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WIRTSCHAFT+MARKT 3/2018

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29. Jahrgang | Heft 3 | Mai / Juni 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

INTERVIEW

Ministerpräsident Woidke

über Investitionen und

die neue Landeskampagne

EXKLUSIV

Hidden Champions

aus den neuen Ländern

REPORT

„Cool Climate“-Weine

aus Sachsen auf Siegeszug


IN BEWEGTEN ZEITEN

Die ostdeutsche Wirtschaft

im globalen Wettbewerb

JETZT ANMELDEN

8. + 9. November 2018, Bad Saarow

www.ostdeutscheswirtschaftsforum.de


Foto: Torsten George, Titelfoto: trahko/fotolia.com

Jetzt endlich regiert sie nun, die neue

Bundesregierung. Nachdem am Ende

der historisch beispiellos zähen Regierungsfindung

auch die Mehrheit der SPD-

Mitglieder einer Neuauflage der ungeliebten

großen Koalition zugestimmt hatte, entbrannte

auf der Zielgeraden der Kampf um

Posten und Personen. Obwohl im Vorfeld

nahezu alle ostdeutschen Ministerpräsidenten

eine Aufwertung des Ostbeauftragten

in der künftigen Bundesregierung gefordert

hatten, war lange nicht klar, ob Bundeskanzlerin

Angela Merkel (CDU) überhaupt noch

einmal einen speziellen Beauftragten für die

neuen Bundesländer benennen würde. Und

bis zum Schluss war zu befürchten, dass

das vierte Merkel-Kabinett – mit Ausnahme

der Chefin – ohne Politiker mit ostdeutscher

Vita aufgestellt werden würde.

Letztlich kam es dann doch anders. Mit der

in Frankfurt (Oder) geborenen Franziska Giffey

übernahm die ehemalige Bezirksbürgermeisterin

von Berlin-Neukölln und SPD-

Senkrechtstarterin das Amt der Bundesfamilienministerin.

Auch der Posten des Ostbeauftragten

wurde erneut vergeben – an

den CDU-Politiker Christian Hirte aus Thüringen.

Allerdings wird Hirte mit ähnlichen

Problemen zu kämpfen haben wie seine

Amtsvorgängerin Iris Gleicke (SPD). Denn

auch er ist „nur“ Parlamentarischer Staatssekretär

im Bundeswirtschaftsministerium

und nicht – wie im Osten der Republik zuvor

vielstimmig gefordert – Bundesminister.

Man darf gespannt sein, wie Hirte seinen

Job interpretiert und ob es ihm gelingt, seinen

Chef, Bundeswirtschaftsminister Peter

Altmaier (CDU), von der Notwendigkeit zusätzlicher

unterstützender Maßnahmen für

www.wirtschaft-markt.de

EDITORIAL | 3

Weltweite

Abschottungstendenzen

treffen auch den

Mittelstand

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

karsten.hintzmann@wirtschaft-markt.de

die Wirtschaft und Infrastruktur zwischen

Rügen und Erzgebirge zu überzeugen.

Klar ist schon jetzt, dass die Bundesregierung

in den nächsten Jahren eine Menge Arbeit

vor sich haben wird, um die Rahmenbedingungen

speziell für den deutschen Mittelstand

mit klugen und nachhaltigen Maßnahmen

zu sichern. Blickt man sich in der Welt

um, muss man sich um die Perspektiven

des erfolgsverwöhnten Exportweltmeisters

Deutschland durchaus Sorgen machen.

Niemand kann heute konkret abschätzen,

wie weit es US-Präsident Donald Trump

noch mit seiner protektionistischen Handelspolitik

treibt, indem er die Liste der Produkte,

die mit Strafzöllen belegt werden,

schier endlos verlängert. Werden die Gegenmaßnahmen

Chinas irgendwann auch

Europa treffen? Und wie geht es in den

(wirtschaftlichen) Beziehungen mit der Türkei

oder Russland weiter?

Fakt ist: Die weltweit zu beobachtenden Abschottungstendenzen

werden nicht ohne

Auswirkungen auf die heimische Industrie

bleiben. Die Bundesregierung ist hier gefordert,

mit kluger Politik Handelsbarrieren abzubauen

und Türen für Kooperationen neu

zu öffnen.

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF)

wird sich in diesem Jahr genau mit den beschriebenen

Problemen befassen und nach

Wegen suchen, wie sich der ostdeutsche

Mittelstand unter den erschwerten Rahmenbedingungen

auch künftig auf internationalen

Märkten behaupten kann. Daher

meine Empfehlung: Bitte merken Sie sich

den Termin für das OWF vor – es findet am

8. und 9. November 2018 in Bad Saarow

statt.

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1., 2. & 5. August Ballett im Weinberg

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4 | W+M INHALT

W+M TITELTHEMA

Fachkräfte:

Kampf um die besten Köpfe............36

W+M AKTUELL

Köpfe......................................................................... 6

Nachrichten .............................................................. 8

36

Titel

So kreativ werben

Mittelständler um Fachkräfte

W+M LÄNDERREPORTS

Ostdeutschland: Wie Blockchain-Technologie

den Mittelstand vernetzt..........................................10

Ostdeutschland:

Big Data – viel Hype, zu wenig Nutzung..................12

Ostdeutschland:

Zwischenruf der Zentralkonsum eG.........................14

Mecklenburg-Vorpommern:

Freiräume in Vorpommern-Rügen...........................16

Sachsen: „Cool Climate”-Weine von

Schloss Wackerbarth auf Siegeszug........................18

Sachsen: LBBW-Vorstand Oliver Fern

über neue Vorhaben seines Hauses....................... 20

Ostdeutschland:

Gelungene Werbeoffensive für Urlaub

in den neuen Ländern............................................. 22

Ostdeutschland:

Die Erfolgskriterien von Hidden Champions........... 24

W+M SCHWERPUNKT BRANDENBURG

Im Interview: Brandenburgs

Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke................... 28

Zukunftsort:

Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam................. 32

Bilanz: Wirtschaftsförderung legt stark zu.............. 34

Ostdeutsches Spitzenprodukt:

Das Zauberschloss.................................................. 35

Zukunftsort

32

Das Hasso-Plattner-Institut

ist international bestens vernetzt

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das Ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe: 3/2018

Redaktionsschluss: 18.04.2018

Verlag: W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Charlottenstraße 65, 10117 Berlin

Tel.: 030 505638-00

Fax: 030 505638-21

www.wirtschaft-markt.de

Herausgeber/Geschäftsführer:

Frank Nehring, Tel.: 030 505638-55

frank.nehring@wirtschaft-markt.de

Chefredakteur: Karsten Hintzmann, Tel.: 030 505638-86,

karsten.hintzmann@wirtschaft-markt.de

Redaktion: Janine Pirk-Schenker, Tel.: 030 505638-89,

janine.pirk-schenker@wirtschaft-markt.de

Autoren: Rudolf Miethig, Matthias Salm

Abo- und Anzeigenverwaltung:

Christiane Schattner, Tel.: 030 505638-74,

christiane.schattner@wirtschaft-markt.de

Marketing und Vertrieb: Mathias Pfund,

Tel.: 030 505638-86, mathias.pfund@wirtschaft-markt.de

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und

Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint

zweimonatlich. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin sowie die Mitglieder des Vereins

Brandenburgischer Ingenieure und Wirtschaftler

(VBIW) erhalten diese Zeitschrift im Rahmen ihrer

Mitgliedschaft. Einzelpreis: 6,50 €, Jahresabonnement

(inkl. aller Ausgaben von W+M Regional und W+M

Exklusiv) 60 € inkl. MwSt. und Versand (im Inland).

Layout & Design: Möller Medienagentur GmbH,

www.moeller-mediengruppe.de

Druck: Silber Druck oHG, ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur

mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen

nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und

Fotos übernehmen wir keine Haftung.

Fotos: Designed by Freepik (oben), HPI/Kay Herschelmann (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


W+M INHALT | 5

18

Länderreport Sachsen

„Cool Climate“-Weine auf Siegeszug

W+M TITELTHEMA

FACHKRÄFTE:

KAMPF UM DIE BESTEN KÖPFE

Report: Fachkräfte dringend gesucht..................... 36

Betriebliche Weiterbildung:

100-Prozent-Förderung der Lehrgangskosten........ 39

Studieren im Strandkorb:

So werben Universitäten um den Nachwuchs....... 40

Im Interview:

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst.........41

Die Familie im Fokus:

Unternehmen locken mit kreativen Anreizen.......... 42

Kommentar: Fachkräftemangel ist ein

gesamtwirtschaftliches Problem............................ 44

W+M UMFRAGE

Wie gefällt Ihnen WIRTSCHAFT+MARKT?............ 46

Fotos: Sächsisches Staatsweingut GmbH (oben), W+M (Mitte), Hotel & Golf Schloss Ranzow (unten)

28

56

Im Interview

Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke

über geplante Investitionen und die neue Imagekampagne

Lifestyle

Die schönsten Golfplätze

in Ostdeutschland

W+M RATGEBER

Büro: Moderne Notebooks im Vergleich................. 48

Management I: Perspektiven in der Insolvenz........ 50

Management II: Diese Folgen hat der

Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung

für die Unternehmerschaft ......................................51

IT: Der Nutzen professioneller CRM-Software....... 52

Literatur: Die ostdeutsche

Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur.................... 54

Rezension: Die Kunst des klaren Denkens............. 55

Lifestyle:

Die schönsten Golfplätze in Ostdeutschland.......... 56

W+M NETZWERK

Schwerin: Wirtschaftsball auf Schloss Basthorst..... 59

Potsdam: 600 Gäste beim Brandenburgball........... 60

Berlin: Kräftige Werbung für

Olympia auf dem VBKI-Ball..................................... 61

VBIW: Aktuelles aus dem Verein............................ 62

Neues aus den Unternehmerverbänden................. 64

W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick und Personenregister .............................. 66

W+M WEITERE BEITRÄGE

Editorial ..................................................................... 3

Impressum ............................................................... 4

Beilagenhinweis: Teilen dieser Ausgabe liegt eine Beilage

von Cut4You bei. Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit.

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6 | W+M AKTUELL

Diese Ostdeutschen

machen Karriere in der

neuen Bundesregierung

Angela

Merkel

Fast ein halbes Jahr hat es nach der Bundestagswahl gedauert,

bis endlich eine neue Bundesregierung die Arbeit aufnehmen

konnte. Neben der alten und neuen Kanzlerin Angela Merkel

(CDU) gehören fünf weitere ostdeutsche Politiker der

Regierung an. Von Karsten Hintzmann

Marco

Wanderwitz

Als am Ende der langwierigsten Regierungsbildung

in der Geschichte

der Bundesrepublik feststand,

dass es zu einer Neuauflage der großen

Koalition aus CDU, CSU und SPD kommen

wird, nahm das Personalkarussell

noch einmal richtig Fahrt auf. Angetrieben

wurde es auch von der vielstimmigen

Forderung, zumindest einen Minister

mit ostdeutscher Biografie ins Bundeskabinett

zu holen und an der Institution

des Ostbeauftragten festzuhalten. Nahezu

alle ostdeutschen Ministerpräsidenten

hatten sich bereits zuvor dafür eingesetzt,

die Position des Ostbeauftragten aufzuwerten

und an ein Ministeramt zu koppeln.

Dem Vernehmen nach hatte Kanzlerin

Angela Merkel ursprünglich ganz andere

Pläne, sie wollte auf einen Ostbeauftragten

gänzlich verzichten. Nachdem die

SPD letztlich mit Franziska Giffey doch

noch eine Ostdeutsche für ihre Ministerriege

nominierte, zauberte Merkel in letzter

Minute den fast nicht mehr erwarteten

Ostbeauftragten aus dem Hut – den Thüringer

Bundestagsabgeordneten Christian

Hirte.

Angela Merkel (63)

Bundeskanzlerin

Für die promovierte Physikerin ist es bereits

die vierte Kanzlerschaft. Merkel wurde

in Hamburg geboren, wuchs jedoch in

der Uckermark auf, da ihre Eltern schon

Stefan

Zierke

kurz nach der Geburt ihrer Tochter in die

DDR übersiedelten, wo Vater Horst Kasner

für die Evangelische Kirche arbeitete.

Politisch aktiv ist Merkel seit der Wendezeit

in der DDR. Im Dezember 1989

begann sie zunächst für die neu gegründete

Bürgerbewegung „Demokratischer

Aufbruch“ unter Leitung von Wolfgang

Schnur zu arbeiten. Die Organisation

schloss sich im Februar 1990 der „Allianz

für Deutschland“ an, die aus der Volkskammerwahl

am 18. März 1990 mit 41

Prozent als klare Siegerin hervorging. Unter

dem letzten DDR-Ministerpräsidenten

Lothar de Maizière wurde Angela

Merkel stellvertretende Regierungssprecherin.

Schnell wurde der damalige Bundeskanzler

Helmut Kohl (CDU) auf Angela

Merkel aufmerksam, der sie nach der

Deutschen Einheit konsequent förderte.

Bereits bei der ersten gesamtdeutschen

Wahl am 20. Dezember 1990 zog

sie als direkt gewählte CDU-Abgeordnete

für den Wahlkreis Stralsund – Rügen –

Grimmen in den Bundestag ein. Im Januar

1991 berief Kohl Merkel zur Bundesministerin

für Frauen und Jugend. Anschließend

war sie Bundesumweltministerin

(1994 bis 1998). Nach dem Ende der Ära

Kohl war sie zwei Jahre lang CDU-Generalsekretärin,

ehe sie im Jahr 2000 zur

Vorsitzenden der Bundes-CDU aufstieg.

Von 2002 bis 2005 war sie Oppositionsführerin

im Bundestag. In der vorgezogenen

Bundestagswahl am 18. September

2005 setzte sich die Union mit Merkel

als Spitzenkandidatin mit einem Prozentpunkt

Vorsprung gegen die SPD durch.

Seither ist Angela Merkel Bundeskanzlerin.

Nach eigener Aussage will sie dieses

Amt bis zum Ende dieser Legislaturperiode

(2017 bis 2021) ausüben.

Franziska Giffey (39)

Bundesfamilienministerin

Mit der in Frankfurt (Oder) geborenen

bisherigen Bezirksbürgermeisterin von

Berlin-Neukölln ist der SPD ein unerwarteter

Coup gelungen. Bei den Spekulationen

über die Besetzung der Ministerposten

spielte die promovierte Politikwissenschaftlerin

und Diplom-Verwaltungswir-

Fotos: Bundestag, Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


W+M AKTUELL | 7

Fotos: Bundestag, Privat, SPD Berlin/ Joachim Gern (unten)

Christian

Hirte

Franziska

Giffey

tin lange Zeit gar keine Rolle. Fast wäre

Franziska Giffey nicht in der Politik gelandet.

Denn ursprünglich wollte sie Lehrerin

werden. Doch wegen chronischer

Stimmprobleme brach sie ihr Lehramtsstudium

an der Berliner Humboldt-Universität

ab und wechselte zur Fachhochschule

für Verwaltung und Rechtspflege.

Dieses Studium ebnete ihr den Weg in

die Kommunalpolitik. Von 2002 bis 2010

arbeitete sie als Europabeauftragte für

den Berliner Bezirk Neukölln. Dort lernte

sie viel von ihrem politischen Vorbild

und Chef, dem langjährigen Bezirksbürgermeister

Heinz Buschkowsky (SPD).

Im April 2015 übernahm Giffey das Zepter

von Buschkowsky und machte sich

schnell einen Namen als Bezirksbürgermeisterin.

Selbst die „ZEIT“ geriet

ins Schwärmen: „Giffey ist eine ziemlich

gute Politikerin, vielleicht sogar eine

großartige. Es muss einem in dem umkämpften

deutschen Ort Neukölln erst

einmal gelingen, die Ikone Heinz Buschkowsky

fast vergessen zu machen. Giffey

schaffte es.“ Jetzt muss sie sich in

einer anderen Liga behaupten – als Bundesministerin

für Familie, Senioren, Frauen

und Jugend.

Christian Hirte (41)

Ostbeauftragter

Die Berufung des in Bad Salzungen

geborenen CDU-Politikers

und Rechtsanwalts zum

Michael Ostbeauftragten und Parlamentarischen

Staatssekre-

Stübgen

tär im Bundeswirtschaftsministerium

kam selbst für politische

Beobachter überraschend.

Eigentlich galt der Brandenburger Pfarrer

Michael Stübgen als erster Anwärter

auf diesen Posten. Doch letztlich

entscheid sich Bundeskanzlerin Merkel

für Hirte. Ein Erfolg, den die Thüringer

CDU für sich reklamiert. Deren Landeschef

Mike Mohring hatte sich gegenüber

Merkel vehement für die Beibehaltung

der Position des Ostbeauftragten in der

Bundesregierung eingesetzt. Nicht unwesentlich

dürfte bei der Entscheidungsfindung

gewesen sein, dass im kommenden

Jahr in Thüringen ein neuer Landtag

gewählt wird. Da könnte ein engagierter

Ostbeauftragter aus Thüringen für zusätzlichen

Rückenwind sorgen. Christian

Hirte trat 1995 in die CDU ein und ist seit

2014 stellvertretender CDU-Landeschef

in Thüringen. Seit 2008 ist er Bundestagsabgeordneter.

Erst im Januar 2018

war er zum stellvertretenden Vorsitzenden

der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion

gewählt worden. Diesen Posten hat er

zugunsten seines Regierungsjobs wieder

abgegeben.

Michael Stübgen (58)

Parlamentarischer Staatssekretär

Zwar hat es am Ende doch nicht für das

Amt des Ostbeauftragten gereicht, leer

ausgegangen ist der in Lauchhammer geborene

gelernte Baufacharbeiter und studierte

Theologe jedoch nicht. Er ist neuer

Parlamentarischer Staatssekretär im

Bundesministerium für Ernährung und

Landwirtschaft. Michael Stübgen zählt

zu den wenigen Abgeordneten, die dem

Bundestag bereits seit 1990 angehören.

In diesen knapp 28 Jahren hat er es nie

darauf angelegt, sich in die vordersten

Reihen der Fraktion vorzukämpfen. Er

agierte eher im Hintergrund – als Sachpolitiker,

als Vorsitzender der kleinen CDU-

Landesgruppe Brandenburg und als Chef

der Fraktionsarbeitsgruppe Angelegenheiten

der Europäischen Union.

Stefan Zierke (47)

Parlamentarischer Staatssekretär

Der in Prenzlau geborene Tourismusfachwirt

wechselt von der Hinterbank

des Bundestags ins Bundesfamilienministerium.

Dort ist er neuer Parlamentarischer

Staatssekretär. Die gebürtige

Brandenburgerin Franziska Giffey hat sich

somit eine zweite märkische Stimme in

die Führungsetage ihres Bundesministeriums

geholt. Der gelernte Werkzeugmacher

und Reiseverkehrskaufmann war für

die SPD zunächst in der Kommunalpolitik

aktiv, ehe er 2013 in den Bundestag einzog.

Dort leitete er ab 2015 die Landesgruppe

Ost der SPD-Fraktion.

Marco Wanderwitz (42)

Parlamentarischer Staatssekretär

Der in Karl-Marx-Stadt geborene Jurist

hat eine besonders spannende Aufgabe

vor sich. Als einziger Sachse in der

Bundesregierung arbeitet der CDU-Politiker

künftig im Range eines Parlamentarischen

Staatssekretärs für Bundesinnenminister

Horst Seehofer. Seine Themenfelder

werden dort die Bereiche Heimat

und Bau sein. Wanderwitz sitzt seit 2002

im Bundestag. Zuletzt war er kultur- und

medienpolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

W+M

W+M-SPEZIAL

In der nächsten Ausgabe von

WIRTSCHAFT+MARKT, die am 21. Juni

2018 erscheint, stellen wir alle 152 Bundestagsabgeordneten

vor, die die neuen

Bundesländer und Berlin in der noch

jungen Legislaturperiode vertreten.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


8 | W+M AKTUELL

ILB-ZUSAGEN STEIGEN

Potsdam. Die Brandenburger Förderbank

ILB hat 2017 mit Zusagen in Höhe

von rund 1,6 Milliarden Euro eines der besten

Förderergebnisse der letzten zehn Jahre

erzielt. So konnten beispielsweise 160

Millionen Euro für den Breitbandausbau im

Land zugesagt werden. Für das größte im

Jahr 2017 geförderte Vorhaben in

der gewerblichen Wirtschaft

gewährte die ILB dem Unternehmen

BASF für die

Errichtung einer Produktionsstätte

zur Herstellung

von Primärelementen

der Batteriezellenfertigung

Fördermittel

in Höhe von

11,25 Millionen Euro.

Im laufenden Jahr plant

die Förderbank den Start des

„Brandenburg-Kredits Energieeffizienz“

zur Finanzierung von Investitionsund

Modernisierungsmaßnahmen, die der

Energieeinsparung dienen.

LUTHER STARK, OSTSEE SCHWACH

Berlin. Luther sei Dank: Im Jubiläumsjahr

der Reformation zeigten sich Sachsen

und Sachsen-Anhalt als dynamischste

ostdeutsche Tourismusregionen. Die

mitteldeutschen Städte profitierten 2017

von Ausstellungen und Stadtführungen im

Rahmen des Luther-Gedenkjahres. Dies

belegt die Bilanz des Tourismusbarometers

des Ostdeutschen

Sparkassenverbandes.

Demnach

verzeichneten 50

Prozent aller ostdeutschen

Reisegebiete

ein Allzeithoch

bei den Übernachtungen.

Flaute

dagegen an der Küste:

Erstmals seit 2010

vermeldeten dort alle Reisegebiete

einen Nachfragerückgang.

Insgesamt besuchten Ostdeutschland

im vergangenen Jahr 27,5

Millionen Gäste mit 80,4 Millionen Übernachtungen

– mehr als je zuvor. Der Anteil

an den gesamtdeutschen Übernachtungszahlen

lag bei 17,5 Prozent.

SACHSEN BEI PATENTEN VORN

Berlin. Aus Sachsen (719) und Berlin (714)

gingen 2017 die meisten Patentanmeldungen

aus Ostdeutschland beim Deutschen

Patent- und Markenamt ein. Schlusslicht

in den neuen Bundesländern ist Mecklenburg-Vorpommern

mit 135 Anmeldungen.

Patentanmeldungen nach

Bundesländern 2017

Sachsen 719

Berlin 714

Thüringen 535

Brandenburg 328

Sachsen-Anhalt 186

Mecklenburg-Vorpommern 135

SO HELFEN CLUBMITGLIEDER START-UPS AUF DIE BEINE

Prof. Dr. Peter Fissenewert, Klaus-Jürgen Meier und Dr. Axel

Stirl (v. l.) vom Start-up-Komitee des Berlin Capital Club.

Berlin. Seit Herbst 2015 engagiert sich

das Start-up-Komitee des Berlin Capital

Club aus den Advisory-Board-Mitgliedern

Prof. Dr. Peter Fissenewert, Klaus-Jürgen

Meier und Dr. Axel Stirl dafür, die vielfältigen

Erfahrungen, die es im Capital Club

gibt, und vor allem das große präsente und

äußerst lebendige Netzwerk bei den Startup-Abenden,

auch in den Dienst der kommenden

Generation zu stellen.

Schon die Auftaktveranstaltung mit der

Präsentation der Plattform InSitu, bei

der Zeitarbeiter über einen transparenten

Marktplatz zum Vorteil von Ver- und Entleihern

vermittelt werden können, fanden

Clubmitglieder so interessant, dass sie

persönlich mit eingestiegen sind und sich

heute als Anteilseigner an einem Unternehmen

wiederfinden, das im Januar 2018

den Break-even erreicht hat. Seitdem haben

sich viele Start-ups aus diversen Bereichen

in diesem Rahmen vorgestellt. Das

Interesse seitens der Mitglieder ist gestiegen

und die Erfahrung der vorgestellten

Gründer hat sich auch in der Szene herumgesprochen,

so dass heute ein reges

Interesse zur Teilnahme an dem Format

vorhanden ist.

Dies hat das Clubmanagement ermutigt,

sein Engagement weiter zu verstärken und

für zwei Jahre bis zu 15 Fördermitgliedschaften

zu sponsern. Es wird also in Zukunft

häufiger vorkommen, dass die erfahrenen

Mitglieder dem ein oder anderen

Berliner Start-up-Gründer über den Weg

laufen und dabei versichert sein können,

dass diese vor allem aufgrund der Gespräche,

des Netzwerks und des Austauschs

im Club weilen.


www.berlincapitalclub.de

Fotos: Thüringer Tourismus GmbH/Toma Babovic (oben), Berlin Capital Club (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


W+M AKTUELL | 9

POLO AM OSTSEESTRAND

Warnemünde. Veranstalter Mathias

Ludwig von Polo Riviera Deutschland

verweist mit Stolz darauf, dass die

„Beach Polo World Masters“ am Strand

von Warnemünde eines der größten

deutschen Beach-Polo-Events ist. Vom

25. bis 27. Mai 2018 können Polo-Interessierte,

aber auch Urlauber direkt am

Ostseestrand internationale Top-Teams

bestaunen, die auf einem 80 mal 30 Meter

großen Polo-Parcours gegeneinander

antreten. Neben ARGE Haus, die in diesem

Jahr Namens- und Hauptsponsor

sind, starten fünf weitere Teams der Unternehmen

W&N Immobilien-Vertriebsgesellschaft

mbH, Kühne Pool & Wellness,

Warnemünder Hof, Best Western

Hanse Hotel, Polartwist, Neumann Gerüstbau

GmbH, SGB AG, Makers Mark,

Krombacher, RWG 1, Sanddorn sowie

Juwelier Witt. Die Schirmherrschaft

haben MV-Landwirtschaftsminister Dr.

Till Backhaus und Rostocks Oberbürgermeister

Roland Methling übernommen.

Susanne Daubner von der Tagesschau

wird als Moderatorin vor Ort sein.

WIRTSCHAFT+MARKT unterstützt das

Turnier von Anbeginn als Medienpartner.

Weitere Informationen zum Turnier unter

www.polo-riviera-deutschland.com.

ifo Geschäftsklima Ostdeutschland im März 2018

OSTDEUTSCHEN UNTERNEHMERN FRIERT DAS LÄCHELN EIN

Foto: Gunnar Rosenow

Im März 2018 war die Stimmung der ostdeutschen Unternehmer

gut und verbesserte sich leicht. Das Stimmungsbarometer

für die gewerbliche Wirtschaft* Ostdeutschlands stieg um

0,4 Punkte und notierte bei 113,8 Punkten. Zwar waren die Befragungsteilnehmer

mit ihren laufenden Geschäften etwas weniger

zufrieden als noch im Vormonat, dennoch blieben die Lageeinschätzungen

auf einem ausgesprochen hohen Niveau. Der deutliche

Rückgang der Geschäftserwartungen im Vormonat scheint

nur von kurzer Dauer gewesen zu sein, der Ausblick auf die kommenden

sechs Monate hellte sich wieder spürbar auf.

Das Beschäftigungsbarometer sank im März merklich, die Befragungsteilnehmer

aus Industrie und Einzelhandel senkten ihre

Beschäftigungserwartungen deutlich. Dennoch blieben Bauunternehmer

und Großhändler optimistisch und gehen davon aus,

ihre Beschäftigung in den kommenden drei Monaten weiter steigern

zu können.

Der leichte Anstieg des ostdeutschen Geschäftsklimaindexes wurde

aber nicht von allen Teilbereichen gelichermaßen getragen. Die

Befragungsteilnehmer des Verarbeitenden Gewerbes beurteilten

ihre laufenden Geschäfte im Vergleich zum Vormonat weniger gut,

ihre Geschäftserwartungen hellten sich aber etwas auf. Die Stimmung

der Bauunternehmer stieg derweil deutlich. Die befragten

Unternehmer waren abermals zufriedener mit ihren laufenden Geschäften

und hoben ihre Geschäftserwartungen kräftig an. Im Gegensatz

dazu äußerten sich die Groß- und Einzelhändler weniger

zufrieden über ihre laufenden Geschäfte. Auch ihre Erwartungen

für die kommenden sechs Monate wurden zunehmend pessimistischer.

Prof. Dr. Joachim Ragnitz und Jannik A. Nauerth

ifo Geschäftsklima

Vormonat 18,8 März 19,5

ifo Beschäftigungsbarometer

Vormonat 6,1 März 4,6

Verarbeitendes Gewerbe

Vormonat 26,2 März 27,1

Bauhauptgewerbe

Vormonat 11,2 März 19,4

Groß- und Einzelhandel

Vormonat 8,6 März 4,0

*

Unter gewerblicher Wirtschaft wird die Aggregation aus Verarbeitendem Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel verstanden.

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10 | W+M LÄNDERREPORT

Marktstärke Kooperation

Wie Blockchain-Technologie den Mittelstand vernetzt

Der deutsche Mittelstand gilt als Motor

der deutschen Wirtschaft. Viele

kleine und mittlere Unternehmen

sorgen für kontinuierliche Innovation und

Wettbewerbskraft. Doch Wachsamkeit ist

angebracht. So wie die E-Mobilität den Diesel-Motor

unter Druck setzt, übt die Digitalisierung

Druck auf den traditionellen Mittelstand

aus.

Die Chance dauerhafter Wettbewerbsfähigkeit

liegt in einer vertrauensvollen und

effizienten Kooperation zwischen innovativen

Partnern. Doch um diese ist es in der

Praxis schlecht bestellt. Selbst wenn Unternehmen

heute gemeinsam an einem Ziel

arbeiten, so nutzen sie dazu Methoden von

vor 30 Jahren. Zusammenarbeit wird nach

wie vor per Fax und E-Mail abgewickelt.

