Heimat-Rundblick Frühjahr 2018

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Magazin für Kultur, Geschichte und Natur

Die Familie Hackfeld

Aufstieg und Niedergang des ehemals größten Unternehmens im Südseeraum

Vorbemerkung:

Das Haus des Bremer CVJM in der Birkenstraße

Verwaltungsgebäude des Hackfeld-Konzern auf Hawaii

Mit diesem Aufsatz soll versucht werden, das

Lebenswerk des Heinrich Hackfeld und dessen

Neffen und Nachfolgers Johann Friedrich Hackfeld

ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

Beide Familien haben ihre Spuren sowohl in

Bremens Innenstadt als auch in St. Magnus hinterlassen.

Während meines Vortrages über Persönlichkeiten

unserer Stadt am 3. April 2003 in

der ehemaligen Hackfeldschen Sommervilla in

St. Magnus war ich versucht zu sagen, dass Bremens

Geschichte um einiges ärmer wäre, wenn

es Bremen-Nord nicht gäbe. Das können wir

allerdings aus heutiger Sicht nur so sagen, denn

zu der Zeit, als sich Bremer Reeder, Kapitäne,

Künstler, Senatoren und Kaufleute ihre Sommerhäuser

hier an der Lesum und an der Weser

errichten ließen, gehörte dieser Landstrich -

mit Ausnahme von Vegesack - bis 1939 zu

Preußen und zuvor zum Königreich Hannover.

Absichtlich habe ich die Kaufleute zuletzt

angeführt, um darauf hinzuweisen, dass es in

Bremen unüblich war, von einem Großkaufmann

zu reden. Trotz eines verdienten Wohlstandes

gab man sich bescheiden und so sprach

man in Bremen zum Beispiel vom Weinkaufmann,

Getreidekaufmann, Kaffee- oder Holzkaufmann.

Die Hackfelds waren Überseekaufleute,

und zwar die größten mit Firmensitz in

Honolulu.

Die auswärtige Konkurrenz bezeichnete die

Bremer Kaufleute als „Pfeffersäcke" und zum

anderen sagte man: „Die Bremer Kaufleute sind

so steif wie ihr Grog".

Zu Bremen-Nord wäre noch zu sagen, dass

sich die zuvor erwähnten Kaufleute und dergleichen

seit Beginn der zweiten Hälfte des vorletzten

Jahrhunderts und auch überwiegend im

zweiten Abschnitt ihres Lebens hier angesiedelt

haben, so auch die Hackfelds. Es galt der

Spruch: „Landluft macht frei".

Biografien und Beschreibungen über

Geschäftsentwicklungen sind auch immer

Dokumente der Zeitgeschichte die - je länger

die Zeit darüber vergeht - oft in Vergessenheit

geraten. Das ist mir besonders bei meinen

Recherchen über Baron Ludwig Knoop, dem

Besitzer von Schloss Mühlenthal in St. Magnus,

und dem Gutsbesitzer Johannes Pellens aufgefallen,

der für seine Frau die Villa Marßel bauen

ließ.

Erfreulicherweise trägt das CVJM-Haus in der

Bremer Birkenstraße in großen Lettern die

Foto: R. Matzner

Foto aus Privatbesitz

Bezeichnung „Konsul-Hackfeld-Haus", ein Zeichen,

dass dieser christlich orientierte Verein

dem Konsul Hackfeld sich zu Dank verpflichtet

fühlt. In ähnlich anerkennender Weise schrieb

die Delmenhorster Zeitung 1992 unter der

Überschrift: „Das Märchen von Heinrich Hackfeld"

und „Es war einmal ein armer Junge"'.

Dabei wurde berichtet, dass der Hackfeldsche

Marienfonds wieder zur Verfügung steht. Diese

beiden Hinweise mögen schon mal den großzügigen

Charakter beleuchten, der mit dem

Namen Hackfeld verbunden ist.

Lebenslauf des Firmengründers

Heinrich Hackfeld

Es begann mit Heinrich Hackfeld, der am 24.

August 1816 in Almsloh bei Ganderkesee als

Sohn armer Eltern geboren wurde. Sein Vater

war von Beruf Tagelöhner und verstarb am 7.

Februar 1824, als Heinrich siebeneinhalb Jahre

alt war. Die Mutter hatte danach drei Töchter

und vier Söhne zu versorgen. Tätigkeiten als

Hütejunge beim Bauern, mäßiger Schulbesuch

und ärmliche Lebensverhältnisse bestimmten

Heinrichs Kindheit. Nach der Konfirmation, also

im Alter von etwa dreizehn oder vierzehn Jahren,

verließ Heinrich Hackfeld seinen Heimatort

im Oldenburgischen in Richtung Amsterdam,

um Seemann zu werden. Amsterdam war

damals der Treffpunkt aller Fahrensleute aus

der Gemeinde Ganderkesee und Umgebung.

Zahlreiche junge Männer zog es dort hin, weil

sie in ihrer Heimat keine Zukunft sahen. Nach

mehreren Fahrten besuchte Heinrich mit finanzieller

Unterstützung eines Freundes die Steuermannsschule

in Bremen. Mit achtundzwanzig

Jahren segelte er als Kapitän und Mitbesitzer

des Schiffes „Expreß" zunächst nach Honolulu.

Sein Schiff strandete 1845 bei der Insel Batan.

4 RUNDBLICK Frühjahr 2018

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