Heimat-Rundblick Frühjahr 2018

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Magazin für Kultur, Geschichte und Natur

„Im Nebel der Vergangenheit“

Das Rätsel um die Entstehung der dörflichen Ansiedlung „Neuenkirchen“ am östlichen Geestrand der Weser

Das Kirchdorf Neuenkirchen liegt am Ostufer

der Unterweser (Niederweser), etwa auf halber

Strecke zwischen Bremen-Mitte und Bremerhaven.

Heute ist es verwaltungsmäßig ein Ortsteil

von Schwanewede, Kreis Osterholz, Land

Niedersachsen, und schließt unmittelbar am

nördlichen Rand des Landes Bremen an,

genauer an dessen Ortsteil Farge-Rekum.

Das Kirchspiel und das Gericht Neuenkirchen

entstanden nach den historischen Überlieferungen

„als Erzbischof Liemar im Jahre 1071

seinen treuen Vasallen des Adelsgeschlechtes

„von Stelle“ das Kirchspiel mit Ländereien

und Landgütern beschenkte und später 1080

auch die Gerichtsbarkeit für dieses Kirchspiel

übertrug“, so berichtet zumindest die Historie

des heutigen Ortes.

Doch können diese überlieferten Daten auch

das Gründungsdatum des Ortes sein, wie kann

man einem Gefolgsmann die Herrschaft über

ein Gebiet schenken, welches noch nicht existiert?

Dann könnte es ja nur unbewohntes

Ödland gewesen sein. Also muss das Dorf, vielleicht

auch ein kirchlicher Andachtsraum,

früher entstanden sein!

Das Adelsgeschlecht derer „von Stelle“ residierte

auf einem schlossähnlichen Gutshof am

Ortsausgang Neuenkirchen nach Rade. Im Jahr

1791 brannte der Gutshof ab und wurde nie

wieder aufgebaut, nur das Vorwerk „Steller

Bruch“, welches als Meierhof zum Steller Gut

gehörte, erinnert heute noch daran.

Peschel 1974, Hochwasserwarnanlage

Gehen wir einmal in der Geschichte zurück,

Anno 780 weist „Karl der Große“ dem angelsächsischen

Priester Willehad den Gau Wigmodien

als Missionsgebiet zu und er begann alsbald

darauf die Sachsen als Bewohner zu christianisieren.

Nach der Überlieferung wirkte Erzbischof

Liemar sehr viel später, vom Jahre 1072

bis 1101, vor ihm wirkten an seiner Stelle bereits

von 1035 – 1043 Adalbrand (auch: Bezelin,

Alebrand) und danach von 1043 – 1072 Adalbert

I., Pfalzgraf von Sachsen, als Erzbischöfe des

Erzbistums Hamburg-Bremen. Noch vor der

Schenkung Anno 1071 vermuten wir die Gründung

und Entstehung des Dorfes Neuenkirchen,

als Erzbischof Liemar hiernach noch gar nicht

im Amte war.

Die alten Stedinger Lande - Copyright v. Wersebe 1815

Der „Bremisch Verdische Rittersahl“, von Luneberg

Mushard, berichtet 1720 (p508), dass den

„von Stelle zum Stellerbroke“ im Jahre Christi

1080 das Gericht zu Neuenkirchen an der

Weser gegeben wurde. Das Wirken der adligen

Herren von Stelle wurde ausgiebig in der Chronik

der St. Michaels-Kirche zu Neuenkirchen

von Karl Heinz Berendt beschrieben. Aber es

gab noch einen Adligen, der als Stadtvogt von

Bremen sicherlich einen Einfluss auf die

Geschehnisse um Neuenkirchen hätte haben

können, nämlich „Adolf von Neuenkirchen“!

Doch konnte er der Begründer und Namensgeber

sein? Nein, er trat sehr viel später mit Heinrich

dem Löwen in Erscheinung.

Adolf von Neuenkirchen entstammte dem

Hause der Grafen von Ricklingen (Hannover). Da

er an den Gütern der Grafenfamilie nicht erbberechtigt

war, wird angenommen, ein Halbbruder

oder Stiefkind gewesen zu sein und war

als Gefolgsmann des „Heinrich der Löwe“ im

Raum Goslar ansässig. 1153 wurde Adolf von

Neuenkirchen mit der Vogtei zu Bremen von

Welfenherzog „Heinrich dem Löwen“ betraut

(Urkunde Heinr.d.Löwe 21). Nach dieser

Urkunde hat sich Adolf von Neuenkirchen nach

Neuenkirchen in Osterstade genannt, was

RUNDBLICK Frühjahr 2018

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