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onexmagazin

AUSGABE 4 APRIL 2018

Der Zeit

voraus

Toni Huber

Er erfand ein Gerät, das

zum Milliarden-Geschäft

wurde – und pro fitierte

nicht davon.

HORNUSSEN

Er ist so schnell

wie ein Formel-1-

Bolide: Der «Nouss»

DIE BAUERN-SAGA

Die wechselhafte

Geschichte der

Oberaargauer Bauern.

STEPHAN ANLIKER

Der Unternehmer

steht gleich zwei

Sportvereinen vor.


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EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

Was ist Glück? Toni Huber ist die Hauptperson

dieser Ausgabe. Er ist der Erfinder

des ersten mobilen Pulsmessgerätes.

Seine Erfindung meldete er 1973 zum

Patent an. Doch der kommerzielle Erfolg

seiner Erfindung blieb ihm versagt. Die

grosse Kohle in diesem Milliardenmarkt

verdienten andere. Toni Huber erfreut

sich bester Gesundheit. Er ist heute 79

Jahre alt und das Erfinden ist immer

noch seine Leidenschaft. Und weil das

Pulsmessgerät längst nicht seine einzige

gute Idee war, konnte er von seiner Leidenschaft

nach der Überwindung harter

Zeiten leben. Deshalb nochmals die Frage:

Was ist Glück? Hätte Toni Huber

mehr Glück gehabt, hätte er mit seiner

Erfindung Millionen verdient. Oder ist es

sein wahres Glück, dass er stattdessen

auch mit fast 80 Jahren noch seiner Leidenschaft

nachgehen kann?

Kommerziell deutlich mehr Glück hatte

Stephan Anliker. Der ehemalige Spitzen-Leichtathlet

und erfolgreiche Architekt

kann es sich leisten, sich im Sport zu

engagieren. Er präsidiert den NLA-Fussballklub

GC und den NLB-Eishockeyverein

SC Langenthal. Ob Stephan Anliker

die gegenwärtige Medienpräsenz rund

um die Geschehnisse bei GC als pures

Glück empfindet, muss wohl bezweifelt

werden. Wir haben uns mit beiden Persönlichkeiten

ausführlich unterhalten.

Viel Spass beim Lesen

Euer Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: s’Positive AG,

St. Urbanstrasse 31, 4914 Roggwil

Tel. 062 929 24 25

info@spositive.ch

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Geschäftsleitung:

Sebastian Wüthrich

Layout: tnt-graphics AG,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 75000 Exemplare

Erscheinung: monatlich

Druck: Swissprinters AG,

4800 Zofingen

Versand: Die Post

28

4 SEINER ZEIT VORAUS

Toni Huber erfand vor über

40 Jahren den mobilen

Pulsmesser. Was damals

fast niemanden interessierte,

entwickelte sich zum

Milliardenmarkt.

14 WUSSTEN SIE SCHON

Von Wattestäbchen, lernfähigen

Pflanzen und dem

komfortabelsten Gefängnis

der Welt mit der tiefsten

Rückfallquote.

16 DER BAUERNSTAND

Die Geschichte der

Oberaargauer Bauern war

wechselhaft – und lange

von Unterdrückung und

Zwang geprägt.

26

16

4

26 HORNUSSEN

Im monatlichen Lexikon erklären

wir die wichtigsten

Hornusser-Begriffe. Diesen

Monat: Der Nouss.

28 STEPHAN ANLIKER

Der Unternehmer ist Präsident

des SC Langenthal

und von GC Zürich. Was

treibt ihn zu diesem grossen

Engagement?

38 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe und Veranstaltungskalender.

14

s’Positive 4 / 2018 3


TONI HUBER

DEM PULS DER

ZEIT

VORAUS

Er ist der Erfinder des ersten tragbaren

Pulsmess geräts. Während andere

damit viel Geld verdienten, ging Toni

Huber leer aus. Dies hinderte ihn

nicht an weiteren bemerkenswerten

Erfindungen.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH BILDER: PIUS KOLLER

Die Erfindung war bahnbrechend:

1973 meldete Toni Huber

sein tragbares Pulsgerät zum

Patent an. Doch er war mit seiner

Erfindung der Zeit voraus. Die Skepsis

war gross. Die Zeiten für den Erfinder

hart. Irgendwann konnte er den Betrag

nicht mehr aufbringen, der notwendig

war, um sein Patent zu sichern. Davon

profitierten andere. Als die Welt den Nutzen

dieser Erfindung erkannte, war es für

den Erfinder zu spät. Ein Millardengeschäft,

das nur dank seiner Innovation

möglich war, ging komplett an ihm vorbei.

s’Positive sprach mit dem Erfinder

darüber, wie dies damals gewesen ist und

weshalb er sich trotzdem nicht entmutigen

liess.

s’Positive: Weshalb wird jemand Erfinder?

Toni Huber: Das ist eine schwierige Frage.

Ich erlernte einen technischen Beruf,

wurde Elektromonteur, hatte mit Technik

zu tun. Doch ich fand keine Befriedigung

darin. Ich war also immer suchend, wusste

lange Zeit nicht, in welche Richtung es

wirklich gehen sollte. Klar war aber, dass

ich mich irgendwann selbstständig machen

wollte. Ich wollte Freiheit haben.

Was war dann der Auslöser?

Dies geschah in Magglingen bei Professor

Misaggi. Der gebürtige Ungare brachte

das Intervalltraining in die Schweiz. Ein

wichtiges Element war dabei die Pulsmessung,

was unter Bewegung damals

nicht möglich war. Da legte sich bei mir

der Schalter um. Ich wollte ein Produkt

entwickeln, das diese Art von Training

ermöglichen würde.

Sie waren Sportler?

Ja, ich war selber aktiver Leichtathlet. Als

Junior war ich auch wirklich voll dabei.

Doch dann kam mit 20 Jahren die Rekrutenschule

und danach besuchte ich bald

einmal das Abend-Tech, was die gleichzeitige

Ausübung von Spitzensport verunmöglichte.

Wir trainierten ja bereits

damals jeden Tag.

Sie hörten also auf mit dem Sport...

Ganz aufgehört habe ich nie. Ich bestreite

auch heute noch Langstreckenläufe, bin

z. B. am GP von Bern und bei Murten –

Fribourg dabei. Das Lauftraining behielt

ich immer bei.

4 s’Positive 4 / 2018


kjadf klajf

asdklfjkl Blickt auf sadfkljsdkf

kjkasd Leben

ein

bewegtes

jkalsd zurück: asdffd

Toni adkjfadfds Huber.

s’Positive 4 / 2018 5


TONI HUBER

Wo wäre ihr sportliches Potential gelegen,

wenn Sie damals weiter auf den

Sport gesetzt hätten?

Mein Körper spielte nicht ganz mit. Ich

war als Junior Siebenkämpfer und erhielt

damals an jedem Turnfest einen Zweig.

Mit dem Zehnkampf kamen dann die hohen

Hürden und der Stabhochsprung hinzu.

Da kam ich mit meiner Körpergrösse

von 170 cm nicht mehr mit. Es fehlten mir

ungefähr 15 cm. Irgendwann konnte ich

die Defizite nicht mehr allein durch Technik

wett machen.

Aber man hielt Sie für förderungswürdig?

Sonst hätte man Sie ja nicht nach

Magglingen geschickt.

Das ist wohl so. Über den TV Länggasse

wurde ich zum 800-Meter-Läufer umfunktioniert;

und in Magglingen wurde

ich dann mit den neuen Trainingsmethoden

konfrontiert. Wir liefen die Strecken

nach Puls und nicht nach Zeit.

Was war denn die Problematik, die es

zu lösen galt?

Intervalltraining besteht daraus, dass

man beim Laufen den Puls bis auf einen

bestimmten Wert, z. B. 180, hochpumpt.

Dann trabt man langsam weiter, bis sich

der Puls auf einen tieferen Wert, z. B. 120

Heute sind

mobile Pulsmesser

ein Lifestyle-Produkt.

absenkt, um danach erneut die Kadenz zu

steigern. Die zurückgelegte Strecke oder

die Zeit waren nicht so relevant. Man wiederholte

einfach ständig diese Intervalle.

Doch diese Pulswerte konnte man damals

während des Laufens gar nicht messen.

Zumindest nicht im Freien. Man war bei

«Nach etlichen Fehlversuchen

stellte ich fest, dass der

Herzmuskel eine Spannung

von einem Millivolt abgibt.

Daraus entwickelte ich das erste

mobile Pulsmessgerät»

den Messungen immer zu spät dran. Zum

Zeitpunkt der Messung war der Puls jeweils

bereits ein anderer, als er es beim

Laufen war.

Man hatte also die Trainingsmethode,

aber man konnte zu wenig genau messen?

So war es. Auf einem Hometrainer mit

Ergometer und EKG ging es schon. Ich

erzählte Professor Schönholzer, dem damaligen

Leiter des Forschungsinstituts in

Magglingen, was ich vorhatte. Er meinte,

dass es schön wäre, wenn es so etwas gäbe,

war sich aber sicher, dass so etwas

nicht einfach zu entwickeln sein würde.

Schwebte Ihnen bereits damals vor,

wie Sie es machen wollten?

Nein, aber ich begann alles

zu lesen, was mit Trainingsmethoden

und Herz-Kreislauf

zu tun hat. Ich wollte

wissen, wie das Herzkreislaufsystem

funktioniert. Ich

wollte wissen, welche Möglichkeiten

der Pulsmessung

es gibt. Ich vertiefte mich in

die entsprechende Literatur.

Nach etlichen Fehlversuchen

mit optischen Messungen

stellte ich fest, dass der Herzmuskel eine

Spannung von einem Millivolt abgibt. Dies

war messbar. Daraus entwickelte ich

dann das erste mobile Pulsmessgerät.

Was konnte es?

Es war ein einfaches Gerät, bei dem man

eingeben konnte, bei welchen Werten ein

Zeichen erfolgen sollte. Wenn man also

den eingestellten Wert erreicht hatte, war

die Zeit für die nächste Phase im Training

gekommen.

Das war eine bahnbrechende Erfindung.

Ja, eigentlich schon. Doch das Leben eines

Erfinders ist nicht immer lustig. Mit

meiner Erfindung war ich viel zu früh

dran. Trainer und Sportler wollten damals

nicht einsteigen. Eine häufige Antwort

war beispielsweise: «Ich kenne

mich, Ich weiss schon, was ich muss. Ich

brauche kein solches Gerät.» Es gab grosse

Widerstände und niemand glaubte

daran, dass aus dieser Erfindung jemals

etwas werden könnte.

Aber irgendjemand muss doch eingestiegen

sein...

Vor allem in Ostdeutschland wusste man,

um was es geht. Die Ostdeutschen waren

die ersten, welche diese Geräte kauften.

Auch das Olympische Komitee in Polen

gehörte zu den Kunden.

Wie ging es weiter?

Ich wurde dann zu einem Kongress von

Kardiologen eingeladen, wo ich ein Referat

halten durfte. Hintergrund war,

dass man Herzinfarkt-Patienten nicht

mehr wie früher einfach schonte, sondern

sie trainierte. Hier stiess ich auf

Interesse. Somit wurde die Herzkreislauf-Medizin

fast wichtiger als der Sport.

Herzpatienten hatten so die Möglichkeit,

innerhalb der Vorgaben ihrer Ärzte zu

trainieren.

FOTO: SHUTTERSTOCK.COM/LZF

6 s’Positive 4 / 2018


Der Train-omat

von Toni

Huber war

bahnbrechend.

Also schafften Sie damit endlich auch

in der Schweiz denn Durchbruch.

