeit und die günstigen pharmakologischen Eigenschaften,<br />
insbeson<strong>der</strong>e die Wasserlöslichkeit, waren so überzeugend, dass sich das Fluconazol<br />
sehr schnell breit in <strong>der</strong> klinischen Anwendung durchsetzte. Dies galt<br />
nicht nur für die Therapie flori<strong>der</strong> Mykosen, son<strong>der</strong>n stellte auch die bis dahin mit<br />
Vorbehalten diskutierte Prävention gegen tiefe Mykosen bei Risikopatienten auf<br />
eine ganz neue Basis. In <strong>der</strong> Folge hat <strong>der</strong> Fluconazol-Einsatz die Epidemiologie<br />
<strong>der</strong> Candidosen drastisch verän<strong>der</strong>t.<br />
46
Mit dem Folgepräparat Voriconazol erweiterte Pfizer 1999 das antimykotische<br />
Wirkungsspektrum <strong>der</strong> Azole auf die Fadenpilz-bedingten tiefen Mykosen.<br />
HISTORIE<br />
Mit den liposomalen Formulierungen des Amphotericins B wurde dieses<br />
Polyen-Antimykotikum 1990 noch einmal in den Möglichkeiten seiner Monotherapie<br />
deutlich aufgewertet.<br />
Ab 2002 gelangten die Echinocandine in die klinische Anwendungsfähigkeit<br />
mit den Präparaten Caspofungin, Micafungin und Anidulafungin. Diese Verbindungsklasse<br />
mit dem neuartigen Angriffspunkt stellt den vorläufigen Schlusspunkt<br />
in <strong>der</strong> Entwicklung <strong>der</strong> Antimykotika gegen tiefe Mykosen dar.<br />
Bereits mit dem Flucytosin waren Resistenzprobleme bei klinischen Pilzisolaten<br />
zu einer wissenschaftlichen Herausfor<strong>der</strong>ung geworden. Mit <strong>der</strong> Einführung<br />
<strong>der</strong> Azol-Antimykotika hatten diese Probleme an Gewicht zugenommen, selbst<br />
beim Amphotericin B tauchten Resistenzfragen auf. Hier hat Arno Schmalreck<br />
im Forschungslabor <strong>der</strong> Firma Pfizer Herausragendes für die Entwicklung und<br />
Standardisierung von Empfindlichkeitsprüfungen geleistet und umfangreiches<br />
Datenmaterial zusammengetragen.<br />
In <strong>der</strong> Antimykotika-Forschung sind gewichtige Anfangsentwicklungen im<br />
<strong>deutschsprachigen</strong> Raum abgelaufen. Zu den Anwendungserfahrungen haben<br />
die Aktivitäten <strong>der</strong> Mykologen aller beteiligten Bereiche maßgeblich beigetragen.<br />
Die Pharma-Firmen haben nicht nur mit eigenen Forschungen Entwicklungsarbeit<br />
geleistet, son<strong>der</strong>n über Jahrzehnte hinweg die deutschsprachige <strong>Mykologie</strong><br />
finanziell in einem Ausmaß unterstützt, ohne das unser Fach nicht den heutigen<br />
Status hätte. Dafür gilt den Pharma-Firmen Dank und Anerkennung.<br />
Phase IV: die Intensivierung von Kommunikation und Forschung<br />
Epidemiologie<br />
Bis in die Mitte <strong>der</strong> 1980er Jahre gab es keine klaren Vorstellungen zur Mykosen-Inzidenz.<br />
Die Informationslücke konnte mit einer Studie <strong>der</strong> Arbeitsgruppe J.<br />
Müller in Freiburg geschlossen werden [33] .<br />
Für diese Studie bestanden in Freiburg – und nur in Freiburg – folgende Voraussetzungen:<br />
Das Freiburger Hygiene-Institut war zugleich Medizinaluntersuchungsamt<br />
und versorgte eine Bevölkerung von 225 000 Menschen flächendeckend<br />
labordiagnostisch. Im Pilzlabor wurden 25 000 Untersuchungsproben<br />
pro Jahr untersucht – das entsprach <strong>der</strong> Hälfte des Untersuchungsvolumens in<br />
<strong>der</strong> Varia-Diagnostik. In einem Untersuchungszeitraum von zwei Jahren 1984 –<br />
1986 wurden hier 1022 Verdachtssituationen für tiefe Mykosen erfasst. Nach<br />
einem selbst erstellten Definitionskatalog wurden daraus 245 tiefe Mykosen diagnostiziert.<br />
Eine vorsichtige Hochrechnung ergab somit eine Inzidenz von 600<br />
tieflokalisierten Mykosen pro Million Bevölkerung, das entspricht <strong>der</strong> 2,7-fachen<br />
Tuberkulose-Inzidenz <strong>der</strong> damaligen Zeit. Die erfassten Mykosen waren zu 93%<br />
47
HISTORIE<br />
Candidosen, zu 6% Aspergillosen und zu 1% Cryptococcosen und Zygomykosen.<br />
Die Höhe <strong>der</strong> Mykosen-Inzidenz wurde zunächst selbst von erfahrenen<br />
Mykologen für viel zu hoch erachtet, aber in den <strong>nach</strong>folgenden Jahren durch<br />
Zählstudien in Frankreich und Statistiken aus den USA in <strong>der</strong> Größenordnung<br />
bestätigt.<br />
Diese Information war wegbahnend: Die Diagnostika-Hersteller erkannten das<br />
potenzielle Marktvolumen, und in schneller Folge erschienen konfektionierte Diagnostika<br />
auch für die <strong>Mykologie</strong> auf dem Markt. Ebenso wurde mit einem Schlag<br />
das potenzielle Umsatzvolumen für die Antimykotika-Hersteller sichtbar, denn<br />
neben <strong>der</strong> indizierten Therapie erschien damit auch die antimykotische Prävention<br />
in einem ganz neuen Licht.<br />
Expertenrunde im Fernsehstudio „Unter den Linden“ in Berlin 2002<br />
48
Die zwei Jahrzehnte 1990 – 2010<br />
HISTORIE<br />
Die ersten drei Jahrzehnte des betrachteten Halbjahrhun<strong>der</strong>ts sind gekennzeichnet<br />
durch die Aufbauarbeit weitsichtiger und verantwortungsbewusster Pioniere,<br />
durch Einzelkämpfer und ihre mykologischen Kleingruppen. Die nächsten beiden<br />
Jahrzehnte sind charakterisiert durch den raschen Aufbau von mykologischen<br />
Netzwerken.<br />
Labordiagnostik<br />
Im Jahr 1997 hat Johannes Müller die Erfor<strong>der</strong>nisse für eine flächendeckende<br />
Labordiagnostik in medizinischer <strong>Mykologie</strong> in Deutschland formuliert und die<br />
Defizite in <strong>der</strong> Bundesrepublik kritisiert. Als Präsident <strong>der</strong> Internationalen Gesellschaft<br />
für Humane und Animale <strong>Mykologie</strong> ISHAM initiierte er eine Resolution<br />
zur Verbesserung <strong>der</strong> Mykosen-Diagnostik weltweit, die auf dem ISHAM-Kongress<br />
1997 von <strong>der</strong> ISHAM-Generalversammlung verabschiedet wurde [34] .<br />
In <strong>der</strong> Folge mehrten sich die mykologischen Laboratorien in den Instituten für<br />
Medizinische Mikrobiologie im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum, wenn auch bis heute<br />
eine flächendeckende mykologische Labordiagnostik in <strong>der</strong> Bundesrepublik nicht<br />
erreicht worden ist.<br />
Sehr bemerkenswert ist, dass sich – analog zur Dermatologie <strong>der</strong> Frühzeit – in<br />