Eine Integration von IT-Systemen erfolgt

oft nicht einmal im eigenen Unternehmen,

ganz zu schweigen von der Integration der

Partner. Hohe Kosten und inkompatible Prozesse

stehen im Weg. Die größte Hürde für

digitale Integration ist aber nach wie vor

fehlendes Vertrauen, also Angst vor unkontrolliertem

Datenabfluss.

Genau an diesem fehlenden Vertrauen

setzt Blockchain an, eine Technologie, die

durch exzessive Kursentwicklungen der

damit verbundenen Krypto-Währungen

wohl heute jedem schon einmal begegnet

ist. Doch ganz abseits des Bitcoin-Hypes

bietet die Technologie die Möglichkeit,

die Art und Weise wie Unternehmen heute

zusammenarbeiten, nachhaltig zu verändern.

Zum Grundverständnis der Funktionsweise

der Blockchain dient nach wie

vor deren Ursprung, der Finanzsektor, am

besten. Mit Blockchain können Transaktionen

direkt zwischen zwei Parteien vollzogen

werden, ohne dass eine Bank benötigt

wird. Die Rolle des vertrauensstiftenden

Mittlers (Bank) übernimmt in dem Fall

die Technologie (Blockchain).

Contractus, ein deutsches Blockchain-

Start-up, überträgt dieses Grundprinzip nun

auf die gewerbliche Wirtschaft. Unternehmen,

die gemeinsam ein Ziel verfolgen,

sollen die Möglichkeit bekommen, passende

Geschäftspartner zu finden, mit ihnen

Aufträge zu schließen und die Auftragsdurchführung

digital zu unterstützen. Das

alles auf direktem Wege, also ohne Umweg

über ein zentrales System oder eine

Cloud. Um die Vorteile eines solchen Ansatzes

zu verdeutlichen, seien ein paar Einsatzgebiete

beispielhaft genannt: Logistik-Unternehmen

können freie Transportkapazitäten

untereinander austauschen, ohne den

Umweg über zentrale Dispositionsplattfor-

Grafik: contractus GmbH

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


OSTDEUTSCHLAND | 11

Foto: Thomas Müller (unten),

men zu machen. Maschinenbauunternehmen

können Auftragsfertiger mit freien Kapazitäten

und günstigen Preisen finden und

direkt beauftragen.

In den genannten Anwendungsfällen profitieren

Unternehmen vor allem durch effizientere

Prozesse. Weit interessanter ist es

allerdings, wenn sich Unternehmen selbst

des Netzwerks bedienen können

und ihren Kunden

Leistungen anbieten,

die sie nicht selbst,

sondern eben die

Netzwerkpartner

Thomas Müller ist

Geschäftsführer der

contractus GmbH

mit Sitz in Dresden.

erbringen. So kann ein Industrieservice

Unternehmen seine Kunden auch dort unterstützen,

wo es selbst nicht tätig ist und

dazu vertrauensvolle Leistungen aus dem

Blockchain-Netzwerk beziehen.

Als Technologie, die die Lücke des fehlenden

Vertrauens schließt, wird Blockchain

eine wichtige Rolle in der Digitalisierung

kooperativer Geschäftsmodelle spielen.

Insbesondere mittelständisch

geprägte Regionen

können dadurch essenzielle

Wettbewerbsvorteile

im globalen Markt

schaffen. Ganz abseits

des aktuellen Hypes um

Kryptowährungen wie

Bitcoin lohnt sich also

ein Blick auf die dahinterliegende

Technologie.

Thomas Müller

WAS IST DIE BLOCKCHAIN?

Stellen Sie sich die Blockchain als ein

Kassenbuch vor, in dem Transaktionen

zwischen verschiedenen Partnern schriftlich

festgehalten werden, wobei die Einträge

im Kassenbuch in Datenblöcken

festgehalten werden. Durch kryptografische

Verfahren werden die Blöcke miteinander

verlinkt, so dass jeder neue Block

eine Verbindung mit dem vorangegangenen

Block hat. Diese verknüpften Blöcke,

die Blockchain, werden auf allen Rechnern

gespeichert, die an der Blockchain

teilnehmen, wodurch sichergestellt wird,

dass einmal geschriebene Blöcke nicht

mehr verändert werden können. Aus heutiger

Sicht gilt die Blockchain aufgrund

ihrer Architektur als manipulationssicher

und ermöglicht direkte Transaktionen

zwischen untereinander unbekannten

Parteien ohne einen zentralen Mittler wie

zum Beispiel ein Bankinstitut.

Foto: Fotolia/DDRockstar

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12 | W+M LÄNDERREPORT

Big Data –

viel Hype, zu wenig Nutzung

97 Prozent der deutschen Mittelständler glauben, dass Big Data

weitreichende Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird. Doch laut

einer aktuellen Studie der Commerzbank nutzen bisher nur wenige

Unternehmen die Vorteile der systematischen Datenanalyse. Das gilt

auch für den ostdeutschen Mittelstand. Von Matthias Salm

Big Data – den Rohstoff des 21. Jahrhunderts

- nennen die Macher der

Mittelstandsinitiative „Unternehmerperspektiven“

der Commerzbank in ihrer

aktuellen Studie das Potenzial der Datenerfassung

und -analyse für die Wirtschaft.

Die Umfrage belegt: Das Gros der deutschen

Mittelständler ist überzeugt, dass

die digitale Entwicklung zu massiven Umbrüchen

auch in ihren Branchen führen

wird. Im Kontrast dazu steht allerdings die

eigene Beschäftigung mit dem Thema. Nur

wenige Unternehmen nutzen bereits jetzt

schon Big Data für das eigene Geschäftsmodell.

„Ein zentrales Ergebnis unserer Studie ist,

dass viele Unternehmen im Mittelstand

kein Erkenntnisproblem haben, sondern

insbesondere aufgrund von internen Strukturen,

Prozessen und auch mit Blick auf die

Führungskultur noch nicht bereit sind für

die Nutzung des riesigen Potenzials von Big

Data“, kommentiert Michael Reuther, Vorstand

im Firmenkundengeschäft der Commerzbank,

die aktuelle Studie. Reuther

sieht in den Ergebnissen der Studie durchaus

Anlass zur Sorge: „Es braucht einen

Weckruf, wenn der deutsche Mittelstand

hier im internationalen Vergleich nicht ins

Hintertreffen geraten will."

DIE INITIATIVE

„UNTERNEHMERPERSPEKTIVEN“

Die Mittelstandsinitiative „Unternehmerperspektiven“

der Commerzbank befragt

einmal jährlich 2.000 Eigentümer

und Manager der ersten Führungsebene

aus Unternehmen aller Größenordnungen

und Branchen.

Weitere Informationen unter

www.unternehmerperspektiven.de

Auch im ostdeutschen Mittelstand ist Big

Data bisher noch nicht wirklich angekommen.

Dies belegt eine Sonderauswertung

der Studie Unternehmerperspektiven 2018

der Commerzbank zum ostdeutschen Mittelstand.

Für zwei Drittel der Unternehmen

kommt demnach digitalen Daten in Zukunft

eine zentrale Bedeutung zu. Die Datenerfassung

ist im bundesweiten Vergleich

im Osten bereits besonders weit fortgeschritten.

Sie ist jedoch meist noch lediglich

auf interne Daten ausgerichtet. Dazu

zählen die Daten zu den Finanzen (72 Prozent),

zur Auslastung der Ressourcen (58

Prozent), zu den Lagerbeständen (58 Prozent)

und Absatzschwerpunkten (49 Prozent).

Die Sammlung der vorhandenen und

die Erhebung zusätzlicher Daten wird intensiv

vorangetrieben. Big Data Analytics, mit

denen sich aus Daten Prognosen und automatisierte

Entscheidungen ableiten lassen,

kommen aber nur selten zum Einsatz.

Kaum Auswertung der Kundenprofile

„Daten sind das neue Geld“, heißt es gern,

wenn es um die wachsende Bedeutung der

Digitalisierung geht. Dennoch ist die Datenerfassung

und -auswertung in ostdeutschen

Unternehmen noch wenig verbreitet, wenn

es etwa um Themen wie Kundenzufriedenheit,

individuelle Kundenprofile und Produktnutzung

geht. Nur zwölf Prozent der ostdeutschen

Mittelständler sind hier in allen

drei Bereichen aktiv.

Dabei liegen die Vorteile der systematischen

Nutzung digitaler Daten auf der Hand. Sie

liefern beispielsweise der Chefetage eine

höhere Entscheidungssicherheit. Dies glauben

zumindest 55 Prozent der in der Commerzbank-Studie

befragten ostdeutschen

Mittelständler. Auffällig: Im bundesweiten

Vergleich nutzen die ostdeutschen Unternehmer

Big Data bisher seltener, um neue

Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Foto: amiak/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


OSTDEUTSCHLAND | 13

Fachpersonal fehlt

Die Daten, die bereits erfasst

werden, sind in

der Regel Chefsache.

Die Geschäftsführung

ist regelmäßig

mit der Analyse

von Daten befasst,

gaben 75 Prozent der

Unternehmen an. Bei

32 Prozent der Unternehmen

kümmert sich gar ausschließlich

der Geschäftsführer

um das Thema. Ein gutes Drittel (35 Prozent)

der Mittelständler beschäftigt hingegen

interne Spezialisten, die die Daten abteilungsübergreifend

analysieren. Kaum gefragt

sind dagegen externe Spezialisten. Sie

werden nur von elf Prozent der Unternehmen

eingesetzt. Und das, obwohl eine frühere

Studie der Commerzbank gezeigt hat,

dass der digitale Wandel meist von Neuoder

Quereinsteigern vorangetrieben wird,

die oft als Spezialisten von außen in die Unternehmen

gekommen sind.

Michael Reuther, Vorstand im

Firmenkundengeschäft der

Commerzbank.

Ein wesentlicher Grund, warum digitale

Daten noch nicht im großen Umfang genutzt

werden, liegt im fehlenden Fachpersonal:

Die mangelnde Qualifikation der

Mitarbeiter beklagen 45 Prozent der befragten

ostdeutschen Unternehmen, dies

sind fünf Prozentpunkte mehr im Vergleich

zum Bundesdurchschnitt. Immerhin noch

27 Prozent monieren eine fehlende Veränderungsbereitschaft

bei ihren Führungskräften.

Etablierte

Führungsstrukturen,

so das Fazit der Studie,

hemmen häufig den digitalen

Wandel, insbesondere

in Unternehmen, die bereits Vorreiter

bei der Datenerfassung sind.

Unternehmen fürchten Cybercrime

Die neue Datenwelt birgt aber auch Gefahren.

15 Prozent der in der Commerzbank-

Studie befragten ostdeutschen Unternehmen

wurden bereits Opfer von Trojanern

oder Viren. Hackerangriffe zogen zehn Prozent

der Unternehmen in Mitleidenschaft.

Gefahren, die die überwiegende Mehrzahl

der Unternehmen fürchtet. 76 Prozent der

Befragten sehen sich davon bedroht. Den

Diebstahl von Kundendaten oder eine gezielte

Sabotage von Betriebsabläufen halten

dagegen weniger Unternehmer für

ein realistisches Szenario. Gegen mögliche

Cybercrime-Attacken wehren sich die

ostdeutschen Firmen vor allem mit Standardmaßnahmen:

Daten-Back-ups (95 Prozent),

Firewall und Virenschutz (94 Prozent)

und Passwortschutz (92 Prozent). Überraschend:

Wer bereits von Cybercrime betroffen

war, unternimmt deshalb nicht unbedingt

mehr in Sachen Sicherheit.

Die Aktivitäten der großen Tech-Konzerne

wie Google, Mircrosoft, Amazon, Facebook

oder Apple, die Daten in großen Mengen

sammeln und auswerten, stoßen in Ostdeutschland

auf besonders große Skepsis.

Die „Big Five“ entwickeln aus Sicht von

72 Prozent der ostdeutschen Mittelständler

eine mittlerweile beunruhigende Monopolstellung,

auch wenn nur die wenigsten

Unternehmen in ihnen eine direkte Konkurrenz

sehen. Allerdings nutzen auch nur 39

Prozent der Unternehmen die Geschäftsmodelle

der Global Player als Anregung für

eigene Prozesse.

Erwartungen an Banken

Die Commerzbank fragte auch nach den

Erwartungen der ostdeutschen Mittelständler

an Banken und Sparkassen. Sie

sind in Zeiten von Big Data als Datenlieferant

und -auswerter gefragt. 58 Prozent der

Unternehmen wünschen sich zuvorderst

eine vereinfachte Aufbereitung ihrer Finanzen,

beispielsweise durch Dashboards und

übergreifende Planungstools. Darüber hinaus

erwarten viele Unternehmen individuelle

Analysen auf Basis ihrer Finanz- und

Geschäftsdaten: in Ostdeutschland besonders

oft durch die Bewertung von Geschäftspartnern

(56 Prozent) beziehungsweise

in Form von Frühwarnsystemen (55

Prozent).

W+M

INTERNE SPEZIALISTEN IN DER MEHRHEIT

Bei den meisten ostdeutschen Unternehmen liegt die Auswertung der Daten in der Hand der Geschäftsführung.

Interne Spezialisten kommen nur bei 35 Prozent der Unternehmen zum Einsatz.

Wer ist in den Unternehmen dafür zuständig, vorhandene Daten zu analysieren?

Die Analyse der Daten liegt (auch) bei der Geschäftsführung. 75 %

Foto: Commerzbank, Quelle Grafik: Commerzbank

Interne Spezialisten analysieren Daten abteilungsübergreifend. 35 %

Jede Abteilung beschäftigt sich mit ihren eigenen Daten. 24 %

Externe Spezialisten analysieren Daten abteilungsübergreifend. 11 %

Jede Abteilung beschäftigt sich mit ihren eigenen Daten. 5 %

Zuständig ist nur die Geschäftsführung. 32 %

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


14 | W+M LÄNDERREPORT

Berghotel Oberhof.

Röstfein Kaffee GmbH in Magdeburg.

ZWISCHENRUF VON MARTIN BERGNER

„Eine neue Dynamik

für Deutschland“

Erwartungen an die neue Bundesregierung aus Sicht eines überzeugten Genossenschafters

„Der Mittelstand ist das Rückgrat der

Deutschen Wirtschaft.“ Diesen Satz wiederholen

Politiker, Banker, Lobbyisten fast

reflexartig, wenn es um wirtschaftliche

Stabilität und die Zukunft Deutschlands

geht. Die alte Bundesregierung rühmt sich,

viel für die Wirtschaft und vor allem mittelständische

Unternehmen durch die Bürokratieabbaugesetze

I und II erreicht zu haben.

Ein drittes kündigt sie an. Was haben

die Genossenschaften in Deutschland davon?

Woran mag es liegen, dass von Genossenschaften

im politischen Alltag so

selten die Rede ist? Im Koalitionsvertrag

erscheint der Begriff nur in sehr übersichtlichem

Maße.

Es kann kaum an der fehlenden Lobby liegen,

haben doch die Genossenschaftsverbände

par excellence gezeigt, dass sich

Lobbyarbeit auszahlt – vielleicht nicht immer

im Sinne der rund 8.000 Genossenschaften

(alle gezwungenermaßen Mitglieder

dieser Verbände) – aber zum eigenen

Wohl.

Schauen wir zurück auf die Gesetzesnovelle

aus dem Jahr 2017 „[…] zum Bürokratieabbau

bei Genossenschaften“ und

wem sie nützt:

Im Paragraf 53 „Pflichtprüfung“ etwa wurden

Erleichterungen für kleine Genossenschaften

festgelegt. Diese müssen sich erst

ab einer Bilanzsumme von zwei Millionen

Euro jährlich prüfen lassen (sonst erfolgt die

Prüfung alle zwei Jahre). Übersteigt die Bilanzsumme

1,5 Millionen Euro und die Umsatzerlöse

liegen bei mehr als drei Millionen

Euro, ist der Jahresabschluss unter Einbeziehung

der Buchführung und des Lageberichts

zu prüfen, sonst gilt die vereinfachte

Prüfung. Klingt nach einer Erleichterung

für die kleinen Genossenschaften. Aber ist

dies nicht vor allem eine Erleichterung für die

Prüfungsverbände, die sich nun voll auf die

großen, lukrativen Genossenschaften konzentrieren

können und weniger Personal für

die Prüfung der kleineren vorhalten müssen?

In Paragraf 55 „Prüfung durch einen Verband“

wurde festgeschrieben, dass Genossenschaften,

die mehreren Verbänden

angehören, die Prüfung durch denjenigen

Verband durchführen lassen müssen, bei

dem sie die Mitgliedschaft zuerst erworben

hat. Ausnahme: Die Verbände einigen

sich. Zunächst muss festgestellt werden,

dass das Bundesjustizministerium und der

Bundesrat eine Verkürzung der Kündigungsfrist

im Prüfungsverband auf ein Jahr vorgeschlagen

hatten. Dies konnten die Genossenschaftsverbände,

wie sie selbst sagen,

„erfolgreich“ verhindern.

Im Gegenteil, die zweijährige Kündigungsfrist

wurde nicht nur im Genossenschaftsgesetz

festgeschrieben, sondern sogar

noch verschärft: Nun schreibt das Gesetz

vor, wer der prüfende Verband bei Doppelmitgliedschaften

sein soll.

ZENTRALKONSUM EG

Die Zentralkonsum eG ist die Zentralgenossenschaft

der ostdeutschen

Konsumgenossenschaften, Genossenschaften

anderer Branchen und Unternehmen

anderer Rechtsform. Sie folgt

ihrem klar definierten Auftrag: die Förderung

ihrer Mitglieder.

Sie ist erfolgreich wirtschaftlich am

Markt vertreten: mit den Industrietöchtern

Röstfein Kaffee GmbH in Magdeburg

und der Bürstenmann GmbH in

Stützengrün, den Hotelunternehmen

Berghotel Oberhof und Hotel Dorotheenhof

Weimar, ihren Dienstleistungstöchtern

sowie der Gewerbeimmobilie

Neue Kauffahrtei Chemnitz.

Fotos: Zentralkonsum eG

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


OSTDEUTSCHLAND | 15

Bürstenmann GmbH in Stützengrün.

Neue Kauffahrtei Chemnitz.

Hotel Dorotheenhof Weimar.

Fotos: Zentralkonsum eG

Wem nützt diese Regelung? Doch nur dem

Genossenschaftsverband, der befürchten

muss, dass seine Mitglieder einen Wechsel

in Betracht ziehen und dessen Existenz

dadurch bedroht scheint.

Wie kam es überhaupt dazu, dass die

Zwangsmitgliedschaft in einem genossenschaftlichen

Prüfungsverband in das Genossenschaftsgesetz

aufgenommen wurde?

In dem von Hermann Schulze-Delitzsch

1867 initiierten Gesetz gab es diese Vorschrift

nicht. Im Gegenteil, sie entsprach

absolut nicht seinen Vorstellungen. Die

Genossenschaftsbewegung, soweit sie

die gewerblichen Genossenschaften einschließlich

der Konsumvereine und die Kreditvereine,

also die Volksbanken, umfasste,

war wirklich noch eine (fast) reine Selbsthilfebewegung.

Das Gesetz – das war das Ziel

von Schulze-Delitzsch und seinen Freunden

– sollte die Genossenschaften vor staatlichen

Eingriffen schützen.

Im Jahr 1889 wurde das Gesetz umfassend

neu formuliert. Mit dieser Novelle kam ein

eigener Abschnitt hinzu, der vorsah, dass

eine Genossenschaft mindestens alle zwei

Jahre durch einen sachverständigen

Revisor geprüft werden

muss, der gerichtlich

auf Antrag der Genossenschaft

zu bestellen

war. Zuvor hatte

aber die „höhere

Verwaltungsbehörde“

ihr Einverständnis

zu erklären. Gehörte

eine Genossenschaft

einem Verband

an (der bestimmte Kriterien

zu erfüllen hatte), hatte dieser den Revisor

zu bestellen. Das Recht zur Bestellung von

Revisoren seitens des Verbandes war vom

Staat zu genehmigen. Damit waren die Verbände

durch das Gesetz in das Leben und

Wirken der Genossenschaften eingetreten.

Die Mitgliedschaft von Genossenschaften

in Verbänden war nach wie vor freiwillig.

Die verbandliche Organisation selbst gab

es zu diesem Zeitpunkt schon genau dreißig

Jahre.

Im Jahr 1934 wurde der Paragraf 54 „Die

Genossenschaft muss einem Verband angehören,

dem das Prüfungsrecht verliehen

ist (Prüfungsverband)“ in das Gesetz aufgenommen.

Das Gesetz wurde am 30. Oktober

1934 verkündet und hatte auf Grund

des nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetzes

vom März 1933 keinerlei parlamentarische

Beratung mehr erfahren und

galt so mit den Unterschriften Hitlers und

seines Justizministers als ausreichend legitimiert.

Damit war der Anschlusszwang

– so lautete die Formulierung in der Begründung

des Gesetzes – für die Genossenschaften

beschlossen. Vom Anschlusszwang

sprachen auch die Verbände noch in

den 50er-Jahren, erst dann wichen sie auf

den Euphemismus von der Pflichtmitgliedschaft

aus.

Martin Bergner,

Vorstandssprecher

Zentralkonsum eG.

Der Anschlusszwang gilt

noch heute und wird

insbesondere von den

Verbänden vehement

verteidigt. Argumentiert

wird gern damit, dass die Zwangsmitgliedschaft

Garant für das Überleben der

Genossenschaften ist.

Diese These wurde vielfach widerlegt. In

den Jahren der Wirtschaftskrise 1928/29

bis 1932/33 sank die Anzahl der Genossenschaften

nur um 1,25 Prozent. Im Gegensatz

zu den Aktiengesellschaften und

GmbH, die um rund 27 Prozent abnahmen

– und das zu einer Zeit, in der es noch keine

Zwangsmitgliedschaft gab. Es war also

nicht die Mitgliedschaft in einem genossenschaftlichen

Prüfungsverband, der die

Genossenschaft krisensicher machte, sondern

das Selbstverständnis und die Umsicht

der Mitglieder, des Vorstandes und des Aufsichtsrats.

Die Genossenschaft hat einen klar in Paragraf

1 des Genossenschaftsgesetzes definierten

Auftrag, die Förderung des Erwerbs

oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder oder

sozialer oder kultureller Belange durch gemeinschaftlichen

Geschäftsbetrieb. Durch

die Konzentration auf diesen Zweck ist die

Genossenschaft krisensicher, denn sie folgt

nicht dem kurzfristigen Interesse nach einem

steigenden Shareholder-Value, sondern

ist auf eine langfristige Behauptung

am Markt für ihre Mitglieder ausgerichtet.

Die im Genossenschaftsgesetz vorgeschriebene

Pflichtprüfung hat an der Beständigkeit

der Genossenschaft ihren Anteil,

sie steht außer Frage und ist gut und

richtig. Jede Genossenschaft aber sollte die

Freiheit haben, ihren Prüfer frei auszuwählen

– so wie alle anderen Unternehmen. Das

braune Erbgut – die Zwangsmitgliedschaft

in Verbänden – gehört endlich abgeschafft.


W+M

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


16 | W+M LÄNDERREPORT

Freiräume

Vorpommern-Rügen

Für Menschen mit Ideen

Kutter vor Hiddensee.

Inhaber der Naturholzelemente GbR Andreas

Härting bei seiner Arbeit in Balkenkoppel.

Vom Fischland im Westen mit seinen

Windflüchtern gleich hinter

dem Deich bis zur Kreideküste der

Insel Rügen und vom Kap Arkona im Norden

bis zur Mecklenburgischen Seenplatte

im Süden erstreckt sich der Landkreis

Vorpommern-Rügen. Dazwischen liegen

über 3.000 Quadratkilometer Land

– reichlich Freiraum zum Leben

und Arbeiten. Viele Entdecker,

Unternehmer, Gründer und

zahlreiche Menschen auf der

Suche nach neuen Perspektiven

haben diesen Landstrich bereits

für sich entdeckt und wissen

diese Freiräume zu schätzen.

Umgeben von weitläufigen Naturschönheiten

wie Boddenlandschaften,

Flusstälern, Buchenwäldern und Ostseestränden,

geprägt aber auch durch historische

Städte wie die UNESCO-Welterbestadt

Stralsund, die Residenzstadt Putbus

auf Rügen oder das älteste Sol- und

Moorbad Norddeutschlands Bad Sülze leben

hier Menschen, die ihre Ideen verwirklichen.

Handwerker, Künstler und Kreative

haben sich niedergelassen, um abseits

der Metropolen zu wirken. Sie prägen

den Landkreis inzwischen maßgeblich

und schaffen gleichermaßen attraktive Ausflugs-

und Urlaubsziele im Land. Vor allem

aber zeigen sie, welches ungeahnte Potenzial

für vielfältige Ideen die Region bietet.

Dem folgte auch Familie Rost, sie zog aus

ihrer sächsischen Heimat in den Nordosten

Deutschlands. Michelle und Marcel Rost

ließen sich von einem peruanischen Kaffeebauer

im Rösthandwerk ausbilden, beschäftigten

sich mit der Biologie, Chemie

und dem Mikroklima rund um die Kaffeepflanze

und gründeten mit großer Leidenschaft

ihr eigenes Unternehmen „Landdelikat

– Die Bio-Rösterei“. Der Familienbetrieb,

gelegen in Barth, mitten im Nationalpark

Vorpommersche Boddenlandschaft,

fühlt sich der einzigartigen Natur besonders

eng verbunden und möchte mit nachhaltigem

Wirtschaften zu ihrem Schutz beitragen.

Das Unternehmen verarbeitet Kaffee,

Kakao, Lupinen und Getreide handwerklich

traditionell in schonender Trommelröstung

und legt großen Wert auf eine ökologische,

lokale und sozial verträgliche Produktion

seiner Spezialitäten.

Fotos: Cathrin Brandes_Hiddenseer Kutterfisch, Burwitz-Pocha GbR

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


1 23.03.18 13:35

MECKLENBURG-VORPOMMERN | 17

Nach dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“

gelangte Mathias Schilling aus Schleswig-

Holstein auf die kleine Insel Öhe bei Schaprode

auf Rügen. Dort begann der gelernte

Landwirt mit einer extensiven Mutterkuhhaltung

nach den Kriterien der EU-Ökoverordnung.

Jedoch blieb es nicht bei der Rinderzucht.

Schnell war dem Jungunternehmer

klar, dass auch der regionale Fisch mit

auf die Speisekarte seines Gasthauses gehört.

Seit Sommer 2016 gibt es nun „Schillings

Fischhaus“ .

Schillings Idee war es unter anderem, regionale

und nachhaltige Kreisläufe zu befördern.

So entstand der Verein „Hiddenseer

Kutterfisch“. „Fischer sind ‚Dickköppe‘ und

dann noch Insulaner! Also kein einfaches

Unterfangen“, so Schilling. Doch am Ende

konnte er die örtlichen Fischer mit seiner

Idee und seinem Fleiß überzeugen. Heute

liefern die Fischer ihren Fang an Mathias

Schilling und der lässt den Fisch verarbeiten

oder verkauft ihn in seinen Betrieben in

Schaprode und auf Hiddensee. Die Fischer

erhalten für ihre schwere Arbeit mehr Geld

und ein Teil des Gewinns geht an den Verein.

Seitdem kommt die neue Produktlinie

mit dem Markennamen „Hiddenseer Kutterfisch“

als Verbeugung vor den Fischern

in die Regale seiner Läden.

Das von Andreas Härting 2009 gegründete,

kleine Unternehmen Naturholzelemente

GbR liegt inmitten des Landkreises

Vorpommern-Rügen, in einer waldreichen

Landschaft zwischen Rostock

und Stralsund. Durch den starken Regionalbezug

werden ausschließlich heimische

Baumarten verarbeitet. Die Rohstoffe

sind nicht nur klassische Bauhölzer, sondern

auch hochwertige Eiche oder andere

Laubbaumarten. Auch Andreas Härting unterstützt

mit seinem Unternehmen den Gedanken

der Nachhaltigkeit und den Schutz

der Umwelt in besonderem Maße, denn

vom Baum bis zum Endprodukt sind die

Wege sehr kurz. Dem Wunsch des Kunden

wird Rechnung getragen und er bekommt

nichts von der Stange. Mit diesem

Gedanken liegt Härting im Trend und ist

zukunftsorientiert.

Mit dem Modellvorhaben Land(auf)-

Schwung des Bundesministeriums für

Ernährung und Landwirtschaft, das auf

die Stärkung und Entwicklung ländlicher

Räume abzielt, erhalten viele Unternehmer

und Gründer die Möglichkeit, mithilfe

von Förderangeboten ihre Geschäftsideen

zu realisieren. Im Landkreis Vorpommern-Rügen

liegt der Schwerpunkt

dabei auf einer dauerhaften nachhaltigen

Inwertsetzung der regionalen Entwicklungspotenziale

sowie auf der Verbesserung

der Lebensqualität und Sicherung

der Grundversorgung. Die Weiterverarbeitung

und Hochveredelung regionaler Ressourcen,

die verbesserte Vernetzung und

das Zusammenwirken regionaler Akteure

stehen dabei ebenfalls im Mittelpunkt.


Stephanie Lubig

Till Jaich | 43 Jahre

Geschäftsführer der Wasserferienwelt

Rügen in Lauterbach, Gründer und

Visionär in Vorpommern-Rügen

Hier finden Sie uns:

landaufschwung-vr.de

deutschlands-sonnendeck.de


18 | W+M LÄNDERREPORT

Sachsens „Cool Climate“-

Weine auf Siegeszug

Im sächsischen Elbtal erstreckt sich auf einer Länge von 55 Kilometern

eine der schönsten Weinkulturlandschaften Deutschlands.

Seit mehr als 850 Jahren bauen die Winzer in atemberaubenden

Steillagen und jahrhundertealten Terrassenweinbergen ihre Trauben

an und keltern sie anschließend zu erlesenen Weinen. Inmitten

dieser malerischen Region befindet sich, mit dem in Radebeul

gelegenen Schloss Wackerbarth, das erste Erlebnisweingut Europas.