Wo denken Sie hin? In der Schweiz doch

nicht. Es waren deutsche Kardiologen. In

der Schweiz wollte man von diesem Gerät

nichts wissen. Ich behaupte, dass ich damals

mehr über den Herzkreislauf wusste

also so mancher praktische Arzt in der

Schweiz.

Aber wann erfolgte dann der Durchbruch?

Immerhin sind solche Geräte

heute ein Milliardenmarkt. Sie müssen

einer der besten Steuerzahler in der

Schweiz sein.

Sie sagen es: Es ist ein Milliardenmarkt.

Aber das Geld machten andere. Wenn

Sie ein Patent haben, müssen Sie jedes

Jahr dafür bezahlen, sonst läuft es aus.

Mir fehlte aber irgendwann das Geld,

um für mein Patent weiter zu bezahlen.

Die Folge davon war und ist, dass heute

andere Geld mit meiner Erfindung verdienen.

Was würden Sie heute anders machen?

Ich habe sicher unternehmerische Fehler

begangen. Vor allem wollte ich alles selber

machen: die Entwicklung, die Herstellung,

die Vermarktung und den Vertrieb.

Dies war eindeutig zu viel. Doch es

fehlte auch an Geld. Damals konnte man

ein Startup nicht mit zwei, drei Millionen

finanzieren. So war einfach vieles nicht

möglich. Wir hatten schon immer auch

Verkäufe, doch wir kamen nicht auf genügend

hohe Stückzahlen. Nach dem Auslauf

des Patents stiegen dann grosse Firmen

ins Geschäft ein, machten eine Menge

Geld. Ich aber hatte nichts weiter als

ein Stück Brot.

Das tönt nach harten Zeiten...

Ja, das waren harte Zeiten. Ich hatte

auch eine Familie mit zwei Kindern zu

versorgen. Das war nicht nur Freude und

Spass. Ich sprach damals auch bei der

Uhrenindustrie vor, weil ich der Überzeugung

war, dass so ein Pulsmessgerät

eigentlich in eine Uhr gehört. Doch der

Uhrenindustrie ging es damals gut,

s’Positive 4 / 2018 7


TONI HUBER

ZUR PERSON

Toni Huber: Erfinder aus Lotzwil

Toni Huber (79)

wuchs in Lotzwil als

Sohn eines Wirteehepaars

auf und genoss

nach eigenen Angaben

eine schöne Jugendzeit.

Er absolvierte

eine Lehre als

Elektromonteur, offenbarte

jedoch auch

viel sportliches Talent.

Bei einem Förderkurs

in Magglingen

wurde er mit den

Trainingsmethoden

von Professor Misaggi

konfrontiert, die noch

wirkungsvoller hätten

sein können, wenn es

möglich gewesen wäre,

den Puls des Sportlers

während des Trainings

messen zu können.

Dies war die Initialzündung

zu Hubers erster

Erfindung, eines Geräts, mit

dem der Puls eines Sportlers

während dem Training

gemessen werden konnte.

Was zuerst auf wenig Interesse

stiess, wurde später

Toni Huber vor

seinen eigenen

Kunstwerken.

ein Milliardenmarkt. Doch

ohne Partizipation von Toni

Huber, der sein Patent wegen

finanzieller Schwierigkeiten

auslaufen lassen

musste. Ihm blieb

buchstäblich nichts.

Doch Toni Huber bleib

Erfinder. Ihm gelangen

weitere namhafte Erfindungen,

unter anderem

in der Fenstertechnik

und im Garagenbau.

Nach einer

zehnjährigen Pause,

während der er sich

erfolgreich seiner

künstlerischen Begabung

widmete, ist er

heute im Alter von 79

Jahren wieder erfinderisch

tätig. Er arbeitet

derzeit an einem

Verschalungssystem.

Toni Huber

ist seit 1965 mit Marlies

verheiratet und

ist Vater zweier erwachsener

Söhne. Er freut sich zudem

über seine drei Enkelkinder.

die Antworten tönten entsprechend

überheblich. «Wir produzieren Uhren,

und kein Spielzeug.» Heute haben wir

Uhren, mit denen wir den Puls messen

können.

Tut es nicht auch heute noch etwas

weh, wenn Sie daran denken, was Sie

da erfunden haben, womit andere jetzt

Milliardenumsätze machen?

Doch, das tut auch heute noch weh. Zumindest

manchmal. Mich kennt niemand.

Ich schaffte es nicht, mich selbst zu vermarkten.

Das Talent, mich zu vermarkten,

habe ich nicht. Ich dachte immer, ich

müsse dieses Produkt nicht verkaufen,

denn es verkaufe sich von selbst. Weil ja

jeder dessen Nutzen erkennen müsse. Leider

war das nicht so. Zudem ist in der

Schweiz die Skepsis gegenüber Neuem

sehr gross.

Wie schafften Sie es, trotzdem durchs

Leben zu kommen?

Indem ich andere Ideen suchte. Und sie

auch fand. Ich konnte mich mit verschiedenen

Projekten im Sport einigermassen

über Wasser halten. Ein Durchbruch war

dann die Entwicklung eines neuen Fensteröffnungs-Systems,

das mir eine deutsche

Firma abkaufte. Von da weg ging es

aufwärts.

Wie kommt ein Erfinder auf seine

Ideen?

Man wird täglich mit Dingen konfrontiert,

die einem nicht passen. Bei denen

man das Gefühl hat, es besser machen zu

können. Dies setzt sich dann irgendwie

fest, wohl auch im Unterbewusstsein.

Und dann, manchmal während der

Nacht, oder wenn ich joggen gehe, kommt

Hubers Vorbild Elon Musk.

die Idee. Eigentlich weiss ich aber gar

nicht so recht, wie es wirklich passiert.

Doch es braucht sicher eine gewisse Entspanntheit,

damit es geschehen kann.

Sie sprechen die Entspanntheit an, die

es braucht, um auf Ideen zu kommen.

Sie sind aber als selbständiger Erfinder

auch ständig unter Druck. Es müssen

Ideen kommen, wenn Sie überleben

wollen. Geht das überhaupt zusammen?

Es braucht auch den Druck. Man muss

dranbleiben. Denn von den Bäumen fallen

die Ideen nicht. Aber so ganz erklären,

wie dies mit dem Druck und der Entspanntheit

funktioniert, kann ich es auch

nicht. Es ist eher das Beschreiben von Gefühlen.

Zeigten Sie auch als Kind bereits Erfindergeist?

Nein. Ich wuchs als Kind eines Wirteehepaars

auf. Meine Eltern führten das Hotel

Bahnhof in Lotzwil. Die Zeiten waren damals

anders. Wir hatten sieben Tage in

der Woche geöffnet, Vater und Mutter

arbeiteten in der Wirtschaft und wir Kinder

waren mehr oder weniger uns selbst

überlassen. Wir nutzten damals unsere

Freiheiten. Ich ging Fussball spielen und

machte alles, was ich wollte, nur nicht

FOTO: SHUTTERSTOCK.COM/KATHY HUTCHINS

8 s’Positive 4 / 2018


Das Fenster­

öffnungs-

System von

Toni Huber.

das, was ich sollte. Eigentlich hatte ich

eine schöne Jugendzeit. Aber da war niemand,

der mir sagte, ich solle jetzt für

eine Lehrstelle schauen. Meinen Eltern

kam dies nicht in den Sinn oder sie hatten

gar keine Zeit dafür. Ein Kollege machte

mich dann auf eine Lehrstelle im Betrieb,

in dem er arbeitete, aufmerksam. So kam

dann auch ich zu meiner Lehre. Aber eine

Karriereplanung sieht anders aus.

Die Berufswahl kam Ihnen aber später

als Erfinder gelegen?

So ist es. Vor allem auch deshalb, weil der

Beruf damals noch nicht so spezialisiert

war wie heute. Als Elektromonteur machte

man damals noch alles. Vom Telefon bis

zu den Freileitungen. Auch meine späteren

Arbeitsstellen, z. B. bei Brown Boweri

(heute ABB, die Red.), für die ich auch in

London arbeitete, wo ich gleichzeitig die

Sprache lernte, erweiterten meinen Erfahrungsschatz

und mein Gesichtsfeld.

Obwohl ich nicht Mechaniker gelernt habe,

hat das, was ich heute entwickle, mehr

mit Mechanik als mit Elektronik zu tun.

Erfinden hat also nicht nur mit Ideen

haben zu tun?

Nein. Man muss es auch umsetzen können.

Wie im Sport ist wohl auch das Erfinden

eine Frage von Talent und Stehvermögen.

Ist ein Erfinder in unserer Gesellschaft

ein Aussenseiter?

Ja, dieses Gefühl habe ich. Was ich nicht

sagen kann ist, ob man es bereits ist, oder

ob man es als Erfinder erst wird. Der Erfinder

wird als Bastler gesehen, bei dem

niemand so recht weiss, was er eigentlich

macht.

«Man wird täglich mit Dingen

konfrontiert, die einem

nicht passen. Bei denen man

das Gefühl hat, es besser

machen zu können.»

Man wird also gar nicht richtig ernst

genommen?

Nein. Dabei sind es die Erfinder, die u. a.

neue Arbeitsplätze schaffen und die

Menschheit weiterbringen.

Wenn es Ihnen aber gelungen wäre, ihr

Pulsmessgerät nicht nur zu erfinden,

sondern auch zu vermarkten, dann wäre

dies wohl anders.

Ja, dann wäre die Anerkennung heute

bestimmt eine andere.

Vielleicht waren Sie als Erfinder auch

am falschen Ort. Vielleicht hätten Sie

Ihre Erfindungen im Silicon Valley machen

sollen.

Leider war ich nie dort. Doch es muss das

genaue Gegenteil sein von dem, was wir

hier haben. Dort wird nicht gesagt, dies

oder jenes gehe nicht, das habe man immer

anders gemacht, oder

das brauche es nicht. Dort

haben wir ein positives Denken.

Etwas machen und

dann schauen, was daraus

werden kann. Dann verbessern

oder anders machen.

Ich habe gerade die Biographie

von Elon Musk gelesen,

der mit Tesla den Automarkt

aufmischt. Es ist der Wahnsinn,

was dieser Mann auf die Beine stellt.

Doch in der Schweiz würde er dies nicht

schaffen.

Elon Musk ist eben auch ein genialer

Selbstvermarkter.

Ja, das ist ein Marketingmann. Er hat

das Zahlungssystem Paypal erfunden

und programmiert. Danach hat er eigentlich

nicht mehr viel erfunden, aber

sich für seine Ideen die besten Leute eingekauft.

s’Positive 4 / 2018 9


TONI HUBER

Er hat also nicht im stillen Kämmerlein

seine Raketen selbst «gebastelt».

Nein, er liess sie bauen. Der Unternehmer

und Erfinder hat in den Vereinigten Staaten

einen andern Stellenwert. Wenn einer

pleite macht, ist er deswegen nicht sein

Leben lang gestraft. Dort sagt man, «der

weiss, wie es geht. Der hat Erfahrungen

gesammelt.»

Was für ein Typ muss man sein, den

Pfad des Normalen zu verlassen, und

– wie Sie – zum Beispiel Erfinder zu

werden?

Das ist schwer zu sagen. Es braucht einen

gewissen Freiheitsdrang, anders sein zu

wollen, das machen zu können, was man

will. Doch der Drang nach Freiheit wird

nicht in gewünschtem Masse erfüllt. Das

Sicherheitsdenken muss weit im Hintergrund,

die Bereitschaft zum Risiko hoch

sein. Es braucht auch etwas Abenteuerlust.

Dies war wohl das, was ich damals

suchte.

Sie hätten ja wirklich andere Möglichkeiten

gehabt. Als Sie den Pulsmesser

herausgaben, boomten sowohl die

Wirtschaft als auch der Arbeitsmarkt.