den letzten beiden Jahrzehnten auch in den Kliniken internistischer Ausrichtung<br />
labordiagnostische Laboratorien etabliert haben. Herausragende Beispiele hierfür<br />
sind <strong>der</strong> Arbeitsbereich von Markus Ruhnke im Bereich Hämatologie/Onkologie<br />
<strong>der</strong> Charité Berlin und Dieter Buchheidt in<br />
<strong>der</strong> Medizinischen Universitätsklinik Mannheim, wo methodische<br />
Entwicklungsarbeit auf molekularbiologischem Niveau betrieben<br />
wird. Ein solcher Einsatz for<strong>der</strong>t deshalb beson<strong>der</strong>e Anerkennung,<br />
weil <strong>der</strong>artige Forschungsarbeit neben uneingeschränkter<br />
klinischer Dienstbelastung erbracht werden muss.<br />
Referenzlaboratorien<br />
2001 wurde vom Robert Koch-Institut erstmals ein Nationales<br />
Referenzzentrum für Systemische Mykosen eingerichtet. Reinhard<br />
Rüchels mykologische Keimzelle in Göttingen wurde unter<br />
<strong>der</strong> Leitung von Uwe Groß zum Nationalen Referenzzentrum<br />
für Systemische Mykosen berufen.<br />
Dieter Buchheidt<br />
49
HISTORIE<br />
2014 wurde Oliver Kurzai zum Leiter des jetzt in Nationales<br />
Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk)<br />
umbenannten Referenzlabors berufen, das seitdem am Hans<br />
Knöll-Institut – Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und<br />
Infektionsbiologie in Jena angesiedelt ist.<br />
Reinhard Kappe leitete bis 2013 das Konsiliarlabor für Aspergillus<br />
in Nordhausen, dessen Aufgaben mit <strong>der</strong> Neuberufung<br />
des NRZMyk in dieses integriert wurden. Kathrin Tintelnot<br />
leitete bis 2016 das Konsiliarlabor für Scedosporiose<br />
und importierte Systemmykosen am RKI in Berlin. Die Leitung<br />
wurde da<strong>nach</strong> von Volker Rickerts übernommen und<br />
das Labor umbenannt in Konsiliarlabor für Kryptokokkose und<br />
seltene Systemmykosen. Das Konsiliarlabor für Dermatophyten<br />
ist unter <strong>der</strong> Leitung von Yvonne Gräser in <strong>der</strong> Universitätsmedizin<br />
Berlin am Institut für Mikrobiologie und Hygiene<br />
angesiedelt.<br />
Kerstin Voigt, Oliver Kurzai<br />
Volker Rickerts<br />
50
HISTORIE<br />
Hans Knöll Institut<br />
Grundlagenforschung und klinische Forschung<br />
Erfreulicherweise wird mittlerweile an zahlreichen Standorten in Deutschland<br />
mykologische Grundlagenforschung betrieben. Als Beispiele sollen hier die<br />
Standorte Jena, Würzburg und Köln genannt werden, an denen mykologische<br />
Forschung in beson<strong>der</strong>er Weise im Mittelpunkt steht. Die Forschungsstandorte<br />
Jena und Würzburg tragen auch den DFG-geför<strong>der</strong>ten Son<strong>der</strong>forschungsbereich<br />
/ Transregio „FungiNet – Humanpathogene Pilze und ihr menschlicher Wirt:<br />
Netzwerke <strong>der</strong> Interaktion.<br />
Jena<br />
Im Mittelpunkt <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> in Jena steht das Hans-Knöll-Institut, das 1951 auf<br />
dem Beutenberg gegründet wurde. Hier erfolgte bis 1990 die gesamte Produktion<br />
des BCG-Impfstoffes <strong>der</strong> DDR. 1953 wurde Hans Knöll Direktor des neu erbauten<br />
Instituts für Mikrobiologie und experimentelle Therapie, das 1956 von <strong>der</strong><br />
Deutschen Akademie <strong>der</strong> Wissenschaften in Berlin übernommen wurde. Nach<br />
<strong>der</strong> politischen Wende und <strong>der</strong> Abwicklung <strong>der</strong> Akademie <strong>der</strong> Wissenschaften<br />
<strong>der</strong> DDR wurde das Institut <strong>nach</strong> verschiedenen Zwischenschritten schließlich<br />
2005 in den Verbund <strong>der</strong> Leibniz-Institute integriert und erhielt den o.g. Namen.<br />
Ab 1. Juli 2005 hat Axel Brakhage, aus Hannover kommend, die Leitung des Instituts<br />
als Wissenschaftlicher Direktor inne. Die <strong>der</strong>zeitige Aufgabenstellung des<br />
Instituts ist <strong>der</strong> wissenschaftlichen Kompetenz, <strong>der</strong> Weitsicht, dem Verantwortungsbewusstsein<br />
und dem wissenschaftspolitischen Geschick von Axel Brakhage<br />
zu verdanken. Im HKI arbeitet heute eine dreistellige Zahl hochkompetenter,<br />
hochmotivierter Forscher an einer umfassenden Vielfalt von Fragestellungen zur<br />
Axel Brakhage<br />
51
HISTORIE<br />
Pathobiologie von Pilzen und Mykosen mit mo<strong>der</strong>nster Methodik, was das Institut<br />
in <strong>der</strong> internationalen Fachwelt bereits zu hohem Ansehen gebracht hat. Das HKI<br />
zählt hinsichtlich seines mykologischen Forschungsniveaus, seines Forschungsvolumens<br />
und seiner Forschungsintensität auch international zu den führenden<br />
Forschungseinrichtungen in <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong>. Die 5 Departments<br />
des Instituts sind fest mit <strong>der</strong> Friedrich Schiller-Universität assoziiert. Axel Brakhage<br />
beschäftigt sich als Naturwissenschaftler seit Beginn <strong>der</strong> 1990er Jahre mit <strong>der</strong><br />
Pathobiologie humanpathogener Pilze. Seit 2007 ist Bernhard Hube Abteilungsleiter<br />
Mikrobielle Pathogenitätsmechanismen am HKI. Er zählt seit Langem zur<br />
internationalen Spitze bei <strong>der</strong> Erforschung <strong>der</strong> Pathogenitätsmechanismen und<br />
war von 2009 – 2012 Vizepräsident <strong>der</strong> ISHAM. Oliver Kurzai leitet das Department<br />
Fungal Septomics und ist zur Zeit Schriftführer <strong>der</strong> DMykG. Oliver Kurzai<br />
ist auch Chief Editor von Medical Mycology Case Reports (www.leibniz-hki.de).<br />
Würzburg<br />
Die <strong>Mykologie</strong> in Würzburg blickt auf eine lange Tradition zurück. 1993 wurde<br />
das Institut für Molekulare Infektionsbiologie an <strong>der</strong> Universität in Würzburg gegründet.<br />
Direktor des Instituts war bis zu seiner Berufung als Direktor des Robert<br />
Koch-Instituts in Berlin Jörg Hacker. Inzwischen ist er Präsident <strong>der</strong> Leopoldina<br />
in Halle, <strong>der</strong> Nationalen Akademie <strong>der</strong> Wissenschaften in Deutschland. Hackers<br />
Verdienst für die medizinische <strong>Mykologie</strong> war die Gründung einer selbstständigen<br />
Abteilung <strong>Mykologie</strong>, die noch heute von Joachim Morschhäuser geleitet<br />
