Auszug aus dem PSA-Handbuch 2017/2018

rhoeller

PERSÖNLICHE

SCHUTZAUSRÜSTUNG

HANDBUCH, 9. AUFLAGE

Inhalt

Vorworte 3

Auswahltipps 11

Kopfschutz 13

Augenschutz 23

Gehörschutz 35

Atemschutz 45

Handschutz 59

Hautschutz 75

Schutzkleidung 83

Fußschutz 99

Absturzsicherungen 111

Messtechnik 119

EU-Vorgaben, PSA-Kategorien 131

PSA-Verordnung (BGBl. Nr. 77/2014) 139

Bezugsquellennachweis 141

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Markt für Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) umfasst weltweit derzeit ein Volumen

von rund 18 Milliarden Euro – ca. ein Drittel davon entfällt auf die Märkte der Europäischen

Union. Ein Ende des Wachstums ist Experten zufolge nicht in Sicht, denn die Welt des Arbeitsschutzes

entwickelt sich ständig weiter. Die zunehmende Digitalisierung und der demo grafische

Wandel sind dabei nur zwei einer Vielzahl von Themen, welche in Zukunft maßgeblich an Bedeutung

gewinnen werden.

VORWORT

Mit unserem „Handbuch Persönliche Schutzausrüstung“ stellen wir Ihnen einen fundierten und

verlässlichen Wegweiser durch das immer umfangreicher werdende Angebot an PSA zur Verfügung.

Schließlich ist die richtige Auswahl von PSA ein komplexer Entscheidungsprozess. Dabei

spielen nicht nur permanente technische Innovationen und Trends, sondern auch psychologische

Aspekte eine sehr große Rolle.

Unbeeinflusst von einzelnen Firmeninteressen und einem harten Wettbewerb am Markt haben

wir für Sie das für diesen Entscheidungsprozess nötige Fachwissen in unserem „Handbuch

Persönliche Schutzausrüstung“ übersichtlich zusammengefasst. Mittlerweile ist das Handbuch

zu einem absolut unverzichtbaren Nachschlagewerk für all jene geworden ist, die mit Fragen der

Sicherheit am Arbeitsplatz – insbesondere mit der Auswahl und der richtigen Anwendung von

PSA – befasst sind.

Sie halten unser„Handbuch Persönliche Schutzausrüstung“ nun in der bereits 9. Ausgabe in

Händen. Es wurde von uns wie gewohnt sorgfältig überarbeitet und auf den neuesten Stand

gebracht. Die darin enthaltenen Produktbeschreibungen, Normen, Kennzeichnungen, Qualitätskriterien,

Auswahltipps und Verwender-Hinweise dienen Ihnen als nützliche Basisinformationen

für Ihre Arbeit, sei es als Sicherheitsfachkraft, als Einkäufer von PSA oder als Verwender.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und Nachschlagen!

Ihr VAS-Vorstand

V. l.: René Höller, Thomas Schützeneder, Mag. (FH) Florian Rappelsberger, Helfried Knöbl und Ulrich Mühlberger.

Fotocredit: VAS

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VORWORT

VORWORT

Das oberste Ziel des ArbeitnehmerInnenschutzes ist der Schutz des Lebens und der Gesundheit

der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Um das auch an potenziell gefährlichen Arbeitsplätzen

zu gewährleisten, müssen Unternehmen notwendige, kollektive Sicherungsmaßnahmen

berücksichtigen, die etwa durch arbeitsorganisatorische oder technische Einrichtungen

erreicht werden können. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Arbeitnehmerinnen und

Arbeitnehmer ihren Beruf ausüben können – und damit auch eine Grundbedingung für den Erfolg

der Unternehmen.

Wenn trotz allen Sicherheitsvorkehrungen ein Restrisiko für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

bestehen bleibt, ist eine persönliche Schutzausrüstung zwingend erforderlich. Der Österreichische

Verband zur Förderung der Arbeitssicherheit informiert umfassend über die praktischen

Aspekte des ArbeitnehmerInnenschutzes und hat mit dem Handbuch „Persönliche

Schutzausrüstung“ eine wertvolle Entscheidungshilfe für die Auswahl der richtigen Schutzausrüstung

geschaffen.

Die langjährige Erfahrung und das ExpertInnen Know-how des Verbandes kommt dabei allen

zugute, die sich praxisgerecht über die ordnungsgemäße Verwendung der Schutzausrüstung

informieren wollen. Damit leistet der Österreichische Verband zur Förderung der Arbeitssicherheit

einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des ArbeitnehmerInnenschutzes und hilft dabei, die

Zahl der Arbeitsunfälle weiter zu reduzieren.

Ich danke allen, die zur laufenden Erneuerung des Handbuchs beitragen genauso wie allen Leserinnen

und Lesern, die sich mit dem Thema ArbeitnehmerInnenschutz in der Praxis auseinandersetzen

und für sichere Arbeitsbedingungen eintreten. Sie alle tragen dazu bei, dass die Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmer optimal vor Unfällen und Verletzungen am Arbeitsplatz

geschützt sind.

Ihr

Alois Stöger

Alois Stöger

Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

Fotocredit: Johannes Zinner

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VORWORT

Arbeit hat einen wichtigen Platz im Leben eines Menschen und bewirkt einen bedeutenden

Einfluss auf Gesundheit, Wohlbefinden und persönliche Entwicklung. Die Gewährleistung

von Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz ist jedoch nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern

auch für den Arbeitgeber von großer Bedeutung. Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz

stellen nicht nur eine ethische Grundhaltung dar, sie sind auch eine wesentliche Voraussetzung

für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen. Primäres Ziel eines effizienten

präventiven Arbeitsschutzes muss es daher sein, Unfallgefahren, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte

Erkrankungen zu vermeiden.

VORWORT

Für die Entwicklung einer echten Präventionskultur bedarf es einer Stärkung des Gefahrenbewusstseins

der Menschen, verbesserter Informationen sowie Sensibilisierung und Antizipation

möglicher Risiken. Insbesondere unter jüngeren Beschäftigten, die in der Regel einem höheren

Risiko ausgesetzt sind als erfahrene Arbeitnehmer, gilt es, die Risikoprävention am Arbeitsplatz

zu fördern. Je besser Sicherheit und Gesundheitsschutz in die Aus- und Weiterbildung integriert

werden, beispielsweise in Form von Sensibilisierungsmaßnahmen, desto früher werden den Jugendlichen

auch die möglichen Gefahren eines Arbeitsplatzes bewusst gemacht.

Die österreichischen Arbeitnehmerschutzvorschriften gewährleisten ein sehr hohes Niveau an

Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Während bei den sogenannten Freizeitunfällen

(Heim, Freizeit & Sport) ein deutlicher Anstieg zu beobachten ist, ist die Zahl der Arbeitsunfälle

aufgrund der besonderen Bemühungen in Österreichs Unternehmen in den letzten Jahren

spürbar zurückgegangen - in den letzten 15 Jahren um 27 %.

In den Fällen, in denen alle generellen technischen Schutzmaßnahmen und arbeitsorganisatorischen

Maßnahmen zur Vermeidung von Gefahren ausgeschöpft sind und noch immer Restgefahren

bestehen, ist die Verwendung von individueller Schutzausrüstung notwendig und erforderlich.

Die vorliegende Broschüre dient als nützliche Informationsquelle und Auswahlhilfe beim Ankauf

und bei der Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung. Dadurch kann sie einen wertvollen

Beitrag zur Umsetzung eines effizienten Arbeitnehmerschutzes in den Betrieben und zu einem

sicheren Arbeitsumfeld leisten.

Dr. Christoph Leitl

Präsident der Wirtschaftskammer Österreich

Bildcredit: WKÖ/Kucera

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VORWORT

VORWORT

ArbeitnehmerInnenschutz ist der Arbeiterkammer besonders wichtig. Es geht darum, durch

vorbeugende Maßnahmen Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Erkrankungen

zu vermeiden.

Seit Inkrafttreten des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes mit 1. Jänner 1995 ist ein deutlicher

Rückgang der Zahl der Arbeitsunfälle zu beobachten. Für die praxisgerechte Anwendung müssen

einzelne Teilbereiche des ArbeitnehmerInnenschutzes mittels Durchführungsverordnungen

konkretisiert werden. Denn klare Regeln sorgen für eine einfachere Umsetzung und für mehr

Sicherheit in den Betrieben. Die Verordnung Persönliche Schutzausrüstung (PSA-V) regelt die

Auswahl, Prüfung und sichere Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung und entspricht

damit einer langjährigen Forderung von Arbeiterkammern und Gewerkschaften.

Grundlage für gelebten ArbeitnehmerInnenschutz ist die Arbeit der Sicherheitsfachkräfte, ArbeitsmedizinerInnen,

Arbeits- und OrganisationspsychologInnen, Betriebsräte und Sicherheitsvertrauenspersonen.

Eine besondere Bedeutung für die Einhaltung des ArbeitnehmerInnenschutzes

kommt auchden ArbeitsinspektorInnen zu. Sie sorgen mit ihren Kontrollen dafür, dass die

Schutzvorschriften für die Beschäftigten gewahrt bleiben. Diese Strukturen stellen auch in Zukunft

die Basis für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit dar.

Unbestritten ist auch, dass ArbeitnehmerInnenschutz nur gemeinsam mit den Beschäftigten

umgesetzt werden kann. Die aktive Einbindung der ArbeitnehmerInnen bei der Auswahl von

geeigneter persönlicher Schutzausrüstung erhöht die Akzeptanz, wodurch die Tragequote steigt.

