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26 USABILITY OF FOOD

In Abhängigkeit von dem Versorgungszustand des Bodens und der Anrechnung von Bewirtschaftungsmaßnahmen

werden im Mittel 90 kg N/ha, 25 kg P2O5 und 92 kg K2O/ha empfohlen (Horn und Fürstenfeld, 2001).

Bei der in der Praxis innerhalb eines Schlages häufig zu beobachtenden schwankenden N-Verfügbarkeit (vgl.

Übersicht 3) können Standardrezepte der Offizialberatung und Zuckerindustrie, die auf heterogenen Schlägen

ohne zonale Zu- und Abschläge übernommen werden, nur suboptimal sein. Wie langjährige Düngungsversuche

belegen, ist in den „fruchtbaren“ Zonen infolge einer höheren N-Verfügbarkeit mit einem erhöhten α-

Amino-N-Gehalt der dort angebauten Rüben zu rechnen. So ist nachgewiesen, dass mit der Zugabe von 1 dt/ha

Kalkammonsalpeter (ca. 27 kg N) der α-Amino-N-Gehalt nahezu linear um 1,4 mmol/1000 g Rübe ansteigt

(Horn und Fürstenfeld, 2001). Bekanntermaßen verschlechtern zu hohe N-Gehalte im Boden über steigende

Standardmelasseverluste den ausbeutbaren Zuckergehalt und damit die technische Qualität der Zuckerrübe. Im

Gefolge der erhöhten Stickstoffaufnahme nimmt auch die Kalium- und Natriumaufnahme der Rübe zu, was

den Standardmelasseverlust noch weiter erhöht.

Mineralböden enthalten meist 0,02 bis 0,4 % Stickstoff, dies entspricht bei einer Krume von 30 cm einer

möglichen Spanne von 900 bis zu 18000 kg N/ha (Schilling, 2000). Übersicht 3 zeigt anhand von 2 Beispielschlägen

am Rande der Magdeburger Börde, mit welchen potentiellen Schwankungen der theoretischen N-

Verfügbarkeitspotentiale allein auf Basis der Ausgangsparameter zu rechen ist.

Übersicht 3: Schwankungen der organischen Substanz und des Gesamt-N-Gehaltes

Bodenprobe Bodenart OrgS. N-Ges. Theor. N-Menge

Wi-1_R tL 3,20 % 0,15 % 6750 kg/ha

Wi-1_B tL 3,00 % 0,12 % 5400 kg/ha

Wi-2_B tL 2,90 % 0,13 % 5850 kg/ha

Ger_1B tL 2,90 % 0,12 % 5400 kg/ha

Ger-1_R sL 2,60 % 0,12 % 5400 kg/ha

Ger-2_B lS 2,70 % 0,11 % 4950 kg/ha

Quelle: Eigene Beprobungen und Berechnungen nach Schilling

Bodenuntersuchungsergebnisse: AGROLAB Boden- und Beratungsdienst GmbH

Selbst auf einem anscheinend homogenen Schlag (Wi-1) mit einheitlicher Bodenart (tL) schwanken die

Gehalte an organischer Substanz signifikant. Rechnet man den N-Gesamtgehalt (N-Ges.) nach Schilling

(Schilling, 2000) auf die theoretische N-Menge je Hektar hoch, dann wird ersichtlich, dass selbst in einem Feld

mit gleicher Bodenart die theoretische N-Menge um fast 1000 kg/ha schwanken kann. Davon sind allerdings

mehr als 90 % des Stickstoffes organisch gebunden (ebenda). Doch unterliegen diese organischen Formen im

Rahmen der bodeninternen Mineralisierungsprozesse einem raschen Ab- und Umbau, wobei die pflanzenaufnehmbaren

Formen entstehen.

Zwischen den beiden Schlägen weist die Tabelle unterschiedliche Bodenarten aus, die sich entsprechend in

den Werten „OrgS“ und „N-Ges“ sowie im theoretischen N-Angebot noch stärker unterscheiden. In der Praxis

sind auf vielen Ackerbaubetrieben Schläge in Bewirtschaftung, die innerhalb einzelner Schläge Zonen mit

unterschiedlichen Bodenarten, wie in Übersicht 3 dargestellt, aufweisen. Auf solchen Schlägen wäre dann mit

einem Potentialunterschied von bis zu 2000 kg N/ha zu rechnen. Selbst wenn davon während der Vegetationsperiode

nur 5 % verfügbar werden, entspricht dies immerhin 100 kg N/ha oder 4 dt/ha des bereits oben

erwähnten Düngemittels Kalkammonsalpeter. Dies würde dann bedeuten, dass der Gehalt an α-Amino-N um

bis zu 5,4 mmol/1000 g Rüben schwanken könnte. Da die Rübe bis in den Herbst hinein Nährstoffe aufnimmt,

kommt folglich gerade im Qualitätsrübenanbau einer zonalen Berücksichtigung dieser Verfügbarkeitspotentiale

eine große Bedeutung zu, zumindest wenn die Schläge bezüglich ihres N-Nachlieferungsvermögens als

heterogen einzustufen sind.

Die hier vorgestellten Bodenproben wurden auf Basis aktueller Satellitenaufnahmen und mit Hilfe GPSgestützter

Beprobungsverfahren im April 2006 auf Winterweizenschlägen gezielt gezogen. Im Rahmen der

gängigen Fruchtfolge sollen auf diesen Feldern der Landkreise Bernburg und Köthen auch Zuckerrüben angebaut

werden.

Die gewählte Vorgehensweise der Probenahme auf Basis von Satellitenbildern zeigt auch für den Laien eindeutig,

dass die unbemannte Raumfahrt in der Präzisionslandwirtschaft großflächig sehr hilfreiche Dienste

leisten kann, um die zonal unterschiedlichen N-Nachlieferungspotentiale aufzuspüren und noch besser räumlich

zu definieren. Forschungsarbeiten auf Basis mehrjähriger Satellitenbildreihen, die den Aufwuchs der Vorfrüchte

auswerten, zeigen, wie man Bereiche festlegt, in denen eine entsprechende zonal ausgerichtete Bodenbeprobung

erfolgen sollte (Dohmen et al., 2004). Es ist heute grundsätzlich möglich, insbesondere auf größe-

FORUM WARE 34 (2006) NR. 1 - 4

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