Das Sächsische Staatsweingut pflegt nicht nur seit 1836 eine

edle Sekttradition, hier entstehen heute auch weltweit anerkannte

Spitzenweine. Von Karsten Hintzmann

Bereits einer der frühen sächsischen

Gourmets, Kurfürst August der Starke,

ließ sich mit feinsten Weinen aus

der Region rund um Dresden und Meißen

verwöhnen und erhob die besten Weinberge,

wie den „Goldenen Wagen“ in Radebeul,

sogar zur königlichen Weinbergslage.

Seit nunmehr fast 30 Jahren sind die heimischen

Winzer dabei, ihre Genuss-Tradition

zu qualitativ neuen Gipfeln zu führen. Die

Weinbaufläche konnte in dieser Zeit schrittweise

erweitert werden, dennoch zählt

der Freistaat unverändert zu den kleinsten

deutschen Weinbauregionen. Geprägt werden

die Weine aus dem sächsischen Elbtal,

welches am 51. Breitengrad liegt, durch das

hier vorherrschende Kontinentalklima: Während

der gesamten Vegetations- und Reifeperiode

wechseln sich warme Tage (im

Jahr 2015 kam das Elbtal auf rund 1.885

Sonnenstunden und gehörte damit zu den

sonnigsten Regionen Deutschlands) mit

kühlen Nächten ab. Die Temperaturamplitude

fällt jedoch deutlich höher aus als in

anderen Weinregionen. Dadurch behalten

die Trauben bis in die späte Reife ihre ausgeprägten

Aromen und ihre natürliche Frische.

Und diese Eleganz und

Finesse kann man bei

den „Cool Climate“-

Weinen der sächsischen

Winzer auch

schmecken.

Sachsen ist ein

typisches Weißwein-Land

– auf

etwa 80 Prozent

der Rebfläche reifen

insgesamt mehr als 30

verschiedene weiße Rebsorten, darunter

Müller-Thurgau, Riesling, Traminer, Weißund

Grauburgunder oder Scheurebe. Auch

eine Rarität ist hier zu Hause, der vor 125

Jahren im französischen Elsass entstandene

„Goldriesling“. Gezüchtet im Jahr 1893,

kamen 1913 die ersten 115 Rebstöcke ins

Elbtal. Heute wird die Tradition dieser Rebsorte

nur noch auf den sächsischen Weinbergen

bewahrt und gepflegt.

Kenner loben Schloss Wackerbarth

In den letzten Jahren sorgte besonders das

Sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth

für Furore, weil auf den insgesamt

104 Hektar Rebflächen elegante Weine

reifen, die bei nationalen und internationalen

Wettbewerben und Verkostungen

diverse Preise und Auszeichnungen abräumen

konnten. Auch die Fachpresse ist voll

des Lobes ob der Leistungen des 120-köpfigen

Teams. Der renommierte Weinführer

Gault Millau etwa schreibt: „Wackerbarth

– das ist Geschichte,

Gegenwart und Zukunft zugleich.

Gelegen vor einem

der schönsten Terrassenweinberge

der Region,

geben Barockschloss und

Park einen Eindruck vom

sächsischen Glamour ver-

Kellermeister Jürgen Aumüller.

Fotos: Schloss Wackerbarth

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


SACHSEN | 19

Idyllische Lage: Erlebnisweingut Schloss Wackerbarth.

Fotos: Schloss Wackerbarth

gangener Zeiten. Im Ensemble integriert

die moderne Kellerei, die einen gelungenen

Kontrast zum historischen Part bildet. Trotz

der großen Historie stehen die Zeichen auf

Zukunft. In den letzten Jahren wurde unter

anderem viel in die Weinberge investiert.

Die 2016er-Weine geben deutlich Auskunft

darüber, welches Potenzial in ihnen

steckt. Alle Weine sind klar und

filigran, getragen von einer vibrierenden

Säure. Besonders gelungen sind

die Weine im süßen Spektrum. Sie

verraten Souveränität im Umgang

mit der Restsüße.“ Auch die Autoren

des Vinum-Weinguide empfehlen

ihren Lesern: „Wer ein Weingut

mit allen Sinnen erleben will,

der muss das Sächsische Staatsweingut

in Radebeul besuchen.

Der bemerkenswerte Kontrast

zwischen dem hochmodernen

Erlebnisweingut à la Napa Valley

und dem Barockschloss von

1727 ist einmalig und extrem gut

gelungen.“ Der Weinguide Falstaff

attestiert den Wackerbarth-Winzern gar

Spitzenleistungen im Rotweinbereich:

„Eine besondere Erwähnung verdient auch

der Blaufränkische. Für uns der beste Rotwein

des Ostens!“

Für Weinliebhaber lohnt es sich in jedem

Fall, Schloss Wackerbarth einen Besuch

abzustatten, das einzigartige Ambiente

zu genießen und sich von Kellermeister

Jürgen Aumüller und seinem Team auf

eine Verkostung einladen zu lassen. Exklusiv

für die Leser von WIRTSCHAFT+

MARKT empfiehlt Jürgen Aumüller vier

Sekte und Weine, die allesamt hervorragend

schmecken und sich in dieser Abfolge

ideal für ein Menü eignen.

Sekt „Hommage 1836“

Rosé extra trocken

Der Sekt „Hommage 1836“ (ab 14,90

Euro) ist der perfekte Aperitif für festliche

Anlässe. Nach 180-jähriger sächsischer

Sekttradition reift der klassische

Flaschengärsekt nach der „Methodé

Champenoise“ mindestens

neun Monate in der Flasche und

wird anschließend vier Wochen

lang in den Kellern

per Hand gerüttelt. So entfalten

sich die feine Perlage

und ein Bukett mit Noten

von Erdbeere und roten

Früchten.

2016er Goldriesling

trocken

Dieser Wein (ab 14,90 Euro) ist

ein leichter, raffinierter Sommerwein.

Er eignet sich zum

eleganten Genuss auf der Terrasse

ebenso, wie als hervorragender

Begleiter zu leichten

Gerichten oder frischen Salaten.

Er überzeugt mit Aromen

von fruchtiger Banane und einer

feinwürzigen Muskatnote.

Im Geschmack begeistern

Noten von frischer

Grapefruit.

2017er Bacchus

trocken

Der Bacchus (ab 12,50

Euro) besticht mit seinem

eleganten Aroma.

Der Duft von Stachelbeere

und Weißer

Johannisbeere

harmoniert ausgezeichnet

mit dem

Geschmack von saftiger Grapefruit.

Der nach dem Gott des

Weines benannte Tropfen

gilt als idealer Spargelwein.

Edition Pradies

Die Komposition aus

Riesling und Traminer

(ab 14,90 Euro) verführt

mit zarten Noten

edler Rosen, fruchtiger

Litschi und exotischer

Früchte. Im Geschmack

öffnen sich

weiche Aromen von

Pfirsich, Apfel und

eine feine Mineralität.

Der Wein passt perfekt zu Käse und

Desserts.

W+M

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


20 | W+M LÄNDERREPORT

Oliver Fern, Regionalvorstand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW):

„Die Region Mitteldeutschland ist

für uns ein zentraler Wachstumsmarkt“

W+M: Die Sachsen Bank heißt nicht mehr

Sachsen Bank. Was ist passiert, was bedeutet

diese Veränderung für die Kunden?

Oliver Fern: Mit der Auflösung der Sachsen

Bank zum 31. März hat die LBBW ihre

Konzernstruktur gestrafft und vereinheitlicht

ihren Markenauftritt. Das Unternehmenskundengeschäft

in

Mitteldeutschland

wird künftig unter

dem Namen

LBBW firmieren.

Das Private

Vermögensmanagement

tritt bereits seit

Oliver Fern.

Herbst letzten Jahres bundesweit unter dem

Namen der BW-Bank auf. Ich habe es selbst

mit vorangetrieben, dass die Bank sich damit

nun auch regional in Mitteldeutschland mit

der Stärke und Präsenz ihrer Marken zeigt.

Leipzig bleibt wichtiger Zentralstandort des

Konzerns. Für die Kunden gibt es keine Änderungen.

Die bisherigen Kundenberater

sind weiter für ihre Kunden da.

W+M: Wie stark ist die LBBW im Unternehmenskundengeschäft

in den neuen Bundesländern?

Oliver Fern: Die Region Mitteldeutschland

ist für uns nach wie vor von großer Bedeutung

und ein zentraler Wachstumsmarkt.

Wir sind stark am Markt und verfügen über

hohe Kompetenz im Finanzierungs-, Anlage-,

Immobilien- und Kapitalmarktgeschäft.

Wir sehen eine sehr gute Entwicklung der

Wirtschaft in den neuen Bundesländern,

insbesondere in Sachsen. Beim Kreditvolumen

wachsen wir auch schneller als der

Bundesdurchschnitt.

W+M: Woran liegt das?

Oliver Fern: Wir sind nah an unseren

Kunden, können schnell entscheiden,

haben eine starke Mannschaft

und erprobte Abläufe. Viele

unserer Kundenbetreuer sind

schon lange bei uns tätig, und

das zahlt sich aus.

Oliver Fern: Der mitteldeutschen

Wirtschaft geht

es gut bis sehr gut. Sachsen

und Thüringen stehen in

der Spitzengruppe der Länder

beim Wachstum. Sachsen zählt

zu den innovativsten Regionen Europas

und Thüringen wächst schneller als der

Bundesdurchschnitt. Wir spüren das im Kreditgeschäft.

2019 dürfte die Dynamik fast

schon naturgemäß abflachen und dabei sind

die geopolitischen Risiken für die Weltwirtschaft

noch nicht abzusehen.

W+M: Welche Entwicklungen in Ostdeutschland

unterscheiden sich aus Ihrer

Sicht von denen der übrigen Bundesländer?

Oliver Fern: Da ist in erster Linie die demografische

Entwicklung, die in der Vergangenheit

insbesondere durch den Wegzug von

jungen Menschen verursacht wurde, zu nennen.

Allerdings werden ostdeutsche Unis immer

attraktiver für Studenten, die die sehr

gute Ausstattung der Unis und die günstigen

Mieten schätzen. Dann hat unsere Region

Nachholbedarf bei der Breitbandversorgung.

Allerdings sehen wir, dass hier im Bundesvergleich

relativ stark investiert wird, weitaus

mehr als in den meisten Teilen der alten Bundesländer.

Historisch bedingt sind die meisten

Unternehmen zudem eher kleine und

mittlere Unternehmen. Diese haben daher

oft mit mehr Schwierigkeiten zu kämpfen,

neue Exportmärkte zu erschließen als größere

Unternehmen. Die LBBW unterstützt

auch mit ihrem weltweiten Netzwerk, hier

Erfolge zu erzielen.

W+M: Sie sind ja als Konjunkturanalyst für

Mitteldeutschland bekannt. Wie fällt Ihr Urteil

2018 aus?

W+M: Wie gut es denn der

Wirtschaft in Ihrer Region?

Oliver Fern: Wir veröffentlichen jährlich

den Konjunkturmonitor. Danach dürfte 2018

nochmal ein sehr starkes Jahr werden. 2019

wird eine ganz normale Normalisierungsphase

mit niedrigeren Wachstumsraten eintreten.

Das ist aber nicht beunruhigend, sondern

nach einem starken Boom zu erwarten.

Allerdings sind die Unterschiede 2018

zwischen den Bundesländern groß. So prognostizieren

wir ein Wirtschaftswachstum

Foto: LBBW


SACHSEN | 21

Fotos: W+M, Quelle Grafik: LBBW

für Thüringen von 2,5 Prozent, für Sachsen

von 2,1 Prozent, für Sachsen-Anhalt von 1,6

Prozent (Deutschland gesamt: 2,3 Prozent).

Gründe für diese Entwicklung sind, dass wir

wissen, dass Sachsen, aber auch Thüringen

eine der innovativsten Regionen in der EU,

wenn nicht sogar weltweit sind. Die Ausgaben

für Forschung und Entwicklung sind

sehr hoch. Die Attraktivität der Unistandorte

zieht junge und gute Leute nachhaltig an.

Leider hinkt Sachsen-Anhalt dem Ganzen

etwas hinterher. Das hängt mit der Kleinteiligkeit

der Wirtschaft und vielleicht auch mit

dem Fehlen von Clusterzentren wie Leipzig

oder Dresden zusammen.

W+M: Wie verändert sich aktuell die Bankenwelt?

Welche Trends sind hier auszumachen?

Oliver Fern: Ein erster wichtiger Trend ist

die Digitalisierung der Wirtschaft und des

Bankgeschäfts. Spannend wird es sein zu

beobachten, wie sich die Digitalisierung

in den nächsten Jahren ihren Weg weiter

in die mitteldeutsche Wirtschaft bahnt.

Wir sind überzeugt, dass die „digitale

Echtzeitwirtschaft“ die Zukunftsfähigkeit der

ostdeutschen Unternehmen stärken wird.

Wir forcieren den Ausbau der Digitalisierung

– in unseren eigenen Prozessen und im Angebot

für unsere Kunden. Zum einen nutzen

wir, wo immer es sinnvoll ist, die Ressourcen

der Sparkassenfamilie nach dem Wechsel

auf das Kernbankensystem OS-Plus. Im

Unternehmenskundengeschäft setzen wir

bei der Digitalisierung auf eigene Entwicklungen.

So etwa bei der Blockchain-Technologie

im Schuldscheingeschäft. Nach der ersten

Schuldschein-Emission via Blockchain

mit Daimler haben wir eine zweite Transaktion

mit Telefónica Deutschland erfolgreich

abgeschlossen. Damit untermauern wir als

Regionalvorstand Oliver Fern und W+M-

Herausgeber Frank Nehring (r.).

ECKDATEN DER MITTELDEUTSCHEN WIRTSCHAFT

Marktführer im Schuldscheingeschäft den

Anspruch, auch bei Innovationen vorauszugehen.

Potenzial bietet die Digitalisierung außerdem

bei internen Prozessen. So testen

wir den Einsatz von Robotics-Methoden an

verschiedenen Stellen in der Bank, zum Beispiel

in der Abwicklung.

Ein weiterer Trend ist die Nachhaltigkeit, die

bei uns und unseren Kunden einen immer

höheren Stellenwert einnimmt. Es geht um

die Verankerung von Nachhaltigkeit in Produkten

und der gesamten Wertschöpfungskette

zur Aufdeckung erheblicher Einsparpotenziale.

Es geht darum, Prozesse, Services

und Angebote nachhaltig zu gestalten. Wir

gehen davon aus, dass der Markt für nachhaltige

Anlagen weiter stark wachsen und

die Nachfrage nach derartigen Produkten

deutlich zunehmen wird.

Beim ersten Green Bond eines deutschen

Unternehmens – bei Innogy – war die

LBBW federführend beteiligt. Wir haben

auch die Emission des ersten „grünen“

Schuldscheins für den Automobilzulieferer

Mann+Hummel begleitet. Mit beiden Emissionen

konnte gezeigt werden, wie derartige

Produkte helfen, die Finanzierungsstruktur

der Unternehmen zu diversifizieren. Insgesamt

unterliegt die Bankenwelt weiterhin

einem hohen Veränderungstempo, dem

wir mit Agilität begegnen. Mehr Agilität, und

zwar sowohl in der Organisation als auch bei

jedem einzelnen Mitarbeiter. Als Vorbild dienen

uns dabei unsere mittelständischen Kunden,

die bewiesen haben, dass sie „Wandel

können“.

W+M: Wissen Sie, was Unternehmenskunden

heute und morgen von einer Bank erwarten?

Wirtschaftswachstum in Prozent

(Prognose LBBW Research)

Arbeitslosenquote

in Prozent

2018 2019 2017

Sachsen 2,10 1,80 6,7

Thüringen 2,50 2,20 6,1

Sachsen-Anhalt 1,60 1,40 9,6

Ostdeutschland 2,00 1,80 7,7

Deutschland gesamt 2,30 2,00 5,7

Oliver Fern: Wir sind nah dran am Kunden

und sprechen regelmäßig mit unseren Kunden.

Darüber hinaus befragt die LBBW systematisch

ihre Kunden. Aus der jüngsten

Mittelstandsbefragung des Research der

LBBW in Zusammenarbeit mit dem Institut

für Angewandte Wirtschaftsforschung

(IAW) lassen sich spannende Themen und

Trends erkennen. Als Ausgangspunkt ist

hierbei zu verstehen, wo unsere Kunden

stehen und was sie planen. So zeigt die Befragung,

dass im Mittelstand hervorragende

Stimmung herrscht und die Unternehmen

auf weitere Expansion setzen. 65 Prozent

Eingangsportal: Noch steht da „Sachsen Bank“.

der Befragten planen Investitionen, dabei

setzen vier von fünf Betrieben auf Erweiterungsinvestitionen.

Ein besonderer Stellenwert

wird der Digitalisierung beigemessen.

Fast drei Viertel der befragten Unternehmen

wollen ihren künftigen Investitionsschwerpunkt

auf die Digitalisierung legen. Diese Investitionen

müssen aber auch finanziert werden.

Über die Hälfte der Mittelständler sieht

in den kommenden Monaten Finanzierungsbedarf

in Form von Fremdkapital für das eigene

Unternehmen. Der klassische Bankkredit

steht dabei als Mittel der Wahl bei

94 Prozent dieser Unternehmen ganz oben.

Der Mittelstand setzt somit nach wie vor auf

Banken bei der Finanzierung seiner Zukunftsfähigkeit.

Hier kann die LBBW als verlässlicher

Partner die mitteldeutsche Wirtschaft

auf ihrem Weg zur Digitalisierung begleiten.

Interview: Frank Nehring

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22 | W+M LÄNDERREPORT

Gelungene Werbeoffensive

für Urlaub im Osten

Stadt der Freiheit: Berlin warb mit den 20er-Jahren.

Auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin haben sich

die neuen Bundesländer mit interessanten Auftritten präsentiert und

Schwerpunkte für das nächste Jahr vorgestellt.

Berlin: Die goldenen Zwanziger

Die Hauptstadt setzte in diesem Jahr auf

der Internationalen Tourismus-Börse auf

die goldenen Zwanziger Jahre. Mit einer

historischen Straßenszene mit Oldtimer

und Accessoires konnten die Besucher in

das legendäre Berlin dieser Zeit eintauchen.

Inspiriert wurden die Macher von

Brandenburg verwöhnte die Messebesucher mit einer grünen Oase.

visitBerlin, der Tourismusförderung des

Landes, von der Serie „Babylon Berlin“,

die auf dem Pay-TV-Sender-Sky zu sehen

ist. Die erfolgreiche Serie spielt in den

20er-Jahren und wurde an zahlreichen Original-Schauplätzen

in Berlin gedreht. Das

Unternehmen erhofft sich positive Effekte

für den Tourismus: Rund zehn Prozent

der Berlin-Gäste werden

laut Studie des Medienboard

Berlin-Brandenburg

durch Filme und

Serien mit Drehort Berlin

zu einem Besucht in

der Hauptstadt inspiriert.

Brandenburg:

Wasser und Fontane

Mit rund 33.000 Kilometern

Fließgewässer,

mehr als 3.000 Seen und

zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern

bietet Brandenburg das

größte Wassersportrevier

Deutschlands. Mit diesem Pfund will

das Land in diesem Jahr bei den Touristen

punkten. Natur ist Trumpf. Das zeigt sich

auch auf dem Messestand. Eine ruhige

Oase, ein Naturkino mit gemütlichen Sitzkissen

zwischen grünen Pflanzen lädt zum

Verweilen ein. Auf dem gemeinsamen

Stand mit dem Land Berlin gibt es aber

auch schon einen Vorgeschmack auf das

Jahr 2019. Dann jährt sich der Geburtstag

von Dichter Theodor Fontane zum 200.

Mal. Unter dem Motto „fontane.200“ bietet

Brandenburg ein breit gefächertes Veranstaltungsprogramm.

Mecklenburg-Vorpommern:

Mit Mecklenburg-Vorpommern war erstmals

ein deutsches Bundesland Partnerland

der ITB. Unter dem Motto „Urlaub

ist unsere Natur“ punktete das Land mit

Strandkörben, Prominenz und Natur. Höhepunkte

von Mecklenburg-Vorpommerns

Messeauftritt waren die Eröffnungsgala

auf der Messe mit viel Prominenz sowie

die Social-Media-Aktion #mymvmoment,

bei der auf und um die Messe 100

Strandkörbe verteilt wurden. Auf knapp

1.000 Quadratmetern und noch einmal

400 Quadratmetern im Außenbereich der

Messe präsentierte sich das Land von sei-

Fotos: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


OSTDEUTSCHLAND | 23

Fotos: W+M

Obligatorisch: Strandkörbe in Mecklenburg-Vorpommern.

ner besten Seite. Tourismus-Schwerpunkte

sind Natur, Ruhe und Nachhaltigkeit. So

wurde auf der Messe beispielsweise für

das erste Upcycling-Hotel Deutschlands in

Rövershagen geworben. Das Besondere:

Alle 50 Zimmer des Hotels sind mit Materialien

und Möbeln ausgestattet, die eine

Geschichte mit sich bringen und liebevoll

aufgearbeitet wurden.

Sachsen: Kultur, Kultur, Kultur

Sachsens 800-jährige Kunstgeschichte ist

enorm facettenreich und berührt alle Stilepochen

von der Gotik bis zur Moderne.

Daher hat der Freistaat sie für das

kommende Jahr zu ihrem touristischen

Schwerpunkt erklärt. Unter dem Motto

„kUNSt Sachsen“ wurde der Messestand

des Bundeslandes auf der ITB im März

2018 in eine Kunstgalerie verwandelt. Zu

bewundern war eine Fülle berühmter Gemälde

bekannter Maler, von den alten

Meistern bis zur neuen Leipziger Schule.

Kunstvoll auf Stoffen bedruckt umhüllten

sie den knapp 1.000 Quadratmeter großen

Messestand. Hinzu kam

eine Ausstellung zeitgenössischer

Kunst im Original,

abgerundet mit

Auftritten von Musikern,

Tänzern und

Handzeichnern.

Sachsens Fokus

lag auf der Kunst.

Sachsen-Anhalt:

Romanik und Bauhaus

Mit 25 Mitausstellern hat

sich das Land Sachsen-Anhalt

auf einer Fläche von

rund 600 Quadratmetern

auf der diesjährigen Internationalen

Tourismus-

Börse präsentiert. Nach

einem erfolgreichen Luther-Jahr

dreht sich in diesem

Jahr alles um die Reise-Highlights

entlang der

Tourismus-Route „Straße

der Romanik“, die ihren

25. Geburtstag feiert. Für

2019 legt die touristische

Präsentation der Investitions-

und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt

ihr Augenmerk auf das große

Bauhaus-Jubiläum zum 100. Jahrestag

der Gründung des Bauhauses in Weimar,

Dessau und Berlin. Highlight soll die

Fertigstellung des neuen Bauhaus Museums

mit rund 40.000 Exponaten in Dessau

im kommenden Jahr werden.

Thüringen: Tischkultur und Bauhaus

Der Freistaat Thüringen widmete sich in

diesem Jahr den Reisemotive der Besucher.

Dazu gehören Kennerschaft (zum

Beispiel in Kultur oder Geschichte), Faszination

(beispielsweise von bestimmten

Orten und Zeiten), Sehnsucht (nach Natur,

Entspannung, neuen Erfahrungen)

und Neugierde (auf Unbekanntes, Neues

jenseits des Mainstreams). Visualisiert

wurden diese mit großen beleuchteten

Bildern – vom Goethe-Schiller-Denkmal

in Weimar bis zur Krämerbrücke in Erfurt.

Auf 620 Quadratmetern präsentierte die

Thüringer Tourismus GmbH die nächsten

touristischen Höhepunkte: die Thüringer

Tischkultur in 2018 und

das Bauhausjubiläum 2019,

eines der größten demnächst

bevorstehenden

Kulturereignisse

in Deutschland.

Passend dazu bietet

das Land eine

inspirierende Entdeckungsreise:

dorthin,

wo alles begann.


W+M

Sachsen-Anhalt setzte auf Romanik und Bauhaus.

Thüringen bestach mit Bauhaus-Design.

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24 | W+M LÄNDERREPORT

Hidden Champions

in Ostdeutschland

Starke Spezialisierung, hohe Innovationskraft

und den internationalen

Markt im Blick: Deutschlands unbändiges

Wirtschaftswachstum rückt die

Hidden Champions wieder ins Rampenlicht.

Der neue Koalitionsvertrag preist

ihre Spitzenstellung, die Wirtschaftszeitungen

überschlagen sich mit ihren Innovationen

und die European School of

Management and Technology (ESMT)

hat ein eigenes Institut gegründet. Die

1.300 mittelgroßen, meist familiengeführten

oder -kontrollierten und

oft hoch spezialisierten Europa-

oder Welt-Marktführer

gelten als das Rückgrat

der deutschen

Volkswirtschaft. Doch

Jörg K. Ritter ist

Senior Partner bei Egon

Zehnder und Professor

für Leadership & Human

Resources an der Quadriga

Hochschule Berlin.

ein besonderer Teil von ihnen bleibt im

Schatten: die Hidden Champions im Osten

Deutschlands. Sie haben besondere

Rahmenbedingungen und stellen damit

besondere Anforderungen.

Auf unterschiedlichen Wegen

zum Erfolg

Die Erfolgskriterien von Hidden Champions

lassen sich in acht Bereiche unterteilen.

In einer systematischen Analyse

der bisherigen erfolgreichen Entwicklung

dieser Unternehmen können

sie in vier verschiedene

Strategietypen

differenziert werden

– entprechend ihrer

Ausprägung in

den Bereichen Innovations-

und Volumenfokus.

Während

sich Spezialisierer

durch eine

klare Nischenstrategie

mit geringerem Volumen

auszeichnen, sind Kostenführer

darauf bedacht, sich durch einen hohen

Standardisierungsgrad und hohes Volumen

zu wettbewerbsoptimalen Kosten

am Markt zu positionieren. Die Innovationschampions

zielen durch Technologieorientierung

und Qualitäts- sowie Markenführerschaft

auf eine herausragende

Marktführerschaft ab. Wenn sie es schaffen,

diesen etablierten Innovationsfokus

durch hohe Volumina kosteneffizient zu

skalieren, werden sie zu Kompetenzführern,

da sie dann die Technolgie-, Marken-

und Marktführerschaft mit großem

Volumen vereinen können.

Das Erfolgsrezept der Marktführer

in Ostdeutschland

Der Blick in die ostdeutsche Unternehmenslandschaft

zeigt uns ein großes Feld

an Spezialisierern und viele Beispiele von

Innovationschampions. Um als ostdeutscher

Kostenführer erfolgreich agieren zu

können, fehlt es vielen Unternehmen am

Volumenfokus und auch an den entspre-

Fotos: IFA Rotorion (oben), Egon Zehnder International (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


OSTDEUTSCHLAND | 25

chenden Rahmenbedingungen. Nur eine

geringe Anzahl ostdeutscher Unternehmen

hat es bisher bis zu einem Kompetenzführer

geschafft. Und doch gibt es

eine Vielzahl an Beispielen herausragender

Hidden Champions. Dazu gehört beispielweise

Dreiling Maschinenbau aus

Geisleden in Thüringen, die hoch spezialisiert

kundenindividuelle Lösungen

bei geringer Skalierung entwickeln. Novatic

aus Dresden zeichnet sich durch

eine hohe Innovationsorientierung aus,

in deren Konsequenz gut 50 Prozent der

Produkte höchstens drei Jahre alt sind.

Das Energiedienstleistungsunternehmen

G+E GETEC aus Magdeburg steht für einen

Innovationschampion, der deutschland-

und europaweit agiert und sich nunmehr

unternehmensstrategisch auf einen

deutlichen Volumen- und digitalisierten

Dienstleistungsfokus konzentriert. Und

als Kompetenzführer ist das größte eigenständige

ostdeutsche Unternehmen zu

nennen, die IFA Rotorion mit Sitz in Haldensleben.

Aber auch in der Breite gibt

es viele positive Beispiele, insbesondere

schnell wachsende Unternehmen in

Ostdeutschland. Über 1.700 Gazellen (20

Prozent Wachstum in den Jahren 2014-

2016) und fast 3.200 solide wachsende

Unternehmen (zehn Prozent Wachstum

in den Jahren 2011–2016) gibt es in Ostdeutschland,

zeigt eine kürzlich veröffentlichte

Studie des Bundeswirtschaftsministeriums.

Aktivitäten seitens der Politik,

in Kooperation mit Wissenschaft

und Wirtschaft,

regionale Kooperationen

zwischen Großunternehmen,

Forschungseinrichtungen

und Mittelstand nachhaltig

zu etablieren.

Das stärkt und unterstützt

die Bildung weiterer

Agglomerationsräume.

Dazu gehören

auch universitäre Ausgründungen

und Startups

mit Unterstützung

durch Unternehmer

und Business Angels.

Grundvoraussetzung für etablierte Unternehmen

ist jedoch ein innovationsorientiertes

und -bereites Management, einschließlich

der governanceseitigen Unterstützung.

Es braucht den Willen, die

Kompetenzen und das Managementpotenzial,

um in branchenübergreifenden

Netzwerken innovationsorientiert Wertschöpfung

zu entwickeln – um dann international

zu wachsen.

Die Hidden Champions in Ostdeutschland

macht ein besonderer Managertypus

aus: Es sind Unternehmerpersönlichkeiten,

die in den vergangenen 25 Jahren

René Sadowski ist Engagement Leader

bei Egon Zehnder und Professor

für Entrepreneurship & Innovation

Management an der EBC Hochschule Berlin.

mit viel Mut und Engagement

unter schwierigeren

Bedingungen

ihre Firmen aufgebaut

haben – in

weniger gut vernetzten

und von

der wirtschaftlichen

und gesellschaftlichen

Transformation

geprägten Umfeldern

als im Süden

und Westen.