Die vorliegende Broschüre bietet Ihnen wertvolle Hilfestellungen für die Auswahl verfügbarer

persönlicher Schutzausrüstungsgegenstände. Sie soll Unternehmer, Betriebsrat und Sicherheitsvertrauenspersonen

im Vorfeld der Investitionsentscheidung unterstützen, um Fehlinvestitionen

beim Ankauf nicht geeigneter Schutzausrüstungen zu vermeiden.

Gesundheit ist das wertvollste Gut des Menschen. Wir werden deshalb auch in Zukunft ein verlässlicher

Partner für einen wirksamen ArbeitnehmerInnenschutz sein.

Rudi Kaske

Präsident der Bundesarbeitskammer

Fotocredit: Katharina Schiffl

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VORWORT

Sicherheit am Arbeitsplatz ist die Voraussetzung für produktives Arbeiten und mitverantwortlich

für gesunde Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Als deren

berufliche Interessensvertretung ist es dem ÖGB ein großes Anliegen, dass Beschäftigte über die

richtige und sichere Anwendung der Schutzausrüstung informiert werden. Doch ebenso sollen

betroffene ArbeitnehmerInnen bei der Auswahl und Verwendung der Schutzausrüstung mitbestimmen

können. Mithilfe dieser Broschüre kann mehr aktive Beteiligung im Gesundheitsschutz

und in den Fragen der Sicherheit erzielt werden.

Besonders wichtig für den ÖGB ist auch die Verringerung arbeitsbedingter psychischer Belastungen.

Diese führen zu Krankheiten, die nicht nur für viele Krankenstandstage verantwortlich

sind. Auch mehr als 60 Prozent aller Arbeitsunfälle sind auf Stress zurückzuführen. Die verpflichtende

Evaluierung der psychischen Belastungen hat dazu geführt, dass z. B. stressbezogene

Ursachen von Arbeitsunfällen leichter herausgefunden werden können. Neben ArbeitsmedizinerInnen

und Sicherheitsfachkräften werden nun auch verstärkt Arbeits- und OrganisationspsychologInnen

zur Evaluierung beigezogen. Ziel dabei ist, die Arbeitsbedingungen zu verbessern

und krankmachende Abläufe zu vermeiden. Davon profitieren alle: ArbeitgeberInnen und

ArbeitnehmerInnen.

Studien des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI) zeigen, dass in der EU jährlich etwa

102.500 Menschen an arbeitsbedingten Krebserkrankungen sterben. Dies übersteigt die Anzahl

der tödlichen Arbeitsunfälle in der EU um das Zwanzigfache. Für Österreich wird vom ETUI eine

Zahl von jährlich 1.820 Todesfällen aufgrund einer arbeitsbedingten Krebserkrankung genannt.

Obwohl diese Zahl eine Schätzung darstellt und auf einer Hochrechnung von aggregierten EU-

Daten basiert, wird hier deutlich, dass diesbezüglich auch für Österreich dringender Handlungsbedarf

besteht.

Um einen zeitgemäßen Gesundheitsschutz der ArbeitnehmerInnen zu erreichen, gilt es, eine

„moderne“ Grenzwertsetzung zu implementieren. Weg von den alten TRK-Werten, hin zu risikobasierten

Grenzwerten. Bei der heute anerkannten Vorgangsweise der Festlegung risikobasierter

Grenzwerte wird unabhängig von den Stoffen zuerst durch politischen Konsens festgelegt,

welches Krebsrisiko in Folge der Arbeit maximal als gesellschaftlich tragbar angesehen wird.

ArbeitgeberInnen haben die notwendigen Kosten für die Sicherheit und Gesundheit im Betrieb

zu tragen. Die Gefahrenquellen müssen ermittelt und beseitigt werden. Aber nicht alle Gefahrenquellen

können aus dem Weg geräumt werden. In solchen Fällen müssen Schutzausrüstungen

die Sicherheit der ArbeitnehmerInnen gewährleisten. Dabei ist auch die Auswahl

sehr wichtig. Die Schutzausrüstungen sollen am Stand der Zeit sein und den Bedürfnissen der

Beschäftigten entsprechen.

VORWORT

Erich Foglar

ÖGB-Präsident

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VORWORT

VORWORT

Wenn es um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht,

werden in den heimischen Betrieben seit vielen Jahren die höchsten Standards gesetzt.

Sichere Arbeitsbedingungen steigern Arbeitszufriedenheit und Produktivität. Denn nur gesunde

und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auch motiviert, mit Freude bei der Arbeit

und sorgen durch die Qualität ihrer Arbeitsleistung für Wettbewerbsvorteile und Erfolg am internationalen

Markt. Über ihre Verpflichtungen für die Menschen hinaus sind Österreichs Unternehmen

sich dieser Zusammenhänge und damit des hohen Wertes betrieblicher Sicherheitsarbeit

bewusst – und handeln entsprechend.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind naturgemäß für jedes Unternehmen von entscheidender

Bedeutung. Ihre Sicherheit kann nicht oft genug zum Thema gemacht werden. Erfreulicherweise

geht die Anzahl an Arbeitsunfällen in Österreich seit vielen Jahren zurück, die gemeinsamen

Bemühungen von Unternehmen sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern

machen sich bezahlt. Aber weder ist das selbstverständlich, noch ein Grund zum Ausruhen. Die

Anstrengungen für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz müssen unvermindert weitergehen.

Im Zuge dieser Anstrengungen kommt vor allem der Prävention eine enorme Bedeutung zu. Die

Verhinderung von Arbeitsunfällen muss oberstes Ziel sein – denn Schadensvermeidung ist naturgemäß

noch sinnvoller, als lediglich Schadensbegrenzung zu betreiben. Gerade in der produzierenden

Industrie ergeben sich immer wieder Gefahrenquellen, das ist fast unvermeidlich.

Wichtig ist daher, sie stets möglichst rasch als solche zu identifizieren, richtig zu reagieren und

Abhilfe zu schaffen – etwa durch geeignete persönliche Schutzausrüstung. Dafür braucht es die

richtige und aktuellste Information zur rechten Zeit, wie sie in der vorliegende 9. Auflage des

Handbuchs „Persönliche Schutzausrüstung“ enthalten ist. Dieses Nachschlagewerk und Informationsmedium

leistet einen unschätzbaren Beitrag, wenn es darum geht, die Sicherheit und

Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu gewährleisten. Denn nur ein sicherer

Arbeits- und Wirtschaftsstandort Österreich kann auch ein attraktiver und erfolgreicher Arbeitsund

Wirtschaftsstandort Österreich sein.

Ihr

Mag. Georg Kapsch

Präsident der Industriellenvereinigung

Fotocredit: IV

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VORWORT

Das Handbuch „Persönliche Schutzausrüstung“ des Österreichischen Verbandes zur Förderung

der Arbeitssicherheit in seiner nunmehr schon 9. Auflage ist für Arbeitgeber/innen,

Arbeitnehmer/innen, Betriebsräte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Arbeitsmediziner/innen

und Sicherheitsvertrauenspersonen wieder das wertvolle Instrument für die im Gesetz vorgesehene

gemeinsame Entscheidungsfindung bei der Auswahl geeigneter Persönlicher Schutzausrüstung

geworden. Das Handbuch bietet aber nicht nur wichtige Entscheidungshilfen für die Auswahl

von für die jeweilige betriebliche Situation geeigneter PSA, sondern informiert auch

umfassend und praxisgerecht über die zweckentsprechende und ordnungsgemäße Verwendung.

VORWORT

Im betrieblichen Geschehen hat Persönliche Schutzausrüstung eine große Bedeutung. Nach den

Grundsätzen der Gefahrenverhütung ist dem kollektiven Gefahrenschutz der Vorrang vor individuellem

Gefahrenschutz zu geben, wobei allerdings klar ist, dass in der betrieblichen Praxis

trotzdem ein gewisses Restrisiko bleiben kann. In diesen Fällen haben Arbeitgeber/innen Persönliche

Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen und für die Benutzung durch die Arbeitnehmer/innen

zu sorgen. Die 2014 in Kraft getretene Verordnung Persönliche Schutzausrüstung

(PSA-V) konkretisiert die ASchG-Vorgaben zur betrieblichen Gefahrenevaluierung betreffend

Persönliche Schutzausrüstung sowie zur Auswahl und Bewertung von Persönlicher Schutzausrüstung.

Neben diesen grundlegenden Bestimmungen wird auch der Information und Unterweisung

sowie der Beteiligung der Arbeitnehmer/innen breiter Raum gegeben.

Zunehmend von Bedeutung wird auch die Bewertung von PSA gesehen, die mit der PSA-V neu

etabliert wurde. Die Bewertung der PSA ist der wichtige Schritt zwischen der Arbeitsplatzevaluierung

(Gefahren und Belastungen) und der Auswahl bzw. dem Übergeben der PSA an die ArbeitnehmerInnen.

Die Bewertung von PSA kann als erweiterter „Soll“-“Ist“-Vergleich angesehen

werden. Im „Soll“ sind alle Gefahren im engeren Sinn (z.B. Gefahr einer Verletzung, Überschreitung

eines Grenzwertes, einer Exposition) enthalten, gegen die die PSA schützen soll, aber auch

die Belastungen und Beanspruchungen, die am Einsatzort vorherrschen (bspw. Arbeitsschwere,

klimatische Bedingungen) oder auch von der PSA hervorgerufen werden können (eingeschränkte

Beweglichkeit, eingeschränkte Wahrnehmung von Gefahren, erhöhte körperliche Beanspruchung).

Das „Ist“ sind die spezifischen Leistungsmerkmale und Eigenschaften der PSA.

Der Österreichische Verband zur Förderung der Arbeitssicherheit hat durch die Mitwirkung und

Erfahrung seiner Mitglieder wiederum eine wertvolle Unterstützung der betrieblichen Umsetzung

eines modernen, präventiven Arbeitnehmer/innenschutzes geschaffen, die aus der „Landschaft“

des Arbeitnehmer/innenschutzes nicht mehr wegzudenken ist.