wird. Im Fokus <strong>der</strong> Forscher um J. Morschhäuser stand und steht Candida albicans.<br />
Die umfangreiche Forschungsarbeit, die hier geleistet wird, kann dem<br />
Forschungsbericht und <strong>der</strong> langen Publikationsliste dieser Abteilung im Internet<br />
entnommen werden (www.imib-wuerzburg.de).<br />
Das Institut für Hygiene und Mikrobiologie wurde von 1965-1997 von Heinz Seeliger<br />
geleitet. Seitdem waren dort immer wie<strong>der</strong> international sichtbare mykologische<br />
Arbeitsgruppen tätig, so zum Beispiel die von Michael Weig o<strong>der</strong> Fritz<br />
Mühlschlegel. Im Jahr 2017 wurde an diesem Institut <strong>der</strong> deutschlandweit erste<br />
Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und <strong>Mykologie</strong> eingerichtet und mit<br />
Oliver Kurzai besetzt.<br />
Die Klinik für Innere Medizin II in Würzburg wird seit 2004 von Hermann Einsele<br />
geleitet und ist in <strong>der</strong> klinischen Forschung zu invasiven Pilzinfektionen, insbeson<strong>der</strong>e<br />
<strong>der</strong> Aspergillose engagiert. Zusammen mit Jürgen Löffler hat Hermann<br />
Einsele maßgebliche Beiträge zur Entwicklung <strong>der</strong> molekularen Diagnostik<br />
<strong>der</strong> Aspergillose geleistet.<br />
Köln<br />
52<br />
Die mykologische Expertise in Köln gründet auf einer langen Tradition des Standorts<br />
in <strong>der</strong> Durchführung klinischer Studien. Geprägt wurde die Kölner <strong>Mykologie</strong><br />
von Oliver Cornely, <strong>der</strong> durch große multizentrische Studien zur Therapie von<br />
Fieber bei neutropenen Patienten und zur Behandlung von invasiven Pilzinfektionen<br />
international weit beachtete Beiträge leistete, die das klinische Management<br />
von Pilzinfektionen entscheidend beeinflusst haben. Zusammen mit seinen
Mitarbeitern gründete Cornely bereits 2003 das globale Register FungiScope, in<br />
dem klinische Informationen zu seltenen invasiven Pilzinfektionen erfasst werden.<br />
Er und seine Mitarbeiter engagierten sich auch in <strong>der</strong> Erstellung internationaler<br />
Richtlinien zur Prophylaxe und Behandlung invasiver Pilzkrankheiten. Oliver<br />
Cornely ist Editor von mycoses, war von 2008 bis 2011 Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG<br />
und war von 2011 bis 2017 Präsident <strong>der</strong> ECMM.<br />
HISTORIE<br />
Kommunikation – Weiterbildung<br />
Die Weiterbildung in mykologischem Wissen ist in den Anfängen überwiegend<br />
von Dermatologen getragen worden. Die dringend erfor<strong>der</strong>liche Information<br />
von Klinikern in den internistischen Fächern ist in den 1970er Jahren intensiv<br />
von Hans Scholer und Theodor Wegmann zusammen mit Hannelene Müller,<br />
Annemarie Polak und Johannes Müller betrieben worden. Weiterbildung<br />
für mykologische Labordiagnostiker war auch Heinz Seeliger in Würzburg und<br />
Johannes Müller in Freiburg ein wichtiges Anliegen: Beide Institutionen waren<br />
begehrte Ausbildungsstätten für in- und ausländische Wissenschaftler; so verbrachte<br />
<strong>der</strong> israelische Veterinärmykologe Eli Kuttin zwei volle Forschungsjahre<br />
in Freiburg.<br />
In den Jahren 1986, 1989 und 1991 organisierten Johannes Müller und Reinhard<br />
Kappe in Freiburg zweitägige Weiterbildungsseminare mit praktischen Übungen<br />
für je 100 Teilnehmer: Hier wurde zum ersten Mal das gesamte Spektrum <strong>der</strong><br />
damals verfügbaren Methoden zur Labordiagnostik tiefer Mykosen theoretisch<br />
und praktisch dargestellt. Je<strong>der</strong> Teilnehmer konnte die Methoden an 10 Aufgaben<br />
praktisch erproben und ausführliche Broschüren mit Arbeitsanleitungen zur<br />
Erregerdiagnostik und Mykoserologie mit <strong>nach</strong> Hause nehmen. Damals wurden<br />
also 300 Interessierte mykologisch qualifiziert. Zur Tagung 1991 waren<br />
bevorzugt Mykologen aus <strong>der</strong> vormaligen DDR eingeladen, die zuvor<br />
keinen Zugang zu kommerzialisierten Diagnostika gehabt hatten.<br />
Diese vielfältigen Weiterbildungsaktivitäten gipfelten schließlich in <strong>der</strong><br />
Begründung <strong>der</strong> Scientia Akademie als Fortbildungsinstitution mit<br />
Schwerpunkt medizinische <strong>Mykologie</strong>. Damit wurde die Weiterbildung<br />
auf einer dauerhaften, intelligent strukturierten und finanziell gut<br />
fundierten Grundlage etabliert.<br />
Kommunikation – Tagungen und Kongresse<br />
Die beiden Wissenschaftsgesellschaften DMykG und PEG haben über das betrachtete<br />
Halbjahrhun<strong>der</strong>t hinweg fast lückenlos Jahrestagungen abgehalten,<br />
in denen die wissenschaftlichen Fortschritte kritisch diskutiert und vermittelt<br />
wurden. Den beiden Gesellschaften, ihren Vorständen und <strong>der</strong> Vielzahl von Tagungsorganisatoren<br />
gereicht das zur Ehre. Daneben gab es und gibt es eine<br />
stattliche Zahl von spezialisierten Seminaren und Workshops, von denen die <strong>der</strong><br />
früheren Jahre kaum dokumentiert und daher heute nicht mehr fassbar sind.<br />
53
HISTORIE<br />
Im Consilium Mycologicum, organisiert von Hannelore Bernhardt, Manfred<br />
Knoke und Andreas Glöckner, wurden die Erfahrungen aus Labor und Klinik<br />
altgedienter mit denen aktiver Mykologen zusammengebracht und zur Diskussion<br />
gestellt. Dass diese Tagungen durchaus anspruchsvolle wissenschaftliche<br />
Beiträge beinhalteten, kann den Berichten im <strong>Mykologie</strong> Forum und dem Supplementheft<br />
1 von mycoses 53, 2010 entnommen werden.<br />
Bei den internationalen Kongressen war die deutschsprachige <strong>Mykologie</strong> in den<br />
ersten drei Jahrzehnten unterrepräsentiert [35, 36] . Das hat sich <strong>nach</strong> <strong>der</strong> politischen<br />
Wende 1990 zum Besseren verän<strong>der</strong>t. Die 5. Tagung <strong>der</strong> Europäischen<br />
Konfö<strong>der</strong>ation für Medizinische <strong>Mykologie</strong> ECMM war die erste bedeutende<br />
internationale Mykologentagung im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum, in Dresden von<br />
Hannelore Bernhardt, Renate Blaschke-Hellmessen und Claus Seebacher<br />
Consilium Mycologicum in Berlin<br />
54
