Simone Kettendorf/Mele Brink: Friedel, Freude, Eierkuchen? Sei bloß (kein) Frosch!

editionpastorplatz

Kann eine Freundschaft zwischen einem Frosch und einem Marienkäfer auf Dauer funktionieren? Wird Friedel zu Mia halten, auch wenn alle anderen Tiere die vermeintlich gefräßigen Marienkäfer vom Seerosenteich vertreiben wollen? Die Freundschaft zwischen Friedel und Mia wird auf eine harte Probe gestellt, als sich alle Tiere am Teich von den Marienkäfern abwenden. Friedel weiß selbst irgendwann nicht mehr, was wahr und was falsch ist. Der kleine Frosch muss seine Freundin ganz alleine gegen alle verteidigen und beweisen, was wirklich passiert ist.
Ein Lesen und Selberlesen für Kinder ab 3 Jahren.

Friedel, Freude,

Eierkuchen?

Sei bloß (k)ein Frosch!

EDITION PASTORPLATZ

28

Simone Kettendorf

Illustrationen: Mele Brink


Friedel, Freude, Eierkuchen?“ wird herausgegeben von der Edition Pastorplatz

(Mele Brink & Bernd Held GbR · Luisenstraße 52 · 52070 Aachen)

www.editionpastorplatz.de

www.facebook.com/edition.pastorplatz

www.twitter.com/ed_pastorplatz

Editionsnummer: 28 ( Juli 2018)

ISBN 978-3-943833-28-7

1. Auflage

Idee + Text: Simone Kettendorf

Zeichnungen: Mele Brink

Layout + Umsetzung: Bernd Held

Korrektorat/Lektorat: Angelika Lenz, Steinheim an der Murr

Druck: Jettenberger Internationale Druckagentur

Innenpapier: 140-g-Offsetpapier (FSC © -zertifiziert).

Umschlagpapier: 135-g-Bilderdruckpapier (FSC © -zertifiziert).

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags

unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und

Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.


Simone Kettendorf · Mele Brink

Friedel, Freude,

Eierkuchen?

Sei bloß (k)ein Frosch!


Warum Friedel von allen gemocht wird

Friedel, der Frosch, lebt mit seinen Geschwistern am Seerosenteich

und meistens ist er sehr zufrieden. Wie jedes Froschkind liebt er

es, im Wasser herumzutollen, ganz nach unten auf den Grund des

Teichs zu tauchen, um nach verborgenen Schätzen zu suchen, oder

sich auf einem Seerosenblatt von der Sonne trocknen zu lassen. Bei

den anderen Tieren rund um den Teich ist er sehr beliebt, denn

er kommt mit jedem gut aus. Das liegt vermutlich daran,

dass er die Tiere mit ihren Eigenheiten so annimmt, wie sie

sind, und außerdem immer sehr hilfsbereit ist. Aber auch

er hat genügend Eigenheiten. Er ist zwar ein Frosch,

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aber er mag keine Fliegen. Er ist also Vegetarier. Habt ihr so was

schon mal gehört? Ein Frosch, der keine Fliegen mag? Aber warum

eigentlich nicht? Auf diese Weise hat sich sein Freundeskreis ziemlich

vergrößert, denn kein einziges Tier steht auf seinem Speiseplan.

Seine besten Freunde sind tatsächlich sehr ungewöhnlich, denn er

ist mit einer Maus, einem Eichhörnchen oder auch mit einem Hasen

befreundet. Seine allerungewöhnlichste Freundin ist jedoch Mia, das

Marienkäfermädchen.