Sektionschefin Dr. in Anna Ritzberger Moser

Leiterin der Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat

Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

9


VORWORT

VORWORT

Rund 4,9 Millionen Versicherte sind der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) anvertraut,

2,9 Millionen unselbständig Erwerbstätige (davon mehr als 1,2 Millionen Arbeiterinnen

und Arbeiter und über 1,6 Millionen Angestellte) 500.000 Millionen Selbständige sowie

1,4 Millionen in Ausbildung Stehende vom Kindergarten bis zum Studienabschluss.

Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als gesetzliche Unfallversicherung aus Pflichtbeiträgen der

Dienstgeber. Prävention ist dabei die vorrangige Kernaufgabe der AUVA – die Verhütung von

Unfällen und die Vorbeugung von Berufskrankheiten senkt die Kosten für die drei weiteren

Unternehmensbereiche Heilbehandlung, Rehabilitation und finanzielle Entschädigung von

Unfallopfern am wirksamsten.

Die Prävention liegt der AUVA auch deshalb besonders am Herzen, da mit ihrer Hilfe menschliches

Leid verhindert werden kann, bevor es entsteht. Für den Unternehmer bedeutet dies

auch, dass keine Ausfallszeiten durch Krankheit entstehen.

Die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) trägt wesentlich zur Vermeidung von

Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten bei. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die verwendete

Schutzausrüstung die jeweiligen individuellen Anforderungen erfüllt und ein Maximum an

Trage komfort aufweist. Denn nur so findet die Persönliche Schutzausrüstung auch die Akzeptanz

bei all jenen, die sie regelmäßig verwenden müssen. Und gerade das konsequente Tragen

der PSA muss an oberster Stelle stehen, um sicheres und gesundes Arbeiten zu gewährleisten.

Das Handbuch „Persönliche Schutzausrüstung“ bietet einen kompakten Überblick über Eigenschaften

und Nutzen von PSA und ist ein bewährtes Nachschlagewerk. Je funktioneller und

individueller die Schutzausrüstung, umso eher wird sie getragen und kann ihren Zweck optimal

erfüllen.

Im Interesse der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit wünsche ich der Neuauflage

dieses Handbuchs viel Erfolg.

KommR DDr. Anton Ofner

Obmann der AUVA

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AUSWAHLTIPPS

VORWORT

Schritt für Schritt zur richtigen PSA-Auswahl

Gehen Sie bei Auswahl und Verwendung von PSA schrittweise vor:

Schritt 1: Evaluieren Sie alle Arbeitsplätze auf mögliche Gefahren für Ihre Mitarbeiter/innen;

beschließen Sie die erforderlichen Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung

dieser Gefahren nach dem sogenannten „S-T-O-P Prinzip“ (Substitution – Technische

Maßnahmen – Organisatorische Maßnahmen – Persönliche Maßnahmen).

Schritt 2: Legen Sie fest, welche Arten von PSA an welchen Arbeitsplätzen und für welche Mitarbeiter/innen

benötigt werden, um den erforderten Schutz gegen bestehende Restrisiken

zu gewährleisten.

Schritt 3: Beachten Sie die einschlägigen aktuellen Normen, Verordnungen, Richtlinien und

Her stellerhinweise. Achtung: Normen legen nur Mindestanforderungen fest.

Schritt 4: Überprüfen Sie anhand der Kennzeichnungen und Gebrauchshinweise die zu erwartende

Schutzwirkung der angebotenen PSA und gleichen Sie diese mit Ihren Anforderungen

ab. Wichtig: PSA darf nur für jene Zwecke und unter jenen Bedingungen eingesetzt

werden, für die sie nach den Angaben des Herstellers bestimmt ist.

Schritt 5: Bedenken Sie, dass die PSA über einen längeren Zeitraum getragen werden soll/muss

und räumen Sie daher den Faktoren Tragekomfort, Passform und Qualität einen hohen

Stellenwert ein.

Schritt 6: Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter/innen bei der Auswahl der geeigneten passenden

PSA – z. B durch Tragetests – ein! Sie erreichen damit mehr Trageakzeptanz und somit

eine höhere Tragequote. Durch entsprechende Einschulungen und Unterweisungen

müssen alle PSA-Anwender über deren Anwendung und Schutzwirkung Bescheid

wissen.

Schritt 7: Vergessen Sie nicht auf die vorgeschriebenen PSA-Überprüfungen auf deren Tauglichkeit

und Schutzwirkung (gegebenenfalls Ablaufdatum/Einsatzdauer beachten!). Ebenso

sind bei jeder Änderung des Arbeitsprozesses oder der Gefährdungsart zu überprüfen,

ob die im Einsatz befindliche PSA noch geeignet ist bzw. deren Schutzwirkung

ausreicht.

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KOPFSCHUTZ

1. Allgemeines

Aus der Statistik „Anerkannte Arbeitsunfälle“ des Hauptverbandes der Versicherungsträger ist

zu entnehmen, welchen hohen Stellenwert Kopfverletzungen einnehmen. Dazu kommt auch die

Tatsache, dass derartige Unfälle besonders schwerwiegende Folgen haben können und in vielen

Fällen sogar lebensgefährlich sind oder tödlich ausgehen.

2. Gesundheitliche Risiken

Kopf- und Nackenschutz ist Persönliche Schutzausrüstung zum Schutz des Kopfes und des

Nackens einschließlich des hinteren Halses vor Verletzungen und vor anderen Schädigungen

durch:

• mechanische Einwirkungen (herabfallende, pendelnde, umfallende und wegfliegende Gegenstände

oder Anstoßen an Gegenständen)

• chemische Einwirkungen (Säuren, Laugen, Lösungsmittel)

• thermische Einwirkungen (Hitze, Kälte, glühende Teilchen, Flüssigmetallspritzer, Flammen)

• elektrische Einwirkungen (Berührungsspannung, Funkenbildung – auch durch elektrische Entladungen)

• Einwirkung von optischer oder ionisierender Strahlung

• erfasst werden durch bewegte oder drehende Teile von Arbeitsmitteln oder sonstigen Gegenständen

(z. B. Erfassen der Haare)

3. Normen und Kennzeichnung

Kopfschutzausrüstungen fallen je nach Einsatzart und Schutzfunktion in die PSA-Kategorie I,

II oder III. Details dazu entnehmen Sie bitte unserem Kapitel „EU-Richtlinien“. Der PSA-

Kategorie III jedenfalls zugeordnet sind:

• Helme, die für den Einsatz in heißer Umgebung ausgelegt und hergestellt werden, sowie

• zum Schutz gegen Risiken der Elektrizität ausgelegte und hergestellte Helme.

NORMEN

Folgende Normen gelten für besondere Anwendungen und Helmausführungen:

• Helme für elektrische Arbeiten (1000 V): EN 50365 für elektrisch isolierende Helme zum

Arbeiten an unter Spannung stehender Teile bis Wechselspannung 1000 V (AC) oder Gleichspannung

1500 V (DC). Bei diesem Test werden 10.000 V verwendet.

• Helme für explosionsgefährdete Bereiche: Um die Ableitfähigkeit bzw. Antistatik von ausgewählten

Industriehelmen nachzuweisen, gibt es keine festgelegte Norm. Eine Möglichkeit

ist es, die „EN 13463-1 nicht-elektrische Geräte für den Einsatz in explosionsgefährdeten

13


KOPF-

SCHUTZ

1

Bereichen“ hinzuziehen. Durch Vermeidung elektrostatischer Aufladung haben einige Hersteller

Helme mit konkreten ATEX-Zonen und Explosionsgruppen „ATEX“ zertifiziert.

• Helme für Kletter-/Bergsteiger-Anwendungen: Bergsteigerhelme nach EN 12492 haben

eine große Belüftungsfläche. Sie unterscheiden sich gegenüber EN 397-Helmen im

Wesentlichen dadurch, dass der Kinnriemen später nachgeben muss (Zugkraft > 500 N

[EN 397 = 250 N]), um zu verhindern dass der Helm beim Absturz zu schnell vom Kopf fällt,

wohingegen die EN 397 beim Kinnriemen den Strangulationsschutz sicherstellen möchte.

• Helme für Land- und Forstwirtschaft: Eine spezielle Norm für diese Anwendung gibt es

nicht, aber EN 397-Schutzhelme mit guter Belüftung und Regenrinne werden bevorzugt. Sie

sollten oftmals der EN 397 Zusatzanforderung „sehr niedrige Temperaturen“ entsprechen.

Da bei dieser Anwendung gleichzeitig Kopf-, Gehör-, Gesichts- und Nackenschutz eingesetzt

wird, sollten die Komponenten ideal aufeinander abgestimmt und miteinander zertifiziert

sein. Laut § 69 AAV, Abs. 6, sind bei einer gleichzeitigen Gefährdung des Kopfes, der Augen,

des Gesichtes oder des Gehörs nach Möglichkeit Schutzhelme, die mit entsprechenden

anderen Schutzausrüstungen kombinierbar sind, zur Verfügung zu stellen.

• Helme mit integriertem Augen- oder Gesichtsschutz: Der Augenschutz (Arbeitsschutzbrille)

oder der Gesichtsschutz (Visier) kann unter der Helmschale verstaut und bei Bedarf

über Augen bzw. Gesicht gezogen werden.