Ja, das stimmt. Damals konnten Sie von

einem Tag auf den andern die Stelle

wechseln...

«Als Erfinder braucht man

Freiheitsdrang und Abenteuerlust,

die Bereitschaft zum Risiko

muss hoch sein. Das Sicherheitsdenken

stand bei mir weit

im Hintergrund.»

... und eine Woche später schon die

erste Gehaltserhöhung verlangen...

Na ja, das ist vielleicht etwas übertrieben.

Aber Sie haben schon recht. Die Arbeitnehmer

waren damals sehr gefragt. Doch

ich hatte für mich immer das Gefühl, das

sei nicht das Richtige.

Wenn Sie zurückblicken, haben Sie das

Gefühl, das Richtige getan zu haben?

Gefunden zu haben, was Sie suchten?

Ja, ich bin mit meinem Leben zufrieden.

Ich habe gerne getan, was

ich getan habe. Ich bin ja

auch mit 75 Jahren, nach einer

zehnjährigen Pause, wieder

eingestiegen.

Sie arbeiten wieder als Erfinder?

Ja, ich habe eine Leichtbaugarage

entwickelt. Doch

eigentlich ist das keine Erfindung,

sondern eine Weiterentwicklung.

Neu daran ist,

dass man sie selbst aufstellen und auch

wieder abbauen kann. Es ist eine Art Baukastensystem,

steckbar, dessen Elemente

sich leicht transportieren lassen. In einem

halben Tag ist die Garage aufgebaut.

Sind weitere Entwicklungen geplant?

Die gleiche Firma, die jetzt die Garage

vermarktet, bat mich, weiterhin für sie

tätig zu sein. Ich arbeite nun also im Teilzeitpensum

weiter. Seit ich 78-jährig bin,

habe ich erstmals in meiner Selbtstständigkeit

ein geregeltes Einkommen. Derzeit

arbeite ich an einem neuen Deckenverschalungssystem.

Wie fühlt sich das an?

Sehr gut. Vorher wusste ich am Morgen

nie, was ich am Abend haben werde. Das

ist heute anders. Doch eigentlich war es

gar nicht mehr nötig. Ich mache es, weil

der Drang nach der Verwirklichung von

Ideen wieder in mir aufgetaucht ist. Wie

ich Ihnen sagte: Ich habe immer gerne

getan, was ich getan habe.

Aber eigentlich kommen Sie gar nicht

aus der Branche. Wie kam Ihr Auftraggeber

dazu, ausgerechnet einen Branchenfremden

mit der Entwicklung

eines Verschalungssystems zu betrauen?

Bei einem Quereinsteiger besteht weniger

die Gefahr, dass er in ausgetretenen

Pfaden denkt. Mein Auftraggeber wollte

bewusst nicht jemanden aus der Branche

oder gar aus seiner Firma, sondern

jemanden, der von aussen kommt. Sehen

Sie, Elon Musk kommt auch nicht aus

der Autobranche, hat jetzt aber die ganze

Branche mit seinen Teslas aufgemischt

und durcheinandergebracht.

Ohne Musk hätte die Autobranche die

ausgetretenen Pfade kaum bereits verlassen.

Es gibt noch viele weitere Beispiele.

Auch wir werden mit dem

10 s’Positive 4 / 2018


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Toni Huber.

neuen Verschalungssystem einiges auf

den Kopf stellen.

Sie sprechen Ihre zehnjährige Pause

an, die Sie nach Ihrer Pensionierung

einlegten. In dieser Zeit stiegen Sie in

die Kunst ein. Wie kam es dazu?

Ich wollte einmal etwas anderes machen.

Ich konnte immer schon gut zeichnen.

Doch einfach zu malen, befriedigte mich

nicht. Ich suchte also eine neue Art der

Darstellung. Eine Art Kunsthandwerk. Ich

verarbeite Karton so, dass man meint, es

sei Metall. Dies war für mich ein neuer

Weg, etwas darzustellen. Ein Bild ist ja

auch eine Erfindung. Es war schliesslich

auch diese künstlerische Kartonverarbeitung,

die mich auf die Idee mit der Garage

brachte.

Sie sind mit Ihren 79 Jahren immer

noch mit Leidenschaft bei der Arbeit.

Andererseits gibt es Menschen, die mit

fünfundvierzig schon keine Perspektive

mehr sehen. Was sagen Sie diesen

Leuten?

Dies stelle ich immer wieder fest. Doch

ich frage mich, weshalb das so ist. Von

dem Zeitpunkt an, an dem man solchen

Gedanken Einlass gewährt, ist doch der

Abstieg vorprogrammiert. Viel besser ist

es, aktiv zu bleiben. So lange die Gesundheit

mitmacht, hat man immer eine

Chance. Sich zu sagen, etwas habe keinen

Wert mehr, hat doch damit zu tun, dass

man selbst diesem Etwas keinen Wert

mehr beimisst. Ich hätte mit 75 Jahren

auch sagen können, dies habe doch keinen

Wert mehr. Doch letztendlich entscheide

doch ich, ob es noch einen Wert

hat.

Finden Sie trotzdem Zeit, Ihr Leben

auch zu geniessen?

«Indem ich tue, was ich tue,

geniesse ich mein Leben. Die

Alternative wäre, vor dem Fernseher

zu sitzen oder ein Bier

zu trinken. Ob man dabei viel

mehr vom Leben hat?»

Natürlich! Indem ich tue, was ich tue, geniesse

ich mein Leben. Die Alternative

wäre, vor den Fernseher zu sitzen oder

irgendwo ein Bier zu trinken. Ob man dabei

viel mehr vom Leben hat, bezweifle

ich.

Wie läuft Ihr Tag ab?

Ich bin kein Morgenmensch. Ich nehme

mir die Freiheit, am Morgen nicht viel zu

arbeiten. Wenn es Tag wird, stehe ich auf

und setze mich in ein Kaffee, um die Zeitung

zu lesen. Danach erledige ich meine

Einkäufe. Am Nachmittag arbeite ich bis

ungefähr 17.30 Uhr. Danach gehe ich joggen.

Sie sehen also, ich habe jede Menge

Freizeit.

Sie sind verheiratet und haben Kinder.

Ja, ich bin seit über 50 Jahren verheiratet,

was ich vor allem meiner Frau zu verdanken

habe. Sie hat mir immer den Rücken

freigehalten und ist auch in

schwierigen Zeiten zu mir

gestanden. Gemeinsam haben

wir zwei Söhne. Beide

sind schlauer als ich. Einer

ist Doktor der Astrophysik,

der andere hat an der HSG

(Business Networking Architekturen)

ebenfalls doktoriert.

Zudem habe ich drei

Enkelkinder, mit denen ich

mich gerne beschäftige.

Was sagen die Enkel zu ihrem Erfinder-

Grossvater?

Sie wollen auch Erfinder werden. Alle sind

sie gerne in meinem Atelier und finden, es

sei eigentlich ganz gemütlich, Erfinder zu

sein. Ich kompensiere derzeit mit meinen

Enkeln das, was ich mit meinen Kindern

zu selten hatte. Ich musste damals wirklich

schauen, dass täglich etwas zu essen auf

dem Tisch war. Dabei kam die gemeinsame

Zeit etwas zu kurz.

12 s’Positive 4 / 2018


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UND HEIZUNGEN?

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WUSSTEN SIE SCHON

KEIN SCHWEIZER BETEILIGT:

So wurde das Wattestäbchen erfunden

Aufgepasst: Wir wollen damit keinesfalls

alte Geschlechterrollen neu aufleben lassen.

Die Zeiten, in denen Männer ihren

Frauen beim Putzen zuschauten, sind

glücklicherweise längst vorbei. Doch genau

dies tat der US-Amerikaner (und gebürtige

Pole) Leo Gerstenzang im Jahr

1923. Er schaute seiner Frau beim Putzen

zu und sah, wie sie geduldig Zahnstocher

mit Watte umwickelte, um damit auch

schwer zugängliche Ritzen zu reinigen.

Dies bringt den Unternehmer und begeisterten

Tüftler auf die Idee, fertige Wattestäbchen

speziell für die Pflege von Ohren

und Nasenlöchern zu produzieren. Unter

dem Namen «Baby Gays» bringt er sie

1926 auf den Markt. 1928 bekommen die

praktischen kleinen Dinger, damals noch

aus Holz, den neuen Namen «Q-tips Baby

Gays», wobei das Q für Qualität steht.

1950 eröffnet sich für die ohnehin schon

sehr erfolgreichen Stäbchen eine weitere

Anwendungsmöglichkeit: In seinem Buch

«Lektionen der Lieblichkeit mit Q-tips» beschreibt

der berühmte Hollywood-Visagist

Ern Westmore die praktische Anwendbarkeit

der Stäbchen beim Auftragen von

Make-up. Auch in der Medizin, in der Forschung

und als DNA-Träger für polizeiliche

Ermittlungen sind die Stäbchen unverzichtbar.

Da ist es auch zu verschmerzen,

dass heute von deren Verwendung für die

Pflege der Ohren abgeraten wird.

1

WUSSTEN

SIE SCHON?

14 s’Positive 4 / 2018


STUDIE BEWEIST:

Pflanzen sind lernfähig

Der Klimawandel befördert unwirtliches

Wetter wie extreme Trockenheit. Dies

stresst die Pflanzenwelt und kann deshalb

auch uns Menschen nicht egal sein.

Denn alarmierende Ernteausfälle sind die

Folge. An der Uni Bayreuth stellte man

sich deshalb die Frage: «Kann man Pflanzen

das Wassersparen beibringen? Und

wenn ja, wie?»

Die Ergebnisse der Langzeitstudie liegen

vor. Die Experimente zogen sich über

sechs Jahre hin. Untersucht wurde, wie

Heide- und Grünlandgewächse nach

langfristig unterschiedlicher Wasserversorgung

auf einen plötzlichen Dürre-

Einbruch reagieren. Das Ergebnis kann

man mit dem Satz zusammenfassen, dass

abhärtet, was nicht tötet. Jene Pflanzen,

die immer schön gewässert wurden, traf

die Trockenperiode wie ein herber

Schlag. Ungleich widerstandsfähiger

präsentierte sich das weniger wasserverwöhnte

Grünzeug. Die Bayreuther Biologen

fanden aber auch heraus, dass wohl

auch die vegetabile Nachbarschaft eine

2

Rolle spielt. So müssen etwa Heidelbeeren

offenbar unter sich sein, um aus dem

Wassermangel die Lehren zu ziehen.

Wächst nebenan die Besenheide, dann

werden die Beeren von plötzlicher Dürre

auch dann kalt erwischt, wenn ihnen zuvor

schon zur Abhärtung das Wasser abgedreht

wurde.

DAS ANGENEHMSTE GEFÄNGNIS DER WELT:

Ein Zukunftsmodell?

FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM/ANNYSTUDIO/ARIA DRYFHOUT/WIKIPEDIA.ORG/GRIM23

«Wer will jemand zum Nachbarn haben,

der jahrelang in Einzelhaft gesessen hat

und nun voller Hass auf die Gesellschaft

ist?» Der dies fragt, ist Arne Kvernvik-Nielen,

seines Zeichens Leiter des angenehmsten

Gefängnisses der Welt. 115 Schwerverbrecher,

Mörder, Vergewaltiger, Drogendealer

«residieren» auf der Gefängnisinsel

im südnorwegischen Olsofjord, einem

Eiland, wo man prima auch ein paar

ruhige Urlaubstage verbringen könnte.

Feld und Wald, eine kleine Kirche und 20

Häuschen – Bastøy ist ständig ausgebucht.

