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GEBRAUCHSTAUGLICHKEIT VON LEBENSMITTELN 33

Gesundheit und ein langes Leben – wer wünscht sich das nicht? So ist auch der Trend zu „Gesundheitsfördernden

Nahrungsmitteln“ ungebrochen. Während gesunde Ernährung noch vor 15 Jahren bedeutete, die als

negativ betrachteten Inhaltsstoffe wie Kalorien, Fett oder Natrium zu reduzieren, dominiert jetzt der Wunsch

nach bewusster Aufnahme bestimmter, gesundheitsfördernder Substanzen. Funktionelle Lebensmittel werden

diesem Trend gerecht, müssen jedoch die Erwartungen der Verbraucher hinsichtlich der gesundheitlichen Wirkungen

auch erfüllen. Probiotika sind in dieser Hinsicht am besten etabliert und erforscht.

Immerhin 43 % aller Haushalte achten Umfragen zufolge beim Kauf darauf, Produkte mit einem gesundheitsfördernden

Zusatznutzen zu erwerben (1). Kaufmotive sind Erhalt der Gesundheit, der Wunsch sich selbst

etwas Gutes zu tun sowie der Ausgleich von Ernährungssünden (16). Der Verbraucher hat ein lebhaftes Interesse

an Lebensmitteln, die die Gesundheit auf „sanftem“ Weg erhalten, was u. a am seit Jahren steigenden

Marktvolumen für funktionelle bzw. probiotische Milchgetränke (10, 16) ersichtlich wird.

Dem starken Bedürfnis der Verbraucher nach Förderung von Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit

sowie der Prophylaxe von Erkrankungen tragen spezielle Lebensmittel Rechnung, die als Functional Food

oder funktionelle Lebensmittel bezeichnet werden. Functional Food sind Lebensmittel, die einen über ihren

Nähr- und Genusswert hinausgehenden Nutzen für die Gesundheit aufweisen (19). Die verwendeten Synonyme

„Pharmafoods“, Health Food oder Nutraceuticals deuten bereits auf den gesundheitlichen Wert dieser

Lebensmittel hin. Eine einheitliche Definition für Functional Food existiert jedoch bisher nicht. Klare Regelungen

für diese Produktgruppe existieren nur in Japan.

Es gilt als das Ursprungsland für funktionelle Lebensmittel und übernimmt damit auch im internationalen Vergleich

eine Vorreiterrolle im Bereich der Produkte mit Zusatznutzen. Die asiatische Bevölkerung ist seit Generationen

traditionell mit dem Gedanken vertraut, dass bestimmte Lebensmittel positiv auf die Gesundheit und

die Stimmung wirken können (9).

FOSHU – Lebensmittel für spezielle Ernährungszwecke

Der Begriff „funktionelles Lebensmittel“ ist in den meisten Ländern im Lebensmittelrecht nicht als eigene

Produktgruppe definiert. In Japan jedoch dürfen funktionelle Lebensmittel, die ein spezielles Zulassungs- und

Prüfverfahren durchlaufen haben, die Bezeichnung „Foods for Specified Health Use“ (FOSHU), d. h.

Lebensmittel mit einem speziellen Gesundheitsnutzen tragen (Abb. 1).

Abb. 1: FOSHU-Siegel

Probiotika – für das Leben

FORUM WARE 34 (2006) NR. 1 - 4

Vor einer Zulassung durch das japanische Ministry of Health and

Welfare muss der Hersteller umfangreiche Dokumente einreichen, die in

einem mehrstufigen Verfahren überprüft werden. Dabei weist der

Hersteller die gesundheitsfördern-den Eigenschaften des Produktes oder

des Inhaltsstoffes auf Basis von medizinischen oder ernährungswissenschaftlichen

Daten nach (9).

Für den Hersteller handelt es sich um ein kosten- und zeitintensives

Verfahren (mehr als 1 Jahr). Ist die Anerkennung jedoch erfolgreich,

kann er sein Produkt als FOSHU bewerben (9, 18). Der Verbraucher hat

durch dieses aufwändige Verfahren die Sicherheit, dass das FOSHU-

Lebensmittel die zugesagte gesundheitliche Wirkung hat und keine

Nebenwirkungen zu erwarten sind.

Probiotische Lebensmittel sind in vielen Nationen die Wegbereiter für Lebensmittel mit einem gesundheitlichen

Zusatznutzen. Der Name leitet sich ab vom griechischen Ausdruck „pro bios“ („für das Leben“). Unter

Probiotika versteht man z. B. lebende Milchsäurebakterien (in erster Linie Lactobacillen und Bifidobakterien),

die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen und dort positive gesundheitliche Wirkungen

erzielen (2, 12). Anders als die Milchsäurebakterien herkömmlicher Joghurtkulturen sind sie widerstandsfähig

gegenüber den Verdauungsenzymen und -sekreten. Sie siedeln sich im Darm an und können – regelmäßig

verzehrt – die Darmflora günstig beeinflussen.

In Japan werden Probiotika bereits seit mehr als 70 Jahren erforscht. Da in asiatischen Kulturen der Darm als

Sitz der Seele und der Gesundheit angesehen wird, kommt seinem Wohlbefinden besondere Aufmerksamkeit

zu. Der japanische Wissenschaftler Dr. Minoru Shirota entdeckte 1930 das gesundheitsfördernde Milchsäurebakterium

Lactobacillus casei Shirota und entwickelte kurz darauf das Getränk Yakult. In Japan gehört das

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