Natürlich gibt es auch in Friedels Leben gute und schlechte Tage und

manchmal hat er es mit seinen Geschwistern nicht so leicht. Sie können

nicht verstehen, wieso er keine Fliegen mag und viel lieber Blätter, Gras

oder Algen isst. Und Dinge, die man nicht verstehen kann, machen

manchmal Angst. Hin und wieder hänseln die Geschwister Friedel,

indem sie ihn Fliegen-Friedel rufen. Friedel weiß sich aber ganz gut zu

wehren und hat sich im Gegenzug auch lustige Namen für seine Brüder

und Schwestern ausgedacht. Albert, den Ältesten, nennt er dann

Algen-Ali und seine kleine Schwester Grisula wird zu Gras-Grisu. Erst

regen sich alle fürchterlich darüber auf und spritzen sich gegenseitig

nass oder tauchen sich unter, aber später lachen sie gemeinsam darüber.

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„Fliegen-Friedel!“, ruft sein großer Bruder. „Wie willst du eigentlich

groß und stark werden, damit du weit hüpfen kannst, wenn du keine

Fliegen isst?“

Friedel macht einen riesigen Satz von einem Seerosenblatt zum

nächsten und taucht seinen Bruder Albert ins Wasser. Lachend ruft er:

„Siehst du, Algen-Ali, ich kann schon jetzt weiter springen als du.“

Prustend taucht Albert wieder aus dem Wasser auf und ruft seine

Schwester Grisula zu Hilfe. „Sag’s du ihm, Grisula! Er

wird nie so eine schöne glatte Haut bekommen wie

du, wenn er keine Fliegen isst.“

Grisula zeigt ihrem Bruder stolz ihre

grasgrüne Froschhaut, die keinen Makel

aufweist. Friedel bewirft sie mit braunem

Schlamm und ruft: „Jetzt muss ich dich Schlamm-Grisu statt Gras-

Grisu nennen, denn deine Haut ist ganz braun und dreckig!“

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Grisula stößt einen spitzen Schrei aus, taucht empört unter und

wäscht sich den Schlamm ab. Unter Wasser pflückt sie ein paar Algen,

mit denen sie beim Auftauchen auf Friedel zielt. Genau in diesem

Moment hüpft Albert in die Schusslinie und bekommt die ganze

Ladung schmieriger Algen ins Gesicht. Jetzt lachen Grisula und Friedel

gemeinsam und halten sich vor Lachen die Hände auf die glucksenden

Bäuche. Sie klatschen sich kurz ab und dann tauchen alle drei wieder

unter und spielen Fangen, bis sie von ihrer Mutter zum Mittagessen

gerufen werden.

Friedel ist ein gutes Froschkind und heißt eigentlich Friedbert. Aber

diesen Namen mag er überhaupt nicht und seine Froschmama ruft ihn

auch nur Friedbert, wenn er unartig war. Meistens jedoch ist Friedel ein

Muster-Froschkind und so hat sich seine Mama auch daran gewöhnt,

dass sie ihm morgens einen Algenbrei zubereitet, statt Fliegen für ihn

zu fangen.

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Friedel, und auch das hat es in der gesamten Froschgemeinde noch

nie gegeben, hat ein Marienkäfermädchen als beste Freundin. Das

ist deshalb so ungewöhnlich, weil Marienkäfer eigentlich auf dem

Speiseplan von Fröschen stehen. Da Friedel aber Vegetarier ist, also

kein Fleisch zu sich nimmt, muss Mia, das Marienkäfermädchen, keine

Angst vor seiner klebrigen Zunge haben. Die beiden sind die allerbesten

Freunde und gehen gemeinsam durch dick und dünn. Allerdings hat

Friedel Mia noch nie mit zu sich nach Hause genommen, da er Angst

hat, dass seine Geschwister Mia verschlingen würden.

„Das würden wir nie machen“, versichert ihm seine Familie immer

wieder, „denn schließlich ist Mia deine beste Freundin.“

Aber sicher ist sicher. Lieber möchte er seine fleischfressende Familie

nicht in Versuchung bringen. Ebenso darf Mia ihren Freund Friedel

nicht mit zu sich nach Hause bringen. Zwar weiß Mias Familie, dass

Friedel keine Käfer isst, aber die Angst siegt über das Vertrauen. Das ist

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nicht weiter schlimm, denn der Teich bietet so viele Möglichkeiten zum

Herumtollen, Plantschen und Herumfliegen, dass es den beiden niemals

langweilig wird. Und dann gibt es ja auch noch die vielen anderen Tiere,

die alle mit Friedel befreundet sind.