Es geht hier auch vergleichsweise idyllisch

zu. Die Haftanstalt steht für mustergültigen,

liberalen Strafvollzug. Vergitterte

3

Zellentrakte und Kasernenton gibt es hier

nicht. Dafür aber freundliche WG-Zimmer

hinter unverriegelten Türen sowie sehr

viel Eigenverantwortung. Die eigentliche

«Strafe» besteht darin, dass sich die Häftlinge

selber versorgen müssen. Sie halten

Haus und Garten in Schuss, bauen Bio-

Gemüse an, kümmern sich um die Tiere

und betreiben die Fähre zum vier Kilometer

entfernten Festland. Anders als im geschlossenen

Vollzug wird den Häftlingen

auf Bastøy das Leben nicht praktisch aus

der Hand genommen. Die Gefangenen sollen

lernen, die Verantwortung für das

eigene Leben und Handeln zu übernehmen.

Denn irgendwann ist er da, der Tag

der Entlassung.

Die Rückfallquote bestätigt das «Minimum-Security»

-Prinzip. Sie liegt bei

rund 16 Prozent. Normal ist das Doppelte

bis Dreifache. Obendrein ist die freundliche

Knastinsel auch noch billiger. Nachts

reichen gerade mal fünf Bewacher. Diese

sind nicht einmal bewaffnet.

s’Positive 4 / 2018 15


BAUERN IM OBERAARGAU

Bauern auf dem

Gang zur Urne.

Wie die Bauern lernten,

Formulare auszufüllen

Die Geschichte der Landwirtschaft im Oberaargau ist seit

mehr als tausend Jahren geprägt von der Auseinandersetzung

mit der Obrigkeit, durch das Streben nach Freiheit.

TEXT: KLAUS ZAUGG

Frei waren die Bauern wahrscheinliche nur in

der Zeit vor Christi Geburt. Der Oberaargau ist

ja uraltes Bauernland. Die ersten, die das Land

bebauten, waren die Pfahlbauer (3000 bis

1800 v. Chr.), die am Aeschi- und Inkwilersee, aber

auch auf trockenem Land ihre Spuren hinterlassen

haben. So wurde unter anderem in Langenthal an der

St.-Urban-Strasse eine «Pfahlbauermühle» gefunden,

in der Getreidekörner zerrieben wurden. Wo Getreide

gerieben wird, muss es auch gepflanzt worden sein.

Wir wissen heute, dass damals bereits Zwergweizen,

Einkorn, Emmer, sechszeilige und zweizeilige

Gerste, Hirse, Erbsen, Linsen, Flachs als Kulturpflanzen

gesät und geerntet worden sind und dass Schweine,

Ziegen, Schafe und Rinder Haustiere waren. In

der folgenden Bronze- und Eisenzeit (1800 bis 58 v.

Chr.) konnte erstmals der Pflug und der rotierende

Mahlstein zum Mahlen des Getreides nachgewiesen

werden. Das Huhn und das Pferd kamen als neue

Haustiere dazu.

In diesen fernen Zeiten waren die Bauern mit

grösster Wahrscheinlichkeit frei. Die staatlichen

Strukturen waren noch nicht so weit entwickelt, dass

Steuern erhoben oder Vorschriften und Gesetze er-

16 s’Positive 4 / 2018


Das Wetter setzten den Bauern schon immer

zu: Durch Hagel schlag zerstörte Felder.

lassen und durchgesetzt werden konnten. Was Recht

und Brauch war, wurde im Dorf, im Familienclan, in

der Sippe entschieden. Subventionen gab es natürlich

auch noch nicht.

MODERNE LANDWIRTSCHAFT MIT DEN RÖMERN

Unter den Römern (58 v. Chr. bis ca. 400) kam der

erste grosse Entwicklungsschub. Sie bescherten der

Landwirtschaft im Oberaargau eine erste Blütezeit.

Sie gründeten unter anderem in Aeschi, Attiswil, Heimenhausen,

Herzogenbuchsee, Langenthal (Waldhof),

Leimiswil, Niederbipp, Roggwil, Steinhof, Wangen

a. A., Wangenried und Wiedlisbach Gutshöfe, die

für die damalige Zeit hochmodern waren. Die Römer

verbesserten die Viehzucht durch das Einführen leistungsfähigerer

Rassen. Auch Obst- und Ackerbau

(besonders Getreide) wurden stark gefördert, um die

Ernährung der im Land stehenden römischen Krieger

(Legionäre) sicherzustellen. Aber mit der Freiheit

war es spätestens jetzt vorbei. Die Römer waren die

Herren der damals bekannten Welt und die Einheimischen

arbeiteten für sie. Ob die Oberaargauerinnen

und Oberaargauer für die Arbeit auf den Höfen

bezahlt wurden oder ob sie Sklavenarbeit zu verrichten

hatten und welche Freiheiten gewährt wurden,

lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei erforschen.

Mit dem Eindringen der Alemannen und dem Auszug

der Römer (ca. 400 bis 800), war es mit dieser

landwirtschaftlichen Blütezeit vorerst zu Ende. Der

grösste Teil der «römischen Fortschritte» ging wieder

verloren. Gutsbetriebe entstanden nun unter anderen

Voraussetzungen: Durch die alemannischen Herren,

die «zu ihrem Seelenheil» (also um in den Himmel

zu kommen) den Kirchen und Klöstern unter

anderem in Rohrbach, Sossau, Auswil, Madiswil,

Kleindietwil, Leimiswil, Oeschenbach und Langenthal

Land und Höfe schenkten.

Aber freie Bauern gab es nicht. Die neuen Herren

waren wahrscheinlich sogar noch strenger als die

Römer. Denn sie gründeten ihre Macht nicht mehr

auf militärische Präsenz. Sondern auf die Religion

und dürften, soweit als möglich, auch nach sozialer

Kontrolle im Alltag gestrebt haben. Es waren in erster

Linie Mönche, die unsere Landwirtschaft förderten.

Das Cisterzienser-Kloster St. Urban, 1142 von den

Adeligen des Oberaargaus gegründet und reich mit

Ländereien beschenkt, wurde zum «Hotspot» des

Agrar-Business.

Die Selbstbewirtschaftung entsprach der ursprünglichen

Geschäftspolitik der Cisterzienser-

«MIt dem Eindringen der Alemannen

und dem Auszug der Römer war es mit

der Blütezeit erstmal vorbei»

s’Positive 4 / 2018 17


BAUERN IM OBERAARGAU

1815 entstand die

erste Talkäserei der Region.

Im Bild: Käseprodukte werden

auf die Bahn verladen.

mönche. In Roggwil, Sängi, Habkerig, Engelsbühl

(an der Strasse von Obersteckholz nach Melchnau

vor dem Rotwald) und in Schoren bei Langenthal

entstanden unter ihrer Aufsicht grosse Höfe. Später

fanden die Mönche heraus, dass es eigentlich angenehmer

war, von ihren Gütern nur Zinse zu nehmen,

und sie verzichteten auf die Selbstbewirtschaftung.

Die Zinslast war für die Bauern aber gross und sie

konnten nicht frei über das Land verfügen. Formulare

mussten damals – anders als heute – zwar noch

keine ausgefüllt werden – aber die wirtschaftliche

Abhängigkeit von den hohen Herren in den Klöstern

war gross, freie Bauern gab es nicht – und die Landwirtschaft

war eine mühselige Sache.

BERN KAUFT DEN OBERAARGAU

Geprägt war die Landwirtschaft europaweit durch die

Dreifelderwirtschaft. Diese Anbauform sollte über

Jahrhunderte erhalten bleiben. Die gesamte Anbaufläche

wurde in drei Teile geteilt. Jeder dieser Teile

lag ein Jahr brach. Es war für die Landwirtschaft im

Oberaargau ein grosser Fortschritt, als die Mönche

von St. Urban den Wässermattenbetrieb «erfanden»,

indem sie um 1240 den Kanal von der Mühle Langenthal

bis in die Rot und das Wässergrabensystem bauten,

um die grosse Ebene zwischen Langenthal und

Roggwil bewässern zu können.

1406 ist ein wichtiges Jahr. Ja, dieses Jahr markiert

den Beginn der Zeiten, wie wir sie heute kennen:

Der Staat im heutigen Sinne tritt auf den Plan und

wird fortan das Leben der Bauern bestimmen. Mal

«Ab 1406 bestimmt der Staat

das Leben der Bauern –

mal fordernd, mal fördernd»

streng, mal grosszügig, mal fördernd, mal fordernd.

Denn der Staat, die Obrigkeit, die ihr Machtzentrum

in der Stadt hat, kann ohne leistungsfähige Landwirtschaft

nicht sein. Damals nicht, heute nicht. Also versuchen

die Mächtigen einerseits der Landwirtschaft

zu helfen, achten aber andererseits eifersüchtig darauf,

dass draussen auf dem Land die Untertanen folgsam

bleiben und nicht zu viel Freiheitsdrang und

Selbständigkeit entwickeln.

Anno 1406 kauft die Stadt Bern, die sich zu einem

der mächtigsten Stadtstaaten Europas entwickeln

wird, die Ländereien, die etwa dem heutigen

Oberaargau entsprechen. Nun werden den Bauern

im Laufe der nächsten hundert Jahre gewisse Freiheiten

gewährt. Die hohen Herren haben ein vitales

Interesse an freien Männern, die sie zum Kriegsdienst

aufbieten können. Es gibt viele Schlachten

unter dem Banner des Bären zu schlagen. Unter anderem

bei Grandson und Murten (1476) sowie bei

Nancy (1477) zerstören die Eidgenossen unter der

Führung der Berner das Reich der Burgunder. Wackere

Bauern aus dem Oberaargau kämpfen an vorderster

Front mit.

18 s’Positive 4 / 2018


Die Knechte assen

gemeinsam mit der

Bauernfamilie.

Bis ums Jahr 1500 sind aus den Leibeigenen und

Hörigen im Oberaargau so nach und nach Erblehnbauern

geworden. Sie werden also Besitzer des Bodens,

können ihn verkaufen und kaufen. So entstehen

grössere Bauerngüter und die ersten richtigen

Bauernhäuser. Nun können die Bauern im Oberaargau

einen lebensfähigen, selbständigen landwirtschaftlichen

Betrieb organisieren und persönliche

Initiative entwickeln. Sie kommen zu Geld und vermehrter

sozialer Geltung. In dieser Epoche zwischen

1400 und 1500 werden die Grundlagen für

die spätere Entwicklung der Landwirtschaft im

Oberaargau gelegt.

DER KRIEG BRINGT WOHLSTAND

Ganz frei sind die Bauern allerdings auch jetzt nicht.

Sie haben dem Staat den Bodenzins zu bezahlen und

den Zehnten abzuliefern – es ist das, was wir heute

unter Steuern verstehen. Und der Staat strebt nach

Kontrolle der Geschäftstätigkeit der Bauern, so wie

er das heute immer noch tut. Beispielsweise ist es den

Bauern nicht erlaubt, nach freiem Ermessen Vieh zu

kaufen und zu verkaufen. Die Obrigkeit versucht, die

landwirtschaftliche Geschäftstätigkeit zu kontrollieren,

indem beispielsweise nur erlaubt wird, Vieh an

bestimmten Orten und Tagen zu handeln. Es gibt

eine Preiskontrolle für Vieh und Getreide. Aber die

persönliche Freiheit der Bauern ist so gross wie noch

nie und freies Verfügungsrecht über den Boden

(noch mit Ausnahme des Flurzwanges) führen zu

einem regelrechten Boom.