vorbildlich gestaltet. In Berlin hat 2005 Markus Ruhnke den internationalen Kongress<br />
Trends in Medical Mycology, eine Doppelveranstaltung von ECMM und<br />
EORTC erfolgreich organisiert. Der bisherige Höhepunkt in diesen Veranstaltungen<br />
war ohne Frage <strong>der</strong> 18. ISHAM-Kongress 2012 in Berlin, ebenfalls unter <strong>der</strong><br />
Leitung von Markus Ruhnke sowie von Bernhard Hube, Yvonne Gräser und<br />
Katrin Tintelnot gestaltet, ein Ruhmesblatt nicht nur für die Organisatoren, son<strong>der</strong>n<br />
inhaltlich auch für die medizinische <strong>Mykologie</strong> im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum,<br />
die hier in ihrem wissenschaftlichen Niveau Flagge gezeigt hat.<br />
HISTORIE<br />
TV FELIX AVSTRIA<br />
Es ist ein Gebot <strong>der</strong> Redlichkeit, auch geografische Unterschiedlichkeiten in <strong>der</strong><br />
Entwicklung <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong> in den <strong>deutschsprachigen</strong> Län<strong>der</strong>n zu<br />
charakterisieren. Die mykologischen Aktivitäten in Luxemburg, wohin uns 1983<br />
Frau Josée Reiffers-Mettelock zu einer sehr gelungenen MYK-Tagung einlud,<br />
sind Episode geblieben. Die epochalen, stolzen Beiträge <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong><br />
Schweiz sind <strong>nach</strong> <strong>der</strong> Schließung <strong>der</strong> mykologischen Forschungslaboratorien<br />
bei Hoffmann-La Roche und <strong>der</strong> Verlagerung <strong>der</strong> Mykoforschung <strong>nach</strong> Japan erloschen<br />
und existieren nur noch im labordiagnostischen Dienstleistungsbereich.<br />
Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong> in<br />
Österreich verlaufen. Am 27.11.1958 berichtete Gustav Riehl, Wien, auf <strong>der</strong> Sitzung<br />
<strong>der</strong> Österreichischen Dermatologischen Gesellschaft über die erfolgreiche<br />
Behandlung von Dermatomykosen mit Griseofulvin. Das war, neben <strong>der</strong> Arbeit<br />
von Williams, Marten und Sarkany im Lancet 1958, 2:1212, die erste Mitteilung<br />
über die Anwendung von Griseofulvin beim Menschen. Die <strong>Mykologie</strong> in Österreich<br />
wurde da<strong>nach</strong> lange Jahre nur von Otto Male und Josefine Thurner in<br />
Wien am Leben erhalten. Ende <strong>der</strong> 1980er Jahre trat Gabriele Ginter in Graz<br />
mit mykologischen Publikationen in bemerkenswerter Fülle und Vielfalt hervor.<br />
Diese zeigen, dass sie hier neben ihrem <strong>der</strong>matologischen Fachbereich ein mul-<br />
Leipzig 1964: Josefine Thurner, Wien, Hans Götz<br />
Otto Male<br />
55
HISTORIE<br />
Walter Buzina<br />
Gabriele Ginter-Hanselmayer<br />
tidisziplinäres Netzwerk auch gegen tiefe Mykosen aufgebaut hatte. Frau Ginters<br />
mykologische Kompetenz wurde mit <strong>der</strong> Ausrichtung <strong>der</strong> MYK-Tagung 1992 in<br />
Graz vollends deutlich. Walter Buzina arbeitet als Mykologe am Institut für Hygiene,<br />
Mikrobiologie und Umweltmedizin. Ab 1990 baute Birgit Willinger am<br />
Hygiene-Institut Wien einen mykologischen Arbeitsbereich zunehmen<strong>der</strong> Effizienz<br />
in Labordiagnostik und Forschung auf. Mitte <strong>der</strong> 1990er Jahre kam es in<br />
Innsbruck zum Ausbruch einer auffälligen Aspergillose-Endemie, <strong>der</strong>en Eindämmung<br />
energisch von Mikrobiologen und Klinikern angegangen wurde. Dies war<br />
<strong>der</strong> Anlass für die Bildung einer forschungsintensiven Arbeitsgruppe am Institut<br />
für Hygiene und Mikrobiologie in Innsbruck unter <strong>der</strong> Fe<strong>der</strong>führung von Cornelia<br />
Lass-Flörl und Reinhard Würzner sowie Cornelia Speth. Die Summe all<br />
dieser Aktivitäten führte 2000 zur Gründung <strong>der</strong> Österreichischen Gesellschaft<br />
für Medizinische <strong>Mykologie</strong> ÖGMM in <strong>der</strong> klaren Erkenntnis,dass nur nationale<br />
Wissenschaftsorganisationen bei den Trägern <strong>der</strong> Gesundheitseinrichtungen auf<br />
Schaffung spezialisierter und permanenter Forschungsstrukturen dringen können<br />
– auf die Schaffung von Arbeitspositionen und die Bereitstellung materieller<br />
56<br />
Reinhard Würzner Birgit Willinger Cornelia Lass-Flörl
Ausrüstung. Die ÖGMM zählt inzwischen über 100 Mitglie<strong>der</strong> und hat zusammen<br />
mit <strong>der</strong> DMykG gemeinsame Jahrestagungen 2006 in Innsbruck, 2010 in<br />
Wien und 2014 in Salzburg ausgerichtet. Mit diesem Netzwerk erscheinen die<br />
Bundeslän<strong>der</strong> Österreichs mykologisch wohlversorgt. Es passt in diesen Rahmen,<br />
dass die Innsbruckerin Michaela Lackner effizient und charmant als Convenor<br />
den Arbeitsbereich Young ISHAM in <strong>der</strong> Internationalen Gesellschaft für<br />
Humane und Animale <strong>Mykologie</strong> leitete.<br />
HISTORIE<br />
Mykologische Fachbücher<br />
Erste Lehrbücher und Monografien <strong>nach</strong> dem Zweiten Weltkrieg:<br />
Gerd Polemann, Köln, später Krefeld, veröffentlichte 1961 im Georg Thieme<br />
Verlag Stuttgart das Lehrbuch „Klinik und Therapie <strong>der</strong> Pilzkrankheiten“ unter<br />
<strong>der</strong> Mitwirkung von Theodor Wegmann, St Gallen, und A. Stammler, Köln.<br />
Cornelia Speth<br />
Hier sei beson<strong>der</strong>s an Wegmann, Theodor „Medizinische <strong>Mykologie</strong> – ein<br />
praktischer Leitfaden“, Editiones „Roche“, Basel, 1979, erinnert, das 1990 in<br />
5. Auflage erschienen ist. Dieses Buch war lange Zeit eine wichtige Grundlage<br />
für die Diagnostik und Therapie von Mykosen in <strong>der</strong> Inneren Medizin.<br />
Bereits 1960 veröffentlichte Georg Schabinski sein Buch „Grundriss <strong>der</strong> Medizinischen<br />
<strong>Mykologie</strong>“, Gustav Fischer-Verlag, Jena, wohl das erste <strong>Mykologie</strong>-Buch,<br />
das in Deutschland <strong>nach</strong> dem Krieg verfügbar war.<br />
Eine ebenfalls sehr beachtete Monografie erschien 1965 von dem Jenaer Pathologen<br />
Günter Ba<strong>der</strong> „Die viszeralen Mykosen (Pathologie, Klinik und<br />
Therapie)“, Gustav Fischer-Verlag, Jena.<br />
Michaela Lackner<br />
57
HISTORIE<br />
Heinz Paul Richard Seeliger, Bonn, ist wohl einer <strong>der</strong> ersten Wissenschaftler<br />