Das Gute ist: Friedels Freunde sind auch Mias Freunde. So spielen sie

mit Mani, der Maus, ebenso mit Hannes, dem Hasen, oder Eileen, dem

Eichhörnchenmädchen. Seine Freunde finden es nicht schlimm, dass

Friedel Vegetarier ist, denn was wirklich zählt, ist, dass er ein großes

Herz hat und viel Mut besitzt. Da auch die anderen Tiere am und im

Teich den kleinen ungewöhnlichen Frosch in ihr Herz geschlossen

haben, hat sich ein Sprichwort eingebürgert, das Friedels Name enthält.

Wenn etwas besonders gut ist, dann rufen die Tiere nicht „Friede,

Freude, Eierkuchen“, sondern „Friedel, Freude, Eierkuchen“. Und

wenn sie das sagen, haben sie immer ein Lächeln auf ihren Lippen und

denken an ihren Freund Friedel.

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„Oh“, ruft das Eichhörnchenmädchen Eileen an diesem

sonnigen Tag, „ist das nicht schön? Ich muss heute nicht in die

Eichhörnchenschule gehen und habe den ganzen Tag Zeit zum

Spielen und Herumklettern auf den Bäumen. Das ist doch wirklich

Friedel, Freude, Eierkuchen!“

Ihre Mama lacht: „Wenn du glücklich bist, dann ist bei mir auch

alles Friedel, Freude, Eierkuchen. Wann kommt dein Freund Friedel

eigentlich mal wieder bei uns vorbei?“

„Wenn ich darf, dann renne ich heute Nachmittag zum Teich

hinunter, um ihm einen Besuch abzustatten. Darf ich, Mama?“ –

„Aber sicher, mein Kind! Bei Friedel bist du bestens aufgehoben.“

Die Eichhörnchenmama schaut ihr kleines Mädchen zufrieden an.

Kann es etwas Schöneres geben als glückliche Kinderaugen?

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Warum „Friedel, Freude, Eierkuchen

immer weniger verwendet wird

Als Eileen, das Eichhörnchenmädchen, am Nachmittag am Teich

eintrifft, muss sie erst einmal ihre Pfote über die Augen legen, um gegen

die Sonne überhaupt irgendetwas zu sehen. Da vorne schwimmt er!

Fasziniert sieht sie zu, wie Friedel mit hoher Geschwindigkeit durchs

Wasser pflügt und direkt auf sie zuschwimmt.

„Erster!“, ruft Friedel und springt tropfend an Land. Als er Eileen

entdeckt, klatscht er ihr freundschaftlich seine patschnasse Hand auf

die Schulter, sodass Eileen lachend zur Seite springt.

„Du bist ja auch viel größer als ich, somit war das

Wettrennen eigentlich unfair“, meldet sich auf einmal Mia, das

Marienkäfermädchen, das komplett außer Atem am anderen

Ufer angekommen ist. Ihre kleinen Flügel zittern

ganz vor Anstrengung.

„Dafür ist schwimmen viel

anstrengender als fliegen“,

verteidigt sich Friedel, der

seinen Sieg genießen will.

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„Ach, und wie willst du das wissen, wenn du noch niemals geflogen

ist, du Ober-Friedel-Schlaumeier?“, entrüstet sich Mia.

„Stimmt!“, gibt Friedel kleinlaut zu und zieht eine Schnute. „Dann

einigen wir uns auf unentschieden.“ Eileen klatscht begeistert in ihre

Pfoten. Friedel und Mia verhalten sich wie immer: Sie mögen und sie

necken sich. Aber es ist niemals langweilig mit ihnen.