Der Dreissigjährige Krieg (1618 bis 1648) – primär

ein Religionskrieg – beschert der Landwirtschaft im

Oberaargau goldene Jahre. Wer jetzt tüchtig und

klug ist, wird reich, ja mächtig und zum ersten Mal

gewinnen die Bauern politischen Einfluss.

AUFSTAND DER UNZUFRIEDENEN

Die Heere der protestantischen und katholischen

Kriegführenden können sich während des Dreissigjährigen

Krieges aus dem verwüsteten Deutschland

nicht mehr ernähren. Ihre Händler kaufen in der vom

Krieg verschonten Schweiz alles Brauchbare zu hohen

Preisen zusammen. Der Oberaargau ist eines

ihrer bevorzugten Gebiete: verkehrstechnisch günstig

gelegen und fruchtbar. Die Preise für landwirtschaftliche

Produkte verdoppelten sich. Weil die

Berner Regierung das «Reislaufen» (also Kriegsdienste

in fremden Heeren) stark einschränkt, haben

die Bauern genügend und billige Arbeitskräfte. Sie

können deshalb die Produktion hochfahren. Das Getreide

wird nicht mehr zu festgesetzten Preisen in die

obrigkeitlichen Kornhäuser, sondern zu Marktpreisen

nach Deutschland verkauft. Mit ziemlicher Sicherheit

ist es den Bauern wirtschaftlich im Oberaargau

nie so gut gegangen wie in den Jahren des Dreissigjährigen

Krieges.

Nach dem Frieden von 1648 kommt ein schwerer

Rückschlag. Die Preise zerfallen, die Einnahmen gehen

zurück und gleichzeitig braucht der Staat mehr

Geld, erhöht die Abgaben und «halbiert» mit einer

Währungsreform praktisch den Wert des Geldes. Die

Unzufriedenheit wächst. Aber anders als in den alten

Zeiten lassen sich die Bauern die Massnahmen der

Obrigkeit nicht mehr gefallen. Sie sind zu selbstbewusst

geworden.

Darin liegen die Wurzeln des Bauernkrieges von

1653, den die bernische und luzernische Obrigkeit

gewinnt. Es ist kein Zufall, dass die Bauern aus dem

Oberaargau im Bauernkrieg eine aktive und wichtige

Rolle spielen. Die gnädigen Herren von Bern sind

aber klug genug, nach ihrem blutig errungenen Sieg

die Schraube nicht zu sehr anzuziehen. Die Landwirtschaft

im Oberaargau stabilisiert sich, ohne allerdings

das Niveau der «goldenen Jahre» je wieder

zu erreichen.

ZUSATZINFOS

Bauern in der Weltliteratur

Albert Bitzius (1797 bis 1854)

hat unter dem Künstlernamen

Jeremias Gotthelf das Emmental

weltberühmt gemacht. Der

wortgewaltige Pfarrer, der die

meiste Zeit in Lützelflüh wirkte,

ist einer der Titanen der Weltliteratur.

Heute ist weitgehend

unbestritten, dass ihn die Bauern

im Oberaargau und nicht jene

im Emmental zu seinen Werken

inspiriert haben.

Er amtete von 1824 bis 1829 als

Vikar in Herzogenbuchsee. Dort

lernte er intensiv die bäuerliche

Welt des Oberaargaus kennen

und die Bauern aus dem

Oberaargau haben sein Denken

am stärksten geprägt. Die Vorbilder

für die grossen Figuren

seiner berühmtesten Werke –

unter anderem Ueli der Knecht

und Ueli der Pächter – hat er im

Oberaargau kennengelernt.

s’Positive 4 / 2018 19


BAUERN IM OBERAARGAU

Der nächste grosse Schritt ist 1750 die Aufhebung

des sog. Flurzwanges. Tausendjährige Fesseln werden

abgeworfen – und nicht zufälligerweise in dieser

Zeit: Europa befindet sich im Umbruch, die Französische

Revolution zieht herauf.

Der Flurzwang verpflichtete die Bauern, sich in

einer sog. Dreifelderwirtschaft an die abgesprochene

Fruchtfolge und die zeitlich abgesprochene Arbeit zu

halten, wie das Pflügen, das Säen und das Ernten.

Dieser Ordnung konnte sich niemand widersetzen.

Sie schränkte die Produktivität stark ein.

DIE AUFHEBUNG DES FLURZWANGS

Aber Bevölkerung des Kantons Bern wächst so schnell,

dass sie mit der bisherigen Produktionsweise nicht

mehr ernährt werden kann. In Langenthal verdoppelt

sich beispielsweise die Einwohnerzahl zwischen 1750

und 1850. Es müssen also mehr Lebensmittel produziert

werden. Zudem haben die Reichen und Mächtigen

des Staates Bern viel Geld in der Landwirtschaft,

in Güter, Alpbetriebe und Bauernhöfe angelegt und

damit ein grosses Interesse an einem leistungsfähigen

Agrarsektor (die Burgergemeinde Bern ist heute noch

Besitzerin grosser Gutsbetriebe rund um Bern).

Auch diesem Zusammenhang ist die Gründung

der heute noch existierenden «Ökonomischen Ge-

meinnützigen Gesellschaft Bern (OGG)» im Jahre

1759 zu sehen. Sie hat ihren Sitz in Bern und fördert

die Entwicklung im ländlichen Raum und damit

auch im Oberaargau. Unter anderem gibt sie die

neusten Erkenntnisse der Landwirtschaft an die

Bauern weiter. Sie kümmert sich auch um die Förderung

von Kultur und Bildung der Landbevölkerung

und insbesondere um die Aus- und Weiterbildung

der Bauern. Mit Grossrat Jakob Käser aus

Melchnau (1806 bis 1876) spielte auch ein Oberaargauer

in dieser Organisation eine wichtige Rolle.

Noch hat der Staat nicht die gleichen administrativen

Kontrollinstanzen wie heute und vor allem

auch nicht die finanziellen Mittel, um so aktiv in die

Landwirtschaftspolitik eingreifen und Massnahmen

durchsetzen zu können. Subventionen im heutigen

Sinne sind undenkbar. Weil nicht finanzierbar. Die

obrigkeitlichen Aktivitäten sind oft mehr Ratschläge

als Gesetz.

Vor allem aber handeln die Oberaargauer Bauern

selbständig: Sie heben kurzerhand den Flurzwang

selber auf und passen sich dem Markt an. Sie sind

nicht nur die ersten in der Schweiz, die diesen eigentlich

ungeheuerlichen Schritt wagen, der einer «Französischen

Revolution der Landwirtschaft» gleichkommt.

Sie sind die ersten in Europa.

ZUSATZINFOS

Oberaargauer

Bauernvertreter

Oberaargauer haben bei

der Politisierung unserer

Bauern eine zentrale Rolle

gespielt. Beispielsweise

Fritz Zaugg und Gottlieb

Geissbühler. Der in Wyssachen

heimatberechtigte

Roggwiler Fritz Zaugg (1885

1956) war ein charismatischer

Funktionär im Schweizerischen

Bauernverband

und Politiker (BGB). Weil der

Sitz der Organisation in

Brugg war, verlegte er seinen

Lebensmittelpunkt ins

aargauische hinunter. 1919

kam er als BGB-Vertreter in

den Grossen Rat des Kantons

Aargau und 1929 in

den Regierungsrat, dem er

bis 1952 angehörte.

Seine Jugend verbrachte

Fritz Zaugg in Roggwil. Von

1902 bis 1904 besuchte er

die Sommerkurse der Landwirtschaftsschule

Rütti in

Zollikofen und verbrachte

eine Lehr- und Wanderzeit

in der Ostschweiz. Der berühmte

Agronom Ernst Laur,

Direktor des Bauernverbandes,

wurde auf ihn aufmerksam

und holte ihn 1905 ins

Bauernsekretariat nach

Brugg. Fünf Jahre später

übernahm Fritz Zaugg die

Leitung der Abteilung für

Rentabilitätserhebungen –

er wurde sozusagen Finanzminister

des Bauernverbandes

und galt bald als Experte

für landwirtschaftliche

Buchhaltungsfragen.

Auch in der Neuzeit hat der

Oberaargau einen einflussreichen,

charismatischen

Bauernpolitiker hervorgebracht:

Gottlieb Geissbühler

(1925–2002) aus Madiswil,

aufgewachsen zuhinterst im

Wyssachengraben auf der

Geissbühler Alp. Er sass von

1979 bis 1987 für die SVP

im Nationalrat und er ist

der Mann, der die Karriere

von Bundesrat Adolf Ogi

lancierte. Es war seine Idee,

Adolf Ogi 1979 zum Einstieg

in die Politik zu überreden.

Er brachte ihn als

SVP-Kantonalpräsident dazu,

für den Nationalrat zu

kandidieren. Und er zog im

Parlament die Fäden, die

Der brühmte

Agronom Ernst

Laur mit seiner

Frau Sophie.

Adolf Ogi schliesslich in den

Bundesrat gebracht haben.

Zeit für die Politik konnte

er sich nehmen: Er bewirtschaftete

mit seiner Familie

den Gutsbetrieb der Unternehmerfamilie

Ammann in

Madiswil.

20 s’Positive 4 / 2018


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BAUERN IM OBERAARGAU

Bäuerliche Weiterbildung: Pferdebeurteilung

in der landwirtschaftlichen Winterschule.

Nun geht der Getreidebau zurück, Viehhaltung, Milch

und Milchprodukte (mit der Entstehung der ersten

Talkäsereien ab 1815) gewinnen an Bedeutung. Die

Obrigkeit erkennt den Wert eines gesunden und leistungsfähigen

Bauernstandes. Die Vennerkammer (sie

entspricht ungefähr der heutigen Finanzdirektion)

beginnt, sich intensiver mit der Landwirtschaft zu

befassen und kommt zum Schluss, dass ein Betrieb

mindestens sechs Jucharten umfassen muss, um eine

Familie zu ernähren. 1764 wird eine Landesökonomie-Kommission

geschaffen. Diese befasst sich unter

anderen mit der Förderung der Tierhaltung und erkennt,

dass im Oberaargau zu viele geringwertige

«Baslerkühe» (aus dem Elsass und dem Schwarzwald)

gehalten werden. Sie empfiehlt bessere Zuchtstiere

zu halten. 1780 wird die erste Viehversicherungskasse

gegründet und ab 1784 jährlich eine

Viehzählung durchgeführt.

Dann kommt noch eine Pferdezuchtkommission

dazu. Auf ihr Anraten hin werden Hengste aus

Deutschland, Dänemark und England eingeführt und

auf die Landesteile verteilt. Stuten dürfen nur von

diesen Hengsten gedeckt werden. Ab 1765 werden

Hengste, später auch Stuten und Fohlen, prämiert.

Der Sanitätsrat, etwa vergleichbar mit der heutigen

Sanitätsdirektion, befasst sich mit den Tierseuchen,

«In den 1700er-Jahre entwickeln die

Oberaargauer Bauern Eigeninitiative wie

in keiner anderen Gegend der Schweiz»

und es gelingt ihm oft, durch Absperrmassnahmen

das Bernbiet seuchenfrei zu halten, auch wenn ringsum

Viehseuchen auftreten.

POLITISCH MÜNDIG – ABER NICHT ORGANISIERT

Die zweite Hälfte der 1700er bringt der Landwirtschaft

im Oberaargau eine neue Blütezeit und viele

schöne, währschafte Bauernhäuser sind in dieser

Zeit gebaut worden. Wie in keiner anderen Gegend

der Schweiz entwickeln die Bauern im Oberaargau

Eigeninitiative, und weil die Obrigkeit andere Probleme

zu lösen hat, gewährt sie dem Landvolk grosse

Handlungsfreiheit. So um die Mitte der 1800er Jahre

sind die Bauern im Oberaargau recht hablich (wohlhabend)

und politisch mündig geworden. Aber noch

sind sie politisch nicht organisiert.