außerhalb <strong>der</strong> Dermatologie, <strong>der</strong> sich bereits kurz <strong>nach</strong> dem 2. Weltkrieg intensiv<br />
mit medizinischer <strong>Mykologie</strong> befasst hat. Davon zeugt seine Monografie „Mykologische<br />
Serodiagnostik“ die 1958 im Johann Ambrosius Barth Verlag, Leipzig,<br />
erschienen ist. Das Buch Seeliger HPR, Heymer T. Diagnostik pathogener<br />
Pilze des Menschen und seiner Umwelt. Stuttgart: Georg Thieme, 1981 ist<br />
das mykologische Standardwerk.<br />
Ein Schwerpunkt <strong>der</strong> wissenschaftlichen Arbeiten von Brigitte Gedek war die<br />
Tierpathogenität verschiedener Pilze. Ihr Buch „Hefen als Krankheitserreger<br />
bei Tieren“, 1968 im Gustav-Fischer-Verlag Jena erschienen, enthält viele experimentelle<br />
Ergebnisse, die auch für die Humanmedizin bedeutsam sind.<br />
Eine Auswahl weitere Bücher, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sei hier mit<br />
ihren bibliografischen Daten aufgeführt:<br />
Friedrich, Erika „Die Sprosspilze des Menschen. Ihre Bestimmung mithilfe morphologischer<br />
und biochemischer Methoden“. Johann Ambrosius Barth Verlag,<br />
Leipzig: 1962<br />
Morenz, Joachim „Geotrichum candidum Link. Taxonomie, Diagnose und medizinische<br />
Bedeutung“. Mykologische Schriftenreihe, Heft 1., Johann Ambrosius<br />
Barth, Leipzig: 1963.<br />
Morenz, Joachim „Taxonomische Untersuchungen zur Gattung Geotrichum<br />
Link“. Mykologische Schriftenreihe, Heft 2, Johann Ambrosius Barth, Leipzig:<br />
1964.<br />
Fegeler F. Medizinische <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> Praxis und Klinik. Berlin-Göttingen-Heidelberg:<br />
Springer 1967<br />
Koch, H.-A. Leitfaden <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong>. Jena: Gustav Fischer Verlag,<br />
Jena, 1973.<br />
Gemeinhardt, Horst, Ba<strong>der</strong>, G., Deicke , P., Spitzbart, H., Wiesner, B. Endomykosen<br />
des Menschen. Gustav Fischer Verlag, Jena: 1976.<br />
Raab, W. Mykosebehandlung mit Imidazol<strong>der</strong>ivaten. Berlin; Heidelberg; New<br />
York: Springer 1978.<br />
Male, O. Medizinische <strong>Mykologie</strong>. Stuttgart; New York: Thieme 1981.<br />
Nolting, S., Fegeler, K. Medizinische <strong>Mykologie</strong>. Berlin; Heidelberg; New York;<br />
London; Paris; Tokyo: Springer 1982<br />
Kreisel, H., Schauer, F. Methoden des mykologischen Laboratoriums. Jena:<br />
Fischer 1987.<br />
Gemeinhardt, Horst, Endomykosen Schleimhaut-, Organ- und Systemmykosen.<br />
Gustav Fischer Verlag Jena: 1989.<br />
58<br />
Seebacher, Claus und Blaschke-Hellmessen, Renate, „Mykosen – Epidemiologie-Diagnostik-Therapie“.<br />
Gustav Fischer Verlag Jena: 1990.
Staib, F., Huhn, D. (Hrsg.). Pilzinfektionen bei abwehrgeschwächten Patienten.<br />
Berlin; Heidelberg; New York; London; Paris; Tokyo; Hongkong; Barcelona;<br />
Budapest: Springer 1991.<br />
HISTORIE<br />
Mendling W. Vaginose, Vaginitis und Zervizitis. Berlin-Heidelberg: Springer 1995<br />
Kujath P. Mykosen in <strong>der</strong> operativen Medizin. Stuttgart; New York: Thieme 1998.<br />
Effendy, I., Nagelmykosen. Klinik, Diagnose und Therapie. Stuttgart, New York:<br />
Thieme 2001<br />
Tietz H-J, Sterry W. Antimykotika von A-Z. Stuttgart: Thieme 1. Aufl. 1999, 4.<br />
Aufl. 2006<br />
Seebacher C. Dermatomykosen Grundlagen und Therapie. In: Schäfer-Korting M<br />
(ed) Optimierte Arzneimitteltherapie. Berlin-Heidelberg-New-York: Springer 2001.<br />
Tietz H-J, Mendling W. Haut- und Vaginalmykosen. Berlin-Wien: Blackwell 2001<br />
Karthaus M. (Hrsg.). Pilzinfektionen bei Krebspatienten. Stuttgart; New York:<br />
Thieme 2002.<br />
Ruhnke M. Pilzinfektionen bei immunsupprimierten Patienten. Bremen; London;<br />
Boston: UNI-MED 2003.<br />
Hof, H. <strong>Mykologie</strong> für Mediziner. Stuttgart; New York: Thieme 2003.<br />
Stiftung und För<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Forschung durch die DMykG<br />
Claus Seebacher<br />
Stiftung <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft<br />
Der Gedanke, eine Stiftung <strong>der</strong> DMykG einzurichten, wurde 1991 <strong>nach</strong> <strong>der</strong> Jubiläums-<br />
und Vereinigungstagung in Essen geboren, die Detlev Hantschke mit<br />
seiner Familie, ohne kommerzielles Kongressmanagement hervorragend organisiert<br />
hatte. Diese<br />
Tagung warf einen<br />
ungewöhnlich hohen<br />
finanziellen Überschuss<br />
ab, <strong>der</strong> diesen<br />
Gedanken rechtfertigte.<br />
Nach langjährigen<br />
Vorbereitungen, vor<br />
allem von Wolfgang<br />
Fegeler, unterstützt<br />
durch den Vorstand <strong>der</strong><br />
Amtsperiode 1999 –<br />
59
HISTORIE<br />
Jürgen Bufler Joachim Morschhäuser Peter-Michael Rath<br />
2002 wurde die Stiftung am 24.06.2005 als rechtsfähig von <strong>der</strong> Bezirksregierung<br />
in Münster anerkannt. 2009 erhielt die Stiftung <strong>der</strong> DMykG die „Astellas<br />
CHANGING TOMORROW Donation“ in Höhe von 90.000 Euro zugesprochen,<br />
die in voller Höhe, <strong>der</strong> Verfügung des Präsidenten und CEO von Astellas Pharma<br />
Europe Ltd folgend, dem Vermögen <strong>der</strong> Stiftung hinzugefügt wurde.<br />
Der Vorstand <strong>der</strong> Stiftung wird vom Vorstand <strong>der</strong> DMykG für jeweils sechs Jahre<br />
berufen. Präsident <strong>der</strong> Stiftung war in den vergangenen 12 Jahren Jürgen Bufler.<br />
Das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden hatte Claus Seebacher inne.<br />
Ihm oblag die Verwaltung des Stiftungsvermögens. Mitglie<strong>der</strong> des Vorstandes<br />
qua Amt sind <strong>der</strong> jeweilige Schriftführer und <strong>der</strong>/die Kassenwart/in <strong>der</strong> DMykG.<br />
Diese waren Hans Christian Korting, Michael Rath und Oliver Kurzai sowie<br />
Uta-Christina Hipler. Joachim Morschhäuser ist als Vorstandsmitglied gleichzeitig<br />
Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Preisträger-Auswahlkommission und als weiteres Mitglied<br />
ist Martin Schaller berufen. Aufgabe <strong>der</strong> Stiftung ist die Vergabe <strong>der</strong> Posterpreise<br />
und von Preisen für herausragende wissenschaftliche Publikationen. Die<br />
Liste <strong>der</strong> bisherigen Preisträger ist auf <strong>der</strong> Homepage <strong>der</strong> DMykG abrufbar. Von<br />