Kurz darauf umrunden die drei den Teich hüpfend, laufend und

fliegend und erzählen sich gegenseitig die besten Witze. Auf einmal

bleibt Eileen stehen und stemmt entrüstet ihre Pfoten in das

Fell. „Schaut mal her! Hier standen gestern wunderschöne lila

Schachbrettblumen, die mit ihren hellen Tupfen an ein Schachbrett

erinnern und ganz wundervoll duften. Es sind ganz seltene Blumen.

Und jetzt sehen sie ganz zerrupft aus. Man kann sie kaum noch

erkennen. Überall liegen zerrupfte Blütenblätter rum.“ Ihr Blick fällt

auf Friedel. „Das warst doch nicht etwa

du, oder?“

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Friedel schaut sie beleidigt an. „Spinnst du? Das sind geschützte

Blumen – das weiß doch jeder Frosch. Diese Blumen würde ich

niemals essen, großes Friedel-Ehrenwort. Vielleicht hat sich ein

großes Tier in den Blumen gewälzt und sie dadurch zerstört.“

„Nein, das glaube ich nicht!“ Eileen ist ganz nahe an die Wiese

herangetreten. „Dann wären die Blumenstängel geknickt und die

Blumen platt gedrückt. Aber sieh nur, Friedel, es hat den Anschein,

als ob jemand absichtlich die Blätter zerrissen hat. Überall liegen

ganz kleine Schnipsel. Wer macht denn so was?“

Nachdenklich und viel stiller als vorher setzen die drei ihren

Spaziergang fort. Leider bietet sich ihnen um die

nächste Ecke ein noch viel schlimmeres Bild.

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Die einst wunderschöne

Blumenwiese, die immer zuverlässig

Nahrung für viele Bienen und

Hummeln bot, ist ein

einziges Schlachtfeld. Keine

Blüte ist mehr ganz. Über die

Wiese sind kleine, inzwischen verwelkte Blütenschnipsel verstreut. Die

Pollen wurden aus den Blüten geschüttelt und liegen vertrocknet am

Boden. Noch nicht einmal die Seerosen auf dem Teich wurden von der

Zerstörungswut verschont. Friedel sieht sogar, dass die Blütenstängel

ganz unten verletzt wurden, sodass die Pflanze oben nicht mehr

genügend Wasser bekommt und abstirbt. Was ist nur los hier?

„Also“, stellt Friedel bedrückt fest, „wenn sowohl Blumen an Land

als auch im Wasser vernichtet wurden, dann muss es sich entweder

um ein Tier handeln, das sich sowohl an Land als auch im Wasser

aufhalten kann, oder ein Tier mit Flügeln.“

Eileen und Friedel schauen beide in Mias Richtung. Die läuft noch

röter an, als sie eh schon ist. „Was glotzt ihr mich so an?“, entrüstet

sich Mia. „Käfer tun so etwas doch nicht! Aber ich habe mal von

Heuschrecken gehört, die wie eine Plage über Felder und Wiesen

hergefallen sind.“

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„Das müssen wir beobachten und den anderen Tieren melden,

damit alle ihre Augen und Ohren offen halten. So etwas dürfen wir

an unserem Teich nicht dulden“, beschließt Friedel. Den Rest des

Nachmittags spielen die drei unter einem Baum und helfen Eileen,

Eicheln für den Winter zu finden. Aber ihre Gedanken kehren immer

wieder zu den zerrupften Blumen zurück.

Leider setzen sich die schlechten Nachrichten am

nächsten Tag fort und auch am übernächsten.

Immer mehr Tiere beschweren sich darüber, dass

sie mutwillig zerstörte Blumenwiesen entdecken.

Das Schlimme daran ist, dass es nicht so

aussieht, als ob die Tiere sich von den

Blumen ernährt hätten.

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Alles deutet eher darauf hin, dass jemand Lust

daran hatte, die Blumen einfach zu zerstören.

Zwischen den zerrupften Blütenblättern

liegt gelber Tierkot. Auch viele Nüsse und

Eicheln, die am Boden liegen, sind mit

Tierkot besudelt und die Eichhörnchen

fürchten, dass die Früchte deshalb nicht mehr genießbar sind.