KENNZEICHNUNG

Diese hat zu umfassen:

• Angabe der europäischen Norm EN 397

• Name oder Zeichen des Herstellers

• Jahr und Quartal der Herstellung

• Typenbezeichnung des Herstellers (Helmschale und Innenausstattung)

• Größe oder Größenbereich in cm (Helmschale und Innenausstattung)

• Material Kurzzeichen (ISO 472 „Plastics-Vocabulary“)

• CE-Konformitätszeichen

Kennzeichnung bei optionalen Zusatzanforderungen

Zusatzanforderung

Kennzeichnung

Sehr niedrige Temperaturen – 20° C bzw. – 30° C

Sehr hohe Temperaturen + 150° C

Elektrische Isolierung

440 VAC

Seitliche Verformung

LD

Metallspritzer

MM

Benutzerinformation

Die EN 397 verlangt auch, dass jedem Helm eine umfassende und verständliche Herstellerinformation

beiliegt und alle sicherheitsrelevanten Hinweise mittels Etikett am Helm angebracht

werden. Der „Beipackzettel“ des Herstellers hat folgende Informationen zu beinhalten:

• Name und Adresse des Herstellers

• Empfehlungen, Anweisungen zu Verstellung, Sitz, Benutzung, Reinigung, Desinfektion, Wartung,

Lagerung

• Angaben betreffend Zubehör und Ersatzteilen

• Angaben zu Benutzungseinschränkungen entsprechend den jeweiligen Gefahren

• Angaben zum Verfallsdatum

• Angaben der geeigneten Verpackungsarten beim Transport

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AUGENSCHUTZ

1. Allgemeines

Die Augen zählen zu den empfindlichsten Sinnesorganen des menschlichen Körpers und sind

durch nichts zu ersetzen. Sie brauchen daher besonderen Schutz, um vor Verletzungen und

schädigenden Einflüssen abgeschirmt zu werden. Leider gibt es in Österreich noch immer überdurchschnittlich

viele Augenverletzungen.

Gefahren am Arbeitsplatz

Das Auge verfügt zwar über natürliche Schutzfunktionen wie Wimpern, Tränenfluss, Augenlider

und Lidschlussreflex, diese sind in der Praxis am Arbeitsplatz jedoch nicht ausreichend. Die Gefahren

für unsere Augen am Arbeitsplatz werden oft auch nicht in ausreichendem Maß

als solche erkannt, wirksamer Augenschutz wird nicht oder nur in ungenügender Form verwendet.

Laut Statistik erleiden zwei Drittel der betroffenen Personen bei Augenverletzungen deutlich

messbare, bleibende Sehkrafteinbußen. Jeder 10. verliert auf dem verletzten Auge sogar die

Sehkraft zur Gänze, d. h. wird auf diesem Auge blind. Auch viele sogenannte „nichtmeldepflichtige“

Augenverletzungen, wie z. B. das ambulante Entfernen von Fremdkörpern, verursachen –

meist durch kleinste Narben auf der Hornhaut – bleibende Schädigungen an den Augen und

beträchtliche Unfallfolgekosten.

2. Gesundheitliche Risiken

Die gesundheitlichen Risiken, denen das menschliche Auge am Arbeitsplatz ausgesetzt ist, sind

vielfältig und in der Folge unterteilt nach Schädigungen durch:

• mechanische Einwirkungen (Staub und Festkörper wie Bolzen, Körner, Späne, Splitter)

• optische Einwirkungen (UV- und IR-Strahlen, Blendung durch Licht)

• chemische Einwirkungen (Dämpfe, Gase, Laugen, Nebel, Rauche, Säuren, Stäube)

• thermische Einwirkungen (Hitze, Kälte, glühende Partikel, Schmelzmetall)

• besondere Einwirkungen (Laserstrahlen, Störlichtbögen, Röntgenstrahlen)

In der Praxis sind an vielen Arbeitsplätzen mehrere Einwirkungen gleichzeitig zu beachten (meist

thermisch/mechanische Einwirkungen durch glühendes/geschmolzenes Material oder heiße

Späne mit hoher Geschwindigkeit).

Mechanische Einwirkungen

Mehr als 70 % aller Augenunfälle, nichtmeldepflichtige miteingeschlossen, werden durch mechanische

Einwirkungen verursacht. Dazu zählen:

Staub: Dieser gelangt – ohne die Hornhaut zu verletzen – zwischen Lid und Augapfel. Es kommt

in Folge zu Reizungen und/oder Entzündungen.

23


Festkörper wie Späne, Splitter und Körner unterschiedlicher Größe können auf das Auge auftreffen

und in dieses eindringen. Die Verletzungen reichen je nach Art, Form und kinetischer

Energie des Fremdkörpers von Entzündungen und Prellungen bis hin zu Schädigungen von

Linse, Glaskörper und Netzhaut mit bleibenden Folgen.

AUGEN-

SCHUTZ

2

Optische Einwirkungen

UV-Strahlen sind als energiereiche Strahlung in diesem Frequenzbereich besonders ge -

fährlich:

Durch UV-A-Strahlen (315–380 nm*), die in der Linse absorbiert werden, entsteht als Langzeiteffekt

der „Graue Star“, eine Form der Linsentrübung.

UV-B-Strahlen (280–315 nm) werden bereits in der Hornhaut absorbiert und verursachen

Entzündungen der Binde- und Hornhaut, aber keine bleibenden Schäden. Die Schmerzen

durch dieses so genannte „Verblitzen“, besonders den Elektroschweißern in der Praxis bekannt,

treten allerdings erst etwa 6–8 Stunden nach Strahleneinwirkung auf.

Bei UV-C-Strahlen (100–280 nm) erfolgt die Absorbierung meist schon in der Luft, sodass für

die Augen praktisch keine Gefahr besteht.

IR (Infrarot)-Strahlung kann bei kurzwelligem Infrarotlicht (780–1400 nm) zu lokalen Verbrennungen

der Netzhaut führen. Langwellige Infrarotstrahlen (1400–3000 nm) sowie IR-C Strahlen

(3000 nm–1 mm) verbrennen die Hornhaut und erwärmen dahinter das Augenkammerwasser

und die Linse (Ausstrahlung durch feuerflüssige Massen in der Stahl- und Glasindustrie). Es

kommt zum sogenannten „Glasbläserstar oder Feuerstar“, das heißt zur Erblindung!

Sichtbare Lichtstrahlen (380–780 nm) können bei entsprechender Intensität und Einwirkdauer

ebenfalls zu fotochemischen und/oder thermischen Verletzungen der Netzhaut führen.

Gefährdungen durch Blau-Licht (Blue Light Hazard) entstehen aus hoch energetischem sichtbarem

Licht (HEV light) im unteren Wellenlängenbereich (380–490 nm). In der neuesten Forschung

wurde das sogenannte Blau-Licht als eine Ursache für altersbezogene Makula-Degeneration

identifiziert. Diese photochemische Schädigung des Auges wird als Photoretinitis

be zeichnet und ist oft von thermischen Netzhautschädigungen überlagert.

* nm-Zeichen für Nanometer = 10- 9 m

24


GEHÖRSCHUTZ

1. Allgemeines

Das Gehör ist unser wichtigster Sinn. Es bildet die Grundlage unseres sozialen Lebens und ist

24 Stunden am Tag im Einsatz – es schläft nie. Sein größter Feind ist der Lärm. Unter „Lärm“

werden alle Geräusche verstanden, die gesundheitsschädigend sind oder als unangenehm und

belästigend empfunden werden.

Lärm ist eine Geißel der modernen Gesellschaft. Die überwiegende Zahl der Menschen in Industrienationen

fühlt sich durch Lärm belästigt, ihre Lebensqualität ist gemindert. Dem „öffentlichen

Lärm“, z. B. durch Verkehr, kann man kaum entrinnen. Leider akzeptieren oder ignorieren

viele den zum Teil stark gesundheitsschädlichen Freizeitlärm wie z. B. in Diskotheken, durch Unterhaltungselektronik

oder bei Autorennen.

Hierzu kommen Lärmbelastungen an vielen Arbeitsplätzen. Nach Schätzung sind in Österreich

ca. 500.000 Menschen an ihren Arbeitsplätzen konkret durch Lärm gesundheitlich gefährdet.

Besonders alarmierend ist, dass inzwischen bereits jeder vierte Österreicher in verschieden

starkem Ausmaß hörgeschädigt ist.

120 dB (A)

Schmerzschwelle

1 W/m 2

100 dB (A)

10- 2 W/m 2

85 dB (A)

Musik

10- 4 W/m 2

60 dB (A)

40 dB (A)

Sprache

10- 6 W/m 2

10- 8 W/m 2

20 dB (A)

Hörfeld

10- 10 W/m 2

10- 12 W/m 2

10 Hz

20 Hz 100 Hz 1000 Hz 20000 Hz

Aufteilung der Frequenzbereiche

35


2. Gesundheitliche Risiken

Lärmschwerhörigkeit ist eine schleichende Krankheit. Sie entwickelt sich oft unbemerkt, verursacht

keine Schmerzen und tritt ohne Vorwarnung plötzlich auf. Lärmschwerhörigkeit ist unheilbar,

da die einmal zerstörten Hörzellen unwiederbringlich verloren sind. Die sozialen Folgen für

die Betroffenen und für die Solidargemeinschaft sind schwerwiegend. Zu den Auswirkungen auf

den Organismus zählen Zerstörung der Blutgefäße, Schäden am vegetativen Nervensystem, psychische

Schäden, Bluthochdruck und Schwächung des Immunsystems.

GEHÖR-

SCHUTZ

3

Lärmpegel in dB (A)

115

112

109

106

103

100

97

Wie lange verträgt das menschliche Ohr welchen Lärm?

110 dB

z. B. Kreissäge

100 dB

z. B. Motorsäge

Das Diagramm zeigt,

wie lange das menschliche

Ohr einer ent sprechenden

Dauerschallbelastung ausgesetzt

sein kann, ohne einen

Gehörschaden zu erleiden.