Inzwischen suchen

viele der eigentümergeprägten

Unternehmen

ihre altersbedingte Nachfolge. Ein konservatives

Agieren am Markt ist da nicht

verwunderlich. Unterm Strich attestieren

die Analysen des ifo-Instituts der Unternehmerlandschaft

in Ostdeutschland in

der Breite einen fehlenden Wachstumswillen.

Es kommt nun darauf an, „Unternehmertum“

in die nächste Generation an Handwerks-

und Hochschulen zu tragen, um

etablierte und neue Unternehmungen

erfolgreich zu machen. Dies heißt auch,

Managementkompetenzen und das Potenzial

des Managements weiterzuent-

Foto: Egon Zehnder International, Quelle Grafik: Egon Zehnder nach Hermann Simon

Anderes Umfeld, andere

Herausforderungen

Bei genauer Betrachtung sind zwei Erkenntnisse

von besonderer Relevanz.

Erstens: Nur 55 der etwa 1.300 Hidden

Champions sind in Ostdeutschland zu

Hause (Analyse Egon Zehnder). Zweitens:

Die Innovationskraft hat in den letzten

fünf Jahren deutlich nachgelassen

(Analyse Ifo Institut; Ergebnisse des Innovationswettbewerbs

TOP 100).

Wie bekannt, sind etablierte und funktionierende

industrielle Kerne und organisierte

Branchennetzwerke in der Breite

in Ostdeutschland nicht etabliert – insbesondere

im Vergleich zum Westen und

Süden Deutschlands. Auch daher kommt

es darauf an, durch innovationsfördernde

ACHT ERFOLGSKRITERIEN VON HIDDEN CHAMPIONS

1

2

Marktführer in

einer Nische

Fokus auf

Premiummarkt

3 Flexiblität &

Kundenorientierung

4

Familien- oder

Eigentümergeführt

HIDDEN

CHAMPIONS

5 Internationalisierung

nach Kundenbedarf

6 Risikoaverse

Fremdfinanzierung

7 Weiche

Diversifizierung

8 Enorme

Wertschöpfungstiefe

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26 | W+M LÄNDERREPORT OSTDEUTSCHLAND

wickeln. So können sie in einem größeren

und intensiveren Wettbewerbsumfeld

erfolgreich bestehen.

VIER STRATEGIETYPEN BEI HIDDEN CHAMPIONS

Volumenfokus

Volumenstrategie

Standardisierung

Kostenführerschaft

Individualisierung

Nischenstrategie

17 %

26 %

Kostenführer

Kompetenzführer

24 %

33 %

Spezialisierer

Innovationschampions

Innovationsfokus

Technologieführerschaft

Markenführerschaft

Marktführerschaft

Qualitätsführerschaft

Dienstleistungsführerschaft

Egon Zehnder hat Managementpotenzial

unter 3.300 Führungskräften ostdeutscher

Hidden Champions untersucht. Sie

zeichnen sich vor allem durch Stärken in

der Lernorientierung, im Einsatz und der

positiven Veränderung aus. Gleichzeitig

werden als Entwicklungsfelder der Geschäftsfokus

und das Führen von Komplexität

identifiziert. Um mittelständische

Unternehmen, ihre Eigentümer und Führungskräfte

auf dem Weg zum Hidden

Champion zu unterstützen, hat die ESMT

Berlin vor wenigen Monaten das Hidden

Champions Institute (HCI) ins Leben gerufen.

Das HCI führt Forschungsprojekte

mit hoher Praxisrelevanz durch, bietet

offene und firmenspezifische Executive-Education-Seminare

und organisiert

Netzwerkveranstaltungen – mit dem Fokus

auf Innovation, Internationalisierung,

Strategie, Digitalisierung, Organisation

und Governance.

Voraussetzungen für

Entwicklungen schaffen

Sicherlich, es können

viele Handlungsfelder

und Hebel angegangen

werden, um Hidden

Champions verstärkt

herauszubilden. Allen voran

steht aber ein Bereich,

bei denen Unternehmen

nur einen mittelbaren Einfluss

haben: Das mediale

„Umdenken“ bei der

Bericht erstattung zu Best

Practices ostdeutscher Unternehmens-

und Unternehmerleistungen.

Ohne

dieses Engagement

wäre der beobachtbare

Konvergenzfortschritt

nicht erreicht worden.

In diesem strukturschwächeren Umfeld

kommt der Politik eine besondere Rolle

als Vermittler zu: Sie sollte wachstumsinteressierte

Unternehmen stärker proaktiv

ansprechen und zielgerichtet beraten

– und zugleich nachhaltig verlässliche

und innovations- und wachstumsstimulierende

Rahmenbedingungen schaffen.

Schnell wachsende Unternehmen

mit weiteren Unternehmen zu vernetzen

und Zugänge zu Investoren für Unternehmer

zu schaffen, sind wichtige

Bausteine. Einen guten Rahmen bieten

die Aktivitäten des Ostdeutschen Wirtschaftsforums.

(Ober-)Bürgermeister

können hierbei als regionale Dirigenten

die unterschiedlichen sektoralen Aktivitäten

zu einer Gesamtdynamik verweben.

Sie benötigen auf dem Weg zu „Infrastruktur-Unternehmern“

eine forcierte

Unterstützung, beispielsweise durch

ein entsprechendes Weiterbildungsprogramm,

um diesen Anspruch auch erfüllen

zu können. Für die Unternehmen

geht es perspektivisch vor allem um die

Etablierung von funktionierenden und mit

„Hidden Champion“-Kompetenz ausgestatteten

Governance-Gremien zur Unterstützung

von Inhabern, Unternehmerfamilien

und Führungskräften. In einem solchen

erfolgreichen Dreiklang werden wir

das Wachstum und die Etablierung weiterer

ostdeutscher Hidden Champions in

der nächsten Dekade sehen.

René Sadowski und Jörg K. Ritter

Illustration: Sentavio/fotolia.com, Quelle Grafik: Jürgen Meffert & Holger Klein

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


ADVERTORIAL | 27

Das Versorgungswerk des

Unternehmerverbands Berlin e. V.

Im Rahmen des Versorgungswerks des

Unternehmerverbands (UV) Berlin e. V.

stehen Unternehmern, ihren Angehörigen

und ihren Beschäftigten zahlreiche

Möglichkeiten zur besonders günstigen Absicherung

betrieblicher und/oder privater Risiken

zur Verfügung.

Als Trägergesellschaft des Versorgungswerkes

ist die SIGNAL IDUNA-Gruppe mit ihren

jeweiligen Angeboten erfolgreich tätig.

und dem Umland. Branchenübergreifend

werden

im UV Unternehmen

aus allen Bereichen

unter Einschluss

von Handwerk, Industrie,

Gewerbe, Dienstleistung

und der freien

Berufe vereint.

Der Unternehmverband

Berlin ist überparteilich

aufgestellt

und setzt sich konsequent

für optimale Bedingungen

seiner Mitglieder

im Rahmen der

sozialen Marktwirtschaft ein. In diesem Sinne

ist der UV Stimme und Vertretung für die

allgemeinen und besonderen Belange seiner

klein- und mittelständischen Mitgliedsunternehmen.

Zur Erreichung dieser Ziele

stehen wir in Kontakt und im Dialog mit

der Politik und ihren Institutionen, dies insbesondere

dabei auf Berliner Landes- wie

auch Bezirksebene.

Foto: Thomas Hugel/www.pixelio.de

Zum umfangreichen Leistungsangebot der

SIGNAL-IDUNA-Gruppe gehören unter anderem

Beratungs- und Betreuungsleistungen

(Rentenberechnung, Rentenkontoklärung,

Informationen zur Pflegeversicherung

sowie Analyse und Bewertung der Versicherungsunterlagen),

Versicherungsleistungen

(Lebensversicherung, Unfallversicherung,

Rentenversicherung, Betriebliche Altersversorgung)

sowie die private Krankenversicherung.

Zusätzlich berät die SIGNAL-IDUNA-

Gruppe beispielsweise in den Bereichen Betriebs-

und Privathaftpflichtversicherung und

gewerbliche Sachversicherung.

Der Unternehmerverband Berlin e. V. selbst

ist eine starke Gemeinschaft von klein- und

mittelständischen Unternehmen aus Berlin

Für die Mitglieder bietet der UV zugleich

ein Netzwerk und eine Plattform zum Austausch

wie auch zur gegenseitigen Förderung.

Zu den Nutzern der Informationsangebote

des Verbandes gehören neben den

Mitgliedern auch zahlreiche Partner und

Freunde des Unternehmerverbands Berlin

e. V.

Überregional ist der UV zusammen mit

den weiteren Unternehmensverbänden der

neuen Bundesländer in der „Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin“ vereinigt, die kleine

Unternehmen und den Mittelstand auf

Bundesebene vertritt.

Ihre Vorteile als Mitglied

Unternehmerverband

berlin e.v.

Niklas Graf von Bernstorff

Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied

Frankfurter Allee 202

niklas.bernstorff@uv-b

www.uv-b

10365 Berlin

Telefon +49-30-9 8

Telefax +49-30-9 8

Save the Date


28 | W+M SCHWERPUNKT

Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke (SPD):

„Mit unserer Imagekampagne wollen wir

Menschen motivieren zu uns zu kommen –

zum Arbeiten, Leben, Lernen oder Studieren“

W+M: Herr Dr. Woidke, als Ort für unser

Interview haben Sie die Firma ORAFOL

in Oranienburg ausgesucht. Welche Bedeutung

hat dieses Unternehmen für die

Region und das Land Brandenburg?

Dietmar Woidke: Es hat nicht nur für

das Land Brandenburg eine große Bedeutung,

sondern es ist eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte.

Es ist ein Beispiel für die

gute Entwicklung, die viele Unternehmen

bei uns in den zurückliegenden 27 Jahren

genommen haben. ORAFOL verkörpert

die Stärken, die die Brandenburger

Wirtschaft ausmachen – einerseits Bodenständigkeit

und märkische Bescheidenheit

und andererseits Fleiß, große

Durchsetzungskraft und eine hohe Innovationsfähigkeit.

Der Geschäftsführer Dr.

Holger Loclair hat für das Unternehmen

schon zu DDR-Zeiten gearbeitet, damals

Teil des VEB Spezialfarben Oranienburg

– allerdings nur mit rund 65 Beschäftigten.

Heute sind es fast 1.000 am Hauptsitz.

Das ist eine tolle Leistung von ihm

und allen Beschäftigten.

W+M: ORAFOL hat in den vergangenen

Jahren stark am Standort investiert. Wie

hat das Land dabei unterstützt?

Dietmar Woidke: Bisher haben wir

ORAFOL mit rund 37 Millionen Euro unterstützt

und werden das auch künftig

tun. Denn man sieht ja hier am Standort,

dass das Unternehmen weiter kräftig investiert.

Insgesamt belaufen sich die Investitionen

bei ORAFOL hier in Oranienburg

auf mehr als 200 Millionen Euro. Viel

Geld fließt in Digitalisierung, Hochtechnologie

und Forschung und Entwicklung.

W+M: Wo befinden sich weitere für Ihr

Bundesland wichtige Zukunftsorte?

Ministerpräsident Dietmar Woidke bei der Besichtigung von ORAFOL in Oranienburg.

Dietmar Woidke: Die findet man in ganz

Brandenburg – von Nord bis Süd und Ost

bis West. Ein paar Beispiele: der Wissenschaftsstandort

Potsdam, das PCK

Schwedt, die Luftfahrttechnologie mit

Rolls-Royce und vielen Partnern, der

Bahntechnologie-Campus Havelland

oder BASF Schwarzheide, um nur einige

zu nennen. Man findet sie immer dort,

wo Menschen engagiert anpacken und

wo sie versuchen, die vorhandenen Bedingungen

als Herausforderungen zu verstehen

und nicht die Flinte ins Korn werfen.

Zukunftsorte sind Orte, wo wir Wirtschaft

haben, die innovativ ist und die versucht,

mit neuen Produkten sich – auch

international – die Märkte der Zukunft zu

erarbeiten. Da wir in Brandenburg kaum

wirtschaftsfinanzierte Forschungseinrichtungen

haben, versuchen wir, diese

Lücke dadurch zu füllen, indem wir staatlich

finanzierte Forschung noch enger mit

den mittelständischen Unternehmen vernetzen

und verzahnen. Dazu installieren

wir in den regionalen Wachstumskernen

gezielt Ansprechpartner unserer Hochschulen,

die vermehrt praxisorientierte

Kooperationen mit regionalen Unternehmen

auf den Weg bringen. Dabei geht es

vorrangig um Technologietransfer und die

Gewinnung hochqualifizierter Fachkräfte.

Diesem Ziel dient auch unsere Transferstrategie,

die das Kabinett im vergangenen

Sommer beschlossen hat – übrigens

die erste eines deutschen Bundeslandes.

W+M: Dem Land Brandenburg geht es

finanziell derzeit gut. Ihre Regierung will

einen Teil des Steuersegens für Investitionen

einsetzen. Wofür genau werden

Sie das Geld ausgeben?

Dietmar Woidke: Ein großer Teil des

Geldes wird für die Fortsetzung des

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


BRANDENBURG | 29

Breitbandausbaus eingesetzt, sowohl

im ländlichen Raum als auch in den verdichteten

Räumen. In den nächsten zweieinhalb

Jahren werden dafür etwa 450

Millionen Euro allein aus Steuergeldern

ausgeben. Wir kommen da gut voran;

in Ostdeutschland sind wir beim Breitbandausbau

Spitzenreiter. Aufgrund des

permanenten Fortschritts im Bereich der

Digitalisierung wird das allerdings eine

dauerhafte Aufgabe für uns bleiben.

Ein zweiter Punkt ist die Verbesserung

der Infrastruktur. Hier sehe ich besonders

zwei Prioritäten. Erstens Investitionen

in die Landesstraßen, zweitens brauchen

wir Verbesserungen im öffentlichen

Personennahverkehr. Denn der Großraum

Berlin-Brandenburg ist ein zusammenhängender

Wirtschaftsraum, das

wird allein schon an der großen Zahl der

Pendler deutlich, die Tag für Tag unterwegs

sind. Die ersten Zusatzprogramme

starten bereits.

Außerdem werden wir natürlich im Bereich

der Schulen und Kitas weiter investieren.

Auch das ist – auf lange Sicht gesehen

– aktive Fachkräftesicherung. Bei

den Kitas werden wir in die Beitragsfreiheit

einsteigen. Aber auch der Personalschlüssel

soll verbessert werden.

W+M: Im Mai starten Sie mit einer nagelneuen

Imagekampagne unter dem Slogan

„Brandenburg. Es kann so einfach

sein”. Welche Effekte versprechen Sie

sich von dieser Kampagne?

ORAFOL EUROPA GMBH

Das Familienunternehmen, das unter

anderem Spezialfolien herstellt (ORAFOL

steht für ORAnienburger FOLien),

schreibt seit 28 Jahren eine einzigartige

Erfolgsgeschichte. Geschäftsführer

Dr. Holger Loclair startete 1990 mit 65

Mitarbeitern. Er hatte die Firma „Spezialfarben

Oranienburg” von der Treuhand

gekauft. Heute ist das Unternehmen

weltweit aktiv, beschäftigt knapp

1.700 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen

Jahresumsatz von mehr als 650

Millionen Euro. Am Standort Oranienburg,

wo knapp 1.000 Mitarbeiter in

vier Schichten arbeiten, wird kräftig investiert.

ORAFOL zählt zu den 500 bedeutendsten

deutschen Familienunternehmen.

Leben, Lernen oder Studieren. Ich finde

es gut, dass über diese Kampagne auch

durchaus kontrovers diskutiert wird. Das

Schlimmste wäre doch eine Kampagne,

über die keiner spricht. Wir wollen ein Bild

des Landes Brandenburg zeichnen, das

das herausstellt, was uns von anderen Regionen

und Ländern unterscheidet.

W+M: Eine Nachfrage: Verbinden Sie mit

der Kampagane auch die Hoffnung, neue

Investoren oder Unternehmen ins Land

zu holen?

Dietmar Woidke: Ganz klar, wir wollen

mit der Kampagne neugierig machen auf

Brandenburg. Wir wollen gut ausgebildete

junge Menschen für unser Land interessieren

und gewinnen. Denn eine entscheidende

Frage für Brandenburgs Zukunft

ist, dass wir genügend gut ausgebildete

Fachkräfte haben. Ein gutes Image

wird sich positiv auf das Wirtschaftswachstum

auswirken und bereits heute

kommen viele abgewanderte Brandenburgerinnen

und Brandenburger zurück

ins Land. Einfach weil die Perspektiven

gut sind.

W+M: Vor einigen Monaten haben Sie auf

die Stimmung im Land reagiert und die

geplante Kreisgebietsreform abgesagt.

Ein Ziel der Reform war es, die Verwaltung

unter Berücksichtigung des demografischen

Wandels leistungs- und zukunftsfähig

aufzustellen. Wie wollen Sie

dieses Ziel nunmehr ohne Kreisgebietsreform

erreichen?

Dietmar Woidke: Die damit verbundenen

Ziele gibt es nach wie vor, denn die

Probleme sind ja nicht verschwunden.

Zur Geschichte: Ich habe die Entschei-

Foto: W+M

Dietmar Woidke: Wir hatten im letzten

Jahr eine Studie in Auftrag

gegeben, die feststellte,

dass vieles in Brandenburg

bekannt ist, etwa

der Spreewald oder Sanssouci,

aber dass die Menschen

diese Begriffe nicht mit Brandenburg

verbinden. Brandenburg ist für viele ein

„weißes Blatt” – irgendwo da im Osten.

Mit der Kampagne wollen wir ein Bild von

Brandenburg erzeugen: Modern, aufstrebend,

aber mit viel Natur und viel Wasser.

Mit dem Slogan „Brandenburg. Es kann

so einfach sein” wollen wir Sehnsüchte

ansprechen nach unkomplizierterem Leben

und wir wollen Menschen motivieren

zu uns zu kommen – zum Arbeiten,

ORAFOL-Geschäftsführer Holger Loclair (l.) erläutert Ministerpräsident Dietmar Woidke die

Investitionsvorhaben seines Unternehmens am Standort Oranienburg.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


30 | W+M SCHWERPUNKT BRANDENBURG

Bei ORAFOL-Mitarbeiter Dirk Meckel (l.)

erkundigt sich Dietmar Woidke nach Details

des Produktionsprozesses.

dung getroffen, die Kreisgebietsreform

nicht durchzuführen, denn der Streit darüber

drohte die Entwicklung Brandenburgs

zu behindern. Die Kontroverse begann,

mehr Schaden zu erzeugen als die

Reform an Gewinn gebracht hätte. Ich

denke, die Entscheidung war am Ende

richtig. Wir sind jetzt mit der kommunalen

Ebene gut im Gespräch. Es geht darum,

die Dienstleistungen, die die Unternehmer,

aber auch alle Brandenburger

von der Verwaltung erwarten, effektiv,

zügig und in hoher Qualität anzubieten

und zu erbringen. Das Land wird die Verwaltungszusammenarbeit

unterstützen.

Es ist wichtig, dass über Kreis- und Gemeindegrenzen

hinaus kooperiert wird.

Mit den Oberzentren Frankfurt (Oder),

Cottbus und Brandenburg an der Havel

sind wir darüber im Gespräch, wie sie

entschuldet werden können. Sie müssen

stark sein, weil sie wirtschaftliche Anker

in ihren Regionen sind.

W+M: Die meisten ostdeutschen Ministerpräsidenten

hatten sich vor der Bundestagswahl

für die Stärkung der Position

eines Ostbeauftragten in der Bundesregierung

ausgesprochen und für die Koppelung

dieses Amtes an einen Ministerposten

plädiert. Dieser Wunsch ist von

der Kanzlerin nicht erhört worden. Erneut

fungiert ein Parlamentarischer Staatssekretär

als Ostbeauftragter. Sind Sie mit

dieser Lösung zufrieden?

Dietmar Woidke: Ich gehörte nicht zu

denjenigen, die einen Minister als Ostbeauftragten

gefordert hatten. Denn ich

halte die Aufgaben für viel zu komplex, als

dass sie von einem Ministerium zu lösen

wären. Hier ist die gesamte Bundesregierung

gefordert. Aber ich bin froh, dass wir

im Bundeskabinett mit Franziska Giffey

wieder eine Ministerin mit ostdeutscher –

und in dem Fall mit Brandenburger – Biografie

haben und dass ein Ostbeauftragter

mit Anbindung an das Wirtschaftsministerium

berufen wurde. Solange die

Unterschiede im strukturellen Bereich,

aber durchaus auch mental, noch so groß

sind, ist es notwendig, dass sich Vertreter

in der Bundesregierung speziell um

Ostdeutschland kümmern und ostdeutsche

Lebenserfahrung mitbringen.

W+M: Im kommenden Jahr stehen in

Brandenburg Landtagswahlen an. Glaubt

man den aktuellen Umfragen, hat die

SPD Probleme, ihren Status als stärkste

Kraft im Land zu behaupten. Auch die

Zukunft des rot-roten Bündnisses steht in

den Sternen. Mit welchen großen Projekten

wollen Sie die Wähler in den verbleibenden

rund anderthalb Jahren zurückgewinnen?

ZUR PERSON

Dr. Dietmar Woidke wurde am 22. Oktober

1961 in Naundorf bei Forst geboren.

Er studierte Landwirtschaft und

Tierproduktion an der Berliner Humboldt-Universität.

Nach der Wendezeit

arbeitete Woidke als wissenschaftlicher

Assistent am Berliner Institut für Ernährungsphysiologie,

aber auch bei einem

Unternehmen in Bayern. 1993 trat er in

die SPD ein und gehört seit 1994 dem

Brandenburger Landtag an. Er fungierte

bereits als Landwirtschafts- und als Innenminister.

Seit dem 28. August 2013

ist Dietmar Woidke Ministerpräsident in

Brandenburg. Er ist verheiratet und Vater

einer Tochter.

Dietmar Woidke: Wenn man sich die

Entwicklung unseres Landes ansieht, so

ist diese Entwicklung sehr positiv. Wir

haben heute die geringste Arbeitslosigkeit

und die höchste Wirtschaftskraft seit

Gründung des Landes Brandenburg. Es

ist immens wichtig, diese gute Entwicklung

fortzusetzen. Das ist kein Selbstläufer.

Unser großes Ziel ist es, die wirtschaftliche

Stärke weiter auszubauen.

Wirtschaftliche Kompetenz, gepaart mit

sozialer Verantwortung – das ist der Weg

Brandenburgs für die kommenden Jahre.

Und in diesen Weg investieren wir ganz

erheblich, weil wir wollen, dass die neuen

und alteingesessenen Brandenburgerinnen

und Brandenburger sich hier zu Hause

fühlen. Ich bin fest davon überzeugt,

dass die SPD sehr gute Chancen hat, die

führende Kraft in Brandenburg zu bleiben.

Und ich habe Lust, weiterzumachen. Ich

liebe dieses Land. Ganz wichtig für die

Wahlen: Wir müssen die vielen, die zur

AfD tendieren, zurückgewinnen. Die wenigsten

ihrer Wähler neigen zu Rechtsextremismus,

aber die in Teilen rechtsextreme

AfD nutzt Verunsicherung. Wir

müssen Sorgen ernst nehmen, uns kümmern

und vor allem erklären. Viele wollen

oder können gar nicht mehr sehen, was

alles richtig gut läuft. Die AfD-Funktionäre

träufeln das Gift von Hass und Argwohn.

Das ist brandgefährlich für unsere

Zivilgesellschaft.

W+M: Wie bewerten Sie das Memorandum

des Ostdeutschen Wirtschaftsforums,

wonach Ostdeutschland zum Vorreiter

der digitalen Wende und der Aufholprozess

dadurch beschleunigt werden

soll?

Dietmar Woidke: Digitalisierung ist immens

wichtig. Wir versuchen, den Prozess

gemeinsam mit den Unternehmen

zu gestalten. Wir haben im Land große

Player, etwa das Hasso-Plattner-Institut,

die Schrittmacher in diesen Fragen sind.

Wichtig ist, dass wir dabei auch die Menschen

mitnehmen. Ostdeutschland sollte

das klare Ziel haben, hier an die Spitze

zu kommen.

Interview: Karsten Hintzmann

und Frank Nehring

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


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29. Jahrgang | Heft 3 | Mai / Juni 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

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18.04.2018 09:15:56


32 | W+M SCHWERPUNKT

Aus der Vogelperspektive betrachtet:

Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam.

ZUKUNFTSORT

Weltweit vernetzte Exzellenz-

Schmiede für Digital-Experten

Vor 20 Jahren wurde in Potsdam das Hasso-Plattner-Institut (HPI) gegründet. Es ist einmalig in der

deutschen Universitätslandschaft. Nirgendwo sonst in Deutschland kann man „IT-Systems Engineering“

studieren – eine praxisnahe Alternative zum herkömmlichen Informatikstudiengang. Das HPI wird als

erstes und einziges Uni-Institut vollständig privat finanziert. Gründer, Mäzen, Stifter und Namensgeber ist

Hasso Plattner, der Mitbegründer von SAP.

Blick in einen Hörsaal des HPI.

Potsdam sei für ihn „der ideale Standort

für zukunftsorientierte Forschung

und Lehre“, sagte Hasso Plattner, als

er im Sommer 1998 die Stiftung des Hasso-Plattner-Instituts

(HPI) für die akademische

Ausbildung vielversprechender junger

Softwareingenieure ankündigte. Heute ist

die Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering

gGmbH ein international bekanntes

universitäres Exzellenzzentrum für „IT-Systems

Engineering“ mit Hauptsitz in Potsdam.

Gemeinsam mit der

Universität Potsdam hat

das HPI im vergangenen

Jahr die erste privat

finanzierte Fakultät

an einer öffentlichen

Universität gegründet:

Mit ihren Bachelor-

und Master-Studiengängen

bietet die

Digital-Engineering-

Fakultät ein deutschlandweit

einmaliges

und besonders praxisnahes

ingenieurwissenschaftliches

Informatik-Studium an, das derzeit von

mehr als 550 Studierenden genutzt wird.

Direkt an der Berliner Stadtgrenze finden

Studierende auf dem Campus am Griebnitzsee

in Potsdam-Babelsberg hervorragende

Studienbedingungen vor, wie sie nur

eine vollständig privat finanzierte Einrichtung

bieten kann. Das gilt für die technische

Ausstattung, die intensive Betreuung,

aber auch für den Campus an sich. Studiengebühren

brauchen dennoch

nicht gezahlt zu werden,

da Stifter Professor Hasso

Plattner als Mäzen

den Betrieb des Instituts

vollständig finanziert.

Das HPI belegt

bei den CHE-Hochschulrankings

stets

Spitzenplätze.

Schwerpunkt

der

HPI-Lehre und -Forschung

sind die

Prof. Dr. Hasso Plattner – Gründer

und Namensgeber des HPI. Grundlagen und Anwendungen

großer,

hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme.

Hinzu kommt das Entwickeln und Erforschen

nutzerorientierter Innovationen für

alle Lebensbereiche. Ab dem kommenden

Wintersemester wird die Digital-Engineering-Fakultät

neben „IT-Systems Engineering“

mit „Digital Health“ und „Data Engineering“

gleich zwei neue Master-Studiengänge

anbieten. In den kommenden Jahren

sollen weitere Fachgebiete wie „Security

Engineering“ und „Smart Energy“ folgen.

Fotos: HPI/Kay Herschelmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


BRANDENBURG | 33

Fotos: HPI/Kay Herschelmann

Professor Hasso Plattner hatte bereits 2016

seine Expansionspläne für das HPI bekanntgegeben.

Da die zunehmende Überlappung

der Informatik mit anderen Forschungszweigen

auch die Anforderungen an IT-

Wissenschaftler stark verändert, setzt das

HPI bei der inhaltlichen Erweiterung neue

Schwerpunkte in zukunftsrelevanten Bereichen

der Informatik, die teilweise auch Domänenwissen

erfordern. So müssen IT-Experten

für die erfolgreiche Entwicklung neuer

IT-Systeme in der Medizin auch über medizinische

Kenntnisse verfügen. Insgesamt

wird sich das Institut im Zuge der Erweiterung

nahezu verdoppeln. Zusätzlich benötigte

Räumlichkeiten und Gebäude werden

in Form eines „Waldcampus“ auf dem HPI-

Gelände entstehen.

Dem engagierten Mäzen und Stifter Plattner,

der selbst eines der dreizehn HPI-Fachgebiete

leitet, liegt die Förderung von zukunftsorientierter

Forschung und Unternehmergeist

besonders am Herzen. So

unterhält sein Potsdamer Institut mit der

HPI Research School ein interdisziplinäres

Doktorandenprogramm, das inzwischen

Außenstellen an der Cape Town Universität

in Südafrika, am Technion in Israel und

an der Nanjing-Universität in China hat.

Mit dem Spitzenforschungslabor HPI Future

SOC Lab wird interessierten Wissenschaftlern

auf der ganzen Welt außerdem

eine Infrastruktur von neuester Hard- und

Software kostenfrei für Forschungszwecke

zur Verfügung gestellt. Zu den Industriepartnern

des Forschungslabors zählen

SAP, Hewlett Packard Enterprise, DELL

EMC und Fujitsu.

Neben der Informatik steht

die Innovationsfähigkeit

im Mittelpunkt der HPI-

Lehre und -Forschung:

2007 erweiterte Plattner

das Institut um

eine HPI School of

Design Thinking. Dort

können jedes Jahr

mehr als 200 Studierende

aller Fachbereiche

in multidisziplinär

zusammengesetzten

Studenten bei der Arbeit.

Prof. Dr. Christoph Meinel – seit 2004

Direktor und Geschäftsführer des HPI.