2006 bis 2017 hat die Stiftung für Preise insgesamt 47.750,00 Euro ausgegeben.<br />
Forschungsför<strong>der</strong>preis <strong>der</strong> DMykG<br />
Dieser Preis wurde 1991 auf Initiative von Johannes Müller gestiftet und erstmals<br />
an Reinhard Rüchel verliehen. Er war zunächst mit 5.000 DM dotiert und<br />
wird <strong>nach</strong> einer eigenen Satzung verliehen. Bisherige Preisträger sind in <strong>der</strong><br />
Homepage aufgeführt.<br />
Der Nachwuchsför<strong>der</strong>preis für klinische <strong>Mykologie</strong><br />
Er ist mit 2.000 Euro dotiert und wird von <strong>der</strong> Firma MSD Sharp & Dohme gestiftet.<br />
Auch hier sind die bisherigen Preisträger <strong>der</strong> Homepage zu entnehmen.<br />
60
Dr. Manfred Plempel-Stipendium<br />
HISTORIE<br />
Mit einer Summe von Euro 15.000 wurde in<br />
diesem Jahr (2017) das Dr.-Manfred-Plempel-<br />
Stipendium ausgeschrieben. Das Stipendium<br />
erinnert an die Persönlichkeit, die wissenschaftlichen<br />
Leistungen und das forscherische<br />
Engagement von Dr. Manfred Plempel und<br />
wird von seiner Ehefrau Marianne Plempel<br />
gestiftet. Es ermöglicht einem/r jungen Mykologen/in<br />
die Finanzierung eines Forschungsaufenthaltes<br />
in medizinischer <strong>Mykologie</strong> mit<br />
Schwerpunkt auf dem Gebiet <strong>der</strong> diagnostischen<br />
Grundlagenforschung o<strong>der</strong> diagnostischen<br />
Fortbildung an einer angesehenen Institution<br />
– insbeson<strong>der</strong>e auch im Ausland. Das<br />
Stipendium wurde 1997 erstmals an Martin<br />
Schaller verliehen. Weitere Stipendiaten siehe<br />
Homepage.<br />
Martin Schaller erhielt 1998 in Frankfurt/O<strong>der</strong> das erste<br />
Dr.-Manfred-Plempel-Stipendium, das von Frau Marianne<br />
Plempel (re.) gestiftet wurde.<br />
Frau Marianne Plempel mit den Stipendiaten von 2001, Dr. Markus Niewerth (re.) und von 2007,<br />
Dr. Claudio Kupfahl (li.)<br />
61
HISTORIE<br />
Literatur<br />
1. Meinhof W. 150 Jahre medizinische <strong>Mykologie</strong> seit Johann Lucas Schönlein. In: O. P. Hornstein,<br />
W. Meinhof (Eds) Fortschritte <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong>. Erlangen: Perimed 1991; 21 – 33<br />
2. Drouhet E. The birth of ISHAM: 1953, Rome, Italy. Mycopathologia. 1997; 139: 63 – 70.<br />
3. Janke D. Die medizinische <strong>Mykologie</strong> auf dem 8. Internationalen Kongress für Botanik in Paris<br />
vom 1. – 15. Juli 1954. Hautarzt. 1955; 6: 90 – 91.<br />
4. Jung H-D. Zur Kenntnis <strong>der</strong> Scopulariopsis species. Klinische, experimentelle und mykologische<br />
Betrachtungen. Arch Dermatol Syph 1952; 195: 77 – 95.<br />
5. Langer H. Epidemiologische und klinische Untersuchungen bei Onychomykosen, Beitrag zur<br />
Berliner Pilzflora 1954 – 1956. Arch Dermatol Syph 1957; 207: 624 – 636.<br />
6. Friedrich E. Die Sproßpilze des Menschen. Ihre Bestimmung mit Hilfe morphologischer und<br />
biochemischer Methoden. Leipzig: Johann Ambrosius Barth, 1962.<br />
7. Schabinski G. Grundriß <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong>. Jena: G. Fischer, 1960<br />
8. Koch HA. Trichophyton thuringiense spec. nov. Mykosen. 1969; 12:287–290<br />
9. Gemeinhardt H, Ba<strong>der</strong> G, Deicke P, Spitzbart H, Wiesner B. Endomykosen des Menschen. G,<br />
Jena: G. Fischer: 1976, 2. Aufl. 1989<br />
10. Seebacher C, Blaschke-Hellmessen R, Kielstein P. Zur <strong>Geschichte</strong> <strong>der</strong> medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />
in <strong>der</strong> ehemaligen DDR. Mycoses 2002; 45 (Suppl. 3): 7 – 17.<br />
11. Götz H. Klinische und experimentelle Untersuchungen über die Hautpilzkrankheiten im Gebiet<br />
von Hamburg 1948 – 1950. Arch Dermatol Syph. 1952;195:1 – 76.<br />
12. Götz H. Die Pilzkrankheiten <strong>der</strong> Haut durch Dermatophyten. In: Jadassohn J (Eds). Handbuch<br />
<strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten. Ergänzungswerk (Eds: Marchionini A, Götz H), Vol. IV/3.<br />
Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer, 1962.<br />
13. Meinhof W, Schirren C. Hans Rieth, 1914 – 1994. Zum Gedenken anlässlich seines100.Geburtstages.<br />
Hautarzt. 2014; 65:998 – 1004.<br />
14. Schirren C. Die Entwicklung <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> in Hamburg am Beispiel von H.C. Plaut und H. Rieth.<br />
Folia Dermatologica 2. Hamburg: omnimed-Verlag 2004<br />
15. Rieth H. Die Antimykotika. In: Kimmig J (Ed). Therapie <strong>der</strong> Haut-und Geschlechtskrankheiten. In:<br />
Jadassohn J: Handbuch <strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten. Ergänzungswerk, Bd. V/1B/4.<br />
Springer, Berlin-Göttingen-Heidelberg 1962; pp 1172 – 1217.<br />
16. Meyer-Rohn J. Die Antibiotika unter Berücksichtigung von Nystatin. In: Kimmig J (Ed). Therapie<br />
<strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten. In: Jadassohn J: Handbuch <strong>der</strong> Haut- und Geschlechtskrankheiten.<br />
Ergänzungswerk, Vol. V/1B/4. Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer, 1962; pp<br />
851 – 5.<br />
17. Götz H. Die Griseofulvinbehandlung <strong>der</strong> Dermatomykosen. Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer,<br />
1962. (1. Tagung 1961)<br />
18. Schirren C, Rieth, H (Hrsg.) Hefepilze als Krankheitserreger bei Mensch und Tier<br />
Vorträge und Diskussionsbemerkungen <strong>der</strong> 2. Wissenschaftlichen Tagung <strong>der</strong> Deutschsprachigen<br />
Mykologischen Gesellschaft in Hamburg am 18. März 1962. Berlin-Göttingen-Heidelberg:<br />
Springer, 1963.<br />
19. Grimmer H, Rieth H (Hrsg.) Krankheiten durch Schimmelpilze bei Mensch und Tier. Berlin-Göttingen-Heidelberg:<br />
Springer, 1965. (3. Tagung 1963)<br />
20. Heite H-J (Hrsg.) Krankheiten durch Aktinomyzeten und verwandte Erreger Wechselwirkung<br />
zwischen pathogenen Pilzen und Wirtsorganismus. Berlin-Göttingen-Heidelberg: Springer,<br />
1966. (4. Tagung 1964)<br />
21. Götz H, Rieth H (Hrsg.). Humanpathogene Pilze im Tier- und Pflanzenreich. Berlin, Grosse Verlag<br />
1969. (5. Tagung 1965)<br />
62
HISTORIE<br />
22. Götz H, Rieth H, Male O, Thurner J (Hrsg.) Diagnostik und Therapie <strong>der</strong> Pilzkrankheiten und neuere<br />