Bei Über schreitung der Linie

droht eine Gehörschädigung.

Es ist unbedingt Gehörschutz

zu verwenden.

94

91

88

85

0,9375 1,875 3,75 7,5 15 30 60 120 240 480

Lärmbelastung in Minuten

Eine Gefährdung für die Gesundheit liegt dann vor, wenn sich der Mensch Lärm aussetzt, bei

dem ein Beurteilungspegelwert von 85 dB(A) erreicht oder überschritten wird. Schallwellen beginnen

ab diesem Wert, unsere Gehörzellen zu schwächen und letztlich zu zerstören. Der gesunde,

junge Mensch hört Schallwellen im Frequenzbereich von ca. 16–20.000 Hz mit einem Schalldruck

ab ca. 1 dB(A). Bitte beachten Sie, dass die „dB-Skala“ logarithmisch ist:

plus 10 dB = 10-facher Schalldruck

plus 20 dB = 100-facher Schalldruck

plus 3 dB = Verdoppelung des Schalldrucks

minus 3 dB = Halbierung des Schalldrucks

Laut EU-Vorgaben muss bei einem Schalldruckpegel ab 85 dB(A) Gehörschutz verwendet werden,

ab 80 dB(A) hat der Arbeitgeber geeigneten Gehörschutz zur Verfügung zu stellen. Ab einem

Dauerschallpegel über 85 dB nimmt die zulässige Einwirkzeit extrem ab (siehe Tabelle oben).

Wesentlich ist auch die Zunahme des Schallpegels durch mehrere laute Maschinen, z. B. + 3 dB

bei zwei gleich lauten Maschinen (Interferenz).

36


ATEMSCHUTZ

1. Allgemeines

Erkrankungen der Atemwege sind – bedingt durch die wachsende Umweltbelastung – generell

im Steigen begriffen. Mediziner befü rchten vor allem die unverhältnismäßig starke Zunahme

von chronischen Atemwegserkrankungen. Besonders wichtig ist daher auch der fachgerechte

Schutz vor Schadstoffen in der Atemluft am Arbeitsplatz: Denn allein am Arbeitsplatz sind bereits

mehr als zehn Prozent der österreichischen ArbeitnehmerInnen Schadstoffen in den verschiedensten

Formen ausgesetzt. Jährlich verursachen Erkrankungen der Atemwege mehr als

acht Millionen Krankenstandstage.

2. Gesundheitliche Risiken

Durch gesundheitsschädliche Beimengungen in der Atemluft oder durch Sauerstoffmangel in

der Umgebungsatmosphäre können Schädigungen des menschlichen Organismus hervorgerufen

werden. Sauerstoffmangel in der Atemluft fü hrt zu einem Sauerstoffmangel in den Zellen

des menschlichen Körpers und blockiert wichtige Lebensfunktionen. Er wird durch die menschlichen

Sinne nicht wahrgenommen.

Umfang der Schädigung unterschiedlich

Schadstoffe können – je nach

spezifischer (physikalischer,

chemischer oder kombinierter)

Wirkungsweise des Stoffes – zu

Lungenerkrankungen, akuten oder

chronischen Vergiftungen, Strahlenschäden,

durch Bakterien oder

Viren ü bertragbaren Krankheiten

sowie zu sonstigen Schäden

(z. B. Allergien/Sensibilisierung)

oder Krebserkrankungen fü hren.

Der Umfang der Schädigung ist im

Allgemeinen abhängig von der

Konzentration und der Einwirkdauer

des gesundheitsschädlichen

Stoffes, der Wirkungsweise im

Körper, der Schwere der auszufü

hrenden Arbeit (und dem damit

verbundenem Atemluftbedarf)

sowie der persönlichen Disposition.

Angriffsorte

Nasen-/

Rachenraum

Luftröhre

Bronchien

Bronchiolen

Alveolen

Wie tief dringen Partikel

in den menschlichen Atemtrakt ein?

(Lungenbläschen)

Partikeldurchmesser

< 10 μm

3–5 μm

< 2,5 μm

1–2 μm

< 1 μm

< 0,11 μm

45


ATEM-

SCHUTZ

4

Schadstoffe in der Atemluft

Diese gliedern sich in:

• Partikelförmige Schadstoffe

Dazu zählt man Staub, Rauch, Nebel. Diese können Nase, Hals und die oberen Atemwege

reizen. Abhängig von der Größe können Partikel bis tief in die Lunge eindringen, dort

das Gewebe schädigen und schwerwiegende Gesundheitsschäden verursachen (Beispiel:

Fibrosen – frü her „Staublunge“ oder Silikose genannt). Partikelförmige Schadstoffe verursachen

meist chronische Schäden.

• Schadstoffe in Form von Gasen und Dämpfen

Da Gase und Dämpfe ü ber die Lunge unmittelbar in die Blutbahn gelangen, können sie

schwerste, letztlich sogar tödliche Organschädigungen verursachen. Gase und Dämpfe können

bereits in kleinsten Mengen sowohl unmittelbare als auch chronische Schäden hervorrufen

und mü ssen nicht unbedingt ü ber die Sinnesorgane (Augen, Mund, Nase) wahrnehmbar

sein.

3. Normen und Kennzeichnung

– Alle zum Schutz gegen Aerosole in fester oder flüssiger Form oder gegen Gase ausgelegten

und hergestellten Atemschutzausrüstungen,

– alle Atemschutzausrüstungen, die ausgelegt und hergestellt werden, um den Träger vollständig

von der Umgebung zu isolieren sowie

– alle für das Tauchen ausgelegten und hergestellten Atemschutzausrüstungen.

fallen unter die PSA-Kategorie III.

Weitere Angaben dazu entnehmen Sie bitte unserem Kapitel „EU-Vorgaben/PSA-Kategorien“.

NORMEN

Eine Einteilung von Atemschutzausrüstungen ist in EN 133 zu finden. Diese werden in vielen

unterschiedlichen Normen geregelt. Eine detaillierte Übersicht, welche Norm welche Art von

Atemschutz regelt, finden Sie in der Tabelle auf Seite 53.

KENNZEICHNUNG

Auch bezüglich Anforderungen, Prüfung und Kennzeichnung von Atemschutzgeräten sei auf die

in dieser Tabelle genannten Normen verwiesen.

Für Atemfilter nach den Normen EN 143, EN 14387, DIN 58620, DIN 58621 gibt es einen Farbcode

(siehe dazu die Tabellen auf den Seiten 50 und 51.).

4. Schutzwirkung und Produktarten

Kann durch technische und organisatorische Maßnahmen die Atemluftqualität nicht ausreichend

gewährleistet werden, dann muss geeigneter Atemschutz verwendet werden. Voraussetzung

fü r eine effiziente Vermeidung der Gesundheitsrisiken durch Atemschutz ist richtige Auswahl

und konsequente Verwendung und Wartung des Atemschutzes.

46


HANDSCHUTZ

1. Allgemeines

Unsere Hände sind unser wertvollstes Werkzeug! Daher sollte ein verantwortungsbewusster

und effizienter Schutz gegen Verletzungsgefahren eine betriebliche Selbstverständlichkeit sein.

Leider muss trotzdem jährlich mit rund 86.000 Arm- und Handverletzungen in österreichischen

Betrieben gerechnet werden, obwohl sich die Kosten für eine präventive Handschutzausrüstung

aller ArbeitnehmerInnen gegenüber den Unfallkosten für den Betrieb mit durchschnittlich nur

ca. 6 Prozent zu Buche schlagen.

2. Gesundheitliche Risiken

Die Risiken, denen unsere Hände am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, sind vielfältig. Je nach der Art

der Gefährdung durch z. B. Anstoßen; Einklemmen; umfallende, herabfallende oder abrollende

Gegenstände; spitze und scharfkantige Gegenstände; heiße und kalte Stoffe; aggressive Flüssigkeiten;

elektrischen Strom; Strahlung und Vibration wird unterschieden zwischen

• mechanischen Einwirkungen, die meist Schnitt- und Stichverletzungen, Hautabschürfungen,

Prellungen oder Quetschungen zur Folge haben;

• chemischen Einwirkungen beim Umgang mit festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen,

z. B. durch Säuren, Laugen, Fette, Öle, Lösemittel, Schmiermittel, Trennmittel, Mikroorganismen,

usw.; die Schädigungen hängen hier wesentlich von Art, Konzentration und Einwirkungsdauer

ab;

• thermischen Einwirkungen durch Kälte, offene Flammen, Wärmestrahlung und Wärmeleitung.

Kalte, heiße, feste oder flüssige Werkstoffe können entsprechend der Höhe der Temperaturen

oder der Menge der übertragenen Wärme Verbrühungen oder Verbrennungen

von unterschiedlicher Schwere und Ausdehnung verursachen;

• elektrischen Einwirkungen durch Berühren spannungsführender Teile an Betriebsmitteln

oder Einrichtungen;

• Strahlungseinwirkungen durch ionisierende Strahlen und/oder radioaktive Kontamination;

• Einwirkung von Vibration oder mechanischen Schwingungen, die vom Arbeitsgerät über

die Hand auf den Körper übertragen werden.

3. Normen und Kennzeichnung

Schutzhandschuhe fallen je nach Einsatzart und Schutzfunktion in die PSA-Kategorien I, II und

III. Folgende Hand- und Armschutzausrüstungen fallen jedenfalls unter die PSA-Kategorie III:

59


– Zum Schutz gegen Risiken der Elektrizität ausgelegte und hergestellte Ausrüstungen und/

oder Zubehör (abnehmbar oder fest angebracht) für Arbeiten unter gefährlicher Spannung

oder PSA zur Isolierung gegen Hochspannung.