Während sich die Arbeiter in der jetzt heraufziehenden

Industrialisierung politisch organisieren und

mit Karl Marx gar einen Philosophen finden, der eine

Ideologie entwickelt, welche die Welt erschüttern

wird (den Kommunismus), haben die Bauern keinen

Karl Marx. 1897 wird zwar der Schweizerische Bauernverband

gegründet, klugerweise mit Sitz in Bern,

also im politischen Machtzentrum der Schweiz und

des Kantons Bern. Bereits drei Jahre später wird das

Büro nach Brugg verlegt. Weil die Frau des damaligen

Verbandsdirektors Professor Ernst Laur von dort

stammte und unter keinen Umständen nach Bern

zügeln will. Der später weltberühmte Agronom kann

sich zu Hause nicht durchsetzen, die Frau hat, wie

man damals sagt, die «Hosen» an. Frauenpower mehr

als ein halbes Jahrhundert vor der Einführung des

Stimm- und Wahlrechts der Frauen. Und so ist Brugg

bis heute der Hauptsitz des Bauernverbandes.

22 s’Positive 4 / 2018


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BAUERN IM OBERAARGAU

«Der Mann, dem die Bauern die Eroberung

der Politik verdanken, heisst Rudolf Minger,

eine charismatische Persönlichkeit»

Die Industrialisierung beschert den Bauern eine neue

Krise und bringt die Probleme, mit der die Landwirtschaft

bis heute weltweit konfrontiert ist und die sie

ohne Hilfe des Staates nicht mehr lösen kann. Der Bau

der Eisenbahn führte in der zweiten Hälfte der 1880er

Jahre zu einer ersten Globalisierung. Getreide- und

Fleisch importe aus Gebieten mit niedrigeren Produktionskosten

wurden möglich und drückten die Preise

der einheimischen Erzeugnisse. Für die meisten Bauern

wird auch im Oberaargau die Ertragslage schlechter,

und ihr Anteil an der Bevölkerung geht zurück.

Die Industrie braucht Arbeitskräfte.

Aber der Bauernverband mischt sich nicht in die

Politik ein, ja es scheint, als gezieme es sich für einen

echten Bauern nicht, sich in die Niederungen der

Politik zu begeben. Die bäuerlichen Organisationen

kümmern sich lange Zeit auch im Oberaargau nicht

um die Politik und konzentrieren sich vor allem auf

fachliche Bildung und Beratung. Bewusst verzichten

sie darauf, als politische Partei oder als Verband im

modernen Sinne zu wirken und die wirtschaftlichen

Interessen der Bauern wahrzunehmen.

Erst eine weitere Zuspitzung der Krise während

des ersten Weltkrieges und Konflikte mit den Konsumenten

führen zu einem radikalen Umdenken und

einem Marsch durch die politischen Institutionen,

der noch viel eindrücklicher ist als jener der Industriearbeiter

mit der sozialdemokratischen Partei. In

der ersten Hälfte der 1900er Jahre entdecken und

erobern die Bauern endlich die Politik.

Viele währschafte

Bauernhöfe entstanden

im 18. Jahrhundert.

Der Mann, dem die Bauern die Eroberung der Politik

verdanken, heisst Rudolf Minger (1881 bis 1955).

Was Karl Marx den Proletariern, das ist Rudolf Minger

den Bauern: eine charismatische Persönlichkeit,

die sie politisiert. Und anders als Karl Marx ist er

nicht nur ein Theoretiker.

DIE GRÜNDUNG DER BGB

Der Bauer aus dem Seeland steht 1918 hinter der

Gründung der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei

(BGB), der heutigen SVP. Gut zehn Jahre nach der

Parteigründung sitzt Rudolf Minger 1929 bereits im

Bundesrat (wo er bis 1940 bleibt). Damit haben die

Bauern lange vor den Industriearbeitern die Macht

erobert: Erst 1943 kommt mit Ernst Nobs der erste

Sozialdemokrat in die Landesregierung. Rudolf

Minger ist einer der populärsten Bundesräte aller

Zeiten und ist neben General Guisan eine der Symbolfiguren

für die Unabhängigkeit und den Widerstandwillen

der Schweiz vor und während des

2. Weltkrieges.

Die Bauern bekommen in der ersten Hälfte der

1900er Jahre sogar eine staatstragende Rolle. Die

Politik ist während einer langen Zeit im Banne der

Auseinandersetzung mit den Industriearbeitern, und

die Loyalität der Bauern kommt etwa während des

Landesstreikes von 1918 zum Tragen: Wenn immer

möglich werden Soldaten mit bäuerlicher Herkunft

in den Städten zur Aufrechterhaltung von Ruhe und

der Ordnung eingesetzt. Die Obrigkeit fürchtet, Soldaten

aus dem Arbeitermilieu könnten sich mit den

Streikenden verbrüdern. Bis zum Ende des Kalten

Krieges (also bis zum «Untergang» des Kommunismus)

lebt diese Romantik der staatstreuen Bauern.

Sie ist und bleibt bis heute ein wichtiger psychologischer

Teil des politischen Erfolgs. Und zudem ist die

Landwirtschaft nicht nur während den Zeiten der

beiden Weltkriege für die Ernährungssicherheit von

grosser Bedeutung.

Die Bauern haben ihren grossen politischen Einfluss

ins 21. Jahrhundert hin übergerettet. Ja, waren

sie lange in der Politik untervertreten, so sind sie

heute, gemessen am Anteil der Wirtschaftsleistung,

eher übervertreten. Aber auch viel politischer Einfluss

bewahrt sie halt nicht davor, Formulare auszufüllen.

Der Staat, der gibt, kontrolliert eben auch.

Literatur

• «Kampf und Verantwortung» – die BGB 1918 –

1968 von Beat Junker und Rudolf Maurer.

• «Erinnerungen eines schweizerischen Bauernführers»

und «Der Schweizer Bauer, seine Heimat und

sein Werk» von Ernst Laur.

• Verschiedene Ausgaben des Jahrbuches für das

Oberaargau.

• «Schweizerische Landwirtschaft» und «Schweizer

Bauerntum» von Oskar Howald.

• «Berner Zeiten» – fünfbändiges Monumental-Standardwerk

über Berns Geschichte, herausgeben mit

der Unterstützung der Burgergemeinde sowie der

Stadt und des Kantons Bern.

24 s’Positive 4 / 2018


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26 s’Positive 4 / 2018


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BEGRIFF

HORNUSS

Was im Eishockey der Puck, ist im Hornussen

der Hornuss, auch Nouss genannt. Er wird

mit dem «Stecken» in einem Streich ins Ries

geschlagen, fliegt durch die Luft und wird mit

der «Schindel» abgetan. Ursprünglich wurde

der Nouss aus Holz oder Horn gefertigt, daher

kommt auch der Name. Sein Material und

Design wurden in der Geschichte verschiedentlich

verändert, hauptsächlich um darauf

hinzuwirken, dass er nicht zu weit fliegt.

Heute wird der «Hornuss 98» im Spritzguss

aus Kunststoff hergestellt und ist genormt.

Er hat ein Gewicht von exakt 78 Gramm,

erreicht Spitzen geschwindig keiten bis zu

306 km/h und fliegt bis zu 330 Meter weit.

Er kommt dabei auf Flughöhen von bis zu

70 Metern.

FOTO: ADOBE STOCK/BRUNOK1

s’Positive 4 / 2018 27


STEPHAN ANLIKER

Stephan Anliker,

Präsident des

SCL und von GC

Zürich.

28 s’Positive 4 / 2018


«MIT DEM

SCL IST ES

EINFACHER»

Stephan Anliker ist Präsident des NLA-Fussballklubs

GC aus Zürich sowie des SC Langenthal.

Obwohl beim Grasshopper Club derzeit in vielerlei

Hinsicht gerade die Post abgeht, interessiert

uns vor allem der SCL.

TEXT: KLAUS ZAUGG UND BRUNO WÜTHRICH

BILDER: MARCEL BIERI

Der Langenthaler Architekt Stephan

Anliker kann sich derzeit

über mangelnde Medienpräsenz

nicht beschweren. Vor allem die

Ereignisse in Zürich bei GC beschäftigen

die Allgemeinheit. Beinahe täglich gibt es

Neuigkeiten zu berichten. Wir sprechen

mit Stephan Anliker über seine Engagements

im Sport und erfahren so etwas

über die Unterschiede zwischen Zürich

und Langenthal.

s’Positive: Sie sind ab und zu in Amerika…

Stephan Anliker: …hin und wieder, ja.

Wo ist der Unterschied grösser: zwischen

New York und Zürich oder zwischen

Zürich und Langenthal?

Ganz eindeutig zwischen New York und

Zürich (schmunzelt).

Sind Sie sicher?

Ja. Die grösste Differenz zwischen hier

und Zürich: In Zürich hat es einen See.

s’Positive 4 / 2018 29


STEPHAN ANLIKER

Dafür ist die Führung des SC Langenthal

etwas ganz anderes als die Präsidentschaft

bei GC?

Fussball und Eishockey sind nicht vergleichbar.

Weil Fussball viel stärker international

ausgerichtet ist. Beim SC Langenthal

und generell im Eishockey steht

der Präsident im Hintergrund und die

Manager in der Öffentlichkeit. Im Fussball

steht der Präsident, ob er will oder

nicht, stärker im Rampenlicht. Aber mein

Führungsstil ist bei GC nicht anders als

beim SC Langenthal.

Sie führen GC so wie den SCL?

Ich arbeite mit Menschen. Die menschliche

Natur ist in Zürich nicht grundsätzlich

anders als im Oberaargau.

Wie sieht ihr Führungsstil aus?

Loyalität, Vertrauen, Kontinuität und

Qualität sind mir sehr wichtig.

Wie viel Zeit beansprucht Ihr Engagement

im Sport?

Es entspricht etwa einer 50-Prozent-

Stelle.

Wie viele Stunden sind das?

21 Stunden pro Woche. Wir haben ein

Wochenpensum von 42 Stunden.

21 Stunden reichen, um den SC Langenthal

und GC zu führen?

Wenn wir auch die Zeit zählen, die ich am

Fussball- oder am Hockeymatch verbringe,

dann sind es deutlich mehr. Aber

Matchbesuche machen Spass, gehören zu

meiner Freizeit und die Familie ist meist

«Als Unternehmer habe ich eine Pflicht, etwas

für die Allgemeinheit zu tun. Dies ist mein

Empfinden und gibt auch innere Zufriedenheit.»

21 Stunden

Arbeit pro

Woche für die

Leitung der

Sportvereine

dabei. Ich habe mich nicht beim SCL und

bei GC engagiert, um mich abzumühen.

Ich sehe mit diesen Engagements die

Chancen, etwas bewegen zu können.

Aber natürlich gibt es schwierigere und

einfachere Zeiten.

Bei GC sind die Zeiten eher schwierig.

Warum tun Sie sich dieses Engagement

in Zürich an? Was bringt ein Engagement

im Sport?

Es gibt nicht primär einen kommerziellen

Nutzen. Was es bringt, lässt sich sowieso

nie klar in Zahlen ausweisen. Mein Engagement

für den Sport hat andere Gründe.

Als Unternehmer habe ich eine Pflicht,

auch etwas für die Allgemeinheit zu tun.

Dies ist mein Empfinden und gibt auch

innere Zufriedenheit.

Bei GC wird schon dafür gesorgt, dass

Sie nicht nur zufrieden sind…

…mit dem SCL ist es derzeit einfacher,

das ist richtig. Aber da bin ich ja auch

schon länger dabei und es gab auch schon

andere Zeiten. Dass es Ups & Downs gibt,

ist normal, und das braucht es auch.