Erkenntnisse in <strong>der</strong> Biochemie <strong>der</strong> pathogenen Pilze. Berlin, Grosse Verlag 1970 (6. Tagung<br />
1966)<br />
23. Bernhardt H, Blaschke-Hellmessen R, Fegeler W, Korting HC, Seebacher,C. 5th Congress of the<br />
European Confe<strong>der</strong>ation of Medical Mycology. Abstracts. Mycoses 1999; 42:125 – 223<br />
24. Rieth H. Plauts Bedeutung als Wegbereiter <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong>. Hautazt 1959; 10:<br />
89 – 90<br />
25. Meinhof W. Dermatomykosen. FdM-Tabellen für die Praxis in 19 Folgen. Fortschr. Med. 113<br />
(1995) Nr. 16 bis 114 (1996) Nr.4.<br />
26. Mendling W. Zur Vergangenheit und Gegenwart <strong>der</strong> <strong>Mykologie</strong> in <strong>der</strong> <strong>deutschsprachigen</strong> Gynäkologie<br />
und Geburtshilfe. Mycoses. 1998;41(Suppl. 2): 26 – 30.<br />
27. Friedrich E, Blaschke-Hellmessen R, Böhme H, Seebacher C. Bewährte medizinisch-mykologische<br />
Untersuchungsmethoden. I. Indikationen zur mykologischen Untersuchung, Entnahme<br />
und Lagerung von klinischem Untersuchungsmaterial (Prüfmaterial). Z ärztl Fortbild 1978; 72:<br />
260 – 262.<br />
28. Friedrich E, Blaschke-Hellmessen R, Böhme H. Bewährte medizinisch-mykologische Untersuchungsmethoden.<br />
II. Nachweis von Pilzen mit Hilfe von Kulturmethoden.). Z ärztl Fortbild 1978;<br />
72: 322 – 329.<br />
29. Friedrich E, Böhme H, Bernhardt H, Kaben U. Bewährte medizinisch-mykologische Untersuchungsmethoden.<br />
III. Immunserologische Methoden zum Nachweis von Sprosspilz- (Hefe-) Infektionen<br />
und hefebedingten allergischen Erkrankungen. Z ärztl Fortbild 1981; 75: 132 – 138.<br />
30. Westphal H-J, Kaben U, Friedrich E. Zur Herstellung von wasserlöslichem Candida-Antigen.<br />
Mykosen 1976; 19: 149 – 156<br />
31. Kaben U, Westphal H-J. Die passive Hämagglutination zum Nachweis humoraler Antikörper bei<br />
Sprosspilzinfektionen. I. Stabilisierung von Erythrozyten. Dermatol Monatsschr. 1976; 162:388<br />
– 393<br />
32. Kaben U, Westphal H-J. Die passive Hämagglutination zum Nachweis humoraler Antikörper bei<br />
Sprosspilzinfektionen. II. Sensibilisierung von Erythrozyten und Titervergleich zwischen Hämagglutination<br />
und Zellagglutination. Dermatol Monatsschr. 1976; 162: 394 – 401<br />
33. Müller J, Kappe R, Kubitza D, Fessler R, Scheidecker I. The Incidence of Deep-Seated Mycoses<br />
in Freiburg i. Br. (Fe<strong>der</strong>al Republic of Germany). Mycoses. 1988; 31 (Suppl 1) 9 – 28.<br />
34. Müller J. Die ISHAM-Resolution 1997. Mycoses 1998; (Suppl. 1): 30 – 31<br />
35. Müller J. Die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft: Gestern – heute – morgen. Mycoses.<br />
1991; 34 (Suppl. 1l): 3 – 9<br />
36. Müller J. Medizinische <strong>Mykologie</strong> in Deutschland – eine Bestandsaufnahme zum 40. Geburtstag<br />
<strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft. Mycoses. 2002;45(Suppl. 1): 9 – 15.<br />
63
AKTUELL<br />
Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft e.V. –<br />
DMykG e.V. – www.dmykg.de<br />
Organisationsstruktur und Mitglie<strong>der</strong><br />
Die DMykG e.V. hat rund 500 Mitglie<strong>der</strong> aus nahezu allen medizinischen und<br />
naturwissenschaftlichen Fachbereichen, die sich mit mykologischen Fragestellungen<br />
beschäftigen.<br />
Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter, einem Kassenwart<br />
und einem Schriftführer. Er wird alle drei Jahre im Rahmen <strong>der</strong> Jahrestagung<br />
neu gewählt. Der stellvertretende Vorsitzenden rückt jeweils <strong>nach</strong> drei<br />
Jahren in das Amt des Vorsitzenden auf. Sitz <strong>der</strong> Gesellschaft ist Münster. Die<br />
Geschäftsstelle befindet sich am Standort <strong>der</strong> Kongressorganisation CONVEN-<br />
TUS GmbH in Jena. Die aktuelle Adresse befindet sich auf <strong>der</strong> Homepage <strong>der</strong><br />
Gesellschaft unter: www.dmykg.de<br />
Aufgaben und Ziele<br />
Seit ihrer Gründung im Jahre 1961 hat sich die Deutschsprachige Mykologische<br />
Gesellschaft e.V. sowohl im <strong>deutschsprachigen</strong> Raum als auch auf internationaler<br />
Ebene für die wissenschaftliche Entwicklung <strong>der</strong> medizinischen und veterinärmedizinischen<br />
<strong>Mykologie</strong> maßgeblich eingesetzt. Dies hat dazu beigetragen,<br />
dass sich ein Bewusstsein für Pilzinfektionen im klinischen Alltag durchgesetzt<br />
hat. Mittlerweile haben Pilzinfektionen im Rahmen zahlreicher medizinisch-wissenschaftlicher<br />
Kongresse, in den Medien und vor allem im Klinik- und Praxisalltag<br />
einen hohen Stellenwert. Hochqualifizierte Fortbildung und <strong>der</strong> für die<br />
weitere Entwicklung einer Wissenschaft unverzichtbare kontinuierliche Informationsaustausch<br />
sind zentrale Anliegen <strong>der</strong> Gesellschaft. Um die För<strong>der</strong>ung des<br />
wissenschaftlichen Nachwuchses hat sie sich seit jeher mit Erfolg bemüht. Mit<br />
dem medizinischen Fortschritt ist die <strong>Mykologie</strong> – wie kaum eine an<strong>der</strong>e Wissenschaft<br />
– in einen interdisziplinären Fokus gerückt und hat ihre ursprüngliche<br />
Domäne von <strong>der</strong> Dermatologie längst auf ein breites medizinisch-wissenschaftliches<br />
Spektrum ausgeweitet. Angesichts <strong>der</strong> zunehmenden Prävalenz von Mykosen<br />
und insbeson<strong>der</strong>e <strong>der</strong> Bedrohlichkeit systemischer Mykosen, haben frühe<br />
diagnostische und rechtzeitige therapeutische Maßnahmen eine große Bedeutung<br />
in Forschung und Praxis. Die DMykG e.V. legt daher beson<strong>der</strong>en Wert auf<br />
die interdisziplinäre Zusammenarbeit und steht auf nationaler und internationaler<br />
Ebene im kontinuierlichen Austausch mit allen relevanten medizinisch-wissenschaftlichen<br />
Fachgesellschaften und Institutionen.<br />
64
Die Entwicklung <strong>der</strong> Medizinischen <strong>Mykologie</strong><br />
AKTUELL<br />
Im historischen Rückblick waren es vor allem die Dermatologen und Tropenmediziner,<br />
die sich Anfang des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts intensiv mit mykologischen Fragestellungen<br />
sowohl diagnostisch als auch wissenschaftlich auseinan<strong>der</strong>setzten. Bis<br />