Teams das schnelle

Entwickeln innovativer

und nutzerfreundlicher Produkte und

Dienstleistungen für alle Lebensbereiche

erlernen. Vorbild hierfür war das „Hasso

Plattner Institute of Design“ an der US-

Elite-Universität Stanford, das Plattner bereits

2005 mit einer Spende ermöglichte.

Mit der Universität Stanford besteht eine

langjährige Zusammenarbeit, im Bereich

Design Thinking wird gemeinsam gelehrt

und geforscht. Eine Außenstelle der HPI

School of Design Thinking nahm 2016 ihre

Arbeit in Kapstadt (Südafrika) auf.

Das HPI hat mit Partnern aus Bildung, Wissenschaft,

Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung

und Gesundheitswesen ein enges

Kooperationsnetzwerk geknüpft. Immer

wieder konnten Projekte mit großer

gesellschaftlicher Tragweite angestoßen

werden: So startete beispielweise

2012 die interaktive Online-

Bildungsplattform openH-

PI mit kostenlosen Online-Kursen

zu Themen

der Informationstechnologie.

Mittlerweile

verzeichnet die Plattform

rund 470.000

Einschreibungen von

mehr als 165.000 Online-Lernern

aus etwa

180 Ländern. Die am

HPI entwickelte Online-Plattform

open-

WHO hilft der Weltgesundheitsorganisation

seit 2017 dabei,

schneller und effektiver mit Informationsund

Ausbildungsangeboten auf den Ausbruch

von Krankheiten und Epidemien zu

reagieren.

Allein im vergangenen Jahr konnten rund

1.000 Schüler aus ganz Deutschland bei

Workshops, Camps oder Führungen in die

Informatik am HPI hineinschnuppern. Außerdem

entwickeln Wissenschaftler am

HPI eine Schul-Cloud, die Schülern und

Lehrkräften einen einfachen und sicheren

Zugriff auf digitale Inhalte im Unterricht ermöglichen

soll. Getestet wird diese gerade

bundesweit an Schulen des Projektpartners

MINT-EC. Das Projekt wird durch das Bundesministerium

für Bildung und Forschung

gefördert und ist im Koalitionsvertrag verankert.

Jedes Jahr veranstaltet das HPI darüber hinaus

große Konferenzen zu zentralen gesellschaftlichen

Themen wie beispielsweise

Cybersicherheit, Industrie 4.0 oder der

Zukunft der Arbeit. Zu diesen Anlässen

kommen regelmäßig nationale und internationale

Spitzenvertreter aller gesellschaftlichen

Bereiche in Potsdam zusammen. Seit

der Gründung des HPI sind mehr als 150

Start-ups von „IT-Systems Engineering“-

Studenten, Ehemaligen oder Design-Thinkern

gegründet worden. Viele davon haben

ihre Büros in Brandenburg oder in Berlin.


W+M

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34 | W+M SCHWERPUNKT

„Ein supererfolgreiches Jahr“

Vor einem Jahr legte sich die ZukunftsAgentur Brandenburg (ZAB) einen neuen Namen zu –

seither firmiert sie unter der Bezeichnung Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB).

Jetzt legte die landeseigene Fördergesellschaft eine Arbeitsbilanz der

vergangenen zwölf Monate vor. Von Karsten Hintzmann

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht

Gerber (SPD) neigt eher nicht

dazu, in aller Öffentlichkeit große Emotionen

zu zeigen. Doch bei der Bilanz-Pressekonferenz

der WFBB war ihm anzumerken,

dass dies ein Termin ganz nach seinem

Geschmack war. Mit drei Worten brachte er

die Entwicklung im Jahr 2017 auf den Punkt:

„Ein supererfolgreiches Jahr.“ Ein Bild aus

dem Fußball bemühend, ergänzte er: „Das

ist ein schöner Start im neuen Trikot, in das

sich das WFBB-Team nun gleich einen weiteren

Stern weben lassen kann. Die WFBB

hat neue Ansiedlungen für Brandenburg gewonnen

und das Wachstum ansässiger Unternehmen

nachhaltig unterstützt. Die bundesweit

einmalige Kombination von Wirtschafts-

und Arbeitsförderung aus einer

Hand zahlt sich immer mehr aus. Brandenburg

behauptet sich erfolgreich im internationalen

Standortwettbewerb. Aber auch

die Services für Brandenburger Unternehmen

– bei Technologieprojekten, der Vernetzung,

der Erschließung neuer Märkte oder

der Energieeinsparung – tragen mit zu dem

sehr guten Ergebnis bei.“

Das Ministerlob haben sich die Wirtschaftsförderer

verdient, schließlich fuhren sie ein

Rekordergebnis ein. Mit 3.826 neuen und

stabilisierten Arbeitsplätzen erreichte die Gesellschaft

das beste Ergebnis seit ihrer Gründung

im Jahr 2001. Dahinter stehen 395 Investitions-

und Technologieprojekte. Hinzu

kommen 3.796 Beratungen zum Thema Arbeit,

420 Beratungen zum Thema Energie

und 776 Beratungen zur Außenwirtschaft.

Das Investitionsvolumen von 876,7 Millionen

Euro ist eines der höchsten der vergangenen

zehn Jahre.

Der deutliche Aufwärtstrend geht besonders

auf das Konto von Industrie, Logistikbranche

und Gesundheitswirtschaft. WFBB-Geschäftsführer

Dr. Steffen Kammradt: „Die

WFBB konnte im vergangenen Jahr 45 Direktinvestitionen

neu für Brandenburg gewinnen

und 54 zum Teil große Unternehmenserweiterungen

unterstützen.“

Zufrieden mit der Arbeit der

Wirtschaftsförderung:

Brandenburgs

Wirtschaftsminister

Albrecht Gerber.

Dr. Steffen Kammradt,

Geschäftsführer der WFBB.

Zwölf Ansiedlungen wurden von ausländischen

Unternehmen realisiert. So baut die

Schweizer Firma Endress+Hauser in Stahnsdorf

Systeme zur Druckmessung. Dafür wurden

150 Jobs geschaffen. Oxford PV Germany

errichtet als einer von vier britischen

Investoren eine Produktion für neuartige Solarzellen

in Brandenburg (Havel).

Aber nicht überall läuft die Wirtschaftsentwicklung

schon problemlos. Um den Erhalt

des Bahnwerkes in Eberswalde musste lange

und erbittert gekämpft werden. Jetzt,

nachdem die Deutsche Eisenbahn Service

AG das Werk übernommen hat, hoffen Gerber

und die Wirtschaftsförderer auf ruhigere

Zeiten am Standort Eberwalde. Daneben ist

der angekündigte Umbau von Bombardier in

Hennigsdorf noch längst nicht abgeschlossen.

Auch hier will das Land unterstützen.

Eine altbekannte Problematik spiegeln auch

die aktuellen WFBB-Zahlen wider – es gibt

kein einheitliches Tempo bei der Entwicklung.

Im Berliner Speckgürtel wird wesentlich

mehr investiert als in den Randregionen.

Während Potsdam mehr als 100 Existenzgründungen

und Ansiedlungen verzeichnete,

waren es in der Uckermark nur neun. Hier

wollen die Wirtschaftsförderer unter anderem

mit neuen Mobilitätskonzepten gegensteuern.

Gerade in den dünner besiedelten

Gegenden gibt es reichlich Platz für neue

Experimentierfelder – etwa für autonomes

Fahren oder die Erprobung von Drohnen.


W+M

Fotos: WFBB (oben), W+M (unten)


BRANDENBURG | 35

OST

DEUTSCHE

SPITZEN

PRODUKTE

Auf- und Abschließen auf die gleiche Art

und Weise wie mit dem Smartphone. Mittels

Einsteckkette oder -kabel kann das

Fahrrad auch für längere Abwesenheiten

an einem festen Gegenstand gesichert

werden. Beim Abschließen des I LOCK

IT wird das Kabel oder die Kette arretiert

und schützt das Fahrrad optisch und

mechanisch vor Diebstahl. Ein zusätzlicher

mechanischer Schlüssel

ist auch bei dieser Lösung

nicht notwendig.

Das Zauberschloss

Das intelligente Fahrradschloss I LOCK IT sorgt

für mehr Komfort im Zweiradalltag.

Es ist eine dieser Ideen, bei der man

sich fragt, wieso noch keiner vorher

darauf gekommen ist. Ob in Berlin

oder anderswo, Fahrräder werden immer

beliebter und so manches Rad ist so hochwertig,

dass die Beliebtheit auch zum Diebstahl

verleitet. Diebstahlschutz für Fahrräder

ist zu einem echten Thema geworden.

Wer sein Fahrrad im täglichen Gebrauch

nutzt, weiß, dass das Sichern des Rades

manchmal genauso lange dauert wie der eigentlich

kurze Gang zur Bank oder auch zum

Bäcker. Dass ein Fahrradschloss das Fahrrad

sichern soll, steht außer Frage.

Die Idee zu I LOCK IT basiert auf der Verknüpfung

des Smartphones mit der Sicherung

des eigenen Fahrrads. Das intelligente

Fahrradschloss I LOCK IT verbindet

beide Welten auf elegante Weise.

Das Sichern des Fahrrads ohne das

zeitraubende Ab- und Aufschließen

mit dem mechanischen Schlüssel und

die Einbindung in ein für uns selbstverständliches

Werkzeug, das Smartphone.

Das Smartphone verbindet sich automatisch

mit dem I LOCK IT und fungiert als

digitaler Schlüssel. Bei Annäherung öffnet

sich das Schloss automatisch und beim Entfernen

vom Schloss schließt es sich ebenfalls

automatisch. Wenn sich jemand in

der Abwesenheit doch an dem Fahrrad zu

schaffen macht, schützt I LOCK IT auch in

diesem Fall. Wenn I LOCK IT verschlossen

ist, wacht eine Sensorik über die Bewegung

des Rades. Löst diese aus, ertönt ein 110

Dezibel lauter Alarm am Schloss. Zusätzlich

wird eine Meldung an das verbundene

Smartphone ausgegeben und als Besitzer

wird man sofort über den Diebstahlversuch

informiert.

I LOCK IT kann aber auch ohne die Nutzung

eines Smartphones verwendet werden. Als

Alternative ist die Benutzung eines Handsenders

möglich. Dieser ermöglicht das

Das Start-up von Christian Anuth

und Markus Weintraut, beide kennen

sich seit 2012 vom gemeinsamen

Master-Studiengang Technologie

und Innovationsmanagement an der

heutigen Technischen Hochschule Brandenburg,

gründete 2015 die haveltec GmbH

in Brandenburg an der Havel. Mit einem

Gründungsstipendium wurden die Grundlagen

für das Produkt entwickelt und seit

Sommer 2017 wird ausgeliefert. Der große

Durchbruch bei der VOX-Sendung „Die

Höhle des Löwen“ blieb zwar aus, aber das

sehen die Gründer sportlich. „Es war in jedem

Fall eine tolle Erfahrung“, so Christian

Anuth. I LOCK IT ist ein komplett Brandenburger

Produkt. Die Zulieferer stammen alle

aus der Region. Das mittlerweile 15-köpfige

Team hat bisher schon 4.000 Fahrräder

mit I LOCK IT ausgestattet, der Onlineshop

ist eröffnet, die Bestellung über Amazon

möglich und erste Fachhändler haben das

zauberhafte Fahrradschloss für 129 Euro

ins Angebot aufgenommen. Nun hoffen

die Gründer auf einen erfolgreichen Start

in die Saison und visieren ab 2019 schwarze

Zahlen an.

Frank Nehring

Fotos: haveltec GmbH

Die Gründer und heutigen Geschäftsführer der haveltec GmbH:

Christian Anuth (l.) und Markus Weintraut.

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36 | W+M TITEL Sachsen-Anhalts Unternehmen wie der Sektherstelller

Rotkäppchen wachsen. Deshalb wirbt das Land vor

allem um Rückkehrer für den Arbeitsmarkt.

Fachkraft dringend gesucht!

Rund 1,6 Millionen Stellen in Deutschland bleiben unbesetzt,

weil Fachkräfte fehlen, so eine aktuelle Studie des Deutschen

Industrie- und Handelskammertags. Auch in Ostdeutschland

kämpft der Mittelstand um jeden Mitarbeiter. Fachkräfteinitiativen

der Länder werben vor allem um Rückkehrer.

Von Matthias Salm

Bei Sebastian Ritter stehen die

Zeichen auf Wachstum. Der

CEO des jungen Ilmenauer Softwareunternehmens

ifesca GmbH plant,

die gegenwärtige Mitarbeiterzahl von 15

Beschäftigten bis Ende 2019 zu verdoppeln.

Doch einfach ist die Aufgabe nicht.

An IT-Spezialisten fehlt es in der Universitätsstadt

nicht, wohl aber an Experten

für den Vertrieb. Die ifesca GmbH hat

eine Software zur Prognose und Optimierung

für den Energiemarkt entwickelt.

„Dafür braucht es spezielle Marktkenntnisse“,

nennt Ritter die Anforderungen

an potenzielle Vertriebsmitarbeiter.

Weil die Konkurrenz im Umfeld groß

ist, versucht die Thüringer Softwareschmiede

daher, mit familienfreundlichen

Arbeitsbedingungen, Mitarbeiter in den

Süden Thüringens zu locken (siehe auch

Seite 42).

Die Erfahrung von Start-up-Unternehmer

Ritter teilen gegenwärtig viele ostdeutsche

Mittelständler. Die Wirtschaft

brummt, doch die Suche nach Fachkräften

lässt in nahezu allen Branchen die

Wachstumspläne von Unternehmen

ins Stocken geraten. Mancherorts treibt

der Mangel an Personal bereits kuriose

Blüten. Etwa als Anfang des Jahres ein

Gutachten zur Zukunft des Tourismus in

Mecklenburg-Vorpommern den Einsatz

von Servicerobotern in der Gastronomie

empfahl, um die Fachkräftelücke im Hotel-

und Gaststättengewerbe zu schließen.

Alle Branchen betroffen

Der Roboter als Kellner – zum Glück noch

eine Zukunftsvision. Doch Ideen sind gefragt,

seit sich die Engpässe in unterschiedlichsten

Branchen häufen. Laut

aktuellem Arbeitsmarktreport des Deutschen

Industrie- und Handelskammertages

klagen vor allem die Unternehmen

der Bauwirtschaft. Weil Fachkräfte fehlen,

leiden der Wohnungsbau, die Verkehrsinfrastruktur

und der Breitbandausbau.

Und auch wenn man es angesichts

vielerorts verstopfter Autobahnen kaum

glauben mag: Berufskraftfahrer – wie übrigens

auch Binnenschiffer – sind mittlerweile

rar gesät, die Logistikunternehmen

fürchten um den Erhalt der zuverlässigen

Just-in-time-Produktion.

Nicht besser sieht es bei den Dienstleistern

aus: Das Gastgewerbe in Ferienregionen

wie an der Ostsee sucht händeringend

Personal für die Hochsaison, und

die Sicherheitswirtschaft meldet Probleme

beim Schutz von Objekten oder

Großveranstaltungen. Während in letztgenannten

Branchen vor allem Arbeitnehmer

mit beruflicher Ausbildung gefragt

sind, stehen im Maschinenbau, in Ingenieurberufen

sowie bei den IT-Dienstleistern

Hochqualifizierte auf der Wunschliste.

Allein der IT-Branchenverband Bitkom

meldete Ende 2017 rund 55.000 offene

Stellen für IT-Spezialisten, zuvorderst

Softwareentwickler.

Foto: IMG - Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH/Harald Krieg

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


FACHKRÄFTE | 37

DIE

Für den ostdeutschen

Mittelstand

erweist sich die Lage

als besonders schwierig.

Zwischen Ostsee

und Erzgebirge paart

sich der demografische

Knick der geburtenschwachen Jahrgänge

mit der jahrelangen Abwanderung aus

einzelnen Regionen, treffen Nachteile im

Lohnniveau auf Imageprobleme einzelner

Standorte. So ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfer

von Ernst&Young 2017, dass

in Thüringen die Arbeitnehmer zwar die

größte Motivation bei ihrem Job an den Tag

legten und dass die Arbeitszufriedenheit in

Brandenburg und Thüringen ausgeprägter

als im Rest der Republik sei. Gleichzeitig

belegen Sachsen-Anhalt und Thüringen bei

der Frage, in welche Bundesländer Arbeitnehmer

gern für einen neuen Job umziehen

würden, nur die hinteren Ränge.

TITEL-

STORY

PERSONALSUCHE PROBLEM NUMMER EINS

In Mecklenburg-Vorpommern hat die Fachkräfteproblematik mittlerweile

Risiken wie zu hohen Arbeitskosten oder Finanzierungsengpässen den Rang

abgelaufen, wie eine Umfrage der IHK im Land zu Jahresbeginn ergab.

Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung Anfang 2018 aus Sicht der Unternehmen

Fachkräftemangel

Arbeitskosten

Rohstoffpreise

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Inlandsnachfrage

Auslandsnachfrage

Finanzierung

Wechselkurse

2 %

7 %

7 %

24 %

30 %

38 %

36 %

64 %

Quelle Grafik: IHK Mecklenburg-Vorpommern

Berliner Wirtschaft sorgt sich

Die Fachkräfteproblematik zieht sich

mittlerweile durch alle Regionen in Ostdeutschland.

So florieren etwa in der Metropolregion

Berlin-Brandenburg über alle

Branchen hinweg die Geschäfte, vermeldet

der Konjunkturreport der Industrieund

Handelskammern in beiden Ländern.

35 Prozent der befragten Unternehmen

wollen Beschäftigung aufbauen. Nachfrage

herrscht vor allem in der Industrie und

im Baugewerbe. Gleichzeitig sorgen sich

69 Prozent der Unternehmen, dass das

Fachkräftedefizit ihre wirtschaftliche Entwicklung

ernsthaft verlangsamen könnte.

Dagegenzuhalten versucht der Berliner Senat

nun mit neuen Ausbildungskonzepten.

So können Schüler ab dem neuen Schuljahr

in der Hauptstadt ein Berufsabitur ablegen.

Der Abschluss ist eine Kombination

aus dem Erlernen eines Handwerksberufs

und dem Erlangen der Hochschulreife

und zunächst für das Gastgewerbe und die

Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikbranche

vorgesehen. Das Berufsabitur ist Teil

des „Aktionsprogramms Handwerk 2018-

2020", mit dem der Berliner Senat Arbeitsplätze

für das Handwerk sichern will.

Mangelware sind der Hauptstadt aber

nicht nur Handwerker, sondern hauptsächlich

Mitarbeiter in den unternehmensnahen

Dienstleistungen und im Gesundheitsund

Sozialwesen. Dabei können sich gerade

die Berliner Unternehmer noch hoffnungsvolle

Chancen ausrechnen, sorgt

die wachsende Metropole doch auch für

Nachschub auf dem Arbeitsmarkt.

Große Lücken in Thüringen

Andernorts zeigt sich die Lage hingegen

weniger rosig. Eine Studie des Instituts

der Deutschen Wirtschaft in Köln kommt

zu dem Schluss, dass bundesweit Thüringen

nach Baden-Württemberg mittlerweile

die größte Fachkräftelücke aufweist.

Und Aussicht auf Besserung ist

nicht in Sicht. In Thüringen, so eine Prognose

der Landesregierung über den Fachkräftebedarf

bis 2030, sind fast 40 Prozent

der Beschäftigten 50 Jahre oder älter

und scheiden in absehbarer Zeit aus

dem Berufsleben aus.

Rund 80.000 Fachkräfte werden bis 2030

alleine sowohl im Gesundheits- und Sozialwesen

als auch im Verarbeitenden Gewerbe

benötigt. Begehrt sind der Studie

zufolge überwiegend Beschäftigte mit

einer klassischen Berufsausbildung. 80

Prozent des gesamten Bedarfs entfallen

auf Fachkräfte, die eine duale Ausbildung

in Betrieb und Berufsschule absolviert haben.

Aktuell dauert es nach Angaben des

Verbands der Wirtschaft Thüringen durchschnittlich

100 Tage, um eine freie Stelle

im Land neu zu besetzen.

Und das, obwohl die Zahl der Einpendler

nach Thüringen in den letzten zehn Jahren

um 38 Prozent gestiegen ist. Aber noch

immer liegt die Zahl derer, die zum Arbeiten

den Freistaat verlassen, um rund

55.000 höher als die der Einpendler. Da

nimmt es nicht Wunder, dass die Landesregierung

bereits seit 2011 mit der Thüringer

Agentur Für Fachkräftegewinnung

(ThAFF) versucht, Menschen aus anderen

Bundesländern oder dem Ausland nach

Thüringen zu lotsen.

Auf „Pendlertage“ genannten Informationsveranstaltungen

buhlt die Agentur in

Regionen wie Nordthüringen, die besonders

unter der Abwanderung von Arbeitskräften

in andere Bundesländer leiden, um

die Gunst derer, die den heimischen Arbeitsmarkt

in den letzten Jahren aus den

Augen verloren haben. Auch auf über 200

Messen bundesweit rückt die ThAFF die

Jobmöglichkeiten in Thüringen in den Fokus.

Mit der Thüringer Stellenbörse gibt

die Agentur zudem ausschließlich Unternehmen

des Freistaates die Möglichkeit,

ihre Gesuche kostenfrei zu platzieren.

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38 | W+M TITEL

Das Land Berlin baut mit dem Berufsabitur auf neue Ausbildungsangebote für das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Gerade in Thüringen mehren sich aber

auch die Stimmen, die zusätzlich eine Zuwanderung

von Arbeitskräften fordern.

So etwa Stephan Fauth, Hauptgeschäftsführer

des Verbands der Wirtschaft Thüringen:

„Wir brauchen eine gezielte Akquise

von ausländischen Fachkräften“,

betont Fauth. Ähnlich sieht es Kay Senius,

Chef der Regionaldirektion Sachsen-

Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für

Arbeit, demzufolge durch die Rückkehr

von Berufspendlern oder einen höheren

Beschäftigungsgrad von Frauen alleine

der Arbeitskräftebedarf im Freistaat künftig

nicht zu decken sei.

Auch einer gezielten Standortentwicklung,

etwa durch eine bessere Versorgung

mit schnellem Internet oder attraktiveren

Freizeitangeboten, wird von

Experten verstärkt das Wort geredet,

um Arbeitsplätze in Regionen wie dem

Thüringer Wald für Zuzügler attraktiver

zu machen.

„ Wir brauchen

eine gezielte

Im benachbarten Sachsen-Anhalt organisieren

Landkreise mittlerweile ebenfalls

so genannte Rückkehrertage. Mit

fünf Regionalberatungsstellen ist zudem

die Landesinitiative „Fachkraft

im Fokus“ erster Ansprechpartner

für die

Fachkräftesicherung

in Sachsen-Anhalt. Sie

berät sowohl Unternehmen

und Fachkräfte

als auch neu Zugewanderte.

An Elbe und

Saale kämpfen vor allem

die vielen kleinen Mittelständler um

neue Mitarbeiter. Ihnen fällt es besonders

schwer, Ausbildungsplätze zu besetzen.

Die Zahl der Ausbildungsbetriebe

ist im Land seit Jahren stark rückläufig,

weil besonders Kleinstbetriebe mit

höchstens fünf Mitarbeitern im Wettbewerb

um die Azubis chancenlos bleiben.

Welcome-Center für Fachkräfte

Auch in Mecklenburg und Vorpommern

herrscht eigentlich Aufbruchsstimmung

auf dem Arbeitsmarkt. Zu Beginn des

Jahres gab laut Konjunkturbericht der

Industrie- und Handelskammern jeder

Akquise von

fünfte Betrieb im Norden zu Protokoll,

dass er seinen Personalbestand erhöhen

wolle. Doch auch hier melden zwei

von drei Unternehmen

der gewerblichen Wirtschaft

Probleme, offene

Stellen mit qualifizierten

Mitarbeitern zu

besetzen. Wie in Sachsen-Anhalt

hat auch

Mecklenburg-Vorpommern

mittlerweile Welcome-Center

eingerichtet, um Unternehmen

bei der Fachkräftegewinnung

zu unterstützen, so aktuell für die Region

Vorpommern-Rügen in Stralsund.

ausländischen

Fachkräften. “

Kay Senius

Durch die Welcome-Center sollen strategische

Partnerschaften mit Unternehmen

aufgebaut werden, um Fachkräfte über

gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu akquirieren.

Dafür wird Hilfe bei der Vermittlung

von Jobangeboten sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten

und Unterstützung

bei der Suche nach Sprach- und Integrationskursen

angeboten – eine Hilfe vor

allem für kleinere Unternehmen. W+M

Foto: DEHOGA/Cordula Giese

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


FACHKRÄFTE | 39

Fotos: mast3r/fotolia.com (oben), Bundesagentur für Arbeit (unten)

Betriebliche Weiterbildung

100-Prozent-Förderung

der Lehrgangskosten für

beschäftigte Menschen

Gerade in Zeiten des digitalen Umbruchs

wachsen die Anforderungen

an die Mitarbeiter in den Unternehmen.

Der betrieblichen Weiterbildung

kommt dabei eine immer größere

Rolle zu. In größeren Unternehmen gibt

es dazu bereits bewährte Instrumente,

die seit Jahren erfolgreich eingesetzt

werden. Bei kleinen und mittleren Unternehmen,

wie sie vornehmlich in den

neuen Bundesländern anzutreffen sind,

besteht häufig eine Diskrepanz zwischen

Notwendigkeit zur Weiterbildung und der

tatsächlichen Umsetzung. Als Gründe dafür

werden oft fehlende Kapazität (Zeit)

und finanzielle Mittel genannt.

Tatsächlich fehlt oft genug auch die Einsicht,

dass mit der betrieblichen Weiterbildung

nicht nur Mitarbeiter effektiver,

sondern auch zufriedener werden und

insofern ein Beitrag zur Mitarbeiterentwicklung

und -bindung geleistet wird.

Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der

Geschäftsführung der Regionaldirektion

Sachsen

der Bundesagentur

für Arbeit (BA), sagt

dazu: „Die Qualifizierung

der Beschäftigten

ist in

erster Linie eine

existenzsichernde

Aufgabe der Wirtschaft

selbst. Dennoch

helfen die Arbeitsagenturen

auch bei

der betrieblichen Weiterbildung. So können

sie beispielsweise Zuschüsse zu den

Lehrgangskosten zahlen oder auch den

entstehenden Arbeitsausfall finanziell

ausgleichen. Das ist uns wichtig, denn

auch unsere Antwort auf dem Wandel am

Arbeitsmarkt heißt Bildung.“

Die Arbeitsagentur greift damit bewusst

gesichertes Wissen auf, wonach es künftig

kaum noch Situationen im Leben geben

wird, in der sich eine Weiterbildung

nicht lohnt. „Bildung schützt vor Arbeitslosigkeit,

erhöht die Sicherheit im Job,

verbessert die Aufstiegschancen und

kann auch zu höheren Löhnen für den

Mitarbeiter führen“, so Hansen weiter.

Im vergangenen Jahr wurden allein durch

die BA in Sachsen 13,7 Millionen Euro

in die Weiterbildungsförderung von Beschäftigten

investiert. Mit Zuschüssen zu

den Lehrgangskosten und Zuschüssen

zum Arbeitsausfall wurde mehr als 1.000

Menschen geholfen, einen neuen Berufsabschluss

zu erwerben oder eine

Weiterqualifizierung durchzuführen.

W+M

Klaus-Peter Hansen

ist Vorsitzender der

Geschäftsführung der

Regionaldirektion Sachsen

der Bundesagentur für Arbeit.

Hinweise

für Unternehmer

ARBEITSAGENTUREN HELFEN BEI

BETRIEBLICHER WEITERBILDUNG

AUCH FINANZIELL

WeGebAU (Förderung der Weiterbildung

Geringqualifizierter und beschäftigter

Älterer in Unternehmen) ist eine

sinnvolle Förderung zur Personalentwicklung

und Fachkräftesicherung.

Damit werden beschäftigte Menschen

gefördert, die während ihrer Beschäftigung

einen anerkannten Berufsabschluss

erwerben oder eine berufliche

Weiterbildung durchführen.

FOKUS AUF GERINGQUALIFIZIERTE

Unabhängig von der Betriebsgröße,

erhalten geringqualifizierte Arbeitnehmer

(ohne verwertbaren Abschluss oder

mindestens vier Jahre in einer unoder

angelernten Tätigkeit) bis zu 100

Prozent der Lehrgangskosten, wenn

sie von ihrem Betrieb für die Dauer der

Qualifizierung unter Fortzahlung des

Arbeitsentgelts freigestellt werden und

einen Berufsabschluss erwerben oder

eine höhere Qualifikation erhalten. Die

Finanzierung erfolgt durch die Ausstellung

eines Bildungsgutscheins.

WEITERER SCHWERPUNKT BEI KMU

Ältere Arbeitsnehmer und auch unter

45-Jährige können Zuschüsse zu den

Lehrgangskosten erhalten, wenn Sie

einen Berufsabschluss erwerben oder

an einer Weiterbildung teilnehmen.

So können Lehrgangskosten bis zu 75

Prozent (bei Älteren) und bis zu 50 Prozent

bei unter 45-Jährigen übernommen

werden. Für die Beschäftigten bei

Kleinstunternehmen (weniger als zehn

Mitarbeiter) gilt hier sogar noch eine

Ausnahme – dort können bis zu 100

Prozent der Lehrgangskosten übernommen

werden, unabhängig vom Alter

und der Schulungszeit.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


40 | W+M TITEL

Gutscheinbuch für Studierende, die ihren Erstwohnsitz

in der Hansestadt Greifswald wählen.

Studieren im Strandkorb

Der demografische Wandel trifft auch Ostdeutschlands Hochschulen.

Mit kreativen Kampagnen und neuen Studienfächern sollen nun vor

allem Studienwillige aus den alten Bundesländern angelockt werden.