Während man bis vor Kurzem noch überall das schöne Sprichwort

Friedel, Freude, Eierkuchen“ hören konnte, wenn jemand seine Freude

über irgendetwas ausdrücken wollte, wird die Stimmung am Teich

immer betrübter. Die Eichhörnchen sorgen sich darum, dass

sie für ihren Wintervorrat nicht mehr genügend

genießbare Eicheln und Nüsse finden. Die Bienen

müssen schon jetzt weite Strecken zurücklegen,

um an Blütenstaub zu kommen, und die

Mäuse müssen feststellen, dass es immer

schwieriger wird, im Schlachtfeld aus

zerrissenen Blütenblättern, vertrockneten

Pollen und Tierkot nach frischem Gras, Kräutern und Samen Ausschau

zu halten. Alle ärgern sich über die Zerstörung und Verschmutzung.

Klar ist, dass hier etwas unternommen werden muss.

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Friedel hat die Idee, nachts Wache zu

schieben, falls die Übeltäter in

der Nacht zuschlagen

sollten. „Das ist eine

gute Idee!“, meint seine

Mama. „Aber sicherlich wird das nicht deine Aufgabe sein. Du wirst

heute Nacht wie immer in deinem Algenbett schlafen. Dein Papa

und ich, wir ärgern uns auch darüber, dass jemand unsere Seerosen

frisst, in denen man sich so wunderschön sonnen kann. Wir werden

uns heute Nacht auf die Lauer legen.“

Das Gleiche bestimmt die Mäusefamilie, ebenso wie die Eichhörnchen,

Hasen und viele andere Tiere. Alle sind sich einig, dass man die

Übeltäter schnell finden muss, bevor sie weiteren Schaden anrichten.

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Wie Mani, die Maus, eine wichtige Entdeckung macht

Am anderen Morgen herrscht helle Aufregung am und um den

Teich herum. Die Frösche haben nachts leuchtende gelbe Punkte

gesehen. Den Hasen ist etwas Schnelles um die Ohren geflattert. Die

Eichhörnchen hätten die Übeltäter fast auf frischer Tat ertappt und

konnten gerade noch eine Blumenwiese retten. Aber keiner hat sie

wirklich gesehen.

Keiner? Das stimmt nicht ganz. Mani, der Fußball spielende

Mäusejunge, wacht in der Nacht nach einem

Albtraum plötzlich auf. Seine

Eltern halten draußen Wache

und trippeln von Mäusebau

zu Mäusebau, um nach

Verdächtigem Ausschau

zu halten. Aber wem soll

Mani nun seinen Albtraum erzählen,

wo seine Geschwister doch so fest schlafen, als wären sie mausetot?

Es geht um seinen Fußball aus Stroh und Lehm, den er in mühevoller

Arbeit zusammengeklebt hat. In seinem Traum war er verschwunden.

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In seiner Panik kann ihn Mani im

Mäusebau auch außerhalb seines

Traums nicht finden und so nutzt er

einen Hinterausgang, um ins Freie

zu schlüpfen.

Fast wäre er vor Schreck tot

umgefallen, als er aus einem

verwilderten Schrebergarten, den

längst niemand mehr nutzt, laute

Stimmen hört. Er duckt sich hinter einen großen Stein

und lauscht. Es hört sich nach einer Horde randalierender jugendlicher

Tiere an. Vorsichtig lugt er hinter seinem Stein hervor und sieht

im Schein des Mondlichts eine ganze Kolonie gelber Marienkäfer.

Sie sitzen auf den gelben Blüten der Trompetenblumen, die die alte

Holzhütte überwuchern. Die Käfer

sind dort perfekt getarnt, aber ihre

schwarzen Punkte verraten sie

und Mani kann im Dunkeln

sehr gut sehen.