Die Machtverhältnisse sind bei Langenthal

ja auch klarer als bei GC.

«Machtverhältnisse» ist kein schönes

Wort. Ich habe bei GC den grösseren Aktienanteil

als beim SC Langenthal.

Aber weniger Widerspruch. Ist es heute

fast zu ruhig beim SCL?

Ich habe lieber Ruhe als ein Gschtürm. Als

Einheit kommt man besser voran. Wir haben

beim SCL auch dank dieser Ruhe nun

den langersehnten Standortentscheid für

das neue Stadion bewirken können.

Sie werden von den Zürcher Medien im

Zusammenhang mit GC ab und an als

Teil des Problems und nicht der Lösung

bezeichnet. Und es gibt sehr oft einen

leicht ironischen Unterton. Werden Sie

von den Zürchern ernst genommen?

Die Frage lässt sich schon deshalb nicht

beantworten, weil wir erst «den Zürcher»

definieren müssten. In Sitzungen werde

ich in Zürich in allen möglichen Dialekten

angesprochen. Ich habe in Zürich viel mit

Nicht-Zürchern zu tun. Und wenn ich in

einem Problem stecke und es lösen muss,

dann bin ich halt logischerweise auch Teil

dieses Problems.

Wir meinen die «Hardcore-Zürcher» im

Umkreis von GC.

Aha, Sie meinen ob es auch in Zürich so

etwas wie einen «Basler Daig» gibt?

Ja.

Das gibt es sicher. Nur habe ich davon

nichts Negatives bemerkt. Alteingesessene

Familien, Cliquen, Netzwerke oder wie Sie

es nennen wollen, also einen «Daig», gibt

es sowieso überall. Auch in Langenthal.

30 s’Positive 4 / 2018


«Es wird

schwieriger,

etwas Grosses

zu realisieren.»

In Langenthal?

Ja, auch in Langenthal.

Und wie zeigt sich dieser «Daig»?

Es ist eine Frage der Perspektive und was

man daraus machen will. Mein ehemaliger

Geschäftspartner kam aus Deutschland,

war unvoreingenommen und hat

sich hier sehr wohl gefühlt.

Sie sind beim Bau von Fussballstadien

in Zürich und Zug und beim Projekt einer

Sportarena in Langenthal mit dabei.

Ist so ein Projekt in Langenthal

einfacher zu realisieren?

Die Frage lässt sich so nicht einfach beantworten.

Es kommt auf die politische

Situation an.

Das heisst?

In einer Demokratie, wie sie sich bei uns

entwickelt, wird es immer schwieriger,

etwas Grosses zu machen. Weil mit immer

geringerem Aufwand Oppostion

möglich ist. Das ist für mich eines der

Grundprobleme, die wir in unserer Gesellschaft

haben. Wir merken gar nicht,

dass wir uns so selber einengen. Wir wählen

Amtsträger, um sie dann umgehend

zu behindern, wenn sie ihre Arbeit tun. Es

kann ja nicht sein, dass ich Personen meines

Vertrauens wähle, aber dann kein

Vertrauen in ihre Arbeit habe.

Will Langenthal Eissport?

Ja.

ZUR PERSON

Stephan Anliker

Stephan Anliker (60)

bezeichnet sich als

Architektur-Unternehmer.

Hauptsächlich in

der Schweiz, aber auch

im Ausland, saniert,

kauft und verkauft er

Immobilien aller Art,

seine Firmen halten

nach eigenen Angaben

einen «mittelgrossen

Immobilienbestand».

In den Büros der

Ducksch & Anliker-

Gruppe in Langenthal,

Zürich und Zug beschäftigt

der diplomierte

HTL-Architekt gegen

70 Mitarbeitende.

Der sportbegeisterte

Stephan Anliker war

Hallenmeister im Kugelstossen

und fünfmal

Vizemeister im Diskuswerfen.

Später wurde

er Trainer von Regula

Aebi. Sie war lange Zeit

die schnellste Schweizerin

(Olympia-Halbfinale

1988 über 200

Meter, EM-Hallenzweite

1989) und Schweizer

Rekordhalterin

über 200 Meter.

Regula Aebi und Stephan

Anliker haben

geheiratet. Die Familie

Anliker-Aebi bewohnt

ein umgebautes Bauernhaus

am Rande von

Langenthal und Tochter

Chiara (18) und Sohn

Gregori (16) treiben

selber intensiv Sport.

2002 übernahm Stephan

Anliker das Präsidium

des SC Langenthal,

der soeben den

Aufstieg in die NLB geschafft

hatte. Stephan

Anliker hat den SCL inzwischen

in der zweithöchsten

Spielklasse

etabliert. Das Budget

ist von 1,5 auf 5 Millionen

aufgestockt worden.

2012 und 2017

gewannen die Langenthaler

die NLB-Meisterschaft.

Anfang 2018

hat die Stadt Langenthal

entschieden, dass

die neue Oberaargauer

Hockeyarena am

Standort Hard realisiert

werden soll.

Anliker ist 2007 in den

Business Club der

Grasshopper eingestiegen

und später

einer der Owner geworden,

die pro Jahr

250 000 Franken einschiessen.

Damit wurde

er Mitbesitzer von

GC. Im Februar 2014

ist Stephan Anliker als

Nachfolger von André

Dosé zum GCZ-Präsidenten

gewählt worden

und mittlerweile

einer von drei Ankeraktionären.

s’Positive 4 / 2018 31


STEPHAN ANLIKER

Auch in zehn Jahren noch?

Damit wir das wissen, brauchen wir bald

einen Volksentscheid. Wollen wir Eissport?

Im Falles eines «Ja», sollten wir die

Möglichkeit haben, das Projekt durchzuziehen.

Wäre es möglich, das Stadionprojekt in

Langenthal auf privater Basis zu verwirklichen?

Auf rein privater Basis? Nein. Das würde

wenig Sinn machen. Solche Projekte sind

nur gemeinsam mit der Politik möglich

und müssen in der Öffentlichkeit breit

abgestützt sein. Wir spüren in Langenthal

den politischen Willen für eine neue Arena.

Dieses Projekt voranzutreiben ist

dann die Sache von privater Initiative.

Ginge es ohne Stephan Anliker?

Ich will so ein Vorhaben nicht auf meine

Person reduzieren. Es braucht alle, es

würde nie nur mit mir funktionieren.

Was wird eher stehen: Das Fussballstadion

in Zürich oder die Hockeyarena in

Langenthal?

Eine ketzerische Frage.

Darum stellen wir sie.

Ich nehme den Joker.

Vor drei Jahren favorisierten Sie noch

Zürich.

In Langenthal stehen momentan alle Zeichen

auf positiv. Aber mit einer erfolgreichen

Abstimmung alleine steht noch

kein neues Eisstadion. Beim SCL haben

wir nun die Arena Oberaargau AG gegründet.

Damit sind wir gut aufgestellt

und haben die Möglichkeit, zumindest

die Planung auf privater Basis durchzuziehen.

«Solche Projekte sind

nur gemeinsam mit

der Politik möglich

und müssen breit

abgestützt sein.»

Wie wichtig wäre ein Aufstieg des SC

Langenthal in die National League für

das Stadionprojekt?

Wir reden in Langenthal über ein Spitzenteam

mit Aufstiegschancen. Ich glaube

nicht, dass es für das Stadionprojekt eine

Rolle spielt, ob wir ein Spitzenteam in der

zweithöchsten Liga stellen oder in der

National League spielen. Wir brauchen so

oder so eine neue Infrastruktur.

Wäre es möglich, in Langenthal ein

National-League-Team zu finanzieren?

Es wäre ein Grenzfall und viel würde davon

abhängen, wie weit unsere Ausstrahlung

reicht. Reicht diese Ausstrahlung

über die Kantonsgrenzen hinaus? Wir

grenzen hier nahe an die Kantone Solothurn,

Aargau, Luzern, für mich spielen

diese Grenzen aber keine Rolle. Wenn es

in Langnau möglich ist, warum dann

nicht auch in Langenthal?

Bietet die Region Oberaargau dem SCL

nicht eine ähnliche Basis wie sie beispielsweise

der EHC Biel im Seeland

hat?

Nein, Biel ist die zehntgrösste Stadt der

Schweiz. Aber wir haben eine viel grössere

wirtschaftliche Basis als beispielsweise

Langnau. Aber es braucht auch hier das

Engagement und die Initiative von Einzelpersonen

wie Peter Jakob.

Ist Peter Jakob in Langnau das, was

Stephan Anliker in Langenthal ist?

Vielleicht gäbe es in Langnau einen anderen,

wenn Peter Jakob nicht wäre. Das

kann man nie sagen. Vielleicht käme ja

auch ein anderer, wenn ich nicht dabei

«In Langenthal

ist die Stimmung

positiv.»

32 s’Positive 4 / 2018


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ÖFFNUNGSZEITEN

Februar bis Oktober:

Mi & Do: 14.00–23.00 Uhr

Freitag: 14.00–24.00 Uhr

Samstag: 14:00–24.00 Uhr

Sonntag: 10.00–20.00 Uhr

November bis Januar:

Mi & Do: 14.00–23.00 Uhr

Freitag: 14.00–02.00 Uhr

Samstag: 14.00–02.00 Uhr

Sonntag: 10.00–20.00 Uhr

Bowlingcenter AG Langenthal | Lotzwilstrasse 66 | 4900 Langenthal | Tel. Bowlingreservation 062 919 01 14

Tel. Eventanfrage 062 919 01 15 | events@gastro-elemaent.ch | www.bowling-langenthal.ch


STEPHAN ANLIKER

wäre. Vielleicht ist da ja jemand, den wir

jetzt nicht sehen.

Stösst die Region Oberaargau an ihre

wirtschaftlichen Grenzen oder sehen

Sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten?

Das ist eine Frage des Selbstbewusstseins

der Unternehmer und ob wir unsere

Chancen erkennen und wahrnehmen.

Wir haben im Eishockey 2002 nach dem

Aufstieg eine Chance in der Swiss

League (ehemals NLB / die Red.) gesehen

und es wäre jetzt, im Rückblick sehr

schade, wenn wir diese Chance nicht

wahrgenommen hätten. Es geht uns im

Oberaargau sehr gut und es muss ja nicht

immer mehr und mehr sein. Die Lebensqualität

zu erkennen und zu erhalten,

kann ebenso gut für Selbstvertrauen sorgen,

wie Wachstum. Doch bereits hierfür

bedingt es Entwicklung. Die Anforderungen

an uns und unser Umfeld verändern

sich ständig. Die Region Oberaargau

soll attraktiv bleiben, wir wollen

Arbeitsplätze und Lebensqualität erhalten

und fördern.

Ist der Oberaargauer heute selbstbewusster

als früher?

Ja, ganz eindeutig.

Warum?

«Der Bären

Madiswil ist die

beste Beiz im

Oberaargau.»

Die Langenthaler Hochnebelmentalität

zieht sich zurück und das hat nicht nur

damit zu tun, dass wir heute tatsächlich

weniger Nebel haben als früher. Wir haben

heute eine sehr leistungsfähige Industrie,

einen Bundesrat, einen Regierungsrat,

ein neues Stadttheater und den

SC Langenthal – vieles, worauf wir stolz

sein dürfen.

Sie haben vorhin gesagt, das Engagement

für den Sport sei auch ein Engagement

für die Allgemeinheit. Gilt das auch

für Ihren Einstieg in die Gastronomie?

Ich bin nicht in die Gastronomie eingestiegen.

Sie gehören immerhin zur Besitzergruppe

des Bären Langenthal und haben

kürzlich auch den Bären in Madiswil

erworben.

