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36 USABILITY OF FOOD

Gesundheitliche Effekte von Probiotika

Die Gesundheitseffekte der Probiotika stehen meistens direkt oder indirekt in Zusammenhang mit dem

Magen-Darm-System, d. h. seiner Funktion als Stoffwechselorgan oder der als wichtiges Immunorgan (80 %

aller immunkompetenten Zellen befinden sich im Darm). Die Liste der Erkrankungen, die möglicherweise mit

Probiotika behandelt werden können, verlängerte sich in den letzten Jahren zunehmend (3).

Bewiesen ist – so resümiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (6) - inzwischen, dass Probiotika

• Symptome bei Laktoseintoleranz abschwächen

• Durchfälle durch Rotaviren verkürzen

• Durchfälle nach Einnahme von Antibiotika vermeiden helfen

• Krebsfördernde Enzyme und andere unerwünschte Produkte des Stoffwechsels der Darmflora verringern

Abb. 4: Häufigkeit von atopischen Ekzemen (allergischen Hautausschlägen) bei Kleinkindern mit und ohne Probiotika

(LGG) (13, 14)

Anteil 2- und 4-jähriger Kinder

mit atopischen Ekzem (%)

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

2-jährige

4-jährige

Wenige, aber gut geplante wissenschaftliche Studien weisen darüber hinaus nach, dass das Erkrankungsrisiko

und die Symptome bei einer Lebensmittelallergie und atopischen Dermatitis (Neurodermitis) verringert

werden können (5, 6). Der Zusatz von Pro- und Präbiotika zu Babynahrung kann den Aufbau einer Bifidobakterien-betonten

Darmflora in den ersten Lebensmonaten fördern. Darüber hinaus können das Neurodermitis-

Risiko vermindert bzw. Beschwerden bei Neurodermitis abgeschwächt werden. Dies wurde u. a. für den Keim

Lactobacillus Goldin und Gorbach nachgewiesen. Durch die Gabe dieses Probiotikums kann das Risiko für

eine Neurodermitiserkrankung bei Kleinkindern mit einem hohen erblichen Risiko um die Hälfte gesenkt werden

(Abb. 4) (13, 14).

Gerade dem Aufbau der Darmflora direkt nach der Geburt wird eine zunehmende Bedeutung beigemessen,

u. a. im Hinblick auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen. Der Gastroenterologe Simon H. Murch,

London, dazu in der wissenschaftlichen Zeitschrift Lancet: ”Die Dominanz von Bifidobakterien und Milchsäurebakterien

in der Erstflora des Säuglings der dritten Welt (und dem Säugling des Europas des 19.

Jahrhunderts) wurde zunehmend durch eine Flora mit einer Reihe von im Krankenhaus erworbener Organismen

ersetzt, was zu einer evolutionären neuen Disharmonie zwischen der Darmflora der Mutter und des Säuglings

führte und durch Verfahren wie Kaiserschnitt oder Zugang zu Intensivstationen verschlimmert wurde.”

(17).

Darüber hinaus wirken etliche Probiotika bei unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Verstopfung)

sowie Atemwegsinfektionen bei Erwachsenen (2, 5, 6, 7). Chronische Verstopfung (Obstipation) mit

hartem Stuhlgang und wenigen Stuhlentleerungen pro Woche (weniger als 3) kommt sehr oft bei Frauen vor.

In Deutschland berichten rund 15 % der Frauen und 5 % der Männer ihrem Arzt von diesem Problem. Mit

zunehmendem Alter wird dieses chronische Leiden immer häufiger.

Probiotika können verschiedene Symptome einer Obstipation verbessern. In einer placebokontrollierten Studie

reduzierte sich nach täglicher Aufnahme von 6,5 x 10 9 Lactobacillus casei Shirota über zwei Wochen der

Schweregrad der Obstipation (Abb. 5). Die Stuhlfrequenz stieg von drei auf sechs Stuhlgänge pro Woche in

2-jährige

4-jährige

Placebo Lactobacillus LGG

FORUM WARE 34 (2006) NR. 1 - 4

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