Von Matthias Salm

Portal nutzen würden, um den gut ausgebildeten

Nachwuchs für die eigene Zukunft

zu gewinnen“, wünscht sich Jan

Meßerschmidt, Pressestellenleiter der

Universität.

Der Strandkorb ist immer dabei:

Wenn die Hochschulen Mecklenburg-Vorpommerns

auf Werbetour

gehen, darf das Wahrzeichen der Ostsee

nicht fehlen. „Studieren mit Meerwert“

nennt sich die Kampagne, mit der die

Nordlichter auf Bildungsmessen in Berlin,

Hamburg oder Leipzig das Interesse

für ein Studium an der Küste wecken wollen.

Der Strandkorb verspricht: In Mecklenburg-Vorpommern

wird nicht nur gebüffelt,

man weiß das Studentenleben

auch zu genießen.

Doch die Zahl der Studienanfänger im

ersten Fachsemester im Land steigt nur

langsam – von 11.708 im Studienjahr

2015/16 auf 11.918 in 2017/18. Längst

lassen sich die vorhandenen Studienkapazitäten

nicht mehr mit den eigenen

Landeskindern auslasten. „Der Rückgang

der Zahl der Studenten aus Mecklenburg-Vorpommern

hat vor allem demografische

Ursachen“, weiß Fanny

Neumann vom Studierendenmarketing

der Universität Greifswald. Von den

rund 10.000 angehenden Akademikern

an der zweitältesten Universität des Ostseeraums

stammen mittlerweile 42 Prozent

aus Westdeutschland. Der Anteil

der Studenten aus der Re gion sank von

43,5 Prozent im Jahr 2005/06 auf aktuell

27,1 Prozent.

Neben Brandenburgern und Berlinern

zieht es vor allem Erstsemester aus

Schleswig-Holstein und Niedersachsen

nach Greifswald. „Dafür war es notwendig,

ein professionelles Marketing auszubauen“,

betont Neumann. Die Hansestädter

informieren auf Messen und bei

Schulbesuchen in ganz Deutschland Studieninteressierte,

Eltern und Lehrer. Ihre

Argumente für die Traditionsuni: Günstige

Zulassungsmodalitäten, vielfältige Fächerkombinationen

und niedrige Lebenshaltungskosten

in der Stadt.

Aktuell führt vor allem die positive wirtschaftliche

Entwicklung dazu, dass mehr

Absolventen in der Stadt bleiben. Um sie

zusätzlich stärker an Greifswald zu binden,

motivieren Universität und Stadt

den akademischen Nachwuchs, auch den

Hauptwohnsitz vor Ort zu wählen. Die

gemeinsame Kampagne „Heimathafen“

versüßt die Ummeldung mit Umzugsbeihilfen

und Gutscheinbüchern.

Viele verlassen dennoch nach ihrem Abschluss

die Region und stehen dem heimischen

Mittelstand als Fachkräfte nicht

zur Verfügung. Mit dem Karriereportal

„UNIchance“ versucht die Uni dagegenzuhalten

und Jobangebote zu vermitteln.

„Wir würden uns allerdings freuen, wenn

mehr Unternehmen aus der Region das

Auch in Sachsen-Anhalt nimmt man vor

allem die westdeutschen Abiturienten ins

Visier. Denn laut 21. Sozialerhebung des

Deutschen Studentenwerks finden bisher

gerade einmal fünf Prozent der Studierenden

aus dem Westen den Weg in

die neuen Länder. Nicht ohne Grund: Viele

Studierwillige sind weniger mobil als

allgemein gedacht. Die Kampagne „Wirklich

weiterkommen“ des Landes Sachsen-Anhalt

soll Abhilfe schaffen und Erstsemester

zum Studium an Elbe und Saale

locken. Dr. Christiane Lindner, Teamleiterin

der Kampagne, erklärt das Credo

der Initiative: Ein Studium an einer sachsen-anhaltinischen

Hochschule fördere

die Persönlichkeitsentwicklung. Und eine

starke Persönlichkeit sei neben solidem

Fachwissen im Berufsleben besonders

gefragt.

Warum das so ist, erklärt Lindner anhand

der Vorzüge eines Studiums in Sachsen-

Anhalt: Günstige Lebenshaltungskosten,

top ausgestattete Hochschulen mit einem

breiten Studienangebot, ein hohes

Forschungsniveau und ein persönliches

Betreuungsverhältnis aufgrund niedrigerer

Studentenzahlen. „Die günstigen Rahmenbedingungen

schaffen die nötigen

Freiräume für die Persönlichkeitsentwicklung

der Studierenden“, ist sich Lindner

sicher.

W+M

Foto: Till Junker

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


FACHKRÄFTE | 41

„Qualifizierte Fachkräfte kann man

nur mit attraktiven Arbeits- und

Lebensbedingungen gewinnen“

Interview mit der Brandenburger Bildungsministerin Britta Ernst (SPD)

Foto: W+M

W+M: Der demografische Wandel wirft seine

Schatten voraus. Es fehlt an qualifizierten

Fachkräften. Längst nicht alle Ausbildungsplätze

werden belegt. Was wollen

Sie tun, um Fachkräfte und/oder Lehrlinge

ins Land zu holen?

Britta Ernst: Qualifizierte Fachkräfte oder

Auszubildende kann man nur mit attraktiven

Arbeits- und Lebensbedingungen gewinnen.

Die Arbeit muss passen, die Aufstiegschancen,

die Bezahlung. Aber auch

der Kitaplatz oder die Schule in der Nähe,

Einkaufsmöglichkeiten, der Arzt, bis hin

zu einem funktionierenden Vereinsleben.

Das stemmt nicht eine Ministerin allein, da

sind alle in der Verantwortung: die Unternehmen,

die Kommunen und das Land. Die

Landesregierung unterstützt zum Beispiel

mit insgesamt rund 200.000 Euro vier Initiativen,

die sich um ehemalige Brandenburgerinnen

und Brandenburger kümmern,

die einst abwanderten und jetzt mit einer

Rückkehr liebäugeln.

W+M: Welche Ideen haben Sie, um die Berufsorientierung

an den Schulen so zu qualifizieren,

dass auch wieder stärker Lehrberufe

und das Handwerk als attraktive Karrierewege

betrachtet werden?

Britta Ernst: Die Berufs- und Studienorientierung

an den Schulen hat für die Landesregierung

große Priorität und wurde schon

frühzeitig als ein zentrales Ziel schulischer

Bildung definiert. Fördermaßnahmen wurden

schon vor zehn Jahren auf den Weg

gebracht. Wir haben die „Landesstrategie

zur Berufs- und Studienorientierung“, Verwaltungsvorschriften

zur Berufs- und Studienorientierung

und das Thema im neuen

Rahmenlehrplan für die Jahrgangsstufen 1

– 10 verbindlich verankert.

Zu Beginn des aktuellen Schuljahres wurde

zudem zusammen mit der Handwerkskammer

Cottbus und vier Oberstufenzentren in

Südbrandenburg das Projekt „Berufliches

GymnasiumPlusHandwerk“ ins Leben gerufen.

Dabei können Schülerinnen und Schüler

auf dem Weg zum Abitur bereits Teilwissen

für die Meisterprüfung eines Handwerksberufs

erwerben. Wer diesen Weg wählt, bekommt

frühzeitig einen tieferen Einblick ins

Handwerk. Vorteil für beide Seiten: Künftigen

Abiturienten erschließen sich neue Perspektiven

bei der Berufswahl. Die Betriebe

können sich von Anfang an auf die Betreuung

geeigneter Nachwuchsführungskräfte

konzentrieren und diese frühzeitig für eine

Karriere im Handwerk motivieren.

Die Berufsorientierung zielt darauf, die

Mädchen und Jungen zu befähigen, am

Ende ihrer Schulzeit eine an ihren Fähigkeiten,

Interessen und Zielen orientierte Berufswahlentscheidung

treffen zu können.

Dabei sollen sie auch die beruflichen Anforderungen

und Perspektiven in den Blick

nehmen. Wir betreiben also keine „Berufe-Orientierung“,

sondern eine sehr praxisnahe

Berufs- und Studienorientierung, die

den Schülerinnen und Schülern auch Ausbildungsberufe

näher bringen soll. Dazu gehören

in der Sekundarstufe I beispielsweise

auch der „Zukunftstag für Mädchen und

Jungen“ und das in Brandenburg entwickelte

Unterrichtskonzept „Praxislernen“. Sie

sehen, Handwerksberufe haben ihren festen

Platz in der Berufs- und Studienorientierung

an unseren Schulen.

W+M: Mit welchen Mitteln könnte die duale

Ausbildung attraktiver gemacht werden?

Britta Ernst: Wir müssen immer wieder

auf die Vorzüge einer dualen Ausbildung

hinweisen. Am besten gelingt das miteinander,

durch gute Zusammenarbeit. Wir

– und damit meine ich das Land, die Kammern

und auch die Ausbildungsbetriebe –

müssen das Image der dualen Ausbildung

verbessern und jungen

Menschen die damit

möglichen

Karrierechancen

zeigen. Die duale

Ausbildung ist

ein sehr attraktiver

Berufsweg

mit vielen Entwicklungsmöglichkeiten,

über

die viel zu wenig

bekannt ist. Unsere

Ausbildungsoffensive

„Brandenburg

will Dich! Hier

hat Ausbildung Zukunft“

will das ändern

helfen.

Interview:

Karsten Hintzmann

ZUR PERSON

Britta Ernst wurde am 23. Februar 1961

in Hamburg geboren. Nach dem Abitur

absolvierte sie zunächst eine Berufsausbildung

zur Kauffrau der Grundstücks-

und Wohnungswirtschaft. Daran

schloss sich ein Studium zur Diplom-

Sozialökonomin an. 1978 trat sie in die

SPD ein. Von 1997 bis 2011 war Britta

Ernst Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft.

Zwischen September 2014

und Juni 2017 hatte sie das Amt der

Ministerin für Schule und berufliche Bildung

in Schleswig-Holstein inne. Seit

dem 28. September 2017 ist sie brandenburgische

Ministerin für Bildung, Jugend

und Sport.

Britta Ernst ist mit dem SPD-Politiker

und Bundesfinanzminister Olaf Scholz

verheiratet.

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42 | W+M TITEL

Die Familie im Fokus

Ein guter Lohn allein reicht vielfach nicht als Anreiz für Fachkräfte.

Viele Mitarbeiter suchen darüber hinaus nach familienfreundlichen

Arbeitsbedingungen. Diese bieten auch immer mehr ostdeutsche

Mittelständler. Von Matthias Salm

Mit der ersten Frühlingssonne läuft

bei der Lewens Sonnenschutz-

Systeme GmbH & Co. KG die Produktion

auf Hochtouren. Der Ludwigsluster

Spezialist für Markisen und Glasdächer liefert

Sonnen- und Wetterschutzprodukte in

alle Welt. Markisen sind Saisonprodukte –

im Frühling und Sommer boomt die Nachfrage.

Rund 200 Mitarbeiter sorgen dafür,

dass auch in Spitzenzeiten die Produktqualität

gewahrt bleibt.

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel

setzt Lewens nun auf den Faktor Familie.

Seit 2017 trägt das Unternehmen das Familiensiegel

der Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Südwestmecklenburg. Das Siegel

wird Unternehmen verliehen, die sich

durch ein besonders familienfreundliches

Engagement auszeichnen, etwa durch flexible

Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuungsangebote

oder betriebliches Gesundheitsmanagement.

„Wir haben beispielsweise in den lokalen

Kindertagesstätten Kontingente für unsere

Mitarbeiter reserviert und zahlen einen Zuschuss

zu den Betreuungskosten“, erklärt

Moritz Daigfuss, der das Projekt der Zertifizierung

im Unternehmen leitete. Auch Sonderzahlungen

oder Sonderurlaub

zu familiären

Anlässen wie der

Geburt eines

Kindes oder

zur Hochzeit

gewähren

die Mecklenburger.

Mit einer großen Krankenkasse

arbeitet Lewens gegenwärtig an einem

Konzept zum Gesundheitsmanagement –

Gesundheitsangebote, betont Daigfuss,

stünden bei den Mitarbeitern besonders

hoch im Kurs.

Dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

zu einer immer größeren Herausforderung

bei der Suche nach Fachkräften wird,

glaubt auch Sebastian Ritter, CEO des Ilmenauer

Software-Unternehmens ifesca

GmbH. Dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter

ihr Familienleben im Arbeitsalltag gut organisiert

bekommen, gehört daher zum Kern

der Personalpolitik des innovativen Thüringer

Start-ups. Die ifesca GmbH hat sich folgerichtig

als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“

zertifizieren lassen, ein Qualitätssiegel,

das die Bertelsmann-Stiftung bundesweit

vergibt.

1998 gründete der Diplom-Kaufmann und

heutige Geschäftsführer Götz Albrecht

Lewens das Unternehmen. Es produziert

hochwertige Markisen und Glasdächer im

vollstufigen Betrieb – von der Konstruktionsentwicklung

über die Stoffkonfektion

bis zur Montage. Doch auch in Ludwigslust

wie in der gesamten Region Westmecklenburg

hemmt der Fachkräfteengpass die Expansion.

Für eine Erweiterung des Personalbestands

um rund 40 neue Mitarbeiter

musste der Mittelständler jüngst auch jenseits

der Grenzen in Polen suchen und fündig

werden.

WUNSCH NACH FAMILIENFREUNDLICHKEIT

Antwort des Unternehmens

Antwort der Beschäftigten

Laut Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2016 des Bundesfamilienministeriums

halten rund 77 Prozent der Unternehmen familienfreundliche Maßnahmen

im Betrieb für wichtig. Familienfreundliche Maßnahmen sind wichtig für:

Das Unternehmen

Beschäftigte mit Kindern

Beschäftigte mit pflegebedürftigen

Angehörigen

Beschäftigte ohne Kinder &

pflegebedürftige Angehörige

42,9 %

77,4 %

92,2 %

96,1 %

87,9 %

83,1 %

81,2 %

„Wir wollten unsere Firmenphilosophie

auch nach außen dokumentieren“, begründet

Ritter die Zertifizierung. Zu den familienfreundlichen

Maßnahmen im Unternehmen

zählen unter anderem Teilzeitangebote für

Führungskräfte, die Möglichkeit, Kinder im

Bedarfsfall mit ins Unternehmen bringen zu

können oder Gutscheine für Gesundheitskurse,

die an neue Mitarbeiter ausgegeben

werden.

So wie die Ilmenauer setzen immer

mehr mittelständische ostdeutsche

Betriebe auf familienfreundliche

Leistungen, die die Lebenswirklichkeit

der Mitarbeiter stärker berücksichtigen.

Die Palette reicht dabei von

flexiblen Arbeitszeitmodellen über mobiles

Arbeiten bis hin zu Kinderbetreuungsangeboten.

Dabei gilt: Je mehr die Arbeitgeber

auf die individuellen Bedürfnisse ihrer

Beschäftigten eingehen, desto größer ist

ihr Gewinn vor allem bei der Personalsuche.

Zu den Zukunftsmodellen in der familienorientierten

Personalpolitik zählt die vollzeitnahe

Teilzeit. Sie spricht vor allem Führungskräfte

an. So können beispielsweise Väter

familiäre Verpflichtungen erfüllen, ohne größere

Einkommenseinbußen zu erleiden.

Mütter, die bisher nur in normaler Teilzeit

beschäftigt sind, können so ihre Arbeitszeit

ausweiten und bessere Karriereper-

Illustration: Designed by Freepik, Quelle Grafik: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


FACHKRÄFTE | 43

Foto: ifesca GmbH

spektiven entwickeln.

Wer vollzeitnahe Teilzeitmodelle

im Unternehmen

einführen

möchte,

sollte zunächst

eine Kapazitätsanalyse

durchführen.

Eine bedarfsgerechte

Ermittlung

der Kapazitäten

ermöglicht eine

gerechte Verteilung der

Arbeit auf die vorhandenen Personalressourcen.

Neue Chancen für die Vereinbarkeit von Beruf

und Familie eröffnet vor allem die Digitalisierung.

Sie fördert Home-Office-Lösungen

und das mobile Arbeiten, also die

Erledigung von beruflichen Aufgaben an

unterschiedlichen Orten. Dazu muss der Arbeitgeber

zunächst ermitteln, welche Aufgaben

im Unternehmen keine Präsenz erfordern

und extern erledigt werden können.

Sebastian Ritter,

CEO der ifesca GmbH.

Darüber hinaus sind die technischen

Voraussetzungen

für mobiles Arbeiten und

für Home-Office-Arbeitsplätze

wie etwa die passenden

Endgeräte und geeignete

Datenverbindungen nötig.

In manchen Unternehmen

müssen auch Datenschutzauflagen

und Fragen des Arbeits- und Versicherungsschutzes

berücksichtigt werden.

Empfehlenswert ist die Einführung mobilen

Arbeitens im Form einer Testphase oder eines

Pilotprojekts im Unternehmen.

Arbeitnehmer mit Kindern können zudem

entlastet werden, wenn Arbeitgeber Unterstützung

bei der Suche nach Kita-Plätzen

und bei deren Finanzierung leisten. Belegplätze

in Kindertageseinrichtungen sind

ein attraktives Angebot, das Firmen als Argument

bei der Suche nach Fachkräften in

die Waagschale werfen können. Je nach der

Größe des Betriebes lassen sich eigene Betreuungsangebote

wie eine Betriebskita realisieren

oder diese können in Kooperation

mit anderen Betrieben in der Nachbarschaft

eingerichtet werden. Auch finanzielle Hilfen

wie Zuschüsse zu den Kita-Kosten sind bei

Arbeitnehmern zunehmend gefragt. Der Gegenwert:

Der finanzielle Zuschuss schafft einen

Anreiz für kürzere Elternzeiten. W+M

TIPP: SIEGEL FÜR DIE

PERSONALAKQUISE

Mittlerweile bieten verschiedene regionale

Institutionen Zertifizierungen für familienorientierte

Arbeitgeber an, so beispielsweise

in Jena, Brandenburg/Havel

oder im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Wer sich bundesweit zertifizieren lassen

möchte, kann das Qualitätssiegel „Familienfreundlicher

Arbeitgeber" der Bertelsmann-Stiftung

beantragen. Mehr zum

Zertifizierungsprozess unter

www.familienfreundlicher-arbeitgeber.de

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Erfolg ist eine persönliche Entscheidung!

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beruflich weitergehen soll und welche

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beides? Nach einer Auszeit möchten

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Als Führungskraft müssen Sie Vorgesetzte,

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In Ihrer Rolle als Mitarbeiter sind Sie bereit,

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oder fehlendes Selbstmanagement

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betrachten gemeinsam Ihre Ausgangssituation

und entwickeln unter Berücksichtigung

Ihrer Vorstellungen und Fähigkeiten

Ihr berufliches Ziel und die notwenigen

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Entscheiden Sie sich für den Schritt nach

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44 | W+M TITEL FACHKRÄFTE

RAGNITZ KOMMENTIERT

Fachkräftemangel ist ein

gesamtwirtschaftliches Problem

Fast jedes Unternehmen in Ostdeutschland,

das neue Arbeitskräfte

einstellen will, kennt das Problem:

Geeignete Bewerber sind immer schwerer

zu finden. Anders als in der Vergangenheit

haben heute die Arbeitnehmer das

Privileg, Forderungen an ihren Arbeitgeber

stellen zu können. Die Unternehmen müssen

also liefern: durch höhere Löhne und

attraktive Arbeitszeiten, durch bessere

Aufstiegschancen, durch Qualifizierungsangebote

und ähnliches mehr. Wer dies

nicht kann, hat ziemlich schlechte Karten.

Was aus einzelbetrieblicher Sicht vernünftig

ist, muss jedoch in gesamtwirtschaftlicher

Perspektive versagen, wenn einfach

nicht mehr genügend Arbeitskräfte

vorhanden sind – derjenige, der bei Firma

Müller einen Arbeitsvertrag unterschreibt,

fehlt dann bei Firma Meyer. Wegen der

geringen Größe der jetzt ins Berufsleben

eintretenden Geburtsjahrgänge dürfte

sich der Arbeitskräftemangel in Zukunft

zudem nochmals verschärfen: Schon mengenmäßig

können in den kommenden Jahren

nicht mehr alle aus Altersgründen ausscheidenden

Beschäftigten ersetzt werden.

Unternehmenswachstum ist dann in

der Breite erst recht nicht mehr möglich.

Zu befürchten ist, dass sich das letzten Endes

negativ auch auf die Produktionsmöglichkeiten

und damit auf das Wohlstandsniveau

in den ostdeutschen Bundesländern

auswirken wird. In gesamtwirtschaftlicher

Sicht kann es deshalb nur darum gehen,

die Zahl der erwerbsfähigen Personen in

Ostdeutschland insgesamt zu erhöhen.

Rückwanderer aus dem Westen sind

dabei sicherlich nicht die relevante Zielgruppe,

denn auch dort ringen die Unternehmen

zunehmend mit dem Problem

des Fachkräftemangels. Zudem sind die

meisten Personen, die Ostdeutschland

in den vergangenen 25 Jahren verlassen

haben, inzwischen auch nahe dem Rentenalter.

Es braucht also Zuwanderung

aus dem Ausland, die man nicht nur zähneknirschend

akzeptieren darf, sondern

offensiv forcieren muss. Dies ist auch

nicht primär Aufgabe der großen Politik

– die geltenden Regelungen für die Zuwanderung

nach Deutschland sind ausreichend

liberal – sondern vielmehr Aufgabe

für die regionale und lokale Ebene.

Es geht dabei um die Schaffung attraktiver

Arbeits- und Lebensbedingungen für

Zuzügler aus dem Ausland, um verstärkte

Integrationsangebote, um die Etablierung

einer gesellschaftlichen

Willkommenskultur

und dergleichen mehr.

Dies macht deutlich,

dass hierbei nicht allein

die Unternehmen

gefordert sind,

sondern auch die

öffentlichen Verwaltungen,

die lokale

Politik, die Zivilgesellschaft:

kurzum,

das ganze Spektrum

regionaler Akteure.

Wenn es nicht gelingt,

Zuwanderung

Prof. Dr. Joachim Ragnitz

ist Stellvertretender Leiter

des ifo-Instituts Dresden.

nach Ostdeutschland in ausreichendem

Maße zu organisieren, so bleibt den Unternehmen

nur noch, mit weniger Personal

auszukommen – also menschliche

Arbeitskraft durch Investitionen in Maschinen

und Ausrüstungen zu ersetzen.

Potenziale hierfür gibt es sicherlich, aber

es klingt einfacher als es ist, denn der

Einsatz moderner Technik ist im Zweifel

teurer als die Beschäftigung billiger Arbeitskräfte

und kann deswegen bestehende

Geschäftsmodelle obsolet werden

lassen. Zudem setzt der Umgang

mit modernen Maschinen auch entsprechende

Erfahrungen und Kenntnisse voraus,

erfordert also erst recht den Einsatz

hochqualifizierter Arbeitskräfte. Man

wird daher auch in verstärkte Qualifizierungsmaßnahmen

investieren müssen,

die ebenfalls Geld kosten.

Wie man es auch dreht und wendet:

Letzten Endes steht die

ostdeutsche Wirtschaft

vor enormen Herausforderungen.

Aber damit

hat man ja im Osten

seine Erfahrungen.

Insoweit kann man

wohl optimistisch

sein, dass sich auch

die aus dem Fachkräftemangel

resultierenden

Probleme

werden lösen lassen.

Je früher man damit

anfängt, desto besser

ist es. W+M

Illustration: bizvector/fotolia.com, Foto: ifo

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


Foto: Fotolia/Javier brosch

Schon gehört?

Wirtschaft im Osten gibt‘s jetzt

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28. Jahrgang | Heft 3 | Mai/Juni 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

001_Titelentwürfe_WuM_0317 1 19.04.2017 14:57:16

0 3 >Die

4

46 | W+M UMFRAGE

UMFRAGE JETZT ONLINE

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W+M-Leserumfrage

Wie gefällt Ihnen WIRTSCHAFT+MARKT?

WIRTSCHAFT+

MARKT

29. Jahrgang | Heft 1 | Januar/Februar 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

Liebe Leser,

wir wollen noch

besser werden: Um

WIRTSCHAFT+MARKT

für Sie noch attraktiver und relevanter

zu gestalten, benötigen wir Ihre Hilfe.

Bitte schenken Sie uns acht Minuten

Ihrer Zeit und beantworten Sie die

nachfolgenden Fragen.

WIRTSCHAFT+

MARKT

EXKLUSIV

Michael Müller über

in Berlin

ZUKUNFTSORT

EUREF-Campus

in Schöneberg

REPORT

Autohandel

im Umbruch

RATGEBER

Klug aus der

Insolvenz kaufen

Milliardeninvestitionen

29. Jahrgang | Heft 2 | März/April 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

Digitalisierung

So managt der Osten auch diese Wende

01_Titel_W+M_0 18 1 07.12.2017 12:59:37

Als Dankeschön verlosen

wir unter allen

Umfrage-Teilnehmern

100 W+M-Überraschungspakete.

Wenn

Sie an der Verlosung

teilnehmen möchten, benötigen wir von

Ihnen die folgenden Informationen.

Nachname

Vorname

Straße, Hausnummer

PLZ, Ort

EXKLUSIV

Ministerpräsident

Haseloff will

Ostbeauftragten

im Kanzleramt

STUDIE

Ost-Firmen auf

Wachstumskurs

REPORT

Aufbruch ins neue

Autozeitalter

RATGEBER

Neuerungen

rund ums Geld

WIRTSCHAFT+

MARKT

E-Mail-Adresse (zur Gewinnbenachrichtigung)

Unternehmen

BERLIN

BUNDESTAGS-

BILANZ

Wie engagiert war

Ihr Abgeordneter?

MINDESTLOHN

Wie die Zollkontrollen

den Mittelstand belasten

EXKLUSIV

Erwin Sellering über

das Ende der

Russland-Sanktionen

REPORT

Der Aufstieg von

Schloss Wackerbarth

AUTO

Passende Limousinen

für jeden Unternehmer

Industrie 4.0

Wir können

MASCHINEN

Warum der Osten so interessant für Investoren aus dem Reich der Mitte ist

001_Titel_W+M_0218 1 14.02.2018 13:42:12

Chinesen kommen

1 9 8 4 6 1 8 0 6 5 0 0

Ihr Feedback ist uns wichtig.

Als Dankeschön verlosen wir unter

den Einsendern unter anderem Gutscheine

für ein kostenloses Schnuppergolfen

in Wall, Greenfee-Gutscheine

für 18 Löcher auf Schloss Ranzow,

Schloss Meisdorf und im Berliner Golf

& Country Club Motzener See.

Freundliche Grüße

Frank Nehring (Verleger)

BITTE SENDEN SIE IHRE ANTWORT AN:

W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Charlottenstraße 65

10117 Berlin

umfrage@wirtschaft-markt.de

030 505638-21

1 Wie regelmäßig lesen Sie

WIRTSCHAFT+MARKT?

sehr sporadisch

gelegentlich

etwa jede zweite Ausgabe

jede Ausgabe

2 Wieviel Prozent des jeweiligen

Heftes lesen Sie in etwa?

bis etwa 25 Prozent

25 – 50 Prozent

50 – 75 Prozent

75 – 100 Prozent

3 Welche Themenbereiche

interessieren Sie?

1=sehr interessant,2=interessant,

3=hin und wieder,4=gar nicht

1 2 3 4

Politik

Länderreports

News & Personalia

Unternehmen

Unternehmensporträts,

,Visionäre Macher‘ u. Ä.

International

Ratgeber

• Steuern

• Recht

• Betrieb & Management

• Finanzen & Versicherungen

• Gründung

• Büro

• Kultur

Netzwerk

Berichterstattung von Events

Lifestyle-Themen

(Autos, Uhren, Mode)

4 Welche Kanäle nutzen Sie

generell, um sich für den beruflichen

Alltag zu informieren?

(Mehrfachnennungen sind möglich)

Fachzeitschriften

Online-Auftritte

von Zeitschriften/Magazinen

Newsletter

LinkedIn

Twitter

Instagram

XING

Facebook

Foto: Hotel & Golf Schloss Ranzow

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


W+M UMFRAGE | 47

Foto: Designed by Freepik

5 Welche zusätzlichen

Angebote von W+M nutzen

Sie für den Informationsprozess

im beruflichen Alltag?

(Mehrfachnennungen sind möglich)

Website wirtschaft-markt.de

Newsletter W+M News

Youtube-Channel von W+M/OWF

W+M-Gruppe auf XING

Twitter-Channel vom OWF

OWF auf Instagram

6 Über welche weiteren Quellen

sammeln Sie wichtiges Wissen

für Ihren beruflichen Alltag?

1=oft, 2=punktuell, 3=selten , 4=nie

1 2 3 4

Fachbücher

Externe Seminare/

Workshops

Interne Fortbildungen

Messen/Kongresse

e-Learning/Webinare

Bundesverbände/

Kammern

Apps

7 Sind Sie Abonnent von W+M?

Ja

Nein

8 Wenn nein, würden Sie sich für

ein Zeitschriftenabo entscheiden,

wenn es neben der Zeitschrift

weitere, kostenfreie Zusatzleistungen

gäbe (z. B. Digitalausgabe,

Rabatte, Veranstaltungen,

Archiv etc.)?

Ja

Nein

9 Würden Sie eine Netzwerk-

Veranstaltung von W+M

besuchen, um sich dort mit

Gleichgesinnten und Experten

auszutauschen?

Ja

Nein

10 Welche Anfahrtszeit würden

Sie für ein Netzwerk-Event

maximal in Kauf nehmen?

bis 30 Minuten

bis 1 Stunde

bis 2 Stunden

11 Haben Sie bereits Netzwerk-

Events besucht?

Ja

Nein

12 Wenn ja, kostenpflichtig oder

kostenlos?