– Ausrüstungen und/oder Zubehör (abnehmbar oder fest angebracht), die für den Einsatz in

heißer Umgebung ausgelegt und hergestellt werden.

– Ausrüstungen und/oder Zubehör (abnehmbar oder fest angebracht), die für den Einsatz in

kalter Umgebung ausgelegt und hergestellt werden.

– Ausrüstungen und/oder Zubehör (abnehmbar oder fest angebracht), die ausgelegt und

hergestellt werden, um einen zeitlich begrenzten Schutz gegen chemische Einwirkungen

oder ionisierende Strahlungen zu bieten.

Weitere Details dazu sowie die PSA-Kategorie-Zuordnungen entnehmen Sie bitte unserem

Kapitel „EU-Richtlinien“.

HAND-

SCHUTZ

5

NORMEN

Allgemeine Anforderungen an Schutzhandschuhe und Armschützer sind nach EN 420:2010

geregelt. Für den Teilbereich „Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken“ gibt es die

EN 388:2016 und für „Schutzhandschuhe gegen gefährliche Chemikalien und Mikroorganismen“

die EN 374:2016.

Seit 2014 gibt es mit EN 16350 auch eine Norm, die die elektrostatischen Eigenschaften von

Schutzhandschuhen für brand- und explosionsgefährliche Arbeitsbedingungen und die einschlägigen

Prüfmethoden definiert (siehe „Elektrostatische Eigenschaften“).

KENNZEICHNUNG

Leistungsindikatoren in Form von Kennziffern (bei mechanischer oder thermischer Schutzwirkung)

bzw. Kennbuchstaben (bei Chemikalienschutz) zeigen an, wie sich ein Handschuh bei

einem vorgegebenen spezifischen Test verhalten hat. Anhand dieser Kennzeichnungen können

die Ergebnisse der Prüfung eingestuft und entsprechende Rückschlüsse auf die Schutzwirkung

gezogen werden:

➢ Die Kennziffer 0 gibt an, dass dieser Handschuh entweder nicht dem entsprechenden Test

unterzogen wurde oder die Mindestanforderungen nicht erfüllt.

➢ Die Kennzeichnung X zeigt an, dass das Testverfahren für diese Handschuhart nicht geeignet

ist.

➢ Höhere Ziffern stehen für höhere Leistungsebenen.

Die Bedeutung der einzelnen Ziffern findet sich in den entsprechenden Kapiteln.

EN 420:2010 legt hinsichtlich Gestaltung, Konstruktion, Unschädlichkeit, Tragekomfort, Zweckmäßigkeit,

Kennzeichnung und Produktinformationen u. a. Folgendes fest:

Ergonomie

Die Handschuhgröße muss zur Handgröße passen (Gr. 6 bis Gr. 11; Mindestlänge pro Handgröße).

Handschuhe unterhalb der Mindestlänge müssen als „Geeignet für spezielle Zwecke“

bezeichnet werden.

60


HAUTSCHUTZ

1. Allgemeines

Beruflich bedingte Hauterkrankungen nehmen in den einschlägigen Statistiken der Industrieländer

seit Jahren mit ca. 30 % einen Spitzenplatz ein und haben oft einen Arbeitsausfall zur

Folge. Mitunter kommt es dadurch letztlich auch zu einem Arbeitsplatzwechsel.

Zwischen einem Hautproblem und einer Hautkrankheit

muss jedoch ein Unterschied gemacht

werden. Schließlich ist der Weg von gesunder zu kranker Haut ein schleichender Prozess, der

leider oft nicht rechtzeitig ernst genommen wird. Die Zahl der Berufstätigen mit Hautproblemen

ist wesentlich höher als die Zahl der anerkannten Pensionsbezieher.

Unser größtes Organ

Die Haut ist das größte Organ des Menschen (ca. 1,5–2 m²) und die Grenzfläche zwischen Organismus

und Umwelt. Sie ist ein multifunktionelles Organ – sie ist Sinnesorgan, Anpassungsorgan,

Speicherorgan, Absonderungsorgan, Stoffwechselorgan (Vitamin-D-Synthese und Entgiftung und

Repräsentationsorgan.

Die Haut besteht aus mehreren Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Corium) und

Unter haut (Subcutis):

Schematischer Aufbau der Haut:

Als Grenzfläche der Haut zur Umwelt ergeben sich wichtige Schutzfunktionen:

• Schutz vor chemischen Stoffen durch die Hornschichtbarriere;

• Schutz vor mechanischer Beanspruchung wie Zug, Druck, Stoß, Reibung durch die Oberhaut;

• Schutz vor UV-Strahlen durch Bildung des braunen Hautfarbstoffes (Melaninpigmentierung)

sowie Verdickung der Hornhaut (Lichtschwiele);

75


• Schutz vor Mikroorganismen im Zusammenwirken von saurer Hydrolipidschicht (Säureschutzmantel),

hauteigener Bakterienflora und Hornschicht;

• Schutz vor Austrocknung durch Hydrolipidschicht (Fette und wasserbindende Substanzen)

und Hornfette der Hornhaut;

• Schutz vor Wärmeverlusten durch das Unterhautfettgewebe.

2. Gesundheitliche Risiken

Grundsätzlich kann sich die Haut unter normaler Belastung selbst regenerieren. Schädigende

Stoffe, welche die Bausteine der Hornschichtbarriere lösen, führen jedoch zu einem Verlust der

natürlichen Schutzfunktion der Haut. Starke und vor allem sich wiederholende Einwirkungen im

Beruf können somit zu Hautproblemen und/oder Hautkrankheiten führen.

Unterschätzt wird auch die Belastung durch eine häufige Hautreinigung, bei der die feuchtigkeitsbindenden

Substanzen und Fette ausgewaschen werden, was eine Zerstörung des Säureschutzmantels

zur Folge hat.

HAUT-

SCHUTZ

6

Branchen mit erhöhten Gefährdungsrisiken

Baugewerbe Metallverarbeitung Frisörhandwerk

Lebensmittelverarbeitung Pflegeberufe Reinigungsbranche

Gastronomie Landwirtschaft Chemische Industrie

Malergewerbe Tapezierergewerbe Kunststoffindustrie

Gesundheitsberufe

Meistens sind chemische Stoffe für Hautprobleme und Hautkrankheiten verantwortlich. Sowohl

pflanzliche und tierische Stoffe als auch physikalische Einwirkungen können ebenfalls zu Hautveränderungen

führen.

Chemische Risiken

Mineralöle Reinigungsmittel Desinfektionsmittel

Säuren Laugen Kühlschmierstoffe

Farben Wasser Teer

Lösungsmittel

etc.

Physikalische Risiken

Thermisch: Hitze, Kälte

Strahlung: UV-Strahlen und andere

Mechanisch: Schnitte, Stiche (z. B. durch Arbeiten mit scharfkantigen Gegenständen, durch

Messer, Bleche, Metallspäne, etc.), Abrieb (z. B. durch Reinigung mit kantigen

und hautverletzenden Abrasiven)

Feuchtigkeit: z. B. durch langes Tragen von Handschuhen

Auswirkungen von Hautgefährdungen sind

• Hauttrockenheit

• Entstehung von Hautentzündungen (z. B. Abnutzungsekzeme/allergische Kontaktekzeme)

• Verschlimmerung von bereits bestehenden und/oder vererbten Hauterkrankungen

(z. B. Schuppenflechte, Neurodermitis)

• Hautzerstörung (z. B. Verbrennung, Zerstörung durch Säuren, Schnittverletzungen)

• dermale Aufnahme von Stoffen in den Körper (Organschädigungen, innere Erkrankungen)

76


SCHUTZKLEIDUNG

1. Allgemeines

Der menschliche Körper ist während des Arbeitsprozesses vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Daher

ist es meist unerlässlich, zweckmäßige, physiologisch einwandfreie und qualitativ hochwertige

Bekleidung zur Verfü gung zu stellen. Die Auswahl der richtigen Schutzkleidung kann dazu

beitragen, Berufskrankheiten zu verhindern.

2. Gesundheitliche Risiken

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Risiken:

Mechanische Risiken

entstehen durch Strahlmittel, Anstoßen, unentgratete,

spitze oder scharfkantige Werkstoffe, Werkstü

cke, Werkzeuge sowie bei Transportvorgängen

oder beim Verfangen in beweglichen Teilen.

Die Folgen sind häufig Schnitt- und Stichverletzungen,

Hautabschü rfungen, Prellungen oder Quetschungen.

Chemische und biologische Risiken

entstehen beim Umgang mit festen, flü ssigen oder

gasförmigen Stoffen, z. B. durch Säuren, Laugen,

Fette, Öle, Lösemittel, Schmiermittel, Trennmittel,

Mikroorganismen usw.

Die Schädigungen hängen von Art, Konzentration

und Einwirkungsdauer ab.

Thermische Risiken

entstehen im Wesentlichen durch Kälte, offene Flammen, Wärmestrahlung und Wärmeleitung.

Kalte, heiße, feste oder flü ssige Werkstoffe können – abhängig von ihrer Temperatur sowie der

Menge der ü bertragenen Wärme/Kälte – Verletzungen in Form von Verbrü hungen, Verbrennungen

oder Erfrierungen unterschiedlichen Grades verursachen.

Elektrische Risiken

treten beim Umgang mit spannungsfü hrenden Teilen an Betriebsmitteln oder -einrichtungen

auf.

Strahlungsrisiko

entsteht durch ionisierende Strahlen und/oder radioaktive Kontamination, UV- und IR-Strahlung,

elektromagnetische Strahlung, Mikrowellen.