Ja, aber das ist nicht ein Einstieg in einen

Geschäftszweig. Beim Bären Langenthal

war es ein Engagement für Langenthal. Es

ging darum, dieses traditionsreiche Haus

zu erhalten. In Madiswil ist es mein Anliegen,

den Betrieb sicherzustellen.

Werden Sie den Bären in Madiswil

komplett umbauen?

Nein. Es ist wichtig, den Charakter dieses

Hauses in Zusammenarbeit mit den neuen

Gastgebern zu erhalten.

«Beim Engagement für

den Bären Langenthal

ging es darum, dieses

traditionsreiche Haus

zu erhalten.»

Ist es eigentlich möglich, mit den beiden

Bären Geld zu verdienen?

Bei solchen Engagements ist es ein wenig

wie bei Sportvereinen. Es muss auch

Freude bereiten. Das Ziel ist ein gutes Ergebnis

in vielerlei Hinsicht zu erzielen.

Was gab den Ausschlag für dieses Engagement?

Es gibt mehrere Faktoren, die sich ergänzen.

Es gibt eine emotionale Seite. Ich bin

früher mit meinem Vater oft von Huttwil

nach Langenthal gefahren und es liegt

mir am Herzen, dass dieses Haus weiter

besteht. Es ist ein schönes, prägnantes

Haus und wir haben uns schliesslich gefunden.

Aber so ein Engagement muss

auch in unser gesamtes Portfolio passen.

So wie es bei einer Fussballmannschaft ja

auch zusammenpassen muss. Es braucht

Stürmer, linke Verteidiger…

…dann ist der Bären Madiswil sozusagen

der linke Verteidiger in ihrem Portfolio?

Der Bären Madiswil ist die beste Beiz im

Oberaargau.

Auf Augenhöhe mit den besten Beizen

in Zürich, die Sie ja auch kennen?

Ein direkter Vergleich ist nicht möglich.

Der Unterschied der Gastrokulturen ist zu

gross.

Aber es ist doch nicht so schwierig, Beizen

miteinander zu vergleichen.

Nun gut: In Zürich gibt es die besten

Kalbskoteletten vom Holzgrill. Ich weiss

nicht warum, es ist einfach so. Im Bären

in Madiswil gibt es dafür das beste Züri-

Gschnätzlete.

Sie haben geholfen, den Bären in Langenthal

zu retten, Sie stellen sicher,

dass es im Bären in Madiswil weiter

geht. Nun bietet sich für Sie eine Chance,

etwas für den Zusammenhalt des

Oberaargaus zu tun und kulturelle

Grenzen zu überwinden.

So?

Ja. Mit dem Kauf des Hotels «zum kleinen

Prinz» in Huttwil.

Wieso? Läuft dort nicht alles rund?

Ach, kommen Sie! Sie kennen sich

doch aus.

34 s’Positive 4 / 2018


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Sonntag ab 16.30 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen


STEPHAN ANLIKER

Ja, ja, ich kenne das Haus. Das ist doch

das Hotel gleich neben der Kirche. Oder?

Aber wie kommen Sie auf diese Idee?

Dieses Hotel ist so etwas wie das «kulturelle

Herz» der Huttwiler. Es ist für

Huttwil so wichtig, dass es dort weitergeht,

wie es seinerzeit für die Langenthaler

wichtig war, dass der Bären erhalten

bleibt. Haben Sie noch nie daran

gedacht, in Huttwil einzusteigen?

So potent sind wir denn auch nicht, dass

wir das einfach so könnten.

Oder ist für Sie als Langenthaler ein

solches Engagement in Huttwil undenkbar?

Man sagt ja immer, nach Madiswil

gebe es eine unsichtbare Grenze.

Nein, so ist es nicht. Ich habe ja meine

Wurzeln in der Rätschen in Huttwil und

in Zürich. Mein Vater wuchs auf der Rätschen

auf und ist dann nach Zürich gezogen,

meine Mutter kommt vom Zürichsee.

Na also, sehen Sie!

«Ein Sportunternehmen zu führen, kann

manchmal sein, wie Slalomfahren, wenn die Slalomstangen

ständig neu gesetzt werden.»

Haben Sie eigentlich eine Provision in

Aussicht? Sie können mich in dieser Sache

nicht zu einer Aussage provozieren.

Sie sind seinerzeit auch beim Sportzentrum

in Huttwil nicht eingestiegen.

Warum eigentlich?

Hätte ich die Möglichkeit gehabt?

Ja, Sie sind angefragt worden.

Ja, das stimmt. Wenn man sieht, wie es

jetzt läuft, hätte ich es wohl tun sollen.

Aber ich hatte damals nicht die finanziellen

Möglichkeiten und deshalb habe ich

das Projekt gar nicht erst weiterverfolgt.

«Ich habe meine

Wurzeln in der

Rätschen in

Huttwil.»

Sie hatten nicht die Möglichkeiten?

Wir hören die Botschaft wohl, allein

uns fehlt der Glaube.

Markus Bösiger ist ja eingestiegen und

jetzt läuft es gut. Und das zählt.

Nun spielt Huttwil auch wieder eine

Rolle beim SC Langenthal.

Huttwil spielte für mich immer eine Rolle,

aber Sie meinen die Nutzung der Eishalle.

Ja, für den Zusammenhalt der Region

und unsere immer grössere Nachwuchsabteilung

ist es sehr wichtig, dass diese

Zusammenarbeit mit dem Campus Perspektiven

so gut läuft. Wir werden auch

nächste Saison das Trainingslager wieder

in Huttwil machen und wiederum mehrere

Juniorenteams, eine Hockeyschule

und unsere Frauenmannschaft in Huttwil

haben. Wir können so den Kindern aus

Huttwil und Umgebung Einstiegsmöglichkeiten

für den Eishockeysport in ihrer

Nähe bieten. Und nicht zuletzt Eishockey

im Oberaargau weiterentwickeln und

stärken.

Welchen Zeithorizont haben Sie für Ihre

Engagements beim SC Langenthal

und bei GC?

Hm, ich bin zwar ein Planer und Organisator…

…gerade deshalb stellen wir Ihnen diese

Frage.

Aber ich habe in dieser Sache noch keine

Pläne gemacht. Ein Sportunternehmen

zu führen, kann manchmal sein, wie Slalomfahren,

wenn die Slalomstangen ständig

neu gesetzt werden.

Oder ein Spiel, bei dem die Regeln laufend

geändert werden.

So ungefähr. Eine Planung ist im Sportgeschäft

sehr schwierig. Deshalb kann

ich Ihnen diese Frage nicht beantworten.

Wir schliessen daraus, dass Sie noch

keineswegs amtsmüde sind.

Richtig. Ich helfe gerne mit, etwas zu entwickeln

und nehme nach wie vor mit

grosser Freude meine Verantwortung

wahr. Ich habe dabei auch eine Verantwortung

für das, was nach mir kommt. Es

geht darum, ein Fundament zu legen.

Manchmal ist es mühsamer, manchmal

weniger. Es gibt Siege und Niederlagen

und beides sind ja Bestandteile des Sportes

und des richtigen Lebens.

36 s’Positive 4 / 2018


IN EIGENER SACHE

Leserbriefe & Veranstaltungen

Grosser Respekt

Mir gefällt s’Positive im Hochglanz

besser als der Zeitungsdruck. Den

Bericht über Heinz Krähenbühl habe

ich mit grossem Interesse gelesen. Bis

heute war ich nicht ein grosser Bewunderer

seiner Person, was sich mit

dem sehr interessanten Interview

doch geändert hat. Sei es als Unternehmer

oder sein Engagement in der

Hockey-Szene, hat Heinz Krähenbühl

sehr vieles richtig gemacht. Was mir

persönlich sehr gefällt, ist natürlich

das Hornusser Lexikon.

Beat Roder, Thörigen

Verschwender

Sehr geehrte Verschwender… äh… Versender

von s’Positive

Hier wie gewünscht mein Feedback zu

Ihrem Blatt:

• Es beschert unerwünschtes Altpapier

(werde es im Briefkasten entsorgen)

• Ich erhalte Geschichten, die mich

nicht interessieren

• Den allergrössten Teil des Inhalts ist

von Sport und Werbung bestimmt

• Ich habe dieses Heftli nicht bestellt,

weshalb wird es mir aufgezwungen?

• Unter dem Strich verschwendet dieses

Heft Ressourcen für nichts

Fazit: Völlig unnötig, umweltverschmutzend,

ärgerlich und unnütz. Ich

hoffe, Sie können auch mit negativem

Feedback umgehen.

Dietmar Bachmann

Antwort der Redaktion

Leider haben wir auch auf Nachfrage

hin von Ihnen keine Adresse erhalten,

die es uns ermöglichen würde, bei Ihnen

ein Ende der Zustellung von

s’Positive zu erwirken. Dürfen wir deshalb

davon ausgehen, dass Ihr Empfinden

doch nicht ganz so negativ ist, wie

Sie es darstellen?

VERANSTALTUNG

Bilder werden lebendig

28./29. April 2018, 18.00 Uhr Aula

des Gymnasiums Langenthal

Es spielen Kinder und Jugendliche der

Theatergruppen der Musikschule

Flöten- Klavier- und HarfenschülerInnen

von Kathrin Oplatka,

Erika Keller, Javier Bezatto und Edmée-Angéline

Sansonnens

Produktionsleitung: Rainer Walker

Text und Regie: Kathrin Oplatka

Technik: Clemens Oplatka

Bilder: von Claude Monet, Auguste

Renoir, Edgar Degas, Vincent van

Gogh u.a.

Musik: von Claude Debussy, Jacques

Ibert, Maurice Ravel und Joachim

Andersen

Eintritt frei, Kollekte zugunsten des

Projektfonds der Musikschule.

PROFITIEREN

SIE JETZT VOM

VERANSTALTUNGS-

KALENDER

Möchten Sie Ihre Veranstaltung

bei uns publizieren?

Dann teilen Sie uns dies

doch bitte mit.

Ihre Meinung interessiert uns

Sind Sie mit etwas nicht einverstanden?

Haben Sie Fragen, die auch andere Leser

interessieren könnten? Oder haben

Sie eine Ergänzung zu einem Artikel?

Dann schreiben Sie uns. Ab der kommenden

Ausgabe reservieren wir Platz

für Sie. Oder möchten Sie über ein Thema,

das wir noch nicht gebracht haben,

mehr erfahren? Wir können Ihnen zwar

keinen Artikel darüber garantieren.

Aber prüfen werden wir Ihren Vorschlag

ganz bestimmt.

Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt,

wenn wir die Möglichkeit zu

Leserreaktionen bieten. Möglich, dass

keine einzige kommt. Ebenfalls möglich,

dass wir nicht alle Ihre E-Mails

und Briefe publizieren können, und

deshalb eine Auswahl treffen müssen.

Werden Sie bitte nicht zu lang. Sonst

müssten wir Ihren Beitrag eventuell

kürzen.

Beiträge mit beleidigenden, diffamierenden,

rassistischen und sexistischen

Inhalt werden nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

SCHREIBEN

SIE UNS

E-Mail:

redaktor@spositive.ch

Postadresse:

Redaktion «s’Positiv

Feedback

St. Urbanstrasse 31

4914 Roggwil

FOTO: ZVG

38 s’Positive 4 / 2018


Jeden Sonntag im

«gastro elemänt»,

Bowlingcenter Langenthal.

Reservationen unter

Tel. 062 919 01 16,

www.elemaent.ch

Bis Ende

Mai zum

Einführungspreis

von

Fr. 24.50


Bahnhofstra asse 34

4950 Huttwil

www.schaerhuttwil.ch

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