13 Sie sind:

Kostenpflichtig

Kostenlos

männlich

14 Wie alt sind Sie?

unter 25 Jahre

25 – 35 Jahre

36 – 45 Jahre

46 – 55 Iahre

über 55 Jahre

weiblich

15 Welche Position haben Sie im

Unternehmen?

(Mehrfachnennungen sind möglich)

Eigentümer/Gesellschafter

Geschäftsführer

Prokurist

Sonstiges:

16 Wie groß

ist das Unternehmen?

bis 9 Mitarbeiter

10 – 49 Mitarbeiter

50 – 249 Mitarbeiter

über 250 Mitarbeiter

17 Wie hoch ist Ihr jährliches

Bruttoeinkommen?

bis 50.000 EUR

50.000 – 80.000 EUR

über 80.000 EUR

18 Welcher Branche würden Sie Ihr

Unternehmen zuordnen?

Automobil

Chemie

Dienstleistungen

Energie

Finanzen

Forschung & Innovation

Gesundheit & Medizin

Handel

Handwerk

Industrie

Internet/IT, Medien &

Kreativwirtschaft

Land- und Forstwirtschaft

PR, Kommunikation & Werbung

Tourismus

Verkehr & Logistik

Sonstige:

19 Sind Sie aktives Mitglied in

einem Unternehmerverband?

Ja

Nein

20 Welcher ist Ihr höchster

Bildungsabschluss?

Berufsausbildung

Meister

Bachelor

Master

Fachschule

Hochschule

Universität

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


48 | W+M RATGEBER

Moderne Notebooks

für Unternehmer

Die Auswahl an Notebooks ist mittlerweile schier

unendlich. In Bezug auf Display, Arbeitsspeicher,

Größe, Gewicht und Hardware-Ausstattung hat der

Kunde die Qual der Wahl. WIRTSCHAFT+MARKT

hilft Ihnen durch den Notebook-Dschungel

und stellt Ihnen attraktive Modelle von acht

verschiedenen Herstellern für den Büroalltag vor.

Lenovo ThinkPad X1 Yoga

Arbeitsspeicher: bis 16 GB, Festplatte: bis 1 TB SSD,

Akkulaufzeit: 15 Std., Display: 14 Zoll, Auflösung 1.920 x 2.160 Pixel,

Intel® Core i5- oder i7- Prozessor der 8. Generation, Kunststoff-Gehäuse, Gewicht:

1.400 g, USB-3.0- und HDMI-Schnittstelle, Touchscreen, 360-Grad-Scharnier und

ThinkPad Pen Preis: ab 1.849 Euro

HP Spectre 13

Arbeitsspeicher: bis 16 GB, Festplatte:

bis 1 TB SSD, Akkulaufzeit: 11 Std.,

Display: 13,3 Zoll, Auflösung 3.840 x

2.160 Pixel, Intel® Core i5- oder i7-

Prozessor der 8. Generation, Aluminium-

Gehäuse, Gewicht: 1.100 g, USB-C- und

HDMI-Schnittstelle, Touchscreen

Preis: ab 1.299 Euro

Dell Latitude 5480

Arbeitsspeicher: bis 8 GB, Festplatte: bis 256 GB SSD,

Akkulaufzeit: 16 Std., Display: 14 Zoll, Auflösung 1.920 x 1.080

Pixel, Intel® Core i5- oder i7- Prozessor der 7. Generation,

Kunststoff-Gehäuse, Gewicht: 1.600g, USB-3.0- und HDMI-

Schnittstelle, Touchscreen Preis: ab 859 Euro

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


BÜRO | 49

Asus ZenBook 13

Arbeitsspeicher: bis 16 GB, Festplatte: bis 1 TB SSD, Akkulaufzeit: 14 Std., Display:

13,3 Zoll Nano Edge, Auflösung 1.920 x 1.080 Pixel, Intel® Core i5- oder i7- Prozessor

der 8. Generation, Aluminium-Gehäuse, Gewicht: 1.120 g, USB-C- und

HDMI-Schnittstelle, Fingerabdruck-Sensor Preis: ab 999 Euro

Acer Swift 5

Arbeitsspeicher: bis 16 GB, Festplatte: bis 512 GB SSD, Akkulaufzeit: 8 Std., Display:

14 Zoll IPS, Auflösung 1.920 x 1.080 Pixel, Intel® Core i5- oder i7- Prozessor der

8. Generation, Gehäuse mit Magnesium-Lithium-Legierung, Gewicht: 970g, USB-C- und

HDMI-Schnittstelle, Fingerabdruck-Sensor und Touchscreen Preis: ab 999 Euro

Fujitsu Lifebook U938

Arbeitsspeicher: bis 16 GB, Festplatte: bis 1 TB SSD, Akkulaufzeit: 13 Std., Display:

13,3 Zoll, Auflösung 1.920 x 1.080 Pixel, Intel® Core i5- oder i7- Prozessor der

8. Generation, Magnesium-Gehäuse, Gewicht: 920 g, USB-C-, USB-3.0- und HDMI-

Schnittstelle, Fingerabdruck-Sensor Preis: ab 1.400 Euro

Toshiba Tecra X40-E-1208

Arbeitsspeicher: bis 32 GB, Festplatte: bis 256 GB SSD, Akkulaufzeit: 11,25 Std.,

Display: 14 Zoll, Auflösung 1.920 x 2.160 Pixel, Intel® Core i5- oder i7- Prozessor

der 8. Generation, Magnesium-Gehäuse, Gewicht: 1.250 g, USB-3.0- und HDMI-

Schnittstelle, Fingerabdruck-Sensor und Touchscreen Preis: ab 1.599 Euro

Medion AKOYA S3409

Arbeitsspeicher: 8 GB, Festplatte: 512 GB SSD, Akkulaufzeit:

4 Std., Display: 13,3 Zoll IPS, Auflösung 3.200 x 1.800 Pixel,

Intel® Core i5- oder i7- Prozessor der 7. Generation, Aluminium-Gehäuse,

Gewicht: 1.300 g, USB-C-, USB-3.0- und

HDMI-Schnittstelle Preis: 799 Euro

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


50 | W+M RATGEBER

ein Unternehmen gibt, dem es wirtschaftlich

immer nur gut geht. In der Regel ist

wirtschaftlicher Erfolg ein permanentes

Auf und Ab.

Zweitens: Die Krise übersteht, wer rechtzeitig

vorgesorgt hat (Eigenkapital), nicht

alles auf eine Karte setzt, unnötig hohe Risiken

vermeidet, sich ständig dem Markt

anpasst und wer letztendlich über das notwendige

„dicke Fell“ und einen harten

Willen verfügt, um auch schwere Zeiten

durchzustehen. Eine robuste Psyche und

Gesundheit kommen dazu.

Perspektiven

in der Insolvenz

Drittens: Lässt sich die Insolvenz nicht

vermeiden, ist es für viele wie eine Erlösung.

Wer jahrelang versucht hat, „die Kurve

zu kriegen“ und es allein nicht schafft,

kann sich einen guten Sanierer oder einen

erfahrenen Insolvenzverwalter aussuchen,

die „das Ruder umlegen“ und das Unternehmen

wieder flott machen. Das Gesetz

erleichtert es Insolvenzverwaltern, wirtschaftliche

Schieflagen wieder gerade zu

rücken. Nach der Sanierung oder der Insolvenz

steht der Unternehmer in der Regel

entschuldet wieder in seinem Unternehmen

und hat die Chance, neu durchzustarten.

Der eine oder andere entwickelt dann

auch ungeahnte Kräfte.

DER AUTOR

Prof. Dr. Florian

Stapper ist Fachanwalt

für Insolvenzund

Steuerrecht und

Inhaber von STAPPER

Insolvenz- und

Zwangsverwaltung.

Wer insolvent oder pleite ist,

meint häufig, er sei für den Rest

seines Lebens ruiniert und habe

keinerlei Chance mehr, am Wirtschaftsleben

teilzunehmen, Geld zu verdienen und

sich und seinen Angehörigen ein angenehmes

Leben zu ermöglichen. In der Insolvenz

kommen nicht selten mehrere Dinge

zusammen oder es gilt der Grundsatz:

„Ein Unglück kommt selten allein“. Häufig

entpuppen sich vermeintlich interessante

Aufträge als nicht

kostendeckend, fest eingeplante

Zahlungen bleiben aus, aus Betriebsprüfungen

des Finanzamtes ergeben

sich nicht eingeplante Verpflichtungen,

Maschinen oder Personalausfälle

lähmen die Produktion und vieles andere

mehr. Die Kumulation der Risiken kann

dann schneller in die Insolvenz führen als

sich manch einer vorstellt. Nicht selten arbeitet

ein Betrieb aber auch seit Jahren defizitär

und die Insolvenz ist dann lediglich

die Folge jahrelanger Misswirtschaft.

Die Vorstellung, die Insolvenz

biete keine Perspektiven, ist

auch dann häufig falsch:

Erstens: Eine Reihe

erfolgreicher Unternehmer

war schon

einmal insolvent oder

knapp davor. Erfahrene

Banker, Sanierer

und Insolvenzverwalter

berichten, dass es kaum

Viertens: Will oder kann der Unternehmer

nicht mehr, wickelt ein Profi das Unternehmen

ab. Der Unternehmer, der häufig

auch der Geschäftsführer oder Vorstand

ist, kümmert sich dann um seine persönliche

Entschuldung und kann danach neu

durchstarten.

Fünftens: Bei Privatpersonen erteilt der

Staat die Restschuldbefreiung nach fünf

oder sechs Jahren oder durch Insolvenzplan

wird die Befreiung von allen Verbindlichkeiten

deutlich schneller und effektiver

(in der Regel innerhalb von sechs Monaten)

erreicht.

In Krise und Insolvenz zählen daher die Strategie

und eine klare Perspektive, in der Regel

begleitet von einem guten Sanierer oder

Insolvenzverwalter. Krise und Insolvenz

sind dann nicht das Ende, sondern häufig

der Beginn einer neuen erfolgreichen wirtschaftlichen

Tätigkeit. Florian Stapper

Illustration: Alexey Shkitenkov/fotolia.com, Foto: Stapper

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


MANAGEMENT | 51

Es wird

nicht einfacher

an der Wirtschaftskraft des Unternehmens

orientieren. Bei Unternehmen mit mehr als

100 Millionen Euro Umsatz soll die Höchstgrenze

bei zehn Prozent des Umsatzes liegen.

Es sollen weitere Sanktionsinstrumente

geschaffen werden.

Illustration: PureSolution/ fotolia.com, Foto: Peter Badge

Die schwarz-rote Koalition auf Bundesebene steht endlich und damit

kommt auch der Koalitionsvertrag zur Geltung. Hier wird es nicht

nur einige Erleichterungen für Verbraucher geben. Auch auf die

Unternehmer kommt einiges zu. Und sicher ist: Es wird nicht einfacher.

Von Prof. Dr. Peter Fissenewert

Keine Toleranz bei Wirtschaftskriminalität,

so lautet die Überschrift im

Koalitionsvertrag. Der bisherige Justizminister

Heiko Maas hatte dies ja noch

kurz vor der Bundestagswahl im vergangenen

September eingefordert, obwohl

Deutschland bereits über das schärfste

Managerstrafrecht weltweit verfügt.

Unternehmenssanktionen

Die neue Koalition will sicherstellen, dass

Wirtschaftskriminalität wirksam verfolgt

und angemessen geahndet wird. Deshalb

soll das Sanktionsrecht für Unternehmen

neu geregelt werden. Es soll garantiert

werden, dass bei Wirtschaftskriminalität

grundsätzlich auch die Unternehmen

stärker bestraft werden. Bislang ist dies

ja in weiten Teilen nur bei den Tätern, also

den Mitarbeitern oder Managern, möglich.

Wörtlich heißt es: „Wir wollen sicherstellen,

dass Wirtschaftskriminalität wirksam

verfolgt und angemessen geahndet wird.

Deshalb regeln wir das Sanktionsrecht für

Unternehmen neu. Wir werden sicherstellen,

dass der Wirtschaftskriminalität

grundsätzlich auch die von Fehlverhalten

von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern profitierenden

Unternehmen stärker sanktioniert

werden.“ Dies ist eine klare Aussage

hin zu einem Unternehmensstrafrecht

beziehungsweise einem verschärften Ordnungswidrigkeitenrecht.

Derzeit existiert

ein solches Strafrecht ja in Deutschland

(noch) nicht und in den meisten Fällen können

nur die Mitarbeiter zur Rechenschaft

gezogen werden, die Unternehmen selbst

aber nur in Ausnahmefällen.

Abkehr vom Opportunitätsprinzip

Es soll eine Abkehr vom Opportunitätsprinzip

geben. Das Opportunitätsprinzip beschreibt

das Handeln einer Ordnungsbehörde

im Fall einer Gefahr. Die Ordnungsbehörde

kann, muss aber nicht eingreifen.

Dadurch soll für eine bundesweit einheitliche

Rechtsanwendung gesorgt werden.

Zugleich sollen spezifische Regelungen

über Verfahrenseinstellungen geschaffen

und das geltende Sanktionsinstrumentarium

erweitert

werden: Die geltende

Bußgeldobergrenze

von bis zu zehn

Millionen Euro ist

für kleinere Unternehmen

zu

hoch, zugleich

für große Konzerne

zu niedrig.

Die Höhe der Sanktionen

soll sich künftig

Öffentliche Bekanntmachung

„Die Sanktionen sollen auf geeignetem

Weg öffentlich bekannt gemacht werden.“

Zugleich soll es gesetzliche Vorgaben für

„Internal Investigations“ geben. Hierzu zählen

auch gesetzliche Anreize zur Aufklärungshilfe

und zur anschließenden Offenlegung.

„Internal Investigations“ sind häufiger

im Koalitionsvertrag zu finden. Dies

scheint der neunen Bundesregierung ein

Anliegen zu sein. So will man ein gesetzliches

Regelungskorsett schaffen, das insbesondere

den Umgang mit beschlagnahmten

Unterlagen und die Durchsuchungsmöglichkeiten

berücksichtigt. Es sollen gesetzliche

Anreize zur Aufklärungshilfe durch interne

Untersuchungen und der Offenlegung ihrer

Erkenntnisse gesetzt werden.

Auch die Terrorismusbekämpfung soll

verstärkt werden und dies hat unmittelbare

Auswirkungen auch zum Thema

Wirtschaftskriminalität.

W+M

DER AUTOR

Prof. Dr. Peter Fissenewert ist Rechtsanwalt

und Partner der Kanzlei

Buse Heberer Fromm. Seit

Jahren beschäftigt er sich

mit wirtschaftsrechtlichen

Themen rund um Compliance.

Er zählt zu den

führenden Beratern und

Autoren in diesem Bereich

und nimmt regelmäßig als

Redner an hochkarätigen

Fachveranstaltungen teil.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


52 | W+M RATGEBER IT

EU-Datenschutz-Grundverordnung

Warum Sie auf professionelle

CRM-Software setzen sollten

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) wirft ihre

Schatten voraus. Und man kann an dieser Stelle tatsächlich eher

von Schatten sprechen, da oftmals nur die negativen Seiten der

Verordnung aufgezeigt werden. Das ist allerdings der falsche Ansatz:

Mit den richtigen Helfern wird die Umsetzung der EU-DSGVO für Sie

zum Kinderspiel. Von Jürgen Litz

Für die Gestaltung

eines effizienten

Datenschutz-Managements,

müssen

die Funktionalitäten jedoch

über den Kern hinausgehen:

Gibt es beispielsweise ein Datenschutz-Cockpit

oder -Center, über das das

Management einen Überblick darüber behält,

wie die eigene Datenbank datenschutztechnisch

aufgestellt ist? Oder kann ein Datenschutzbeauftragter

anhand eines Drill-

Downs erfahren, wie viele Adressen zur

Löschung vorgemerkt sind? Eine professionelle

CRM-Software sollte das leisten können.

Nur diejenigen, die sich aktiv mit den

gespeicherten Daten beschäftigen und darüber

informiert sind, wie das eigene Unternehmen

den Datenschutz umsetzt, können

mögliche Fehlerquellen schnell identifizieren

und Arbeitsprozesse effizient gestalten.

Für ein effizientes Datenschutzmanagement müssen die Software-Funktionalitäten über den

Kern hinausgehen.

Erinnern Sie sich an das Jahr-2000-Problem?

Großflächige Stromausfälle oder

sogar Flugzeugabstürze wurden prognostiziert.

Der tatsächliche Schaden hielt

sich sehr in Grenzen. Warum? Weil das Problem

rechtzeitig erkannt und entsprechende

Maßnahmen getroffen wurden. Genauso

verhält es sich mit der EU-DSGVO. Es ist die

Rede von großen Abmahnwellen und großen

Einschränkungen für das E-Mail-Marketing,

die ab dem 25. Mai 2018 auf die Unternehmen

zukommen sollen. Wer sich allerdings

intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt

und sich gut vorbereitet, wird

unter der EU-DSGVO nicht leiden müssen.

Im Gegenteil: Sie können davon profitieren.

Optimale Unterstützung

Die EU-DSGVO schreibt vor, dass betroffene

Personen unter anderem ein Recht auf

Auskunft, Löschung und Datenportabilität

haben. Setzt ein Unternehmen beispielsweise

keine CRM-Lösung zur Verwaltung

der Kundendaten ein, können diese Anforderungen

nur schwer umgesetzt werden.

Bei hunderten oder gar tausenden Kundendaten

ist Chaos vorprogrammiert. Gerade

deshalb sollten Sie bei der Software-Auswahl

genau darüber informiert sein, ob die

Kernfunktionalitäten geleistet werden können.

So sollte zum Beispiel sichergestellt

werden, dass die gespeicherten personenbezogenen

Daten in einem gängigen maschinenlesbaren

Format ausgegeben

werden können,

falls eine Person von ihrem

Recht auf Datenportabilität

Gebrauch

macht.

Der Datenschutz bietet Datenchancen

Unternehmen können durch die zielgerichtete

Verwendung personenbezogener Daten

leistungsfähiger sein. Mit datenschutzkonform

erhobenen Daten können Sie diese

bedenkenlos für moderne Kommunikationskanäle

wie zum Beispiel Newsletter

verwenden und individueller mit ihren Kunden

in Kontakt treten. Diese datenschutzkonforme

Interaktion sollten Sie ausbauen

und als Vertrauensbasis nutzen. Kunden

und Interessenten werden es sehr zu

schätzen wissen, wenn sie das Gefühl haben,

dass ihre Daten bei Ihnen in geschützten

Händen sind – ein wichtiger Grundbaustein

für eine gefestigte Kundenbindung.

Und das steigert wiederum Ihren Unternehmenserfolg.

W+M

DER AUTOR

Jürgen Litz ist seit neun Jahren Geschäftsführer

der cobra – computer’s

brainware GmbH und sieht seinen

Schwerpunkt in der strategischen Weiterentwicklung

des deutschen CRM-Anbieters.

Zuvor trug Litz beim Markenartikler

ADO acht Jahre

lang als Konzernvorstand

im Marketing und Vertrieb

die Verantwortung

für das weltweite Geschäft.

Im Hinblick auf

die EU-Datenschutz-

Grundverordnung

wirbt er für ein positives

Verständnis von

Datenschutz und Datenchancen.

Foto, Grafik: cobra – computer‘s brainware GmbH

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


Titelentwürfe_WuM_0117.indd 1 03.02.17 14:24

001_Titelentwurf_WuM_0417 1 14.06.2017 12:32:11

001_Titel_W+M_0118 1 07.12.2017 12:59:37

0 4 >Die

4

Titelentwürfe_WuM_0217.indd 1 15.02.17 13:36

001_Titel_WuM_0517 1 17.08.2017 13:13:30

001_Titel_W+M_0218 1 14.02.2018 13:42:12

4

4

001_Titelentwürfe_WuM_0317 1 19.04.2017 14:57:16

069_Titel_W+M_0617 69 09.10.2017 10:37:14

0 3 >Die

4

W+M

WIRTSCHAFT+

MARKT

28. Jahrgang | Heft 1 | Januar/Februar 2017 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+

MARKT

28. Jahrgang | Heft 2 | März/April 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

28. Jahrgang | Heft 3 | Mai/Juni 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

NEUE SERIE:

BUNDESTAGS-

BILANZ

Wie engagiert war

Ihr Abgeordneter?

BERLIN

BUNDESTAGS-

BILANZ

Wie engagiert war

Ihr Abgeordneter?

WIR SIND

WELTMEISTER

MARKTFÜHRER AUS DEM OSTEN

GIPFELTREFFEN LÄNDERREPORT

Erstes Ostdeutsches Kreuzfahrt-Ritter

Wirtschaftsforum in aus Hongkong

Bad Saarow

erobern Werften

BEILAGE

RATGEBER

Firmenübergabe

erfolgreich

managen

Berlin

001_W+M_Titel_0318 1 18.04.2018 09:15:56

EXKLUSIV

Wachstumspläne der

Leipziger Messe

RATGEBER

Sicherer Schutz gegen

Cyberkriminalität

LÄNDERREPORT

Ordentlich Holz

vor der Hütte

€ BLÜHENDE

LANDSCHAFTEN

Das Reformationsjahr

als Wirtschaftsmotor

0 1 >

1 9 5 9 3 8 9 9 9 9 9 4

MINDESTLOHN

Wie die Zollkontrollen

den Mittelstand belasten

EXKLUSIV

Erwin Sellering über

das Ende der

Russland-Sanktionen

REPORT

Der Aufstieg von

Schloss Wackerbarth

AUTO

Passende Limousinen

für jeden Unternehmer

Warum der Osten so interessant für Investoren aus dem Reich der Mitte ist

Chinesen kommen

1 9 8 4 6 1 8 0 6 5 0 0

28. Jahrgang | Heft 4 | Juli/August 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

28. Jahrgang | Heft 5 | September/Oktober 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

28. Jahrgang | Heft 6 | November/Dezember 2017 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

WIRTSCHAFT+

MARKT

WIRTSCHAFT+

MARKT

MECKLENBURG-

VORPOMMERN +

BRANDENBURG

BUNDESTAGSBILANZ

Wie engagiert war

Ihr Abgeordneter?

THÜRINGEN +

SACHSEN-ANHALT

BUNDESTAGSSERIE

Wie engagiert war

Ihr Abgeordneter?

EXKLUSIV

Bodo Ramelow

über die Zukunft des

Verbrennungsmotors

EXKLUSIV

Warum Dietmar Woidke

auch künftig auf einen

Ostbeauftragten setzt

REPORT

Wie die Commerzbank im

Mittelstand wachsen will

SPITZENPRODUKT

„Smarte Socke“ aus

Hohenstein-Ernstthal

AUTO

Die schönsten Cabrios

des Sommers

Ostdeutsche Regionen, die die EU-Förderung am besten genutzt haben

Aufsteiger

1 9 8 4 6 1 8 0 6 5 0 0

EXKLUSIV

Stanislaw Tillich erklärt

den Investitionsboom

REPORT

Neue Regelungen

für Leiharbeit

IMMOBILIENMARKT

Höhere Mieten,

weniger Leerstand

AUTO

Die Lieblinge der

Dienstwagenfahrer

Merkels Bilanz

0 5 >

1 9 8 4 6 1 8 0 6 5 0 0

REPORT

Bergbausanierung

kurbelt Mittelstand an

FINANZIERUNG

Vier Alternativen

zum Kredit

AUTO

Neuheiten auf dem

Nutzfahrzeug-Markt

Packt der Osten die

digitale Wende?

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29. Jahrgang | Heft 2 | März/April 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

29. Jahrgang | Heft 3 | Mai / Juni 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

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WIRTSCHAFT+

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EXKLUSIV

Michael Müller über

Milliardeninvestitionen

in Berlin

ZUKUNFTSORT

EUREF-Campus

in Schöneberg

REPORT

Autohandel

im Umbruch

RATGEBER

Klug aus der

Insolvenz kaufen

EXKLUSIV

Ministerpräsident

Haseloff will

Ostbeauftragten

im Kanzleramt

STUDIE

Ost-Firmen auf

Wachstumskurs

REPORT

Aufbruch ins neue

Autozeitalter

RATGEBER

Neuerungen

rund ums Geld

INTERVIEW

Ministerpräsident Woidke

über Investitionen und

die neue Landeskampagne

EXKLUSIV

Hidden Champions

aus den neuen Ländern

REPORT

„Cool Climate“-Weine

aus Sachsen auf Siegeszug

Digitalisierung

So managt der Osten auch diese Wende

Industrie 4.0

Wir können

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54 | W+M RATGEBER

Wirtschaftsliteratur

Die ostdeutsche

Bestsellerliste

1

2

3

4

5

6

Die ostdeutsche Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur wird exklusiv von W+M aus den Verkaufszahlen

59 großer Buchhandlungen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt

und Thüringen erstellt. Beteiligt haben sich:

Thalia-Filialen in

Bautzen

Dresden (7x)

Halle

Meißen

Rudolstadt

Berlin (7x)

Eisenach

Hoyerswerda

Neubrandenburg

Saalfeld

Bernburg

Eisleben

Jena (2x)

Pirna

Schwedt/Oder

Brandenburg

Freital

Leipzig (2x)

Plauen

Weimar

Chemnitz (3x)

Gera

Leuna

Radebeul

Wildau

Cottbus

Dallgow-Döberitz

Dessau

Görlitz

Gotha

Großenhain

Löbau

Lutherstadt Wittenberg

Magdeburg (2x)

Riesa

Röhrsdorf

Rostock (2x)

Zittau

Zwickau

(www.thalia.de)

sowie die Ulrich-von-Hutten-Buchhandlung in Frankfurt (Oder) (www.hutten-ffo.de).

Die Teilnahme steht weiteren Buchhandlungen jederzeit offen. Schreiben Sie bei Interesse eine E-Mail an

janine.pirk-schenker@wirtschaft-markt.de.

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


+

LITERATUR | 55

BESTSELLER

REZENSION

Die Kunst des klaren Denkens

Das Buch „Die Kunst des klaren Denkens“

von Rolf Dobelli ist eine Art

Lexikon über die häufigsten Denkfehler,

die wir Menschen machen. Entstanden

aus persönlichen Notizen des Autors

für sich selbst, folgte er dem Ruf seiner

Freunde und hat diese veröffentlicht.

Das Werk beinhaltet 52 Denkirrtümer oder

-fallen, denen wir tagtäglich unterliegen.

Beispiele: „Sozial Proof“ (in etwa: „Herdentrieb“):

Eine Idee wird nicht korrekter,

nur weil diese immer mehr Menschen gut

finden. Auch die Mehrheit kann irren. Oder

„The Swimmer’s Body Illusion“: Professionelle

Schwimmer haben nicht wegen des

Trainings einen perfekten Körper, sondern

sie sind gute Schwimmer, weil sie einen

solchen Körperbau haben. Hier geht es um

die Frage nach der Ursache und der Wirkung,

die wir oft verwechseln. Das super

aussehende Modell ist auch nicht wegen

der beworbenen Hautcreme so schön, sondern

sie darf Werbung machen, weil sie

schon vorher so schön war. Faszinierend

auch die Mutter aller Denkfehler, die „Confirmation

Bias“: Wir Menschen haben die

Tendenz, neue Informationen so zu interpretieren,

dass sie mit unseren bestehenden

Anschauungen kompatibel sind. Informationen,

die im Widerspruch dazu stehen,

werden ausgefiltert. Gläubige sehen sich

regelmäßig bestätigt, dass es Gott gibt,

Atheisten aber auch, da sich Gott, wenn

überhaupt, nur in der Wüste oder in abgelegen

Bergdörfern zeigt, niemals aber in einer

Großstadt wie Berlin. Mein Lieblingsdenkfehler:

Der „Authority Bias“: Wir gehorchen

Autoritäten auch dort, wo es rational

oder moralisch keinen Sinn macht (gegenüber

Expertenmeinungen sind wir viel

unkritischer). Zum Schluss die „Kontrollillusion“:

Jeden Tag um 9 Uhr schwenkt ein

Mann vor dem Bahnhof eine rote Mütze

wild hin und her. Nach Wochen traut sich

jemand, den Mann anzusprechen. „Was

tun Sie da?“ „Ich vertreibe die Giraffen.“

„Es gibt hier keine Giraffen.“ „Tja, ich mache

eben einen guten Job.“ Warum nur,

muss ich spontan sofort an unsere Regierung

denken? Ein wichtiges Buch, man sollte

es stets zum Nachlesen dabei haben.

Rolf Dobelli, der 51 Jahre alte Autor dieses

Buches, ist ein promovierter Schweizer

Schriftsteller und Unternehmer (unter anderem

Swissair, getAbstract) und hat Philosophie

und Betriebswirtschaft studiert. Er

prangert den Hunger nach neuen Nachrichten

an. Er selbst verzichtet auf den Konsum

von News, die er mit Giften für das Gehirn

und den Geist vergleicht, und plädiert für

eine „gesunde Nachrichtendiät“.


Ronald K. Haffner

www.steuerberater-haffner.de

7

Foto: Maksym Yemelyanov/fotolia.com

8

9

10

DAS BUCH

Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren

Denkens. 52 Denkfehler, die Sie besser

anderen überlassen, HANSER Verlag

2011, 256 S., 14,90 €

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


56 | W+M RATGEBER

Golfen in Ostdeutschland

Die Golfsaison startet in diesem Jahr aufgrund der winterlichen Temperaturen etwas später als viele

es sich gewünscht hätten. Letztlich lassen sich aber echte Golfer und auch der Frühling nicht ewig in

Schach halten. Sicher haben Sie Ihren angestammten Golfplatz und kennen dazu noch einige andere.

Aber gerade in den neuen Bundesländern gibt es eine so reiche Golfplatzdichte, dass wir Ihnen mit

unserem Beitrag vielleicht doch noch den ein oder anderen Tipp geben können.

