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GEBRAUCHSTAUGLICHKEIT VON LEBENSMITTELN 1

WIE TAUGLICH SIND LEBENSMITTEL?

Volker Pudel*

Kurzfassung

Zwischen der Gebrauchs- und der Gesundheitstauglichkeit muss bei Lebensmitteln unterschieden werden.

Das Essverhalten des Verbrauchers ist überwiegend durch emotionale Bedürfnisse reguliert. Das breite und

tiefe Lebensmittelsortiment erlaubt jedem Verbraucher, jene Produkte zu wählen, die seine Bedürfnisse erfüllen.

Eingeschränkt wird die Gebrauchstauglichkeit allerdings durch Kennzeichnungsvorgaben, die zwar für

wichtig gehalten, aber nicht zutreffend verstanden werden. Durch Halbfertig- und Fertigprodukte wird die

Gebrauchstauglichkeit erhöht, so dass zunehmende Defizite bei Koch- und Küchenfertigkeiten kompensiert

werden. Die Gesundheitstauglichkeit bei Lebensmitteln ist zwingende gesetzliche Vorgabe, reicht aber nicht

aus, um eine vollwertige Ernährung mit gesundheitsfördernden Konsequenzen zu sichern, die durch Auswahl,

Kombination und Mengendosierung verschiedener Lebensmittel definiert ist. Die kognitiven Informationen

der Ernährungsaufklärung haben keine nachhaltige Wirkung auf das emotional regulierte Essverhalten ausgeübt.

Daher ist die „Gebrauchstauglichkeit“ der Ernährungsinformation als eher gering einzustufen.

Einführung

Lebensmittel sind „Mittel zum Leben“, sie werden im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) angeboten und sind

teils sofort verzehrbar oder erst nach küchenmäßiger Behandlung genießbar. Das neue Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände-

und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) regelt seit 1. September 2005 die Verkehrsfähigkeit von

Waren und gibt in der Kennzeichungsverordnung den Rahmen vor, wie Lebensmittel deklariert werden müssen

bzw. dürfen [5]. Wenn die Frage nach der Gebrauchstauglichkeit von Lebensmittel gestellt wird, dann

muss beantwortet werden, ob diese Rahmenbedingungen für den Verbraucher sinnvoll und/oder ausreichend

sind, damit der Verbraucher mit Lebensmittel sachgerecht umgehen und sie praxisnah anwenden kann.

Gerade im Hinblick auf die immer noch ansteigende Prävalenz von Übergewicht und anderen ernährungsabhängigen

Erkrankungen in der Gesellschaft stellt sich die weitere Frage, ob Sortimentsbreite und –tiefe im

Lebensmittelmarkt auf diese ungünstige Entwicklung einen Einfluss haben und ob ggf. durch Veränderungen

der Angebotspalette sowie ihrer Darreichung günstige Veränderungen auf die Gesundheitssituation der Bevölkerung

erzielt werden könnten.

So kann die Tauglichkeit von Lebensmitteln unter zwei Aspekten betrachtet werden: Wie hoch ist der Tauglichkeitsgrad

bestimmter Produkte, um sachgerecht, unkompliziert und ergebnisortientiert eine Mahlzeit anzurichten,

die schmeckt und sättigt? (Gebrauchstauglichkeit) Oder: Wie hoch ist der Tauglichkeitsgrad

bestimmter Produkte, um über ihren Verzehr eine gesundheitlich günstige Verpflegung sicher zu stellen?

(Gesundheitstauglichkeit) Die optimale Tauglichkeit umfasst sowohl die Gebrauchs- als auch die Gesundheitstauglichkeit.

Situationsbeschreibung

Ab 1950 hat sich das Angebot von Lebensmittel dramatisch verändert. Bestand für den Verbraucher früher

eine ständige „Suchaufgabe“, Lebensmittel zu finden, um sich ausreichend ernähren zu können, so stellt die

Überflusssituation den Verbraucher vor eine permanente „Entscheidungsaufgabe“ für, zumeist aber gegen

Lebensmittel [6]. Der deutsche Lebensmittelmarkt bietet ca. 240.000 verschiedene Lebensmittel zu durchschnittlich

günstigen Preisen. Aus diesem riesigen Angebot entscheiden sich die Verbraucher für eine individuell

unterschiedliche, aber dennoch extrem kleine Auswahl von jeweils ca. 100 verschiedenen Produkten.

Das Essverhalten, und damit auch das Einkaufsverhalten, ist ein überwiegend emotional an Bedürfnissen ausgerichtetes

Verhalten, das zwar häufig rationalisiert wird, aber kaum rationalen Strategien folgt. Folgende

Motive sind – unterschiedlich kombiniert – für das Verbraucherverhalten festzustellen [7]:

FORUM WARE 34 (2006) NR. 1 - 4

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