83


FUSS-SCHUTZ

1. Allgemeines

Sturz und Fall stehen in nahezu allen Unfallstatistiken leider nach wie vor an erster Stelle, wobei

sehr oft schlechtes Schuhwerk der Auslöser für schwere Unfälle ist. Hinzu kommen Verletzungsgefahren

durch Herab- oder Umfallen schwerer und/oder spitzer Gegenstände sowie durch

Ausrutschen und Umknicken. Ebenso können durch das Eintreten spitzer, scharfer Fremdkörper

(z. B. auf Baustellen) sowie durch Kontakt mit heißen Flüssigkeiten, Gegenständen oder Untergründen,

Fußverletzungen verursacht werden.

2. Gesundheitliche Risiken

Die Gefahrenquellen für unsere Füße sind vielfältig und umfassen mechanische, chemische,

thermische und elektrische Einwirkungen. Zudem sind Fußverletzungen auch nicht an bestimmte

Tätigkeiten oder Berufe gebunden – man muss also immer damit rechnen, wenn Gefährdungen

durch

• Stoßeinwirkung,

• Einklemmen,

• umfallende, herabfallende oder abrollende Gegenstände,

• Hineintreten in spitze und scharfe Gegenstände,

• heiße Stoffe,

• aggressive Flüssigkeiten oder

• unebene, rutschige Böden

nicht auszuschließen sind.

3. Normen und Kennzeichnung

Sicherheits- und Berufsschuhe fallen je nach Einsatzgebiet unter die PSA-Kategorie II und III.

Eine weitere Unterscheidung erfolgt nach den verwendeten Materialien: Schuhe der Klasse I

bestehen im Oberteil aus Leder oder anderen Materialien; Schuhe der Klasse II bestehen im

Ganzen aus Gummi oder aus Kunststoff (PVC, PUR).

Sicherheitssandale S1

Sicherheitshalbschuh S2

Hoher Sicherheitssschuh S3

99


Witterungsrisiko

kommt beim Aufenthalt im Freien, u. a. durch Regen, schlechtes Wetter oder extreme Temperaturen

zum Tragen.

Schlechte Sichtbarkeit

durch Witterungseinflü sse oder bei Dunkelheit beeinträchtigte Wahrnehmung.

3. Normen und Kennzeichnung

Schutzbekleidung fällt je nach Schutzeigenschaften und Einsatzgebiet unter die PSA-Kategorien I,

II oder III. Bitte beachten Sie dazu im Detail unser Kapitel „CE-Kennzeichnung“.

Der Begriff Schutzbekleidung wird durch die Evaluierungsverordnung und durch die bestehenden

EN-Normen genau definiert.

NORMEN

Die grundsätzlichen Anforderungen an Schutzkleidung sowie die Kennzeichnungs-Richtlinien

sind in der EN ISO 13688:2013 (Vorgängerdokument EN 340) festgelegt und diese gelten zusätzlich

fü r alle nachfolgend angefü hrten Produktarten.

Die Kriterien für die verschiedenen Arten von Chemikalienschutzkleidung

sind in den Normen EN 943, EN 14605, EN ISO 13982 und

EN 13034, jene für Hitzeschutzkleidung in EN ISO 11612:2008, für

Schweißerschutzkleidung in EN ISO 11611:2007, für Schutzkleidung gegen

Regen in EN 343, gegen Kälte (Temperaturen unter – 5°C) in EN 342,

SCHUTZ-

KLEIDUNG

gegen Kälte (Temperaturen höher als – 5°C) in EN 14058 und jene für

7 Warnkleidung in EN 20471:2013 geregelt. Die für weitere spezielle

Schutzbekleidungen jeweils gültigen Normen finden Sie bei den Produktartenbeschreibungen

angeführt.

KENNZEICHNUNG

EN ISO 13688 schreibt genaue Richtlinien bei der Kennzeichnung von

Schutzbekleidung vor. Es wird nicht nur die Art der Kennzeichnung festgelegt,

sondern auch die Zusatzkennzeichnung in Form von Piktogrammen

fü r die unterschiedlichen Einsatzgebiete.

Beispiel einer

Etikettierung

4. Schutzwirkung und Produktarten

Unter dem Begriff „Schutzkleidung“ sind alle den Körper, die Arme und Beine bedeckende Bekleidungsteile

zu verstehen, die den Menschen bei der Arbeit oder im Katastropheneinsatz

gegen Unfallgefahren verschiedenster Art schü tzen.

Die Schutzwirkung von Schutzkleidung wird zum einen durch ihre Ausfü hrung, im Wesentlichen

jedoch durch die Eigenschaften der verwendeten Gewebe oder Materialien bestimmt.

Schutzkleidung oder Berufskleidung?

Da einigen Berufskleidungsarten durch bestimmte Ausfü hrungsformen (Ärmelbü ndchen, verdeckte

Knopfleisten u. Ä.) spezielle Schutzfunktionen zugeordnet sind, kann Berufsbekleidung

gegenü ber Schutzkleidung nicht eindeutig abgegrenzt werden. Berufsbekleidung, die lediglich

dem Schutz vor Schmutz dient und der keine spezielle Schutzfunktion zugeordnet werden kann,

ist keine Persönliche Schutzausrü stung im Sinne der EU-Richtlinie.

84


Je nach Form der Schuhe gibt es folgende Bezeichnungen:

• Halbschuhe Form A

• Stiefel niedrig Form B

• Stiefel halbhoch Form C

• Stiefel hoch Form D

• Stiefel oberschenkelhoch Form E

NORMEN

Sicherheits- und Berufsschuhe werden im Normenwerk EN ISO 20344–20347 geregelt, wobei

die Norm EN ISO 20344 ausschließlich das Prüfverfahren für Schuhe festlegt, die EN ISO 20345

die Anforderungen für Sicherheitsschuhe, die EN ISO 20346 die Anforderungen für Schutzschuhe

und die EN ISO 20347 die Anforderungen für Berufsschuhe vorgibt.

FUSS-

SCHUTZ

8

Grund- und Zusatzanforderungen

Alle Schuhe der Normenreihe 20345-20347 müssen die vorgegebenen Grundanforderungen erfüllen

wie zum Beispiel:

Schuhoberteil: Dicke, Reißfestigkeit, Zugfestigkeitseigenschaften, Biegefestigkeit, Wasserdampfdurchlässigkeit

und Wasserdampfzahl, pH-Wert, Hydrolyse, Chrom(VI)-Gehalt, Abriebwiderstand,


Brandsohle/Einlegesohle: Dicke, pH-Wert, Wasseraufnahme und -abgabe, Abrieb der Brandsohle,

Chrom (VI)-Gehalt, Abrieb der Einlegesohle,

Laufsohle: Aufbau der Laufsohle, Reißfestigkeit, Abriebwiderstand, Biegefestigkeit, Hydro lyse,

Trennkraft zwischen den Schichten bei Mehrschichtensohlen,

Gesamter Schuh: Rutschhemmung nach EN 13287, gekennzeichnet auf jedem Schuh je nach Prüfverfahren

mit:

SRA bei positivem Test auf Böden aus Keramikfliesen mit Natriumsulfatlösung oder

SRB bei positivem Test auf Stahlboden mit Glycerol oder

SRC bei positivem Test nach beiden Prüfverfahren

Diese Grundanforderungen können je nach Gefährdungspotential durch Zusatzanforderungen

ergänzt werden, wie beispielsweise Anforderungen an Wärme- oder Kälteisolierung, Durchtrittsicherheit,

elektrischen Durchgangswiderstand bei elektrostatischer Gefährdung, Ristschutz,

Wasseraufnahme etc.

Kennzeichnungen bei Zusatzanforderungen für besondere Anwendungen (Auszug) – Tabelle 1

Symbol Anforderung

A A n ti s t a ti k *

AN Erweiterter Knöchelschutz

C Leitfähigkeit*

CI Kälteisolierung

CR Schnittschutz im Bereich oberhalb des Sohlenrandes

E Energieaufnahme im Fersenbereich

HI Wärmeisolierung

HRO Laufsohlenverhalten gegenüber Kontaktwärme (+ 300° C/ 1 min)

I Elektrisch isolierender Fußschutz

M Mittelfußschutz

P Durchtrittsicherheit

WR Wasserdichtheit des ganzen Schuhes

WRU Beständigkeit des Schuhoberteils gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme

* Achtung: Merkblatt für den Anwender pro Paar erforderlich!

100


ABSTURZSICHERUNGEN

1. Allgemeines

„Sturz und Fall“ ist das Unfallrisiko Nummer 1. Dabei kommt es oftmals zu folgenschweren bis

tödlichen Verletzungen. Daher ist es bei Arbeiten auf erhöhten Standorten außerordentlich

wichtig, auf eine ordnungsgemäße Absturzsicherung zu achten.

2. Gesundheitliche Risiken

Die Folgen bei Nichtbenützung von Absturzsicherungen sind meist schwerwiegend. Bereits

Stürze aus geringer Höhe führen im Regelfall zu schweren Verletzungen. Wichtig ist es, nur geprüfte

Systeme zu verwenden, welche die Auffangkraft unter 6 kN halten.

3. Normen und Kennzeichnung

Ausrüstungen zum Schutz gegen Stürze aus der Höhe fallen – aufgrund der schwerwiegenden

möglichen Folgen – stets unter die PSA-Kategorie III.

NORMEN

Die verwendeten Systeme müssen nach den jeweiligen Normen geprüft sein und dürfen nicht

verändert werden! Die Europanormen für PSA gegen Absturz verweisen auf die EN 363:2008

(Persönliche Absturzschutzsysteme), eine detaillierte Beschreibung der darin geregelten Systeme

finden Sie unter „Schutzwirkung und Produktarten“. In EN 364 sind die notwendigen Prüfverfahren

für PSA gegen Absturz geregelt.