Golfclub Schloss Ranzow

Die weitläufige Golfanlage

Schloss Ranzow mit

seinem neuen 18-Loch-

Golfplatz begeistert mit

einmaliger Ostseekulisse

auf der Insel Rügen. Die

Fairways wogen sanft wie das

Meer und folgen harmonisch den Konturen

des Geländes. Ein gepflegtes Design

mit klug platzierten Bunkern sowie

samtig spurtreuen Grüns für ambitionierte

Golfer und Hobbygolfer.

Hotel & Golf Schloss Ranzow

Schlossallee 1

18551 Lohme/Rügen

Tel.: 038302 88910

E-Mail: golf@schloss-ranzow.de

Web: www.golf-schloss-ranzow.de

Berliner Golf & Country Club

Motzener See

Der Golf & Country Club Motzener

See verfügt über insgesamt

vier Plätze – einen 9-Loch-

Kurzplatz sowie über drei 9-Loch-

Championship-Courses, gespielt in

der A/B/C-Variante. Die wunderschönen

neuen Bahnen, die der renommierte Golfplatzdesigner

Kurt Roßknecht perfekt in die

bestehenden Bahnen integriert hat, fügen

sich in die 18-Löcher wunderbar ein.

Berliner Golf & Country Club

Motzener See e. V.

Am Golfplatz 5

15749 Mittenwalde OT Motzen

Tel.: 033769 50130

E-Mail: info@golfclubmotzen.de

Web: www.golfclubmotzen.de

Fotos: Hotel & Golf Schloss Ranzow (oben), Berliner Golf & Country Club Motzener See e. V. (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


LIFESTYLE | 57

Golfclub Schloss Meisdorf

Auf einem Areal von 70 Hektar

fügen sich die Bahnen des einzigen

18-Loch-Platzes in Sachsen-

Anhalt harmonisch in das östliche

Harzvorland ein. Die ersten neun Spielbahnen

begeistern durch ihre großzügige Einbettung in

eine flache Umgebung. Mit Blick auf den malerischen

Ort Meisdorf und einem Höhenunterschied

von 50 Metern gelangt man auf die zweiten

neun Bahnen.

Golfclub Schloss Meisdorf e. V.

Petersberger Trift 33

06463 Falkenstein/Harz OT Meisdorf

Tel.: 034743 98450

E-Mail: info@golfclub-schloss-meisdorf.com

Golf in Wall

Nicht nur Golfmitglieder, sondern

auch Greenfeespieler genießen die

herrliche Natur des malerischen

Brandenburger Rhinluchs und die besondere

Atmosphäre auf dem 27-Loch-

Golfplatz nördlich vor den Toren Berlins. Schilfbewachsene

Gräben ergeben an vielen Stellen

des 80 Hektar großen Areals ständig neue und

überraschende Perspektiven.

Fotos: Berliner Golfclub Stolper Heide (oben), Golf in Wall GmbH & Co. KG (Mitte), Golfclub Schloss Meisdorf e. V. (unten)

Berliner Golfclub Stolper Heide

Nur 25 Minuten von der Berliner

City West entfernt befinden sich

die von Bernhard Langer entworfenen

und von Kurt Roßknecht

gebauten zwei 18-Loch-Golfplätze

in der Stolper Heide. Ein landschaftliches Erlebnis, für

weniger Geübte gut zu bewältigen und dank des intelligenten

Designs auch für Single-Handicapper anspruchsvoll.

Berliner Golfclub Stolper Heide e. V.

Am Golfplatz 1

16540 Hohen Neuendorf OT Stolpe

Tel.: 03303 549214

E-Mail: info@golfclub-stolperheide.de

Web: www.golfclub-stolperheide.de

Berliner Golfclub

Stolper Heide

Golf in Wall GmbH & Co. KG

Am Königsgraben 1

16818 Wall

Tel.: 033925 71135

E-Mail: info@golfinwall.de

Web: www.golfinwall.de

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58 | W+M RATGEBER LIFESTYLE

WEITERE GOLFPLÄTZE

IN OSTDEUTSCHLAND

Golf & Country Club Fleesensee

Tannenweg 1, 17213 Göhren-Lebbin

Tel.: 039932 80400

Web: www.fleesensee-golfclub.de

Ostsee Golf Resort Wittenbeck

Zum Belvedere, 18209 Wittenbeck

Tel.: 038293 410090

Web: www.golf-resort-wittenbeck.de

Golf- und Country Club Seddiner See

Zum Weiher 44, 14552 Michendorf

Tel.: 033205 732-0

Web: www.gccseddinersee.de

GolfPark Leipzig

Bergweg 10, 04356 Leipzig

Tel.: 0341 5217442

Web: www.golfparkleipzig.de

Baltic Hills Usedom

Hauptstraße 10, 17419 Korswandt

Tel.: 038378 805070

Web: www.baltic-hills.de

Golfclub Herzogswalde

Am Golfplatz 1, 01723 Wilsdruff

OT Herzogswalde

Tel.: 035209 310590

Web: www.golfclub-herzogswalde.de

Hotel und Golf Resort Schloss Krugsdorf

Zerrenthiner Str. 2-3, 17309 Krugsdorf

Tel.: 039743 519611

Web: www.schlosskrugsdorf.de

Golfclub WINSTONgolf

Kranichweg 1, 19065 Gneven OT Vorbeck

Tel.: 03860 5020

Web: www.winstongolf.de

Golf- und Landhotel Semlin am See

Ferchesarer Str. 8b,

14712 Rathenow OT Semlin

Tel.: 03385 554-0

Web: www.golfresort-semlin.de

Golfclub Balmer See – Insel Usedom

Drewinscher Weg 1, 17429 Benz OT Balm

Tel.: 038379 280

Web: www.golfhotel-usedom.de

Golf Resort Berlin-Pankow

Blankenburger Pflasterweg 40, 13129 Berlin

Tel.: 030 50019490

Web: www.golf-pankow.de

Golfclub Dresden Ullersdorf

Die Golfanlage Dresden – Ullersdorf befindet sich direkt vor

den Toren der Landeshauptstadt Dresden, zwischen der Prießnitzaue

am Rande der Dresdner Heide und dem Stadtteil Weißer

Hirsch. Die 18 Golfbahnen erstrecken

sich durch leicht hügeliges Gelände

mit zahlreichen Wasserhindernissen,

Bachläufen sowie vielfältiger

Flora und Fauna.

Golfanlage Ullersdorf GmbH & Co. KG

Am Golfplatz 1, 01454 Ullersdorf

Tel.: 03528 4806-0

Fax: 03528 4806-11

E-Mail: info@golfanlage-ullersdorf.de

Web: www.golfanlage-ullersdorf.de

Foto: Golfanlage Ullersdorf GmbH & Co. KG

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


1

NETZWERK GESELLSCHAFT | 59

Unternehmerrunde mit

Ministerpräsidentin

Manuela Schwesig

(4. v. r.).

8. Wirtschaftsball

Digital arbeiten – analog genießen

auf Schloss Basthorst

Schwerin. Der gemeinschaftliche Wirtschaftsball

der drei führenden Wirtschaftsvertreter

im Westen Mecklenburg-Vorpommerns

fand am 17. März 2018 nun schon

zum achten Mal statt. Der Unternehmerverband

Norddeutschland Mecklenburg-

Schwerin e. V., die Industrie- und Handelskammer

zu Schwerin und die Handwerkskammer

Schwerin luden dazu die Unternehmerschaft

ein.

Unter dem Motto „digital arbeiten – analog

genießen“ feierten nahezu 200 geladene

Gäste bei exklusivem Essen, schwungvoller

Musik sowie kleinen und großen Kunstwerken

von Künstler Michael Frahm. Der

schon im Vorfeld ausverkaufte Ball stand

unter der Schirmherrschaft der Ministerpräsidentin

Mecklenburg-Vorpommerns Manuela

Schwesig (SPD), die sich mit einem

Grußwort an die Unternehmerschaft wandte.

Die jährliche Auszeichnung „Unternehmer

des Jahres“ war ein Höhepunkt im Programm

und ging an Tom Henning von der

SHA GmbH.

W+M

Für beste

Unterhaltung war

gesorgt.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit

dem Moderator des Abends, Frank Nehring,

Verleger von WIRTSCHAFT+MARKT.

Fotos: Dominik Peters / UV Schwerin

Tom Henning

von der SHA

GmbH wurde als

Unternehmer des

Jahres geehrt.

Viele Gäste nutzten

die Gelegenheit zum

Tanz.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


60 | W+M NETZWERK

Hervorragendes Essen, exzellent

angerichtet und alles ohne das

oft übliche Gedränge.

Bei wechselnder musikalischer Unterhaltung blieb die

gute Tanzlaune durchgängig erhalten.

18. Brandenburgball

Wenn die IHK Potsdam einlädt

Potsdam. Über 600 Gäste folgten der Einladung

von IHK-Potsdam-Präsident Peter

Heydenbluth und Hauptgeschäftsführer Mario

Tobias und ließen es sich im Kongresshotel

Potsdam am Templiner See richtig

gut gehen. Unter der Schirmherrschaft von

Ministerpräsident Dietmar Woidke führte

ZDF-Moderator Ingo Nommsen durch den

Abend. Ehrengast Franziska van Almsick erhielt

einen Scheck über 25.000 Euro für ihren

Verein Schwimmkids e. V., der die Weiterbildung

von Lehrern und Lehrassistenten

dabei unterstützt, Kindern das Schwimmen

in der Grundschule beizubringen. Neben der

Big Band des Deutschen Filmorchesters Babelsberg

war ganz eindeutig der halbstündige

Auftritt der Band Marquess das musikalische

Highlight des Abends. Ein Kompliment

den Veranstaltern für die tolle Organisation

und ein reichhaltiges und hervorragendes

Buffet ohne Schlange stehen. Erfreulich

hoch war die Smoking-Quote, sie lag

bei etwa 95 Prozent.

W+M

Gutschein für den Schwimmkids e. V.: Dietmar

Woidke, Peter Heydenbluth, Franziska van

Almsick und Ingo Nommsen (v. l.).

Die Spielbank lud

zum Roulette.

Franziska van

Almsick im

Gespräch mit

ZDF-Moderator

Ingo Nommsen.

Fotos: Mike Auerbach

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


GESELLSCHAFT | 61

68. Ball der Wirtschaft des VBKI

Werbung für Olympia in Berlin

Berlins Innensenator Andreas Geisel mit

Ehefrau.

Fotos: VBKI

VBKI-Päsident

Markus Voigt.

Warb leidenschaftlich für Olympia in

Berlin: VBKI-Präsident Markus Voigt.

Bis in die frühen Morgenstunden wurde getanzt.

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja mit Gattin.

Zog die Tischpartnerinnen in seinen Bann: der ehemalige Regierende Bürgermeister

Klaus Wowereit.

Berlin. Der Ball der Wirtschaft des Vereins

Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI)

machte auch in seiner 68. Auflage seinem

Ruf alle Ehre – als inoffizielles Gipfeltreffen

der Berliner Gesellschaft und als eine

der besten Partys der Stadt. Gesprächsthema

Nummer eins unter den 3.000 Gästen

im Hotel InterContinental: das exzellente

Abschneiden des deutschen Teams

bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang.

„Was für eine tolle Bilanz“, freute

sich VBKI-Präsident Markus Voigt über

die Medaillenflut. In seiner Rede machte

er sich dafür stark, die aktuelle Begeisterung

für eine erneute deutsche Bewerbung

zu nutzen und diese auf die Bundeshauptstadt

zu fokussieren: „Holen wir gemeinsam

die Olympischen Spiele nach Berlin!“

Gute Gründe gebe es mindestens so viele

wie deutsches Edelmetall in Südkorea. So

könnten die Spiele substanziell dazu beitragen,

viele der großen Herausforderungen

Berlins zu lösen: „Wohnen, Mobilität, Infrastruktur,

wirtschaftliche Entwicklung – in

fast allen Bereichen würde eine erfolgreiche

Bewerbung den Turbo zünden“, sagte

Voigt, der für sein Pro-Olympia-Plädoyer

starken Beifall erhielt.

W+M

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62 | W+M NETZWERK

Wie unsicher ist

sicher genug?

Tschernobyl-Gedenkveranstaltung auf dem Münchener Marienplatz am 26.04.2006.

Im Rahmen seines Vortrags auf der Jahreshauptversammlung

des VBIW stellte Prof. Dr. Gerhard Banse die Frage, ob eine

hundertprozentige Sicherheit technischer Objekte möglich ist und

ob das überhaupt erstrebenswert wäre. Oder müssen wir immer mit

einem bestimmten Maß an Unsicherheit leben? Der Technikphilosoph

Banse ist Präsident der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin

und forscht auf dem Gebiet der Technikfolgenabschätzung.

Von Rudolf Miethig (VBIW)

Wer eine technische Anlage plant

muss abschätzen, wie wahrscheinlich

der Eintritt eines Schadens

ist, aber auch, welche Folgen ein Schaden

hätte. Verstößt er dabei gegen die allgemein

anerkannten Regeln der Technik und

gefährdet er dadurch Leib oder Leben von

Menschen, droht Bestrafung (Paragraf 319

StGB Baugefährdung). Die Entscheidungen

Wunderland Kalkar: Als Kühlturm eines

KKW gedacht, als Kletterwand genutzt.

im Zuge der Planung werden von der Lebenswirklichkeit,

aber auch durch staatliche

Normen, Gesetze, Richtlinien und Regeln

beeinflusst. Zum Beispiel hatte das Landgericht

nach dem tragischen Dacheinsturz

einer Musikhalle in Görlitz im Jahre 1908

zunächst entschieden, dass gegen die „allgemein

anerkannten Regeln der Baukunst“

verstoßen worden sei. Das Reichsgericht

hob die Entscheidung wieder auf, weil der

Begriff der „allgemein anerkannten Regeln

der Baukunst“ nicht schon dadurch erfüllt

sei, dass „eine Regel bei völliger wissenschaftlicher

Erkenntnis sich als richtig und

unanfechtbar darstellt, sondern sie müsse

auch allgemein anerkannt, das heißt durchweg

in den Kreisen der betreffenden Techniker

bekannt und als richtig anerkannt sein“.

Gerhard Banse ging dann auf das Problem

des Restrisikos ein. Nach der Maschinenrichtlinie

EN ISO 12100 ist das Restrisiko

jenes Risiko, dass verbleibt, nachdem

Schutzmaßnahmen getroffen wurden, wobei

es einen abschätzbaren und einen unbekannten

Anteil gibt. In seinem Kalkar-Beschluss

von 1978 entschied das Bundesverfassungsgericht,

dass die Bevölkerung mit

der Nutzung der Kernenergie ein Restrisiko

als „sozialadäquate Last“ zu tragen habe,

„wenn es nach dem Stand von Wissenschaft

und Technik praktisch ausgeschlossen

erscheint, dass solche Schadensereignisse

eintreten werden“. Es hat klargestellt,

dass ein hundertprozentiger, nicht oder nur

mit unverhältnismäßigem Aufwand zu leistender

Ausschluss von Restrisiken nicht

verlangt werden darf. Oder einfach ausgedrückt:

Ein Restrisiko auszuschließen würde

bedeuten, den technischen Fortschritt

zu verhindern.

Der „Schnelle Brüter" in Kalkar ist übrigens

nie in Betrieb gegangen. Nach der Katastrophe

von Tschernobyl und angesichts der

unlösbaren Probleme der Endlagerung war

die gesellschaftliche Akzeptanz für die risikobehaftete

Technik erschöpft. 1991 verkündete

Bundesforschungsminister Heinz

Riesenhuber das endgültige Aus für den

Brüter. Das Gelände und die Gebäude gingen

an einen holländischen Investor, der das

Objekt in einen Vergnügungspark mit Hotel

umwandelte.

Das Fazit des Vortrags: Die vorherrschende

Fixierung auf das Ideal vollständiger Sicherheit

muss zumindest relativiert werden. Eingrenzung

der Unbestimmtheit ist präventiv

jedoch möglich und notwendig. Neue technische

Lösungen stellen oftmals einen Kulturbruch

dar und führen zu einem gravierenden

Wandel im menschlichen Handeln,

der mit Irritationen verbundenen sein kann.

Fotos: Rufus46/Wikimedia Commons (oben), Koetjuh/Wikimedia Commons (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


VBIW | 63

Es geschah an einem 13. August

Zeulenroda. Obwohl – wie sich später

herausstellte – die „allgemein anerkannten

Regeln der Technik“ bei der Projektierung

angewandt worden waren, stürzte am 13.

August 1973 die noch im Bau befindliche

Brücke über die Talsperre Zeulenroda ein.

Die Folgen: vier Tote, fünf Verletzte. Und

das an einem Jahrestag des Mauerbaus.

Das sah nach Sabotage aus. Die Stasi ermitteltel

– sie fand aber keine menschliche

Absicht hinter dem Unglück.

Was war wirklich geschehen? Der Brückenträger

wurde als Hohlkastenprofil im

Freivorbau errichtet. Er hatte sich ausgebeult,

dadurch seine Tragfähigkeit verloren,

war abgeknickt und 30 Meter in die

Tiefe gestürzt. Begünstigt wurde das Abknicken

noch dadurch, dass ein schwererer

Baukran eingesetzt worden war als bei

der Berechnung angenommen.

klagte nun drei Ingenieure wegen Verletzung

des Arbeitsschutzes an. Unter den

Ingenieuren im Bezirk Gera brach Unruhe

aus, es hagelte Eingaben. Und dann

geschah etwas Erstaunliches. Die Kammer

der Technik (KDT) ließ von Ingenieuren

aus ihren Reihen ein Gegengutachten

anfertigen, welches die Angeklagten

entlastete. Ob spontan oder auf Grund eines

Hinweises staatlicher Stellen ist nicht

bekannt. In einer Berufungsverhandlung

wurden die Angeklagten freigesprochen.

Mehr noch, die Vorschriften der TGL-Norm

über das Beulen von Platten und Schalen

wurden gemäß den internationalen Erfahrungen

angepasst. Schon zwei Jahre früher

war nämlich die Südbrücke in Koblenz

beim freien Vorbau eingestürzt – ebenfalls

nach Abknicken eines Hohlkastenträgers.

Es zeigt sich, dass die „allgemein anerkannten

Regeln der Technik“ im Zuge veränderter

Baukonstruktionen und -verfahren

präzisiert oder fortgeschrieben werden

müssen.

1 – zu montierendes

Hohlkastenprofil,

2 – Vorbaukran.

2

1

Eine staatliche Prüfungskommission stellte

fest, dass bei der Projektierung die gültigen

Regeln einer TGL-Norm eingehalten

worden waren. Die Staatsanwaltschaft

Stauseebrücke bei Zeulenroda, fertiggestellt 1975.

Seit 1890 im Dienst: Firth-of-Forth-Brücke

Fotos: Miethig (VBIW) (oben links), BStU, Ast. Gera MfS (oben rechts), Miethig (VBIW) (unten)

Felsenfest steht sie in einer schottischen

Meeresbucht, die Firth-of-Forth-Brücke.

Dem Betrachter sollte sie den Eindruck eines

standfesten, sicheren Bauwerks vermitteln.

Denn das Vertrauen in große Eisenbahnbrücken

war verloren, nachdem

74 Kilometer weiter nördlich die Firth-of-

Tay-Brücke eingestürzt war, wobei ein

ganzer Eisenbahnzug in den Fluten verschwand.

Ursache der Katastrophe waren

Berechnungs- und Materialfehler. Man hatte

gelernt – der schon begonnene Bau am

Firth of Forth wurde eingestellt, ein neues

Team wurde mit der Projektierung beauftragt.

Während die Tay-Brücke noch aus

Gusseisen bestand, wurde mit der Forth-

Brücke erstmals eine Brücke gänzlich aus

Stahl gebaut. Das Wahrzeichen Schottlands

leistet als Eisenbahnbrücke heute

noch seinen Dienst.

VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle:

Fürstenwalder Str. 46,

15234 Frankfurt (Oder)

Tel.: 0170 9856578

E-Mail: vbiw-ev@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


64 | W+M NETZWERK

UV Sachsen

Reger Austausch

MdB Katja Kipping im Kreis von Mitgliedern des UV Sachsen.

Dresden. Volker Wahl, Vizepräsident

des Unternehmerverbands Sachsen in

der Region Dresden und Geschäftsführer

der WaCo Gerätetechnik GmbH, begrüßte

kürzlich MdB Katja Kipping in seinem

Unternehmen. Die Vorsitzende der

Partei DIE LINKE kam zu einem Austausch

zu den Themen Russlandsanktionen,

Bürokratieabbau und Fachkräftemangel.

Mit großem Interesse verfolgte

Kipping die Ausführungen der anwesenden

UV-Mitglieder und dankte für den offenen

Einblick in deren Arbeitsalltag. Der

Diskurs dauerte fast zwei Stunden, bevor

die Politikerin zu ihrem nächsten Termin

eilte. Mit Blick auf die gute Resonanz sollen

weitere Gespräche mit Bundespolitikern

folgen.

UV Rostock-Mittleres Mecklenburg

Neues Bauvertragsrecht

Rostock. Die Auftaktveranstaltung „Neues

Bauvertragsrecht – Teil 1“ des UV Rostock

Ende Januar traf auf großes Interesse.

Vor wissbegierigen und diskussionsfreudigen

Zuhörern erläuterte Christian Schliemann,

Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht,

in den Räumen des Aus- und

Fortbildungszentrums Rostock praxisnah

den Kerngehalt der wichtigsten gesetzlichen

Neuregelungen sowie die Unterschiede

zu den bisher bekannten Regelungen.

Besonderes Hauptaugenmerk des Seminars

lag auf den Schwerpunkten Bauverträge

und Verbraucherbauverträge.

Fotos: PIXAPOOL (oben), UV Rostock (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


UNTERNEHMERVERBÄNDE | 65

Foto: Anja Kirchner/UV Schwerin

UV Brandenburg-Berlin

Mitglieder kritisieren Dieselfahrverbote

Potsdam. Im Ergebnis einer Umfrage unter

den Mitgliedern des UV Brandenburg

und kooperierender Verbände äußerten

sich die befragten Unternehmen besorgt

und enttäuscht über mögliche Einschränkungen

im Zusammenhang mit der Verhängung

eines Dieselverbots für ältere Fahrzeuge.

Zahlreiche Firmen wären nicht in

der Lage, zusätzliche außerplanmäßige Investitionen

in der zu erwartenden Größenordnung

zu tätigen. Die Mitglieder kritisierten

Signale aus dem Berliner Senat, bereits

UV Norddeutschland-Mecklenburg Schwerin

Wertschätzende Kommunikation

Wolfram Reisener (links stehend) begrüßte als stellvertretender Regionalleiter der Region

Ludwigslust-Parchim die Gäste des Abends.

Parchim. Orientiert an seinem Jahresmotto

„Wertschätzung leben" lud der UV

Schwerin in der Region Ludwigslust-Parchim

zu einer Veranstaltung zum Thema

wertschätzende Kommunikation im Unternehmen.

Etwa 50 Gäste trafen sich

Mitte Februar im Brinkmann-Autohaus in

ab 2019 Fahrverbote zu verhängen. Die viel

befahrenen Straßen Berlins – speziell die

Übergänge zwischen Ost- und Westberlin

– sind wichtige Ver- und Entsorgungswege

der Hauptstadt. Ein Verbot würde drastische

Folgen für Berlin und das Umland haben.

Überproportionale Investitionen durch

kleine und mittelständische Berliner und

Brandenburger Unternehmen gefährden

deren Existenz und Wettbewerbsfähigkeit

mit Blick auf polnische und weitere ausländische

Unternehmen.

Parchim. Der stellvertretende Regionalleiter

Wolfram Reisener gab Gastgeber

Bernd Blum gleich zu Beginn die Möglichkeit

der persönlichen Vorstellung des

Betriebs. Im Anschluss sprachen Heike

Welp und Romy Fülp vom Institut für

Stress- und Konfliktmanagement.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Niklas Graf von Bernstorff

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Dr. Burkhardt Greiff

Geschäftsführer: Steffen Heller

Hauptgeschäftsstelle

Drewitzer Str. 47, 14478 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-bb.de

Internet: www.uv-bb.de

Geschäftsstelle Berlin

Charlottenstraße 80, 10117 Berlin

Tel.: +49 30 2045990

Fax: +49 30 20959999

E-Mail: berlin@uv-bb.de

Geschäftsstelle Cottbus

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-bb.de

Unternehmerverband Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführerin: Pamela Buggenhagen

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres

Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 5c, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsführer: Dr. Andreas Golbs

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Jens Wenzke

Geschäftsführer: Friedrich W. Schmitz

c/o IHK Erfurt - Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 786599-70

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsführer: N. N.

Geschäftsstelle

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


66 | W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick auf die nächste Ausgabe

Ohne Geld ist vieles nichts

Wie heißt es so schön: „Über

Geld spricht man nicht,

man hat es.“ Da sich

viele ostdeutsche Kleinunternehmer

und Mittelständler bei diesem

Spruch wohl nicht mal

ein müdes Lächeln abringen

können, machen wir

„Geld“ zum Thema der

Titelgeschichte unserer

nächsten Ausgabe.

Neben einem

Report, der

die Mittelstandsfinanzierung

in den

neuen Bundesländern

beleuchtet, gibt es viele

praktische Tipps für Unternehmer

– wir bilden die

Vielfalt der Förderprogramme

ab, erläutern, wie sich Nachfolgeregelungen

in Unternehmen finanzieren

lassen und stellen diverse

Online-Kreditplattformen vor.

Seit Juli letzten Jahres ist die SPD-Politikerin

Manuela Schwesig Ministerpräsidentin

in Mecklenburg-Vorpommern.

Die vormalige Bundesfamilienministerin

übernahm das Amt von Erwin Sellering,

der aufgrund einer schweren Erkrankung

Förderung

erfragen

Kredit

beantragen

Nachfolge

regeln

Tipps

beachten

zurücktreten musste. Das Interview mit

der Ministerpräsidentin und SPD-Landesvorsitzenden

steht im Zentrum eines Länderschwerpunktes

über das Land an der

Ostsee.

Online-Kredit

suchen

Zukunftssicher

denken

Schon im Herbst des vergangenen

Jahres wollten wir die 152 ostdeutschen

Abgeordneten vorstellen,

die seit der Wahl am

24. September 2017 Mitglieder

des Bundestags

sind. Doch die so lange

ungeklärte Koalitionsfrage

und damit

einher gehende

Spekulationen

über vorgezogene

Neuwahlen

ließen

uns diesen

Spezialbericht

immer wieder verschieben.

Jetzt sind

die Verhältnisse klar

und wir präsentieren alle

Parlamentarier.

Neben Nachrichten und Reportagen

aus den neuen Bundesländern

lesen Sie wie gewohnt

einen facettenreichen Ratgeberteil.

Die nächste Ausgabe von

WIRTSCHAFT+MARKT erscheint

am 21. Juni 2018.

PERSONENREGISTER

Altmaier, Peter 3

Anuth, Christian 35

Aumüller, Jürgen 18/19

Backhaus, Till 9

Banse, Gerhard 62

Bergner, Martin 14/15

Blum, Bernd 65

Buschkowsky, Heinz 7

Czaja, Sebastian 61

Daigfuss, Moritz 42

Daubner, Susanne 9

de Mazière, Lothar 6

Dobelli, Rolf 54/55

Ernst, Britta 41

Fauth, Stephan 38

Fern, Oliver 20/21

Ferriss, Timothy 55

Fissenewert, Peter 8, 51

Frahm, Michael 59

Fülp, Romy 65

Geisel, Andreas 61

Gerber, Albrecht 34

Giffey, Franziska 3, 6/7, 30

Gleicke, Iris 3

Haffner, Ronald K. 55

Hahne, Peter 54

Hansen, Klaus-Peter 39

Härting, Andreas 16/17

Henning, Tom 59

Heydenbluth, Peter 60

Hirte, Christian 3, 6/7

Kahnemann, Daniel 54

Kammradt, Steffen 34

Kasner, Horst 6

Kipping, Katja 64

Kiyosaki, Robert T. 55

Kohl, Helmut 6

Langer, Bernhard 57

Lewens, Götz Albrecht 42

Lindner, Christiane 40

Litz, Jürgen 52

Loclair, Holger 28/29

Lubig, Stephanie 16/17

Ludwig, Matthias 9

Maas, Heiko 51

Meckel, Dirk 30

Meier, Klaus-Jürgen 8

Meinel, Christoph 33

Merkel, Angela 3, 6/7

Meßerschmidt, Jan 40

Methling, Roland 9

Mohring, Mike 7

Müller, Thomas 10/11

Nauerth, Jannik A. 9

Neumann, Fanny 40

Nommsen, Ingo 60

Plattner, Hasso 32/33

Ragnitz, Joachim 9, 44

Reisener, Wolfram 65

Reuther, Michael 12/13

Riesenhuber, Heinz 62

Ritter, Jörg K. 24-26

Ritter, Sebastian 36, 42/43

Roßknecht, Kurt 56/57

Rost, Marcel 16

Rost, Michelle 16

Sadowski, René 24-26

Schäfer, Bodo 55

Schilling, Mathias 17

Schliemann, Christian 64

Schnur, Wolfgang 6

Scholz, Olaf 41

Schwesig, Manuela 59, 66

Seehofer, Horst 7

Sellering, Erwin 66

Senius, Kay 38

Stapper, Florian 50

Stirl, Axel 8

Strelecky, John 54

Stübgen, Michael 7

Tobias, Mario 60

Trump, Donald 3

van Almsick, Franziska 60

Voigt, Markus 61

Wagenknecht, Sahra 55

Wahl, Volker 64

Wanderwitz, Marco 6/7

Weintraut, Markus 35

Welp, Heike 65

Woidke, Dietmar 28-30, 60

Wowereit, Klaus 61

Zierke, Stefan 6/7

Grafik: Designed by Cornecoba - Freepik.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 3/2018


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