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Die Käfer benehmen sich ganz seltsam. Sie stürzen sich mit Heißhunger

auf die Läuse, die auf Blüten und Stängeln sitzen, und essen so viele von

ihnen, dass sie sofort Durchfall bekommen. Kaum verdaut, geht das

Fressen weiter. Aber nicht nur die Läuse landen in ihrem Darm. Immer

wieder schlecken sie auch am Blütenstaub der Blumen. Das ist noch

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viel seltsamer, denn eigentlich essen Marienkäfer keine Pollen. Danach

verhalten sie sich äußerst eigenartig: Sie schwirren wie betrunken durch

die Luft und können kaum ihr Gleichgewicht halten.

„Kein Wunder geht es ihnen nicht gut“, denkt sich Mani.

„Pollen sind nicht für Marienkäfer geschaffen. Außerdem

hat uns meine Mama immer gesagt, wir sollen uns von den

Trompetenblumen fernhalten. Die Blüten müssen giftig sein.“

Plötzlich schreien alle Käfer durcheinander und hüpfen wie wild

auf den Blüten herum. Mit ihren vielen Beinchen rupfen sie an den

Blütenblättern. Die Käfer setzen sich mitten in die Blütenstempel und

schaufeln mit den Beinchen die Pollen heraus, die sie nicht gegessen

haben, sodass sie in alle Richtungen wegspritzen. Nachdem

sie in den Blüten alles zerstört haben, krabbeln sie an den

Blütenstängeln nach unten und knabbern den Stiel an. Aber

der schmeckt ihnen gar nicht und sie spucken die Teile sofort

wieder aus.

So etwas hat Mani noch nie gesehen und

es macht ihm Angst. Schnell schlüpft

er wieder in seinen Mäusebau. Zu dumm,

dass Mama und Papa nicht da sind und er

ihnen nicht erzählen kann, was er gesehen hat.

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Simone Kettendorf

www.kettendorf.de

Geboren 1971 und aufgewachsen am Rande der

Schwäbischen Alb, lebt sie heute im Raum

Karlsruhe. Die hauptberufliche Marketingreferentin

begeistert schon immer mit ihren

fantasievollen Geschichten Jung und Alt.

So sind bis heute vier Kinderbücher und

ein Roman für Erwachsene entstanden.

Mele Brink

www.melebrink.de

Geboren 1968 in Ostwestfalen, lebt sie seit

Mitte der 80er-Jahre in Aachen. Nach einem

Architekturstudium hat sie sich 1998 völlig der

Zeichnerei verschrieben und produziert seitdem

heitere Bilder in Form von Comics („Rucky

Reiselustig“), Cartoons, Porträtkarikaturen,

(Schulbuch-)Illustrationen und Wimmelbildern für Verlage, Firmen,

Filme und Vereine. Ihre auftragsfreien Zeichnungen werden seit 2011

bei der Edition Pastorplatz herausgegeben.

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Kann eine Freundschaft zwischen einem Frosch und

einem Marienkäfer auf Dauer funktionieren? Wird

Friedel zu Mia halten, auch wenn alle anderen Tiere die

vermeintlich gefräßigen Marienkäfer vom Seerosenteich

vertreiben wollen? Die Freundschaft zwischen Friedel

und Mia wird auf eine harte Probe gestellt, als

sich alle Tiere am Teich von den Marienkäfern

abwenden. Friedel weiß selbst irgendwann nicht

mehr, was wahr und was falsch ist. Der kleine Frosch

muss seine Freundin ganz alleine gegen alle verteidigen und

beweisen, was wirklich passiert ist.

Zum Lesen und Vorlesen für Kinder ab 3 bis 8 Jahren und alle

jung gebliebenen Erwachsenen.

Damit Friedel, der Frosch, auch weiterhin ein Zuhause hat, produzieren wir das Buch

mit Druckfarben auf Wasserbasis auf FSC-zertifiziertem Offsetpapier. Das trägt auch

zu unserem Bestreben und unserem Motto bei, Bücher mit angenehmer Haptik und

schöner Aufmachung zu produzieren: Natürlich! Kinderbücher.

ISBN 978-3-943833-28-7

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