heute sind die Dermatologen bei den Pilzinfektionen <strong>der</strong> Haut und <strong>der</strong> Hautanhangsgebilde<br />
mit einem epidemiologischen Problem ersten Ranges konfrontiert.<br />
Hingegen war die Rolle <strong>der</strong> endemischen Mykosen mit dem Ende des Kolonialismus<br />
für die hiesige Medizin eher untergeordnet. Angesichts des zunehmenden<br />
Tourismus‘ und zunehmen<strong>der</strong> militärischer Auslandseinsätze dürften auch die<br />
endemischen Mykosen bei uns wie<strong>der</strong> verstärkt Aufmerksamkeit gewinnen.<br />
Seit <strong>der</strong> zweiten Hälfte des 20. Jahrhun<strong>der</strong>ts wird zudem eine deutliche Zunahme<br />
an opportunistischen Pilzinfektionen beobachtet. Nicht nur das Auftreten von<br />
HIV, son<strong>der</strong>n auch die Fortschritte <strong>der</strong> Medizin in den Bereichen <strong>der</strong> Chirurgie,<br />
Intensiv-, Tumor- und Transplantationsmedizin und <strong>der</strong> teilweise damit verbundene<br />
Einsatz von Antibiotika, Immunsuppressiva und Kortikoiden, führten zu einer<br />
deutlichen Zunahme von immunsupprimierten Patienten, die durch opportunistische<br />
Pilzinfektionen gefährdet sind. Alle medizinischen Disziplinen sind heute mit<br />
Problemen <strong>der</strong> Diagnostik und Therapie von Candida-, Aspergillus-, Kryptokokkus-<br />
und Pneumocystis-Infektionen konfrontiert. Eine Zunahme ist auch bei den<br />
Zygomykosen zu verzeichnen. Diese sind zwar vergleichsweise selten, gelten<br />
jedoch therapeutisch als schwer beherrschbar.<br />
Die Entwicklung <strong>der</strong> letzten ca. 50 Jahre führte die Medizinische <strong>Mykologie</strong> aus<br />
einer randständigen Position hin zu einem zentralen Fach, das nahezu alle medizinischen<br />
Disziplinen betrifft und somit das breiteste interdisziplinäre Spektrum<br />
aufweist.<br />
Medien<br />
Die Gesellschaft verfügt über drei wesentliche Informationsorgane:<br />
MYCOSES – e-paper (Blackwell-Wiley) ist das wissenschaftliche Publikationsorgan<br />
<strong>der</strong> Gesellschaft. Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong> DMykG e.V. haben kostenfreien Internetzugang<br />
zu allen Ausgaben.<br />
MYKOLOGIE FORUM – e-paper – Medizinische <strong>Mykologie</strong> in Klinik und Praxis<br />
ist das Mitteilungsorgan <strong>der</strong> Gesellschaft. Über die Homepage www.dmykg.de<br />
ist es für alle Interessierten frei zugänglich.<br />
www.dmykg.de – Homepage <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologische Gesellschaft.<br />
Die Internetseite bietet umfassende historische und aktuelle Informationen<br />
rund um die medizinische <strong>Mykologie</strong>. Eine Mitgliedschaft in <strong>der</strong> Gesellschaft<br />
kann hier beantragt werden.<br />
65
AKTUELL<br />
MYK-Stiftung und SCIENTIA-Akademie<br />
Im Mittelpunkt <strong>der</strong> Aktivitäten <strong>der</strong> von <strong>der</strong> DMykG e.V. gegründeten Stiftung und<br />
<strong>der</strong> SCIENTIA-Akademie steht die qualifizierte und spezifisch diagnostische und<br />
medizinisch-mykologische Fort- und Weiterbildung für medizinisches Personal in<br />
Labor, Klinik und Praxis. Dazu gehört die jährliche Ausschreibung und Vergabe<br />
des Publikationspreises <strong>der</strong> Stiftung sowie die Vergabe von Posterpreisen im<br />
Rahmen <strong>der</strong> wissenschaftlichen Jahrestagung.<br />
Für die breite Öffentlichkeit sehen sich die Stiftung und die SCIENTIA-Akademie<br />
in <strong>der</strong> Verantwortung, Aufklärungs- und Informationsarbeit zu leisten.<br />
Vorstandswechsel 2017<br />
Im Rahmen <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong>versammlung am 1.9.2017 wurde satzungsgemäß ein<br />
neuer Vorstand gewählt. Nach dreijähriger Amtszeit übergab Professor Dr. med.<br />
Andreas Groll, Münster, den Vorsitz an den bisherigen Stellvertreter, Professor<br />
Dr. med. Dieter Buchheidt, Mannheim. Zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden<br />
wurde Frau Professor Dr. med. Birgit Willinger, Wien, gewählt. Schriftführer<br />
bleibt für eine weitere Amtszeit Professor Dr. med. Oliver Kurzai, Würzburg.<br />
Das Amt des Kassenwarts, welches bislang Frau PD Dr. rer. nat. Uta-Christina<br />
Hipler, Jena, innehatte, übernahm entsprechend des Wahlergebnisses Professor<br />
Dr. med. Andreas Groll.<br />
Markus Ruhnke,<br />
Präsident <strong>der</strong> MYK-Stiftung seit 2017<br />
Ebenfalls wurden in <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong>versammlung <strong>der</strong> Präsident <strong>der</strong> Stiftung,<br />
Dr. rer. nat. Jürgen Bufler, Berlin, auf eigenen Wunsch und <strong>der</strong> geschäftsführende<br />
Vorsitzende <strong>der</strong> Stiftung, Professor Dr. med. Claus Seebacher, Dresden, aus<br />
Altersgründen sowohl vom Vorstand als auch von <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong>versammlung<br />
mit großem Dank für die 12jährige erfolgreiche Arbeit verabschiedet. Der neu<br />
gewählte Vorstand <strong>der</strong> DMykG berief als erste Amtshandlung <strong>nach</strong> <strong>der</strong> Mitglie<strong>der</strong>versammlung<br />
und gemäß Satzung <strong>der</strong> Stiftung, den neuen Vorstand <strong>der</strong> Stiftung.<br />
Zum neuen Präsidenten wurde Professor Dr. med. Markus Ruhnke, Berlin,<br />
berufen. Geschäftsführen<strong>der</strong> Vorsitzen<strong>der</strong> wurde PD Dr. med. Stefan Schwartz,<br />
Berlin. Vorstandsmitglie<strong>der</strong> qua Amt sind Professor Dr. med. Oliver Kurzai,<br />
Würzburg und Professor Dr. med. Andreas Groll, Münster. Professor Dr. rer.<br />
nat. Joachim Morschhäuser, Würzburg und Professor Dr. med. Martin Schaller,<br />
Tübingen, gehören dem Vorstand <strong>der</strong> Stiftung – wie bisher – für weitere sechs<br />
Jahre an.<br />
Stefan Schwartz,<br />
Geschäftsführen<strong>der</strong> Vorsitzen<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
MYK-Stiftung seit 2017<br />
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Jubiläums-MYK 2016 in Essen<br />
50. Wissenschaftliche Jahrestagung <strong>der</strong> Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft e.V. vom 8. bis 10. September 2016 in Essen,<br />
dem Gründungort <strong>der</strong> DMykG von 1961.<br />
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www.dmykg.de