KENNZEICHNUNG

Allgemeine Anforderungen an Gebrauchsanleitungen, Wartung, regelmäßige Überprüfungen,

Instandsetzung sowie Kennzeichnung und Verpackung sind in EN 365 zu finden. Bitte beachten

Sie diesbezüglich auch unsere Anmerkungen unter „Auswahltipps und Qualitätskriterien“.

4. Schutzwirkung und Produktarten

Die Industrie bietet heute eine Vielzahl von Produktarten an, die, wenn sie richtig und ordnungsgemäß

verwendet werden, für jede Situation eine passende Lösung bieten. Je nach Risikosituationen

und örtlichen Gegebenheiten gibt es komplette Absturzschutzsysteme (EN 363), die

einerseits ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleisten, andererseits aber die Bewegungsfreiheit

nicht bzw. nur minimal einschränken.

111


Bei diesen Systemen wird darauf geachtet, dass die bei Sturz auftretenden Kräfte auf ein Minimum

(unter 6 kN) reduziert und auf kraftaufnahmefähige Körperteile verteilt werden, sodass

Rücken- und Genickverletzungen weitgehend vermieden werden können.

Wie bereits oben erwähnt, müssen die verwendeten Systeme nach den jeweiligen Normen geprüft

sein und dürfen nicht verändert werden. EN 363:2008 (Persönliche Absturzschutzsysteme)

umfasst die nachfolgend angeführten Systeme:

Rückhaltesystem

B

A

ABSTURZ-

SICHERUNG

9

A

C

System zur Verhinderung von Abstürzen

A – Anschlagpunkt

B – Halte- oder Auffanggurt

C – Verbindungsmittel

BRückhaltesysteme dürfen nur verwendet werden, um Abstürze zu verhindern (Rückhalten vor

Cder Absturzstelle); z. B. auf Flachdächern, wo das Verbindungsmittel so gewählt ist, dass man

nicht an die Absturzkante kommen kann.

Arbeitsplatzpositionierungssystem

A

C

B

A – Anschlagpunkt

B – Auffanggurt

C – Verbindungsmittel

System zum Hineinlehnen oder Hängen, um eine Arbeitsposition einnehmen zu können, bei der ein

ASturz ausgeschlossen ist.

B

Bei Absturzgefahr ist ein zusätzliches Auffangsystem erforderlich!

C

112


MESSTECHNIK

1. Allgemeines

Die Messtechnik dient dem Erkennen von und Warnen vor explosiblen, toxischen und radioaktiven

Gefahren sowie der Messung von Stäuben und Lärm. Eine Vielzahl von Gas-/Luft- und

Dampf-/ Luftgemischen sowohl im industriellen und kommunalen als auch im privaten Bereich

sind als „gefährlich“ zu bezeichnen.

2. Gesundheitliche Risiken

Die Gefährlichkeit dieser Stoffe kann sich auf eine Explosionsgefahr und/oder eine Gesundheitsschädigung

des Menschen durch Vergiftung oder Sauerstoffmangel beziehen. Es kann nie mit

Sicherheit vermieden werden, dass diese Stoffe nicht doch durch Fehlbedienung, Anlagendefekte,

Transportunfälle, falsche Lagerung etc. an die umgebende Luft gelangen und dort eine

Gefahr für Mensch und Anlage darstellen. Auch beim Einstieg in Gruben, Schächte und Kanäle

ist die Gefahr groß, mit gefährlichen Gasen in Kontakt zu kommen.

Objektive Gefahrenbeurteilung

Um aber das Ausmaß einer Gefahr durch gefährliche Stoffe nachweisen und erfassen zu können,

reicht der angeborene Spürsinn, die Nase, nicht aus. Auch einer „geübten Nase“ ist es nicht

möglich, jeden Stoff zu erkennen oder gar die vorhandene Konzentration zu bestimmen.

Allein das Hommel-Handbuch der gefährlichen Güter

umfasst mittlerweile ca. 3.000 verschiedene

Stoffe. In der Grenzwerteverordnung 2011 (GKV 2011) sind über 600 Stoffe enthalten. Bei

einer Vielzahl von Stoffen liegt die Geruchsschwelle über dem Grenzwert, Strahlungsquellen

sind überhaupt geruchlos. Zur objektiven Gefahrenbeurteilung, wie z. B. Spüren, Messen und

Warnen, sind somit technische Hilfsmittel, also „Warngeräte“ notwendig.

3. Normen und Kennzeichnung

Als Produkte der Sicherheitstechnik müssen Gasmessgeräte für den industriellen Einsatz neben

den gesetzlichen Auflagen (Explosionsschutz, elektromagnetische Verträglichkeit) weitere Anforderungen

erfüllen, sodass auch unter harten Einsatzbedingungen die Produktqualität und die

Zuverlässigkeit der Gasmessgeräte gewährleistet bleiben.

Explosionsschutz

Bei industriellen Prozessen sind sehr häufig brennbare Substanzen, möglicherweise auch brennbare

Stäube beteiligt. In diesen Bereichen können brennbare Gase und Dämpfe prozessbedingt

(z. B. durch Entlastungsventile) oder auch durch unvorhersehbare Vorgänge (Störfälle) freigesetzt

werden. Präventiv werden solche Gefährdungsbereiche zu Ex-Bereichen („Zonen“) dekla-

119


iert, in denen ausschließlich Betriebsmittel eingesetzt werden dürfen, die mit einer zuverlässigen

Zündschutzart versehen sind.

Weltweit ist der Explosionsschutz genormt, wobei die Normungsbasis nach IEC (international),

CENELEC (Europa) und NEC 505 (Nordamerika) vergleichbar ist und auf dem 3-Zonen-Konzept

aufbaut, das zusehends auch in den USA akzeptiert wird.

Zone nach

IEC, NEC 505 und CENELEC

Zone 0

Zone 1

Zone 2

Gefährliche explosionsfähige

Atmosphäre existiert …

ständig, häufig oder langzeitig

gelegentlich

selten und kurzzeitig

Der typische amerikanische Explosionsschutz nach NEC 500 beruht auf einem 2-Divisions-

Konzept.

Die Anforderungen an elektrische Betriebsmittel, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt

werden sollen, sind in der Normenreihe EN 60079 festgehalten. Neben den Anforderungen

sind auch die Kennzeichnungen festgelegt. Zusätzlich zur Kennzeichnung nach ATEX wird

das Geräteschutzniveau (EPL = Equipment Protection Level) gekennzeichnet. Mit Einführung

des EPL ist auch außerhalb des europäischen Bereiches eine Zuordnung möglich, in welchem

explosionsgefährlichen Bereich das Gerät eingesetzt werden darf.

MESS-

TECHNIK

10

Schutzarten nach EN 60529 (IP-Code)

Der IP-Code gibt Auskunft über den Schutzumfang des Gehäuses gegenüber Fremdkörpern

(erste Kennziffer) und Wasser (zweite Kennziffer). Durch Schutzklasse IP 67 (6 = vollständiger

Schutz gegen Berührung. Schutz gegen das Eindringen von Staub, 7 = Schutz gegen Wassereindringen

bei zeitweisem Eintauchen) ist ein hohes Maß an Robustheit gewährleistet, was aber

auch negative Folgen für die Dampfdurchlässigkeit haben kann.

Anwendern, die nicht nur Gase wie Methan oder Propan, sondern auch höhere Kohlenwasserstoffe

oder Lösemittel nachweisen wollen, wird empfohlen, sich die Eignung des Gerätes durch

den Hersteller bestätigen zu lassen. Diese kann zum Beispiel das Messtechnische Gutachten

nach ATEX sein.

Qualität der Messfunktionen

Die Einhaltung einer vorgegebenen Messqualität auch unter extremen Umgebungsbedingungen

(Temperatur, Druck, Wind, Feuchte, Vibration etc.) wird geregelt in

EN 45544 – für toxische Gase und Dämpfe,

EN 50104 – für Sauerstoff,

EN 60079-29-1 – für brennbare Gase und Dämpfe.

Elektromagnetische Verträglichkeit nach EN 50270

Elektrische oder elektronische Geräte sollen sich durch elektrische, magnetische oder elektromagnetische

Felder nicht gegenseitig beeinflussen bzw. stören. Das heißt zum Beispiel, dass

durch die Benutzung eines Handys oder Funkgerätes in der unmittelbaren Nähe eines Messgerätes

das Messsignal des Messgerätes nicht gestört werden darf und umgekehrt. Durch EMV-

Richt linien und EMV-Normen werden der Nachweis und die Bestätigung von Störunempfindlichkeit

und geringer Störaussendung erbracht.

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Handbuch Persönliche Schutzausrüstung

Das vom Verband Arbeitssicherheit im Zweijahres-Rhythmus herausgegebene „Handbuch Persönliche Schutzausrüstung“

ist nun in der bereits 9. aktualisierten Ausgabe erschienen. Es wurde wie gewohnt überarbeitet und auf

den neuesten Stand gebracht.

Die darin enthaltenen Produktbeschreibungen, Qualitätskriterien, Auswahltipps und Verwender-Hinweise dienen

Sicherheitsfachkräften, Einkäufern oder Verwendern von PSA als nützliche Basisinformationen. Für noch mehr

Übersichtlichkeit wurde in dieser Ausgabe erstmals jedes Kapitel zudem um den Unterpunkt „Normen und Kennzeichnung“

ergänzt.

Preis des PSA-Handbuchs: Euro 31,90/Stk. (inkl.10% MwSt.) zzgl. Versandkosten.

Bestell-Link: http://vas.at/content/psa-handbuch

Herausgeber:

ÖSTERREICHISCHER VERBAND ZUR

FÖRDERUNG DER ARBEITSSICHERHEIT

1130 Wien, Altgasse 21/8

Tel. Nr. 01/8925585

Fax Nr. 01/8925585-15

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